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1976
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In Bordeaux 1976 war ein gutes Weinjahr mit Wetterbedingungen, die denen von 2003 nicht ganz unähnlich sind. Sommerhitze wie überall in Europa und ein mit dem 15. September früher Lesebeginn. Sehr charmante, fruchtige, teilweise aber auch recht alkoholische Weine wurden in diesem Jahr in Bordeaux erzeugt, die viel Spass machten. Die Betonung liegt leider auf „machten“. Die meisten roten Bordeaux sind inzwischen schlicht und einfach verblüht. Da hilft nur noch ganz gezielte Suche perfekt gelagerter Flaschen, möglichst in großen Formaten.
Cos d´Estournel war Ende der 80er ein sehr schöner Wein mit tiefdunkle Farbe, Kraft und Wucht, schwarze Früchte, Pflaume – 92/100. Da würde ich mich heute aber nur noch in großen Formaten rantrauen.
Etwas plump, astringierend und austrocknend am Gaumen war 1993 La Lagune aus der Doppelmagnum – 84/100. Begeisternd hingegen 1994 auf einer Drawert-Probe Lanessan mit dichter Farbe, perfekt, komplex, erinnerte an die großen Lanessan-Erfolge aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts – 93/100.
Eine für kleines Geld erworbene Clerc Milon Jeroboam hatte 1996 eine junge Farbe, schwarze Johannisbeere, machte bis auf den etwas kurzen Abgang viel Spaß, in diesem Format sicher noch länger haltbar – 88/100. Ein gutes Dutzend mal habe ich Lafite Rothschild getrunken. Immer ein unglaublich finessiger Wein mit toller Länge am Gaumen, den man erst beim dritten Schluck richtig begriff, und der deshalb in größeren Vergleichsproben oft gnadenlos und unverdient absoff. Zuletzt 1999 klassische, reife, dichte Pinot-ähnliche Nase, am Gaumen Bleistift, reifer Cabernet, ein toller, perfekt gereifter, großer Wein auf dem absoluten Höhepunkt – 95/100. Nur einmal getrunken, 1993, Latour, der sich damals aus der Jeroboam am Gaumen ganz gefällig präsentierte, aber auch etwas hohl wirkte und einen sehr kurzen Abgang hatte, sicher kein Erfolg für Latour und die Suche nicht wert – 85/100. Lynch Bages war 2008 zwar trinkbar, aber ohne jedes Vergnügen. Irgendwo passten bei diesem Wein die Einzelteile nicht zusammen, wozu die zu Anfang fürchterlich stinkende Nase eine hervorragende Ergänzung war - 78/100. Mouton Rothschild habe ich zuletzt 1991 getrunken. Damals präsentierte er sich erstaunlich schön. Könnte in einer Magnum, die noch nicht durch zu viele Hände gegangen ist, durchaus noch Spaß machen.
Auf der großen Ducru-Probe 2006 war Ducru Beaucaillou ganz zu Anfang überraschend mit schöner Farbe und Fülle am Gaumen, baute aber rapide im Glas ab - 81/100. Zu Leoville las Cases notierte ich schon 1988: schlapper, kraftloser Wein, der wenigstens noch etwas Frucht zeigte. Höhepunkt, falls er jemals einen hatte, schon lange überschritten – 83/100. 1993 dann noch mal eine etwas gefälligere, harmlose Doppelmagnum. Kann man getrost von der Suchliste streichen.
Völlig zu vergessen in diesem Jahrgang auch Margaux. Da kam schon 1994 auf der großen Margaux-Probe in Mautern nur noch alter Wein mit muffiger Nase ins Glas.
Unterschiedliche Erfahrungen habe ich mit La Mission Haut Brion gemacht. Recht schön und gefällig präsentierte er sich 1991 auf einer Probe. 1998 dann auf Krählings La Mission-Probe aus der Magnum deutliche Reifetöne, noch etwas grüne Tannine, war aber auch ungenerös mit etwas flüchtiger Säure – 84/100. Ein halbes Jahr später dann eine sehr schöne 1tel, die Nase überzeugt zwar nicht, etwas spritig, aber am Gaumen generös, lecker und unkompliziert – 90/100.
