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1961
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Ein großes Weinjahr, insbesondere in Bordeaux. Von keinem der älteren Jahre habe ich soviel Notizen. Grandiose Weine wurden 1961 erzeugt, aber leider auch einiges an Mist. Was mich 1961 am meisten stört, sind die Flaschenvariationen. Das ist mehr als ärgerlich, muß man doch bei aller Sorgfalt beim Weinkauf auch noch Glück haben.
Nie richtig anfreunden konnte ich mich mit Calon Ségur. 1994 am Arlberg war er einfach nur kurz und grün – 82/100. Kaum besser 1995 und 96, immer rustikal und säurelastig. 1997 dann plötzlich eine deutlich zugänglichere Flasche bei Drawert. Aber das war wohl eher ein positiver Ausreißer. Zuletzt 2005 war die Farbe das einzig attraktive, sonst ist der Wein ungenerös, dürr, wirkt eckig und hölzern, erste Liebstöckel-Töne in der Nase zeigen, dass es in der 1tel wohl nur noch abwärts geht - 84/100. 2007 ein feiner, ausgeglichener Wein ohne Höhepunkte – 88/100. Da hatte eine Magnum am Vorabend noch deutlich mehr gezeigt. Auch hier zwar helle Farbe, heller als 45, aber sehr elegant und fein mit leicht zitroniger Säurenote im Abgang, ein perfekt gereifter, großartiger 61er, in der Magnum voll auf dem Punkt – 94/100. Cos d´Estournel habe ich zuerst 1994 in einer Calvet-Abfüllung getrunken. Damals riß er mich nicht vom Hocker, furztrocken wirkend, etwas ausgedörrt mit wenig Frucht – 88/100. Vielleiicht war es aber auch noch zu früh für diesen augenscheinlichen Spätentwickler. Auch meine erste Ginestet-Flasche 1996 hatte wenig Frucht, viel Kraft, erdig, etwas eckig, wurde im Glas nicht schöner – 90/100. Deutlich reifer dann 2001 auf einer Probe, reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, perfekt gereift, Zedernholz, malzige Süße - 92/100. 2002 dann meine bisher schönste Flasche, bei der der Wein über lange Zeit wunderbar im Glas ausbaute – 93/100. Das war aber wohl ein positiver Ausreißer. 2006 auf der großen Cos-Probe war er von eher etwas mäßiger Qualität, schöne Nase zwar, elegant mit pflaumiger Frucht und Zedernholz. Da kam der Gaumen nicht mit. Gefällig zwar, weich mit feiner Süße, aber für 1961 doch eher enttäuschend – 91/100. 2007 medizinal und nicht aufregend – 87/100. Ob bei Montrose noch mal ein Wunder passiert? 1990 hatte ich davon eine traumhaft schöne halbe Flasche in einem kleinen Restaurant in der Ortschaft Margaux getrunken, damals ein am Gaumen kaum endender Traum und mindestens ein Zwischenhoch, wenn nicht das einzige, das dieser Wein je erreicht, euphorisch gaben wir 95/100. Alle anderen Flaschen danach waren so, wie man sich klassische Montrose vorstellt, konzentriert ja, aber eckig, ungenerös, sperrig, harrsche Tannine. Über 89/100 bin ich bei 5 weiteren Gelegenheiten nicht mehr hinausgekommen. Zuletzt präsentierte er sich 2006 auch aus der Magnum so, wie ich ihn leider nur kenne, einfach anstrengend. Ein sehr kraftvolles, rustikales, immer noch unfertig wirkendes Monstrum, das von massiver Säure dominiert wird. Da hilft auch die ganz dezente Süße kaum. Einfach noch mal 20 Jahre weglegen und auf ein Wunder hoffen – 89/100. Auch 2007 auf der großen St. Estephe-Probe hatte er in der medizinalen, von Jod dominierten Nase zwar auch eine feine Süße, war am Gaumen aber sehr kurz – 86/100. Schlechter als derzeit kann er nicht werden. Vielleicht entpuppt er sich aber als moderner 28er und blüht irgendwann im nächsten oder übernächsten Jahrzehnt auf. Gut entwickelt haben soll sich Phélan Ségur. Ich habe ihn nur einmal getrunken, 1988. Damals hatte er eine schöne Nase, war aber durch die präsenten Tannine kurz und bitter im Abgang – 85/100. Wäre sicher mal wieder einen Versuch wert.
Sehr gut kann Batailley sein. Meine erste Flasche 1993 ging runter wie Butter, rund, lang und saftig – 95/100. 1995 dann eine Flasche mit sensationeller Nase, die aber am Gaumen nichts brachte – 88/100. Zuletzt 1997 bei Drawert schon sehr reif mit wunderschöner Süße – 93/100. Ein rustikaler, kleinerer, aber sehr schön zu trinkender Wein war 1993 und 1994 jeweils aus der Magnum Croizet Bages – 89/100. Enttäuscht war ich 1997 von Grand Puy Lacoste, der sich schon auf dem Abstieg befand und oxidativ wirkte, nicht die Klasse heutiger GPL´s – 86/100. Bei Lafite Rothschild muss man anscheinend Glück haben. Meine erste Flasche 1997 war eine Niete und entsprach eher den Parker-Notizen, erstaunlich schöne Farbe, nicht zu alt, das war´s aber auch, zu säurelastig, ungenerös - 81/100. Die zweite 2001 sehr elegant mit feiner Süße und tollem Abgang, einfach ein großer Wein – 96/100. Einfach nur grausam war 1988 der Zweitwein von Lafite, der damals noch Moulin de Carruades hieß. Zu den ganz großen Weinen des letzten Jahrhunderts gehört Latour. Doch gibt es auch hier leider unterschiedliche Abfüllungen. Die bessere – der überwiegende Teil der Flaschen – wurde im Mai gefüllt, die schlechtere im Oktober. Und ausgerechnet letztere hatten wir 1995 auf Willi Krählings großer Latour-Probe aus der Magnum. Schade, der Wein wirkte im Vergleich zu 59,62 und 64 etwas eindimensional und wurde seinem Ruf nicht gerecht – 93/100. Natürlich kommt bei solchen Weinen noch dazu, dass durch die Lektüre euphorischer Probennotizen Erwartungen geweckt werden, die kein Wein erfüllen kann. Meine zweite Flasche, im Sommer 1995 bei Jörg Müller, war schon ein ganz anderes Kaliber, mit unbändiger Kraft und noch viel zu jung. Die berühmten 100 Punkte suchte ich aber vergeblich im Glas – 97/100. Die dritte Flasche, 1997 in einer 61er Probe, stammte aus einem miserabelen Keller und hatte einen schlechten Füllstand. Sensationelle Farbe, Nase und Gaumen perfekter, reifer Cabernet, aber auch etwas kräuterig, da schmeckt