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1988
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Zu den großen Geheimtipps zählt er lange, der Jahrgang 1988. Klar, die Weine dieses Jahrgangs standen im Schatten der nachfolgenden 89er und 90er. Während die spontan Spaß machten, brauchten die 88er mit ihren massiven Tanninen viel Zeit. Klassische Weine eben, mit hoher Lebenserwartung. Eigentlich passte dieser Jahrgang gar nicht mehr so richtig in die 80er, wo Jahrgänge wie 82, 83 und 85 aus dem Stand ein immenses Trinkvergnügen bereiteten. Ich bin auch in diese Falle getappt. Viele meiner 88er Bordeaux habe ich um die Jahrtausendwende in reiner Unwissenheit verkauft. Inzwischen bin ich schlauer und kaufe selektiv wieder nach. Die Preise für 88er, gerade aus Bordeaux, sind immer noch akzeptabel. Aber das wird nicht mehr lange so bleiben. Während sich nicht nur viele Weine aus den 80ern schon verabschieden, sondern sogar bereits die ersten Jahrgänge aus den 90ern schwächeln, laufen die großen 88er erst ganz langsam zur Hochform auf, wie eine spektakuläre Probe im Frühjahr 2008 eindrucksvoll zeigte.
Calon Ségur war 2007 ein sehr feiner, eleganter, charmanter Wein mit guter, rotbeeriger Frucht und viel Zedernholz. Baut sehr schön im Glas aus und wird immer schöner und schmelziger – 92/100. Tanninbombe für´s nächste Jahrtausend mit großem Potential notierte ich bei den Arrivage-Proben 1991 über Cos d´Estournel. Besser hätte ich nach diversen, vergeblichen Versuchen in den 90ern, diesen Wein zu verstehen, mich an meine Notizen gehalten. Dann wären meine 88er Cos nicht 2001 auf der Auktion gelandet. So musste ich 2005 feststellen, dass ich einen großen Fehler begangen hatte. Kräftige Farbe mit dunklem Kern, ein rustikaler, klassischer, kerniger Bordeaux, terroirbetont, kräftige Säure, der kommt erst in 10 Jahren richtig. Entwickelt sich unglaublich im Glas und am Gaumen mit toller Länge. Sicher langlebiger als 2003, derzeit 93+/100, notierte ich Ende 2005 auf einer großen Cos-Probe. Im Herbst 2006 auf René Gabriels großer Cos Probe setzte ich diesen unglaublich dichten, jungen Powerstoff auf 95+/100 hoch. Das ist einer der Weine des Jahrgangs, gewaltiges Potential und unbedingte Kaufempfehlung, allerdings ist massig Geduld angesagt. Je nach Lagerung und Reife geht es Ihnen sonst wie mir 2007 auf der großen St. Estephe-Probe in Linz mit einernoch arg verschlossenen 1tel, geprägt von massiven Tanninen, aber doch mit spürbarer, gewaltiger Substanz. Da kamen an heutigem Trinkspaß kaum mehr als 88/100 ins Glas. Ein in dieser Flasche noch recht verschlossenes Kraftpaket auch 2008 auf der großen 88er Probe – 92+/100. Montrose war 2007 für dieses Chateau doch erstaunlich leichtgewichtig, ein eher feiner, fruchtiger Schmeichler, nicht sehr konzentriert und etwas laktisch im Abgang – 89/100. Völlig anders 2008 in der großen 88er Probe. Immer noch ein dichtes, tanninbeladenes Muskelpaket, etwas pelzig auf der Zunge, bei dem zeitweise leicht grüne Elemente spürbar wurden. Aber da war neben einem leichten Stinker auch schöne, beerige Frucht und eine gute Länge am Gaumen. 90/100 waren da insgesamt im Glas, in 10 Jahren könnten es bei diesem Langstreckenläufer durchaus noch mehr werden.
Clerc Milon war 2008 so ein überzeugender, großer Wein, Wärme ausstrahlend, sogar richtiggehend mollig mit viel Pferdestall in der Nase und sehr schöner Länge am Gaumen – 96/100. Lafite Rothschild war zuletzt 2003 ein immer noch sehr tanninbetonter, trotzdem sehr schöner, etwas rustikale wirkender Wein mit Langstreckenpotential – 91+/100. Auch 2008 sehr konzentriert mit toller Länge am Gaumen, insgesamt derzeit aber immer noch etwas verschlossen und rustikal wirkend. Da waren heute 92/100 im Glas, 2-3 könnten innerhalb der nächsten 10 Jahre noch hinzukommen. Gewaltiges Potential hat auch Latour. Der konnte nicht nur 1990 als Fassprobe auf dem Chateau und ein Jahr später bei der Arrivage voll überzeugen. In seiner Fruchtphase setzte ich ihn 1993 auf einer kleinen Probe über den 89er und den 90er des Gutes und auf ein Level mit 90 Petrus. Danach verschloss er sich und kommt derzeit nur im Schneckentempo wieder aus seiner Schale raus. 2002 zeigte er die tanninbetonte Rustikalität vieler 88er, ließ aber erahnen, was da in den nächsten Jahrzehnten noch kommt – 92+/100. 2008 in der großen 88er Probe war er leider fehlerhaft, aber die gewaltige Konzentration dieses Weines am Gaumen zeigte, dass da in guten Flaschen ein großer Latour entsteht. Rauf und runter ging es bei Lynch Bages, sehr überzeugend 1991 in der Arrivage-Probe, in den Neunzigern bombastische, offene Flaschen auf 95/100 Niveau ebenso wie sperrige, zugenagelte mit 84/100. Zuletzt 2005 auf Sylt immer noch dichte Farbe, aber Frucht Fehlanzeige, wirkte dürr, ungenerös, einfach anstrengend – 85/100, und 2006 im Anschluß an eine große Probe eine sehr schöne Flasche, kräftig mit guter Frucht – 89+/100. 