Cheval Blanc war 1994 fein, elegant, relativ leicht, am Gaumen schon etwas gezehrt – 87/100. Sieben Jahre später unverändert immer noch auf dem Niveau von 94, kein Top-Wein, aber immer noch schön trinkbar. Figeac hatte sowohl 1993 am Arlberg aus der DM als auch 2001 auf dem Weingipfel aus der Jeroboam eine dichte Farbe und war noch ein ganz erstaunlicher, großer Genuss – 90/100,
Sehr gute trockene, weiße Bordeaux wurden in 1976 erzeugt, doch dürften selbst die besten inzwischen schwächeln. Haut Brion Blanc hatte 1998 auf einer Krähling-Probe eine sehr reife, volle Farbe, Nase süß mit deutlichem Honigton, wie guter Y, völlig atypisch, aber riesengroß und toll – 97/100. Der sehr kräftige Laville Haut Brion war 1993 voll auf dem Punkt und zeigte schon deutliche Firne – 88/100.
Sehr gutes Sauternes-Jahr mit finessigen, fruchtigen Weinen. Da gibt es noch viel zu entdecken. Ein de Fargues war 2006 süß, üppig, mehr Fülle als Finesse – 92/100. d´Yquem war 1987 noch fast jugendlich frisch, ein fantastischer Sauternes, nicht so fett wie 67 mit feiner Säure, wunderbarer Nase mit Honig und exotischen Früchten, große und lange Zukunft – 95/100. Knapp 20 Jahre später, 2006, zeigte er immer noch keinerlei Alter. Die Farbe wird langsam etwas dunkler. Sehr schöne Nase mit getrockneten Aprikosen und der bitteren, englischen Orangenmarmelade. Am Gaumen kraftvoll mit toller, leicht karamelliger Süße, Crême Brulée in Vollendung und feine Bitternoten. Ein großer Süßwein, der seine besten Zeiten noch vor sich hat – 95/100.
Eine sehr frühe Ernte von dickschaligen Trauben mit hohem Zuckergehalt ergab sehr tanninreiche Weine, bei denen die Gefahr des Austrocknens besteht. Wurde bei seiner Ankunft als Jahrhundertjahrgang gefeiert, aber das hört man ja aus vielen Weingegenden sooft. Zweimal getrunken habe ich Romanée Conti. 1999 auf einer Best Bottle sehr gefälliger, schön zu trinkender Burgunder, bei dem man aber weder an den großen Namen noch an den Preis denken darf – 90/100. Zwei Jahre später feinduftig-elegant, fast zierlich, baute sehr schön im Glas aus, in der Nase etwas weißer Pfeffer – 90/100. Romanée St. Vivant von DRC hatte 1995 schon eine sehr reife Farbe mit deutlichen Brauntönen und wäßrigem Rand. Präsentierte sich zu Anfang kräftig, süß und sehr lang, so dass man fast an einen großen, alten Wein glauben konnte. Nach 2 Stunden aber war er völlig weg und ekelhaft - Hände weg! Leider kurz danach noch mal in einer Probe mit ähnlichem Resultat.
Teilweise immensen Spaß haben mir die weißen Burgunder aus 1976 in den 80er Jahren gemacht, doch dieser Spaß währte nicht ewig. Meine Erfahrungen aud den 90ern sind weniger gut. Immer noch trinkbar, aber ein ganz schön harter Knochen war 1993 ein Meursault Perrières von Roger Ampeau – 85/100. Ein Blanc de Blancs von Aubry wirkte 1998 auf einer Drawert-Probe sehr reif, deutlich älter, aber auch rustikal und einfach – 85/100. Ein Le Montrachet von Baron Thénard hatte 1993 ein gammeliges, muffiges Bouquet, am Gaumen besser – 86/100. Ähnlich eine dritte Flasche 1998 auf einer Drawert-Probe. Hält sich wohl noch länger auf uninteressantem Niveau. Zwei Jahre später Burgunder-Stinker, kräftig, wenig Finesse – 86/100. Montrachets von Thenard aus den letzten 60 Jahren tauchen immer wieder auf Auktionen auf. Ich habe schon viele probiert, aber noch an keinem so richtig Spaß gehabt. Nicht viel besser 1994 ein Le Montrachet von Fleurot, kräftige Farbe, keine Frucht, leicht oxidativ, viel Holz, alt, sehr viel Länge, aber keine Finesse - 85/100.
