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1978

Ein sehr zwiespältiges Jahr, 1978, aus dem ich jede Menge Mist getrunken habe, aber auch ein paar grandiose Weine. Zu Beginn meiner „Weintrinkerzeit“ Mitte der 80er Jahre war 1978 das nächsterreichbare Jahr mit reifen Weinen. Zu Hauf fanden sich diese Weine damals auch auf Weinkarten. Aus dieser Zeit habe ich noch eine Unmenge von Notizen, die ich hier aber nur dort wiedergebe, wo sie noch einigermaßen repräsentativ sind

In Bordeaux sah es erst nach einem weiteren, schlimmen Jahr aus. Kaltes Frühjahr mit verspäteter Blüte. Ein viel zu nasser Sommer und dann das Wunder. Ein perfekter, sehr warmer September, der die Ernte rettete, allerdings nicht für alle Winzer. Bordeaux hat ein Standardproblem, nämlich die häufig in der zweiten Septemberhälfte einsetzenden Regenfälle. Bleiben sie aus bzw. kann vorher reifes Lesegut eingebracht werden, gibt es einen guten Wein, sonst eben nicht. Viele Bordeaux-Winzer lesen deshalb aus lauter Angst vor dem Septemberregen zu früh. Das Ergebnis sind dann magere Weine mit grünen Tanninen und grasigem Ton. Davon gab es auch 1978 reichlich.

Sehr angetan war ich 1995 von Chasse Spleen, der durchaus noch Reserven hatte und noch eine Suche wert sein könnte – 89/100. Einer meiner Favoriten und ein immer noch sehr bezahlbarer Wein ist La Lagune, ein gutes Dutzend mal getrunken, zuletzt im Februar 2004, perfekt gereifter, wunderschöner Cabernet – 90/100. Sehr enttäuschend dagegen Lanessan. So sehr mich alte Lanessans begeistern, die Weine der letzten 25 Jahre kann man schlicht und einfach vergessen.

Geradezu eklig wirkte 1989 ein Cos d´Estournel. Von der Nase her war dann plötzlich 2006 in der großen Cos-Probe ein toller Wein mit Kaffee und Mokka ohne Ende. Da kam der etwas magere Gaumen nicht mit, zuviel Säure, grüne Töne, Peperoni, Paprika. Also besser nur riechen, nicht trinken – 86/100. Mit kräftiger Frucht, noch deutliche Tannine, Süße und leichte Karamel-Nase, noch längst nicht auf dem Höhepunkt im selben Jahr Montrose – 88/100.

Ein Top-Wert mit immer noch Zukunft ist Ducru Beaucaillou, den ich im Laufe der letzten 10 Jahre sich gut 15mal getrunken habe. Ein sehr feiner, eleganter, nachhaltiger Wein, den ich konstant mit 93-94/100 bewertet habe. Zuletzt 2002 aus einer Magnum einsame Klasse - 95/100. Anfang 2006 zeigte eine 1tel, dass zumindest in Normalflaschen auch an diesem Wein etwas der Zahn der Zeit nagt, helle Farbe mit deutlichen Reifetönen, immer noch ein sehr feiner, eleganter Wein, aber trinken ist in den nächsten Jahren angesagt - 91/100. 2006 auf der großen Ducru-Probe nicht ganz in der Liga des 70ers aber mit ähnlicher Stilistik, vielleicht einen Hauch rustikaler - 90/100. In Bestform dann wieder 2007 in der Braui – 94/100. Ob der Gruaud Larose jemals richtig reif wird? Ich habe ihn mehrmals getrunken, auch aus der Jeroboam. Er zeigte immer massive Tannine und viel Säure, brachte in der Nase Teer und war etwas kräuterig, am Gaumen wirkte er etwas hohol und kurz, kein Vergleich zum tollen 79er – 87/100. Was könnte der Leoville las Cases ein toller Wein ohne die spitze Säure sein. Durch 12 halbe und ebenso viele ganze Flaschen habe ich mich in den letzten 10 Jahren durchgekämpft und immer wieder schmälerte die hohe Säure das Gesamtbild. So hatte es nie für mehr als 90/100 gereicht. Bis zu einer Best Bottle 2007, da hatte er in dieser Flasche noch so eine Super-Farbe, war so dicht und kraftvoll mit nur ganz dezenter, schokoladiger Süße – 93/100. Also doch ein Wein mit Zukunft. Zuletzt 2008 kam er wieder als kräftiger, komplexer Wein mit guter Farbe ins Glas, ein hochwertiger Leoville las Cases der klassischen Machart, der sicher noch ein Jahrzehnt gut überdauern wird – 92/100. Eine echte Überraschung war 1992 Talbot, auf dem Punkt, würzig, fast üppig mitschönem Schmelz – 92/100. 2008 dann ein großer Herbstspaziergang, Laub, Unterholz, etwas Tabak, dann vermehrt Kartoffeln, aber auch etwas Minze, am Gaumen recht gefällig und leicht süßlich – 85/100. Scheint sich langsam zu verabschieden.

