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1959

Die freie Auswahl hat, wer aus 1959 einen Jubiläumswein sucht. In diesem ganz großen Weinjahr wurden fast überall in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt Riesenweine erzeugt.
Die Frage, ob 1959 oder 1961 das größere Bordeaux-Jahr darstellt, dürfte rein akademischer Natur sein. In beiden Jahren wurden ganz große Weine erzeugt. Trotzdem kann man nicht einfach wahllos kaufen. Etliche Weine, insbesondere aus schlechterer Lagerung, haben inzwischen das Zeitliche gesegnet.

Calon Ségur hatte 1998 eine dichte Farbe, war sehr würzig, aber auch mit kräftiger, tragender Säure, sicherlich langlebig – 93/100. Chambert in einer Barrière-Abfüllung war 1996 ein nettes, gut trinkbares Weinchen, das sicher schon bessere Zeiten gesehen hatte – 82/100. Cos d´Estournel war 1992 noch ganz ok er mit kräftiger Säure, tauchte leider sehr schnell ab – 87/100. Gleich zweimal hatte ich ihn dann 2006 auf der großen Cos-Probe. Leider waren beide Flaschen eher enttäuschend. Die Chateau-Abfüllung besaß zwar eine feine Zedernholznote, wirkte am Gaumen durch die recht hohe Säure aber unharmonisch – 85/100. Bei der Ginestet-Abfüllung war die Farbe daneben, die Nase daneben und der Gaumen daneben. Besser 2007, erstaunlich junge, dichte Frucht, war aber trotz der hohen Säure sehr gut zu trinken – 90/100. Montrose war 1989 im Caveau für Montrose erstaunlich offen und generös mit geradezu dekadenter Süße – 95/100. 2007 wirkte er zunächst sehr anstrengend mit hoher, astringierender Säure, baute jedoch schön im Glas aus und wurde immer besser.

Sicherlich deutlich besser als heute waren zur damaligen Zeit die sogenannten Handelsmarken, z.B. das, was Philippe Rothschild unter dem Label Bergerie verkaufte. Ein solcher Pauillac La Bergerie hatte 2001 in einer schlechten Flasche eine dunkelbraune Farbe, mächtiger Stoff mit malziger Süße, nach 2 Stunden im Glas kamen erste Sherrytöne, könnte in der perfekten Flasche richtig toll sein – 87/100. Grand Puy Lacoste war 1995 aus der Imperiale noch sehr jung. 2004 aus der 1tel dann ein wunderbarer, finessiger, eleganter, typischer GPL mit roter Johannisbeere, sicher noch einige Jahre haltbar und zumindest in Großformaten ein Kauf wert - 93/100. Haut Bages Liberal in einer Barrière-Abfüllung hatte 2003 eine dichte, deutlich jüngere Farbe, schöne Nase, gefällig, sehr lecker, etwas kurz am Gaumen 91/100. Ein Riese mit sicher noch 20 Jahren Potential ist Lafite Rothschild. Fast noch zu jung 1993 auf unserer Jahrhundertweinprobe und kurz darauf noch mal auf der Probe eines guten Weinfreundes, junge Farbe, noch kräftige, aber nicht so astringierende Tannine wie Latour, für Lafite erstaunlich viel Kraft, sehr schöne Länge - 98/100. 1995 im Landhaus Bacher aus der Marie Jeanne Gran Vin! Tiefe, junge Farbe, intensive Fruchtsüße, hört am Gaumen garnicht mehr auf – 100/100. Stellte Silvester 1995 bei Hubi Scheidt selbst den 59er Haut Brion noch in den Schatten – 100/100. 1996 eine erstaunlich reife Flasche aus nicht optimaler Lagerung, sehr dichte Farbe, erkennbarer Braunton, Minzfrische, reifer Cabernet, voll, geradezu opulent, sehr lang - 100/100. Zuletzt 2007 absolute Perfektion. In der Nase Minze, aber auch Kräuter und eine feine Süße. Die Süße dieses sehr finessigen Weines seht sich am Gaumen fort, endlos im Abgang. Ein Jahrhundert-Lafite, jetzt auf dem Höhepunkt, auf dem er sicher noch 10-20 Jahre bleibt - 100/100. Latour wirkte 1993 auf einer Probe im 59er Vergleich schlank, unreif, sehr kräftige Säure, ließ von seinem Potential nicht viel raus - 94/100. 1995 auf Willi Krählings Latour-Probe aus der Magnum dann die Kraft und die Herrlichkeit – 100/100. Im selben Jahr dann noch schlichtweg außerirdisch gut aus einer Marie-Jeanne und – der Supergau! – aus einer fehlerhaften Imperiale. Danach noch mehrfach aus Flaschen unterschiedlicher Güte. Zuletzt 1999 auf einer Best Bottle dichte Farbe, dekadente Süße, Power, leichte Minze, unglaublich, das war 59 Latour wie ich ihn kenne und liebe - 100/100. Im Sommer 2005 dann noch eine perfekte 1tel auf 100/100 Niveau. Vier Wochen später auf Sylt hielt ich ihn blind eingeschenkt für deutlich jünger und wähnte mich bei 82 Leoville las Cases. So jung, auch in der Farbe, so dicht, so massive Tannine, so kompakte Frucht. Ein für die Ewigkeit gemachter Wein, der in perfekt gelagerten Flaschen wie dieser unbedingt ein paar Stunden vorher dekantiert, besser aber noch ein paar Jahre weggelegt gehört – 97/100. Zuletzt 2007 auf Chateau Latour in zwei Varianten. Grandios die ex-Chateau Flasche. Superfarbe ohne jedes Alter, vielschichtige Traumnase, auch am Gaumen so dicht, so jung, so kraftvoll, unglaublich komplex, Latour in Vollendung, ein Weinmonument, gemacht für die Ewigkeit – 99/100. Die Flaschen aus einem kalten Loire-Keller wirkten erstaunlicherweise etwas reifer mit einer Extra-Portion Süße, aber auch kräuterigen, floralen Aromen – 98/100. Ein zeitlos schöner, eleganter Wein mit feiner Minznase war 1995 auf Willi Krählings Lynch-Probe der Lynch Bages – 95/100. Vielleicht nicht ganz auf diesem Niveau aber ebenfalls sehr schön und noch lange nicht am Ende ist die Barrière-Abfüllung. 1998 bei Drawert reife Farbe, schöne Würze, feine Süße, Minze, einfach lecker - 91/100. Ähnlich noch mal in 2000. 2008 auf René Gabriels großer Lynch-Probe war dann die Chateauabfüllung deutlich auf dem Abstieg, sehr reife, leicht oxidativ wirkende Nase, Dörrfrüchte statt frischer Frucht, auch am Gaumen deutliche Alterstöne – 83/100. Eine paralell getrunkene Mövenpick-Abfüllung war wohl fehlerhaft und zeigte nur die Faszination des Grauens. Unterschiedlich zeigte sich Mouton Rothschild. 1994 auf Willi Krählings Mouton-Probe eine sehr schöne Magnum mit Minze und Eukalyptus, die stark an den legendären 74 Heitz Martha´s Vineyard erinnerte – 98/100. 1998 aus der 1tel sehr dichte, junge Farbe, Nase leicht exotisch mit Eukalyptus und Minze – 95/100. 1999 in einer Best Bottle dichte Farbe, Bleistift, Minze, entwickelt sich langsam im Glas(noch viel Zukunft), tolle Länge am Gaumen, aber auch hier kam das Aha-Erlebnis nicht rüber - 96/100. Zwei unterschiedliche Flaschen 2000 in einer großen Mouton-Probe, in der besseren der beiden Flaschen kräftige Säure und Tannine, Riesenteil mit sicher längerer Zukunft als 61 – 97/100. 2004 in der Mouton-Probe auf der Stromberg dezente Minze, noch unglaublich frisch, jung, viel Potential und Zukunft - 98/100. Zuletzt 2006 kräftige Farbe mit wenig Alterstönen und wirkte wieder verdammt jung und konzentriert. Entwickelte sich im Glas, da kamen Minze, Bleistift, auch etwas Eukalyptus, immer noch präsente Tannine, sehr lang am Gaumen – 97/100. Da ist noch Musik für etliche Jahrzehnte drin. 2007 dann das mit Abstand beste Exemplar, das ich von diesem Wein je getrunken habe. Mag sein, dass er jetzt endlich reif ist. Schon die fantastische Nase mit viel Minze, einem Hauch Eukalyptus, mit Bleistift und altem Sattelleder identifizierte ihn nicht nur sofort als großen Mouton, sie erinnerte auch stark an die Legende 45. Am Gaumen unglaublich dicht und von einer perfekt strukturierten Üppigkeit. Vinologische Dekadenz in ihrer schönsten Form – 100/100. Pichon Baron war 1997 in einer französichen Händlerabfüllung von Decas ein wunderschöner, reifer Cabernet mit feiner Zedernholznote und dichter Farbe – 93/100. Deutlich reifer vier Jahre später die Zwillingsflasche, schwächelte zu Anfang etwas mit Liebstöckel-Tönen, kam dann aber sehr schön im Glas mit feiner Süße. Da würde ich mich heute nur noch an Großflaschen aus perfekter Lagerung rantrauen. Ähnlich sieht es bei der Pichon Comtesse aus, die sich ebenfalls auf dem Abstieg befindet. Hier habe ich in den Neunzigern etliche Flaschen der sehr zuverlässigen Cruse-Abfüllung geleert (92-94/100), die dann Ende der 90er auch erste Schwächen zeigte. Als Chateau-Abfüllung 1996 eine sehr enttäuschende Imperiale und 1998 in Hannover eine überraschend schöne 1tel mit wunderbarer, reifer Nase mit etwas Tabak, Kaffee und Schokotönen, am Gaumen samtig, weich und ebenfalls sehr reif – 93/100. Pontet Canet war 1992 schon deutlich über Höhepunkt hinaus mit störender Säure.