An der Rhone wurden speziell im Norden trotz teilweise verregneter Ernte recht gute Weine erzeugt. Dabei müssen es nicht unbedingt die ganz großen Namen sein, die den meisten genuß bieten, Bei Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal hatte ich 1998 auf etwas weiches, schlabberiges im Stil älterer Beaucastels gewartet, aber dann was für ein Geschoß, sehr kräftig, leicht portig, Rumtopf, saftig – 93/100. Danach erfolgreich gesucht, gefunden und mehrfach mit ähnlichem Resultat verkostet. Zuletzt Ende 2003 reif, reich, seidig mit der Finesse und Länge eines großen Burgunders, baute im Glas schön aus – 93/100. Weich, säurearm, nachhaltig, voll auf dem Punkt war 1995 ein Hermitage la Chapelle - 90/100. Langlebiger dürfte von Jaboulet Ainé sein Côte Rotie Les Jumelles sein. Mehrfach getrunken, z.B. 2001, wunderbarer, reifer Rhone mit noch reichlich Reserven, knipste im direkten Vergleich dem 76 Romanée Conti das Licht aus – 93/100. 2006 fantastisch entwickelt und jetzt voll auf dem Punkt. Reif, weich, rund mit terroirbetonter, leicht animalischer Nase, irre lang am Gaumen mit komplexer, druckvoller Aromatik. Ein faszinierender Wein, bei dem jedes Glas zu klein bzw. zu leer ist – 95/100. Ähnlich wieder 2008 – 94/100. Ein Hermitage Blanc von Chapoutier hatte 1997 ein kräftiges, reifes Gelb, in der Nase erst Formel 1 Gummireifen und am Gaumen Blausäure, wurde im Glas etwas gefälliger, gut zu kräftigem Essen, trotzdem nicht unbedingt mein Fall - 84/100.
Grosses Weinjahr auch im Elsaß. Clos St. Hune von Trimbach hatte 1993 ein tiefes Gelb, kräftige Firne verschwand mit der Zeit, entwickelte sich, sehr langer Abgang, großer Wein – 95/100. Zwei Jahre später in der Wachau im Landhaus Bacher: seit 2 Tagen offen - einfach sensationell, wirkte absolut frisch und kraftvoll ohne jede Firne, ganz großer Stoff – 95/100. Und dann nochmal, fast 30 Jahre alt, im Oktober 2004. Kräftiges Goldgelb, ganz dezenter, nicht störender Petrolton, immer noch schöne Frucht, satte, reife Honigmelone, erstaunlich frisch und immer noch athletisch jung wirkend, am Gaumen dezenter Bitterton. Erstaunlich, wieviel Extrakt, Kraft, Fülle und Langelebigkeit da mit nur 12.5% Alkohol erzielt wurden - 96/100. Zuletzt 2006 ein traumhaft reifer, aber keineswegs alter Riesling, sehr balanciert, mit feiner Petrolnote und viel Substanz – 94/100.
