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1945

Traumjahrgang mit Traumweinen in fast allen Regionen.

In Bordeaux wurden konzentrierte, kräftige Weine mit großem Alterungspotential erzeugt. Dafür hatte die Natur auf ihre Art gesorgt. Nach frühem Austrieb gab es am 1. Mai in Bordeaux Schnee und am Tag darauf kräftigen Frost. So wurde auf natürliche Art und Weise die Erntemenge reduziert.

Zwiespältig der Mitte der Neunziger sechs mal aus der Magnum getrunkene Calon Ségur. In den besseren Flaschen sehr überzeugend mit immer noch schöner Frucht und kräftiger Säure, in anderen Flaschen hingegen hart, rustikal und säurelastig. Deutlich schöner 2005 in einer dänischen Abfüllung(der Wein war in Fässern von Calvet an einen dänischen Händler geliefert worden, der ihn dann abgefüllt hatte). Ein reifer, sehr feiner Wein mit schöner Süße – 91/100. Zuletzt 2007 in Linz auf der großen St. Estephe-Probe eine unterdurschnittliche 1tel – 80/100 und eine sehr gute Magnum. Letztere mit immer noch unglaublich dichter Farbe, in der Nase mit Dörrobst und balsamischen Noten, auch etwas flüchtiger Säure, am Gaumen mit noch unglaublich viel Kraft und immer noch deutlich spürbaren Tanninresten. In dieser Form sicher noch 2-3 Jahrzehnte haltbar – 93/100. Bei Cos d´Estournel hatte ich 2006 auf der großen Cos-Probe das Gefühl, dass der noch gar nicht richtig fertig ist und noch eine Weile bis zum Trinkhöhepunkt braucht. Großer Stoff mit Ecken und Kanten, geprägt von harten Tanninen. Schon gut zu trinken, aber man spürt das gewaltige Potential dieses Weinriesen – 95/100.

