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1950

Winterminators Geburtsjahr! Klar, dass ich dieses Jahr intensiv durchleuchtet und überall auf der Welt nach gut trinkbaren Weinen gesucht habe.

In Bordeaux gab es 1950 eine große Ernte meist früh reifender, nicht sonderlich langlebiger Weine.
Aus St. Estephe habe ich 1996 einen Calon Ségur getrunken, Farbe und Gaumen zeigten kaum Alter, kräftige Säure, etwas eindimensional. Da war der 2005 auf Sylt getrunkene 1950 Calon Ségur in einer R&U Abfüllung deutlich besser. Leicht ins rostige gehendes Dunkelrot mit deutlichem Orangenrand, sehr reifer Bordeaux, sicher schon über den Punkt, aber immer noch mit viel Charme, feine Fruchtsüße, dürfte in guten Flaschen wie dieser sicher noch ein paar Jahre auf 87/100 Niveau Freude bereiten. Cos d´Estournel hatte 1998 eine relativ hell Farbe, war reif, mit feinen Himbeer- und Johannisbeertöne, wunderschön weich, schön zu trinken. Auf der großen Cos-Probe 2006 startete er trotz etwas trüber, hellroter Farbe recht überzeugend mit immer noch jeder Menge Frucht, feiner Süße und deutlicher Säure, wirkte am Gaumen zunächst ausdrucksstark und ausgewogen, baute aber leider schnell ab – 89/100.

Lafite Rothschild war 1993 aus der Magnum sehr fein, überraschend gut, 1995 im Landhaus Bacher aus der MarieJeanne schon sehr weit, aber ebenfalls wunderschön zu trinken. Suchenswert ist sicher immer noch Latour. Der hatte es mir schon 1990 mit schöner Frucht und beachtlicher Länge angetan. Danach mehrfach in 92, 93 und zuletzt wieder 2000 in guten Flaschen getrunken. Zuletzt 2005, hatte aus einer nicht optimalen hs-Flsche ein helles Rot, wie Sauerkirschsaft, seltsamerweise zu Anfang auch Sauerkirschnase, am Gaumen kräftige, aber sehr reife Säure, baut im Glas nicht ab sondern aus – 92/100. Die Pichon Comtesse war 1993 mit etwas sehr rustikalem Charme noch gut trinkbar, dürfte aber inzwischen zumindest in Normalflaschen wohl das Zeitliche gesegnet haben. Sehr kernig kam 2007 ein Pontet Canet ins Glas, ein wunderbarer, klassischer Pauillac, immer noch mit guter Frucht und noch längst nicht am Ende – 90/100.
Aus St. Julien gefiel mir der Gruaud Larose 1998 und 2000 sehr gut. Tolle Farbe, sehr kräftige, tragende Säure, entwickelte sich sehr gut im Glas. Noch lange nicht am Ende. 1999 auf ähnlichem Niveau, eleganter, schmeichlerischer Talbot. Deutlich besser als der 1999 etwas streng wirkende Leoville las Cases. Zuletzt 2007 hatte der Talbot eine etwas irritierende Waschpulvernase, ansonsten war dieser noch ziemlich tiefdunkle, sehr kräftige Wein gut trinkbar, wirkte aber etwas ungelenk und ließ die Finesse älterer, gereifter Talbots vermissen - 86/100.

Leider schon auf dem Weg ins Jenseits war 2005 ein Brane Cantenac. Immer noch dichte Farbe, sehr reif, Kaffeetöne, sehr viel Säure, die schnell Oberhand gewinnt – 83/100. Ein Labégorce-Zédé in einer Calvet-Abfüllung hatte 2008 nicht nur immer noch eine sensationelle, fast altersfreie Farbe, sondern war dermaßen süß, weich, füllig und burgundisch-elegant mit sehr ausdrucksstarker Aromatik, ein kleiner Wein diesmal ganz groß - 94/100. Margaux war 2000 ein voll reifer, seidiger, weicher, langer Charmeur auf hohem Niveau. Auch 2007 immer noch sehr delikat und fruchtig. Auch ohne den verklärten Blick auf mein eigenes Geburtsjahr waren da noch locker 89/100 im Glas. Palmer zeigte 1993 beim Dekantieren ein geradezu explosives, Margaux-typisches Bouquet, kam da aber im Glas nicht mit. Eine belgische Händlerabfüllung war da 2 Jahre später deutlich besser, fantastische, dichte Farbe, erheblich mehr Power als vor die Chateau-Abfüllung, in diesem Zustand noch gut 20 Jahre haltbar. Rausan-Gassies wäre 2001 ohne Kork ein wunderbarer Wein gewesen. Auch Rauzan-Ségla war 2000 aus der Magnum immer noch gut trinkbar mit wunderbarer Nase.