Beychevelle hatte 1995 im Landhaus Bacher aus der DM eine sehr kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, die unangenehme Sauerkrautnase verschwand mit der Zeit, alter Wein, der zwischendurch noch einmal kurz aufblühte, dann aber wieder schnell in sich zusammenfiel – 74/100. Branaire Ducru war 1998 zwar weich, würzig, mit feine Süße, buttrig, aber noch lange nicht am Ende – 90/100. Eine englische Händlerabfüllung dieses Weines war aber 1996 mit ziemlich heller, leichter Farbe mit deutlichen Brauntönen, reif und sicher über Höhepunkt hinaus – 86/100. Rect langlebidg könnte auch noch Ducru Beaucaillou sein, 2006 auf der großen Ducru-Probe dichte Farbe, tolle Nase, aber etwas kurz am Gaumen - 92/100. Sicher nicht in der Liga des großen 61ers und ohne dessen Kraft, aber sehr finessig und elegant ist Gruaud Larose. Versaut wurde ich natürlich bei meiner ersten Begegnung 1993 aus der Imperiale, das war ganz großer Stoff. Danach habe den Wein gesucht und mehrere schöne 1tel und Magnums getrunken, die diese Klasse zwar nicht erreichten, aber immer bei 93-95/100 lagen. Zuletzt tranken wir Silvester 1996 zu zweit eine Magnum in relativ kurzer Zeit leer, denn dieser ziegelrote Wein, war weich und voll auf dem Punkt – 94/100. Die Zwillingsmagnum 2002 legte noch mal einen drauf, reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, vollreif im besten Sinne, perfekter Cabernet mit unendlichem Abgang, davon bekäme ich leicht eine DM alleine leer! – 96/100. 1955 stand auf dem Etikett des Leoville Barton, den ich 2001 öffnete, doch der Korken wies ihn eindeutig als 59er aus, ein toller, kräftiger 59er mit reichlich Reserve – 95/100. Vier Jahre vorher hatte ich ihn schon mal als weniger überzeugende englische Händlerabfüllung von Avery getrunken, kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, alte Fässer, etwas staubig/muffige Nase, am Gaumen dezente Süße - 88/100. Leoville las Cases hatte 1995 bei Jörg Müller aus der Magnum eine junge, aber nicht allzu kräftige Farbe ohne Braunränder, noch schöne Frucht und kräftige Säure – 91/100. Leoville Poyferré hatte 1993 auf einer Drawert-Probe eine animalische Nase, am Gaumen kurz und dünn – 82/100. 1994 und 1995 dann sehr schöne Cruse-Abfüllungen dieses Weines, reife Farbe mit deutlichen Brauntönen. Am Gaumen perfekt gereifter, großer Bordeaux – 95/100.
Talbot war 1993, 94 und 96 von der Nase her schon alter Wein, sonst sehr fein, elegant, mit sanftem Schmelz und leichter Süße, helle, schon sehr bräunliche Farbe – 91/100. Deutlich besser eine perfekte Flasche 2007 bei Jörg Müller. Reif und voll auf dem Punkt, sehr fein und elegant mit wunderbarer Süße, blieb ewig am Gaumen. Die für 1959 typische, gute aber harmonisch eingebundene Säure verheißt diesem Wein noch ein längeres Leben – 94/100.

