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1989

Ein großes Weinjahr war 1989. Eigentlich wurden überall in Frankreich hervorragende Weine geerntet. Dazu war die Kellertechnik schon weit fortgeschritten, die unseligen Mostkonzentratoren, die heute jeder hat, über die aber keiner spricht, gab es noch nicht. In Bordeaux entstand ein großartiger Jahrgang. Frucht ohne Ende, durch den hohen Zuckergehalt der Trauben nicht gerade niedriger Alkohol, aber trotzdem Weine, die durch gute Säurestruktur und ein massives Tanningerüst ein gutes Gleichgewicht aufweisen und für längere Lagerung geeignet sind. Dadurch unterscheiden sie sich gravierend von den offeneren, fetteren 90ern. Letztere müssen deutlich rascher konsumiert werden. Die besten Weine aus 1989 haben noch locker 20-30 Jahre vor sich. Dafür haben sich aber auch etliche Weine nach klassischem Bordelaiser Muster nach einer längeren, heftigen Fruchtphase wieder verschlossen. Sollten Sie noch preislich akzeptable Bordeaux finden, so gilt im Restaurant: trinken! Und im Laden oder auf Auktionen: kaufen!

Zur überzeugenden Fassprobe des Cos d´Estournel bekam ich 1990 auf dem Chateau den 85er gestellt, weil sich beide so ähnlich seien. Lange ging dieser Wein danach durch eine schwierige Phase, entwickelt sich aber seit ein paar Jahren wieder sehr schön. 2006 auf der großen Cos-Probe wirkte er aus der Jeroboam noch etwas schwierig. Zuletzt 2007 in Linz dichte Farbe, sehr animalische Nase, viel Kraft und massive, aber reife Tannine, wirkt derzeit noch etwas verschlossen, dürfte aber bald wieder kommen. Ein gewaltiger Wein, der dem 90er in 10 Jahren die Rücklichter zeigen wird – 94/100. Unbedingte Kaufempfehlung. Der schon sehr häufig getrunkene Montrose war lange ein massiver, rustikaler, animalischer Kraftbolzen mit irrer Länge am Gaumen, aber auch der klassischen Ungenerösität junger Montrose. Inzwischen öffnet er sich zunehmend. Zuletzt im Herbst 2007 in Linz dichte konzentrierte Farbe, lakritzig-animalische Nase, auch am Gaumen ein Muskelpaket mit viel Potential, aber auch erster, dezenter Schmelz und insgesamt für Montrose doch erstaunlich harmonisch und balanciert – 93/100. Noch besser als aus der 1tel gefiel mir der Montrose aus der Magnum(94/100) und der Doppelmagnum(95/100), die beide zu den Mahlzeiten geöffnet wurden. Phelan Segur zeigte sich zuletzt 2007 von seiner besten Seite, so feinduftig, elegant und voll reif mit schöner, rotbeeriger Frucht, mit Zedernholz und so einer fantastischen, schwerelosen Eleganz und Länge. Sicher kein großer Wein, aber jetzt in einer unwiderstehlichen Phase - 92/100

Bereits sehr schön zu trinken 1995 auf einem Lufthansa-Flug in die USA ein Batailley – 90/100. Gut gelungen auch der balancierte Duhart Milon, sechsmal getrunken, zuletzt 2006, konstant 90/100. Einer meiner Lieblingsweine Grand Puy Lacoste. 2005 dichte Farbe, intensive rotbeerige Frucht, kleidet wunderbar den Gaumen aus, da lohnt nachkaufen - 94/100. Zuletzt mehrfach 2008 ein sehr feiner, eleganter Wein mit dichter Farbe, intensiver rotbeeriger Frucht, kleidet wunderbar den Gaumen aus - 94/100. Immer noch ein absoluter Geheimtipp für kluge Bordeaux-Käufer. Lafite Rothschild war lange verschlossen. Zuletzt 2007 zeigte er bei aller Kraft und immer noch mächtigen Tanninen sehr viel Eleganz, Zedernholz, kräuterige Noten, etwas Minze. Ein klassischer Lafite, der in gut gelagerten Flaschen erst in 5-10 Jahren zur Hochform auflaufen wird - 94+/100. Latour hat mir sowohl 1990 auf dem Chateau aals Fassprobe als auch 1996 in seiner Fruchtphase sehr gut gefallen. Da waren locker 95/100 drin. Seitdem hat er sich deutlich verschlossen und wirkt sehr sperrig. Sehr gut gefiel mir 1990 auf dem Chateau als Fassprobe auch der Les Forts de Latour, der fast auf dem Niveau des Erstweines lag. Ist mit seitdem leider nicht mehr begegnet. Prächtig hat sich Lynch Bages entwickelt, von dem ich sicher schon mehr als zwei Kisten vernichtet habe. Bis auf zwei seltsame Großflaschen 2001, eine Jeroboam und eine Imperiale, in denen der Lynch Bages seltsam diffus und überreif wirkte, waren alle Flaschen auf hohem Niveau, konstant seit ein paar Jahren mit 95/100 bewertet. Zuletzt mehrfach 2008 ein gewaltiges, komplexes Konzentrat, gemacht für die nächsten 20-30 Jahre. Sehr umstritten ist Mouton Rothschild. Sicher schöpft dieser Wein nicht die Qualität des Jahrgangs voll aus. Ich habe ihn über die letzten 12 Jahre gut 20mal trinken dürfen. Ein eher etwas schlank geratener Wein mit feiner Röstaromatik, bei dem in meinen Notizen häufig die Worte „Schmeichler“ und „Blender“ vorkamen. Bis auf eine sehr überzeugende, fleischige Jeroboam 2001 in Arosa auf dem Weingipfel und eine erstaunlich junge, bissige Magnum 2004 auf der Stromburg war das immer ein recht zugänglicher, leckerer Wein, bei dem meine Bewertungen immer zwischen 91 und 93/100 schwankten, mehrfach 2007 und 2008. Im Schneckentempo nähet sich der schon häufig getrunkene Pichon Baron der Genussphase. Zuletzt 2007 dicht, jung, kräftig mit schöner, Frucht und perfekter Struktur, im Gegensatz zum fast exotisch-üppigen 90er ein geradliniger, klassischer Pauillac mit großer Zukunft - 94+/100. Da machte die deutlich offenere, schokoladige, füllige Pichon Comtesse nicht nur im direkten Vergleich derzeit deutlich mehr her. Einfach derzeit noch der zugänglichere, hedonistischere Wein. Mehrere dutzend mal getrunken, ziemlich konstant, mehrfach zuletzt in 2007 mit 95/100. Pontet Canet war zuletzt 2007 wieder Pauillac in Reinkultur. Erdig und ledrig mit Zedernholz und auch mit etwas schwarzem Pfeffer die Nase, mit dunkler Frucht und einem Hauch Bitterschokolade, am Gaumen perfekt strukturiert mit immer noch sehr präsenten Tanninen. Öffnete sich zunehmend und präsentierte sich als großer Wein mit noch enormem Potential, 93/100, wobei bei diesem Langstreckenläufer über die nächsten 2 Jahrzehnte noch mal gut ein Punkt dazu kommen kann. Immer noch eine unbedingte Kaufempfehlung.