man die schlechte Füllhöhe, in dieser Form nicht mehr als 96/100, massig Tannine, aber die Frucht ist weg. Im Herbst 2000 habe ich dann eine vor langen Jahren erworbene halbe Flasche aufgemacht, und da ging dann plötzlich die Sonne auf. Was da aus der Flasche kam, machte uns sprachlos. Das waren Vater und Mutter aller Cabernets zusammen, ein irres Konzentrat mit superdichter Farbe, noch ganz am Anfang mit sehr präsenten Tanninen, ungemein vielschichtig, entwickelte sich traumhaft im viel zu leeren Glas(möchte ich in dieser Form mal aus der Badewanne trinken!) und hörte am Gaumen gar nicht mehr auf. Erwartet hatte ich bei dieser halben Flasche nicht allzu viel, und jetzt standen diese 100 Punkte mit drei Ausrufezeichnen vor uns. Und weil es so schön war, durfte ich dieses Erlebnis dann 2001 noch zweimal aus der 1tel haben. Schwierig wird es jetzt, wenn es an eine Empfehlung zu dieser Weinlegende geht. Natürlich möchte ich den 61er Latour gerne noch ein paar mal trinken. Zeit dafür werde ich wohl eniger haben, als der Wein selbst bietet. Der 61er Latour hat sicher das Alterungspotential, um das 22. Jahrhundert noch zu erreichen. Und dann kommt neben dem astronomischen Preis noch das Thema Flaschenvariation dazu. Also, wenn Sie aus gutem Keller eine entsprechende Flasche kaufen können, und Ihnen der Preis keine Bauchschmerzen macht, dann tun Sie`s(und lassen mich bitte mittrinken!). Sonst empfehle ich den deutlich günstigeren und keinesfalls schlechteren 70er Latour. Und natürlich habe ich noch einen Tip, falls Ihnen Latour zu langsam reift. Probieren Sie es mal mit Harlan, der einem großen Pauillac sehr ähnlich ist. Unterschiedliche Erfahrungen habe ich mit Lynch Bages gemacht. Die erste Flasche 1995 in einer Lynch Bages-Probe bei Willi Krähling, dichte Farbe, wenig Alter, verhaltene Minznase, volle, intensiv am Gaumen, aber auch erste Mahagoni-Töne, verblüht schnell im Glas – 90/100. Dann 1997 etwas staubige Nase mit dezenter Süße und deutlichem Himbeerton, austrocknend am Gaumen - 87/100. Und 2001 in einer Best Bottle mal ein großer 61er Lynch, mit feiner Süße und Länge – 96/100. Ein paar Monate später dann eine ziemlich schwache englische Händlerabfüllung von Berry Brothers. Zuletzt 2008 auf René Gabriels großer Lynch-Probe vier verschiedene Abfüllungen. Da konnte eigentlich nur die Chateauabfüllung richtig begeistern. Das war ein gut gereifter, großer Bordeaux mit sehr feinduftiger, eleganter Nase, auch am Gaumen sehr fein, elegant mit wunderbarem Schmelz und dezenter Süße – 94/100. Deutlich dahinter die solide, aber unspektakuläre Händlerabfüllung von De Luze – 86/100. Bei der Mövenpick-Abfüllung störte die staubige Pappkartonnase, am Gaumen viel Säure und wenig Schmelz, da war nur eine ganz entfernte Ähnlichkeit mit der Chateauabfüllung zu erkennen – 83/100. Kaputt war leider trotz superdichter, dunkler Farbe die Barrière-Abfüllung aus der Magnum. Das war wahrscheinlich eine irgendwann misshandelte, deutlich zu warm gelagerte Flasche. Schade, denn die Barrière-Abfüllung gilt sonst als groß. Bevor Sie sich einen 61er Mouton Rothschild kaufen, finden Sie heraus, der wievielte Besitzer Sie sein werden. Kann man Ihnen das nicht sagen oder wären Sie mehr als Nr. 3 – Finger weg! Mouton kann groß sein, aber nicht, wenn er schon auf diversen Kaminsimsen und in Vitrinen oder sogar Schaufenstern gestanden hat. Mein erster 61er Mouton 1994 in Willi Krählings großer Mouton-Probe muss so eine Flasche gewesen sein. Die Magnum war einfach platt. Besser dann 1999 auf einer anderen Mouton-Probe, Minze, Eukalyptus, sehr schöner Mouton, dem aber die große Dichte fehlt – 95/100. Richtig gut 2000 in einer Best Bottle, blind als großer Mouton erkannt, intensive Minze, etwas Eukalyptus aber auch Trüffel, vollreifer, klassischer, wunderbarer Mouton - 97/100. Und die schönste Flasche 2001 in einer Probe, Sattelleder, Minze, wunderbarer, klassischer Mouton, der aber weiter als der im Vergleich getrunkene Latour ist, traumhaft - 99/100. Und alptraumhaft 2003 in einer großen Mouton-Probe, eine amerikanische Flasche, deutliche Brauntöne, sehr weit und weit über einen möglichen Höhepunkt hinaus, kaputt. Zuletzt 2007 in der Coburg stimmte dann wieder einfach alles, Sattelleder, Minze, etwas Eukalyptus aber auch Trüffel, ein komplexer, großer Mouton mit endlosem Abgang – 99/100. Erstaunlich gemacht hat sich Pichon Baron. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Flasche, 1988 im Düsseldorfer Caveau. Ein belangloser Wein, helle Farbe, Nase und Gaumen etwas säuerlich – 85/100. Seidem ging es nur noch bergauf. 1996 in Hannover dichte Farbe mit wenig Braun, besser als die Comtesse, toller Stoff, kann noch ein paar Jahre liegen. 1997 bei Drawert, junge, aber nicht zu dichte Farbe, in der Nase feine Kirschsüße, am Gaumen fruchtig, aber auch etwas leicht, Nase schöner als Gaumen, jetzt im hedonistischen Optimum, sicher noch viel Reserven 92/100. Und dann 2002 während der Prowein eine fantastische Magnum, ein Riese, in guten Magnums wie dieser sicher noch 5-10 Jahre ein Hochgenuss – 95/100. Gut gefallen hat mir 1996 auch die Pichon Comtesse, dichte Farbe mit leichtem Braunton, Sandelholz, etwas Lakritze, viel Kraft und Länge. 2001 auf einer Comtesse-Probe reif, leicht portig, bald trinken – 92/100. Im selben Jahr eine sehr schöne englische Abfüllung von Grants of London mit malziger Süße – 93/100. Pontet Canet war 1988 ein toller „Nasenwein“ mit Cassis und Pflaume, der Gaumen kam nicht ganz mit – 90/100. 1993 bei Drawert dann richtig aufgeblüht, intensiv, süß, fast aufdringlich am Gaumen – 94/100. Ein Jahr später eine deutlich reifere Flasche, Burgunder-Nase, helle Farbe, rund, weich, leichtgewichtig und kurz – 87/100.