Chasse Spleen hatte 1994 in einer belgischen Dalamier-Abfüllung eine schöne Farbe mit wenig Brauntönen. Sensationelle Nase, die an einen großen, reifen Burgunder erinnerte, auch am Gaumen sehr schön, wenn auch nicht mit derselben Klasse, aber eindeutig als Bordeaux identifizierbar – 91/100. Die kurz danach getrunkene, zweite Flasche hatte leider einen deutlichen Essigstich. Ein La Closerie-Grand-Poujeaux in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung hatte 1994 eine kräftige Farbe mit Braunrändern, noch sehr präsente Tannine, die den Wein zu Anfang unnahbar machten, wurde nach 1 1/2 Stunden gefälliger, aber mehr auch nicht, denn die Frucht fehlte völlig und ließ ihn so ausgezehrt wirken – 82/100. Ein Ausnahmewein 1999 in Hannover bei „Marie Louise“ La Lagune, wunderbar süß und dicht – 97/100. Begeistert war ich 1998 bei Drawert auch von Lanessan, sehr dicht, Länge, jung, Lakritze, toller Stoff – 95/100.

D´Issan war wohl nie richtig groß, hat sich aber gut auf dem Niveau eines guten Cru Bourgeois gehalten, 2002 ohne jeden Alterston – 87/100. Malescot-St.-Exupéry war 1995 aus der Imperiale ein kleiner Wein, säurelastig, kurz – 83/100. Sehr gut hat sich Margaux entwickelt, ein Anfangs unterschätzter Wein, der immer mehr zulegt. 1994 aus einer perfekten Nicolas Flasche hatte er eine junge Farbe und wirkte mit seinen präsenten Tanninen einfach noch zu jung – 93/100. Ein Jahr später eine perfekte, reifere Flasche im Sonora – 95/100. Zuletzt 2001 in einer Probe gegen Haut Brion nur 2. Sieger, aber auf was für einem Niveau! Eine deutlich schächere Flasche 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe. Recht gefällig die Nase mit feiner Süße und Kakaobohnen in Bitterschokolade, aber am Gaumen fehlte für einen 1er Cru aus einem solchen Jahr einfach die entsprechende Konzentration und Struktur – 91/100. Palmer war 1992 und 93 ein sehr feiner, finessiger, reifer Margaux, meilenweit entfernt vom großen 61er, den ich damals mit 92/100 bewertete. Bei einer 2000 getrunkenen Händlerabfüllung war der Lack bereits ab. Palmer scheint inzwischen deutlich auf dem Abstieg zu sein. Das bestätigte sich auch im Herbst 2005, zwar eine junge Farbe, gute, etwas stahlig wirkende Frucht, aber auch reichlich Säure. Wirkte erdig, kräftig und sehr kompakt – 90/100.

Schade, die Zeit, als man noch richtige Schnäppchen machen konnte, ist wohl vorbei. Ganze € 26 pro Flasche zahlte ich 1997 auf einer französischen Auktion für Carmes Haut Brion. Gut, die erste und schlechteste Flasche war sicher leicht über den Höhepunkt, aber immer noch ein sehr schön gereifter, typischer Graves – 90/100. Die zweite Flasche 1999 während der Prowein bekam am Tisch für die klassische, Cigabox-dominierte Nase 100 Punkte, auch am Gaumen waren zumindest 94/100 voll gerechtfertigt. Ähnlich dann 2002 die dritte Flasche. Die vierte und letzte 2003 bei und mit Franz Josef Schorn wieder klassische Cigarbox-Nase, würzig, schöne Frucht - 93/100. Wer davon Großflaschen loswerden möchte, möge sich bitte bei mir melden. Ein Wein, bei dem das Glas gar nicht voll genug sein kann, ist
Haut Brion. Silvester 1990 bei Hubi Scheidt habe ich ihn zum ersten Mal trinken dürfen, da war er riesengroß, aber noch längst nicht auf dem Höhepunkt. 1993 bei der Probe eines guten Weinfreundes dann erhaltenes Bouquet mit wenig Cigar-Box, immense Länge, viel Rückrat und Schmelz, schokoladig, etwas Kaffee - 99/100. Auf ähnlichem Nivea im selben Jahr bei Jörg Müller auf Sylt. Dann 1997 bei Willi Krähling meine bisher beste Flasche, absolut perfekt mit wunderschöner Süße, sexier kann Wein kaum sein 100/100. 1998 im Brüsseler Comme Chez Soi tolle Cigarbox-Nase, wurde am Gaumen aber leicht säurelastig, sicher nicht die allerbeste Flasche, trotzdem - 96/100. 2000 in einer großen Probe auf höchstem Niveau gegen 61 nur 2ter Sieger. 2001 reifer Graves in Perfektion mit traumhafter Graves-Nase – 99/100. Bisher meinte ich, dass man, außer in Großformaten, das Glück nicht auf die Probe stellen und den Haut Brion in den nächsten Jahren trinken sollte, schöner wird er bestimmt nicht mehr. Doch eine zuletzt auf der großen Haut Brion Probe 2006 getrunkene Flasche war so außerirdisch gut, dass ich jetzt auch noch mal auf die Suche gehe. Das war einfach ein geiler Stoff, cremige Frucht, Fülle, Schmelz, Süße. Wer hatte mir von diesem göttlichen Elixier nur diese winzige Pfütze eingeschenkt? Das ist ein Wein zum beidhändig trinken aus großen Behältnissen und eine der großen Weinlegenden unserer Zeit – 100/100. Große Weinerlebnisse habe ich auch mit La Mission Haut Brion gehabt. Gleich die erste Begegnung mit diesem Ausnahmewein 1991 im Düsseldorfer Caveau war ein 100/100 Erlebnis, diese gewaltige Mischung aus intensivem Zigarrenkisten-Aroma und Pferdestall, dieser aromatische Druck am Gaumen und diese riesige Länge, das war schon was. 1996 dann wieder eine perfekte Flasche mit toller Cigarbox-Nase, extrem lang – 100/100. 1998 in Willi Krählings großer La Mission-Probe eine sehr verhalten wirkende Magnum, die möglicherweise noch zu jung war. In einer weiteren Probe 2000 habe ich habe trotz Cigarbox-Nase aufgrund der jungen Farbe und der tollen Süße erst auf Piraten getippt, ein hedonistischer Traum 100/100. Zuletzt 2001 in Brüssel sehr überzeugend – 98/100. Nur einmal habe ich Pape Clement getrunken, 1996 aus der Imperiale, aber selbst in diesem Großformat hatte er seine Zukunft schon lange hinter sich. Als langlebigster Pessac könnte sich La Tour Haut Brion erweisen. 1992 in einer R&U Abfüllung noch sehr jung, entwickelte sich nur sehr zögerlich. 2001 wunderschönes Cigarbox-Aroma, feiner als der massive 55er, entwickelte sich toll im Glas - 94/100. In einer französischen Händlerabfüllung 1998 ein Riesenteil mit toller Farbe, Supernase, enorm viel Power, Graves in Perfektion - 98/100. Zuletzt 2007 bei Jörg Müller Superfarbe mit fast schwarzem Kern. Eine faszinierende Mischung aus Teer, Tabak und altem Balsamico, eigenständig, eigenwillig und fordernd, dabei Potential ohne Ende – 96/100.