2008 auf der 88er Probe ein gewaltiger Wein mit Kraft ohne Ende, aber auch einer sehr betörenden Nase. Sehr dicht und ohne jedes Alter wie bei allen anderen Weinen dieses Flights die Farbe. Massiv immer noch das Tanningerüst und damit auch die potentielle Lebensdauer – 95/100. Zuletzt dann auf René Gabriels großer Lynch-Probe 2008 eine gewaltige Impi, die jetzt schon viel Spaß machte, eigentlich aber 20 Jahre zu früh auf war. Noch so ein schwieriger Fall war Mouton Rothschild. Den habe ich bisher nur einmal, 1995 in Hamburg im Le Canard, wirklich gut getrunken, wo er trotz massiver Tannine auf 95/100 Niveau 89 und 90 Mouton in die Büsche schlug. Alle anderen Flaschen waren enttäuschend, übrigens auch die Arrivage-Probe 1991. 2004 war das in der großen Mouton-Probe ein monolithisch wirkender, eckiger Mouton, der wenig Spaß macht - 88/100. Wirkte auch 2007 noch ziemlich verschlossen mit immer noch bissigen Tanninen, aber da waren auch Dichte, Komplexität und Länge, ein Wein mit gewaltigem Potential, der 89 und 90 locker platt walzen wird – 93+/100. Und dann die Augenöffner-Flasche 2008 auf der großen 88er-Probe. Hedonismus pur, hat alles, was man von einem großen, immer noch recht jungen Mouton erwartet, üppig mit faszinierender Röstaromatik und gewaltiger Statur, ein irres Teil – 98/100. Und weil ich es selbst nicht glauben konnte, habe ich ihn in den Wochen danach noch 5mal getrunken, je nach Reifezustand mit jeweils 95+ - 98/100. Gut trinkbar ist inzwischen Pichon Baron. 1991 in der Arrivage-Probe war das ein erstaunlich offener Schmeichler – 89/100. 1996 aus der Doppelmagnum streng, verschlossen, Langstreckenläufer, dem die Frucht für einen richtig großen Wein fehlt – 88/100. Seit 2002 6mal aus der halben Flasche getrunken, wurde von Mal zu Mal schöner. Zuletzt 2005 kräftige Farbe, plaumige Frucht, fleischig und füllig am Gaumen, kräftige, aber inzwischen sehr weiche Tannine, langer Abgang - 92/100. 2008 ein sehr fleischiger Wein mit pflaumiger Frucht, sehr maskulin wirkend und in der 1tel (meine eigenen halben Flaschen sind schon etwas weiter) nach viel Luft und weiterer Lagerung schreiend – 91+/100. Auf ähnlichem Niveau die nicht zu unterschätzende Pichon Comtesse. Die gefiel mir schon 1990 auf dem Chateau ähnlich gut wie die aus dem Fass verkostete 89er Comtesse. 1995 eine erstaunlich offene, weiche, schmeichlerische Doppelmagnum – 91/100. Danach einige Flaschen, die von massiveren Tanninen geprägt waren. 2001 auf der großen Comtesse-Probe überreife Trauben, dekadentes, hedonistisches Teil, aber sehr weit, erstaunlich helle Farbe – 93/100. Zuletzt 2006 aus Jörg Müllers perfektem Keller ging es immer rauf und runter. Mal reif und wunderschön, mal etwas verschlossener mit bissigen Tanninen. Der letzte Schluck war dann der schönste, weich, elegant mit toller Frucht. Was wird nun aus dieser Comtesse? Ich setzte auf Zukunft und werde selbst nachkaufen – 91+/100. 2008 hatte ich beim Pontet Canet blind 96/100 im Glas und von denen sich dieser großartige Wein jeden einzelnen redlich verdient hatte. Klar das war kein Schmusewein, so wie ja auch 88 kein Schmusejahrgang ist. Aber wir hatten hier einen wunderbaren Bordeaux-Klassiker vor uns, rauchig, würzig, fleischig und speckig, mit schier unglaublicher Statur und viel Tiefgang, dazu noch das gewaltige Potential eines großen Weines, der erst ganz am Anfang eines langen Weinlebens steht.
Ducru Beaucaillou hatte 2006 auf der großen Ducru-Probe nicht nur den für diese Periode typischen Fehlton, sondern wirkte auch dicht und zugenagelt – 84/100. War auch 2008 auf der 88er Probe völlig daneben. Gut hatte mir 1991 auf der Arrivage Gruaud Larose gefallen, der sich dann rasch verschloss. Nur bissige Tannine 1993 aus der Jeroboam, verschlossen und rustikal in den Jahren danach aus vielen 1teln. Eine sich zögerlich öffnende Flasche 2003 im Kleinwalsertal. Zuletzt 2006 in Genf deutlich offener mit pflaumiger Frucht - 91/100. Da kommt noch mehr, ein Wein mit Zukunft. Léoville Barton war 2008 auf der großen 88er Probe der reifste Wein, der auch in der nicht sonderlich dichten Farbe schon erste Reifetöne zeigte. Traumhaft schön die feinduftige, elegante Nase. Am Gaumen eher etwas kurz und schon leicht auf dem Abstieg wirkend – 90/100. Mehrfach, zuletzt 2000, habe ich Leoville las Cases getrunken, der mich aber ähnlich 88 Cos nie vom Hocker riss. Ein solider, klassischer Medoc mit dichter Farbe, dunklen Früchten, Zedernholz und wenig Schmelz – 90/100. Könnte in 5-10 Jahren aber durchaus noch für eine größere Überraschung gut sein. Abgehakt habe ich schon in der Arrivage-Probe 1991 den Talbot, einen dünnen Wein mit merkwürdigen Nebentönen – 82/100. Talbot. 2008 ließ der ließ in der Farbe erste Reifetöne erkennen. Die zu Anfang recht schöne, feinduftige Nase wurde mit der Zeit immer mehr von Brettamycose dominiert. Am Gaumen war der Talbot eher ein ziemlich herber Säuerling – 83/100.