Auch kleinere Weine können durchaus deutlich besser in Großflaschen sein. Diese Erfahrung machte ich mit 2 preiswert aus einer Kellerauflösung erworbenen Duhart Milon Imperials, ein Wein, den ich sonst mit der Zange nicht anpacken würde. In der ersten war ein gut gereifter, sehr schöner Pauillac auf 88/100 Niveau. Die zweite machte 1998 auf einer Soirée mit links 2 85er Lafite Magnums platt, absolut perfekt gereifter, eleganter Stoff – 91/100. Nicht mehr lange gebe ich Grand Puy Lacoste, 1998 aufhellendes Granat, reif, wenig Frucht, weich, am Gaumen etwas austrocknend - 88/100. Sehr gute Erfahrung habe ich bisher mit Lafite Rothschild gemacht. Kein Hammerteil wie die Lafites der jüngeren Jahre(damals hatten sie ja auch noch keinen Konzentrator!!!), aber ein eleganter, würziger Wein mit schöner Süße, gut 10mal getrunken bis 1999, immer auf 92/100 Niveau. Zuletzt noch einmal 2007 bei Jörg Müller auf Sylt. Wirkte erst etwas dünn wirkte mit einer sehr kräuterigen Nase, auch am Gaumen massig Kräuter und schwarze Oliven. Doch der Lafite brauchte einfach Luft, und nach gut einer Stunde ging richtig die Post ab, großer Stoff mit noch reichlich Zukunft! – 94/100. Ein richtig reifer Latour, das hat schon was! Der 78er hat mir seit 1988 immer wieder ein unglaubliches Trinkvergnügen bereitet. Leider ist meine Kiste jetzt bis auf eine Flasche leer. Mindestens zwei weitere Dutzend habe ich bei Freunden und in diversen Restaurants getrunken. Exemplarisch meine erste Notiz, 1998 im Kampener Waltershof, ein Bordeaux-Traum, tiefe Farbe, wunderbares Cassis-Aroma, Kraft, rund und schon sehr zugänglich, langer Abgang – 95/100, und meine letzte aus 2003, grandioser, perfekt gereifter Latour - 95/100. 2006 dann noch mal in einer Probe in bestechender Form, leicht kräuterige Aromatik, Zedernholz, immer noch feine Frucht, nicht der typische-Latour-Hammer, eher auf der etwas leichteren, eleganteren Seite, aber wunderschön zu trinken - 92/100. Auch 2007 bei Jörg Müller recht schön – 91/100, es wird aber langsam Zeit, zumindest aus der 1tel. Mit nicht weniger viel Freude habe ich in derselben Zeit durch 2 Kisten Les Forts de Latour durchgetrunken, konstant mit 90-92/100 bewertet. Zuletzt(letzte Flasche) im Sommer 2002, traumhaft schön mit perfekter, reifer Latour-Aromatik, baute jedoch rasch im Glas ab. Danach noch Ende 2003 meine letzte Magnum, ebenso schön aber jünger. 2007 noch mal eine perfekte 1tel, erinnerte er in seiner trüffeligen Art mit der leicht bitteren Walnussnote an 78 Latour in seinen besten Zeiten – 92/100. 1988 hatte Lynch Bages, erst scharfe Säure, dann penetranter Gummi-Geschmack, Schlimm! - 73/100. 2008 in der Nase Brett ohne Ende, am Gaumen grün, etwas diffus süßlich und recht säuerlich zu gleich, ein sehr herbes, zweifelhaftes Vergnügen - 76/100. Keine Zukunft dürfte Mouton Rothschild mehr haben. Ende der 80er habe ich ihn mehrfach mit Genuß getrunken. Zuletzt im Februar 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg war er ungenerös und enttäuschend – 85/100.
Einer meiner persönlichen Lieblingsweine ist Pichon Comtesse de Lalande. Von meiner ersten Flasche der 78er Comtesse 1990 in einem Pariser Restaurant bis zum Herbst letzten Jahres, wo ich ihn mit einem guten Weinfreund als „das finessige, Merlot-betonte Gegengewicht zum 66er Latour“ getrunken habe, säckeweise zum Teil fast euphorische Notizen und Bewertungen(2000, tiefe Farbe ohne Reifetöne, dicht, komplex, lang, Traumnase - kann Rotwein schöner sein?), die immer zwischen 94 und 97/100 lagen. Zuletzt im Prowein-Tasting 2004 bei Schorn aus der Magnum wieder ein Comtesse-Erlebnis der Sonderklasse - 95/100. 2006 noch mal eine 1tel aus eigenen, perfekten Beständen, reif, komplex, irre lang, groß 95/100. Aber die Comtesse lebt nicht mehr ewig. 2007 kam die Comtesse in einer Best Bottle mit 94/100 ins Glas, baute dann aber immer mehr ab, nach einer halben Stunde waren es noch gut 90/100. Je nach Lagerung ist da inzwischen wohl Eile geboten. Zuletzt 2008 aus eigenen, perfekten Beständen wieder ein Wein zum Träumen - 95/100 und in einer großen Probe Comtesse in Perfektion, seidige Eleganz, feine Süße, tolle Länge am Gaumen, reif, aber in guten Flaschen noch lange nicht am Ende - 95/100.

