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1921
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1921 erlebte Mitteleuropa einen sehr heißen Sommer und eine frühe Ernte, Bedingungen also, wie wir sie in Zukunft wohl häufiger erleben werden. Die 21er Vorläufer von 2003?
In Bordeaux wurden eine Legende erzeugt - Cheval Blanc - etliche schöne Weine, aber auch viel Mist. Die Winzer hatten damals noch nicht die heutigen technischen Möglichkeiten, insbesondere der Temperaturkontrolle bei der Gärung. Viele wurden mit den zuckerreichen Mosten einfach nicht richtig fertig. Dreimal durfte ich den Cheval Blanc aus wunderbaren Magnums trinken, zuletzt im Mai 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe. Ein ungemein dichter, kräftiger Wein mit toller Aromatik und schöner Süße. Fast in derselben Liga der Petrus mit sensationellem Bouquet und intensiver Süße, zuerst 1993 auf Walter Eigensatz Petrus-Probe getrunken und danach noch mehrfach in sehr schönen Magnums. Rustikal, kräftig und trotz deutlichen Brauntönen immer noch gut in Form 1995 der Ausone. Ein Geheimtip Cantemerle, sicher der beste, jemals auf diesem Gut erzeugte Wein. Zwischen 1996 und 2001 mehrmals getrunken, sehr helle, reife Farbe, malzig, süß, perfekt gereifter, großer Bordeaux mit toller Länge. Ferrière hatte 2006 eine noch sehr dichte, intakte Farbe, in der Nase erst etwas medizinal, Hustensaft, dann kam immer mehr Frucht, malzige Süße wie bei einem großen Rioja, am Gaumen samtig und weich – 94/100. Gruaud Larose stark von massiven Tanninen dominiert, zuletzt 2001 eine eckige, ungeneröse Flasche, davor aber auch schon in deutlich schöneren Magnums getrunken. Durch die kräftige Säure und gute Struktur noch viel jünger wirkend Lanessan. Nur einmal getrunken Latour, 1993 auf Rodenstocks Arlbergprobe aus der Jeroboam, noch mit viel Kraft, entwickelte sich im Glas und müßte auch in der 1tel noch gut sein. Léoville las Cases hatte 2005 noch eine kräftige Farbe mit deutlichem Braunrand, pilzige Nase mit reifen Wiesen-Champignons, aber auch die typischen Kaffee- und Mokkaaromen großer, älterer Weine, baut im Glas nicht ab und ist trotz gewisser Säure schön am Gaumen - 92/100. Margaux zeigte 1995 auf einer Drawert-Probe zwar eine gesunde, dichte Farbe, eine wunderschöne Süße in Nase und Gaumen, jedoch deutete die mit der Zeit überhandnehmende Säure ein rasches Ende an. Wie unterschiedlich alte Flaschen sein können, zeigte Palmer. Zweimal - 1992 und 1995 auf Drawert-Proben als eher schon zu alt empfunden - zeigte sich 2001 eine Flasche von Jürgen Drawert, wohlmöglich aus demselben Lot, als Riesenteil mit irrer Länge, feiner Süße und ohne jede Müdigkeit. In der gleichen Probe dann auch der sonst in den meisten Jahrgängen eher sperrig wirkende Montrose endlich mal als ein richtig großer, reifer Wein mit Finesse und schöner Süße. Auch 2007 zwar zwar mit einer leicht stahligen, blechernen Nase, dafür aber am Gaumen trotz aller Struktur ganz und gar Montrose-untypisch zugänglich mit feiner Süße und Finesse – 93/100. Altwein auf recht hohem Niveau und durchaus noch mit Genuss zu trinken war Haut Brion 2006 auf der großen Haut Brion Probe, sehr reife Farbe, reif auch in der eher Richtung Herbstlaub gehenden Nase. Am Gaumen aber ein sehr spannender, aromatischer Wein mit feiner Süße, der sich positiv im Glas entwickelte. Überhaupt nicht müde und mit beachtlicher Länge – 86/100.