Cantemerle hatte 2001 schon eine reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, sehr leckerer, weicher, unkomplizierter Tropfen, der aber langsam ausgetrunken gehört – 85/100. Chasse Spleen war 1991 auf den Arrivage Proben ein helles, dünnes Weinchen mit wenig Rückrat – 83/100. Ich hatte subskribiert und habe nach dieser Vorstellung weiterverkauft. Poujeaux hatte 1999 eine junge, dichte Farbe mit Purpurrand, kräftiger Stoff am Beginn der Trinkreife, gute Tanninstruktur junge, dichte Farbe mit Purpurrand, kräftiger Stoff am Beginn der Trinkreife, gute Tanninstruktur – 89/100.
Nicht unterschätzen sollte man Margaux. In der Arrivage 1991 war das ein gewaltiger Wein auf 94/100 Niveau. Danach verschloss er sich rasch und ließ in den Neunzigern mit seiner dichten Farbe, der konzentrierten Frucht und den massiven Tanninen nur erahnen, was da mal draus werden könnte. Zuletzt habe ich diesen derzeit völlig Margaux-untypisch ungelenk und fast grob wirkenden Wein 2000 auf zwei Proben mehr oder weniger genossen. Vor 2010 spielt sich da nichts mehr ab, dann aber richtig. 2007 immer noch eher eckig, rustikal, etwas anstrengend, die durchaus vorhandene Frucht überdeckt von den etwas harschen, staubigen Tanninen - 89/100. Auch 2008 sehr verschlossen, ein potentiell großer Klassiker, der sich weiterhin im Schneckentempo entwickelt, Potential für 94+/100. Überraschend schön präsentierte sich 2007 auch Pavillon Rouge. Ein kerniger, rustikaler Wein mit viel Kraft und stabilem Rückgrat. Gut zu trinken und sicher noch mit Potential für 5-10 Jahre – 88/100. Unbedingte Kaufempfehlung auch Palmer. Während alle Welt hinter 83 und 89 hinterher rennt, entwickelt sich hier völlig unbemerkt in aller Seelenruhe ein großer klassischer Palmer. 2008 eine einfach geile, schmelzige Nase, am Gaumen wirkt er noch etwas kompakt und verschlossen, aber das wird sich in den nächsten Jahren geben. Ein potentiell großer Palmer – 92+/100. Rausan Ségla stand 2008 in der 88er Probe völlig neben den Schuhen.
Nicht sehr langlebig dürfte Domaine de Chevalier sein, der schon 1991 auf den Arrivage-Proben ein sehr zugänglicher, rauchiger Schmeichler auf 90/100 Niveau war. Ein echter Geheimtipp dagegen Haut Bailly. Zuletzt Ende 2002 von der Karte eines Schweizer Mövenpick Hotels ein Ausbund an Kraft, Fülle und Länge. Die dichte Farbe zeigte ein noch längeres Leben an – 92/100. Allerdings habe ich auch 2008 zwei Flaschen getrunken, die einen sehr schwierigen, eher etwas verschlossenen Eindruck machten. Die letzte Ende 2008 zeigte dann wieder das gewohnte Niveau. Ein gewaltiger Wein ist Haut Brion. Seit der überzeugenden Arrivage-Probe 1991 über ein Dutzend mal getrunken. 2006 auf René Gabriels großer Haut Brion-Probe aus der Jeroboam. Ein sehr fleischiger, dichter Wein, bei aller Kraft sehr elegant, pflaumige Frucht, Tabak. Scheint sich langsam wieder zu öffnen, wobei er aus dieser Jeroboam weiter schien, als aus den letzten, von mir getrunkenen 1teln. In jedem Fall ist da gewaltiges Potential und hohe Lebensdauer. Wo heute 93+/100 sind, kann man in 5-10 Jahren durchaus 96/100 erwarten. 2008 in der großen 88er Probe eine rauchig-mineralische Eukalyptusbombe im Stile eines großen Heitz Martha´s Vineyard. Locker 97/100 brachte dieser komplexe, unglaublich lange Stoff ins Glas. Nachkaufen lohnt unbedingt. La Mission war schon bei der Arrivage-Probe 1991 dem Haut Brion deutlich unterlegen. Ab Mitte der Neunziger ein gutes Dutzend mal auf 91/100 Niveau verkostet. 2006 schien der La Mission sogar noch zuzulegen. Ein Kraftpaket, das in der Stilistik an den 78er des Gutes erinnerte – 91+/100. Zuletzt 2007 ein Riese im Werden, den ich noch nie so gut wie in dieser Probe erlebt habe. Weit mehr als ein 89er für Arme ist dieser völlig unterschätze Wein. Klassische Nase mit Tabak, Teer, Cigarbox und rauchigen Noten, am Gaumen immer noch etwas kompakt, sehr dicht und komplex mit wunderbarer Länge - 95/100. 2008 grasig-grün die Nase, in der Paprika den Tabak überdeckte, insgesamt recht verschlossen und anstrengend – 87/100. Spannend dann nur eine Woche später an Ostern bei Jörg Müller das nachfolgende Duell, das sich über Stunden hinzog. La Mission gegen Haut Brion. Klarer Startvorteil für den Haut Brion. Der zeigte von Anfang an deutlich, was er drauf hat. Rauchig, mineralisch, viel Tabak und wieder Eukalyptus, der Heitz Martha´s aus dem Pessac, ein Riesenteil – 97/100. Der La Mission besaß die etwas dichtere Farbe und war deutlich verschlossener und verhaltener. Etwas irritierend war er zu Anfang in der Nase. Zu Mineralität und Cigarbox kam da die leichte Schärfe von Desinfektionsmittel(meine Damen: Herrenklo!). Doch das gab sich mit der Zeit. Der La Mission brauchte sehr lange, baute aber unglaublich gut aus, wurde immer komplexer und länger. Auf der Zielgeraden zog er nicht nur leicht an Haut Brion vorbei. Er pirscht sich auch langsam an den großen 89er heran. Ein großer, immer noch einigermaßen bezahlbarer La Mission für Geduldige. Nur Gutes höre ich von Pape Clement und muss wohl mal die Kiste öffnen. Ich habe diesen langlebigen, kraftvollen Wein bisher nur einmal probiert, 1990 auf dem Chateau aus dem Fass und war damals sehr angetan.
