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1969
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Ein schwieriges Weinjahr, 1969, in dem insbesondere Bordeaux-Fans kaum noch etwas trinkbares finden dürften. Grausames Wetter führte in Bordeaux zu ebenso grausamen Weinen, unreif, spitz, säurelastig, kurzlebig. Ich habe da stets einen großen Bogen drum gemacht. Wie gut, dass es da aus anderen Teilen der Welt Alternativen gibt.
Zu den wenigen trinkbaren Bordeaux aus 69 gehörte 1994 in Mautern die Pichon Comtesse de Lalande, zwar helle Farbe und leicht wirkend, aber mit feiner Süße und zeitlos elegant – 85/100.
Auf der großen Ducru-Probe 2006 war sich mein Nachbar beim Ducru Beaucaillou sicher, das war die Aromatik von E605, die kenne ich nicht, habe aber auch keine Sehnsucht danach.
Absolut nichts sagend und völlig zu vergessen 2007 Margaux.
Schon sehr reif, aber immer noch mit Genuß trinkbar war 1994 ein Haut Bailly, helle aber nicht sehr bräunliche Farbe, sehr fein und weich wie ein gut gereifter Burgunder, mit leichten Frucht und Kakaoaromen – 83/100. Nicht mehr viel Genuss bot 2006 Haut Brion, zu Anfang spanisch wirkende, karamellige Nase, die wohl eher einem letzten Aufbäumen gleich kam, am Gaumen astringierend, baute rasch ab – 79/100.
Ein Haut Brion Blanc war 1995 mit kräftige Farbe und deutlich oxidativem Ton gerade noch trinkbar, aber höchstens interessant für Jahrgangsfetischisten. Laville Haut Brion hingegen war 1998 zwar auch schon leicht gezehrt, aber immer noch mit Genuß zu trinken – 87/100.
Aus Sauternes, wo ein schöner Spätsommer die Ernte noch halbwegs rettete, habe ich nur d´Yquem getrunken, 1989 auf einem Sauternes-Dinner im Caveau. Ein netter, gut trinkbarer Wein, aber wirklich nicht aufregend und den Preis schon gar nicht wert. Durch seine spitze Säure könnte er durchaus länger leben. Sollten Sie davon eine Flasche finden oder sogar haben – ich würde sie zulassen. Der optische Genuß einer schönen Flasche d´Yquem ist in diesem Falle weit größer als das, was da ins Glas kommt.
Deutlich besser als in Bordeaux sah es in Burgund aus. Hier schien im Juli und August kräftig die Sonne, der September war zwar regnerisch und kühl, aber zur Ernte im Oktober herrschte wieder gutes Wetter.So konnten teilweise recht kräftige, tanninreiche und langlebige Weine geerntet werden. Da lohnt die Suche immer noch. Nur sollte man dabei nicht vergessen, dass wohl nirgendwo sonst die Unterschiede zwischen einzelnen Winzern selbst in renommierten Lagen riesengroß sind. Ein berühmter Name und ein gutes Jahr bedeuten in Burgund noch lange nichts. Beaune 1er Cru von Michel Ganoux war 2007 in der Sansibar ein in Ehren gereifter Burgunder, bei dem aber alles – Farbe, Nase, Gaumen – deutlich über den Punkt war. Noch trinkbar zwar, aber ohne viel Vergnügen – 75/100.Reif, aber sehr gefällig war 1992 ein Chambertin Clos de Bèze von Bouchard – 92/100. Ähnlich 1994 ein Chambertin Clos de Bèze von Drouhin-Laroze. Ein Corton von Doudet-Naudin war 1996 bei Drawert ziemlich hell mit Reifetönen, muffig, Mottenkugelduft, der mit der Zeit verschwindet und verhaltener Frucht Platz macht. Trotzdem wird da nichts mehr draus. Nicht