Enttäuscht war ich mehrfach von Beychevelle, etwas staubige, rustikale Tannine, Zedernholztöne, wenig Frucht. Erst die letzte Flasche 2004 ließ etwas mehr raus und kletterte auf 89/100. Als großer, kleiner Leoville las Cases entpuppte sich der Clos du Marquis schon 1990 auf dem Chateau aus dem Faß. Meine letzte von 24 Flaschen habe ich 2000 wie stets zuvor mit 90/100 geleert. Ducru Beaucaillou hatte 2006 in der großen Ducru-Probe eine sehr dichte Farbe, wirkte verschlossen, aber auch etwas dumpf – 88/100. In guten Flaschen könnte das durchaus ein Wein mit großem Potential sein, doch gibt es leider viele Flaschen mit dem typischen Fehlton. Mehrfach habe ich in den Neunzigern aus unterschiedlichen Formaten den ziemlich schwachen Gruaud Larose getrunken, doch mehr als 87/100 hatte ich da nie im Glas. Leoville las Cases hat mich schon als Fassprobe 1990 auf dem Chateau begeistert. Während seiner Fruchtphase bis in die zweite Hälfte der Neunziger habe ich ihn mehrfach mit 95/100 bewertet. Danach verschloss er sich deutlich. Während meine eigenen, kühl gelagerten Flaschen auch beim letzten Versuch 2007 immer noch nicht so weit waren, konnte ich 2007 sowohl in der Braui als auch auf einer Düsseldorfer Probe den Leoville las Cases wieder auf dem damaligen Niveau trinken, ein sehr feiner, fast puristischer Wein – 95/100. Zuletzt 2008 ein großer, klassischer Leoville las Cases mit Lagerpotential für sicher noch 20 Jahre – 95/100. Als wunderbar weicher, voll trinkreifer St. Julien mit intensiver, rotbeeriger Frucht zeigte sich zwischen 2000 und 2002 mehrfach Leoville Poyferré – 92/100. Schon häufig getrunken habe ich den zugänglichen, gut gelungenen Talbot. 2007 auf Sylt ein eleganter Wein mit feiner, rotbeeriger Frucht, Leder, dezenter Süße und guter Länge am Gaumen - 92/100. Zuletzt 2008 in der Talbot Vertikale Sehr fein, fast filigran, wunderbare Nase mit rotbeeriger Frucht, Feige und Leder, sehr elegant am Gaumen mit dezenter Süße, ein herrlicher Schmeichler – 91/100.

Sehr gut gelungen und noch lange nicht am Ende Chasse Spleen, den ich seit Mitte der 90er gut 20mal aus unterschiedlichen Formaten mit 90-92/100 getrunken habe. Sicher noch eine Suche wert.

Deutlich zugelegt hat Cantemerle über die Jahre. Aus dem sehr gefälligen Schmeichler, von dem ich ein gutes Dutzend auf 91/100-Niveau getrunken habe, ist ein sehr nachhaltiger, überzeugender Bordeaux mit immer noch dichter Farbe und einem gelungenen Spagat aus Kraft und Eleganz geworden. Zuletzt 2007 bei Jörg Müller 93/100. Mit Margaux habe ich bis auf eine herrliche Jeroboam 2001 auf dem Weingipfel in Arosa eigentlich nur Enttäuschungen erlebt. Erst 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe zeigte dieser Langstreckenläufer erstmals, was er potentiell drauf hat, schält sich jetzt so langsam aus seinem massiven Tanningerüst heraus und zeigt verschwenderische Frucht, Fülle und eine schöne Süße, alles mit der Margaux-typischen Eleganz. Ein großer Wein, den ich lange unterschätzt habe, und der erst am Anfang einer sehr langen Entwicklung steht - 95+/100. Sehr fein auch Monbrison, der mich schon 1990 auf dem Chateau als Fassprobe beeindruckte. Ein häufig getrunkener, eher etwas schlanker, aber recht aromatischer Wein mit schönem Minzton, ziemlich konstant, zuletzt 2007, mit 90/100. Was war Palmer in seiner Fruchtphase bis Mitte der Neunziger doch ein toller Wein, der stark an den 83er in der ähnlichen Phase erinnerte. Doch seitdem habe ich mir an diesem Wein mehrfach im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne ausgebissen, Zuletzt 2007 in der Braui und im Pfefferschiff. Ein total verschlossener, bissiger Stoff mit astringierenden, trockenen Tanninen. Machte überhaupt keinen Spaß und wirkt im Abgang leicht seifig. Die relativ helle Farbe darf nicht darüber wegtäuschen, ist in gut gelagerten Flaschen noch 10 Jahre von der Trinkreife weg. Wer ihn jetzt aufmacht, bekommt für viel Geld eine enttäuschende Tanninmischung ins Glas, die kaum 85/100 wert ist. Und dann noch mal 2008 eine ähnlich verschlossene, enttäuschende Flasche. Sicherlich noch trinkbar dürfte der nette, gefällige, nicht sonderlich konzentrierte
Pavillon Rouge sein, von dem ich meine 12 Flaschen und 24 Halben bis Ende der Neunziger auf konstant 86-87/100 Niveau ausgetrunken habe.