Certan-de-May ist trotz relativ heller Farbe ein reifer, saftiger, leckerer Merlot, druckvoll und überzeugend mit nicht unangenemem Stinker und noch gutem Potential, mehrfach getrunken, zuletzt 2006 mit konstant 92/100. Nur einmal, 1997 auf dem Weinforum in Arosa, habe ich Clinet getrunken, dichte Farbe, Nase und Gaumen überreifes, etwas fauliges Obst, Kraft, viel Tannin, warten – 90/100. Könnte durchaus noch für eine Überraschung gut sein. Den recht schwachbrüstigen Conseillante habe ich auf den Arrivage-Proben abgehakt. Dürfte längst das Zeitliche gesegnet haben. Sicher noch trinkbar, aber mit wenig Spaß, dürfte l´Evangile sein, hatte zuletzt 1998 eine dichte Farbe, war kräftig, noch etwas verschlossen, wirkte aber auch rustikal und eckig mit zu viel trockenem Tannin - 88/100. Voll auf dem Punkt war 2002 La Fleur de Gay, ein mittelgewichtiger, feinduftiger, aromatischer Schmeichler mit erstaunlich heller Farbe, der in den nächsten Jahren getrunken gehört – 92/100. Absoluter Babymord war Petrus 1995 aus der Imperiale. Auch 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe war er noch relativ unentwickelt, muskulös mit kräftiger Farbe und massiven Tanninen – 91/100. In 10 Jahren sind da durchaus 95/100 drin. Le Pin habe ich nur einmal, 1992 auf einer großen Vergleichsprobe, getrunken. War damals recht zugänglich mit fast burgundischer Fülle und Eleganz, gehörte aber nicht zu den Highlights der Probe. Dürfte inzwischen sicher am Ende des Trinkfensters angekommen sein. Trotanoy war 2008 erst ganz am Anfang, ein feiner, nachhaltiger Wein mit schöner Minznase. Wird zurecht immer als Medoc aus Pomerol bezeichnet, denn von der Stilistik her ist er meist eher linkes als rechtes Ufer. Ein Wein mit noch viel Potential, der sich auch noch deutlich steigern kann – 93/100. Unbedingte Kaufempfehlung. Enttäuschend Vieux Chateau Certan. Schon in der Arrivage-Probe 1991 fand ich ihn sehr unausgewogen mit zuwenig Frucht, zuviel Säure und zu bissigen Tanninen – 84/100. 1997 zum ersten Mal eine schöne Flasche und in der Folge bis 2002 mehrfach als feinduftigen, schokoladigen Wein mit gutem Schmelz auf 92/100 Niveau erlebt. Aber das war es wohl auch schon. Zuletzt 2005 in der großen Vieux Probe viel Kraft, feinen Schmelz, wirkte aber auch etwas eckig und mit wenig Potential - 88/100. Ebenfalls kein großer Wurf der auf einer kleinen Parzelle daneben geerntete Clos du Vieux Plateau Certan, seit 1995 gut 12mal getrunken, zuletzt 2001. Stets wenig Schmelz, etwas grünes Tannin, sehr rustikal – 87/100.
Schon lange nicht mehr untergekommen ist mir Angelus. Schlug sich 1997 im Dreierflight mit 89 und 90 sehr beachtlich mit 92/100 und dürfte aufgrund seiner guten Tanninstruktur ein Langstreckenläufer mit großem Potential sein. War 2008 3mal so offen, so sexy, mit reichlich Kaffee und Schokolade, aber auch kräuteriger Würze und etwas Minze, weich und mollig im Glas, einfach unglaublich lecker mit sicherlich noch Potential für mindestens ein weiteres Jahrzehnt – 94/100. Eher ein kleineres Weinchen dagegen l´Arrosée. Zuletzt mehrfach Mitte der 90er auf max. 85/100 Niveau. Ausone kannte ich nur aus der Arrivage-Probe 1991, wo er mir überhaupt nicht zusagte. Doch 2008 brachte er Lebkuchengewürze reichlich in der faszinierenden Nase. Die entschädigte dann für den eher etwas anstrengenden Ausone-typischen, etwas medizinalen Eindruck am Gaumen – 90/100. Kaum glauben konnte ich das, was ich da im Glas hatte, als ich 2005 mit Stefan Graf Neipperg sein Erstlingswerk, den Canon-la-Gaffelière trank. Seitdem habe ich diesen immer noch jugendlich und kräftig wirkenden Wein mehrfach auf 93/100 Niveau getrunken und kaufe weiter nach. Allerdings hatte ich 2008 in der 88er Probe auch eine ziemlich unterirdische Ausreißerflasche. Zuletzt Ende 2008 wieder eine kräftige, rustikale, tabakige Flasche, noch sehr jung mit viel Langstreckenpotential - 92/100. Ein zwiespältiges Verhältnis hatte ich bisher zu Cheval Blanc, den ich sicher schon 2 Dutzend Mal getrunken habe. Im besten Fall war das, insbesondere aus zu warm gelagerten Restaurantflaschen, ein warmwürziger Schmeichler. Sonst oft eine eher etwas herbe, spröde Enttäuschung. 2006 in der großen Cheval Blanc Probe ein Langstreckenläufer mit viel Substanz, der in 5-10 Jahren und auch danach noch für viel Furore sorgen wird. Der Feinste seines Flights mit schönem Schmelz, wirkte durch die stramme Säure und die noch etwas bissigen Tannine aber auch etwas unharmonisch, was sich mit der Zeit im Glas gab - 91+/100. 2008 dann einfach nur streng in der Nase und am Gaumen mit wenig Substanz. Ein spröder Wein, bei dem die Hoffnung auf Besserung und ein Wunder zunehmend schwindet – 86/100. Zur Verzweiflung hatte mich bisher Troplong Mondot getrieben. 2002 notierte ich dichte, kräftige Farbe, am Gaumen rustikal, viel Kraft, da kommt sicher noch mehr, Langstreckenläufer - 90/100. Doch bis 2006 hat sich nichts getan. Der Wein blieb rustikal mit etwas unreifen Tanninen und zu wenig Frucht - 87/100. Zuletzt im Sommer 2007, Immer noch präsente, aber deutlich weichere, reifere Tannine, die schöne Frucht kam besser zur Geltung, zum allerersten Mal machte der Troplong Mondot Spaß, mit feinem, fruchtigen Schmelz. Ich bin mir ziemlich sicher, da kommt noch mehr – 91+/100.