Ein Batailley von Barton & Guestier war 1995 zu Anfang sehr schön, baute aber schnell im Glas ab - 86/100. Mehrfach habe ich inden 90ern Branaire Ducru getrunken, in den besseren Flaschen noch erstaunlich frisch mit kräftiger, tragender Säure. Eine superjunge Farbe hatte 2001 Grand Puy Lacoste, gleichzeitig war er aber auch staubtrocken, hatte eine hohe Säure und wirkte sehr kompakt, da waren mehr als 89/100 nicht drin. Eher beschämend für den großen Namen 2005 ein Lafite Rothschild, eher leichtes, feines Weinchen mit sehr heller Farbe, aber wenig Brauntönen. Zeigte immer noch eine schöne Frische und ist noch lange nicht am Ende, aber da fehlte einfach das Fett des großen Jahrgangs, viel zu wenig Wein für´s Geld – 88/100. Der im Vergleich getrunkene Carruades de Lafite hatte die deutlich dichtere, dunklere Farbe, in der Nase Salami und Graphit, am Gaumen eher etwas kurz und rustikal – 89/100.
Noch ein langes Leben dürfte Latour haben. 1995 aus perfekter 1tel(bn) mit typischer Minznase, immer noch deutlichen Tanninen und kräftiger Säure, im selben Jahr auf Willi Krählings Latourprobe intensive Minznase, wie sie ein perfekter Mouton 45 haben sollte, voll entwickelt, zuletzt 2000 wieder eine junge Flasche, Minze, Eukalyptus, spröde, öffnet sich nur zögerlich - traumhaftes Depot, braucht in guten Flaschen noch 1 bis 2 Jahrzehnte. . Die besten Tage hinter sich dürfte der einstmals große Lynch Bages haben. 1995 auf Willi Krählings Lynch Bages Probe kräftige Farbe ohne Alter, am Gaumen intensiv, kräftig mit tragender Säure, Frucht leider weg. 2001 auf einer Best Bottle wieder irre Farbe, aber deutliche Alterstöne, immer mehr Maggi. Zuletzt 2008 unglaublich dichte, undurchdringliche Farbe. In der Nase deutliche Überreife, Malagarosinen, am Gaumen eher bittere Medizin - 86/100. Vielleicht der Wein des Jahrgangs Mouton Rothschild. Häufig verkostet und mit Höchstnoten bewertet. 1999 in einer Probe 2 perfekte, nummerierte 1tel, opulentes Powerteil, Minze, Eukalyptus mit zu Anfang massig Kaffee, irre Dichte, das ist Mouton 45 in Perfektion, immer noch Tannin für 20+ Jahre 100/100. Zuletzt im Februar 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg: die#20053 brachte wieder diese intensive feine Minze, sehr komplex und lang am Gaumen, würzig-konzentriert, riesengroßer, unsterblicher Mouton mit endlosem Abgang 100/100. Warnen kann ich in diesem Zusammenhang nur vor sogenannten RC-Flaschen, die statt einer Nummer das Kürzel RC für Reserve du Chateau tragen. Die sind seit einigen Jahren als Magnums das Lieblingsziel der Fälscher. Im Sommer 2005 durfte/musste ich in einer Probe wieder so ein Machwerk ertragen, das aus vermeintlich seriöser Quelle stammte. Die Flasche sah von außen gut aus. Das Etikett aus dem Laserdrucker verdammt gut gemacht. Der Korken deutlich zu jung und der Inhalt, wie ein späterer Test ergab, jünger als 1963. Ich würde persönlich eine RC-Flasche nur noch akzeptieren, wenn ich sie auf dem Chateau selbst abholen dürfte. Spektakulär war 2007 ein Mouton Baron. Brilliante Farbe mit wenig Alterstönen, so frisch, so minzig, so druckvoll am Gaumen mit wunderbarer Frucht und ewiger Länge am Gaumen. Ich musste spontan an 1945 Mouton Rothschild denken, an den dieser Wein massiv erinnerte. Wobei ich schon einige 45er Moutons getrunken habe, die schlechter waren, als dieser Traumstoff vor uns. Das hier waren locker nicht erwartete 97/100 zu einem noch dazu sehr fairen Preis. Die zweite Flasche, ein halbes Jahr später, hatte wieder eine sensationelle Farbe, doch diesmal sang der Mouton Baron nicht. Einen Korkfehler hat er nicht, aber einen deutlichen Keller-Muffton, riecht nach Spinnweben und altem Faß. Nur kurz blühte er auf und ließ erahnen, wozu dieser Wein in Ausnahmeflaschen wohl fähig sein könnte, doch rasch gewannen die Kellertöne wieder Oberhand – 88/100.
Beychevelle war 2005 zweimal ein sehr feiner, deutlich jünger wirkender, aromatischer Wein, ein sehr eleganter Charmeur, der sicher noch etliche Jahre vor sich hat – 91+93/100. Ducru Beaucaillou war 2006 auf der großen Ducru-Probe ein schöner, gut gereifter Wein, dem allerdings die Konzentration des großen Jahrgangs fehlte - 89/100. Gleich zweimal durfte ich 2005 Gruaud Larose aus der Magnum trinken. Reifer Cabernet vom Feinsten ohne Alterston mit unendlicher Eleganz und Finesse. Ging locker als großer 78er durch und hat in der Magnum noch Reserven für 20+ Jahre – 95+/100. Leoville-las-Cases war 1992 ein sehr komplexer, dichter Wein, dem man sein Alter nicht anmerkte. 2004 aus einer nicht optimalen Flasche nachverkostet, dichte Farbe, kraftvoller Wein, auf dem man ewig rumkauen kann, leicht rauchige Note, etwas 45er-like eckig und rustikal und dabei noch so jung wirkend, da ist noch massig Tannin und Säure, der kann noch mal 20 Jahre auf die Weide - 95/100. Sehr enttäuschend trotz optisch einwandfreiem Zustand 2005 auf einer Raritätenprobe, sehr eckig, dürr und rustikal wirkte – 87/100. Trotz Powerfarbe und guter Füllmenge schon verdammt gezehrt mit deutlichem Maggiton im Herbst 2004 ein Leoville Poyferré in einer englischen Abfüllung - 82/100. Aber das war wohl eine schlechte Flasche. In der gleichen Abfüllung 2005 deutlich jünger, fülliger und schöner – 93/100. Zuletzt 2007 eine perfekte Chateau-Abfüllung, kompakt, konzentriert, immer noch kräftige Tannine, sehr mineralisch, Bleistift, aber auch metallische Noten. Dieses Kraftpaket schien noch nicht richtig reif zu sein und noch Potential für eine längere Lagerung zu haben – 93/100.Talbot war 2002 bei Jörg Müller auf Sylt aus der Magnum auf dem Punkt mit seidiger Eleganz, dezenter Süße und leichtem Zedernholzton, nicht ganz so druckvoll und weiter wie die erste an gleicher Stelle 2000. Ganz groß aber 2005 die dritte Talbot Magnum, voll auf dem Punkt, und wenn man einen großen Wein genau in diesem Stadium erwischt, dann hängt einfach der Weinhimmel voller Geigen. So finessig, seidig und elegant mit feinem Schmelz, so lang am Gaumen, sicher mein bisher schönster Talbot überhaupt – 97/100. Wirkte zuletzt 2008 aus der 1tel zu Anfang etwas pilzig und zurückhaltend, baute dann aber mit zunehmender Luft sehr gut aus. Wurde immer schöner und gefälliger und entwickelte eine gewaltige, druckvolle Aromatik mit guter Länge am Gaumen – 93/100.