Beychevelle habe ich 1988 und 91 getrunken, damals schon sehr reif mit schöner, malziger Süße – 88/100. Dann noch mal 1995 eine sehr verführerische, belgische Händlerabfüllung, absolut auf dem Punkt mit wunderschöner, reifer Süße – 95/100. (Zu) lange habe ich keinen Ducru Beaucaillou mehr getrunken. 1993 in unserer Jahrhundertprobe war er schon sehr weit, wohl keine optimale Flasche. In den zwei Flaschen danach 1996 dann toller Stoff mit kräftiger Farbe, reifer, intensiver Cabernet-Nase, viel Druck und Länge – 96/100. Im Januar 2006 wieder sehr überzeugend auf 93/100 Niveau, aber voll auf dem Punkt. Auch auf der großen Ducru-Probe 2006 perfekt gereift, so seidig, elegant und lang, Ducru vom Allerfeinsten – 96/100. Sollte zumindest aus Normalflaschen bald getrunken werden. Aus einer allerdings nicht optimalen (‚hs’) Magnum war der Ducru Ende 2006 schon etwas über Höhepunkt weg mit leicht medizinalen Nebentönen, aber immer noch ein großer Wein mit der Ducru-typischen Eleganz - 93/100. Den sicher besten Wein in der Geschichte des Gutes hat man 1961 bei Gloria gemacht. 2003 in einer Best Bottle irres Konzentrat, Cassis, dicht, junge Farbe, Länge, jung, der Wein des Abends - 98/100. Unterschiedliches hört man von Gruaud Larose. Ich hatte fast immer Glück. Gut, das ist kein Hammer à la 82 oder 86, aber ein unglaublich aromatischer, druckvoller Wein mit einer intensiven, fast etwas burgundisch anmutenden Nase. Wenn Sie wissen wollen, wie perfekt gereifter Cabernet schmeckt, dann finden Sie es hier. Nur an der relativ hellen Farbe darf man sich nicht stören. Gleich vier traumhafte Magnums habe ich davon 1992 und 96 getrunken. Eine weitere dann 1997 Weihnachten im Kleinwalsertal, reife, ziemlich helle Farbe mit Orangenrand, reifer, perfekter Cabernet auf dem absoluten Höhepunkt, wunderschön würzig, die Essenz von Bordeaux - 97/100. Letztere hatte den Vorteil, dass wir nur zu zweit waren, es kam also von diesem Superstoff richtig was ins Glas. 1998 bei Schorn dann eine noch unglaublich jung wirkende Flasche, traumhaft seidiger Stoff mit tollen Reserven – 96/100. 1999 in Mesum wieder eine süchtig machende Traumflasche, die Essenz von reifem Cabernet. Leider dann 2000 und 2002 zwei Flaschen, in denen der Gruaud deutlich über Höhepunkt hinaus war und schon etwas oxidiert wirkte. War´s das also schon? Egal, wenn mir noch mal eine gut gelagerte Magnum vor die Flinte kommt, schlag ich sofort zu. Lagrange hatte 1989 eine junge Farbe mit leichtem Ziegelrot, kraftvoller Wein mit interessanter Würznase – 90/100. Hin war 1997 in einer Probe der Leoville Barton in der Chateau-Abfüllung.. Umso erstaunter war ich 2001 über eine englische Händlerabfüllung dieses Weines, ein kräftiger, sehr schöner Tropfen, der von Anwesenden in die 80er geschoben wurde – 93/100. Probleme hatte ich stets mit dem Leoville-las-Cases. 1993 und 94, jeweils aus der Magnum, war er ein tanninreicher, fruchtloser Brocken, der irgendwo unreif wirkte und nicht in dieses große Jahr passte. Erinnern kann ich mich auch noch an die en oder andere 1tel, die so belanglos war, dass ich dazu keine Notizen gemacht habe. Mein erster Leoville Poyferré war 1990 im Caveau ein wässriger Wein auf dem Weg ins Jenseits. 5 Jahre später an gleicher Stelle dann eine bessere Flasche, reife Farbe, weich, auf den Punkt gereift, eher auf der leichten Seite, bald trinken – 87/100. In einer französischen Händlerabfüllung von E. Eyde war er 2006 reif mit feiner Süße und sublimen Eleganz. Baute sehr schön im Glas aus und war bis auf einen leichten, korkähnlichen Misston in der Nase sehr überzeugend – 92/100. Talbot habe ich zuerst 1989 getrunken, damals empfand ich ihn als leichtgewichtig und für den Jahrgang enttäuschend. Doch zuletzt 2007 im Genfer Chat Botté aus perfekter Lagerung.eine sensationelle Flasche, brilliante Farbe mit dezentem Orangenrand, fantastische, süchtig machende Nase mit Zedernholz, Leder und diesem unnachahmlichen Parfüm reifen Cabernets. Von dem für Cordier-Weine wie Talbot und Gruaud bekannten „Cordier-Stinker“ ist nur eine ganz leichte, nicht unangenehme, animalische Note geblieben. Am Gaumen pure Seide, aber darunter auch Kraft und die Fülle eines großen Burgunders. Ewig lang am Gaumen bleibt dieser außergewöhnlich schöne Talbot, der mein bisher mit Abstand bester ist – 96/100.
Chasse Spleen hatte 1996 zweimal aus der Magnum eine dichte, noch ziemlich junge Farbe, wenig Frucht, aber Kraft und Ausgewogenheit, ein rustikaler Kraftbolzen - 91/100. Zuvor hatte ich 1994 schon einmal eine halbe Flasche einer englischen Händlerabfüllung getrunken, die einen ähnlichen Eindruck machte. Die Cuvée de la Commanderie du Bontemps de Medoc war 1993 aus der Magnum ein eher enttäuschendes, kleines Gewächs – 82/100. Sehr unterschiedliche Flaschen habe ich 1996 und 97 von La Lagune getrunken. Zweimal war das ein traumhaft gereifter Bordeaux mit feiner Johannisbeere und noch viel Potential, erinnerte an große Burgunder - 95/100. Einmal zeigte der Wein deutliches Alter mit Wasserrand, eigenwillige Nase, etwas ätherisch, Jod, leichter Essigstich verschwindet schnell, wird weicher und gefälliger - 89/100. Zuletzt dann noch einmal im Herbst 2005 aus dem unerschöpflichen Tantris-Keller, wieder reifer Bordeaux vom Allerfeinsten mit toller Süße und Länge auf sicher wieder 95/10 Niveau. Poujeaux hatte 2001 eine dichte Farbe, eine fast üppige Nase mit viel Lakritz und war am Gaumen einfach lecker – 90/100.