Ein Pomerol La Bergerie war 2001 feinduftig, elegant, noch fast jung wirkend, ein kleiner feiner Wein, der´s noch ein paar Jahre macht – 88/100. Ein Le Bon Pasteur schoß 2001 schon beim Dekantieren aus der Karaffe, tolle Nase, dichte, junge Farbe und sehr druckvoll am Gaumen, zählt sicher in 59 auf dem rechten Ufer zur Jahrgangsspitze – 95/100. La Conseillante in einer französischen Händlerabfüllung hatte 1995 eine dichte Farbe mit deutlichem Braunton, wenig Frucht, aber viel Kraft – 91/100. Die Zwillingsflasche war 2003 ein sehr leckerer, reifer Pomerol, entwickelte karamellige Süße - 91/100. Ein zuerst vorhandener Altweingout verschwand 1997 bei einem Croix de Gay in einer Segnitz-Abfüllung schnell, der Wein wurde seidig, weich, mit feiner Süße – 88/100. Ein Croix St. Georges war 1992 zwar immer noch schön zu trinken, aber schon deutlich über den Höhepunkt.
Als ich 1995 zum ersten Mal auf einer großen Probe l´Eglise Clinet vorgesetzt bekam, unglaublich konzentriert und dicht mit sensationeller Fruchtsüße, notierte ich nur „Too good to be true“. Das bestätigte sich dann ein Jahr später bei einer weiteren, perfekten Magnum aus identischer Quelle, das war schon zuviel, zu dick, bonbonhaft, aufgekochte Marmelade, ging Richtung diverser, zweifelhafter 47er Lafleurs. 1959 war in Pomerol nicht unbedingt das absolute Riesenjahr, das da in manche Flaschen gefüllt wird. Wenn Sie so was mal aus wirklich seriöser Quelle mit 30 Jahre alter Originalrechnung angeboten bekommen, lassen Sie mich bitte mittrinken. Wenn der dann wirklich genauso schmeckt, nehme ich alles zurück.
L´Evangile in einer französischen Eschenauer Abfüllung war 1999 sicher schon eine Weile über Höhepunkt hinaus, aber immer noch schön trinkbar mit Schokotönen – 90/100. Im Jahr darauf hatten wir dann großes Glück miteine vor Urzeiten erworbenen Chateauabfüllung, eine sensationelle, dichte Farbe, Power ohne Ende, unglaublich aromatisch und druckvoll am Gaumen, ein in dieser Form fast "unsterblicher" Evangile - 100/100. La Fleur Petrus in einer belgischen Händlerabfüllung hatte 2000 eine kräftige Farbe, am Gaumen schöne Süße – 92/100. 2006 in einer belgischen Grafé-Lecoq Abfüllung war das ein großer, reifer Pomerol wie man ihn sich wünscht, süß, füllig, üppig und mit genügend Kraft für sicher noch 10 weitere Jahre – 94/100. Sensationell war 1994 ein Lagrange-à-Pomerol in einer belgischen Händlerabfüllung, Hedonismus pur mit opulenter, üppiger Frucht und toller Länge am Gaumen – 98/100. Groß auch Latour-à-Pomerol, konnte 1992 selbst nach einem 47 Petrus noch bestehen – 96/100. 1994 und 1995 noch zwei perfekte Magnums auf ähnlichem Niveau. Meine bisher beste Flasche dann 2002 eine belgische Händlerabfüllung, druckvoll und gleichzeitig sehr elegant, perfekter Pomerol, Ausnahmestoff – 98/100. Ein feiner, kräftiger Pomerol war 2001 ein mir bis dato unbekannter Monregard La Croix – 90/100. Sehr hochgelobt wird in 1959 der Petrus, insbesondere von denen, die ihn derzeit auf Auktionen anbieten. Ich kann das nicht nachvollziehen. Auf Walter Eigensatz großer Petrus-Probe 1993 eine Magnum, würzig, malzige Süße, groß, kräftige Säure – 95/100. 1996 bei Drawert dann eine belgische Grafé-Lecocq Magnum mit sehr dunkler, kräftiger Farbe ohne Alter, massive(zuviel!) Säure, tanninig, baute mit der Zeit im Glas ab – 93/100. Irritiert war ich auf René Gabriels Petrus Probe 2005 von Petrus in der Grafé-Lecocq Abfüllung. In beiden Flaschen war ein Riese mit irrem Abgang. Kaffee ohne Ende und ein bei Petrus noch nie bemerkter Eukalyptus-Ton, sicher 97/100 wert, aber war das Petrus?
Wer statt auf großen Namen mehr wert auf großen Wein legt, der sollte in 59 da z.B. eher zu Trotanoy greifen. Das war 2001 in einer belgischen Händlerabfüllung ein konzentrierter Superstoff mit noch langem Leben – 96/100. Vieux Certan wirkte 1994 am Arlberg alt ausgetrocknet und säuerlich. Deutlich besser dann 1998 in Hannover eine Berry Brothers Abfüllung, glasklare Farbe, sehr schön definierter Wein mit kräftiger Säure, absolut frisch, aber nicht opulent – 92/100. 1999 dann noch mal eine Chateau-Abfüllung, sehr lecker, reifer Pomerol mit schöner Frucht, aber auch wieder kräftiger Säure – 90/100. Zuletzt 2005 auf der Vieux-Probe filigran, sehr feinduftig, in der Nase deutliche Teernote, am Gaumen fehlte die Konzentration, dafür etwas zuviel Säure - 93/100.
Mehrfach überzeugte zwischen 1994 und 99 auch ein Vray Croix de Gay mit Finesse und schöner Frucht – 90/100.