Faszinierend 2007 ein Cantemerle in einer holländischen Abfüllung von Lupe, Cholet & Co. Sehr elegant und fein mit delikater Kirschfrucht. Finesse pur, ein feiner, kleiner Wein, der Größe zeigte – 93/100.Große Namen bedeuten eben noch längst nicht großen Wein - und umgekehrt! Stolz und neugierig war ich 1998, als ich auf einer Auktion eine Flasche d´Issan erwischte. David Peppercorn hatte diesen Margaux, von dem in 1945 ganze 100 Kisten produziert wurden, über den grünen Klee gelobt. 2000 war er dann auf einer Best Bottle eine Offenbarung, die an 29 Pavie erinnerte, sensationelle, dichte Farbe eines großen 80ers, Tannin ohne Ende, Maulbeeren, ein Ausnahmestoff, in dieser Form locker noch 20+ Jahre 98/100. Margaux hingegen hatte zwar 1996 ein "Mörderbouquet", das aber rasch verschwand, am Gaumen enttäuschend, säuerlich, Muschelton. Auch 2007 eine feinduftige, elegante Nase mit schöner Süße. Am Gaumen kräuterig und medizinal, immer noch kraftvoll mit spürbaren Tanninresten, aber doch auch ziemlich unausgewogen und etwas säuerlich – 89/100. Palmer hatte 1994 eine helle, bräunliche Farbe, kräftige Säure, immer noch beachtliche Länge. Noch immer recht jung wirkte 2005 der kräftig strukturierte 1945 Tour de Mons mit sehr dichter Farbe – 92/100. Nach Tour-de-Mons kräht heute kein Hahn mehr. Alte Jahrgänge bis 1955 sind aber ein echter Geheimtipp und noch dazu meist sehr preiswert.

Ganz groß Haut Brion. 1993 auf der Jahrhundert-Probe für mich mit seiner tollen Süße der schönste Wein der Probe und ein ganz großes 100/100 Weinerlebnis. 1997 dann mal etwas über Höhepunkt weg, (war mal) ganz großer Stoff, bei dem astringierende Säure Überhand gewinnt 96/100, und zuletzt 2000 wieder perfekt gereifter Superstoff, nicht Haut Brion-typisch mit malziger Süße, hält sich toll im Glas, entwickelt eine erstaunliche Eukalyptusnote - und das schönste: ein irres Depot: Brombeermarmelade pur. Auch 2005 auf einer Raritätenprobe wieder. Das war Haut Brion vom Allerfeinsten, ein Wein, bei dem von der klassischen Nase über den Gaumen bis zum unendlichen Abgang einfach alles stimmte. Perfektion – 100/100. Wer für teures Geld heute ein solches Monument erwirbt, muss aber auch auf mögliche Enttäuschungen gefasst sein. So war der 45er Haut Brion 2006 in der großen Haut Brion Probe auf allerdings sehr hohem Niveau anderen Jahrgängen unterlegen. Sehr schöne Nase mit Tabak, Zedernholztönen, pfeffrig, Minze und auch etwas Eukalyptus. Am Gaumen gewaltige Länge, aber auch filigran und mit viel Säure – 97/100. Nicht ganz auf diesem Niveau
La Mission Haut Brion. 1998 auf der Krähling-Probe aus der Magnum: reife Farbe, etwas säurelastiger als 47, aber auch sehr schön, sensationell war das Depot mit sehr Heitz-ähnlichen Eukalyptus-Tönen. Der vielleicht derzeit schönste 45er aus Pessac könnte
Haut Bailly sein. 2005 am Ende einer Best Bottle konnten sich selbst ermüdete Gaumen nicht dem Charme und der Finesse dieses großen Weines entziehen. Klassische Pessac-Nase, feine Süße, irre Länge am Gaumen, toller Wein - 98/100. Auch die zweite Flasche erwies sich sechs Monate später in einer Raritätenprobe erwies als hochklassiger Wein mit der klassischen Pessac-Nase, feiner Süße und sehr schöner Länge am Gaumen – 96/100.

