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1964

In Bordeaux war 1964 ein gutes Weinjahr. Vor allem in Pomerol und St. Emilion wurden fruchtige, füllige Weine erzeugt, die jetzt auf dem Höhepunkt sind und viel Spass machen. Insbesondere gut gelagerte Pomerols kann fast unbesehen kaufen, sollte sie aber nicht zulange mehr liegenlassen. Vor allem im Norden Medocs sah es anders aus, denn da schlug die alte Bordeaux-Krankheit – der Regen zur Erntezeit – massiv zu. Leider sind die 64er Bordeaux nicht die langlebigsten und der größte Teil hat schon seinen Höhepunkt lange hinter sich. Da hilft nur sorgfältige Auswahl, die Suche nach perfekt gelagerten Flaschen und das Bevorzugen von Magnums und aufwärts.

Calon Ségur mit seiner sehr reifen, hellen Farbe bäumte sich 2007 am Ende seines Weinlebens noch einmal auf und war mit feiner End- bzw. Todessüße noch erstaunlich gut trinkbar – 85/100. Cos d´Estournel hatte 2006 aus der Magnum noch eine dichte Farbe, war aber schon von der Nase her medizinal. Dazu kamen immer mehr gemüsige Noten. Ich bin ein großer Fan von Grünkohl, in meinem Glas brauche ich ihn aber nicht – 81/100. 2007 aus der 1tel ein fürchterlicher Säuerling, der weh am Gaumen tat und für den sich jede Bewertung verbietet. Mit Montrose können in 64 Geborene sicher auch noch ihren 60. feiern. Eine englische Army&Navy Abfüllung war 1997 mit schöner Frucht und massiven Tanninen erst ganz am Anfang - 92/100. 2004 war eine englischen Army&Navy Abfüllung dann wie so viele Montrose, eckig, staubig, rustikal, aber wenigstens trinkbar – 90/100. Weniger schön 2007 eine Chateau-Abfüllung, recht trübe Farbe, Liebstöckel ohne Ende und sehr trockene Tannine – 81/100.

Batailley machte 2000 machte erst leicht "jenseitigen", sauren Eindruck, kam dann noch etwas und war mit noch gut trinkbar, die Begeisterung blieb aber aus – 82/100. Lafite Rothschild hatte 1994 auf Rodenstocks Arlbergprobe aus der Großflasche zwar noch einen gewissen Charme, war aber deutlich auf dem Weg nach unten. Da würde ich mich heute nicht mehr dran trauen. Deutlich besser und langlebiger Latour. 1994 unglaublich dichte Farbe mit bräunlichem Rand, klassisch strukturiert, sehr konzentriert und lang – 95/100. 1995 auf Willi Krählings Latour-Probe eine deutlich reifere Magnum, weich, schöne Süße, groß – 96/100. 1996 dann auch mal eine ziemlich schlappe Flasche. 2000 auf einer Probe großer, klassischer Latour, bleibt sehr lang am Gaumen, hält sicher noch 20+ Jahre - 97/100. 2004 dann ein sehr zugänglicher, fast samtiger, völlig atypischer, aber sehr schöner Latour – 93/100. Auch 2007 zweimal weich, sehr fein, in seiner fast samtigen Art für Latour etwas atypisch, aber mit toller, druckvoller Aromatik am Gaumen – 94/100. Lynch Bages war 2008 ein flacher, dünner Wein mit sehr heller Farbe, den man sich nicht merken muss – 79/100. Die Pichon Comtesse war 2001 auf der Comtesse Probe reif, leicht portig, aber auch etwas säurelastig, kein langes Lebenmehr – 91/100. Nicht suchen muss man wohl mehr nach Pichon Baron. Der hatte 2006 eine leicht morbide Aromatik von Waldboden und Pilzen, insgesamt etwas dünn, verabschiedete sich schnell – 82/100.