allzu viel Begeisterung konnte ich auch 1994 und 95 für den Grands Echezeaux von Doudet-Naudin aufbringen. Der hatte eine kräftige Farbe mit wenig Brauntönen und junge, fruchtig-stahlige Nase die viel Kraft andeutete. Am Gaumen zuviel Säure, wirkte dadurch etwas grün. Ein Echezeaux von DRC hatte 1995 zwar noch eine wunderschöne Nase mit viel Frucht und feiner Süße, war am Gaumen schon reichlich gezehrt und insgesamt an der Grenze – 82/100. Ein im Vergleich dazu getrunkener Richebourg von DRC war erst deutlich besser und entwickelte sich wunderbar im Glas, fiel dann aber schnell in sich zusammen. Auf dem Punkt war 1993 ein Grands Echezeaux von DRC mit vielschichtiges Bouquet und intensiver, rotbeeriger Frucht – 92/100. Von Jaboulet-Vercherre habe ich 1995 einen feinen Pommard Clos de la Commaraine mit wunderbarer Nase getrunken, aber auch 1996 einen säuerlich-grausamen Clos-Vougeot. Sehr gut altern können meist Leroy-Weine. Gerade auch in vermeintlich schwächeren Jahren kann man da große Überraschungen erleben. Leider habe ich aus 69 bisher erst einen roten Leroy getrunken, 1989 in Bargum einen Chapelle Chambertin. Das war damals ein monumentaler Klotz. Wuchtig, lang, aber doch auch etwas eckig, machte noch sehr jungen Eindruck – 93/100. Wie viele eingefleischte Bordeaux-Trinker konnte ich früher gar nichts mit Burgundern anfangen. Das änderte sich 1992 mit einem traumhaft schönen Clos Vougeot von Nicolas. Die betörende Aromatik und die seidige Länge dieses Weines haben damals meine Augen zumindest für reifere Burgunder geöffnet – 94/100. Ein Romanée St. Vivant les Quattres Journaux von Louis Latour war 2006 wie ein sommerlicher Waldspaziergang nach einem Regenschauer. Der Duft von dampfendem Waldboden, von Laub und Pilzen, aber auch von feinen, kleinen Waldhimbeeren und von Blaubeeren. Ein faszinierender Burgunder, voll auf dem Punkt – 93/100.
Ungewöhnlich im Sommer 2000 in der Sansibar ein einfacher Meursault von Leroy, brauchte gut 2 Stunden zur echten Entfaltung, etwas geröstete Mandeln, als ob ein Schuß Fieuzal drin wäre, exotisch, wirkte deutlich jünger und stand wie eine Eins im Glas – 93/100. Perfekt gereift war 1995 ein Corton Charlemagne von Louis Latour, güldene Farbe, am Gaumen weich ohne spürbare Säure – 90/100.
Gutes Rhone-Jahr mit kräftigen, aromatischen Weinen. Sicher noch eine Suche wert. Ein Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal wirkte 2007 zu Anfang nicht unerwartet sehr gereift und etwas fragil, entwickelte sich dann aber prächtig im Glas. Ein klassischer, wunderbarer Côte Rotie mit der typischen Aromatik, in der Nase etwas medizinal, aber auch mit viel Lakritz, die erste Müdigkeit des Weins verschwand auch am Gaumen rasch – 88/100. Der Hermitage von Chapoutier hatte 2008 noch eine unglaublich dichte, jung wirkende Farbe und immer noch gute, pfeffrige Frucht. Die massive, immer stärker dominierende Säure war es, die diesen Wein am Leben erhielt und das sicher noch ein bis zwei Jahrzehnte tun wird – 90/100.
Ein richtig großer Banyuls war 2006 der Banyuls Collection Dr. Parcé der Domaine du Mas Blanc, süß und portig mit massig Schokolade, aber auch viel Finesse - 94/100.