Auch gute, trockene weiße Bordeaux wurden 1988 erzeugt, vorausgesetzt, sie wurden rechzeitig vor dem Septemberregen geerntet. Meine letzte von vielen Fieuzal habe ich 1999 getrunken. Dieser Wein, den ich stets mit 92-94 bewertet habe, könnte noch gut trinkbar sein. Als durchaus noch trinkbar könnte sich Pavillon Blanc erweisen. Als ich ihn das letzte Mal 1993 trank, war das ein sehr kraftvoller Wein mit gutem Rückrat – 91/100. Nur einmal, 1994, habe ich den „Y“ von Yquem getrunken, der mich überhaupt nicht überzeugte. Seltsame Nase, mehr Gemüse als Frucht, am Gaumen kräftig, aber auch sehr alkoholisch wirkend. Da muß man schon beim Trinken das Etikett anschauen, um Freude an so etwas zu empfinden – 84/100.
Der sonnige Herbst bescherte den Winzern im Sauternes ein gutes Süßweinjahr, das sich allerdings nicht mit 89 und 90 messen kann. D´Yquem war 1995 mit heller Farbe noch recht verschlossen. 2001 auf dem Weingipfel in Arosa präsentierte er sich deutlich offener und zugänglicher mit feiner, etwas kräuteriger Honignase, exotischen Früchten und guter Säure, ein guter, aber kein großer Yquem – 92/100. Zuletzt 2007 immer noch etwas verhalten zeigte er sich auch an diesem Abend mit rauchiger Nase, Honig und vielen Kräutern. In seiner verschlossenen Art derzeit fast etwas filigran mit schöner Länge – 93+/100.
Sehr uneinheitlich der Jahrgang bei den Weißen Burgundern, denen es generell etwas an Konzentration fehlte. Viele Weine sind längst hin, doch natürlich gibt es auch ein paar Ausnahmen. Schwierig 1993 ein Le Montrachet von Baron Thenard aus der Jeroboam mit Kraft am Gaumen, aber einer seltsamen Nase – 86/100. Völlig nichts sagend und enttäuschend 1995 zweimal ein Le Montrachet von Bruck. Ein Le Montrachet von Bouchard hatte 2008 eine etwas eindimensionale, dropsige Nase, Zitrusaromen, hohe Säure, wirkte insgesamt etwas alkoholisch und plump, wurde auch im Glas nicht besser. Der hätte in dieser Qualität auch aus einer unbedeutenderen Dorflage kommen können – 89/100. Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon hatte 1996 und 97 eine kräftige, reife Farbe, auch Gaumen und Nase mit deutlicher Reife, dabei sehr nachhaltig und langer Abgang - 91/100. Streng und abweisend wirkte dagegen 1996 trotz reifer Farbe ein Meursault Charmes vom gleichen Erzeuger, noch zu jung? – 83/100. Der Meursault Perrières hingegen war 1999 große Klasse – 93/100. Den korkähnlichen, oxidativen Ton vieler 90er Burgunder zeigte 1997 in Bargum schon der Clos des Mouches von Drouhin, der sehr enttäuschte – 83/100. Sehr kräftig, mineralisch, aber ausdruckslos 1995 ein Corton Charlemagne von Drouhin aus der Magnum – 87/100. Sehr fein und nachhaltig mit viel Kraft und Länge 1993 ein Chevalier Montrachet Demoiselles von Jadot – 91/100. Fantastisch Ende 2002 ein Chevalier Montrachet von Leflaive, Spitzenburgunder ohne Schwächen, immer noch jung, tolle Frucht, langer Abgang - 95/100, um Klassen besser als der Puligny Montrachet Les Pucelles des Gutes, dem ich weder 1993 noch 1998 irgendetwas abgewinnen konnte. Grandios und der größte Burgunder der Probe 1995 ein Batard Montrachet von Ramonet – 97/100. Vom gleichen Erzeuger mehrfach zwischen 1993 und 98 ein sehr zugänglicher, reifer Chassagne Montrachet Les Ruchottes – 90/100. Der Le Montrachet von Ramonet war 1992 auf einer großen Probe ein gewaltiges Teil mit riesigem Potential, ließ aber noch wenig raus.
Tanninreiche, konzentrierte Rotweine wurden 1988 in Burgund erzeugt, den Bordeaux nicht unähnlich. Da lohnt immer noch die Suche, den die besseren dieser Weine können hervorragend altern. Noch sehr jung, ganz am Anfang stehend und ziemlich unfertig wirkend 2006 ein Romanée St. Vivant von Leroy, die anfängliche, intensive Käsenote verflog rasch. Feine, pikante Frucht, viel Himbeere, etwas spitze Säure, sehr schlank, da sind sicher noch gut 10 Jahre Warten angesagt - 90+/100. Ein Clos St. Denis Vieilles Vignes von Ponsot war 2004 ein klassischer, großer Burgunder aus uralten Reben, erstaunlich reife Farbe mit deutlich wässrigem Braunrand, viel Kraft, feine Süße, in 10 Jahren kommt da noch mehr - 94/100.