Sehr gut gelungen in 89 der Bahans Haut Brion, ein sehr zugänglicher, schmeichelnder Haut Brion für Schlaue, konstant, zuletzt 2003 mit 92/100 bewertet. Sehr angetan war ich 2007 bei Jörg Müller von
Domaine de Chevalier. Ein sehr tiefgründiger Wein, eine perfekte Mischung aus Eleganz, aromatischer Dichte und unglaublicher Länge, feine rotbeerige Frucht, Maulbeeren, auch Teer und Tabak, cremige Textur - 94/100. Sicher noch trinkbar müsste auch Fieuzal sein, kein großer, aber ein solider Wein, der an die Klasse des Weißen nicht heran kommt, zuletzt 1997 mit 87/100 bewertet. Ein unbedingter Kauftipp der gut gelungene, konstant mit 93/100 bewertete Haut Bailly. Zu den modernen Weinlegenden unserer Zeit gehört der sicher über 20mal getrunkene Haut Brion. Nach einer kleinen Verschnaufpause um den Jahrtausendwechsel, in der sich dieser immer noch jugendliche Wein etwas verschlossen zeigte, sind da jetzt wieder ohne Wenn und Aber 100/100 im Glas, zuletzt 2007 in der Braui. Inzwischen fast unbezahlbar, aber trotzdem jeden Cent wert. Auf gleichem Niveau der ähnlich oft getrunkene La Mission Haut Brion. Auch das ein klarer 100/100 Tropfen, der sich mit den größten La Missions des letzten Jahrhunderts messen kann. Einen Abend lang habe ich 2006 mit meinem Freund Gregor La Mission und Haut Brion miteinander verglichen. Da mag La Mission der etwas feinere, finessigere sein. Aber das ist wie mit dem Vergleich der 61er beider Weine reine Geschmackssache. Zuletzt durfte ich diesen faszinierenden Vergleich 2008 genießen und den La Mission noch einmal solo. Beides einfach Jahrhundertweine. Pape Clement kenne ich leider nur als untypisch üppige Fassrobe 1990 auf dem Chateau.

Ein großer Wein mit Langstreckenpotential ist Angelus. Seit 1995 gut 12mal getrunken, zuletzt 2007 und konstant mit 95-96/100 bewertet, einmal, 2000 in einem großen 89/90 Vergleich sogar nahe der Perfektion. Dürfte in 5-10 Jahren noch für manch große Überraschung gut sein und ist immer noch ein absoluter Kauftipp. Nie sonderlich vom Hocker gerissen hat mich der etwas hohle, rustikale und von staubigen Tanninen geprägte Ausone, zuletzt 2001 aus der Magnum 88/000. Könnte aber durchaus in einigen Jahren in der Reife noch etwas zulegen. Bei Belair glaube ich das eher weniger, der hatte zuletzt 2004 bereits eine hellere Farbe mit ersten Reifetönen, aber immer noch den herben Charme der Anfangszeit – 89/100. Eher enttäuscht war ich bisher stets von Cheval Blanc, der meist wie zuletzt 2007 eine sehr kräuterige Nase hatte, auch mit floralen und etwas grünen Tönen. Zeichen eines nicht perfekt ausgereiften Cabernet Franc. Am Gaumen recht kräftig mit viel Tannin und wenig Eleganz. In allen 12 Begegnungen der letzten Jahre stets auf 89-90/100 Niveau. Feine Schmeichler ohne viel Tiefgang waren mit stets 85-86/100 die 24 halben Flaschen Clos des Jacobins, die ich bis 1997 getrunken habe. Nur einmal, 2001 aus der DM, habe ich Figeac getrunken. Damals noch sehr unnahbar. Sicher aber ein Wein mit Langstreckenpotential, der noch für größere Überraschungen gut sein könnte. Nie richtig anfreunden konnte ich mich mit Pavie. Zuletzt 2007 bei Jörg Müller Verhaltene Nase, am Gaumen Kirsche, viel Kraft und immer noch deutliches Tanningerüst - 89/100. Warten mag etwas helfen. Ausnehmend gut gefiel mir 2000 in einer großen 89/90 Vergleichsprobe der sehr reif und portig-füllig wirkende Tertre Roteboeuf – 95/100. Schon fast etwas überreif wirkte in dieser Probe der ebenfalls sehr überzeugende Troplong Mondot – 94/100.