Aus den 80er Jahren habe ich noch viele Verkostungsnotizen vom damals sehr schönen Beychevelle, zuletzt 1988, üppige, leicht süßlich-malzige Nase, im Geschmack rund, leicht, aber wohl bereits über Höhepunkt hinaus, trotzdem ein Genuss – 88/100. Ende 1995 dann noch mal eine Magnum, ein echter Weihnachtstropfen, perfekt gereift, aber noch mit Kraft für viele Jahre – 92/100. Könnte in perfekten Großflaschen immer noch Spaß machen und tat das auch im Advent 2005 aus der Magnum, Eleganz und Finesse ohne Ende, toll am Gaumen, braucht Luft und Zeit, baut sehr gut im Glas aus, klassischer St. Julien vom Feinsten 92/100. Ducru Beaucaillou hatte 2006 hatte auf der großen Ducru-Probe den Zenit schon deutlich überschritten und ist kein großer Genuß mehr - 80/100. Lange über Höhepunkt hinweg ist auch Gruaud Larose. Bei dem notierte ich schon 1989 schon sehr bräunlich, verhalten süßliche Nase, malzig, gereift, Muskat, mittelschwer, ausgewogen, rund, baute im Glas aber relativ schnell ab und hatte Höhepunkt wohl vo 5-10 Jahren – 86/100. Alle Flaschen in den Jahren danach waren noch deutlich weiter und schlechter. Ähnliche Erfahrungen habe ich in der ersten Hälfte der Neunziger mit Talbot gemacht. Da würde ich heute auch die Finger von lassen. Erzählte 2008 selbst aus der Magnum nur noch in leisen Tönen von vergangenen Zeiten, da half auch die Magnum nicht. Sehr zart, mit deutlichem Liebstöckel in der Nase, noch feine Fruchtreste, am Gaumen eher etwas dünn und leichtgewichtig – 82/100.

Eine Offenbarung war im Juli 2004 eine Jeroboam Chasse Spleen. Dieses Weingut, dessen Weine immer Zeit zur Entfaltung brauchen und deshalb bei Primeur-Verkostungen häufig schlecht abschneiden, hatte 1964 einen großen Wein erzeugt. Aus der Großflasche zeigte er eine sehr dichte, immer noch junge Farbe. Schöne Frucht, schwarze Johannisbeere, erstaunliche Frische, Zedernholz-Touch, baute im Glas sehr gut aus. Mit so einem Wein aus der Großflasche könnten 64er auch noch ihren 60. feiern – 93/100.

Sehr schön 1995 eine Bel Air Marquis d´Aligre Magnum, helle Farbe, weich, elegant, seidig und sehr lang – 90/100. Deutlich besser zumindest als 1994 auf der Margaux-Probe in der Wachau Margaux. Der hatte aus der Magnum von allem zuwenig, außer von der Säure, von der hatte er zuviel – 85/100. 2007 hatte er immer noch eine sehr dichte Farbe, da war auch noch etwas pflaumig-süße Frucht, aber auch viel Madeira-Affinität und reichlich flüchtige Säure – 84/100. Palmer hatte 2006 bei Jörg Müller eine zu Anfang eine sehr gewöhnungsbedürftige, metallische Nase, er roch wie frisch geputztes Silberbesteck. Die ziemlich helle Farbe mit deutlichem Wasserrand zeigte, das der Palmer schon verdammt gefährlich lebte. Im Glas bäumte er sich aber noch einmal auf, wurde milder, weicher und entwickelte eine sehr schöne Aromatik – 89/100. Kaufen würde ich so was aber nur noch in perfekt gelagerten Großflaschen.

Wenig anfangen konnte ich bisher auf mehreren Proben mit Haut Brion, kein schlechter Wein, aber mit austrocknenden Tanninen, deutlich über Höhepunkt weg, falls er jemals einen hatte. So war denn auch meine letzte Flasche diesen Weines 2006 auf der großen Haut Brion Probe schlichtweg kaputt und hin. La Mission habe ich 1994 einmal in einer schönen Flasche getrunken, als relativ leichter, charmanter Wein. 1998 in der Krähling-Probe dann eine Magnum mit heller Farbe, ekelhafter Nase, am Gaumen etwas besser mit dezenter Süße und Karamelltönen, aber lange über Höhepunkt weg, hoffentlich untypische Flasche.