Uneinheitlich war der Jahrgang an der Rhone, im Norden besser als im Süden. Große Weine hat Guigal in diesem Jahr erzeugt. Der Côte Rotie Brune et Blonde war 1993 schon sehr weit und reif, gehört sicher bald ausgetrunken – 88/100. La Mouline ist sicherlich einer der besten, wenn nicht gar der beste Wein dieses Jahrgangs. Im Schneckentempo hat sich dieser große Wein entwickelt, wirkt immer noch sehr jung und konzentriert und steht jetzt am Beginn einer sicher 20-30 Jahre währenden Trinkphase. Für einen La Mouline erstaunlich kräftig, aber mit der unnachahmlichen Nase, da sind alle Gewürze des Orients drin enthalten, so elegant, so finessig und so sexy - 100/100. Zuletzt im Sommer 2005 zweimal mit identischem Resultat getrunken. Ein Côte Rotie von Jamet. War 2007 kräftig, rustikal, etwas ruppig aber spannend, von der Aromatik her war ein blutiges Steak vom Holzkohlengrill, kräftige Säure, etwas kurz am Gaumen – 93/100. Gewaltiges Potential zeigte der damals noch unfertige Beaucastel schon 1993 aus der Doppelmagnum, wo er mit 89 und 90 gut mithielt. Seitdem gut 20mal getrunken mit steigender Begeisterung. Zuletzt 2005 war dann aus dem rustikalen Flegel plötzlich ein Charmeur geworden, weich und elegant am Gaumen, dezente Süße - 92/100.
Einige schöne, trockene Elsässer Weine habe ich in den 90ern getrunken, aber auch enttäuschende Weine, wie 1993 den Riesling Clos Häuserer und 1994 den Riesling Brand von Zind Humbrecht. Sehr feucht war es im Elsaß im Herbst 1988 gewesen, was die Ernte nicht leicht machte. Dafür gab es aber durch den sonnigsten November der jüngeren Geschichte bei geduldigen Winzern einige große Süßweine. Da habe ich noch Nachholbedarf.
Gewöhnungsbedürftig war 1997 auf einer Drawert-Probe ein Clos du Bourg Vouvray Moelleux von Huet, kräftiges Gelb, in der Nase Honigton, am Gaumen eher trocken, noch kräftige Säure – 84/100. Sehr langlebig kann der trockene Coulée de Serrant sein. 1996 auf einer Koppe-Gala notierte ich: feuchte Bergwiese, mineralisch, schöne Säure, dezente Süße, erstaunlich zugänglich - 92/100.
Wenig anfangen konnte ich 1998 in Paris im Lucas Carton mit einem Chateau Bouscassé Cuvée de Decembre von Montus-Erzeuger Alain Brumont. Rustikal, eckig und mit deutlichem Stinker – 83/100. Das kommt davon, wenn man in einem Luxustempel isst und dann angesichts der Preise auf der Karte nach den Sonderangeboten sucht. Da besser ganz bei Wasser bleiben, oder zwei Klassen tiefer essen und anständig dazu trinken.
Viele trockene, deutsche Spätlesen habe ich Anfang der 90er getrunken. Die waren damals durch die Bank sehr schön, aber heute dürfte da kaum noch etwas Brauchbares dabei sein. So verabschiedeten sich z.B. die trockenen Spät- und Auslesen von Maximin Grünhaus bis Mitte der 90er. Eine Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese halbtrocken hingegen war 1996 bei Jörg Müller noch erstaunlich frisch, die Restsüße durch Säure perfekt balanciert, schöne Frucht, mineralisch, stoffig – 90/100. Sehr gute Süßweine gab es und auch etliche Eisweine. Noch sehr jung, aber faszinierend 1994 der Oberhäuser Brücke Eiswein von Dönnhoff – 94/100. Ein Prachtstück 1998 eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese Lange Goldkapsel #15 aus der Magnum von Fritz Haag mit noch viel Zukunft – 92/100. Eine wunderschöne Spätlese mit viel Kraft, Spiel und Länge, die es locker mit hochkarätigen Auslesen aufnimmt, war 1996 und 2000 eine Wiltinger braune Kupp Riesling Spätlese #18 Versteigerungswein von Le Gallais – 93/100. Sehr schön und immer noch frisch mit guter Säure 1999 eine Trittenheimer Apotheke Riesling Auslese Goldkapsel von Grans-Fassian – 91/100. Ein traumhafter Nektar war der von Gerd Grans am gleichen Abend geöffnete Leiwener Klostergarten Riesling Eiswein mit intensiver, aber nicht klebriger Süße, feiner Säure und sehr langem Abgang – 96/100. Sehr spannend 2006 eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese Goldkapsel Versteigerungswein von JJ Prüm, ein sehr delikater, pikanter Trinkspaß. In der Nase der große Kräutergarten mit feinen Honigtönen, am Gaumen frisch, gute Säure, wenig Süße - 93/100. Noch einen deutlichen Tick drüber die Lange Goldkapsel, mit kräuteriger Nase, am Gaumen aber deutlich fülliger, cremiger, mit Kaffeenoten, sehr lang am Gaumen, reif, schmelzig, etwas rosinig - 96/100. Eine Zeltinger Sonnenuhr Auslese*** von Molitor hatte 2006 in der Nase einen nicht unangenehmen, deutlichen Stinker, reife Banane, wirkte am Gaumen sehr schlank, fein, finessig, mit wenig Süße und feiner Säure, deutlichem Schieferton und guter Länge - 92/100. Wie aus einer anderen Welt 2006 von Molitor eine Zeltinger Sonnenuhr TBA, in der Nase Kräuterhonig, sehr kräftige Säure, Finesse, so komplex, noch so jung mit irrem Alterungspotential, auch am Gaumen eine faszinierende, kräuterige Dichte, wie eine restsüße, weiße Lafleur-Essenz - 100/100. Mehrfach getrunken, zuletzt 1999 auf Sylt, Bernd Philippis Elysium, der durchaus gelungene Versuch, in der Pfalz einen Sauternes-ähnlichen Wein zu erzeugen, dürfte beachtliches Alterungspotential haben – 91/100. Eine Erbacher Marcobrunn Auslese von Schloß Schönborn wirkte 1997 schon recht alt und baute schnell ab. Sehr schön 2004 ein Leiwener Klostergarten Riesling Eiswein vom Weingut Werner, etwas enttäuschende, etwas hohl und leicht faulig wirkende Nase, dafür am Gaumen umso besser, Mandarine pur mit knackiger, reifer Säure, kaum spürbare Boytritis - 93/100.