Sehr überzeugend 1996 und 99 Angelus in einer schottischen Abfüllung, schöne Farbe, dicht mit schöne Süße, Kirsche und etwas Schoko, lang mit noch viel Druck am Gaumen - 95/100. Wohl noch lange nicht am Ende, denn auch die dritte Flasche 2005 wirkte zu Anfang etwas streng, wurde zum Essen aber deutlich besser, weicher und entwickelte eine schöne Aromatik – 93/100. Ein Langstreckenläufer
Canon, brauchte 1997 viel Luft und entwickelte sich dann großartig, der hat sogar noch Tannine und Reserven. Der insgesamt recht streng wirkende Canon öffnete sich auch 2005 nur sehr zögerlich. Dann kamen Aromen von dunklen Früchten und Lakritz – 90/100. Ein große Überraschung war im Herbst 2005 eine mies gefüllte Flasche
Chapelle La Trinité. Was erst wie ein Totalausfall aussah, blühte nach 2 Stunden sensationell in der Karaffe auf, erreichte mit intensiver Kaffee- und Mokkanote locker 93/100 und fiel danach wieder in sich zusammen. Weniger gelungen war 1945 Cheval Blanc
. Da hat es wohl Probleme mit der Vinifikation gegeben, weshalb der Wein meist zuviel Flüchtige Säure zeigt, so auch 1999 bei Willi Krähling aus einer Berry Brothers Flasche. Besser dann 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe. Klar, auch diese Flasche hatte eine kräftige, aber gut eingebundene, tragende Säure, trotzdem, ein sehr feiner, finessiger Wein – 96/100. Nur einen Bruchteil des Cheval Blanc dürfte
La Dominique kosten. Der war 2005 in einer Raritätenprobe einerder Überflieger. Ein ganz großer, druckvoller Wein mit unerhörter Dichte, irrer Aromatik und Länge, der am Gaumen gar nicht mehr aufhörte – 98/100. Ein Riese war auch 2005 Gaffelière-Naudes mit überschwänglichen Aromen von Kaffee, Mokka, Schokolade und Trüffeln. Ein Traumwein mit irrer Nase und toller Länge – 97/100. Überraschend gut war 2005 ein Grand Mayne. Sehr junge Farbe, ein dichter, kraftvoller Wein mit feiner Süße und schöner Länge am Gaumen – 93/100. Überragend in 45 wieder Pavie, zuletzt 1999 auf einer Best Bottle dunkle, dichte und deutlich jüngere Farbe, dicht, lang, groß. Interessant 2001 auch ein Trottevieille, reif, helle Farbe, etwas medizinal und animalisch, aber auch lang und komplex, toller Stoff.