Angelus hatte 1997 eine helle Farbe, eher Richtung großer Burgunder, unglaublich lecker, Gaumen deutlich besser als Nase, süßlich, reif - 95/100. 2003 dann eine deutlich jünger wirkende Flasche, animalische Rhone-Nase, dicht, Klassestoff - 96/100. 2004 eine Barrière-Abfüllung mit schlechtem Füllstand, rustikal, feine Süße, nicht auf dem Level der Chateau-Version - 89/100. Zuletzt 2008 wieder etwas rustikal – 89/100. Leider nur einmal getrunken habe ich L´Arrosée, der 1996 auf einer Raritätenprobe reichlich Luft zur Entfaltung brauchte und dann aus einem hochklassigen Magnum-Flight mit 61 und 66 l`Arrosée auf hohem Niveau als klarer Sieger hervorging – 95/100.
Ausone hatte ich eigentlich schon abgehakt, denn 1989 hatte er sich im Düsseldorfer Caveau als alter sterbender Wein mit bräunlicher Farbe, Medizinalnase, kurz und fertig am Gaumen präsentiert. Aber das war wohl nur eine schlechte Flasche, wie man sie ja bei alten Weinen immer erwischen kann. 1999 auf einer Best Bottle bei Schorn dann eine sehr überzeugende Vorstellung, ein sehr interessanter Wein mit kräftiger Farbe, eher Rhone als Bordeaux, wenig Frucht, dafür Tabak, Tee, auch etwas Süße, macht es in dieser Form sicher noch lange und steht auf meiner Suchliste – 94/100.
Beauséjour (Duffau-Lagarosse) war 2006 gefällig mit feiner Süße, aber auch kräftiger Säure, es fehlt etwas an Struktur und Rückrat – 90/100. Ein Canon in einer belgischen Händlerabfüllung hatte 1998 eine helle Farbe, nicht sehr konzentriert, Leder, wenig generös – 83/100. Zuletzt 2007 sehr medizinal mit viel Jod und auch etwas Minze, am Gaumen erst komplex wirkend, aber dann immer pilziger werdend, Penicillin ließ grüßen – 85/100. Zweimal habe ich, jeweils aus unterschiedlichen Quellen auf französischen Auktionen erstanden, Canon-la-Gaffelière getrunken. Die erste Flasche 1998 hatte eine kräftige Farbe, deutlich spürbares Alter, aber das ist nicht verkehrt, denn er hat noch viel Kraft und eine wunderschöne, malzige Süße – 92/100. Die zweite Flasche 2003 war dann ein deutlich jünger wirkender, finessiger, ganz toller, vielschichtiger Stoff, wenn der Graf die heute auch so hinkriegt, ist er gut - 95/100. Zuletzt noch mal 2007 auf dem Ungerschen Weihnachtstasting, exotisch-üppig, würzig, süß und sehr lang am Gaumen – 96/100. Ein Cap de Mourlin kam Ende 2004 erst als Madeira mit deutlichem Altweinton ins Glas, aber dann ging´s los, entwickelte eine unglaubliche aromatische Dichte mit dunklem Karamell und massig Schokolade, Riesenteil - 95/100. Fasziniert bin ich immer wieder davon, mit welcher Leichtigkeit Cheval Blanc altert. Gut, auch hier gibt es schlecht gelagerte und misshandelte Flaschen. Aber wer mit seinen Chevals pfleglich umgeht, der hat extrem lange Spass daran. Bestes Beispiel hierfür waren zwei in Belgien erworbene halbe Flaschen. Das waren beides 1995 und 97 große Weine mit viel Kraft und wunderschöner Süße – 96/100. Sensationell dann der Wein 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe, Powerfarbe, Kaffeetöne, aber auch kräftige Säure, kandierte Süße (Crême Brulée), ein Wein zum Kauen, der am Gaumen kaum aufhö
t – 98/100. Meine bisher beste Flasche dann 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe auf der Stromburg. Cheval Blanc wie aus dem Bilderbuc, sehr fein mit malziger Süße. Dabei diese unglaubliche Eleganz und Finesse, ein verrückter, einmaliger Wein, der am Gaumen gar nicht mehr aufhört – 100/100. Sehr variabel war die Charge Clos St. Martin, die ich 1994 recht preiswert in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung erwerben konnte. Bis auf eine vergessene wurden die alle zischen 94 und 96 getrunken und deckten die ganze Bandbreite zwischen 87 und 93/100 ab. Ein Hammer war dann die letzte Flsche 2001 als Star einer Best Bottle, die Kraft und die Herrlichkeit, meine bisher beste Flasche, Süße, Opulenz, leichte Portigkeit, Trüffel, ein Riesenteil, sicher 97/100 wert. Wenig Freude hatte ich zwischen 1994 und 2002 an meheren Flaschen La Dominique in einer belgischen Hanapier-Abfüllung, ein fruchtloser, kurzer, belangloser Wein. Endlich mal ein riesengroßer Figeac, notierte ich im Dezember 2004. Aus einer R&U Flasche hatte der Figeac eine dichte, kräftige Farbe ohne Alter, Klasse-Nase mit schwarzem Trüffel, etwas Teer, frisch geröstetem Kaffee, erdige Terroirnoten, am Gaumen beeindruckender Druck und Fülle - 97/100. Immer wieder eine Top-Empfehlung ist La Gaffelière-Naudes. 1998 zweimal getrunken, bei Drawert reif, würzig, feine Süße – 93/100, kurz danach in Hannover erstaunlich schön und frisch wirkend – 94/100. 2003 aus einer perfekten Flasche, dichter, monströser, irrer Stoff, nicht so finessig wie der parallel dazu getrunkene Canon-la-Gaffelière, aber Kraft ohne Ende, ein supergeiler Saft - 96/100. 2004 feine Süße, viel Druck am Gaumen, tolle Aromatik, sehr lang – 94/100. Zuletzt 2007 reif und auf dem Punkt, ein Altwein-Erlebnis par excellence. Massig Kaffee, karamellige Süße, druckvolle Aromatik am Gaumen – 95/100. Etwas kurz und gezehrt 2000 ein Grand Corbin d´Espagne – 83/100. La Magdelaine war 1988 ein toller Wein mit Tababnase und malziger Süße am Gaumen, damals schon deutlich über Höhepunkt weg – 92/100. Noch sehr schön zu trinken, aber auch etwas harmlos war 2002 ein Monbousquet – 88/100. Ein 2002 mit einer Gruppe österreichischer Winzer getrunkene Magnum St. Georges wurde von diesen blind als Top-80er eingeschätzt, ein traumhafter Wein, der nicht nur von der Farbe her noch jünger wirkte, sehr druckvoll mit schöner Frucht und feiner Süße im Abgang – 94/100. Ein Geheimtip in 1959 ist auch Trimoulet, 2001 ein perfekter 59er mit viel Schmelz und Länge, noch lange nicht am Ende und eine Klasse besser als der im Vergleich dazu getrunkene 59 Margaux – 95/100. Troplong Mondot war 2000 in einer französischen Händlerabfüllung noch recht schön, aber am Ende der Genussphase – 88/100. Völlig anders dann 2003 in der Chateau-Abfüllung, jung, dicht, unglaublich kräftig aber auch mit hoher Säure, eher Pauillac als St. Emilion, altert in dieser Form spielend noch 20 Jahre – 94/100.