Gut 15mal habe ich in den letzten 10 Jahren l´Arrosée in einer Barrière-Abfüllung getrunken, konstant mit 88-90/100 bewertet. Ein fruchtiger, eleganter Tropfen, der in guten Flaschen sicherlich noch etliche Jahre Spaß macht. Zuletzt 2007 feine, delikate Frucht, Eleganz pur, keine Alterstöne – 90/100. Sehr gut und noch länger haltbar Ausone, zuletzt 2001 in einer Best Bottle kräftig und mit dichter, junger Farbe, nur einen Tick unter Cheval Blanc – 93/100. Canon hatte 2007 eine rauchige Nase, Leder, Schwarztee, Bitternoten, leicht animalischer Stinker. Am Gaumen ein reifer, dichter Wein mit cremig-seidiger Textur und viel Schmelz, bereitet viel Trinkspaß – 94/100.
Der für mich schönste 64er und in guten Flaschen bis deutlich über 2010 hinaus lagerfähig ist Cheval Blanc. Meine erste, euphorische Begegnung mit diesem Wein war 1989 im Düsseldorfer Caveau, sehr tiefe, reine Farbe mit nur ganz leichten Braunreflexen, Wahnsinnsnase, intensiv, sehr würzig, Holz, ein Mund voll Wein, leicht "animalischer Ton" stört unwesentlich, schöner, langer Abgang. Der 82er hatte keine Chance dagegen – 98/100. Seitdem zahlreiche sehr gute, aber leider auch schlechtere Flaschen, z.B. 1995 in Hamburg eine Marie-Jeanne, Marie-Jeanne, dichte, junge Farbe, sehr würzige Nase, setzt sich am Gaumen fort, üppig, langer Abgang - 97/100. 1997 in Hannover seltsame Nase, Spargel, Heftpflaster, am Gaumen fleischig, kräftige Säure, sonst sehr lecker(darf man Wein mit „lecker“ bezeichnen? Natürlich darf man, wenn er lecker ist!) - 92/100. 1998 wieder sensationell, einer der schönsten trinkbaren Cheval Blanc überhaupt – 97/100. 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe aus der Magnum dichte Farbe, aber schon sehr reife Nase, sehr schön auf dem Punkt, rund toll, harmonisch, großes Teil – 97/100. 2000 in einer Probe toller, kräftiger, fast atypisch junger Stoff, mein deutlicher Favorit - 95/100. Zuletzt wieder 2004 pure Seide am Gaumen, ein ganz großer, langer Wein - 95/100. 2005 auf Sylt Cheval Blanc in Reinkultur, perfekt gereift ohne jede Schwäche mit der schwerelosen Cheval Blanc-typischen Aromatik, druckvolle Eleganz, sehr lang am Gaumen – 97/100. Auch 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe sehr harmonisch, finessig und unglaublich lang, Eleganz pur, ein großer Wein, bei dem einfach alles stimmt – 97/100.
Auch und gerade ältere Weine brauchen Luft. Der Canon-la-Gaffelière kam zwar 2004 mit wunderschöner Nase ins Glas, wirkte am Gaumen aber "tot". Nach gut 1/2 Stunder Warten kam er dann und wurde ein sehr schöner, eleganter St. Emilion mit toller Länge am Gaumen - 91/100. Clos St. Martin war 2006 ein prächtiger Wein. Immer noch mit recht junger, dichter Farbe, etwas rustikal wirkend, aber so aromatisch und ausdrucksstark – 93/100. Eine sichere Bank mit noch viel Zukunft ist in 64 Figeac. 1997 auf einer Probe war er wunderschön rund, generös und schokoladig, wenn sich doch alle Figeacs so schön trinken ließen! - 94/100. 2004 störte in der Nase der leicht strenge, typische Figeac-Ton, der einem bei Figeac immer das Gefühl gibt, der Wein sei korkig. Weiß der Kuckuck, was die da im Keller treiben. Am Gaumen war der Wein mit einem schönen Schokoton deutlich gefälliger als in der Nase – 91/100.