Brane-Cantenac war 1988 ein feinduftiger, schöner Margaux-Schmeichler, der sich am Gaumen aber schnell verabschiedete, deutlich über Höhepunkt hinaus – 88/100. Mit großer Begeisterung habe ich Ende der 80er im Düsseldorfer Caveau mehrfach Cantemerle getrunken, einen perfekt gereiften Klasse-Bordeaux auf 95/100-Niveau. 1996 erwischte ich noch mal so ein hocharomatisches Exemplar. Leider kamen danach nur noch Enttäuschungen, alle in Magnums. So 1997 in einer großen 61er Probe, als der Wein zwar eine gesunde aber nicht allzu dichte Farbe hatte, deutlich Liebstöckel in der Nase, am Gaumen relativ leicht - 88/100. 2001 in einer großen Probe über Höhepunkt weg, Säure gewinnt Überhand - 85/100. Da habe ich natürlich geschwitzt, als ich 2004 während der Prowein meine letzte eigene Magnum aufmachte, mit lauter Weinprofis am Tisch. Doch Cantemerle ließ mich nicht im Stich, das war wieder Cantemerle in Bestform, erinnerte mich an die Caveau-1tel aus 1988, keinerlei Alter, finessig und der wunderbaren Aromatik reifen Cabernets - 95/100. Meine erste Flasche d`Issan hatte 1997 eine reife Farbe, etwas säuerlich, nicht mein Ding - 84/100. 2007 dann in Genf eine perfekte Flasche, war das ein prachtvoller Wein. Superfarbe mit nur ganz dezenten Orangenrändern, eine Nase zum „in-Riechfläschchen-abfüllen“ delikate, pikante, pfeffrige Würze, faszinierende Aromatik, unendliche Länge und Eleganz am Gaumen, erinnerte mich spontan an die besseren Flaschen, die ich vom 61er Palmer getrunken habe. Ein ganz große Weinerlebnis mit konservativen 96/100. Ein üppiger, hedonistischer Genuss war 1991 und 95 Lascombes, sehr süß mit toller Länge am Gaumen – 95/100. 2008 aus der Magnum ziemlich reife Farbe mit leicht rostigem Braunrand, viel malzige Süße und faszinierende Länge, aber in der Nase auch eine leicht bittere Chicoré Note, die sich mit mehr Luft verstärkte. Ein Wein, der bei aller Klasse bereits gefährlich lebt – 92/100. Mein erster großer Bordeaux war im Sommer 1986 Margaux. Ich befand mich damals gerade in der selbstveordneten „Umschulung“ vom Bier- zum Weintrinker. Der Margaux stand für sündhaft teures Geld auf der Karte eines Sylter Restaurants. Ich hätte damals selbst im Traum nicht daran gedacht, so was zu bestellen und zu trinken. Doch ein bekannter Sammler und Menschenfreund wollte mir mit dieser Flasche unbedingt die Augen öffnen. Es ist ihm nachhaltig gelungen. Seitdem verbinden sich mit diesem 61er Margaux, der mir damals eine völlig neue Dimension des Genusses erschloss, sentimentale Erinnerungen. 1993 dann aus der Magnum, unglaublich kräftige, dichte Farbe, feinwürzig, leicht exotische Nase, brauchte Zeit, um sich zu entwickeln – 95/100. 1994 auf der großen Margaux-Probe in der Wachau meine aus der Magnum mein bisher schönster Margaux. Sehr kräftige Farbe, süßlich, opulent, pflaumig und dabei trotzdem fein, schöner, sehr langer Abgang, auf dieser Probe die deutlich beste von vier Magnums – 98/100. Kurz danach in der Korone Assmannshausen eine weitere Magnum, sehr feinduftig und aromatisch, aber der Gaumen kam nicht mit – 93/100. 1997 schien er auf einer 61er Probe aus der 1tel schon deutlich auf dem Abstieg, die Frucht war weg – 90/100. 2001 reife Farbe, in der Nase leichter Stinker, sehr schön und elegant, aber auch schon etwas gezehrt, nicht sehr lang am Gaumen, nur noch in Großflaschen interessant - 91/100. Eigentlich hatte ich den 61er Margaux inzwischen schon abgeschrieben, doch 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe kam dann eine sensationelle Flasche, aus der dieser hocharomatische, feinduftige, elegante Riese wie eine Eins im Glas stand – 97/100. Weitgehend Pech hatte ich bisher mit Palmer. Vielleicht waren auch hier meine Erwartungen zu hoch. 1994 aus der Magnum, sehr kräftige Farbe, lang und voll am Gaumen, noch lange nicht am Ende, das große Aha-Erlebnis blieb aber aus – 94/100. 1996 kaum Alterstöne, gesunde, nicht zu dichte Farbe, mehr Eleganz als Kraft, feine Süße, unerklärlich, wo der Mythos herkommt, denn mehr als 95/100 sind da beim besten Willen nicht drin. Im gleichen Jahr zwei enttäuschende englische Abfüllungen von Berry Brothers und von Cuddeforth Brothers. In beiden ziemlich helle Farbe, weich, reif, weit vom Palmer-Mythos entfernt – 89/100. 2000 auf der Probe eines bekannten Sammlers eine RC-Flasche ex-Chateau, ungewöhnliche, kräuterige Nase, Currywurst, etwas Liebstöckel (mein Nachbar: ein bürgerliches Mittagessen, das zu einem rüberweht), auch am Gaumen etwas kräuterig und enttäuschend, dazu etwas Minze. Zumindest in dieser Flasche über Höhepunkt hinaus. Das deutlich frischere Depot zeigte aber, was 61 Palmer in Top-Flaschen noch bringen kann. 2001 reife dichte Farbe, in der Nase leichte nicht störende Schärfe, süß, fast üppig - 95/100. Und dann 2004 das große Aha-Erlebnis, noch nie so schön getrunken, ungemein aromatisch und druckvoll, voll in der Liga des parallel dazu getrunkenen 61 Petrus - 100/100. Und weil´s so schön war, dann 2005 auf Sylt aus Jörg Müllers perfektem Keller noch mal. Palmer aus perfekter Lagerung ist ein dekadent leckerer Traum mit unendlicher, burgundischer Eleganz. Ein Wein der mit spielerischer Leichtigkeit auf der Zunge tänzelt, und dabei eine unglaubliche, aromatische Dichte und Länge zeigt. Sicher in dieser Form der beste, je erzeugte Palmer und eine der Weinlegenden unserer Zeit – 100/100. Zuletzt noch einmal 2006 die englische Cuddeforth Abfüllung, ein Riesenwein mit toller Länge am Gaumen, zwar nicht auf dem Niveau der Chateau-Abfüllung, aber aus dieser Flasche nicht weit davon entfernt – 96/100. Rausan-Gassies hatte 1997 eine irrsinnig junge Farbe, war aber unausgewogen mit bissigen Tanninen, die die Frucht kaputt machten, schade - 87/100.