1959 gilt als großes Sauternes-Jahr. Ich kann das nicht nachvollziehen. Vielleicht habe ich bisher auch nur die falschen Weine getrunken.
Caillou Crème de Tête hatte 1997 einen deutlichen Petrolton, wirkte relativ trocken, war nicht mein Ding. Auch ein Clos Haut Peraguey riß mich 1993 nicht gerade vom Hocker. War Lafaurie Peraguey 1994 am Arlberg aus der Großflasche noch sehr schön und zeigte sogar etwas Säure – 92/100- , so notierte ich 1998 bei Drawert nur üppig, voll, pappig, klebrig. Auch für La Tour Blanche konnte ich mich 1994 auf einer Arlberg-Probe nicht begeistern.

Ganz großes Weinjahr auch in Burgund mit extraktreichen, langlebigen Weinen.
Ein Chambolle Musigny Les Amoureuses von Bichot war 2002 ein wunderbar gereifter, zeitlos schöner Burgunder – 92/100. Höchst erstaunlich, was ein Calvet Richebourg mit über 10 cm Schwund 2002 noch hergab, dichte, kräftige Farbe, immer noch gut trinkbar mit malziger Süße am Gaumen, der Alterston verflog rasch und während er am Gaumen mit der Zeit etwas abbaute, entwickelte sich eine sensationelle Nase, die von Kaffee über Bitterschokolade immer mehr hin zur reinen Kakaobohne mutierte, den möchte ich mal in guten Flaschen trinken! – 91/100. Charmes Chambertin von Drouhin war 2008 ein herrlicher Tropfen mit klassischer, reifer Pinot-Nase, am Gaumen sehr generös mit feiner Süße, baute im Glas wunderbar aus und zeigte keinerlei Schwäche – 95/100.Enttäuschend 2002 auf einer großen DRC-Probe ein DRC Richebourg, deutlich reifere, braunere Farbe als der 71er, Finesse, reifer Pinot Noir, Länge, aber das Jahr habe ich mir größer vorgestellt, 2. Flasche war besser und jünger - 91/100. Einer meiner allerersten großen Burgunder war 1986 bei Jörg Müller, damals auf Sylt noch in Nösse, ein Corton Clos des Cortons von Faiveley, in der halben Flasche, Traumburgunder in optimalem Reifezustand. Corton Clos de la Vigne au Saint von Louis Latour war 2007 in Genf ein Wahnsinnsstoff , wunderschöne, brilliante Farbe ohne Alterstöne, eine geniale Nase mit hohem Suchtfaktor, am Gaumen immer noch jung wirkend mit unglaublich druckvoller Aromatik und irrer Länge am Gaumen, ganz großer Pinot Noir in Vollendung, dezente, feine Süße. Perfekte Flasche, perfekter Jahrgang, große Lage – aus dieser Kombination kann nichts anderes als ein Traumwein entstehen. Ganz vorsichtig und konservativ notierte ich 98/100. Ein Chambertin Clos de Bèze von Leroy war 2001 ein Power-Pinot mit feiner Süße und noch reichlich reifen Tanninen, macht´s sicher noch 10+ Jahre - 95/100. Ein Gevrey Chamertin von Remy wirkte 1997 sehr reif mit feiner Süße – 91/100.
Schier unglaublich ein Mounlin-à-Vent von Morin. Ein fast 40 Jahre alter Beaujolais, so dicht, kräftig und komplex ohne störende Alterstöne, das ist schon ein Hammer. Das war einfach ein großer Burgunder – 93/100.

Für die weißen Burgunder war der Sommer eigentlich zu warm.
Erstaunlich 1994 ein Puligny Montrachet Clos de la Mouchière von Boillot, helle Farbe, insgesamt noch sehr jung, massig Holz und Vanille, voll, lang, sensationell – 97/100.

Sehr gute, langlebige Weine wurden an der Rhone erzeugt.
Ein Hermitage La Sizeranne von Chapoutier trank sich 1998 wie ein großer, reifer Burgunder, weich, seidig mit schöner Süße, aber ohne Alterstöne – 93/100. Harte Kost war 2007 ein Cornas von Paul Etienne. Der hatte sich immerhin ohne Blessuren gut über die Zeit gerettet und war sicher in seiner Jugend auch kaum besser, Cornas muss man eben mögen. Klare Farbe ohne Alter, sehr deutliche Säure, aber auch noch frische Frucht, Himbeere, Brombeere, kompakt am Gaumen, aber gut zu trinken – 86/100.
Ein perfekt gereifter, sehr überzeugender Chateauneuf mit klarer Farbe und Reserven für noch viele Jahre war 1997 und 98 ein Chateauneuf-du-Pape Les Grappes des Papes von Jaboulet-Ainé – 92/100. Weniger gut 2006 ein Mont Redon. Bräunliche, reife Farbe wie Coca Cola, leicht oxidativ, muffige Nase, Mottenkugeln, wurde auch am Gaumen immer pilziger. Klar, man starb nicht dran, aber Genuss ist anders – 79/100. Riesengroß 2007 ein Chateauneuf-du-Pape Cuvée du Vieux Vigneron von David & Foillard, supergeile Nase, wie eine hypothetische Mischung aus Mouton und La Tâche, am Gaumen reichlich rote Früchte, Lakritz und eine kräftige, aber gut eingebundene Säure. Wirkte noch so jugendlich und wurde im Glas immer burgundischer – 97/100. 6 cm Schwund hatte 2008 der Chateauneuf-du-Pape der Domaine de la Solitude. Der wirkte trotzdem noch so jung, so süß, hatte so eine tolle Frucht und eine Fülle, bei der jeder Burgunder neidisch werden musste – 95/100.