Bon Pasteur hatte 2006 auf René Gabriels Petrusprobe aus der Imperiale ein pflaumiges Bouquet mit überreifen Aromen, bereits leichte Oxidationstöne, Süße, wirkte am Gaumen etwas ausgetrocknet, habe ich Ende der 90er schon mehrfach deutlich besser getrunken, wirkte wie ein Wein auf dem langsamen Abstieg - 90/100. Certan de May hatte 1997 eine sehr kräftige Farbe und gute Struktur, schöne Nase und Beginn einer wunderschönen Süße am Gaumen, sicher 92/100 wert. Gut 20mal habe ich in den letzten Jahren Clinet getrunken. 4 Flaschen waren weitgehend daneben, 3 auf 100/100 Niveau, die übrigen, wie auch die letzten drei in 2007 auf 96-97/100 Niveau, auf dem er sich noch einige Jahre halten dürfte. Ein kräftiger, schokoladiger Merlot war 1997 Clos René – 88/100. Sehr unterschiedlich habe ich Conseillante erlebt, die erste Flasche 1992 dichter, üppiger, fantastischer Stoff – 97/100. 1994 eine total verschlossene Magnum. 1995 in Las Vegas erstaunlich helle Farbe, sehr weit, süß, würziges Holz, schiere Wollust – 98/100. Ein Jahr später ebenda wieder mit dieser irritierenden, hellen Farbe und deutlich weniger üppig – 94/100. So ging es weiter auf und ab. Zuletzt 2006 eine enttäuschende Flasche mit angezogener Handbremse und dann 2007 dichte Farbe, kein Vergleich zum hellen 90er, erst leicht animalisch in der Nase, dann immer mehr reife, schwarze Johannisbeere, Schokolade, aber auch Lakritze, wird zimtig, Kardamon, entwickelt schöne Süße, dabei so kräftig und lang, riesengroß mit toller Struktur, bleibt ewig am Gaumen, ein "junger 47er" - 97/100. Ein üppig-leckerer, schokoladiger Spaßcocktail war in den 90ern mehrfach Croix du Casse, stets 90-91/100. Ein Langstreckenläufer mit gewaltigem Potential ist l´Eglise Clinet. Gut 12mal habe ich diesen, zu Anfang unnahbaren Brocken aus allen Formaten bis zur Imperiale getrunken. Zuletzt 2007 immer noch ein massiver Brocken mit Bitterschokolade ohne Ende, mit reifer Kirschfrucht, etwas portigen Noten und einem endlosen Abgang. Immer noch ganz am Anfang. Immerhin hatte ich jetzt schon 94/100 im Glas. Ich bin sicher, innerhalb des nächsten Jahrzehnts kommen da noch mindestens 2-3 dazu. Deutlich misslungen erscheint mir dagegen l´Evangile. Zuletzt 2007 war das wieder so ein dünnes, medizinales Zeugs mit wenig Frucht, mit den grünen Tönen unreifer Tannine im Abgang - 86/100. Keine Zukunft, kann nur noch schlechter werden. Von Anfang an sehr viel Spaß machte der seit 1991 ein Dutzend mal getrunkene Fleur de Gay. Zuletzt 2005 wirkte er zu Anfang üppig und lecker, ein Wein, der spontan anmachte. Doch da fehlt die Konzentration, mit der Zeit kamen Sellerietöne, ein Blender, der rasch getrunken gehört - 92/100. Kurz danach eine Flasche bei Jörg Müller auf Sylt. Dumpfe, portige Aromen, Rumtopf, natürlich noch trinkbar, aber der Lack ist ab – 84/100. Da ist wohl Vorsicht angesagt. Zeit braucht wohl La Fleur Petrus. Zuletzt 2007 war da zunächst eine verhaltene, leicht muffige und schweißige Nase, auch am Gaumen sehr verhalten, fast dürr und eher flach wirkend. Mit der Zeit wurde aber nicht nur das Nasenbild besser, etwas mehr Frucht kam zum Vorschein, aber auch Bitterschokolade mit 80% Kakao. Auch am Gaumen legte der La Fleur Petrus deutlich zu, allerdings nach wie vor mit strammen, etwas staubigen Tanninen. War es das schon mit dieser 89/100 Vorstellung? Ich wage die Wette, dass sich dieser Wein über die nächsten 10 Jahre weiter entwickeln wird. Wenn dann die Tannine abgeschmolzen sind, könnte sich da noch einmal eine große Überraschung anbahnen. Ein Riesenwein mit gewaltigem Potential der seit 1998 gut 10mal getrunkene Le Gay, in seiner kräuterigen Art ein Lafleur für Schlaue, Konstant steigende Bewertungen, zuletzt 2007 dreimal 95/100. Zu Unrecht im Schatten des 90ers steht auch Gazin. Ein vollreifer, druckvoller, schokoladiger Merlot, schon sehr häufig getrunken, in den letzten Jahren konstant mit 94/100 bewertet und gerade erst wieder nachgekauft! Zuletzt 2008 ein saftiger, fleischiger, schokoladiger Vollblutmerlot mit toller Struktur, voll da, aber mit Potential für locker noch mal 15+ Jahre – 95/100. Nur einmal, 2000, habe ich bisher den sehr verschlossenen Lafleur getrunken, der in einer großen 89+90 Vergleichsprobe gegen die Topweine keinen Stich bekam. Da sind wohl bis zur Hochform noch einige Jahre Warten angesagt. Voll auf dem Punkt, aber etwas simpel 2002 der Petit Village – 87/100. An die aberwitzigen Preise des extrem hoch bewerteten und gesuchten Petrus mag ich gar nicht denken. Ich hatte diesen Wein seit 1993 5mal im Glas, darunter einmal 2001 aus einer Doppelmagnum, die wie alle anderen Flaschen zu jung war. Zuletzt 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe total verschlossene Nase, am Gaumen zu, man spürt viel Kraft und bissiges Tannin. Da ist nur Potential, kein Genuss, mehr als 85/100 Trinkgenuss sind da derzeit leider nicht im Glas. So ganz verstehen konnte ich den Hype um Le Pin nie. Den 89er hatte ich das erste Mal 1992 auf einer großen Le Pin Probe aus der Magnum im Glas. Damals eher verhalten – 91/100. Drei Jahre später noch mal in Bargum, dichte Farbe, viel Kraft, würzig, getoastetes Holz, erst am Anfang seiner Entwicklung, derzeit nicht mehr als 93/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe burgundisch-elegant, aber auch simpel-süß. Ein völlig überteuerter Blender, 92/100 mit deutlicher Tendenz nach unten. Und dann die Überraschung 2007 in der Braui. Der hatte nicht nur die berühmt-berüchtigte, perfekte 100-Punkte-Pomerol-Nase, auch am Gaumen konnte er überzeugen und wies einen erstaunlichen Körper mit immer noch kräftigen Tanninen und guter Säurestruktur auf. Sollte das der erste Le Pin sein, der altern kann? - 96/100. Langstreckenpotential dürfte Trotanoy besitzen. In den 90ern habe ich diesen Wein mehrfach aus ziemlich verschlossenen Großflaschen trinken dürfen. Zuletzt 2005 bei Jörg Müller auf Sylt aus der 1tel, sehr verhaltene Nase, am Gaumen sehr kräftig, Bitterschokolade mit 80% Kakao, pflaumig, erdig und lang, im Abgang leichte Bitternoten, sicher noch Zukunft - 92/100. Sehr unterschiedlich meine Notizen zu Vieux Chateau Certan. 2001 bei Jörg Müller ein wunderbarer Pomerol, voll auf dem Punkt mit ersten Reifetönen in der Farbe aber sicher genügend Tanninstruktur für 10+ Jahre Genuss – 93/100. 2005 auf der großen Vieux-Probe sehr viel Tannin und zuwenig Frucht. Trinkt sich nicht schlecht, aber mehr als 88/100 sind da beim besten Willen nicht drin. Nur zwei Wochen später auf René Gabriels Petrus-Probe aus der Impi deutlich frischer und fruchtiger, ein sehr leckerer, unkomplizierter, reifer Spaßwein mit toller Süße - 92/100. Sehr schön trank sich 2000-2002
Clos du Vieux Plateau Certan, dichte, dunkle Farbe, viel Kraft, Schmelz und Bitterschokolade – 92/100. An der letzten Flasche 2007 nagte schon der Zahn der Zeit – 89/100.