Clinet hatte Ende 2000 auf einer Best Bottle eine relativ helle Farbe, war ein feinduftig-eleganter Schmeichler mit schöner roter Beerenfrucht, keine große Zukunft mehr - 90/100. Conseillante habe ich nur einmal 1993 aus der ½ getrunken, ließ etwas diePomerol-Üppigkeit vermissen, für halbe Flasche sehr gute Konstitition – 88/100.
L´Evangile besaß 2000 in einer Probe eine zu hohe Säure – 86/100. 2004 eine deutlich bessere Flasche - 92/100. Nicht vom Hocker gehauen hat mich 1994 am Arlberg La Fleur Petrus, ein einfach gestrickter, charmanter Simpel, der aber noch trinkbar sein dürfte – 86/100. Ein echter Knaller und Geheimtip hingegen Gazin, in den letzten Jahren, zuletzt 2004, mehrfach mit Begeisterung getrunken, wunderbar reifer Pomerol mit fantastischer, dichter Farbe, hohem Extrakt, noch viel Potential – 92/100. Ganz groß 2004 und fast auf einem Level mit Petrus Le Gay - 96/100. Zuletzt 2008 eine weniger überzeugende Flasche - 90/100. Ein Top-Pomerol und sicher noch eine Suche wert Lafleur, 2000 kräftige Farbe, dicht, Power, sehr lang am Gaumen - 96/100. Auch 2004 klassisch-kräuterig , sehr lang mit tollem Tanningerüst, ein Wein mit noch sehr viel Zukunft – 95/100. Petit Village hatte 1997 eine kräftige Farbe mit Orangenrand, Nase erst etwas staubig, macht sich mit der Zeit, war aber wahrscheinlich niemals richtig groß - 87/100.
Petrus war 2004 ein fantastisch geiles, schokoladiges Teil, vollgepackt mit dekadenter Frucht, Kaffee und Röstaromen. Wein-Hedonismus pur – 97/100. Ein Jahr später auf René Gabriels großer Petrus Probe leider nur eher eine Art hanseatischer Petrus, vornehm, zurückhaltend, nicht sehr freigiebig in seinen Aromen – 90/100. Suchenswert hingegen
Trotanoy, dichte Farbe, sehr fleischig, toller Stoff, mehrfach getrunken, zuletzt 2004 – 93/100. Ebenfalls Mehrfach mit Vergnügen getrunken Vieux Chateau Certan, zuletzt 1997 sehr dicht und jung - 93/100.

1964 galt als schlechtes Jahr für trockene, weiße Bordeaux. Um so mehr erstaunte mich 2006 auf der großen Haut Brion-Probe ein
Haut Brion Blanc. Der war zwar war vor allem in der Nase leicht korkig, aber trotzdem gut trinkbar. Erstaunlich helle Farbe, ein kräftiger Wein mit Fülle und schöner Länge. Noch lange nicht am Ende und sicher eine Suche wert – 91/100.

Der Regen ruinierte auch die Sauternes-Ernte. Bei Yquem hat man deshalb gar keinen Wein erzeugt. Mir ist bisher kein 64er Sauternes begegnet, ich habe auch keinen Bedarf.