Ein Clos de l´Olive aus Chinon von René Baudy hatte 1998 in Paris eine kräftige Farbe und noch kräftigere Säure, die Frucht war aber schon auf dem Rückzug, immer noch gut trinkbar, trocknet aber aus – 87/100.

Ein Quarts des Chaume Chateau de Surronde hatte 1995 eine leichte Anisnase, war sonst ausdruckslos, da fehlten sowohl Säure als auch Süße – 83/100.

Ein glorreiches Weinjahr in Deutschland, in dem zahllose Weinlegenden erzeugt wurden. Von der BA an aufwärts gibt es da noch viel zu entdecken. Von der Mosel lassen sich sogar noch viele Auslesen gut trinken, da hier meist die Säurewerte stimmten.
Eine Wachenheimer Rechbächel Riesling BA von Bürklin-Wolf war wie flüssiges, dunkles Gold, Farbe wie alter Yquem, intakte, kräftige Säurestruktur, voll, füllt den Mund und ist unglaublich lang, ein Wahnsinnswein! – 98/100. Eine Kreuznacher Brückes feinste Auslese von Johann Baptist Eckel hatte 1996 güldene Farbe, war vollreif, wenig Firne – 90/100. Schon mehrfach habe ich die Eitelsbacher Kronenberg Riesling feinste Auslese von Rautenstrauch(heute Tyrell) getrunken. 1990 bei Hubi Scheidt in Wasserliesch war das ein noch erstaunlich jugendlicher Wein mit leicht grünlichem Farbschimmer – 93/100. 1992 wieder erstaunlich helle, leicht ins grünliche gehende Farbe, perfekte Balance zwischen Süße und Säure – 95/100. 1998 auf einer Probe mit erstaunlich klarer, heller Farbe und wunderschöner Frische der Wein des Abends – 95/100. Sehr schön 1994 eine
Ockfener Geissberg Auslese vom Friedrich Wilhelm Gymnasium – 90/100. Deutlich reifer, aber auf ähnlichem Niveau 1993 mehrfach eine Mehringer Kellerberg feine Auslese. Kräftig mit feiner Süße 1994 eine Canzemer Unterberg Auslese vom Bischöflichen Priesterseminar – 91/100. Immer wieder begeisternd war die Wehlener Sonnenuhr feine Auslese JJ Prüm, ein Wein mit erstaunlicher Frische und noch viel Alterungspotential , mehrfach zwischen 95 und 98 getrunken und eine aufbewahrt für 2009 – 92/100. Noch eine Stufe drüber die feinste Auslese, zum ersten Mal 2000 in der Insel in Hannover getrunken – 94/100. Als großartigen Einstieg in eine Best Bottle dann 2008, ein zeitlos eleganter Wein – 96/100. Auch die einfache Wehlener Sonnenuhr Auslese von SA Prüm war 1993 wunderschön mit leichter Firne, immer noch spürbare Säure - 91/100. Faszinierend nicht nur die damaligen Weine, sondern auch die Fantasie in der Namensgebung, die erst durch das Weinrecht 1971 ein Ende fand. So von Kesselstatt eine Oberemmeler Karlsberg feinste Spätauslese, mehrfach zwischen 1992 und 1998 getrunken, ein zeitlos eleganter Wein, der sicher noch lange lebt – 92/100. Sehr kraftvoll 1995 eine Wiltinger Gottesfuß hochfeine Auslese von Apollinar Josef Koch – 90/100. Zeitlos schön auch 1993 und 98 eine Graacher Himmelreich Auslese von Otto Pauly – 88/100. Ein Traum war 1997 eine Bernkasteler Badstube TBA vom Pfarrweingut St. Michael, dunkelbraun, keine Spur von Alter, Karamellen, Crême Brulée, Walnüsse und dazu immer noch eine sehr gute, balancierende Säure – 100/100. Eine
Schloß Vollrads Riesling BA wirkte 1994 schwabbelig, strukturlos, säurearm – 87/100. Zu meinen größten Süßweinerlebnissen gehörte auch eine 1995 getrunkene Rüdesheimer Bischofsberg TBA von Scholl&Hillebrand. Dieser damals mit 192 Öchsle und 10,4%o Säure geerntete Wein aus einer heute zum Weingut Breuer gehörenden Lage hatte eine tiefdunkle Farbe und eine fantastische Rosinensüße gepaart mit kräftiger Säure – 100/100. Ganz groß war auch 1998 eine Brauneberger Juffer TBA von Zacharias Bergweiler-Prüm Erben, mit kräftiger Farbe, toller Frucht, schöner Süße und immer noch kräftiger Säure – 97/100.
Selbst an einen guten Frankenwein aus 1959 kann ich mich erinnern. Ein Iphöfer Kalb Mainriesling feinste Spätlese von Wirsching, 1993 als vermeintliche Risikoflasche geöffnet, erwies sich als sehr gut trinkbarer Wein, kräftig, gut strukturiert mit nicht störender, dezenter Firne – 90/100.
Wie eine „1“ stand im Herbst 2005 eine Rauenthaler Gehrn Spätlese Cabinet der Staatsweingüter noch im Glas. Klassische Rheingau-Nase, keinerlei Firne, eher leichtgewichtig, nur noch dezente, kaum spürbare Restsüße, immer noch mit viel Genuß zu trinken – 89/100. Überraschend frisch auch 2006 eine Schloß Reichartshausener Riesling Spätlese von Jakob Horz. Kräftiges Goldgelb, gutes Säuregerüst, keinerlei Petrol- oder sonstige Alterstöne, baute zunehmend im Glas aus und entwickelte immer mehr reife Quitte, einfach wunderschön zu trinken und wirkte deutlich jünger – 90/100. Recht malzig und süß wirkte die Steinberger Versteigerungs-TBA der Staatsweingüter Eltville, mit Crême Brulée und in der Pfanne selbst mit viel Butter gemachten Karamellen. Bei aller Süße war dieser Wein recht leichtfüßig mit subtiler Eleganz – 97/100.
In solch großen Jahren wie 1959 lassen sich oft auch Überraschungen abseits der eingefahrenen Gleise finden. Mit einer verdammt alten Sherrynase präsentierte sich eine Schwarzriesling feinste Auslese des Grafen Neipperg aus Württemberg, erst eher wie eine Mischung aus Port und Madeira. Da konnte man kaum auf die Rebsorte kommen, geschweige denn auf die Herkunft. Am Gaumen war der Wein sehr viel schöner als in der Nase. Mit einer guten Süße und reifen Säure war er sehr gut trinkbar und deutlich besser als nur „interessant“ – 88/100.