Vielleicht der beständigste Wein in 1950 ist La Mission, in den letzten 18 Jahren sicherlich über 2 dutzendmal getrunken und immer zwischen 94 und 98/100 bewertet. 1996 als fantastischer Dreierflight mit Chateau-, Thienpoint- und deutscher R&U Schaffermahlzeit Abfüllung. Alle drei klassische, druckvolle La Missions auf hohem Niveau. 2000 in Paris bei und mit Pierre Gagnaire im Vergleich zu 89 durchaus ebenbürtig. 2000 im direkten Vergleich jeweils aus der Magnum war auch Haut Brion sehr schön, aber gegen den überragenden La Mission mit einigem Abstand nur 2. Sieger. Den La Mission habe ich zuletzt 2005 wieder getrunken. Der stand mit einer dermaßen kräftigen, dichten Farbe im Glas, dass man automatisch an einen deutlich jüngeren Wein denken musste. Das war La Mission in Perfektion mit der intensiven, klassischen Nase. Zigarrenkiste, frisch aufgebrühter Kaffee mit Rösttönen, man möchte gar nicht aufhören, zu riechen. Am Gaumen kräftig, aber reif mit wunderbarer Aromatik und toller Länge am Gaumen. Ich habe diesen Wein aus meinem Geburtsjahr zum ersten Mal 1987 getrunken und war damals erstaunt, wie schön er „noch“ trinkbar war. Das ist jetzt 18 Jahre her, und dieser große La Mission zeigt immer noch keine Zeichen von Schwäche, da sind sicher noch mal weitere 18 Jahre drin – 96/100.
Das größte Weinerlebnis aus Pessac war aber 2001 auf einer Best Bottle La Louvière, alter Originalkorken, aber das war auch das einzig alt wirkende an dieser sonst perfekten Flasche, irre dichte, junge Farbe, jung ohne Ende, Power ohne Ende, klassischer Power-Graves, schlägt La Mission und Haut Brion locker in die Büsche, ein derartiges Powerteil aus diesen Jahren habe ich aus Pessac noch nicht getrunken 100/100! Und 2005 folgte mit einem Pape Clement aus der Magnum die nächste Überraschung. Rabenschwarze, dichte Farbe, schwarze Johannisbeere im Teermantel, baut traumhaft schön im Glas aus, da kommt klassischer, großer Pessac mit Tabak und Teer ohne Ende, entwickelt mit der Zeit intensive balsamische Noten, tolle Länge am Gaumen und noch 10+ Jahre Potential - 96/100.