Giscours war 1998 ein saftiger, pflaumiger Stoff mit dunkler Farbe, jetzt und sicher in den nächsten 10 Jahren noch schön zu trinken, insbesondere in Großflaschen sicher eine Suche wert – 90/100. Bis 1997 war Margaux ein toller Wein für mich, konstant mit 95/100 bewertet. So z.B. 1990 in Bargum, noch sehr jugendliche, fast pupurne Farbe, intensiver, nicht enden wollender Wein, schon heute perfekt zu genießen mit langer Zukunft – 96/100. 1994 auf der Margaux-Probe in Mautern aus der Magnum, Nase verschlossen, voll und süß am Gaumen, lang und einfach schön – 94/100. 1995 tolle Flasche mit kräftiger, junger Farbe, explosiver, süßer Frucht(Schwarzkirschen) und schönem Abgang – 95/100. Und dann war, nach ein paar weiteren, schönen Flaschen, plötzlich Schluß. 1999 in Bargum, erster Eindruck: roh!, von der Farbe her geht der auch als 88er durch, keinerlei Reifetöne, und die fehlen auch am Gaumen, die Frucht früherer Tage fehlte völlig, wenn´s das nicht schon war, braucht der nächste Knall 10 Jahre – 89/100. Zuletzt Ende 2000 auf einer Probe rustikal, grob, wirkte immer noch nicht reif - 92/100. Voll daneben 2005 auf Sylt. Immer noch sehr junge Farbe ohne Reifetöne. Wenig Nase, am Gaumen staubige, trockene Tannine, wirkt sperrig, ungenerös, abweisend, etwas bitter im Abgang – 88/100. Da kann man, sofern man ähnlich gut gelagerte Flaschen besitzt, den Margaux eigentlich nur noch mal 10 Jahre weglegen und auf ein Wunder hoffen, auf die Gefahr natürlich, dass er statt zu reifen austrocknet. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe ein kerniger, rustikaler, sehr kräftiger und monolithisch wirkender Wein mit zuviel Tannin und deutlich zuwenig Frucht, der am Gaumen ziemlich ungenerös wirkte – 87/100. Bis Mitte der Neunziger war das ein wunderschöner Wein auf deutlich höherem Niveau, der inzwischen seine Zukunft weit hinter sich zu haben scheint. Aus dem einstigen Charmeur ist ein Grobian geworden. Auch
Palmer habe ich 88/89 sehr offen, fast opulent mit toller Frucht erlebt. 1997 dann voll auf dem Punkt, enorm druckvoll, reife, gekochte Früchte - 93/100.

Als variabel gilt Haut Brion. Ich habe mit diesem kleinen, feinen Haut Brion früher nur gute Erfahrungen gemacht. 1989 im Düsseldorfer Caveau wunderschöne Nase, Haut Brion at it´s Best, elegant, fein, etwas wenig Körper und etwas kurzer Abgang – 91/100. 1996 wunderschön saftiger Stoff, lege auf Parkers 90 noch mal 2 drauf. 2000 perfekt gereifter, wunderbarer Haut Brion, füllte großen Riedel Pokal und meinen Gaumen komplett aus, in größeren Gebinden suchen! – 93/100. Weniger schön zuletzt 2006 auf René Gabriels großer Haut Brion Probe, nasse Wolldecke, sehr reif, gezehrt, erdig und auf dem Wege abwärts – 83/100. Erheblich größer und erst seit ein paar Jahren überhaupt richtig trinkreif ist
La Mission Haut Brion. Immer wider probiert und dann 1998 endlich ist er da! Explosive, fruchtige Nase, daß mann fast an Australien denken konnte, feiner Tabakton, am Gaumen fruchtig, aber auch noch deutlich spürbare Tanine, großer Stoff – 95/100. Danach mehrfach mit 95-96/100 bewertet. Zuletzt 2005 auf Sylt, erstaunlich reifes Orangengranat, kräftige Säure, Tabak, Cigarbox, viel Kraft am Gaumen, da kommt in den nächsten Jahren noch mehr – 95/100. Ein ganz großer La Mission mit viel Zukunft.
La Tour Haut Brion hatte 1998 eine für diesen Wein oft typische, ältere wirkende Farbe mit dunklem Rostbraun, wirkte insgesamt älter als 78 La Mission, ruppiger Stoff mit kräftigen, astringierenden Tanninen, Teer ohne Ende, ein sehr interessanter, ungehobelter Weinflegel, der im Glas mit der Zeit etwas runder wurde und dann 92/100 rechtfertigte. 2007 dann
ein kerniger Wein mit unglaublich viel Biß, am Gaumen unglaublich druckvoll und zupackend. Absolut eigenständig und in keine Schablone passend, rauchig, Trüffel, aber auch massig Teer, immer noch strammes Tanningerüst. Einer der wenigen Weine, die 1978 Geborene ruhigen Gewissens für ihren 50. Geburtstag zurücklegen können – 96/100.

Cheval Blanc habe ich 1989 zweimal auf Proben getrunken und dann als Thema abgehakt. Beide Male war der Wein süßlich, dünn und kurz. In 78 Geborene mögen die Entwicklung dieses Weines gebannt weiterverfolgen. Mir ist dafür das viele Geld zu schade. Ein letzter Versuch 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe, wirkte aber etwas hölzern und eckig und zeigte grüne Noten. Da hatte man beim Abfüllen den Charme vergessen - 90/100. Wenig begeistern konnte ich mich auch für
Figeac. 1994 hatte er zwar eine dichte Farbe und wirkte erstaunlich jung und verschlossen, stank aber nach Bauernhof und hatte unangenehme Bebentöne im Abgang – 78/100. Etwas besser 1996 aus einer perfekten Magnum, aber so richtig Spaß machte auch die trotz langem Dekantieren nicht, wirkte grün und etwas diffus und unreif – 86/100. Sehr angetan war ich 2005 von einem, für kleines Geld erworbenen
Villemaurine. Das war ein sehr feinduftiger, eleganter Wein mit heller Farbe, dezent süßlich-schokoladiger Nase, die an Nuß-Nougat erinnerte, sehr ausgewogen am Gaumen - 89/100.