Aus Portugal habe ich 2004 einen Garrafeira Particular Caves Alianca getrunken, kräftige Farbe, in der Nase Leder, rustikaler Wein mit viel Charme und durchaus noch Zukunft - 90/100. 2007 noch mal eine Flasche, die aber nicht auf diesem Niveau war. Wenig Frucht in der Nase, dafür um so mehr Schafstall, ein Stinker, der mit der Zeit verschwand. Gesunde, brilliante Farbe, am Gaumen schlank mit kräftiger Säure, entwickelte sich im Glas, wurde in der Nase ledriger, am Gaumen kam eine feine Süße hinzu – 87/100.

Ein Schweizer Wein und dann noch so alt? 2004 zur Prowein habe ich einen Malanser Beerli Bündner Herrschafts Wein aufgemacht, Typ alter deutscher Pinot, aber immerhin noch voll trinkbar und das ist für einen 45 Jahre alten Schweizer Wein schon eine Leistung - 84/100.

Ungemein weich und lecker mit feiner Süße, aber auch sehr reif war 2003 bei Jörg Müller aus seiner grandiosen Karte ein CVNE Vina Real Cosecha Especial – 91/100. 2006 ein noch recht jung wirkender Wein mit typischer Rioja-Aromatik, recht kraftvoll und konzentriert mit guter Säure und feiner Süße – 91/100. Zuletzt 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe als Reserva Especial Zeit und Luft brauchend, in der Nase kalter Rauch, am Gaumen pflaumige Frucht und schöne Süße, entwickelte sich sehr schön im Glas – 91/100. Sicher ein gutes Dutzend Mal habe ich seit 1995 den Marques de Murrietta Castillo YGAY getrunken, einen ganz großen, klassischen Rioja mit sicher noch 20+ Jahren Lebenserwartung, immer mit 95+/100 bewertet, 2004 reife Farbe, karamellige Süße mit einem kräftigen Schuß Mokka, sehr kräftige Säure, wird im Glas weicher und opulenter - 96/100. Zuletzt 2005 ein zeitloser Wein ohne größere Altersspuren. Wirkt immer noch so jung, so dicht, so süß und bleibt sehr lang am Gaumen – 96/100. Ein feiner, kleiner sehr leichter Wein war 2007 der Siglo Bodegas Unidas – 87/100. Sehr schön präsentierte sich 2007 eine Fuenmayor Gran Reserva. Helle, reife Farbe, in der Nase frischer Orangensaft, Gummitöne, am Gaumen schlank, sehr elegant mit feiner Süße, brachte mit der Zeit Minze und Kaugumminoten – 91/100.

Hellauf begeistert war ich 1996 auf einer Drawert-Probe von Chateau Musar, ein wunderschön Wein mit der feinen Nase eines großen Bordeaux, am Gaumen dicht, sehr kräftig und dabei trotzdem mit geradezu seidiger Finesse, langer Abgang, einfach ein kompletter, großer Wein, der sicher noch 10-20 Jahre Spaß macht – 98/100. Im Sommer 2005 eine weitere Flasche mit Champignons ohne Ende, Süße, viel Alkohol, brandig wirkend und wenig überzeugend – 88/100.

Enttäuschend war 1999 auf der Grange Probe in Lehrbach der Penfolds Grange, tolle Farbe, aber das war´s dann auch, trinkbar mit noch schönem Abgang, aber am Gaumen doch schon sehr gezehrt.

Eine große Überraschung war 2003 auf einer Probe während der Prowein ein Broquel der Bodega Trapiche aus Argentinien. Für uns war es ein wunderbar gereifter, sehr schön trinkbarer Rioja mit feiner Süße, die anwesenden Winzer hielten ihn unisono für einen sehr schönen, ca. 30 Jahre alten Bordeaux, toller Stoff, noch längst nicht am Ende - 92/100.
Ähnlich gut aus dem Nachbarland Chile 2006 ein Vina San Pedro Gran Vino Cabernet Sauvignon. Immer noch frisch mit kräftigen, etwas austrocknenden Tanninen, ledrig, im Stil eines gut gereiften, aber immer noch lebendigen Bordeaux vom linken Ufer – 91/100.
Grosses Champagnerjahr mit sehr reichhaltigen, relativ üppigen Weinen hoher Qualität. Aus bester Lagerung oder als RD sicher noch interessant.
Ein
Aubry&Fils Rosé Brut R.D. roch 1998 auf einer Drawert-Probe nach Fahrradschlauch und war oxidativ, am Gaumen deutlich frischer mit kräftigem Mousseux, deutlicher Brotton – 86/100. Braungülden und schon sehr firnig war Weihnachten 1999 ein
Dom Perignon. Ich mag zwar alte Champagner, aber das war selbst mir zu alt. Ein fetter, üppiger Champagner mit deutlicher Firne war 1993 bei Drawert ein
Pol Roger Blanc de Chardonnay – 87/100. Noch frisch wirkte hingegen ein Pommery & Greno 1997 aus der Magnum, schönes Mousseux, Kakaotöne, hielt sich sehr lange im Glas - 92/100. Ein Ruinart Brut Reserve Baron Philippe de Rothschild hatte 1994 kaum noch Mousseux und schon viel Firne, war dabei sehr weich und immer noch ein Genuß – 88/100.



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