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1911
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In 1911, einem guten Weinjahr, lassen sich sicher noch ein paar schöne Bordeaux finden. Ich erinnere mich gerne an einen vor 2 Jahren getrunkenen Lanessan, einen ganz tollen und deutlich jünger wirkenden Wein mit brillianter Farbe, superlang und komplex am Gaumen. Wie gut, daß die Zwillingsflasche noch in meinem Keller liegt. Vergrätzt hat uns im Oktober 2005 erst ein Margaux. Was da aus der Flasche kam, hatte zwar immer noch eine gesunde, sehr dichte und dunkle Farbe, doch die Madeira-ähnliche, hohe Säure des aus Vorsichtsgründen direkt aus der Flasche eingeschenkten Weines machte einen Genuss unmöglich. Also der Glasinhalt samt Rest der Flasche ab in eine Karaffe. Erstaunlich, wie der Margaux sich dort glättete, wie er weicher wurde. Klar, da war mehr Herbstlaub als Frucht, aber es blitzte mit der Zeit auch noch die delikate Margaux-typische Eleganz auf. Vom reinen Genussfaktor trotzdem nicht höher als 82/100 einzuschätzen, aber es gibt ja auch noch andere Kriterien. Zuletzt 2007 ein Cheval Blanc in gutem Zustand aus dem perfekten Keller des Erstbesitzers. Gesunde Farbe, in der Nase Oliven und viel Unterholz, ein großer Spaziergang durch einen frühherbstlichen Wald nach einem Regenschauer. Immer noch die sprichwörtliche Eleganz eines großen Cheval Blanc, auch am Gaumen. Klar war da nicht mehr viel Kraft, keine Power wie beim 47er, aber immer noch erstaunliche, fruchtige Finesse, einfach delikat, unterstützt von einer leichten Säure. Immer mehr entwickelte sich dazu am Gaumen die feine Süße eines perfekt gereiften, alten Weines - 96/100.
Fündig wird man in jedem Fall in Burgund, denn 1911 war eins der ganz großen Burgunderjahre. Etwas irritiert war ich 2007 von einem Pommard von Leon Violland. Der Wein stammte vom Gut und war dort neu ausgstattet worden, d.h. dekantiert, geschwefelt in die alten Flaschen zurückgefüllt, was auch der Korken angab. Deutlich deshalb auch die Schwefel-Nase dieses aufgefrischten Seniors, der eine erstaunlich brilliante Farbe besaß und ein großes Aromenspektrum bei gleichzeitig kräftiger Säure am Gaumen. Dabei war er sehr komplex und lang – 96/00.
Auch in anderen französischen Anbaugebieten lohnt die Suche. Im Elsass galt das Jahr ebenso als sehr gut wie an der Loire und an der Rhone.
Grosses Weinjahr in Deutschland. Einfach ein einmaliger, optischer Genuss war 2008 die alte Schlegelflasche mit dem Wehlener Münzlay von Conrad Dietz aus dem seinerzeit viel besungenen Elferjahr, einem der besten, deutschen Weinjahrgänge des letzten Jahrhunderts. Doch gerade die Optik wird diesem Wein zwischendurch zum Verhängnis geworden sein, war doch diese Flasche prädestiniert zur Zierde eines jeden Kaminsimses. So fehlten nicht nur 9 cm Wein, es fehlte auch jeder Genuss bei dieser spezifarbenen Flüssigkeit, die mit ihrer massiven Säure allenfalls entfernt an Madeira erinnerte.
Für eine sehr positive Überraschung sorgten zwei Anfang der 90er bei Christies ersteigerte Flaschen 1911 Perriet Jouet. Beide erwiesen sich 1998 und 2001 mit güldener Farbe, ohne Mousseux, aber auch kaum Firne, mit deutlichem Brotton und Anis als vorzügliche Essensbegleiter. Kein Wunder, war doch 1911 ein ganz großes Champagnerjahr.
Für Portwein ein sehr gutes Vintage-Jahr.
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