Nichts ahnend nahm ich 1996 im Landhaus Bacher ein gut gefülltes Glas zur Hand, das mir Klaus Wagner-Bacher vorgesetzt hatte. Darin ein tiefdunkler Wein mit kräftigen, durch schöne Kirsch- und Cassis Frucht maskierte Tannine, die den Gaumen auskleiden, mineralisch, Lakritztöne, ein großes Teil, das erst ganz am Anfang stand. Es war Lafleur. Ein großer Wein, der damals schon Spaß machte und den ich mit 94/100 bewertete. Hat noch Potential für 2-3 mehr und dürfte auf Dauer den tollen 78er überflügeln. Als 78er würde ich mir davon eine Magnum für den 50. zurücklegen und ihn dann mit dem Wineterminator(!) gegen Heitz trinken. Petrus hatte 1989 eine sehr intensive, süßlich würzige Nase, fast zuviel des Guten, intensiv Merlot, am Gaumen plump, fast unangenehm süß, etwas Lakritz – 87/100. 1995 aus der Imperiale schöne Nase, weich am Gaumen, etwas nichtssagend und für das Geld eine Frechheit – 88/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe roch er nach frischen Zimtwaffeln, am Gaumen hatte er zuviel Säure, der hatte seine beste Zeit, falls es die jemals gab, schon lange hinter sich – 85/100. Um so erstaunter war ich 2008 auf einer großen Probe. Der Petrus war hier zwar reif und auf dem Punkt, aber keinesfalls auch nur ansatzweise müde. Schokoladig-trüffelig mit etwas Leder und Lakritz, süß, schmelzig und weich mit burgundischer Pracht und Fülle, ich konnte es einfach nicht glauben - 96/100. Trotanoy war 2007 ein großer Wein, jetzt wohl voll auf dem Punkt, schokoladig, dicht, kleidete den Gaumen voll aus, tolle Länge am Gaumen. Die mit der Zeit immer kräuteriger und tabakiger werdende Nase zeigte, dass hier wohl nicht mehr allzu viel Zukunft angesagt ist – 93/100. Vieux Chateau Certan hatte 1996 eine sehr helle Farbe mit wenig Brauntönen, feine, leichte Frucht, am Gaumen wenig Konzentration, kleiner, aber angenehmer Wein – 83/100. 2005 auf der Vieux-Probe ein gefälliger, harmloser Schmeichler mit heller Farbe, hat seinen Höhepunkt bereits hinter sich, würde ich in den nächsten Jahren austrinken – 86/100.

Sehr langlebig können weiße Domaine de Chevalier sein. Der 78er war 1994 noch sehr frisch mit feinem Holzton – 92/100

1978 zählte nicht zu den besseren Sauternes-Jahrgängen, da sich durch den langen, trockenen Indian Summer die Edelfäule nicht richtig entwickeln konnte.
Raymond Lafon war 2007 ein dickes Orangenkonzentrat mit viel Bitterstoffen, passender Süße und guter Säure. Ein Kraftpaket mit wenig Finesse. Aber wenn der nicht quasi ins Glas gepoltert wäre, hätten wir ihn zu so später Stunde wahrscheinlich gar nicht mehr wahrgenommen – 91/100. Ein Rieussec hatte 1989 ein schönes Bouquet von Honig und weißen Früchten, am Gaumen aber relativ schlank – 87/100.

Auch in Burgund wurde das Jahr durch einen wunderbaren Spätsommer gerettet. So konnten eine Reihe sehr guter Burgunder mit guter Haltbarkeit erzeugt werden. Da lohnt bei guten Erzeugern immer noch die Suche. Vergessen sollte man dabei allerdings nicht, dass in Burgund grundsätzlich auch viel Mist erzeugt wird. Davor schützen auch große Lagennamen wie Richebourg oder Montrachet nicht.
Viele Rote Burgunder aus 78 habe ich Ende der 80er getrunken. Damals waren diese Weine zwar nicht aufregend, aber sehr schön zu trinken, wie z. B. ein Pommard von Gilbert Caillet. An einfachere Qualitäten würde ich mich heute nur noch in bestgelagerten Ausnahmefällen herantrauen. Eher Rhone als Burgund und das auf sehr sehr hohem Niveau war 2001 für mich mit seiner üppigen. Orientalischen Würze ein DRC La Tâche – 96/100. Eher enttäuscht hatte mich dagegen 1996 aus gleichem Stall der deutlich weniger konzentrierte Richebourg – 88/100. Wahscheinlich gibt es da aber auch unterschiedliche Flaschen. So fand ich den DRC Romanée St. Vivant 1994 zunächst groß mit einem orientalischen Gewürzstrauß in der Nase, eher Syrah als Pinot, viel Kraft und Länge – 96/100. Ein halbes Jahr später auf einer Probe völlig anders. Zwar schöne Farbe, Burgunder-Fans sprachen von Fruchtigkeit mit schöner Säure, ich fand ihn nur kurz und bitter, die Zeit mags vielleicht richten – 86/100. Und dann 1996 eckig, kräftig, wird vielleicht noch gefälliger - 89/100. Zuletzt 2006 völlig anders und richtig groß, noch soviel Kraft und Potential, sehr würzige Nase, ein sehr aromatischer, superdichter, komplexer Burgunder, der ewig lang am Gaumen bleibt – 96/100. Ein Corton Bressandes vonJoseph Drouhin hatte 1989 ein schönes Kirsch-Bouquet, machte aber sonst den Eindruck eines noch lange nicht fertigen Weines und wirkte auf mich durch kräftige Säure fast aggressiv – 84/100. Dünn mit heller Farbe und für die große Lage absolut enttäuschend war 1996 ein Richebourg von Labouré-Roi – 82/100. Üppig und vollreif 1993 ein Chambolle Musigny von Leroy – 92/100. Corton Grancey von Louis Latour war 1996 bei Drawert ziegelrot mit deutlichem Orangenrand, intensive, reiche Nase, entwickelt wunderschöne Süße getragen von guter Säure – 92/100. Mit sehr kräftiger, junge Farbe, viel Kraft auch am Gaumen, noch am Anfang seiner Entwicklung 1996 bei Drawert ein Romanée St. Vivant Les Quatre Journaux von Louis Latour – 91+/100.