Bahans Haut Brion begann 2002 mit einer Medizinalnase, kam dann aber wunderschön im Glas – 90/100. Eigentlich sind alte Haut Baillys recht zuverlässig, doch in allen drei Flaschen, die ich 1993, 95 und 96 in den Mövenpick Caveaus getrunken habe, war der Wein bereits deutlich über den Zenit. Immer noch mit gewissem Charme, aber leider 10 Jahre zu spät. Ein ganz großes Weinerlebnis ist Haut Brion. Meine erste Flasche 1997 in einer 61er Probe war fast noch zu jung, Farbe noch dichter als La Mission, in Nase und am Gaumen wuchtig, kräftiger als La M ssion, aber mit weniger Finesse, viel Kraft, sehr Vandermeulen-like, Bitterschokolade mit 80 % Kakao, tapeziert den Gaumen - 97/100. So auch meine zweite Flasche 1998, sensationell mit toller Süße, voll auf dem Punkt, ganz großer Stoff, hintendran massive Tannine - Zukunft ! 98/100. 2000 in einer Probe dann Haut Brion in Perfektion, muskulös, dicht, lang - 100/100. Was machen Sie, wenn in einer Best Bottle 2 Leute die gleiche Flasche mithaben? Wir haben anschließend gestrahlt, denn zwei von uns hatten 61 Haut Brion mit, die wir blind gegeneinander tranken. Die erste von dichte Farbe, massiv Trüffel, feine, füllige Süße am Gaumen, Traumstoff, - die 2. dichter Powerstoff, noch jünger wirkend, kräftiger Stinker verschwand schnell, noch einen Tick besser, beide nahe an oder bei 100/100. Im Frühjahr 2001 kam Haut Brion mit La Mission als perfektes, traumhaftes Zwillingspaar auf den Tisch, zu Anfang beide schwer zu unterscheiden, mit der Zeit gewann dann für mich der etwas körperreichere La Mission auf der Zielgeraden, trotzdem 100/100. Ein paar Monate später auf einer eigenen Probe noch mal ein wunderbarer, voller, fleischiger Haut Brion als 100/100 Erlebnis. 2002 auf unserer Prowein-Probe wieder mit La Mission als 100/100 Traumpaar, toller Stoff mit viel Power und irrer Länge. 2004 eine tolle Magnum mit junger, dichter Farbe, etwas Minze, rauchig, Tabak, noch ganz am Anfang, irres Potential - 99/100. Zuletzt 2006 in der großen Haut Brion Probe Auf gleichem Niveau wie 59, aber völlig anders. Tiefgründiger, immer noch mit massiven Tanninen, ein fordernder, großer Wein mit unglaublicher Power und sicher noch 20+ Jahren Zukunft. Fleischig, dicht, in der Nase Rauch, Tabak, Trüffel, etwas Minze, lässt am Gaumen seine Muskeln spielen. Wein geht auch anders, aber nicht besser – 100/100. Noch sehr langlebig dürfte Malartic Lagravière sein. 1997 hatte er noch eine junge Farbe, viel Tannin, wirkte insgesamt fast jugendlich, aber auch nicht besonders zugänglich – 89/100. Ob La Mission oder Haut Brion in 1961 der größere Wein ist, dürfte eine Frage des persönlichen Geschmacks sein. Als beide 2001 auf unbestreitbarem 100 Punkte Niveau auf den Tisch kamen. Gab aus identischer Flasche von 24 Teilnehmern der Probe exakt die rechte Hälfte des Tisches mit 12 Leuten Haut Brion ihre Stimme, die linke Hälfte La Mission. Das habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Von meiner ersten Flasche an 1993 habe ich La Mission bei gut einem Dutzend Gelegenheiten meist mit 100/100 bewertet und im direkten Vergleich immer den Vorzug vor Haut Brion gegeben. Allerdings gab es auch ein paar schwächere Flaschen. So ausgerechnet in Willi Krählings großer La Mission-Probe 1998, wo die Magnum wohl Probleme hatte. In seiner „Normalform“ ist der 61er La Mission ein absoluter Traumwein mit, wie zuletzt 2004, Tabak, Cigarbox, feiner Süße und irrer Länge am Gaumen, eben ein ganz klassischer 100 Punkte –Wein. Pape Clement war 2007 trotz perfekter Lagerung schon etwas über den Höhepunkt hinaus. Ein feiner, gefälliger Wein, sehr reif mit der Erdbeernote, wie sie eigentlich nur ganz alte Bordeaux bringen, aber auch mit Tabak, Mineralität und etwas Lakritz, den Pessac konnte er nicht verleugnen - 93/100. Gehört außer aus perfekten Großflaschen dringend getrunken.
Sehr variabel 1995 und 97 Bourgneuf Vayeron. In einigen Flaschen sehr jung, dicht, ganz am Anfang, wenig Schmelz, uncharmant, 10 Jahre liegenlassen und auf ein Wunder warten 86/100. In anderen sehr reif, etwas staubig – 87/100 und dann auch mal eine tolle Flasche, die sicher 92/100 wert war. Certan de May war 1999 ein dichter Powerstoff, bei aller Kraft generös, füllig, erst ganz am Anfang – 96/100. 1995 hatte ich ihn schon mal als belgische Händlerabfüllung getrunken. Da machte er eher einen abweisenden, rustikalen Eindruck – 88/100. Certan Guiraud roch und schmeckte 2004 süßlich-diffus, war etwas speckig und war deutlich auf dem Wege ins Jenseits - 87/100. Mit Vorsicht ist der schon verdammt reife Clinet zu genießen. 1995 hatte ich zweimal das Vergnügen. Zuerst im Pariser Tour d´Argent, reife Farbe mit deutlichem Mahagoni, dezente Süße, schon etwas über den Höhepunkt hinaus, aber trotzdem noch sehr schön, entwickelte sich im Glas und hielt bis zum letzten Schluck – 92/100. Ein ppar Monate später in einer Probe deutlich fragiler, baute rasch im Glas ab. 2002 dann noch mal eine sehr gute Flasche, wunderschöner, reifer Pomerol ohne jedes Zeichen von Schwäche - 92/100. Bei einem Clos l´Eglise hatte ich 1997 erst etwas Probleme mit der Säure, der Wein wurde aber im Glas immer schöner und war zum Schluß der beste des Flights - 91/100. Ein perfekt gereifter Klasse-Pomerol war 2002 La Croix mit dichter Farbe und betörender, druckvoller Aromatik – 93/100. Und das es längst nicht immer die großen Namen sein müssen, zeigte 2001 ein Croix du Casse, das war Pomerol vom Allerfeinsten, kräftig, lang mit viel Schmelz und trotz des schlechten Füllstandes noch lange nicht am Ende – 94/100. Noch ein Beispiel dafür 2007 auf Sylt ein Croix de Gay, perfekt gereifter, weicher, unglaublich leckerer Pomerol mit feinstem schokoladigem Schmelz – 93/100. Domaine de l´Eglise hatte 1967 eine sehr reife Farbe, die Nase war ganz ok, aber am Gaumen war er kurz und säuerlich - 82/100. Von L´Eglise Clinet habe ich 1994 zwei sehr schöne Magnums auf 94/100-Niveau getrunken. 2001 dann in einer Probe eine eher etwas enttäuschende Flasche – 90/100. Die bisher beste 2002, dichter, langer Stoff mit feiner Süße, großer Pomerol – 95/100. Ganz schön sauer war ich im ersten Moment, als sich im Sommer 1995 im Le Bricour in Cancale mein erstes Glas l´Evangile über mich ergoß, im Redeschwall umgestoßen von meiner Tischnachbarin. Dabei ging´s mir weniger um meine Klamotten - so was kann man reinigen – als vielmehr um das feine Tröpfchen, das da im Glas war. Noch geradezu jung wirkte der Wein, nicht nur in der Farbe, dabei sehr kräftig und ohne die überbordende Süße großer, reifer Pomerols – 95/100. Im selben Jahr durfte ich diesen Wein dann auch noch aus der Magnum probieren, auch hier wieder dichte Farbe, jung, sehr würzig, erstaunlich viel Säure – 95/100. Deutlich reifer und weiter dann 2000 eine in Brüssel erstandene, belgische Händlerabfüllung, auf einer Best Bottle der Wein des Abends – 97/100. 