Aus Pomerol hat mir 1996 Certan de May in einer belgischen Händlerabfüllung sehr gut gefallen. Die Zwillingsflasche 2005 hatte eine reife, etwas hellere Farbe, kräftigere, dichte Aromatik am Gaumen, viel Extrakt und Fruchtsüße – 95/100. Groß 1995 auch Clinet mit dichter Farbe, viel Kraft und Länge, sehr schön im Glas ausbauend. Zu den ganz großen Pomerols des Jahrgangs zählt auch Conseillante, nach diversen Magnums 1999 eine wunderbare 1tel, sehr dichte, tolle Farbe, Fruchtsüße, sogar etwas Marzipan, ein riesengroßes Teil mit sicher noch hoher Lebenserwartung. Ein Reinfall war dann allerdings 2005 eine undefinierbare holländische Händlerabfüllung. Dünne Farbe, ein praktisch ungenießbares, säuerliches Wässerchen. Überragend 2005 auf einer Drawert-Probe auf Sylt Croix-de-Gay. Das war ganz böser Stoff, immer noch sehr dichte, dunkle Farbe, sehr würzig mit feiner Süße, was die Schweizer entsprechend ihrem Kräuterbonbon in Proben immer sofort als Ruccola bezeichnen, Kaffee, Bitterstoffe, kräftige, tragende Säure, langer Abgang. Ein großer Pomerol in der nicht so ausladenden, eher muskulösen 45er Stilistik – 97/100. Ein Fan dieses Chateaus waren übrigens die cleveren Vandermeulen-Brüder, die das damals völlig unbekannte Chateau unter dem eigenen Markennamen Clos du Commandeur abfüllten. Sehr gut aber nicht wirklich groß ist l´Evangile, den ich 1994 und 95 dreimal aus der Magnum trinken durfte. Dabei wurde dieser Wein in den jeweiligen Proben jeweils auf 94-95/100 Niveau dritter Sieger in hochkarätigen 45er Pomerol Flights. . Mit schöner Frucht und feiner Süße konnte 1995 auch La Fleur Petrus überzeugen. Kraftvoll auch 1995 Lafleur aus der Magnum mit dichter Farbe mit Braunrand, wirkte zuerst sehr reif, baute dann immer mehr aus und entwickelte wunderschöne Himbeernase. Kaum schlechter und eine sehr bezahlbare Überraschung 1996 Lagrange-à-Pomerol. Eher ein kleines, nettes Weinchen 1994 Nenin in einer belgischen Händlerabfüllung. Nicht viel besser Petit Village, ebenfalls 1994 als BB. Wie ein Zwilling von 61 präsentierte sich 1993 auf Walter Eigensatz großer Probe der Petrus mit ähnlicher Farbe und Nase, sowie viel Druck am Gaumen. Zuletzt 2002 wieder eine authentische 1tel eines honorigen Weinfreundes, wunderbar eleganter Wein mit schöner Süße, wirkte auch in der Farbe deutlich älter, blühte im Glas mit der Zeit auf, ganz anderer Stil als die marmeladigen, zweifelhaften Magnums, die häufig auf bezahlten Proben auftauchen. Absolut großartig auf René Gabriels Petrus Probe 2005, die Eleganz in Perfektion, ein absoluter Traumstoff, der am Gaumen gar nicht mehr aufhört. In der Nase immer noch schöne, beerige Frucht, feine Süße. Klar sind da Reifetöne in der Farbe. In einer derartigen, perfekten und absolut authentischen Magnum hält dieser großartige 45er sicher noch 10-20 Jahre – 100/100. Trotanoy hatte 1995 im Landhaus Bacher aus der Magnum die dichteste Farbe des ersten Flights, aber in Nase und Gaumen deutliche Reife, nur im Abgang spürte man noch die sicherlich einmal vorhandene Größe. Ein Riese 1996 aus einer schönen 1tel Vieux Chateau Certan. Von der in der Literatur beschriebenen Oxidation keine Spur. Leider aber 2005 auf der Vieux-Probe. Mörderfarbe, wirkte in Nase und Gaumen etwas medizinal, Hustensaft, zu lange gezogener Tee, leider auch deutliche auch Oxidationstöne, einfach überreif und für einen Klassiker zuviel des Guten – 95/100.

Erstaunlich altern können in großen Jahren wie 1945 auch trockene, weiße Bordeaux. So war 2005 ein Olivier Blanc deutlich gereifter und wohl schon länger über den Zenit, mit güldener Farbe, wirkte etwas gezehrt, bitter, astringierend am Gaumen, medizinal, Penicillin, wurde mit der Zeit im Glas deutlich besser und war immer noch gut trinkbar – 84/100. Rieussec in einer namenlosen Händlerabfüllung hatte 2008 eine sehr reife, ins Güldene gehende Farbe, ein unglaubliches Pfauenrad an Aromen, korinthige Süße, Karamell, Nougat, Kaffee, Orangen-Bittermarmelade, Crême Brulée, kandierte Früchte, der brauchte kein begleitendes Essen, das war ein komplettes Festmahl für sich. Ein fettes, ausladendes Teil, das aber durch eine immer noch gute Säure perfekt balanciert wirkte, hörte am Gaumen praktisch nicht mehr auf – 99/100.

