Startseite Einführung Weinjahrgänge Weinkritik Tips & Links Kontakt/Impressum
Weinjahrgänge:



Themen:
Top 100


1943

Gilt als das größte der Kriegsjahre in Bordeaux. Viele schöne Weine, aber natürlich auch Enttäuschungen. Da oft erst nach Kriegsende abgefüllt wurde - auf Mouton erst im Sommer 1946 - blieben etliche Weine länger im Faß als wünschenswert war. Zu letzteren gehörte wohl der Calon Ségur, der 1994 auf einer Rodenstock-Probe aus der Magnum eckig und grün wirkte.

Lynch Bages hatte 2008 eine sehr reife Farbe, einfach deutlich zu alter Wein, ungenerös und bitter am Gaumen - 75/100. Mouton Rothschild war 2008 ein sehr ansprechender, feiner, hocheleganter Tropfen, etwas fragil vielleicht, aber mit Leder und viel Minze, sehr aromatisch am Gaumen, noch überhaupt nicht alt oder senil – 90/100.

Ducru Beaucaillou war auf der großen Ducru-Probe 2006 kein Genuss mehr, helle Farbe, Stinker in der Nase, am Gaumen säurelastig, bitter - 76/100. Auch ein Gruaud Larose, sonst eins meiner Lieblingchateaus, wirkte 1993 auf Rodenstocks 14. ausgetrocknet. Broadbent, der aus derselben Magnum wie ich trank, bewertet mit "at best ***", mehr als "*" war da bei mir nicht drin. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, Das gilt auch und gerade für alte Weine.

Ein einfacher Medoc des französischen Handelshauses Ochsner&Fils hatte 2007 in der Nase Massig Leder, Tabak und Zedernholz, am Gaumen kräftige, aber tragende Säure, ein in Ehren gut gereifter, alter Wein – 84/100.

Verlässlich wie (fast) immer La Mission. 2000 auf einer Probe reife Farbe, deutlicher Orangenrand, wunderbare Graves-Nase, leicht morbide Süße, kräftige, tragende Säure, immer noch sehr schön zu trinken, macht es sicher noch 5-10 Jahre - 91/100. Da kam 2006 in der großen Haut Brion Probe der Nachbar Haut Brion nicht mit. Der war einfach nur mager, ruppig und hart – 78/100.

Ein 2006 getrunkener Tour du Guetteur aus muss so etwas wie ein Vorläufer der heutigen Garagenweine gewesen sein. Aus einer kleinen, in Terrassen angeordneten und nur von Hand bewirtschafteten Parzelle direkt unterhalb des gleichnamigen Turms aus den mittelalterlichen Befestigungsanlagen des Städtchens St. Emilion wurde in kleinen Mengen diese Cuvée erzeugt. Superdichte Farbe, immer noch gute Frucht, Brombeere in Bitterschokolade, da war Kraft und Komplexität und eine tolle Länge am Gaumen – 94/100.

Wunderbare Pomerols. Einer meiner Favoriten Conseillante in einer hervorragenden R&U Abfüllung. 1999 auf einer Best Bottle unglaublich, nicht weit vom 45er weg, feine Süße, sehr lang – 95/100.. Die Zwillingsflasche im letzten Jahr etwas reifer wirkend, aber sehr fein mit schöner Süße – 93/100. Petrus war 1993 in der Wachau aus der Magnum perfekt gereifter, alter Wein, nicht so kräftig und üppig wie die Petrus ab 45, aber doch sehr elegant – 92/100..