2001 in einer großen Probe eine faszinierende Magnum, mittleres Granat mit deutlichem Orangenrand, süß, mundfüllend, wunderbarer Wein - 98/100. Ein paar Monate später dann eine spektakuläre 1tel, Pomerol in Perfektion, reife Frucht, feine Süße, Kaffee, Trüffel – am Gaumen so verschwenderisch wie in der Nase – 99/100. Mitte der 90er habe ich ein paar schöne Flaschen Le Gay getrunken. 1995 bei Drawert helle Farbe mit deutlichen Braunrändern, im Kern gesund, Fruchtsüße, pflaumig, Kaffee- und Mokkaaromen - 93/100. 1996 relativ hell, schöne Cigarboxnase mit Milchkaffee, setzt sich am Gaumen fort, feine Süße, sehr harmonisch, etwas kurzer Abgang – 94/100. 1997 bei Drawert dann wieder der beste aller verkosteten 61er und deutlich jünger wirkend – 94/100. Ein halbes Jahr später bei Willi Krähling deutlich frischer als meine bisherigen mit junger Farbe und noch spürbaren Tanninen, aber am Gaumen auch etwas kurz und schon etwas gezehrt - 88/100. 1998 in einer Probe dann fruchtig, lecker, weich - aber auch säurelastig - 90/100. Da gibt es also entweder wie bei so vielen 61ern unterschiedliche Abfüllungen, oder der Wein hatte nur ein kurzes Zwischenhoch. Begeistert war ich 1994 von einer Magnum Gazin, die sich in einem hochkarätigen Flight mit Palmer und Margaux als bester Wein durchsetzte, ein kompletter, großer Wein mit verschwenderischen Aromen. 1996 dann eine belgische Händlerabfüllung, wunderschöne, klare, dichte Farbe ohne Alter. Gekochte Früchte, viel Kraft, sehr schöner Abgang - 93/100. Zuletzt 2001 noch einmal eine wunderbare schokoladig-fruchtige Chateauabfüllung – 93/100. Nur einmal habe ich den legendären Lafleur getrunken, 1995 nachts um 2 Uhr nach einer Probe, aus der Magnum! Das war schon ein gewaltiger Wein, dichte, undurchdringliche Farbe, erstaunlich weich und zugänglich wirkend, aber mit kräftiger, tragender Säure und viel Alkohol, verschwenderische Frucht und kräuterige Töne, ein langlebiger Brocken, der schon unglaublich viel Spaß machte. Gefällig und reif 2001 ein Lagrange à Pomerol – 88/100. Dichter und kräftiger zuletzt 2008, aber mit enttäuschender Nase. Noch sehr jung wirkte 1997 ein La Grave Trignant de Boisset, mit dichter, junger Farbe, Tannin, pelzig am Gaumen, viel Kraft, Potential - 93/100. Extrem hoch bewertet und entsprechend extrem hoch bezahlt und megarar ist Latour-à-Pomerol. Ich durfte diesen Wein erst einmal genießen, 2004 in einer großen Probe. Sehr verhaltene Nase, Farbe nicht sehr dicht mit deutlichen Reifetönen, sehr schön, aber in diesen beiden 1teln deutlich über Höhepunkt hinaus - 94/100. Petit Village hatte 1997 eine dichte, junge Farbe, wirkte erst sehr jung und frisch, zeigte dann mit Temperatur auch Reife 90/100. 2001 wunderbar gereifter, großer Pomerol – 93/100. Wer den megararen und ultrateuren 61er Petrus genießen möchte, braucht tiefe Taschen, generöse Freunde oder beides. Und selbst dann ist noch längst nicht gewährleistet, dass sich in der Flasche tatsächlich 61 Petrus befindet. Von wenigen Weinen dürften in der Relation so viele Fälschungen existieren, wie von Petrus, vor allem in Großflaschen. Mein erster 61er Petrus 1993 auf Walter Eigensatz großer Petrus-Probe war absolut authentisch und noch sehr jung – 97/100. Über mehrere Flaschen danach, allesamt Magnums in bezahlten Proben, breite ich lieber das Mäntelchen des Schweigens. Umsomehr freute ich mich dann 2001 auf den Höhepunkt der 61er Probe eines Weinfreundes, leider aber nur eine billige Eierdieb-Fälschung mit extrem junger Farbe und Rhone oder Syrah-Nase. Und da dieser arme Mensch davon gleich zwei Magnums erworben hatte, stellte er 2004 die zweite ebenfalls an und präsentierte dagegen eine authentische Magnum, die mehrere Jahrzehnte in einem Sammlerkeller gelegen hatte. Die Zwillingsflasche des Kuckuckseis wieder der junge Syrah, diesmal schon etwas angereift, sensationell dagegen das Original, Petrus in Perfektion mit riesigem Aromenstrauß, trotz aller Reife unglaublich druckvoll am Gaumen, ein klares, rares 100 Punkte Erlebnis. Und die Moral von der Geschicht´: Petrus 61 wie 47 Lafleur und andere nur aus absolut seriösen Quellen mit 30 Jahre alter Originalrechnung kaufen. Und selbst dann ist natürlich nicht gewährleistet, dass der Wein der Papierform entspricht. Auf René Gabriels großer Petrus Probe 2005 war der 61er beileibe kein schlechter Wein und in dieser Magnum sicher auch authentisch. Aber er war deutlich reifer als ich ihn kenne. Die Nase war immer noch typisch und recht schön, aber am Gaumen spielte sich nicht viel ab. Wo sich sonst beim 61er ein irrer aromatischer Druck aufbaut, war hier nur ein feiner, eleganter Wein, der schon etwas müde und kraftlos wirkte. Ich kenne die Herkunft der Flasche nicht, bin aber sicher, dass sie schon einige Besitze hatte. Diesen Effekt gibt es bei weit- und vielgereisten Trophäenweinen öfter. Die macht man besser gar nicht auf, sondern erhält sich die Illusion – 92/100 Faszinierend 1998 und 2000 ein einfacher Eschenauer Pomerol, da dürfte kein kleiner Wein dringesteckt haben, denn es gibt nicht allzuviel große Namen, die da mithalten können – 93/100. Sehr selten ist auch Trotanoy. Seit den beiden Flaschen, die ich 2000 und 2001 genießen durfte, weiß ich, warum. Ein perfekt gereifter Traum-Pomerol mit einer sensationellen Aromatik, nicht weit von Petrus – 98/100. Nicht weit dahinter Vieux Certan, ein schmeichlerischer, burgundisch angehauchter Wein mit sehr viel Schmelz und feiner Süße, auf den das bei so vielen Weinexperten verpönte Wort „lecker“ einfach perfekt passt. Sechsmal hatte ich zwischen 1993 und 2002 das große Vergnügen mit diesem konstant auf 95/100 Niveau bewerteten Wein. Davon mal zu zweit auf einer Sylter Düne bei Sonnenuntergang eine Magnum, das wär´s!