Ein gutes Weinjahr war 1969 in Deutschland, insbesondere für Mosel-Saar-Ruwer – wenn man restsüße Weine mag. Viele von uns hatten in ihrer Jugend die ersten Weinerlebnisse mit dem, was damals in Deutschland Standard war, restsüße Plörre. Dieser „liebliche“ Einheitsbrei hatte mit den großen deutschen edelsüßen Weinen nichts gemein, doch wer in seiner Jugend von Eltern und Großeltern mit so was malträtiert wurde, hat für den Rest des Lebens eine Aversion gegen alle süßen Weine. Ich konnte vor 15 Jahren den Keller eines solchermaßen Geschädigten kaufen. Der war froh, dass er die klebrige Hinterlassenschaft seiner Eltern los war. Und ich kam nicht nur zu großen deutschen Weinen, sondern auch auf den Geschmack. Eine Lorcher Angstfeld Auslese von Dr. Breuer war 1996 eher auf der leichteren Seite mit feinem Akazienhonigton – 85/100. Sehr viel schöner, eleganter mit feiner Süße vom selben Erzeuger 2008 ein Lorcher Kapellenberg Auslese Eiswein - 90/100. Keine Spur von Alter zeigte 1994 eine sehr ausgewogene Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller – 90/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Auslese vom JJ Prüm kam 1989 im Caveau zu Anfang leicht, dünn, säurearm ins Glas, entwickelte sich dann immer besser und präsentierte sich als gut trinkbarer, mittelgewichtiger Wein mit nicht übermäßiger Süße – 87/100. Sehr reif war auch 1993 und 1995 die Wehlener Sonnenuhr feine Auslese von JJ Prüm, kräftige, goldene Farbe. Ziemlich dickflüssig, Frucht und Säure gleichmäßig reduziert, dafür viel Kraft und Länge. Leichte Firne stört nicht – 88/100. Die Wehlener Sonnenuhr Riesling feinste Auslese Goldkapsel hatte 2006 auf der Prüm-Probe eine goldgelbe, für das Jahr aber erstaunlich helle Farbe. In der Nase Honig ohne Ende und dabei erstaunliche Frische, die sich auch am Gaumen zeigte. Kompakt mit kräftiger Säure, spannend, wenig Süße - 92/100. Eine Wehlener Sonnenuhr feine Auslese von Kerpen war 1993 auch kräftig, aber schon arg gezehrt. Eine Wehlener Sonnenuhr feinste Auslese von Hauth-Kerpen. Hatte 2007 auf Sylt eine güldene Farbe, in der Nase Honig, Sherrytöne und auch etwas Möbelpolitur, am Gaumen immer noch knackige Säure, die Süße war schon in teilen aufgezehrt und der insgesamt recht gefällige und immer noch gut zu trinkende Wein wirkte eher halbtrocken – 87/100. Noch gut trinkbar, aber sicher schon 10 Jahre über Höhepunkt weg war 1998 eine Erdener Prälat hochfeinste Auslese von Dr. Loosen – 85/100. Gut gelungen waren in 1969 die Maximin Grünhäuser Weine. Ich erinnere mich noch gut an die 1991 und 94 getrunkene Maximin Grünhäuser Herrenberg hochfeine Auslese, einen fruchtigen Wein, der noch viel Frische, eine gute Säure und eine schöne Nase zeigte – 90/100. Kräftig und üppig war 1995 eine Graacher Himmelreich hochfeine Auslese von Meyerhof – 90/100. Sehr gut auch Anfang der Neunziger diverse feine und hochfeine Auslesen des Bischöflichen Priesterseminars, darunter Dhronhofberger, Canzemer Altenberg und Ürziger Würzgarten, alle in der Kategorie 85-88/100 und damals auf dem Höhepunkt bzw. etwas darüber. Wie schön so eine gereifte Auslese sein kann, zeigte mir dann 1996 noch mal eine Serriger Vogelsang Auslese der Staatlichen Weinbaudomaine Trier, sehr kräftiges Gold, in der Nase Frische, dezente Süße und reife Pfirsiche, am Gaumen schöne, unaufdringliche Süße, gepaart mit noch präsenter Säure, viel Kraft und keinerlei Alter, harmonierte wunderbar mit Tomatenmark auf geröstetem Brot – 92/100. Einfach schön, und die ganze Flasche hatte kaum mehr Alkohol als ein größeres Glas kalifornischer Chardonnay. Eine verdammt reife Brauneberger Juffer-Nonnenberg hochfeine Auslese von Zacharias-Bergweiler floß 2006 mit dunklem Braun ins Glas. Hochfeine Möbelpolitur zunächst, aber nicht ohne Charme mit feiner Süße und auch noch vorhandener Säure. Statt abzubauen, wurde der Wein im Glas immer schöner mit rosiniger werdender Süße, die Nebentöne verschwanden – 89/100. Mit tiefem Dunkelbraun, überreif-rosinig präsentierte sich 1998 eine Erbacher Hohenrain TBA von Oetinger – 88/100. Sehr schön auch 1993 eine Niersteiner Terassen TBA von Reinhold Senfter. Ein toller Stoff schon eher in TBA-Qualität mit perfektem Süße-Säure-Spiel war 1994 und 1996 eine Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Weißherbst BA Faß #64 von den Staatsweingütern Eltville – 95/100.