Ein kleiner, netter Wein Mazeris aus Canon Fronsac, von dem ich in der ersten Hälfte der Neunziger eine Kiste auf 84-85/100 Niveau geleert habe. Sehr gut gefiel mir auch
Roc de Cambes, von dem ich zwischen 1992 und 2000 24 für unter €9(!!!!) gekaufte Flaschen mit großem Vergnügen stets mit 89-91/100 im Glas geleert habe.


Durch die Bank wurden 1989 in Bordeaux auch sehr gute und vor allem lagerfähige trockene Weißweine erzeugt. Gut zu trinken auf 85/100 Niveau in der ersten Hälfte der Neunziger der feine, leichte Alpha, von dem man heute nichts mehr viel hört. Sehr gut gefiel mir 2002 der sehr langlebige
Domaine de Chevalier – 92/100. Eher merkwürdig 2007 eine weitere Flasche, sehr gewöhnungsbedürftig, wirkte mal alt und dann oxidativ, im nächsten Augenblick wieder jung und vanillig, so ging das hin und her, nur richtige Freude kam keine auf – 87/100. Grandios in der zweiten Hälfte der Neunziger meine 12 Flaschen Fieuzal. Die sind jetzt weg, und der Wein sicher auch deutlich über den Höhepunkt hinaus. Viel Zeit brauchte dagegen der mehrfach getrunkene Haut Brion Blanc. Zuletzt 2006 war er groß, feine Säure, dezente Süße, baut unheimlich im Glas aus und wirkt immer noch sehr jung - 95/100. Recht verschlossen, kräftig, kräuterig und vom Holz dominiert präsentierte sich Laville Haut Brion 1998 und 2000. Da kamen kaum mehr als 90/100 ins Glas. Sicher aber ein Wein mit Potential und langer Zukunft. Sehr gerne und auch häufig habe ich in den Neunzigern Pavillon Blanc getrunken. Doch der hat seine besten Zeiten hinter sich. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe viel Gummi in der Nase, ein nicht unattraktiver Wein, der am Gaumen aber etwas plump und füllig wirkte mit deutlich hervortretendem Alkohol - 87/100. Sicherlich hinüber ist inzwischen Smith Haut Lafite. Das war schon 1995 auf Sylt ein kleiner Wein, der viel Holz und sonst von allem wenig hatte.


Sehr guter Jahrgang auch für Sauternes. Langlebige Weine, von denen die besten aber auch noch eine Weile brauchen. Schöne Frucht und Säure, üppig ohne klebrig zu sein 1997 auf dem Weinwisser-Fest Doisy Vedrines - 92/100. Im gleichen Jahr in Atlanta ein sehr überzeugender Rieussec – 94/100. Den sehr hoch bewerteten d´Yquem habe ich bisher nur einmal getrunken, 1996. Da hatte er zwar Kraft und Länge sowie reichlich exotische Frucht, war aber insgesamt etwas verschlossen – 93/100.



Weiche, reife Rotweine in Burgund, allerdings nicht mit dem Standvermögen der großen Bordeaux.
Gefällig 1997 ein Nuits St. Georges Aux Boudots von Jean Jacques Confuron – 87/100. Echézéaux von DRC hatte 2006 aus der Magnum eine fragile Nase elegante Nase mit Himbeer- und Erdbeertönen. Am Gaumen war da noch viel Kraft und eine gute Statur. Der Wein baute im Glas sehr schön aus und wurde mit jedem Schluck besser und generöser. Mit der Zeit entwickelte sich eine feine Süße. Da ist noch keine Eile geboten - 91/100. Grand Echézéaux von DRC hatte 2005 eine faszinierende Aromatik, reife Erdbeere, kräftige Säure, auch gewisse Rustikalität, sehr kräftig, baute ganz toll im Glas aus und entwickelte feine Süße 94/100. Gefällig, aber ohne viel Tiefgang Clos des Mouches von Drouhin, seit 95 10mal aus der Halben getrunken auf 88-89/100 Niveau. Sehr weit und reif mit heller Farbe und feiner Süße war 1997 schon ein Chambertin von Armand Rousseau – 91/100.