Grosses deutsches Weinjahr mit etwas säurearmen, fülligen Weinen, die von Anfang an viel Spass machten. Viele Weine bis hin zur Auslese sind inzwischen allerdings etwas gezehrt. Ein gutes Dutzend mal habe ich bis Mitte der Neunziger die Hallgartener Schönhell Riesling BA von Fürst Löwenstein genossen, ein perfekt balancierter, eleganter Wein mit guter Säure. Diesem leicht unterlegen, aber ebenfalls gut die Homberger Kallmuth BA vom selben Erzeuger. Gülden, sehr kräftig mit guter Säure 1996 und 97 eine Niersteiner Brudersberg Riesling BA von Heyl zu Hernsheim – 90/100. Sehr schöne Weine von JJ Prüm. Die Wehlener Sonnenuhr BA war 1998 ein toller Stoff, dem jedes fette 76erhafte abging, sehr elegant und finessig – 95/100. Eine sehr vielschichtige Honignase hatte 2006 auf der Prüm-Probe die Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese. Die Farbe ging schon ins Güldene, sehr reife, angenehme Boytritis, am Gaumen deutlich weniger Süße als in der Nase, Bronchialtee mit einem Löffel Honig, nur noch wenig Säure, schöne Länge – 92/100. Vom gleichen Winzer dagegen getrunken war die Bernkasteler Lay Riesling Auslese Goldkapsel ein dickes Geschoß, Tiefe, güldene Farbe, kräftige Säure, ging schon in Richtung Beerenauslese, florale Nase, druckvoll am Gaumen, Kräuterhonig, Riccola, sehr cremig, kleidete den Gaumen voll aus. Ein Riesenteil, Wein-Hedonismus pur – 95/100. Auch die Graacher Himmelreich Riesling Auslese Goldkapsel war ein Klassestoff mit feiner, vielschichtiger Honignase, erstaunlich kräftiger,fast etwas spitze Säure - war da ein Schuß 75er mit drin? - am Gaumen lebendig, spannend, druckvoll, etwas rustikal - 94/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Beerenauslese von Hauth-Kerpen war 2006 auf der Prüm-Probe von der Farbe her viel kräftiger, wirkte sehr herb mit deutlichen Bittertönen, dunkle Karamellen, etwas Aprikose, leicht eindimensional, für den Jahrgang und das Prädikat erstaunlich kräftige Säure, die am Gaumen etwas astringierend wirkt – 90/100. Eine Johannisberger Hölle. Auslese vom Johannishof hatte 1997 vorne Fülle und Boytritis ohne Ende, hinten erstaunlich schlank - 88/100. Eine Piesporter Goldtröpfechen TBA von Kesselstatt hatte 1995 hohe Süße, aber auch viel Biss – 94/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von Lauerburg war 1999 gülden, schöner Aprikosenton, aber auch Karamelle, Süßreserve bereits weitgehend aufgezehrt, wirkt im Abgang trocken und hatte Höhepunkt sicher 5-10 Jahre hinter sich – 83/100. 1998 eine Bernkasteler Graben Auslese von der Pfarrkirche mit kräftigem Goldgelb, perfekt gereifte Auslese mit schönem Honigton, auch am Gaumen schöne Süße und erstaunliche, harmonische Säure – 90/100. Eine Riesling Goldlack TBA war 2001 auf der 700 Jahr Feier von Schloß Johannisberg der perfekte Wein für Petz den Bär - etwas plump, aber dafür der volle Griff ins Honigfaß - ein üppiger 76er dem nur etwas Säure fehlt – 94/100. Ganz erstaunlich 1998 mit schöner Säure eine Schloß Sommerhausen Scheurebe BA – 90/100. Sehr kräftig und lang 1992 eine Schloß Vollrads BA – 95/100. Eine Erdener