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1935

In Bordeaux nach einem warmen Sommer eine große, aber total verregnete Ernte. Da dürfte heute kaum noch etwas brauchbares zu finden sein. Ein untrinkbares Säuremonster war in seine Jugend sicher Cos d´Estournel. Genau diese Säure, die am Gaumen immer noch massiv spürbar war, hatte diesen Wein aber am Leben gehalten. So hatte er 2006 auf der großen Cos-Probe eine sehr dichte, deutlich jünger wirkende Farbe, etwas balsamisch, wirkt verbrannt, aber für den Jahrgang absolut sensationell und durchaus trinkbar – 83/100.
Mehr Glück hatten da schon die Winzer in Burgund, die eine sehr gute Ernte einbrachten. 35er Burgunder werden heute selten angeboten, sind aber die Suche wert. Ein Monthélie Gelicot Hospice de Beaune von Doudet-Naudin war 1994 der Star einer Drawert-Probe. Ich habe diesen Wein danach noch mehrfach verkostet, zuletzt 1999. Ein seidig-kräftiger Ausnahmeburgunder, der auch als großer 59er durchginge.

Vereinzelt tauchen auch noch edelsüße deutsche Weine auf, doch war hier 1935 kein gutes Jahr. Ich habe hier nur 1993 eine Oppenheimer Reifekar TBA von der Staatsdomaine getrunken, weit entwickelt, rosinig mit deutlichem Medizinalton. Wer den Jahrgang unbedingt braucht, ok. Sonst gibt´s aus anderen Jahren besseres.

Durchaus trinkbar könnte auch noch der ein oder andere Spanier sein. So 2007 auf René Gabriels Spanien-Probe ein Bodegas Palacio Reserva Especial, bei dem der Genuss allerdings stark durch Kork getrübt wurde.

Mein eigentlicher Favorit und Star des Jahrgangs stammt aus Kalifornien. 1935 war in Kalifornien kein großes, aber ein gutes Jahr. Nur 2 Jahre nach dem Ende der Prohibition hat dort Simi einen Ausnahmewein produziert. Ich hatte ihn 1997 durch Zufall in einem Restaurant in Atlanta entdeckt. Die 10 Jahren vorher neuverkorkte Flasche mit perfekter Füllmenge hatte eine erstaunlich dichte Farbe mit Orangenrand, massive, tragende Säure, am Gaumen komplex und lang, großer Stoff, dem ich sein Alter kaum glauben konnte. Wir reservierten sofort die zweite Flasche und tranken sie an gleicher Stelle ein Jahr später. Auch diese war in bestechender Form. Soviel zum Reifepotential kalifornischer Weine!
Eine dritte Flasche dieses Simi Cabernet Sauvignon entkorkten wir im September 2005, als er wieder wie eine Eins im Glas stand. Erstaunlich kräftige Farbe, in der Nase etwas Jod, aber auch Fruchtreste, Kaffee, am Gaumen massive Statur, Kraft, balsamische Noten, entwickelt schöne Süße - 95/100.



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