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1916

Die Bordeaux dieses besten 1.Weltkriegjahres müssen ihre ersten Besitzer ganz schön genervt haben. Sehr unzugängliche Weine mit strammem Tanningerüst. Klassisches Beispiel ist der Calon Ségur, den ich in den letzten 10 Jahren 8mal getrunken habe. Bei meiner leider letzten Flasche vor 2 Jahren notierte ich: "irrer Stoff, hat immer noch Tannin, aber auch kräftige, nicht störende Säure, geht als 50 Jahre jünger durch, suchen alter Calon Segurs lohnt!" Sehr überzeugend auch mehrfach Lanessan. Ich hätte keine Hemmungen, nicht nur die genannten Weine, sondern auch andere Medocs aus guter Lagerung zu kaufen.
Vier großartige Exemplare dieses Jahrgangs hatte ich 2006 auf meiner Raritätenprobe. Der schwächste dieses beeindruckenden Quartetts war Pontet Canet. Reife Farbe, feine Nase mit Teer und Leder, aber auch etwas Aceton, sehr weit, käsige Töne – 86/100. Die hellste Farbe des Flights hatte Lanessan. Der hatte ganz zu Anfang etwas Liebstöckel in der Nase. Das ging aber weg und es entwickelte sich eine einfach geile, leicht exotisch anmutende, süße Nase. Am Gaumen viel Kraft und Länge, erst etwas astringierend, und dann stellte sich auch hier immer mehr diese geile Süße ein – 95/100. Malartic Lagravière zeigte leichte Eukalyptustöne und viel Minze. Beides ist bei klassischen, großen Bordeaux nichts ungewöhnliches, siehe 45 Mouton. Faszinierend für einen Wein dieses Alters die immer noch intakte, ziemlich dichte Farbe. Feinfruchtige Nase mit feiner Süße, auch am Gaumen die feine Süße eines ganz großen Weines und viel Nachhaltigkeit. Ein ganz großer Wein, der deutlich jünger wirkte – 97/100. Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon mit anderen 16ern gemacht, so mehrfach mit dem überragenden Calon Ségur. Fast etwas verloren wirkte neben diesen Boliden der Margaux. Auch der hatte noch eine erstaunlich dichte Farbe, eine tolle Aromatik, Eleganz und Finesse gepaart mit feiner Süße. Am Gaumen war aber auch eine sehr prägnante Säure, die den Wein etwas schlank erscheinen ließ – 92/100.
Zwei weitere 16er dann in 2007. Ein einfacher St. Julien, eine Händlerabfüllung von Alex Labourdette aus Bordeaux, hatte eine helle, aber intakte, brilliante Farbe mit wenig Alter. Ein feinduftiger, eleganter Wein, der durch die präsente Säure nicht nur am Leben gehalten wurde, sondern auch eine erstaunliche Frische erhielt, baute auch über längere Zeit im Glas nicht ab – 91/100. Einfach hin dagegen Latour. Sehr gut der äußere Zustand mit very top shoulder. Eine Bombe hätte dieser Latour sein müssen, stattdessen war es ein Rohrkrepierer. Flüchtige Säure ohne Ende, Klebstoff, Schuhcreme, einfach untrinkbar.

In Burgund wurden reichlich simple, kurzlebige Weine erzeugt. Da dürfte sich heute nichts Trinkbares mehr finden lassen.

Gut sollen die 16er von der Rhone gewesen sein.



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