Treppchen BA von Schwab-Kiebel hatte 2003 eine etwas pappige Süße – 86/100. Alt und firnig 1997 auf dem Weinforum in Arosa eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von Selbach-Oster – 83/100. Die beste Zeit hinter sich hatte auch 2001 eine Bernkasteler Doctor Auslese von Thanisch, gülden, etwas bitter, aber immer noch gut trinkbar – 87/100. Sehr schön und erstaunlich frisch immer noch 1999 eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese von Fritz Haag – 88/100. Füllig mit mehr dezenter Süße, noch recht frisch 2007 eine Brauneberger Mandelgarten Kerner BA von Conrad-Schreiber – 90/100. Eine Forster Ungeheuer Auslese von Wegeler Deinhard hatte 1993 kaum noch Säure, angenehm und harmonisch, aber zuwenig Frucht – 83/100. Um an die guten Tropfen zu kommen, mussten wir uns auf Rodenstocks Raritätenprobe 1993 erst durch größere Mengen badischer Süßweine durchkämpfen. Der passabelste davon war eine Obergrombacher Burgwingert Ruländer BA vom Winzerkeller Wiesloch. Ich habe aber starke Zweifel, dass solche Weine vernünftig altern. Eher wie eine leichtere BA wirkte 1993 zweimal eine Graacher Himmelreich TBA von Zacharias-Bergweiler – 90/100. Gut 2006 eine Niersteiner Brudersberg Riesling Beerenauslese von Heyl zu Hernsheim. Eine sehr kräftige, güldene und mit 12 % ungewöhnlich alkoholreiche BA mit guter Säure und fein dosierter, karamelliger Süße, für den Jahrgang, in dem in Deutschland überwiegend üppige Süßweine erzeugt wurde, außergewöhnlich gut strukturiert und sicher noch recht langlebig – 90/100. Total überrascht war ich 2007 von einer Riesling Beerenauslese Abtei Rupertsberg des Weingutes Schlösschen am Mäuseturm von der Nahe. Faszinierende Nase, in der sich der gesamte Katalog eines großen Honigversandes in Form von Probepackungen fand, am Gaumen knackige Säure, die die Süße gut abpufferte. Dadurch wirkte dieser Wein sehr frisch und auswogen. Das war wirklich großes Süßweinkino, im Stile eher 75 als 76 – 95/100.
Sassicaia war 1993 bei Willi Krählings Sassicaia-Probe aus der Magnum: etwas kurz und grün – 85/100. Drei Jahre später auf Ungers Sassicaia-Probe kräftige Farbe, aber bereits leichte Oxidationstöne - 84/100.
Eine sehr verhaltene, pilzige Penicillin-Nase hatte 2007 der Gran Coranas von Torres, am Gaumen Sauerbraten mit Zwiebeltouch – 72/100.Vega Sicilia Unico bot 2001 in der Nase großen Kräutergarten und auch etwas Karamelle, dichte Farbe, am Gaumen erst schön, dann kommen in der Nase Pilze, der Wein baut ab, nur noch 90/100, für Schnelltrinker und Nicht-Dekantierer gibt´s bis zu drei mehr!
Schwierig, schwierig, aber wohl ewig lebend YGAY Blanco Reserva von Marques de Murrietta. 1989 sehr kräftig, Nase etwas süßlich, Farbe einer BA, deutlicher Holzton, schwer, fast ölig - 83/100. 1992 zu Anfang ungenießbar mit Sherryton und einer Art Todessäure, nach 2 Stunden wie verwandelt(!) und ohne jeden störenden Fehlton sehr schön zu trinken – 86/100. Diese sehr oxidativ ausgebauten Weine haben die Alterung quasi schon hinter sich und können sich sehr lange halten. Unbedingt ein paar Stunden vorher dekantieren!