Ein gutes Burgunderjahr, in dem fleischige, zugängliche Weine erzeugt wurden. Viele davon machen immer noch Spaß und kosten bis auf die ganz großen Namen nicht die Welt. Sehr gefällig 1992 ein Chambertin Clos de Bèze von Chanson. Noch jung und mit viel Zukunft 1996 auf einer Drawert-Probe ein Clos de la Roche von Doudet-Naudin, dichte, junge Farbe, gewöhnungsbedürftiges, parfümiertes Bouquet Richtung Politur und Nagellackentferner, sehr viel Kraft am Gaumen – 92/100. Ein Jahr später hatte bei Drawert ein Pommard Les Epenots von Doudet-Naudin aus der Magnum ebenfalls eine dichte Farbe, enttäuschende Nase, streng, am Gaumen deutlich besser, füllig, kräftig, sehr schön, noch viel Potential, wurde nach 2 Std. erst richtig schön - 92/100. Sehr gut 1994 auch ein Corton Grancey von Louis Latour. Grands Echezeaux von Leroy war 2006 ein großer Burgunder, so komplex, so süß, so finessig, getragen von kräftiger Säure mit beachtlichem Standvermögen - 94/100. Völlig daneben 2008 leider ein Romanée St. Vivant von Marey-Monge. Bräunliche Farbe, säuerlich und eher zum Fürchten als zum Genießen – 76/100.

Auch an der Rhone galt 1964 als Erfolgsjahr mit einer hervorragenden, aber sehr kleinen Ernte. Ich konnte das bisher nicht unbedingt nachvollziehen. Nichts mehr los leider mit
Hermitage La Chapelle, zweimal 1995 getrunken, auf einer großen La Chapelle Probe Nase wie ein gereifter Vintage-Port, am Gaumen zu leicht, maderisiert, nur noch weinähnliches Getränk, vorbei. Bei Drawert sehr helle Farbe, Kirsche, Säure, für mich atypisch und über Höhepunkt hinweg.
Ganz anders von der südlichen Rhone 2005 ein Chateauneuf-du-Pape La Fiole von Père Anselme
. Im Glas hatten wir einen noch sehr lebendigen, beeindruckenden Wein. In der Nase Teer, alte Ledertasche, im ositiven Sinne animalisch, grüner Pfeffer. Am Gaumen sehr kräftig, würzig, Lakritz, feine Süße, beachtliche Länge. Baute im Glas nicht ab. Ein immer noch suchenswerter Chateauneuf im alten, klassischen, rustikalen Stil – 93/100.

Ganz interessant können alte Coulée de Serrants sein, zumindest aber sehr langlebig. Seit einigen Jahren werden sie moderner vinifiziert, die Jahrgänge vor 90 brauchten sehr lange zur Reife, wobei man bei dem gewöhnungsbedürftigen Geschmack nie so ganz weiß, ob es noch zu früh oder schön zu spät ist. Den 64er Coulée de Serrant habe ich in den Neunzigern mehrfach getrunken, er zeigte eine güldene Farbe, startete meist sehr verhalten und brauchte irrsinnig lange im Glas, bis dann Aromen von frischem Heu kamen – 87/100.

Ein Coteaux-du-Languedoc war zwar 2006 Ewigkeiten über den Höhepunkt weg, aber durchaus noch trinkbar. Ein blitzsauberer Wein, dem man mit deutlichen Lacktönen das Alter schon anmerkte – 78/100.