Großartige und zum Teil lange haltbare Weine gab es in St. Emilion. Dabei können auch kleine Namen durchaus noch überzeugen. Ein namenloser St. Emilion in einer deutschen Tesdorp-Abfüllung, für kleines Geld vor etlichen Jahren auf einer Auktion erworben, war 2007 in einer Probe der Star des Abends.
Eine schier unglaubliche Farbe hatte der Angelus in einer belgischen Händlerabfüllung 2008. Immer noch ein deutliches Tanningerüst , dazu eine kühle Frucht und viel Nussschokolade. Im Glas entwickelte er sich mächtig und wurde immer feiner und länger am Gaumen. Erinnerte mich immer stärker an den Cheval Blanc. Ein Riesenwein, der ab sofort auf meiner Fahndungsliste steht – 97/100. Sehr dichte und deutlich jünger wirkende Farbe. In der feinen Nase Kaffee ohne Ende und jede Menge Röstaromen. Am Gaumen Kraft und Länge, so fleischig und doch sehr elegant und finessig. Der tänzelte wirklich auf der Zunge wie ein großer Cheval Blanc – 98/100. Canon war 1996 auf einer Drawert-Probe mit junger, dichter Farbe und kräftiger Säure fast unnahbar. "Ideal zum 60.", schrieb ich damals. Im Januar diesen Jahres habe ich ihn nachverkostet. Inzwischen ist er deutlich gefälliger, die Säure nicht mehr so prägnant. Zu meinem 60. ist er sicher in Hochform, ich hoffentlich auch. Canon-la-Gaffelière war 2008 ein Musterbeispiel nicht nur für Terroir und Qualität des Weingutes, sondern auch für die Qualität und das Standvermögen des Jahrgangs 1950 auf dem rechten Ufer. Ein sehr eleganter, hocharomatischer Wein mit feiner Frucht – 95/100. Schlichtweg spektakulär 2007 ein Cap de Mourlin. So dicht, so süß, so Gaumen auskleidend, so animierend üppig und dabei doch so unglaublich elegant und irre lang am Gaumen mit viel Kaffee. Eine Beschreibung, die perfekt auf die besten Flaschen von 1950 Cheval Blanc passt, und genau an den erinnerte mich dieser riesengroße Wein – 97/100. Auch Cheval Blanc selbst war Ende 97 in einer französischen Händlerabfüllung ein Klassestoff mit sehr kräftiger Farbe und fantastischer Nase und 2000 in einer englischen Abfüllung der Sieger des St. Emilion Flights, wunderschön, dichte junge Farbe, Süße, noch lange Zukunft. Als Chateauabfüllung 2005 der Wein des Abends, klassische Cheval Blanc Nase mit irrer Aromatik, immer noch ziemlich junge, dichte Farbe, am Gaumen füllig, dicht, komplex, ein ganz großer Cheval Blanc in Reinkultur - 100/100. 2006 konnte ich diesen Wein dann in einer Probe noch einmal aus zwei unterschiedlichen Händlerabfüllungen trinken, bei denen der Abfüller nicht ersichtlich war. Grandios die erste Flasche. Brauchte wie alle Cheval Blancs aus dieser Periode viel Zeit und Luft. Wer diese Weine nicht oder nur ganz vorher dekantiert, dem entgeht das große Cheval Blanc Vergnügen. Druckvoll, aromatisch, deutlich jünger wirkend, die anfängliche Rustikalität machte immer mehr seidiger Eleganz Platz, ein ganz langer, großer Stoff, von dem ich gerne erheblich mehr im Glas gehabt hätte – 97/100. Da fiel die zweite Flasche mit ähnlichem Etikett, aber ohne Hinweis auf den Chateau-Besitzer mit hoher Säure und wenig Charme deutlich ab – 88/100. Der Kauf solcher Händlerabfüllungen bleibt immer eine risikoreiche, aber spannende und durch den niedrigeren Preis oft auch lohnende Angelegenheit. Braucht zuletzt 2007 in einer perfekten Chateau-Abfüllung viel Zeit und Luft. Rustikal und verschlossen waren da zu Anfang vielleicht mal gerade 90/100 im Glas, doch im 5-Minuten Rhythmus legte der Wein jeweils um einen Punkt zu. Wurde druckvoller, aromatischer und entwickelte im Schneckentempo die süchtig machende Cheval Blanc Nase. Beim letzten Schluck war ich dann sicher bei 98/100.
Figeac war 1994 aus der Magnum einer der Proben-Favoriten und die große Überraschung, dichte, kräftige Farbe, die an Spitzen 47er erinnerte, Lakritz, Bitterschokolade, viel Kraft und kein Alter. 2000 aus der 1tel nachverkostet, kein schlechter Stoff, dichte Farbe, aber wie so oft bei Figeac in der Nase dieser zumindest korkähnliche, unangenehme Ton. Großartig dann Ende 2006 – 95/100. Zuletzt 2008 sehr kräftig, perfekte Struktur, immer noch intaktes Tanningerüst, Teer, Lakritz, Bitterstoffe und noch ein paar Jahrzehnte Zukunft – 96/100. Interessant auch die diversen Gaffelières. 1992 ein Domaine La Gaffelière trotz starkem Braunton noch voll da mit beachtlicher Länge, sehr schöner Kirschton. 2000 ein Gaffielières-Naudes aus der Magnum seidig-eleganter Stoff mit viel Druck, der auch als großer Cheval Blanc durchgeht. Überragend im letzten Februar ein
La Gaffelière in einer deutschen Schulz&Wagner Abfüllung, ein kompletter, großer W
in, der einen voll anspringt – 99/100.. La Gomerie hatte 2008 eine dichte Farbe mit kaum Alter, wunderbare Nase, Süße, Eleganz, Länge, ein komplexer, großer, sehr vielschichtiger und noch ungemein lebendiger Wein - 96/100. Ein Grand Mayne besaß 2006 eine dichte Farbe mit leichtem Braunrand, in der Nase war er verdammt reif mit zunächst deutlichem Liebstöckel. Im Glas wurde er dann immer besser, nicht ohne Charme , aromatisch, weich und trank sich recht schön auf 85/100 Niveau. Zumindest für eine gute Stunde, dann baute er ab - 85/100. Sehr gut gefiel mir 2000 Pavie, dichte Farbe, dichter Stoff, braucht Zeit und Luft, noch viel zu jung! Klasse - 94/100. Troplong Mondot hatte 2008 eine deutliche Altersnote, aber immer noch sehr dichte Farbe, balsamische Noten, noch voller Leben - 88/100