Sehr gut waren auch die Weißen Burgunder, von denen inzwischen auch die besten ihren Höhepunkt erreicht oder überschritten haben dürften. Das gilt leider auch für große Namen. So konnte ich 2006 auf einer großen Probe drei Le Montrachets gegeneinander verkosten. Die Friedhofsnase des Le Montrachet von Collin ließ schon nichts Gutes ahnen. Ein gezehrter, steinalt wirkender Wein, bei dem die Säure immer mehr Überhand gewinnt und das einzige, prägende Element darstellt. Gutwillige 78/100. Deutlich besser der Le Montrachet von Drouhin, ein feiner, schmelziger Montrachet, nussig, gut strukturiert mit kräftiger Säure, aber sicher nicht groß – 91/100. Nur beim dritten Wein, einem Le Montrachet von Bouchard spürte man das großartige Terroir. Der kam mit einem kräftigen, brillianten Goldgelb ins Glas, ein sehr eleganter, zeitlos schöner Wein ohne jede Altersspur, finessig mit viel Spiel, sehr vielschichtig. Baute mit steigender Temperatur im Glas sehr schön aus und zeigte immer neue Facetten, ein Klassewein – 96/100. Grandios 2008 ein Le Montrachet von Comte Lafon. Das war ein gewaltiges, finessenreiches Kraftpaket mit einer traumhaften Nase, die immer generöser, mandeliger und mineralischer wurde. Ein großer, aromatischer Wein, der mit Luft und steigender Temperatur im Glas förmlich explodierte und ständig neue Facetten zeigte. Hat in dieser bestechenden Form sicher noch 10+ Jahre Potential – 97/100.
In Ehren gereift war 1994 ein Chevalier Montrachet von Bouchard. Ein erstaunlich frischer, deutlich jünger wirkender Top-Burgunder war 1998 ein Comte Lafon Meursault Clos de la Barre – 95/100. Die Suche nach älteren Comte Lafons lohnt bestimmt noch. Ein Criots Batard Montrachet von Delagrange-Bachelet zeigte 1996 und 98 kein Alter, war aber wahrscheinlich nie richtig groß, sondern nur teuer – 87/100. Immer noch sehr gut trinkbar 1996 und 97 ein
Puligny Montrachet Les Folatières von Drouhin. Ebenfalls noch schön zu trinken war 1997 ein Corton Blanc von Faiveley
, brilliantes Goldgelb, leicht kräuterige Nase mit Anis und Lakritztönen – 88/100. Ein Meursault Perrières von Camille Giraud hatte 1997 eine dichte, cremige Textur, gute Säure, viel Kraft, mit der Zeit kam schöne Frucht, sehr langlebig, gewöhnungsbedürftiger Stoff, dem man sicher nicht vorwerfen kann, offensichtlich zu sein - 89/100. Das zeigte sich dann 10 Jahre später, 2007, dieser unglaublich frisch wirkende, traumhaft balancierte, würzige Meursault ohne Schwächen und Alter dreht gerade erst richtig auf. Die sehr kräftige Säure trägt nicht nur zum Eindruck der Frische bei, sie verspricht auch noch eine lange Zukunft – 94/100. Für eine Dorflage höchst erstaunlich 2008 ein Montagny 1er Cru Montcuchot Cave des Vignerons de Buxy. Startete zwar alt, oxidiert, herbstlich, blühte dann aber plötzlich im Glas aus und entwickelte eine feine, schmelzige Mandelnote in der immer schöner werdenden Nase, am Gaumen durch die gut stützende Säure immer noch frisch wirkend, ein kurzes, aber eindrucksvolles Feuerwerk auf 90/100 Niveau. Nach einer knappen halben Stunde war das Feuerwerk wieder vorbei, der Wein verlor nicht nur Länge und Komplexität, er zerfiel förmlich.