Aus Sauternes habe ich 1998 bei Drawert einen sehr schönen Doisy Daene getrunken. Interessant 1994 aus Bergerac ein Monbazillac, wie eine Mischung aus Tokay und Sherry. In die Flasche gefallen war 2002 der Korken eines Rabaud, also musste er weg und das dann mit viel Genuss zu Sushi(!), güldene Farbe, fein balanciert mit dezenter Süße.

Klitzekleine Ernte absoluter Superweine in Burgund.
Ein Corton von Bichot hatte 2008 gut 7 cm Schwund, doch eine sehr intakte, immer noch brilliante Farbe. Er entpuppte sich als sehr delikater, immer noch fruchtiger Pinot mit generöser Süße und ohne jedes Zeichen von Altersschwäche – 94/100. Sehr schön 2007 ein Beaune Clos des Mouches von Chanson. Sehr pikant und frisch wirkend mit leichtem Zimtton in der Nase und wunderbarer rot- und blaubeeriger Frucht. Nicht ganz so wuchtig wie der Richebourg, eleganter, feiner mit der unnachahmlichen Eleganz eines großen, gereiften Burgunders und mit schöner Länge am Gaumen – 96/100. Ein perfekter, sensationeller Burgunder mit viel Kraft und toller Süße ist Clos des Lambrays. Broadbent vergleicht ihn mit 47 Petrus. Ich konnte das nicht glauben und habe die beiden 1995 gegeneinander gestellt. Die taten sich wirklich nicht viel! Zweimal 100/100. Eine erstaunlich dichte Farbe hatte 2002 auch Romanée Conti, aber auch spürbares Alter und überhandnehmende Säure, trotzdem sehr schön, wurde im Glas immer besser, Tabak, reifer Pinot 95/100. Grandios auch der mehrfach getrunkene Chambertin von Faiveley, daß meine Weinfreunde ihn zuletzt 1999 dass ihn für einen großen 29er St. Emilion hielt, spricht eine eindeutige Sprache, wunderbar weiches, riesiges Teil mit feiner Süße 96/100. Ein sehr feiner, eleganter Burgunder mit schöner Süße war 2008 ein Vosne Romanée von Grivelet - 95/100. Bei einem Chambertin von Noiret-Carrière glaubte ich 2005 erst, den 45er Vieux Certan vom Vortag im Glas zu haben. Eine ähnliche Mischung aus Medizinaltönen, Hustensaft und zu lange gezogenem Tee. Das änderte sich mit zunehmender Luft. Der Wein schliff sich ab, wurde gefälliger und entwickelte sich zu einem perfekten Burgunder mit sehr viel Kraft – 95/100. Zuletzt 2007 zweimal bei Jörg Müller Ein fülliger, immer noch fast jung wirkender Prachtburgunder mit unglaublicher Struktur. Keinerlei Zeichen von Alter oder Schwäche, eher noch Potential für Jahrzehnte und ene unglaubliche Länge und Komplexität am Gaumen – 96/100. Etwas merkwürdig 2005 ein Beaune Cuvée le Blanc Grand Vins Bureau de Bienfaisaner von Bichot. Ein gefälliger, poliert wirkender Wein, völlig daneben, ohne Charakter, sehr süß – 84/100.
Drei weitere Burgunder 2007 in der Braui. Der Chambertin von Morin war sicher nicht die beste Flasche, und ein Gutteil der ursprünglichen Farbe dieses jetzt recht hellen Gewächses befand sich als Depot auf dem Flaschenboden. Ich mag gar nicht daran denken, wie von so einem Wein eine perfekte Flasche schmeckt. Diese hier war immer noch ein druckvoller, hocharomatischer Wein mit feiner Süße, hoher Komplexität und unglaublicher Länge am Gaumen – 96/100. Ein dazugestellter
Clos de la Roche eines Winzers namens Gilles ging im Vergleich mit bräunlicher Farbe und karamelliger Süße eher als großer, älterer Rioja durch – 94/100. Der dritte im Bunde war ein Nuits-Cailles von Morin. Der schoss unter den drei Burgundern aus dem Wahnsinnsjahr 1945 den Vogel ab. Dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen, komplex und dicht mit einer unwahrscheinlichen Aromatik und wunderbarer Süße, ein facettenreicher Wein, der im Glas immer neue Geschichten erzählte und den jüngeren Weingiganten, die zwischendurch aufgetischt wurden, zeigte, wo beim Wein der Hammer hängt – 99/100. 2007 in Weggis ein Gevrey Chambertin von Garnier mit reifer, bräunlicher Farbe, aber schon deutlich gezehrt. Apfelige Säure, baut im Glas etwas aus und wird besser, bleibt aber anstrengend und wirkt deutlich über Höhepunkt hinaus – 85/100. Ein Clos de la Roche von Sanders zeigte 2008 deutlich, wie relativ unbedeutend der Füllstand doch bei großen, klassischen Burgundern aus großen Jahrgängen ist. Trotz 7 cm Schwund ein sehr feiner, eleganter und nachhaltiger Wein, bei dem keinerlei Eile geboten war – 94/100. Im gegenüber stand ein Corton Clos du Roi in einer französischen Barrière-Abfüllung. Sehr dichte, intakte Farbe, ein konzentrierter, dichter Wein mit kräftigen Tanninen und deutlichem Säuregerüst – 93/100. 2008 ein unglaublicher Echezeaux von André Guy. Immer noch voll intakte Farbe, die da rubinrot vor uns im Glas funkelte. Süchtig machende, reife Pinot-Nase, am Gaumen unglaublich dicht und hocharomatisch mit gewaltigem Tiefgang. Ein Wein, der von allem alles hat und in totaler Harmonie ein irres Weinerlebnis bietet. Besser geht Wein nicht, höchstens anders – 100/100.