Pomerol galt 1950 als die Appellation mit den besten Weinen. Dabei müssen es nicht unbedingt die ganz großen Namen sein. Begeistert hat mich 1994 und 2000 ein opulenter Clos René in einer R&U Abfüllung zum 125. Firmenjubiläum. Auch zuletzt 2007 wieder ein mustergültiges Beispiel für den grandiosen Jahrgang 1950 in Pomerol. Sehr dichte Farbe, portig, pflaumige Frucht, speckig, karamellige Süße, wurde am Gaumen immer komplexer und länger. Ein Parade-Pomerol, der in dieser Form noch etliche Jahre vor sich hat – 96/100. Zweimal, 1996 und 2000, habe ich L´Evangile getrunken, unglaublich kräftige, dichte Farbe, fast ohne Alter, nur in der Nase leichter Alterston, am Gaumen eingekochte Früchte. Fantastisch auch Ende 2006 ein in der Burgunderflasche abgefüllter Feytit Clinet, immer noch dichte Farbe, Kraft und Schmelz ohne Ende, wurde im Glas immer besser – 95/100. La Fleur Petrus war 2000 der Sieger des Pomerol-Flights und auf extrem hohem Niveau noch einen Tick größer als der ebenfalls überragende Petrus, in guten Flaschen wie dieser auch für meinen 70. geeignet. Petrus hatte ich vorher schon mehrfach getrunken, zuerst 1993 auf der Petrus II Probe in der Wachau. Ich fand ihn immer sehr schön, vor allem in der Chateau-Abfüllung(leider existieren da einige ziemlich schrottige Händler-Abfüllungen!). Parkers 99/100 hatte ich aber bisher noch nie im Glas. Eher enttäuschend 2000 ein Le Gay. Gazin hingegen war 2001 in einer Best Bottle füllig, sexy, ein sehr leckerer, wunderbarer Wein. Zuletzt 2008 wieder einfach ein großartiger, schokoladig-schmelziger Pomerol mit burgundischer Fülle, ein echter Prachtwein – 95/100. Einen eher gezehrten Eindruck machte 1996 Petit Village. Ein simpler Pomerol Philippe Rothschild, 1996 bei Paulson erstanden, war 2000 überraschend kräftig und lang. Klasse mit noch viel Potential 2000 der Vieux Chateau Certan. Wieviel Musik in den 50er Pomerols ist und dass es nicht immer unbedingt Petrus sein muss, zeigte 2005 ein Clos Vieux Maillet. Reife Farbe mit deutlichem Braunton, wirkte erst etwas fragil, baute dann aber fantastisch im Glas aus. Entwickelte mit der Zeit eine traumhafte, reife Merlot-Nase mit etwas Lakritz und Süßholz. Am Gaumen schmeichlerisch-elegant mit feiner Süße, baut immer mehr aromatischen Druck auf, seidige Fülle ohne Ende. Auf dem Punkt, ein perfekt gereifter Merlot, ganz konservative 94/100.