Auch in Sauternes wurde eine Legende erzeugt - Yquem - und viele schöne Weine. Den Yquem habe ich nur einmal, 1995, wirklich groß erlebt mit dunkler, dabei sehr klarer Farbe, schöner Mokka/Kaffeenase, frisch(!), kräftiger und angenehmer Säure, auf hoffnungsvollem Weg ins nächste Jahrtausend. Mehrere weitere Flaschen auf großen Proben waren es einfach nicht. Mal hatte eine 1993 recorkte Flasche noch kräftige Säure, aber wenig Boytritis und Süße, dazu einen unangenehm säuerlicher Nachgeschmack. Dann waren andere Flaschen einfach zu alt oder schmeckten nach allem, nur nicht nach 21 Yquem. Da gibt es wie bei vielen Weinlegenden zwei Hauptprobleme. Zum einen werden diese Weine ob ihres hohen Preises häufig gefälscht. Wo 21 Yquem draufsteht, ist deshalb noch längst nicht 21 Yquem drin. Zum anderen gehören Yquem und Mouton zu den meistgereisten Weinen dieser Welt. Wenn Sie eine solche vielgereiste Flasche erwischen mit 12 Vorbesitzern, hundert mal stolz herumgezeigt und auf Kaminsimsen präsentiert, dann lassen Sie diese besser zu und erhalten sich die Illusion. Der Inhalt ist es nicht mehr. Da ist das Geld dann, wenn es denn 21 sein muss, besser in kleineren Gewächsen angelegt. Ein Doisy Daene in Vandermeulen Abfüllung, 1999 bei Sothebys für ein 20stel des Yquem-Preises ersteigert, zeigte erst kürzlich wieder eine unendliche Eleganz und Länge. Sehr schön, kräftiger und mit einer nicht unangenehmen Bitternote im Abgang als Vandermeulen der Coutet. Selbst eine halbe Flasche Chateau de Ricaud hat 1996 noch viel Spaß gemacht. Enttäuscht war ich dagegen 1993 von einem Lafaurie-Peraguey, sehr dunkle, fast schwarze Farbe, leichte Medizinalnase, eckig, plump.
Ähnliche Probleme wie in Bordeaux herrschten in Burgund, doch wurden auch hier einige sehr schöne, langlebige Weine erzeugt. Filigran, lang, mit toller Beerenfrucht 2001 ein Richebourg Vandermeulen. Der erlebt sicher auch noch seinen 100sten. Zuletzt 2008 tiefdunkle Farbe, intensive Kaffee- und Mokkatöne, dezent oxidativ, malzige Süße, alter Balsamico, brachte immer noch reichlich Kraft und Fülle ins Glas – 96/100. Ein hedonistisches, überreife-üppiges, portiges Superteil in 2001 der Chambertin Vandermeulen. Ein Chambolle Musigny von Bourdillat aus dem Keller des Vieux Restaurant Weber in Paris hatte 2005 eine reife, bräunliche Farbe, in der Nase zunächst die (über-)reife Frucht eines älteren Rioja, später kommen leichte Jod-Töne dazu, am Gaumen perfekt balanciert und kein Alter, zeitlos schöner, eleganter Burgunder, erst nach längerer Zeit im Glas kam am Gaumen vermehrt Säure dazu, so ein Wein darf halt nicht ewig offen bleiben. Als "Analysegerät" würde ich einem solchen Wein 94/100 geben, als Weinliebhaber kann ich ihn nur als ein unwiederbringbares, großes Erlebnis bezeichnen, das man mit Punkten nur beleidigen kann.
Jahrhundertjahrgang im Elsaß. Ein Gewürztraminer Selection Grains Nobles von Klipfel hatte 2006 eine betörende, parfümiert wirkende Nase, ein großes Rosenbeet, in der Nase mehr Süße als am Gaumen, wunderbare Würze, deutliche, sehr angenehme Bitternoten, geht etwas in Richtung Muskat, nicht mehr sehr süß und unglaublich lang am Gaumen. Ein großer Wein, der einfach von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang gleichmäßig stark war – 97/100.
Absolut grandios war 1921 für deutsche Süßweine. Es gilt als größtes Jahr des letzten Jahrhunderts, und die hochgelobten 2003er müssen da erst mal drankommen. Nur ein einziges Mal, 1993, durfte ich die legendäre Bernkasteler Doctor TBA probieren, ein Wahnsinnswein, der am Gaumen garnicht mehr aufhörte. 1995 hatten wir dann zu zehnt noch mal zusammengelegt für eine Probe mit dem "Doctor" als Höhepunkt. Der Verkäufer saß mit am Tisch, er war echt, die Flasche nicht! Teilweise entschädigt wurden wir von einer grandiosen Nackenheimer Rothenberg TBA der Hessischen Staatsdomaine, kräftige, dunkle Farbe, besaß noch schöne Säure und feine Süße, minutenlanger Abgang!, toll. 2001 dann eine sehr schöne Niersteiner Hipping Riesling TBA vom Weingut Schmidt aus Rheinhessen. 2006 eine Hochheimer TBA, mehr Angaben gab es nicht zu diesem Giganten, genaue Lage und Winzer blieben im Dunkeln. Güldene, aber immer noch brilliante Farbe, wunderbare Süße, balanciert durch gute Säure, bittere Orangenmarmelade, irre Länge am Gaumen – 98/100. Gut gelagerte 21er Süßweine würde ich bedenkenlos nachkaufen.
Aus Spanien habe ich nur den Vega Sicilia Unico getrunken, im Frühjahr 2001 und dann noch mal im Herbst auf der großen Vega-Probe. Beide Male hat er mich sehr enttäuscht. Einer sensationell dichten Farbe und - in der besseren der beiden Flaschen - leichten Karamellnase - folgten animalische Töne, eine am Gaumen fast untrinkbare Säure, dazu immer mehr Kartoffel und Sauerkraut, schade.
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1920 | 1922
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