Würden Sie sich an einen fast 50 Jahre alten Beaujolais rantrauen? Abenteuerlustig hatte ich 1999 auf einer französischen Auktion 2 Flaschen Fleurie Clos de la Roilette von Bertrand gekauft. Der war 2000 auf einer Best Bottle selbst in der schlechteren (6cm) Flasche die Überraschung des Abends, ein perfekt gereiftes Riesenteil mit toller Aromatik, die Runde vermutete einen großen, alten Hermitage la Chapelle.... 94/100 war der sicher wert. Die bessere Zwillingsflasche war dann 2005 einer der Stars einer Raritätenprobe. So komplex, so aromatisch, so süß, so lang – ein unglaublicher Wein mit leicht üppiger Exotik. Bleibt ewig am Gaumen, Burgund at it´s Best, der Finessenmeister – 98/100.

Selbst bei weißen Burgundern sind einige hochkonzentrierte Weine entstanden, bei denen man noch sehr positive Überraschungen erleben kann. Ein Meursault von Nicolas Brettonière war 1999 im direkten Vergleich mit 1990 Meursaut Perrières von Comte Lafon eindeutig der bessere Wein. Hellere Farbe als Lafon, süße Nase, am Gaumen trocken, rauchig, schöne Länge, baute aus und entwickelte sich im Glas, noch längst nicht am Ende, ein Riese.

Ganz großer Jahrgang auch an der Rhone.
Einer der Höhepunkte einer großen Hermitage-la-Chapelle Probe 1995 war ein 45er in einer dänischen Abfüllung, geniale Nase, Mokka, Kaffee, wie die großen 45er Bordeaux, feine Süße, Säure, kräftig am Gaumen, malzig 96/100. Eine sehr dichte, kräftige Farbe, die ihn deutlich jünger erscheinen ließ, hatte 2005 ein
Côte Rotie Vidal-Fleurie. Intensive Karamell-Nase, auch am Gaumen feine Süße und tolle Länge, perfekt gereifter Rhone-Wein, der sich als Pirat im 70er Kalifornien-Flight als eine Art älterer Bruder sehr achtbar schlug - 95/100. Vom gleichen Erzeuger 2005 ein schlichtweg sensationeller Hermitage Tête de Cuvée. Der hatte zu Anfang zwar eine etwas verhaltene Nase, baute dann aber unglaublich aus. Bitterschokolade ohne Ende. Am Gaumen dicht und aromatisch, so lang und so frisch 99/100.
. Ein namenloser Chateauneuf-du-Pape, für kleines Geld auf einer französischen Auktion erstanden, war 2000 mit hellem ziegelrot auf der leichteren Seite, aber immer noch sehr schön zu trinken. Zu alt war 1994 ein Chateauneuf-du-Pape von Dumatray. Eindrucksvoll 2005 ein Chateauneuf-du-Pape Chateau de Cabrières. Der war noch so präsent und frisch. Sensationelle Schoko-Mokka-Nase, irre Süße, am Gaumen etwas mehr Säure, aber auch sehr viel Schmelz – 96/100. Er erbärmlich 2008 ein Chateauneuf-du-Pape von Chanut Frères. Trotz dichter, aber sehr reifer Farbe war das eher ein Ausflug durch den Besenschrank, bei dem wir diverse Putzmittel verkosten durfte. Großzügige 80/100.