1964 gilt als bestes deutsches Weinjahr zwischen 59 und 71. Sonnenkönig nannte man den Jahrgang. Traumwetter sorgte für reife Trauben mit hohem Zuckergehalt, aber leider wenig Säure. So gibt es aus Deutschland wenig Langstreckenläufer. Dafür sind deutsche Weine zumindest bis hoch zur Auslese bei Ebay in reichlicher Auswahl zu kleinen Preisen zu haben. Es ist schon unglaublich, wie viele Enkel da ihren Großeltern da wohl meist ohne deren Wissen den Keller leermachen und Opas ehemaligen Lieblingstropfen im Internet zu Bargeld machen.
Blässlich, mit leichtem Honigton und ziemlich dünn war 1996 eine Rüdesheimer Magdalenenkreuz Auslese von Dr. Breuer – 82/100. Eine Kreuznacher Kahlenberg Riesling feine Auslese von Johann Baptist Eckel war 1995 ein angenehmer Altwein ohne Ecken und Höhepunkte – 83/100. Erstaunlich frisch mit guter Säure 1996 eine Eitelsbacher Kronenberg feinste Auslese von Rautenstrauch – 89/100. Ähnlich Mitte der Neunziger Maximin Grünhäuser Herrenberg als feine und hochfeine Spätlese. Eine Wehlener Sonnenuhr feinste Auslese S.A. Prüm hatte 2004 eine goldgelbe Farbe, intensive Wachstöne, reife, gelbe Früchte, nicht besonders süß, ein finessiger Wein, der einfach Spaß macht – 91/100. Eine Scharzhofberger Auslese von Egon Müller war 2008 ein prächtiges Gewächs mit hohem Extrakt und erstaunlicher Fülle und Länge, ohne dabei irgendwie dick zu sein. Die Süße war schon deutlich reduziert, dafür zeigte der Wein einen schönen Karamellton und eine wunderbare Harmonie am Gaumen – 94/100.

Izwischen schaue ich bei 1964 auch nach Österreich. 1994 durfte ich mit Weinpfarrer Hans Denk bei Hirtzberger quer durch seinen Keller runter bis 1964 trinken. Und der 1964er Grüner Veltliner hatte es in sich, perfekt gereifter, kompletter, harmonischer Wein mit immer noch erstaunlicher Frische – 92/100. Immer wieder erstaunt mich, welches Alterungspotential Grüne Veltliner haben können. Pfeffrig, knackige Säure, auch nach 40 Jahren noch sehr frisch wirkend, so präsentierte sich 2004 ein Grüner Veltliner Kremser Herzoghof. Mit der Zeit entwickelte er eine feine Honignase – 90/100
Eine Weißkirchener Achleiten Riesling Auslese von der WG Wachau hatte 1998 eine güldene Farbe, inzwischen absolut trocken, aber immer noch sehr interessant mit etwas Firne und ganz verhaltenem Petrolton, sicher immer noch ein guter Essensbegleiter – 87/100.

In jedem Fall gibt es in 1964 noch viel Trink- und Genießbares aus Rioja. Ein Seniorio di Arganza Gran Reserva von Palacio di Arganza entpuppte sich 2002 auf Sylt als traumhaft reifer, reicher Rioja – 93/100. Hervorragend die Gran Reserva 890 von Rioja Alta, 2000 reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, Pinot-Nase, malzige Süße, deutliches Alter, aber wunderbar weicher, süßer Stoff – 94/100. 2003 wie ein 59er Ygay, weich, süß und unendlich lecker – 94/100. Recht angetan war ich auch im Herbst 2005 von einem Conde de los Andes Gran Reserva von Paternina, bei dem allerdings die faszinierende Nase eines reifen Riojas deutlich schöner war, als der Gaumen - 88/100. Weniger empfehlenswert Vega Sicilia Unico, der hatte 2001 auf der Unico-Probe eine reife Farbe, in der Nase Himbeeren, auf die der Fuchs gepinkelt hat, aber auch feine Süße, am Gaumen gezehrt und ungenerös, deutlich auf dem Abstieg. Eine sichere Bank und locker auch noch für den 50. Geburtstag geeignet der mehrfach mit großem Vergnügen verkostete YGAY von Marques de Murrietta, wie alle YGAY´s mit feiner Süße und unendlich lecker. Zuletzt 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe sehr, sehr bissig mit alles dominierender, kräftiger Säure, wodurch er unharmonisch wirkte. Jammern auf hohem Niveau, vielleicht richtet es die Zukunft – 88/100. Noch mehr Probleme hatte ich mit 1964 Marques de Riscal Reserva. Muff, altes Faß, Pilze, nicht unbedingt das, was ich an Wein schätze – war da überhaupt Wein im Glas? – 82/100. Weitere 64er auf dieser Probe 2007 waren Vina Pomal Reserva Especial von den Bodegas Bilbainas,ein sehr feiner, kleiner Rioja mit floral-parfümierter Nase und karamelliger Süße, eher leichtgewichtig am Gaumen, aber sehr delikat und lang – 91/100. Ziemlich kaputt dann ein Faustino I Gran Reserva, eher ein Fall für die Pathologie als für meine Leber. Auch bei der Rioja Alta Reserva 904 kam mal wieder keine Freude auf, muffig-modrig, eklige Kellertöne, ziemlich daneben und hin. Da habe ich gar nicht erst den Versuch einer Bewertung auf der nach unten offenen Gruft-Skala gemacht. Begeistert hat mich Vina Tondonia von Lopez de Heredia. Das war endlich mal ein Tondonia, wie ich ihn kenne und schätzen gelernt habe. Reifer Rioja in Reinkultur, burgundische Fülle, malzige Süße, nussige Aromatik, wunderbare Länge und das alles in totaler, unaufdringlicher Harmonie – 94/100.