Angelus war 2001 ein perfekt gereifter, sensationeller Stoff in absoluter Cheval Blanc Qualität mit toller Süße – 96/100. Zuletzt 2005 etwas schwächer, hellere Farbe mit deutlichem Wasserrand, wenig Nase und offenbarte sich erst am Gaumen. Da ging es dann allerdings los, sehr vielschichtig und schmeichlerisch, viel Tiefgang und Länge, aber auch deutliche Säure – 93/100. Rauf und runter gehen meine Bewertungen bei l´Arrosée, wovon ich in der Chateau- und in der Barrière-Version in den letzten Jahren sicher ein gutes Dutzend getrunken habe. In guten Flaschen ist das ein zeitlos eleganter Schmeichler mit feiner, roter Johannisbeere auf 93/100-Niveau, so z.B. 1999, wo er im direkten Vergleich 61/64/66 klarer Sieger war. In schlechten Flaschen stört ein deutlicher Säureton. Da scheint es wohl bei der Abfüllung mindestens eine Charge mit zu hoher flüchtiger Säure gegeben zu haben. 2005 in einer perfekten Barrière-Abfüllung der Wein des Abends, n der Nase satter Wiesenchampignon, etwas Waldboden, junge Farbe, immer noch tolle Frucht 95/100. Eine ebenfalls perfekte Chateau-Abfüllung 2007 bei Jörg Müller, immer noch so kraftvoll, dicht und lang und wirkte gut 2 Jahrzehnte jünger, ein unglaublicher Stoff – 95/100. Ausone hatte 1997 eine dichte Farbe mit deutlichem Orangenrand, sehr viel Kraft, Anis, Lakritze, sehr austrocknend am Gaumen und dadurch sperrig wirkend - 89/100. Kaum glauben konnten wir 2005, was da vor uns im Glas stand. Canon-la-Gaffelière in einer deutschen Bachmann-Abfüllung hatte eine superjunge, dichte Farbe, fantastische Nase mit Röstaromen, Kaffee und schöner, malziger Süße. Am Gaumen viel Kraft und Länge, einfach ein kompletter, ganz großer Bordeaux, der selbst für das Traumjahr 1961 Maßstäbe setzt – 97/100. Ein ganz großes Weinerlebnis kann Cheval Blanc sein. 1997 in einer 61er Probe stand er mit toller Farbe hinter 61 Latour nicht zurück, sehr präsente Tannine, großer Stoff am Anfang seiner Entwicklung, dicht, leicht portig, reichhaltig, in Richtung des außerweltlichen 47ers - 99/100. Auf ähnlichem Niveau auch 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe. Hier aus der Magnum sogar noch jünger wirkend. Ohne Frage also ein Wein mit großer Zukunft – wenn die Flasche ok ist. 2001 auf einer großen Probe gab es nämlich auch Cheval Blanc, aber in dieser Flasche stimmte nur die Farbe, der Wein war bitter im Abgang und machte wenig Spass – 88/100. Schwierig auch zuletzt 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe, hat seinen Zenit wohl bereits überschritten. Sehr dichte Farbe, Überreife, malzige Süße, etwas Liebstöckel, leicht medizinal in der Nase, erinnert stark an Hustensaft – 92/100. Zuletzt 2007 in der Coburg völlig daneben – 86/100. Sehr gut gefallen hat mir an Weihnachten 2004 Clos St. Martin, feine Kirschfrucht, Zedernholz, reifer Wein, der auf diesem Niveau sicher noch 8-10 Jahre hält - 91/100. Curé Bon la Magdelaine hatte 1994 und 95 zwar noch eine dichte Farbe, wirkte aber schon sehr gezehrt – 87/100. La Dominique hatte 1997 auf einer Drawert-Probe eine sehr junge Farbe, am Gaumen Alterston, aber auch sehr schöne Süße, kräftige Säure - 91/100. Damit war er deutlich besser und längst nicht so alt wie in 2 Hanapier-Flaschen, die ich 1994 und 95 getrunken hatte. Noch sehr jugendlich wirkte Figeac 1997 auf einer Drawert-Probe, druckvoll, Veilchen, dunkle Früchte, großer Wein, dem aber etwas Schmelz fehlte – 92/100. Ein Jahr später auf einer Probe deutlich reifer, schöne Kirschfrucht, aber auch etwas kompakt, die große Freude kommt nicht auch, entwickelt mit der Zeit auch Möbelpolitur-Töne – 88/100. Zuletzt noch einmal 2001 eine sehr gute 1tel in einer Raritätenprobe – 94/100. Gaffelière-Naudes wirkte 1998 in Hannover um Klassen jünger als 59 mit Cordier-Stinker in der Nase und viel Opulenz am Gaumen, ganz erstaunlich und wunderschön – 95/100. Ähnlich 2001 in meiner Raritätenprobe, sehr schöner St. Emilion mit Langstreckenpotential. Einfach sexy war 2008 ein Clos de l´Oratoire. Traumhafte Nase mit Süße, Kaffee und satter Röstaromatik, die sich am Gaumen fortsetzt, eigentlich mehr reifer Pomerol als St. Emilion – 95/100. Etwas rustikal, aber immer noch mit intakter Farbe, im Glas schön ausbauend mit Sattelleder-Tönen und Tabak war 2005 ein Tertre-Daugay – 88/100. Noch besser eine weitere Flasche davon 2007, feine, rotbeerige Frucht, gute Säure, kompakt, schlank und dabei noch so jung. Ein Wein mit reichlich Zukunft, der sich sehr schön im Glas entwickelte – 90/100.
Eher normales Sauternes-Jahr mit durchschnittlichen Weinen. Eine sehr schöne Nase mit Mandelaromen hatte 2007 zweimal ein Belair in einer französischen Barrière-Abfüllung, am Gaumen feine Süße, immer noch frisch wirkend mit guter Säure, bittere Orangenmarmelade. Baute im Glas sehr schön aus und wurde kräftiger und voller – 91/100. Hat sicher noch Potential für 20 Jahre. Sehr fein und elegant mit schönen Honigtönen, aber auch guter Säure war 1993 am Arlberg Climens - 91/100. Suduiraud war 2006 ein klassischer perfekt gereifter Sauternes, güldene Farbe, Orangenschale, Crême Brulée, intensive, sehr angenehme Bitternote, sehr lang am Gaumen - 95/100. Wenig Freude hatte ich bisher mit Yquem gehabt. 1988 auf Sylt trotz traumhafter Farbe wenig Bouquet, roch etwas "verbrannt", wirkte bereits ausgezehrt und schien auf dem Weg ins Wein-Jenseits zu sein – 83/100. 1995 in München eine freudlose, sehr gezehrte Magnum. 2001 etwas grüne Nase, unharmonisch, kein großer Yquem - 85/100. Vielleicht hat er jetzt ja doch noch die Kurve zum Besseren bekommen. 2005 hatte er zur reifen güldenen Farbe in der Nase gebrannte Mandeln und Orangenschalen, am Gaumen feine Süße, Bitterstoffe und immer noch eine gute Säure – 94/100.
Kein Vergleich zu Bordeaux waren die 61er Burgunder. Ein Savigny les Beaunes 1er Cru Les Guettes von Doudet-Naudin wirkte 1997 auf einer Drawert-Probe mit kräftiger Farbe und hoher Säure irgendwie unreif – 83/100. Ende der 80er stand bei Jörg Müller auf Sylt Corton Clos des Cortons von Faiveley in der ½ Flasche auf der Karte, den ich damals mit Begeisterung mehrfach getrunken habe. Immer wieder habe ich nach diesem Wein vergeblich gesucht, bis mir 2003 eine schöne 1tel über den Weg lief. In der war er immer noch dicht, jung und groß, ein Spitzenburgunder, der von seiner damaligen Faszination überhaupt nicht eingebüßt hatte - 96/100.
Risikofreudig kaufte ich 1994 mehrere halbe Flaschen einfachen Meursault von Leroy. Dieser vermeintlich kleine Wein, von dem ich nicht mehr viel erwartete, entpuppte sich als ausgesprochen langlebig. Eine kräftige Säure hatte ihn wohl perfekt konserviert. Eine 1995 mit Karl-Heinz Johner getrunkene Flasche hatte Zitrusfrüchte, kräftige Säure, entwickelte sich über 5 Stunden(!) im Glas, ohne abzubauen – 94/100. Dieses Erlebnis hatte ich dann noch mehrfach. Aus den letzten beiden Flaschn 2001 in meiner Raritätenprobe stand der Wein wie eine „Eins“ im Glas und war ein ganz, ganz großer Meursault mit erstaunlicher Frische – 96/100.