Ganz großes Rhone-Jahr mit sehr langlebigen Weinen.
Hoch bewertet wird in der Literatur der Hermitage von Chave. Ich konnte das bisher nicht nachvollziehen. Bei einer Magnum 1996 notierte ich: seit wann macht man Wein aus Schafscheiße? Ein vornehmer Mensch würde von animalischen Tönen sprechen. Ich habe die Hälfte weggekippt und wendete mich anderen Themen zu. Keine Wertung, da nicht mein Ding. 1998 dann auf einer Drawert-Probe: in der Farbe bereits deutliche Reifetöne, am Gaumen säurelastig, kräftige Tannine, macht mich nicht an. Zuletzt 2008 zwar immer noch ein Stück vom Höhepunkt entfernt aber absolut perfekte Wahnsinnsnase, im positiven Sinne animalisch, blutiges Steak, Trüffel, Leder, einfach nördliche Rhone pur. Reitet am Gaumen eine irre Attacke, sehr kraftvoll, immer noch gute Tanninstruktur. Klar, diesen klassischen, alten Stil muss man mögen, aber dieser sehr eigenständige Wein entwickelt auf seine Art einen unwiderstehlichen Charme, dem man sich schwer entziehen kann. Das ist keine modisch weichgespülte Fruchtbombe, sondern Rhone Hardcore – 98/100. Eine Flasche habe ich noch in meinem Keller. Die hebe ich noch 10 Jahre auf und warte auf ein Wunder. Der Hermitage von Chapoutier war 2007 ein ganz großer, kompletter Wein, der unglaublichen Spaß machte, sehr
igenständig und kernig, aber dabei auch fein und elegant mit karamelliger Süße – 97/100. Faszinierend 2007 auch Chapoutiers Côte Rotie. Immer noch so jung und kräftig wirkend mit wunderbarer Frucht, viel Kraft und Fülle, ein Riesenteil mit explosiver Aromatik und einer Nase wie ein großer Gewürzladen, im Stil einem La Mouline nicht unähnlich, dazu Veilchen satt – 96/100. Ein Wein, der sich sicherlich noch 10-20 Jahre weiterentwickeln kann. Ein Côte Rotie von Dervieux-Thaize war 2006 so eine Art Montrose unter den Rhone-Weinen, sehr eigenständig, animalisch, fleischig, dicht, aber auch etwas rustikal und im positiven Sinne streng. Klassischer Rhone mit gutem Alterungspotential – 93/100.
Eins meiner größten Weinerlebnisse war 2000 in Paris im Tan Dinh La Mouline von Guigal, rabenschwarz mit einer Perigord-Trüffel-Nase, die ihresgleichen sucht - ich glaube da schon eher, dass Perigord-Trüffel nach La Mouline riechen! - auch am Gaumen Trüffel ohne Ende, baut im Glas immer stärker aus und dürfte in dieser Form sicher noch 10-15 Jahre leben, ein Ausnahmestoff, bei dem 100/100 voll angemessen sind. 2008 dann La Landonne, mit einer feinen, mineralischen und tabakigen Nase, erst mit der Zeit kam dann stärker in der Nase die Rhone durch mit einem dicken Steak vom Holzkohlengrill und Trüffeln, an denen noch viel Erde hing. Für einen La Landonne wirkte dieser Wein erstaunlich zahm. Er ist zwar reif, aber noch längst nicht am Ende und baute schön im Glas aus – 95/100. Unzweifelhaft ein großer Wein ist Hermitage La Chapelle, obwohl ich die 100 Punkte dort noch nie im Glas hatte. 1995 auf der großen Kölner La Chapelle-Probe hellste Farbe des Flights, weich, wenig dahinter, verschlossen, hinter der Maske steckt mehr - 89+/100. 1996 bei Willi Krähling extraktreich, jung, Säure, erst am Anfang seiner Entwicklung, entwickelt im Glas tolle Süße - 92/100. 1998 auf einer Drawert-Probe meine beste Flasche, Riesenstoff mit sehr dichter, junger Farbe, Lakritze ohne Ende mit erstaunlicher Vanillenote, sehr lang – 97/100. 1998 auf einer Krähling-Probe in der Nase Vanille pur in einen Konzentration, wie ich sie noch nie erlebt habe, sehr dichte Farbe, exotisch, erstaunlich offen und trinkbar, großer Stoff, aber auch gewöhnungsbedürftig – 94/100. Im Juni 2005 völlig zugenagelt, ließ wenig raus. Ich würde diesen potentiell sehr großen Wein, solange Sie ihn nicht warm im Wohnzimmer lagern, noch 10 Jahre weglegen. Zuletzt 2008 zeigte er nicht ansatzweise, was er wirklich drauf hat und wirkte reichlich zugenagelt. Mehr als maximal 94/100 kamen da nicht ins Glas.
Der Chateauneuf-du-Pape von Chapoutier war 2007 ein sehr reifer Vertreter seiner Art, klassischer, rustikaler Stil mit viel Kraft, aber wenig Frucht, erste oxidative Noten – 88/100. Sehr gut aber nicht groß war 2000 ein Chateauneuf-du-Papes Clos des Papes aus der Magnum – 90/100. Ein Chateauneuf-du-Pape Domaine de la Font du Loup von Ogier hatte 1995 eine kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, reife Nase, entwickelt sich im Glas, rustikale Burgunderart – 86/100. 1998 bäumte er sich nach einer Stunde noch mal kurz auf, aber war vorher und hinterher platt. Sehr fein und elegant 2008 der Chateauneuf du Pape Cuvée Reservé von Chateau Rayas, würzig-pfeffrige Aromatik mit viel weißem Pfeffer, hocharomatisch, finessig, einfach ein sinnlicher Wein, kein Hammer im Stile der heutigen, überkonzentrierten Chateauneufs, hier tänzelte eine Ballerina auf der Zunge – 95/100.

Einen Vignelaure aus dem Süden Frankreichs hätte ich 2007 blind für einen 40-50 Jahre alten, kleineren Bordeaux aus einem mittelprächtigen Jahr gehalten, wirkte schon verdammt alt und gebrechlich und nur die relativ hohe Säure hielt ihn am Leben. Seine besten Zeiten hat dieser Wein schon mindestens 10 Jahre hinter sich. Er bäumte sich zwar zum Ende hin im Glas noch einmal etwas auf und zeigte Ansätze einer feinen Süße, aber das war es dann auch – 83/100.

Eher ein kleinerer Jahrgang im Elsaß.
Ein immer noch sehr gut trinkbarer Riesling Hengst von Josmeyer mit deutlichem Petrolton wusste 2005 bei Jörg Müller auf Sylt immer noch zu überzeugen – 91/100.

Klasseweine auch in Italien.
Bei bei einem Barbaresco Sori Tildin von Angelo Gaja war 2006 ich zunächt blind bei einem jüngeren Rhone-Wein. So dicht, so voll, so lang und dabei sogar eine üppige Süße. Immer noch massig Frucht und eine gewisse Frische, toller Stoff - 93/100.
Sassicaia hat in 78 einen Wein produziert, gegen den alle Sassis seit 91 nur noch müde Wässerchen sind. 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe aus der Magnum sehr dichte Farbe, kompletter Wein mit viel Power – 96/100. 1996 auf der großen Sassicaia-Probe der Unger Brothers in Südtirol dichte Farbe, viel Kraft, aber auch massive Säure, die aber tragend eingebunden ist und für lange Zukunft sorgen wird, eins der Highlights der gesamten Probe, die alle Jahrgänge von 68 bis 90 umfasste - 97/100. 2002 bei Michael Ungers 40. Geburtstag zu Anfang der größte des Flights mit viel Bleistift, baute dann leicht ab - 93/100. 2004 hatte er eine kräftigere Farbe als 77, aber etwas weniger Körper. Mit Bleistift und Leder wirkte er wie ein klassischer Mouton - 94/100.
Da setzte sich dann letztlich der Vergleich getrunkene Solaia durch, ebenfalls ein Weinriese mit konzentrierter Frucht. Ich habe den Solaia seit 1998 6mal getrunken und immer sehr hoch bewertet, zuletzt ging er blind in einer kleinen Solaia-Vergleichsprobe mit Fabio Chiarelotto im März 2004 als perfekt gereifter, großer Bordeaux durch – 98/100. Eindeutig zu alt war aber schon in 1996 der
Tignanello mit heller, reifer Farbe und (zu) kräftiger Säure – 82/100. Sehr gut können häufig Chianti Classicos altern. Ich habe 1994 mit großem Trinkvergnügen mehrere, für kleines Geld bei Alpina erworbene Villa Vignamaggio Chianti Classico Riserva Magnum geleert. Die zeigten noch keine Spur von Alter und hatten eine wunderbare Frucht – 87100.