Immer für Überraschungen gut sind ältere Österreichische Weine. Begeistert war ich 1998 in der Wachau von einem Riesling Backstube Auslese von Bründlmayer, der wirkte noch frisch, jung, nicht allzu süß, mit wunderbarer Marillen-Frucht – 93/100. Wunderschön zu trinken und auf seine Art sehr interessant war auch 2001 eine Schloß Gobelsburg Grüner Veltliner Spätlese, kräftiges Goldgelb, leicht oxidativ, malzige Süße, viel Kraft und Länge, wie ein YGAY Blanco mit Restsüße – 92/100.
Einen wunderbaren, großen Strauß leicht welker Rosen hatten ich 2007 im Glas, dazu noch etwas rote Johannisbeere. Sehr kraftvoll war der Barbaresco von Gaja, trotz deutlicher Säure sehr schön zu trinken mit guter Länge am Gaumen – 93/100. Trinkbar und auch zu finden müsste eigentlich immer noch Chateau Musar Blanc sein. 1995 auf einer Drawert-Probe war er fast bernsteinfarben, hatte eine verhaltene, feine Nase mit Honigtönen, am Gaumen erst etwas flach und nichtssagend, entwickelte sich sehr schön im Glas und wurde kräftiger und runder mit guter Länge am Gaumen – 85/100. Noch nicht getrunken habe ich aus 69 den roten Musar, der aber gut beurteilt wird.
Auch in Spanien kein berühmtes Weinjahr. Absolut unterirdisch 2007 ein Marques de Riscal Reserva, dessen Aromatik an einen vollen Staubsaugerbeutel erinnerte. Eine superdichte Farbe hatte 1999 ein Heitz Martha´s Vineyard , ein klassischer, großer Wein mit Eukalyptus und Minze – 95/100. Klar, dass ich da auf der Suche nach weiteren Kaliforniern aus diesem Jahr bin.
Als „reifer Spanier“ ging 2004 auf einer Best Bottle ein Penfolds Cabernet Shiraz Bin 389 durch, Porttöne, feine Süße, Marzipan, dürfte sich auf diesem Niveau noch eine Weile halten – 92/100.
Kein großes, aber ein gutes Champagnerjahr, in dem sich immer noch Entdeckungen machen lassen. Ein Bollinger hatte 2002 noch ein erstaunlich kräftiges Mousseux, dezenten Brotton, sehr weinig, rustikal gestrickt, immer noch in guter Form – 88/100. Noch eine Klasse darüber liegt Dom Perignon, zweimal getrunken, 2001 und dann 2002 gegen Bollinger. Die erste Flasche 2001 wunderbar reifer Champagner mit schönem Mousseux – 96/100. Die zweite 2002 wenig Mousseux, weich, Walnußbrot, reif, finessig – 93/100. 1993 hatte ich den Dom Perignon schon mal als RD probieren dürfen, schönes, feines Mousseux, voller, sehr reifer, nußiger Geschmack – 96/100. Sehr gut auch Krug Collection . Zuerst 1993 in einer schönen Magnum bei Jörg Müller, reife Farbe, gutes Mousseux mit dicken Perlen, reif ohne Firne, rund, lang und in dieser Magnum sehr lecker 93/100. Dann noch mal 2001 anläßlich der großen Unico-Probe aus einer recht jugendlich wirkenden, ebenfalls überzeugenden Magnum – 93/100. Zuletzt 2005 wieder aus einer perfekten Magnum, kräftige Fabe, gutes Mousseux, noch erstaunlich frisch, nussig, geröstetes Brot, am Gaumen etwas kurz mit kräftiger Säure. Mit Sicherheit ein Champagner, der noch 5-10 Jahre Spass macht. Mit großem Vergnügen habe ich Anfang der 90er eine Kiste Bruno Paillard geleert, ein gut gereifter, nachhaltiger Champagner, der seinerzeit noch ein gutes Mousseux und eine erstaunliche Frische zeigte – 92/100.
Kein gutes Portweinjahr. Bisher nur einen getrunken, aber der war gut Gilbert war 1993 ein feiner, kräftiger Port – 92/100.
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