Startseite Einführung Weinjahrgänge Weinkritik Tips & Links Kontakt/Impressum
Weinjahrgänge:



Themen:
Top 100


1919

Große Ernte in Bordeaux, aber eher frühreife Weine. Eine 1993 getrunkene Gruaud Larose Magnum hatte immer noch eine schöner Farbe und attraktiver Nase, aber doch sehr gezehrt am Gaumen, trotzdem noch trinkbar – 86/100. Auch ein Haut Brion 1999 in einer Best Bottle konnte eher mit seiner klassischen Graves Nase überzeugen. Am Gaumen dominierte die Säure und machte ihn ungenerös – 82/100. Deutlich schwächer 2006 auf der großen Haut Brion Probe, eher ins rostige gehendes, immer noch dichtes Rotbraun, am Gaumen schon arg gezehrt und Morbidität stand Vordergrund, da muss man schon einen Großvater oder wenigstens eine alte Eiche aus 1919 haben, um an so etwas Gefallen zu finden – 75/100. Latour hatte 2007 bei einer Verkostung auf Chateau Latour immer noch eine erstaunlich dichte Farbe. Dazu für einen alten Wein geradezu eine Supernase mit fast explosiver Aromatik. Trüffel, Waldboden, Pilze – wunderschön. Am Gaumen störte erst die doch sehr kräftige Säure, die sich aber mit der Zeit glättete, gute Fülle und Länge, einfach ein perfekt gereifter, klassischer Latour – 93/100. Immer noch sehr gut zu trinken war 2006 trotz deutlichen Alters ein namenloser Margaux (nicht das Chateau Margaux) in einer Händlerabfüllung, reif, aber nicht morbide, immer noch mit erstaunlicher Frucht und einfach rund und samtig – 90/100. Ein Siran wirkte 2005 trotz heller Farbe mit wenig Brauntönen noch sehr jung. In seiner etwas spröden Art hätte ich ihn eher in 1966 geschickt – 89/100. Zur damaligen Zeit nahmen es die Winzer mit den Jahrgängen nicht so genau. Da wurden dann kleinere Jahre schon mal mit einem besseren Vorgängerjahr angereichert. Ich bin mir sicher, dass hier auch eine gehörige Portion 1918er mit drin war.

Gar nichts falsch machen kann man wohl mit 1919er Burgundern, vorausgesetzt, sie wurden vernünftig gelagert. In diesem großen Jahrgang gab es eine kleine Ernte hervorragender Weine.
Ich habe aus den letzten 10 Jahren zahlreiche, begeisterte Verkostungsnotizen, darunter z.B. 1995 einen trotz 6 cm Schwund und deutlichem Alterston immer noch sehr gut trinkbarem Chapelle Chambertin von Collin & Bouriset – 88/100. Sehr überzeugend ein La Romanée von Charles Vienot – 94/100. Ein Hospice de Beaune von Guichard Potheret & Fils hatte 2005 eine helle, aber sehr klare Farbe. Störende Nebentöne(alter Fahrradschlauch) verfliegen rasch, unendliche Eleganz, in der Nase kommt die bei alten, großen Burgundern so häufig anzutreffende Sauerkirsche, auch am Gaumen ganz feine, reife Säure – 98/100.
Gerne erinnere ich mich noch an die Sylter Sansibar, wo wir 2000 nach einer Reihe jugendlicher Parker 100 Granaten einen Nuits St. Georges Cailles von Morin tranken. Ein unglaublicher Stoff, immer noch mit für einen Burgunder kräftiger Farbe ohne Braun, sensationelle Nase, perfekt am Gaumen – 100/100. Eindeutig für alle Beteiligten der beste Wein des Abends und klarer Beweis, wie relativ doch 100 Punkte für junge Weine zu sehen sind. 2003 habe ich mit René Gabriel und ein paar Schweizer Freunden als krönenden Abschluss einer Probe einen traumhaften Clos Vougeot von Geisweiler getrunken, leider mein einziger! Auch das war ein Klasseburgunder mit toller Struktur und Länge, in 1919 kann man wohl gar nichts falsch machen – 96/100. Ein Chambolle Musigny von Abel Porte, eigentlich eine Dorflage, aus diesem Jahrhundertjahrgang im Burgund war 2007 ein Monument ohnegleichen. Kaffee ohne Ende, geröstetes Brot, leicht karamellige Süße, gebrannte Crême, so eine aromatische Dichte und immer neue Facetten, auch noch Frucht, unglaubliche Länge, Dichte und Komplexität, einfach ein Traum – 100/100. Groß auch 2007 ein Morey St. Denis aus der Collection Dr. Barolet. Unglaublich, welche Frische, Länge und Dramatik dieser deutlich jünger wirkende Wein heute noch zeigt – 98/100.
Zuletzt war Anfang 2008 bei „Braui meets Schorn“ selbst ein leider korkiger Nuits von Misserey war trotz dieses Fehlers immer noch genießbar und deutete seine gewaltige Klasse an. Trotz gut 8 cm Schwund war auch ein Nuits St. Georges von Guichard Potheret ein herrlich gereifter Burgundertraum, der trotz seiner nunmehr fast 90 Jahre immer noch ein beachtliches Standvermögen zeigte – 95/100. Star des Flights ein gewaltiger Richebourg von C. Marey&Cie, der mit seiner perfekten Struktur, seiner Komplexität und mit toller Süße selbst zu nachtschlafender Zeit noch mal alle Sinne forderte – 98/100.

Rar und jederzeit noch eine Sünde wert ein griechischer Süßwein, der Muscat de Samos von P. Antoniades. 2007 Kraft und Freude zugleich. Rosenduft, Muskat, aber auch der Geruch frisch kandierten Zuckers, der mich auf Volksfesten immer zu den Buden zieht, wo gebrannte Mandeln gefertigt werden. Am Gaumen ein süßes, aber nicht klebriges Konzentrat mit irrer Länge, auch hier wieder der kandierte Zucker, den man schon in der immer noch erstaunlich brillianten, bräunlichen Farbe zu erkennen glaubte. Einfach großartig – 96/100.



Nach oben

1918 | 1920