1978 war in Spanien kein großes, aber doch gutes Jahr. Ich habe bis Anfang der neunziger viele sehr ansprechende, einfachere Spanier, vor allem aus Rioja, getrunken, die aber allesamt inzwischen ihren Zenit deutlich überschritten haben dürften.
Mit heller Farbe, weich, aber sehr nachhaltig, "spanisch", noch viel Zukunft 1996 ein Conde de Valdemar Gran Reserva von Martinez Bujanda – 88/100. Sehr angetan war ich 2000 wie schon 3 Jahre vorher von einem Imperial Gran Reserva von CVNE. Trotz erstaunlich heller, reifer, spanischer Farbe ein kompletter Wein, bei dem von der Nase - Kaffee- und Mokkatöne, geröstetes Brot, Vanille- über den Gaumen - feine, reife Süße- alles stimmte – 93/100. Ein
Marques de Murrietta Reserva hatte 1996 eine helle, reife Farbe, auch in der Nase sehr weit, überzeugte aber mit viel Kraft am Gaumen – 88/100. Absolut reif war 2007 die Marques de Murrietta Gran Reserva. Feine malzige Süße, mollig weich mit der schönen, typischen Aromatik älterer Riojas, baute im Glas mit der Zeit etwas ab und wurde säurelastiger – 88/100.
Rioja Alta Reserva 904 wirkte 1996 erst etwas gezehrt, kam dann aber mit der Zeit im Glas besser – 85/100. Torres Gran Coronas Black Label war 1996 und 99 voll auf dem Punkt mit schöner Würze – 90/100.

Aus Portugal habe ich nur 1996 eine halbe Flasche Perequita von Fonseca getrunken, ein rustikaler, einfacher, gut gereifter Wein – 85/100

Sehr wenig Erfahrung habe ich mit Deutschen Weine, wo 78 kein großes Jahr war.
Ein einfacher Erbacher Marcobrunn von den Staatsweingütern hatte 1993 eine deutliche, aber nicht unangenehme Edelfirne, dezente Süße, recht ausgewogen und deutlich besser, als erwartet – 85/100. Umso überraschter war ich dann 2007 von einer
Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett vom Weingut Joseph Christoffel Junior. Absolut faszinierender Weinspaß auf hohem Niveau, ein wunderbarer Wein mit guter Fülle, Säure, klarer Frucht und feiner Süße, alles im perfekten Gleichgewicht. Ein Wein, der deutlich jünger schien und sein Alter fast völlig verleugnete, beinahe taufrisch wirkte und mit seinem niedrigen Alkohol und der animierenden Aromatik einen perfekten Aperitif abgab – 91/100.