Insgesamt ein gutes Jahr für Weiße Burgunder, aber in Burgund gibt es ja bekanntlich keine guten Jahrgänge, sondern nur gute Erzeuger. So fällt denn auch der Gesamteindruck wieder recht uneinheitlich aus.
Jung, kräftig und vanillig 1995 der Le Montrachet von Thénard – 93/100. Eher enttäuschend mehrfach 1993 ein Batard-Montrachet von Blain-Gagnard – 87/100. Ein Corton Charlemagne von Bonneau du Matray hatte 2006 eine sehr helle Farbe, wenig Körper, eher elegant und feinduftig, schöner Abgang 89/100. Meursault-Perrières von Comte Lafon war 2005 würzig-rustikal, kräftiger Holzeinsatz, füllig, sehr lang, kaum Alter - 95/100. Perfekt gereift war 2001 der seit 97 8mal getrunkene Clos des Mouches von Drouhin, konstant mit 92-94/100 bewertet. Aus der Halben baute er 2000 schon etwas ab. Mehrfach bis Ende der Neunziger auf 90/100 Niveau ein Meursault Perrières von Jadot, der aber zuletzt 1999 schon deutliche Reife zeigte. Ähnlich im selben Zeitraum mehrfach der Puligny Montrachet. Mehr Potential und Kraft zeigte von Jadot 2001 der Le Montrachet – 93/100. Hochklassig 1997 ein Chevalier Montrachet von Leflaive – 96/100. Dürfte sicher immer noch gut sein, denn ein Puligny Montrachet Les Pucelles von Leflaive war 2007 immer noch taufrisch – 92/100. Weniger überzeugend 1997 ein Batard Montrachet von Olivier Leflaive – 87/100. Leider nur zweimal, 1992, habe ich Le Montrachet von Ramonet getrunken. Das war jeweils ein gewaltiger Wein mit Potential nahe an der Perfektion, aber noch 10 Jahre vom Höhepunkt weg. Chablis 1er Cru Montée la Tonnerre von Ravenneau war 2007 ein großer, kompletter, immer noch frischer Chablis mit perfekt eingebundener Säure. In der Nase florale Aromen, frisch gemähte Wiese, Geranien, entwickelt sich in der ersten Stunde perfekt im Glas und gewinnt an Gewicht und Struktur, erst danach baut er wieder etwas ab, gehört in den nächsten Jahren getrunken - 95/100. Kurz, spritig und unnahbar wirkte 1994 am Arlberg ein Corton Charlemagne von Voarick.


Sehr guter Jahrgang auch an der Rhone mit langlebigen Weinen.
Traumhaft schön und voll trinkbar die Weine von Guigal. Selbst der oft so rustikal-sperrige La Landonne war 1997(97/100) und zuletzt 2004 ein hedonistisches Feuerwerk – 98/100. Mehrfach getrunken mit konstanten Bewertungen habe ich La Mouline, zuletzt 2007 die komplette Würze des Orients und eine unglaublich druckvolle Aromatik am Gaumen, in der Nase auch etwas geräuchert und speckig, unendliche Eleganz, großer Stoff, sehr balanciert und mit Potential für noch gut 2 Jahrzehnte - 97/100. Auf ähnlichem Niveau der schon häufig getrunkene und inzwischen voll entwickelte La Turque. Zuletzt 2005 exotisch, so konzentriert, so würzig und so dicht. Dazu ein leicht rauchiger Ton, aber nicht mehr der intensive, gebratene Speck, mit dem er mich vor Jahren noch abschreckte. Am Gaumen sehr komplex und unglaublich lang - 97/100. Unterschiedlich meine Bewertungen des Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé. Jung, dicht und verschlossen in den Neunzigern, eine Traumflasche mit herrlicher Süße 2003 – 97/100, eine weitere mit 95/100. Zuletzt 2007 im direkten Vergleich mit dem legendären 90er dicht und kräftig, aber eher wie eine deutlich reifere, ältere, kleinere und rustikalere Version des 90ers wirkend. Mit der unglaublichen aromatischen Dichte des 90ers kam dieser durchaus sehr schöne Wein auf verdammt hohem Niveau einfach nicht mit, er wurde schier erschlagen - 94/100.


Ein stückweit geöffnet hat sich inzwischen je nach Lagerung der langlebige, große Beaucastel, seit Mitte der Neunziger ein Dutzend Mal getrunken mit ständig steigenden Bewertungen, zuletzt 2005 mit 94+/100. Noch eine Ecke drüber der mehrfach getrunkene, sehr konzentrierte Beaucastel Cuvée Perrin – 97+/100. Beide Weine noch mit enormem Potential.


Sehr gutes Jahr für Rote wie Weiße Loirweine
Ein Vouvray Cuvée Constance von Huet hatte 1999 eine feine Honignase, cremige Textur, gute Säure und schöne Länge am Gaumen – 93/100.
Ansprechend 1995 ein Chinon Clos de la Dioterie – 87/100.