Während viele der überzüchteten Super-Toskaner aus den 90ern schon in die Knie gehen, zeigt der Jahrgang 88 in Italien, insbesondere in der Toskana, eine ähnliche Charakteristik wie in Bordeaux. Sehr langlebige, klassische Weine, die viel Geduld erforderten. Dafür sind sie aber auch sehr langlebig. Feine Weine aus einer leider längst vergangenen Zeit. An Bruno di Rocca bin ich 1998 nicht gestorben, aber begeistert hat mich dieser rustikale Stoff nicht unbedingt – 85/100. Die Farbe des Vigna l´Apparita war 2007 noch sehr jung, doch in die von reifem Merlot dominierte, leicht animalische Nase mischten sich doch erste Reifetöne. Am Gaumen war er gefällig mit schöner Länge, aber auch mit präsenter, leicht bissiger Säure. Sicherlich leicht über den Höhepunkt hinaus, falls er den jemals hatte. Dürfte sich auf diesem Niveau noch eine Weile halten – 92/100. Ein Langstreckenläufer der Darmagi. Mitte der Neunziger mehrfach, davon einmal aus der Doppelmagnum, recht verschlossen, aber mit gewaltigem Potential. Zuletzt 1998 bei Jörg Müller ein kraftvoller Stoff mit dichter Farbe und viel dunkler Frucht, immer noch nicht auf dem Höhepunkt, Potential für 94/100. Mehrfach habe ich Masseto getrunken, einen kräftigen Merlot mit dichter Farbe und viel Depot, bei dem man immer überlegt, ob es das schon war, oder ob da noch ein Wunder geschieht. Zuletzt 2005 kräftige Farbe ohne Alter, schweißig und leichte Käsenote, am Gaumen Kraft ohne Ende, etwas Bitterschokolade, wirkt ungehobelt und rustikal – 90/100. Brauchte auch 2007 sehr lange, um sich zu entfalten, baute dann aber enorm im Glas aus, ein gewaltiger Wein mit viel Potential, völlig anders als die heutigen Massetos, klassischer, langlebiger – 93+/100.. Waren das noch Zeiten, als Ornellaia ein langlebiger, bezahlbarer Wein war. Für rund € 20 habe ich mich vor 15 Jahren reichlich mit dem 88er Ornellaia eingedeckt und zehre noch heute davon. Über 20mal in diesen 15 Jahren verkostet und immer mit 92-94/100 bewertet, zuletzt 2006. Der Wein ist zwar reif und präsentiert sich sehr elegant und schokoladig, zeigt aber keinerlei Schwächen. Immer noch ein guter Kauf. Ein gutes Dutzend mal habe ich seit 1994 Sammarco getrunken und konstant mit 91-92/100 bewertet. Erst seit 2002 gefällt mir der Wein nicht mehr so richtig. Er wird dumpfer, schwermütiger – 85/100. Wer aus guter Hand Sassicaia findet, der sollte unbedingt zuschlagen. Das ist der letzte wirklich gute, klassische Sassicaia und um Längen über dem peinlichen Durchschnitt, der heute zu hohen Kursen auf dem Gut erzeugt wird. Seit 1994 gut 20mal getrunken, wobei die ersten Flaschen weniger Freude machten. Gut 10 Jahre brauchte der Sassicaia, bis er sich öffnete. Danach stets mit 93-95/100 bewertet. Im Dezember 2006 im Villino voll auf dem Punkt mit würziger, schwarzer Johannisbeere, etwas Minze, Zedernholz, so aromatisch, komplex, perfekt balanciert mit toller Länge – 94/100. 2007 auf Sylt Immer noch so jung und kraftvoll mit perfekter Struktur, mit würziger, schwarzer Johannisbeere, etwas Minze, Zedernholz, sehr aromatisch mit guter Länge am Gaumen, sicher noch mit viel Zukunft – 94/100. Eigentlich noch fast zu jung 2007 in der Braui aus einer perfekten Magnum. Dichte, junge Farbe, rotbeerige Frucht, etwas medizinal, viel Jod, Stallnoten, herrliche Fülle, braucht viel Zeit und Luft und wurde von Schluck zu Schluck immer besser – 93+/100. Auf ähnlichem Niveau Solaia, Auch der brauchte gut 10 Jahre zur Reife. 1997 ein gewaltiger Wein mit massiven, reifen Tanninen, dichter Farbe, konzentrierter Frucht und kräuteriger Textur – 93/100. Ein Wein mit viel Zukunft. Zuletzt 2007 im Villino eher etwas zurückhaltend, distinguiert, mit einer ledrigen Nase und ganz zarter Minze, etwas Sauerkirsche, sehr fein, elegant mit immer noch deutlichem, intaktem Tanningerüst, viel Tiefgang – 94/100. Sehr gut gefiel mir 1995 auch der Campaccio von Terrabianca. Aus der halben Flasche machte der schon viel Spaß mit würziger Kirschfrucht und guter Struktur – 93/100. Aus der 1tel wirkte er noch sehr verschlossen. Die Suche wert ist sicher auch noch Tignanello, den ich nur einmal, 1994 aus der Magnum, getrunken habe. Auch dieser Wein besaß eine sehr gute Struktur, war sehr fleischig mit schöner Frucht und öffnete sich nur zögerlich. Besaß Potential für 93+/100. Enttäuscht war ich Mitte der 90er mehrfach von Maurizio Zanella Vino da Tavola Rosso, doch eine 2004 getrunkene Magnum zeigte das große Potential von Wein und Jahrgang. Sattes, brilliantes Rot, feine Zedernholwürze, intensive, finessige Beerenfrucht, eine wunderbare, feinduftige Mischung aus Margaux und Cheval Blanc - 94/100
Mit dem Jahrgang 88 entdeckte ich für mich die Österreichischen Weißweine, die es Anfang der Neunziger zu im heutigen Vergleich lachhaften Preisen bei Weinland Keiler(heute Mövenpick) gab. Da könnte gerade unter den großen Wachauern oder z.B. von Bründelmayer sicher noch die ein oder andere Überraschung bei sein. Bevor Sie sich bei Ebay oder auf einer Auktion an einen solchen Wein herantrauen, stellen Sie unbedingt sicher, dass er aus perfekter, sehr kühler Lagerung stammt. Dann kann sogar ein kleinerer Wein noch Spass machen, von denen ich in den 90ern sehr viele mit großem Vergnügen getrunken habe. Mein letzter F.X Pichler war 2004 ein Riesling Terrassen Smaragd, die letzte von 24 großartigen Flaschen, die dann aber deutlich zeigte, das dieser Wein seinen Zenit deutlich überschritten hatte. Vom Dürnsteiner Schütt Riesling Smaragd von Emmerich Knoll, damals für € 9(!) bei Weinland zu kaufen, habe ich 1998 meine letzte Flasche von grandiosen 24 Stück auf 93/100 Niveau getrunken. Trinkbar dürften in jedem Falle noch viele der Süßweine sein. Ein Müller-Thurgau Ausbruch von Feiler-Artinger war 1998 sehr kräftig und ausdrucksstark mit guter Säure – 90/100. Auch ein kräftiger Weissburgunder-Ausbruch dieses Winzers konnte 1996 auf Sylt voll überzeugen – 92/100.