Überrascht hat mich im Frühjahr 2003 ein simpler Clos Signat aus Côtes de Fronsac. Die vermeintliche Weinleiche war ganz erstaunlich und immer noch lecker, ging locker für 86/100 durch.

Weiße Bordeaux aus 1950? Aber ja! Domaine de Chevalier Blanc überraschte 2000 mit kräftigem Gelb, brilliant und klar, sehr jung, entwickelte sich wunderschön im Glas, filigran, tänzelte auf der Zunge und wurde immer schöner, sensationell, die Zwillingsflasche hebe ich für meinen 60. auf! Deutlich besser als
Laville Haut Brion, goldgelb, deutlich Anis- und Lakritztöne, als ob Pastice drin wäre, am Gaumen aber auch bitter, kam mit der Zeit noch etwas, aber insgesamt eher enttäuschend. Ähnlich schon mal 1995 aus einer halben Flasche. Zwei Tage zu spät kam ich leider 2008 ins Pariser Taillevent für die letzte Flasche Haut Brion Blanc, die laut Aussage des Sommeliers hervorragend war. Ich werde auf die Suche gehen. Ein weißer La Pomarède aus Graves hatte 1999 eine kräftige Farbe, dezente Firne, wirkte sehr trocken, passte aber sehr gut zu Ziegenkäse mit Honig.

In Sauternes galt 1950 nicht als großer Jahrgang. Doch ließ die hohe Säure des Jahrgangs die Weine sehr gut altern und verleiht vielen von ihnen noch eine Frische und Finesse, die vielen Sauternes sonst abgeht. Gilette Crème de Tête war 2008 ein sehr feiner, eleganter, harmonischer Sauternes, immer noch recht jung und frisch wirkend, trotz Bernsteinfarbe, mit schöner, schmelziger Süße und relativ wenig Säure – 94/100. Bereits 1995 war Rayne Vignaud eine echte Überraschung. Kräftiges Goldgelb, wirkte noch frisch und war sehr ausgewogen. Ricaud Vin de Tête aus Loupiac war schon 1996 ein Bilderbuchwein mit Frucht, schöner Säure und viel Länge. 2000 dann junge Farbe, eher goldgelb, leichter als die Sauternes, schöne Frucht, wunderbar. Lafaurie Peraguey in diesem Flight 2000 helles Gold, die tolle Aprikosennase des 1880 Tokay, Süße, Säure, kein Alter, schöner geht Sauternes kaum, knapper Zielsieg in einem Superflight über Yquem. Auch La Tour Blanche überzeugte 2000 mit kräftigem Gold, in der Nase leichter Medizinalton, am Gaumen dicht, komplett, reich. Und dann wären wir bei Yquem und dem typischen Problem alter Yquems, nämlich der Herkunft und der Zahl der Besitzer. 1998 in Brüssel in der Villa Lorraine so ein Teil, das sicher nicht seit Jahrzehnten dort lagerte. Nun gut es ist mein Geburtsjahr, aber die ganz große Freude kam nicht auf, schöne reife Farbe, reifer Sauternes, der aber irgendwann demnächst "kippt". Ganz anders 2000 die erste von 2 Flaschen, die ich vor langer Zeit aus einem alten belgischen Privatkeller erworben hatte. Hier war ich erst der zweite Besitzer. Erstaunlich helle Farbe, aber am Gaumen geht´s los, irre Länge und in dieser Form noch Zukunft.