Erstaunlich gut gereift und immer noch gut haltbar sind viele kalifornische Weine aus 1976. Und da meist auch der Preis stimmt, kann man hier getrost auf Risiko gehen. Sehr überzeugend, immer noch mit erstaunlicher Frische und viel Komplexität 2007 ein Caymus Special Selection aus der Magnum – 94/100. Ein Freemark Abbey Cabernet Sauvignon stand 2001 wunderbar im Glas, Bitterstoffe, so gut sind 76er Bordeaux nicht mehr - 91/100. Ein einfacher Heitz Cabernet Sauvignon war 1998 dicht, sehr kräuterig, Eukalyptus, immer noch schön zu trinken, wirkte erst ältlich, entwickelte sich dann erstaunlich im Glas und wurde deutlich jünger, Klasse – 92/100. Noch mal deutlich drüber Martha´s Vineyard, 1998 sehr dichte Farbe mit ersten Reifetönen, Kräuter, Eukalyptus, irre Länge, ganz am Anfang, toller Stoff, wurde im Glas immer besser – 96/100. 2004 unglaublich dicht und jung, Eukalyptus, von allen "alten" Heitz der jüngste, sicher noch 15-20 Jahre - 95/100. Auch 2008 wieder Traumstoff mit unglaublichem Potential. Beeindruckend und ohne jedes Zeichen von Schwäche 2007 in der Coburg ein Mayacamas Late Harvest Zinfandel. Ging als wunderbarer, sehr schokoladiger Port mit massig Dörrobst, Feigen und getrockneten Pflaumen durch – 92/100
Groß muss 1976 auch in Australien gewesen sein. Ich habe aus diesem Jahr noch keinen schlechten Australier getrunken. Darüber hinaus waren die Weine damals noch nicht so fett und alkoholreich wie heute. Sehr gut gelungen ist Penfolds Cabernet Bin 707. Mehrfach mit großem Vergnügen verkostet, 2003 reif, weich, weit und wunderbar lecker - 93/100. Zuletzt 2006 ein feiner, leckerer, reifer Wein mit schöner Süße, bei dem ein leichter Kork den Gesamteindruck schmälerte – 91/100. Ganz erstaunlich 1998 ein Penfolds Cabernet Shiraz Bin 389, rabenschwarz, irres Konzentrat, am Gaumen Kirsche, in der Nase Balsamico (leichter Essigstich muss Flaschenfehler sein) und Port, für Liebhaber jüngerer 47er – 93/100. Zuletzt 2006 leichte, nicht unangenehme animalische Note auf. Irre dichte, dunkle Farbe, reif, aber keinesfalls alt, portig mit wunderbarer Süße in der Nase, am Gaumen trocken und ebenfalls sehr lang. Das ist noch klassischer, großer Wein aus der Zeit, als in Australien ehrliche Weine ohne Holzchips und ähnlichen Klimbim erzeugt wurden – 93/100. Auf der Grange Probe 1999 in Lehrbach war die erste Flasche des Penfolds Grange oxidiert (trotz perfektem Füllstand), in der zweiten dichtes, süßes Konzentrat mit viel Lakritz und Bitterschokolade, Riesenteil mit langem Abgang – 99/100. 2006 Dunkle Früchte, irrer, aromatischer Druck, süßer Extrakt, Lakritz, noch sehr jung mit Power ohne Ende, Wahnsinnslänge am Gaumen, ein Riesenwein, der noch mal 10 Jahre weggelegt gehört. Da sind heute 97/100 im Glas, doch das Potential für die magischen 100/100 hat er. Leider gibt es keine Rose ohne Dornen. Wir hatten mit dieser Flasche Glück. Es gibt auch deutlich schlechtere und in dieser Periode bei Grange zudem ein Problem mit den Korken. Natürlich würde ich den 76er Grange jederzeit nachkaufen, aber nicht zu jedem Preis, denn möglicherweise braucht man für dieses einmalige Weinerlebnis mehrere Flaschen. Sensationell auf einer Probe 1993 ein Wyndham Estate Bin 444, blind für Leo 82 gehalten und mit 97/100 bewertet.
Trotz überreifen Lesegutes konnten in 1976 erstaunlich gut strukturierte Champagner enstehen. Die Besten können immer noch sehr gut sein. Dom Perignon war 1999 ein reifer, wunderbarer Champagner, den es immer noch zu suchen lohnt – 96/100. Das zeigte sich zuletzt 2006 auf einer großen Probe, war reifer, zeigte aber noch keinerlei Schwächen, dafür deutlich mehr Tiefgang. Sehr kräftig, lang und komplex. Zeigte immer neue Facetten und hielt auch steigenden Temperaturen spielend stand, ein ganz großer Champagner, der sicherlich bei entsprechend kühler Lagerung noch lange auf diesem sehr hohen Niveau bleiben dürfte - 97/100. Ein Champagnertraum war 1987 und 88 Krug, der mir seitdem leider nicht mehr untergekommen ist. Viele weitere, stets begeisterte Notizen von Bruno Paillard bis Pol Roger von Ende der 80er/Anfang der Neunziger Jahre.
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