Ein Vega Sicilia Valbuena 5° war 2002 sehr weit, reif, weich, karamellig und mit etwas schlabberiger Struktur – 87/100.
In Kalifornien war der Jahrgang eher schwierig, was aber einige Winzer nicht daran hinderte, sehr schöne und vor allem langlebige Weine zu machen. Kein großer Wein 2000 in der Sansibar der Dalla Valle Maya, leicht oxidativ, bissige Tannine, wenig Frucht – 88/100. Noch nicht ganz abschreiben würde ich Dominus. Der wirkte zwar 2005 auf der großen Dominus-Probe etwas flach, massive Tannine, zuwenig Frucht, etwas Bitterschokolade, Ledertöne, Tabak, für den in Kalifornien relativ schlechten Jahrgang(auch vom Dominus wurde die Hälfte der Ernte deklassiert) noch gut gelungen, da könnte durchaus wie bei viel Medocs noch etwas kommen - 88/100. 2007 war daraus ein verdammt aromatischer, fülliger Wein geworden, der mit seiner pflaumigen Frucht, der Bitterschokolade und dem alten Sattelleder gut ins Bordelais gepasst hätte – 93/100. Schwierig der Rubicon. 1998 dichte Farbe, leicht schwitzig-animalische Nase, die mit der Zeit intensiver wurde, am Gaumen ungenerös, kräftige Säure, pfeffrig, Tannine eher bissig und etwas grün – 83/100. 2003 etwas offner, aber immer noch rustikal mit wenig Frucht – 88/100. Grosse Klasse 2006 ein Pahlmeyer Caldwell Cabernet mit animalisch-ledriger Nase und immer noch gutem Tanningerüst – 94/100. Der erdig-mineralische, balancierte Bacchus von Phelps ging 2002 als gut gereifter Bordeaux durch – 92/100.
Einer der letzten, klassischen Jahrgänge in Chile. 2008 trank ich einen 1988 Vina Carmen Cabernet Sauvignon Gran Reserva, der noch die klassische Handschrift dieses Gutes trug. Ein faszinierender, großartiger Wein, eine Art Grand Puy Lacoste aus Chile. Reif, aber sehr kraftvoll, Minze, Zedernholz, feine Johannisbeere und ätherische Noten, sehr lang am Gaumen. Und das alles mit bescheidenen 12% Alkohol, ein Wein, der nachdenklich macht – 92/100.
Der Penfolds Grange war 1995 eine dicke, süße, unwiderstehliche Granate Granate, von der wir innerhalb weniger Monate für relativ wenig Geld im Restaurant Schorn eine ganze 6er OHK leer machten. 1998 zeigte er sich etwas gereifter und nicht mehr so opulent süß, stand 1999 in der Grange Probe dem großen 89er kaum nach. Konstant mit 95/100 bewertet. Zuletzt 2007 auf dem Weg zum Klassiker, Frucht, Kraft, viel Substanz, aber er war gleichzeitig so balanciert. Ein großer Klassiker mit dem Besten aus der alten und der Neuen Welt. Würde der nördlichen Rhone sicher keine Schande machen – 96/100.
Generell war 1988 ein großer Champagner-Jahrgang. Da wurden einige, ganz hervorragende Jahrgangschampagner mit kräftiger Struktur, guter Säure und sehr gutem Alterungsvermögen erzeugt. Ganz brauchbar 1994 auf einer Drawert-Probe ein Binet Blanc de Blancs – 87/100. Großartig Dom Perignon, der ein gewaltiges Alterungspotential hat. Der wirkte schon 1996 in Rom bei Heinz Becks 30. Geburtstag bei aller Kraft sehr zugänglich mit weicher, cremiger Textur – 94/100. 2003 auf einer Probe geröstete Haselnüsse, weich, reif, cremig, einfach wunderbar - 94/100. Zuletzt im Sommer 2006 eigentlich noch viel zu jung. Ein großer Champagner mit toller Struktur, der erst in 5 Jahren und danach richtig zeigt, was in ihm steckt - 93+/100. Ein Pol Roger Cuvée Winston Churchill schmeckte 2006 auf der Stromburg so, als ob er noch aus Beständen des damaligen britischen Premiers stammen würde, einfach nur alt, gezehrt und völlig ohne Charme. Sicher eine schlecht gelagerte Charge, denn so ein Champagner müsste deutlich mehr als die maximal 79/100 bringen, die wir dort im Glas hatten. Jacques Selosse war 2001 auf Sylt ein wunderbar reifer, cremiger Champagner mit gutem, dickperligem Mousseux – 90/100.
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1987 | 1989
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