Hervorragendes Jahr im Elsaß, insbesondere für Riesling und Gewürztraminer. Viele hervorragende Weine auch im edelsüßen Bereich.
2Süße zeigte ein Gewürztraminer VT von Leon Beyer 2007 keine mehr, die war schon fast komplett aufgezehrt. Dafür aber den typischen Rosenduft, eine herrliche Würze und kandierte Trockenfrüchte. Blieb sehr lang am Gaumen - 91/100. Nicht klar kam ich 2005 mit einem Gewürztraminer SGN von Josmeyer. Reifer Petrolton überdeckt die Aromen des Gewürztraminers, am Gaumen und im Abgang Bittertöne, bittere Orangenmarmelade, groß ist anders - 89/100. Riesling Geisberg Grand Cru SGN von Kientzler war 2008 ein Aprikosenlikör mit deutlicher Bitternote, guter Säure und fast ins Güldene gehender Farbe – 92/100. Störend die 13,5% Alkohol. Sehr parfümiert, kräftig, alkoholisch und etwas unharmonisch wirkte 1997 ein Gewürztraminer Cuvée Anne von Schlumberger – 84/100. Da mag Warten helfen. Schon mehrfach habe ich den Riesling Brand VT von Zind Humbrecht getrunken. Der brauchte sehr lange, um sich voll zu entfalten. 2006 war es endlich soweit. Gewaltiger Stoff mit unglaublicher Strahlkraft. Die ehemals störende, deutliche Restsüße war perfekt integriert und als Einzelkomponente nicht mehr spürbar, zeigte eine wunderbare, reife Frucht, immer noch gute Säure, nur ganz dezente Petrolnoten, dafür irre Komplexität und Länge. Einfach die Perfektion und totale Harmonie eines großen Weines - 96/100. Ebenfalls 2006 wirkte von Zind Humbrecht der Gewürztraminer Clos Windsbühl zu Anfang nicht nur kräftig und alkoholisch, sondern auch leicht brandig, doch das verschwand schnell. Immer mehr kam das typisch würzige des Gewürztraminers durch, dazu eine schöne Mineralität und erdige Töne. Mit der perfekt eingebundenen, praktisch nicht spürbaren Restsüße wirkte er sehr harmonisch, dazu absolut frisch mit toller Länge am Gaumen. Ein faszinierender Weinriese mit sicher noch 15+ Jahren Potential - 96/100. Den Clos Windsbühl hatte ich als Riesling SGN schon mal 1998 in Paris im Lucas Carton getrunken. Der war damals eher enttäuschend und wohl einfach noch nicht entwickelt genug – 91/100.


Mehrfach habe ich mit Genuss den Mas de Daumas getrunken, zuletzt im Sommer 2005 mehrere Flaschen im Grand Plage am Kampener Strand. Ein kantiger, eigenständiger, etwas rustikaler Rotwein alter Schule, der viel Zeit und Luft brauchte. Ein Wein, in den man sich reintrinken musste und der mit jedem Schluck mehr überzeugte. Tiefes Dunkelrot mit ersten Reifetönen am Rand, eingekochte, dunkle Früchte, Feigen, erdig, Waldboden nach einem Regenschauer, Trüffel, portige Töne, wirkt reif und hat trotzdem immer noch spürbare, trockene Tannine – 91/100.


Ein guter, aber kein herausragender Jahrgang in Deutschland. Viele, sehr schöne trockene Deutsche Weine habe ich in den 90ern getrunken, vor allem in der ersten Hälfte. Sehr gut gefielen mir damals die Weine des Gutes Graf Adelmann, um das es inzwischen deutlich ruhiger geworden ist. Die dürften aber inzwischen fast ausnahmslos das Zeitliche gesegnet haben.
Deutlich langlebiger natürlich die restsüßen Weine, wobei hier der größte Teil der Kabinette und Spätlesen langsam ausgetrunken gehört. Geprägt ist der Jahrgang von hoher Reife, viel Boytritis und oft wenig Säure. So sind zahlreiche Süßweine verdammt fett geraten.
Ziemlich daneben 2008 ein Veldenzer Kirchberg Eiswein vom Weingut Conrad-Schreiber, sehr reif und weit, viel Boytirits, immer noch süße Fülle, aber leider inzwischen auch reichlich Möbelpolitur – 83/100.Eine Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese eignete sich 2005 auf René Gabriels Petrus-Probe in ihrer finessigen Art mit schöner, klarer Frucht, guter Säure und nur dezenter, feiner Süße perfekt als Aperitif und wirkte insgesamt noch recht jung - 91/100. Wunderschön die Brauneberger Juffer Sonnenuhr von Fritz Haag. Die Spätlese wirkte zwar 2005 schon etwas weit, breit und diffus. Traumhafte Eleganz und Leichtigkeit aber 2005 die Auslese #4- 93/100. Ebenso 2008 die balancierte Lange Goldkapsel Auslese #9 – 93/100. 1997 die Auslese Lange Goldkapsel #6 – 95/100. Sehr finessig mit ebenfalls unglaublicher Leichtigkeit 2004 die BA – 96/100. Schlichtweg sensationell die bisher nur einmal, 1996 in der Traube Grevenbroich getrunkene TBA – 100/100. Ein Saarburger Rausch Riesling Kabinett von Geltz-Zilliken hatte 2006 iel Boytritis, deutliche Firne und wenig Säure. Immer noch gut zu trinken, doch es wird langsam Zeit - 85/100. Eher breit und langweilig mit zuwenig Säure 1997 eine Piesporter Goldtröpfchen Riesling Auslese lange Goldkapsel von Kesselstatt – 87/100. Gut gelungen, aber leider schon ein paar Jahre nicht mehr getrunken, die Maximin Grünhäuser Weine von der Ruwer. Recht füllige Weine, denen vielleicht etwas die Finesse fehlte. Sehr schön 1995 und 97 die Herrenberg Auslese # 94 – 92/100. Gewaltiger Stoff 1999 mit satter Frucht und knackiger Säure der Abtsberg Eiswein – 95/100. Auch die füllige Abtsberg BA konnte 1997 bei Jörg Müller überzeugen – 93/100. Eher leichtgewichtig 1998 in Luzern ein Neumagener Nußwingert Riesling Eiswein von Milz-Laurentiushof – 88/100. Eine Serriger Schloß Saarstein BA war 2005 schon erstaunlich weit und reif mit kräftiger, goldgelber Farbe. Ganz schön dick mit viel Boytritis und Honigtönen, für einen Saarwein geradezu opulent, aber auch ein feiner Schieferton und immer noch gute Säure. Ein großer Wein, der insgesamt sehr ausgewogen wirkte, finessig, mit toller Länge am Gaumen - 95/100. Wie schnell die 89er reifen, zeigte sich auch an einem Leiwener Klostergarten Eiswein vom Weingut Werner. 1998 brilliante, schon leicht ins Güldene gehende Farbe, wunderschöne Honig- und Rosinentöne gepaart mit kräftiger, aber reifer Säure – 95/100. Sechs Jahre später, 2004, ebenfalls im Kleinwalsertal in der Nase etwas blechern, sehr viel Boytritis, rosinige Frucht, immer noch knackige Säure, aber deutlich reifer - 92/100.
Sehr enttäuschend 1997 eine strukturlos wirkende Steinberger Auslese von den Staatsweingütern – 82/100. Deutlich besser, aber bereits sehr reif, fett und füllig 1997 in der Versteigerungsversion – 91/100.
Angetan war ich 1997 bei Lafer von einer mineralischen, fülligen Schloßböckelheimer Kupfergrube Riesling Auslese von der Staatsdomäne – 91/100.
Sehr angetan war ich 1996 von Klaus Kellers erster TBA, einer Dalsheimer Hubacker Riesling TBA, die mit ihrer hohen Säure sehr langlebig sein dürfte.
Nicht viel anfangen konnte ich 1993 mit einer Spätburgunder Rosé TBA Selektion von Friedrich Becker, die wenig Süße hatte, aber einen mächtigen Alkohol von 15,9% - 86/100. Eine Essinger Osterberg TBA von Frey&Söhne hatte 1997 eine kräftige Säure mit herrlicher Frucht und wunderschöner Süße gepaart, intensiver, beeriger Rosinenton - 95/100.