Ein Traumjahr, insbesondere für die nördliche Rhone und hier Hermitage. Eine der großen Weinlegenden unserer Zeit ist Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé. Zu meiner ersten Flasche dieses Jahrhundertweins kam ich als später nicht bereute Folge alkoholisch-euphorischen Leichtsinns. Während einer sehr schönen Probe Anfang der 90er in Hannover diskutierten wir über den La Chapelle, von dem eine Flasche auf der Karte eines Hannoveraner Restaurants stand. Ich rief zu fortgeschrittener Stunde den Wirt an, ob er nicht zu fairem Mittrinkerpreis samt Flasche bei uns erscheinen könne. Er kam!!! – und wir alle zu einem tollen Weinerlebnis. Was da mit fast purpur-schwarzer Farbe aus der Flasche kam war schon gewaltig und stellte alles in den Schatten, was wir vorher getrunken hatten. Etwas analytischer konnte ich dann 1995 auf einer großen Hermitage La Chapelle Probe an den Wein herangehen. Sensationelle Farbe, jugendlich ohne jedes Alter, am Gaumen konzentriert, kräftig, wunderschöne Länge, Nase erst größer als Gaumen, braucht viel Zeit und baut im Glas aus - 98/100. 2001 dann im Comme Chez Soi in Brüssel traumhafte Trüffelnase, am Gaumen feine Süße und massig Lakritz, minutenlanger Abgang, sensationeller Jahrhundertstoff, der den nachfolgenden 59 La Mission ganz alt aussehen ließ - 100/100. Aus einem französischen Keller konnte ich vor langen Jahren einmal mehrere Flaschen eines ansonsten namenlosen Nicolas Hermitage erwerben. Der erwies sich als absoluter Glücksgriff. 1999 die erste Flasche, wunderbarer Stoff, der im Glas erst richtig ausbaute, intensive Zigarrenkiste und Tabak, ginge locker als perfekt gereifter La Mission durch – 95/100. Die Zweite präsentierte sich Anfang 2001 als perfekt gereifter Traumburgunder. Die Dritte schob ich 2001 als Pirat in einen Flight mit La Mission und Haut Brion. Dabei schnitt er blind als zweitbester ab!!!! Aber auch an der südlichen Rhone wurden sehr gute Weine erzeugt. Ein Chateauneuf-du-Pape Les Cabanes vom Chateau Descarrages war 2006 ein kräftiger Wein mit toller Farbe. Immer noch so jung, so dicht, so üppig, aber gleichzeitig einer der wenigen, die im Super-Sonnenjahr 1961 einen Wein erzeugte, der nicht nur füllig war, sondern auch Frische bewahrte. Hat sicher noch Potential für 10+ weitere Jahre – 95/100
Nicht uninteressant 1997 bei Willi Krähling zur Schokoladenvariation ein Banyuls Dr. Parcé, mit heller Farbe sehr portig, ohne die Finesse eines großen Port, schokoladig, alkoholisch. Zum Dessert ganz passend, solo weniger mein Ding.
Ein sehr mäßiger Sommer verdarb das deutsche Weinjahr. Trotzdem wurden insbesondere an der Mosel ein paar ganz anständige Weine gemacht. Durch die knackige Säure könnten davon einige Auslesen immer noch gut trinkbar sein. Eine Trittenheimer Apotheke Auslese von Clüsserath hatte 2001 eine helle Farbe, viel Säure, wirkte fast trocken und dürfte sich auf diesem bescheidenen Niveau sicher noch länger halten - 84/100. Zeitlos elegant ohne Firne mit noch guter Säure und feiner Süße war 1994 eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm – 92/100. Noch erstaunlich frisch war 1994 auch eine Wiltinger Gottesfuß feine Auslese von Apolinar Josef Koch.
Solide, aber nicht sonderlich aufregende Weine wurden in Spanien erzeugt. Tondonia war 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe erst ein sehr feiner, balancierter Wein, der sich auch in einer Bordeaux-Probe gut machen würde. Im Glas wurde er aber auf hohem Niveau zunehmend hohler und langweiliger – 88/100. Ein solider, langweiliger Wein ohne Höhepunkte in derselben Probe Marques de Riscal Reserva – 84/100. Ein Sonvida aus Mallorca kam 2007 mit heller Farbe und sehr zart und fragil ins Glas. In der Nase Schuhcreme, am Gaumen säuerlich-nichtssagend – 72/100. Torres Gan Coranas Reserva war 2006 ein sehr delikater, reifer Wein mit feiner, spanischer Aromatik, reife, helle Farbe, sehr elegant und lang, wirkte zu Anfang etwas alt, aber das gab sich im Glas schnell, rund, wurde immer besser - 92/100. Zuletzt 2007 zwei unterschiedliche Flaschen, in der besseren war das ein riesengroßer, perfekt gereifter, sehr delikater, schmeichlerischer Wein mit sehr langem, leicht lakritzigem Nachhall – 97/100. Trotz der ziemlich hellen Farbe war da kein Zeichen von Alter oder Schwäche. Die zweite Flasche kam da nicht mit. Vega Sicilia Unico hatte 2001 eine dichte, stumpfe, reife Farbe, war portig, Liebstöckel, kräftige Säure, wurde bissig, dumpfer Faßton, rustikal – 87/100.
Einer der größten und zuverlässigsten Weine des Jahrgangs stammt aus dem Libanon. 1994 auf einer Drawert-Probe habe ich den Musar blind für einen ganz großen Pomerol gehalten, traumhafte würzige Nase, perfekte Süße, lang, komplex – 98/100. 2001 dann als Pirat der Star eines großen 61er Pomerol-Flights, wieder mit toller Nase, verschwenderischer Süße am Gaumen, üppig, Wein-Hedonismus in seiner schönsten Form, tolle Länge am Gaumen – 99/100.
Als Piraten hatte ich ihn 2005 in eine Probe gestellt, aber der 1961 Zonnebloem Cabernet Sauvignon von der Stellenbosch Farmer´s Winery hatte nicht das Zeug zum Favoritenschreck. Sehr dichte, junge Farbe, die überhaupt nicht zum sonstigen Erscheinungsbild passte. In der alten Nase intensiv Liebstöckel, am Gaumen eher Bordeaux-Stilistik, alter Wein, aber nicht ohne Charme und durchaus noch gut trinkbar - 84/100.
Der Penfolds Grange war 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach einer der schwächsten Weine der Probe, schon sehr sehr weit mit pilzigen Aromen – 88/100.
Ein gutes Champagnerjahr. Dom Perignon gehört zu den besten Champagnern aus diesem Jahrgang. Nichts verkehrt machen können Sie natürlich mit einer frisch degorgierten Flasche direkt von der Domaine, wobei allerdings vom Charme älterer Champagner einiges verloren geht. Ich bevorzuge deshalb originale, alte Flaschen und greife, wenn es das prickende, frische Champagner.Erlebnis sein soll, lieber gleich zu einem jungen Jahrgang. Schon häufiger erlebt habe ich auch das aufgießen eines älteren Champagners mit jüngerem, um diesen „aufzufrischen“. Ich halte das für ziemlichen Schwachsinn. Stellen Sie sich mal 62 Mouton vor, aufgefrischt mit einem Schuß 2000er. 1994 hatte mein erster Dom Perignon zwar kein kräftiges Mousseux mehr, aber eine tolle Nase und war im Abgang überzeugend und lang – 94/100. 2001 hatte er eine reife, kräftige Farbe, schöne Brottöne, ein feinperliges, schönes Mousseux, großer Champagner – 95/100. Eine Krug Private Cuvée Extra Sec zeigte 2001 erste Reifetöne, war aber immer noch schön zu trinken. Ruinart Brut Rosé hatte 2004 deutliche Alterstöne, war aber immer noch schön zu trinken, kurzer Abgang - 87/100. Veuve Clicquot Brut Carte d´Or war 2001 aus der Magnum sehr frisch mit noch schönem Mousseux, gefiel mir besser als Krug.
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1960 | 1962
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