Auch im Elsaß eine hervorragende Ernte. Ein Gewürztraminer Clos Gaensbroennel Grande Reserve de la Victoire von Willm zeigte 2000 eine klare, kräftig-güldene Farbe, eine traumhafte Nase mit Karamell und Crème Brulée, am Gaumen eine angenehme Bitternote, immer noch sehr schön zu trinken- 93/100. Sensationell auch 2005 die Zwillingsflasche, güldene Farbe, faszinierende Backwerknase, weihnachtliche Gewürze, Anis, dezente Süße und Bitternoten, pfeffrige, würzige Aromatik, viel Kraft, ein kompletter, großer Wein – 94/100.

Hoch bewertet wird der Jahrgang auch in Deutschland. Ich habe leider auch die Ausnahme der Regel getrunken. Wässrig, säuerlich und trüb war 1988 eine Deidesheimer Kieselberg BA von Jordan. Grandios hingegen 2005 aus der gleichen Lage eine Deidesheimer Kieselberg BA des Reichsrat von Buhl. Wunderbare, leicht malzige Süße gepaart mit dezenter Säure und irrer Länge am Gaumen, unendliche Eleganz und Leichtigkeit – 97/100. In der gleichen Probe mit der tiefdunklen, in der Karaffe fast schwarz wirkenden Farbe eines uralten Yquem eine Erbacher Marcobrunn TBA von Schloß Schönborn. Ein Jahrtausendwein mit irrer Aromatik, Teer, Mineralität, viel Süße, immer noch gute Säure, wirkte heiß, Kraft und Eleganz, unendliche Länge am Gaumen – 100/100.

Kein großes Jahr war 1945 in Rioja, aber das heißt nicht viel. Ich habe schon oft in, nach der offiziellen Klassifikation kleineren Rioja-Jahren wunderbare Weine gefunden. Ein
Vina Monti der Bodegas Monticello hatte 2005 ein helles Rot mit wenig Alter, faszinierende Nase mit betörender, roter Beerenfrucht, am Gaumen eher schlank, kommt mit der Nase nicht mit – 85/100. Praktisch untrinkbar war 2007 ein Dulce Reserva Bodegas Franco Espanoles, was für ein grausames, oxidiertes, ekelhaftes Zeugs!

Leider habe ich noch keinen 45er Champagner getrunken. Auch dort sind große, haltbare Weine entstanden.

Croft war 1995 schon sehr weit, ziemlich hell, spritig, mir zu intensiv und zuwenig Schmelz. Graham Vintage Port Finest Reserve wirkte 2008 noch so jung, dabei weich und schmelzig mit herrlicher Süße, so reichhaltig, aber ohne jeden Alterston oder spritige Töne, einfach ein perfekter Gaumenschmeichler – 97/100.Groß auch der mehrfach getrunkene Taylor. 1995 perfekt gereift, ätherische Öle, Kamille(!), sehr lang, perfekter Port mit viel Zukunft. 1996 bei Drawert wieder sehr schön mit Eukalyptus, aber chancenlos gegen einen überragenden 55 Ferreira. Riesengroß war der Taylor 2005. Flüssiges Marzipan kam da aus der Flasche, wieder die typischen Eukalyptusnoten, etwas Espresso, Portwein in seiner allerschönsten Form. Ersetzt jedes Dessert und gehört unbedingt alleine für sich getrunken. So schön habe ich den 45er Taylor, der schon immer als Legende galt, noch nie getrunken. Jetzt hat er sich etwas mehr geöffnet, doch Eile ist nicht geboten. Da ist noch genug Tannin, so dass auch Ihre Urenkel daran noch Freude haben können – 99/100.



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