In Burgund führten Hagel und ein nasser Sommer zu dem, was man ein kleines Jahr nennt. Ich habe trotzdem einige sehr schöne Entdeckungen machen können. Mein erster großer Burgunder aus 1950 war 1993 bei Jörg Müller ein Nuits St. Georges aus der Barolet Collection. Ein Chambolle Musigny Les Amoureuses von Calvet war 1995 auf meiner Raritätenprobe die Sensation des Abends, ungewöhnlich kräftig und dicht, auch in der Farbe, sehr lang mit toller Süße, das burgundische Gegenstück zum 50er Figeac, in dieser Form noch 10-15 Jahre haltbar. Clos de la Roche von Chanson, war 2008 ein faszinierender, hocharomatischer und noch erstaunlich frischer Burgunder – 95/100. Falls ich hundert werden sollte, gibt es dann einen 50er Clos des Lambrays. Der war 2000 zu meinem 50. ein perfekter, gut gereifter Burgunder, aber immer noch mit kräftigen Tanninen. Ein Echezeaux von Doudet-Naudin hatte 1997 immer noch eine dichte Farbe, eine Expressonase, war am Gaumen dicht, unglaublich lecker, Kaffee ohne Ende, tolle Süße, ganz großer Stoff, habe ich damals mit 96/100 bewertet. Gut gereift 1999 ein Chambolle Musigny von Veuve Genin. Ein feinwürzig süßer Burgundertraum 1997 ein Vosne Romanée Les Malconsorts von Ligeret. Nur kurz blühte 2008 ein Chambolle-Musigny von Nony in der Nase mit herrlich reifer Himbeere auf, um dann rasch wieder abzutauchen. Trübe Farbe, hielt sich am Gaumen mit fast cremiger Textur und war ausgesprochen schön zu trinken- 90/100. Nur noch so eben trinkbar leider 1997 ein Corton Clos du Roi von Ropiteau. Schon recht alt auch ein Musigny von der Domaine de Vogue. Pilzig und ziemlich untrinkbar im Herbst 2005 ein Le Corton von Robert Madesclaire. In der Nase eines Corton von Pierre André dominierte 2007 bereits etwas Liebstöckel. Schöner der Gaumen, schlank zwar und kompakt, aber sehr pikant mit durchaus druckvoller Aromatik, entwickelte sich gut im Glas, ein Weingreis mit viel Charme – 89/100. Ein Chambertin von Armand Rousseau hatte 2007 zwar eine helle, reife Farbe, aber so eine intensive, druckvolle Aromatik, die in der betörenden Nase begann und sich am Gaumen fortsetzte. Ein perfekt gereifter, großer Burgunder mit viel Kaffee, Süße, feinem Schmelz, wunderbarer Textur und struktur, sehr lang am Gaumen – 96/100.

Meine bislang einzige, rote Rhone-Erfahrung aus 1950 war 1994 ein Chateauneuf-du-Pape von Pouget, tiefe Farbe, Veilchen, runder, harmonischer Wein mit typischem Aroma gereifter Chateauneufs, baute erst nach über 1 Stunde ab, dann gewannen Säure und Bohnerwachstöne die Oberhand.

Für eine Überraschung könnten durchaus auch noch weiße Chateauneufs gut sein, die meist hervorragend altern. Ein Chateauneuf-du-Pape Blanc von Antione Verda empfing uns 2007 mit einer ungewöhnlichen Nase, in der sich frischer Apfelsaft mit Cigarbox paarte. Am Gaumen dann leider übler Kork, der immer stärker wurde. Schade, das hätte ein spannender Wein sein können, zu alt war er in keinem Fall.