Von der Rhone hätte 1993 ein Chateau Musar kommen können, dichtes, dunkles Rot, schöne Nase, am Gaumen viel Kraft, sicher langlebig – 91/100. Alte Musars sind immer wieder faszinierend, meist sehr langlebig und sicher eine Suche wert..

Gefährlich dürften inzwischen die 64er Weine von Penfolds leben. Ein Bin 389 Magill Foothills Cabernet Shiraz war 1994 mit heller Farbe in einem Penfolds Dreierflight der schönste. Der Grange war 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach ein schöner, reifer Wein, aber auch schon mit Liebstöckel, Waldboden und Pilzen. Baute im Glas rasch ab musste schnell getrunken werden - 87/100.

Ein großes Champagnerjahr. Wer auf Edelbrause steht, wird hier fündig.
Ein Bollinger RD, degorgiert 1975, war zu Weihnachten 1998 ein sehr reifer, aber leckerer Champagner mit immer noch gutem Mousseux und güldener Farbe – 90/100. Dom Perignon bot 2007 reife Champignons vom Feinsten. Ein sehr kräftiger, nachhaltiger Champagner mit dezentem Mousseux, der jetzt wunderbar zu trinken ist und perfekt illustrierte, welche Komplexität große, ältere Champagner entwickeln können – 94/100. Ein Krug aus der
Krug Collection 1999 schön, jünger wirkend, gutes Mousseux, aber etwas gewöhnungsbedürftig, kenne bessere Krugs – 90/100. 1996 ein
Moet & Chandon Les Millesimes, gewöhnungsbedürftige, rauchige Nase, Holzton(!), Röstaromen, wie ein guter, reifer Weißer Burgunder, noch sehr frisch, klare Farbe, am Gaumen schlank, etwas metallisch, vorne schöner als hinten – 93/100. 1998 auf einer Soirée des Hauses Moet eine frisch degorgierte Magnum Moet&Chandon, ein perfekt gereifter Champagner-Traum mit typischem Brotton aber wenig Firne – 95/100. Tip: wenn Sie das nötige Kleingeld haben, lassen sich von Moet aus den erheblichen Beständen des Hauses sicher noch frisch für Sie degorgierte Flaschen erwerben. Ein Champagner Brut von Louis Roederer hatte 1994 eine kräftige Farbe, intensives Mousseux, das im Glas schnell in leichtes, feines aber am Gaumen trotzdem spürbares Perlen überging, war intensiv, füllig mit schöner Edelfirne – 88/100. Ähnlich 1994 ein Ruinart Brut Reserve Philippe de Rothschild. Ein perfekt gelagerter
Salon aus der Magnum zeigte 2005 bei Jörg Müller eine Frische erhalten, wie man sie sonst nur bei frisch degorgierten Champagnern findet. Ganz großer Champagner mit gutem, feinperligem Mousseux, kraftvoll und lang am Gaumen – 96/100.



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