Ein sehr gutes Weinjahr war 1943 auch in Burgund mit einer kleinen Ernte langlebiger Weine.
Gespannt war ich deshalb im Herbst 2006 auf den Hospice de Beaune Cuvée Brunet von Patriarche Pére & Fils aus dem besten der Kriegsjahrgänge. In diesem Jahrgang hatte die Natur mit späten Frösten im Mai für eine natürliche Begrenzung der Erntemengen gesorgt. Spritzmittel standen nicht zur Verfügung, den elendigen Kalidünger, mit dem bis in die 80er hinein die Weinberge überdüngt und versaut wurden, gab es noch nicht. Die Beerenhäute waren dick, der Wein wurde nach klassischer, heute verpönter Art nicht entrappt sondern mit Stängel vergoren. Und aus eben diesen Stängeln bezog ein solcher Wein die eigenen, in der Jugend häufig etwas bitteren Tannine. Gerade die verliehen ihm aber das Standvermögen, die Frische, machten zusammen mit der natürlich begrenzten Erntemenge einen großen Wein ohne Ferkeleien im Keller möglich. Er brauchte halt zur Entwicklung etwas Zeit, langsamer Wein eben. Wir profitierten jetzt davon. So ein traumhafter, rassiger, immer noch jung wirkender Burgunder mit pikanter Frucht und einer unglaublich tiefen, vielschichtigen Nase. Wurde im Glas immer besser und entwickelte eine feine Süße – 96/100. Daneben lagen wir 2007 mit einem einfachen Côte de Beaune vom Bordelaiser Handelshaus Mähler Besse. Der besaß zwar noch eine recht gefällige Nase, war aber am Gaumen ein erbarmungsloser Säuerling.
Ohne den leider störenden Korkton wäre 2008 ein immer noch fruchtiger, kompletter, langer Fleurie von Octave Crémieux sicher ein Wein auf 95/100 Niveau gewesen.

In Rioja galt 1943 nicht nur als gutes Jahr. Hier blieb man auch weitgehend von den Kriegswirren verschont. Ein 1943 Imperial Gran Reserva von CVNE aus der halben(!) Flasche entpuppte sich als weitaus besser als nur „noch trinkbar“. Immer noch mit erstaunlich gesunder Farbe, zwar leichter Orangenrand, aber dichter Kern. Sehr weich und elegant mit feiner Süße, dabei kein Zeichen von Alter oder Müdigkeit, einfach schön – 90/100.

Auch in Deutschland das beste Kriegsjahr. Auf Schloß Johannisberg erfolgte die Ernte unter ständiger Angst vor feindlichen Tieffliegern. Umso schöner das Ergebnis. Die Rosalack Auslese hatte 1998 die güldene Farbe einer alten BA, erst leicht oxidative Nase, Süße inzwischen fast völlig aufgezehrt, blühte im Glas dann wieder auf mit Karamelltönen und Crême Brulée. Dann noch mal 2001 auf der 700-Jahrfeier von Schloß Johannisberg als BA mit 128° geerntet, großer Wein mit toller Nase, lebendig, kandierte Früchte, lang am Gaumen, den er toll auskleidet, sicher 98/100 wert und ein großes Weinerlebnis.
1943 war auch ein sehr gutes Champagner-Jahr. Ein Dom Perignon war 2003 auf meiner Raritätenprobe immer noch schön und frisch mit dezentem Mousseux und faszinierende Aromatik. Groß auch 1996 auf einer Drawert-Probe ein Moet & Chandeon Cuvée Bicentennaire, kräftige Farbe, wie alter Rosé-Champagner, in der Nase Storck´s Riesen, am Gaumen erst Sherry Fino, wird weicher, cremig, lang, sicher ein 95+/100 Erlebnis. Zuletzt 2007 noch immer Mousseux. Reife Farbe, in der Nase Champignongs, dazu kamen immer mehr Brottöne. Was erst spontan wie ein vielleicht zu alter Champagner wirkte, entwickelte sich unglaublich im Glas. Etwas Luft tat dieser, damals zum 200jährigen Bestehen der Mutterfirma von Dom Perignon abgefüllten Cuvée sehr gut. Da kam richtig Freude auf, ein sehr komplexer, kräftiger Champagner, der lang am Gaumen blieb – nur nicht im Glas, dazu war er einfach zu gut – 96/100.

Die großen Portweinhäuser haben 1943 keinen Vintage Port gemacht. Das war vielleicht ein Fehler. Ein Quinta da Eira Velha Port zeigte 1993 auf einer Drawert-Probe eine helle Farbe, schöne, nussige Nase, am Gaumen pures Marzipan und einen langen Abgang. So etwas ist mit Sicherheit noch für relativ kleines Geld zu finden.



Nach oben

1942 | 1944