Intensiver werde ich mich bestimmt mit Spanien befassen. Mein erster spanischer 50er war 1995 in Barcelona zum Spottpreis ein wunderschön gereifter Bodegas Bilbainas Rioja Clarete Fino Vieja Reserva. Noch kräftig und sehr schön zu trinken 2000 ein Marques de Riscal Reserva. Den durfte ich 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe noch mal trinken. Da hatte er wieder eine sehr schöne Nase, war aber am Gaumen völlig nichtssagend und belanglos war, mit Keller- und Altfasstönen – 80/100. Deutlich besser auf dieser Probe CVNE Vina Real Reserva Especial, ein schöner Wein mit prächtiger Fülle und dichter Farbe, mit viel Mokka und malzig-korinthiger Süße, warm-würzig und lang am Gaumen, wäre ohne die etwas ins gemüsige gehende Nase groß gewesen – 93/100. Marques de Murrieta Reserva hatte 2007 zwar in der Nase die gemüsigen Noten und war sehr reif. Durch die recht kräftige, tragende Säure dürfte ihm aber noch ein längeres Leben beschieden sein, und die feine, karamellige Süße machte ihn zum durchaus attraktiven Gaumenschmeichler – 90/100. Marques de Riscal hatte 2008 eine dunkelbraune, etwas trübe Farbe, alter Sherry, ein Hauch von malziger Süße, sehr oxidativ und zu allem Überfluss kam der Gemüseton älterer Riojas hier von Gemüse, das 14 Tage vor der Tür gelegen hatte, schade – 72/100.

Durch ihren oxidativen Ausbau gewöhnungsbedürftig aber sehr lagerfähig und höchst interessant die weißen YGAY´s von Marques de Murrietta. Ich habe den
YGAY Blanco Reserva Especial das erste Mal 1995 bei Drawert getrunken, kräftige Bernsteinfarbe, wirkte (obwohl 2 Std. vorher dekantiert) in der Nase kräftig und oxidiert, auch am Gaumen eigenwillig, zeigte erst nach 3-4 Stunden(!) im Glas Süße, Crême Brulée und war dann gut für 90+/100. 1997 dann bei Stefan Molls fast gülden, stark oxidative Nase, brauchte irrsinnig lange ,nachdem er zu Anfang wie ein umgekippter Burgunder schmeckte und roch, entwickelte er sehr komplexe Geschmacksnuancen, bekam gebrannt-nussige, karamellige Töne wie die Oberschicht von Crême Brulée. Zuletzt 2000 auf meiner Raritätenprobe kräftiges Goldgelb, wirkte zu Anfang furztrocken und leicht gezehrt, entwickelte sich, wurde reicher, zum Schluss der absolute Star des Weißwein-Flights. Ich gebe dem Wein noch locker 20 Jahre Lebenserwartung. Zuletzt wieder 2007 kräftige, schon etwas ins güldene gehende Farbe, sehr facettenreiche, sich ständig wandelnde Nase, wird süßer, immer cremiger mit Orangenschalen und viel Karamell, am Gaumen firztrocken mit kräftiger Säure. Ein großer, eigenständiger Wein, dessen Entwicklung man ohne Probleme einen ganzen Abend im Glas nachverfolgen kann – 95/100.

Faszinierend 2007 Malaga Moscatel Extra Solera. Der roch exakt wie die Soße meines Lieblings Dessert Crêpes Suzette und war auch am Gaumen süß und einfach lecker – 92/100.

Von den deutschen 50ern, ursprünglich als großer Jahrgang gefeiert, haben nicht viele überlebt. Eine Geisenheimer Kosakenberg Riesling BA vom Weingut Jacob Horz, war 1995 ohne Süße, ausgezehrt. Nicht besser im Herbst 2005 eine Bad Kreuznacher Rosengärtchen Spätlese von Anheuser & Fehrs. Tief-güldene Farbe, kaum noch Säure, die Süße komplett aufgezehrt, aber immer noch gut trinkbar – 81/100.
Für große Ports war 1950 nicht gerade berühmt. Trotzdem habe ich 1997 einen schönen Croft getrunken, großer, reifer Port ohne etwas spritiges, himbeerfarben, sehr lecker und in guten Flaschen sicher noch eine Weile haltbar. Auch den 1995 getrunkenen
Warre´s mit wunderschönem Altrosa, intensiv, dezenter Süße, noch viel Leben, würde ich jederzeit nachkaufen.

Vor über 10 Jahren konnte ich preiswert 2 Flaschen
Ungarischer Tokayer Superior naturrein von der Grenzkellerei Brüder Buchner erwerben, ein absoluter Volltreffer. Sowohl 1995 als auch 2000 zu meinem 50. gab dieser Wein einen hervorragenden Aperitif ab, halbtrocken mit dezenter, feiner Süße, langem Abgang, einfach zeitlos schön.



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