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1920
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Mit 1920 begann in Bordeaux ein Jahrzehnt, in dem es die Natur sehr gut mit den Weinen meinte und das man gut mit den 80ern vergleichen kann. 1920 steht oft zu Unrecht im Schatten des 21ers, hier wurden mindestens ebenbürtige, ganz große und zum Teil sehr langlebige Weine geschaffen.
Einer der besten Weine des Jahrgangs dürfte Latour sein, den ich 2007 bei Michel Rostang in Paris trinken durfte. Unglaublich dichte, gut 50 Jahre jünger wirkende Farbe. In der Nase klassisch Latour mit Trüffeln und der leicht bitteren Walnuß. Wie eine Eins stand der Wein im Glas. Klar war das kein Jüngling mehr, aber auch noch längst kein Weingreis. Gut gereift, aber immer noch mit Tanninen, baute wunderschön im Glas aus und entwickelte eine feine Süße. Wie gerne hätte ich davon eine OHK im Keller, um die weitere Entwicklung dieses Traumstoffs über die nächsten 20-30 Jahre verfolgen zu können. Ein ganz großes Weinerlebnis – 99/100. Sehr überraschend 2007 ein Pontet Canet aus einer midshoulder Flasche. Superdichte Farbe, in der Nase reife Bananen, am Gaumen kompakt, bissig durch die Jahrgangstypische Säure, leicht portig, etwas Karamelle, aber auch noch Frucht und Tanninreste, stand wie eine „1“ im Glas und entwickelte sich. Eigentlich hätte er neben den reinen 90/100 Genusspunkten noch reichlich Ehrenpunkte verdient.
1994 hatte ich schon - wie kann es anders sein - einen schönen Lanessan getrunken. Der hatte zwar deutlich Alterstöne in der schon bräunlichen Farbe und auch eine kräftige Säure am Gaumen, war aber immer noch gut trinkbar – 87/100. Eine große Überraschung war ein erst im Januar 2004 ersteigerter Smith Haut Lafite in einer perfekten Eschenauer-Abfüllung. Bei einer Probe während der Prowein 2004 und – weil er so schön war - gleich vier Wochen später noch mal in einer Best Bottle ging er in Stilistik in Aromatik als großer La Mission aus den 50ern durch und dürfte in dieser Form noch ein längeres Leben vor sich haben – 97/100. Und zuletzt 2008 stellte dieser Wein in absoluter Perfektion 55 La Mission und La Tour Haut Brion deutlich in den Schatten – 100/100. Ein Cheval Blanc besaß 2000 eine sehr helle Farbe, feine Süße, war sicher lange über Höhepunkt weg, aber immer noch schön – 88/100. Doch bei älteren Weinen müssen es nicht unbedingt die großen Namen sein. Bestes Beispiel dafür war 2001 eine Clos Fourtet Magnum, trotz mieser Füllmeng(ls) ein gereiftes, großes Weinerlebnis, erst Sherry im Schokoladenmantel, dann wunderbar malzige Süße, tanzt auf der Zunge, wird im Glas immer schöner mit feiner Würze, ein großer "alter" Wein und ein tolles Trinkerlebnis – 95/100. Dicht und etwas ruppig 2000 ein Figeac, der nicht mehr viel Freude bereitete – 78/100. Grandios dagegen 2007 ein Mondesir aus St.Emilion. Dichte, intakte Farbe, immer sehr kräftig, dabei deutlich jünger wirkend und so frisch, animierend und schön. Ein feiner, intensiver Wein, der immer noch Frucht besitzt. Zeigt deutlich die Größe des Jahrgangs und könnte in dieser Form auch aus den 70ern stammen – 95/100. Mein größtes 20er Erlebnis aber war ein erst im Januar 2004 ersteigerter Smith Haut Lafite in einer perfekten Eschenauer-Abfüllung. Bei einer Probe während der Prowein 2004 und – weil er so schön war - gleich vier Wochen später noch mal in einer Best Bottle ging er in Stilistik in Aromatik als großer La Mission aus den 50ern durch und dürfte in dieser Form noch ein längeres Leben vor sich haben – 97/100. In Burgund wurde die Ernte nach einem sonnenarmen Sommer durch einen sehr schönen September gerettet. So entstand insgesamt ein guter Jahrgang, aus dem sich sicherlich noch etwas finden lassen müsste.
Auch in Spanien muss der Jahrgang gut gewesen sein. Ein 2000 bei Corte Ingles in Madrid erworbener Marques de Legarda ging ein Jahr später in einer Blindprobe als großer, gereifter Bordeaux durch. Er zeigte deutlich, dass die Suche nach gut gelagerten Riojas aus den 20ern sehr lohnend sein kann.
Qualitativ kamen die Süßweine da 1920 nicht mit. Ein 2001 auf dem Weingipfel in Arosa getrunkener Schloß Johannisberg Goldlack, seinerzeit mit 124 Öchsle geerntet, bernsteinfarben, in der Nase erste Politurtöne, kräftige Säure, war bereits auf dem langsamen Weg ins Jenseits.
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1919 | 1921
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