Ein Spitzenjahr war 1978 in Kalifornien. Wenn ich sehe, mit wie wenig Alkohol damals in Kalifornien Weltklasseweine mit hohem Alterungspotential erzeugt wurden, dann ärgere ich mich umso mehr über die heutigen Alkoholmonster aus Napa&Co.
Sehr überzeugend 2007 Almaden Cabernet Sauvignon aus Monterey in Kalifornien. Dichte, immer noch junge Farbe, sensationelle Nase mit großem Blumenmeer, rauchig, Teer und Leder, auch am Gaumen sehr aromatisch, schlank und kraftvoll zugleich, so balanciert und harmonisch, ein gelungener Haut Brion aus Kalifornien – 95/100. Ein Buena Vista Zinfandel war 2006 verdammt guter Stoff. Reife, helle Farbe, faszinierende, druckvolle, ungewöhnliche Armatik, gereifte Stauchtomaten, Lakritz, feine Würze, Süße, exotisch wirkend, auch am Gaumen Süße und gute Länge - 94/100. Eine echte Trouvaille der Weinkarte 2005 im Tantris ein Cuvaison. Immerhin 27 Jahre hatte dieses Musterbeispiel klassischer, kalifornischer Winzerkunst auf dem Buckel, ohne auch nur im entferntesten müde zu sein. Perfekte, immer noch recht junge und dichte Farbe, sehr mineralisch, „liquid rocks“, Bleistift, etwas Leder, leichte Minztöne, Zedernholz, ginge auch als großer Mouton durch mit perfekter Struktur und langem Abgang – 95/100. Ein Gallo Sonoma County Limited Reserve hätte trotz deutlicher Eukalyptus und Minze, zu denen sich dunkle Schokolade, Kräuter und etwas Schwarztee gesellten, hätte dieser noch recht jung wirkende Wein auch aus dem Medoc kommen können. Einfach ein sehr gelungener, feiner Tropfen mit immer noch guter Tannin- und Säurestruktur – 92/100. Tolles Alterungspotential, zwar auf dem Höhepunkt, wird aber sicher noch 10+ Jahre auf hohem Niveau Spaß machen. Einer der ganz großen 78er und ein Wein mit immer noch sehr gutem Alterungspotential ist Heitz Martha´s Vineyard. 1996 dichte Farbe, Lakritz/Teernote, entwickelt auch verhalten Minze und Eukalyptus, kräftig mit tragender Säure, großer Wein, erst ganz am Anfang – 94/100. 2003 konzentrierter Superstoff mit junger Farbe, würzig, minzig, tolle Frucht, baut im Glas aus, machte den großen 78 La Mission mit links nieder, suchen! – 97/100. Etwas schlanker, aber was für ein schönes Gewächs 2008 von Heitz der Fay Vineyard mit altersfreier Farbe, immer noch guter Frucht, dezenter Minze und Eukalyptus und beachtlicher Länge am Gaumen – 92/100. Ganz anders 2002 in Boston der in den 70ern sonst so große Mayacamas, dichte Farbe, Teer ohne Ende und etwas Leder, Kompliment der eventuell noch vorhandenen Frucht, sie hat sich perfekt versteckt, Genuß wird anders buchstabiert – 83/100. Noch sehr jung wirkte 1995 im Landhaus Bacher der Mondavi Reserve mit sehr schöner Frucht – 93/100. Hat sich inzwischen prächtig entwickelt. Zweimal in 2007, immer noch mit recht jung wirkender, dichter Farbe, in der Nase Cassis, Eukalyptus und Minze, nur an de leicht Karamellligen Süße erkennt man das Alter, kommt erstaunlich fein daher mit perfekter Struktur und Länge, ein großer Kalifornier in bester Bordeaux-Machart mit Potential für locker noch 10+ Jahre – 95/100. Zuletzt 2008 dichte, junge Farbe, so fein und elegant, so hocharomatisch, Eukalyptus, Minze Leder, etwas Lakritz, feine, geile Süße, immer noch erstaunliche Frische, perfekte Struktur und keinerlei Alter oder Schwäche, baut enorm im Glas aus und hat sicher noch Potential für 10+ Jahre – 97/100. Riesengroß der Eisele von Joseph Phelps. In dieser Zeit hatte Walter Schug als Winemaker bei Phelps reihenweise Legenden erzeugt. 1999 sensationelle, absolut junge und superdichte Farbe, in der Nase geballt Minze und Eukalyptus, entwickelte am Gaumen mit der Zeit einen wunderbar konzentrierten Schmelz – 98/100. Zuletzt 2004 ätherische Nase mit Eukalyptus, Minze, aber auch etwas Jod, starke Cabernet-Persönlichkeit, deutlich jünger wirkend - 96/100. Nicht auf diesem Niveau der
Insignia 1997 in Las Vegas, da hat´s die 78er Säure also auch nach Amerika geschafft! Wird mit der Zeit etwas runder und entwickelt wunderschön gereifte Mouton-Nase mit Leder und Bleistift 91/100. 1999 bei Willi Krähling sehr schön, würzig, mit einem Hauch Minze – 93/100. Sofort wieder kaufen würde ich Ridge Monte Bello. 1998 toller Stoff mit dunkler Farbe ohne Zeichen von Alter, wieder perfekter Cabernet im Stile eines klassischen Latour, geradlinig, lang – 94/100. Zuletzt 2003 „La Mission“ in Perfektion. Ein Riesenstoff mit Reserven für 10+ Jahre, erst ganz am Anfang, Minze und ein Hauch Eukalyptus war 1998 der Stag´s Leap Cask 23 - 97/100. Um Klassen besser als 1999 der Stag´s Leap SLV Lot #2, kräftiges Rot ohne Brauntöne, Kirschfrucht, gut gereift, aber auch etwas stahlig – 90/100.
Und Weiß? Ein Beringer Chardonnay war 2008 natürlich reif, auch schon deutlich über den Punkt, aber immer noch erstaunlich gut trinkbar. Güldene Farbe, in der Nase dezent oxidativ, aber auch leicht rauchig, am Gaumen buttrige Fülle, nur ganz leicht gezehrt wirkend – 87/100.

Eine Bank in 1978 auch wieder aus dem Libanon Musar. Roch 2007 zu Anfang intensiv, aber überhaupt nicht unangenehm nach Kohl, die Kohlnase verschwand jedoch mit der Zeit. Der Musar baute prächtig aus, wurde immer komplexer und aromatischer, ein wunderbar balancierter Traumstoff, wie eine hypothetische Mischung aus einem großen Margaux und einem älteren Rioja, wobei die Kraft in Seide verpackt war – 94/100. Und gleich ein paar Monate später noch mal auf gleichem Niveau.

Sicher noch gut 10 Jahre Potential hatte 2007 der Penfolds Bin 389 Cabernet Shiraz. Der wirkte nur zu Anfang etwas einfach gestrickt, baute aber unglaublich im Glas aus und wurde immer lakritziger mit guter Länge am Gaumen. Solche „Arme-Leute-Granges“ gerade aus älteren Jahren sind häufig eine sehr gute und vor allem auch günstige Wahl – 90/100. Er gefiel mir deutlich besser als der im Vergleich getrunkene Penfolds 707 Cabernet Sauvignon
. Der hatte zwar eine rabenschwarze Farbe, schockierte aber etwas mit seiner gewöhnungsbedürftigen Nase. Balsamico, Amarone, deutliche Oxidationsnoten. Am Gaumen Lakritz ohne Ende, portig, aber auch Liebstöckel und eine etwas diffuse, an Rübenkraut erinnernde Süße – 87/100. Der Penfolds Grange war 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach reif, karamellig, schön, blieb sehr lang am Gaumen – 95/100.

Als klassischer Bordeaux ging 2006 ein Allesverloren Cabernet Sauvignon
aus Südafrika durch. Ein sehr fein strukturierter, trotzdem kräftiger Wein mit Vanille, Schokolade und Mokka, lang am Gaumen – 92/100.



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