Kein großes Weinjahr in Italien. In der Masse eher leichtere, fruchtige Weine, aber auch ein paar sehr wohltuende Ausnahmen.
Nicht überzeugen konnte mich 1994 aus der Doppelmagnum der noch etwas verschlossene Darmagi, der auch nicht enfernt an den 88er heranreichen konnte – 87/100. Sori Tildin von Angelo Gaja hatte 2006 eine erstaunlich reife Farbe, in der Nase deutlicher Hauch von Möbelpolizur, aber auch etwas Tabak, Zigarrenkiste und welke Rosen. Baute im Glas nicht aus, sondern ab. Ein eigentlich zu reifer Wein auf dem Abstieg. Die Frucht verschwand immer mehr, die bitteren Tannine blieben - 92/100. Wohl ein Flaschenfehler, denn eine weitere Flasche 2008 war schlichtweg sensationell. Sehr dichte Farbe ohne Alter, schon die Nase zeigte eine grandiose Wucht und Fülle, massig Teer und dunkle Früchte, aber auch eine sehr kräuterige Aromatik, am Gaumen ein massives Tannin- und Säuregerüst, wobei die Säure weich und die Tannine erstaunlich reif sind. Ein sehr komplexer, spannender Wein, so eine Art Mischung aus Lafleur und La Mission mit einem Schuss Vega Sicilia Unico. Gehört sicher zum Besten dessen, was ich bisher aus dieser Region getrunken habe – 97/100. Ein Löwengang Cabernet von Alois Lageder zeigte 2004 ein helles, dünnes Ziegelrot, grüne Töne, deutlich über den Punkt – 78/100. Ornellaia war schon 1994 recht reif und zugänglich. 12 Flaschen besaß ich von diesem eher kleineren Ornellaia, die ich auf 88-90/100 Niveau bis 1997 zügig ausgetrunken habe. Immer noch trinkbar dürfte Sassicaia sein, ein eher kleiner, aber sehr feiner Sassicaia, den ich 1992 für unter € 23 gekauft habe. Meine vorletzte Flasche 2005 hatte eine helle Farbe, perfekt gereift, Bleistiftnase, schöne Frucht und Mineralität auch am Gaumen, wirkt keine Spur alt, könnte sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten 91/100.


Ein guter Jahrgang auch in Österreich, aus dem ich aber noch nicht viel getrunken habe.
Stets auf 91/100 Niveau habe ich in der ersten Hälfte der 90er den geschmeidigen Bründlmayer Chardonnay getrunken. Schöne Frucht, aber für meinen Geschmack zuviel Säure 1992 Cuvée Cécile von Bründlmayer – 87/100.


Kein besonderes Spanienjahr. Bisher kaum getrunken.
Relativ hell, weich und deutlich älter wirkend 1997 eine ansonsten sehr gefällige Conde de Valdemar Reserva – 90/100. Vega Sicilia Unico war 2007 ein klassischer, feiner, delikat-würziger Unico mit fast überreifer Frucht und viel Nelke. Etwas kurz am Gaumen. Dieser Unico der kleineren Sorte hätte in diesem Jahr auch gut als preiswerterer Valbuena abgefüllt werden können – 93/100.


Kein großer, eher uneinheitlicher Jahrgang in Kalifornien, aber trotzdem mit vielen schönen Weinen und einigen hochinteressanten Langstreckenläufern.
Viele sehr schöne Chardonnays habe ich in der ersten Hälfte der 90er getrunken. Da dürfte heute nicht mehr viel Trinkbares bei sein.
Dalla Valle Maya war für mich 1995 in Atlanta mit jugendlichem Purpur, sehr dichte Farbe, kräftig am Gaumen ohne kalifornische Opulenz mit verhaltener Frucht der interessante Versuch eines kalifornischen Pauillac – 90+/100. 2001 zugänglicher, aber immer noch ein dichter Powerstoff mit etwas Eukalyptus und Minze, sehr lang am Gaumen – 95/100. Nie klar kam ich mit Dominus. Auch zuletzt 2005 in der großen Dominus-Probe war das für mich ein überholztes Tanninmonster mit zuwenig Frucht – 89/100. Erstaunlich zugänglich bereits 1999 der Dunn Napa Valley mit schöner Frucht, etwas Minze, aber immer noch kräftigen Tanninen – 92/100. Immer noch nicht reif ist der seit 1999 häufig getrunkene Heitz Martha´s Vineyard. Zuletzt 2006 viel Minze, Graphit und auch etwas Eukalyptus, läuft sicher erst in 5 Jahren zur Hochform auf - 92/100. Heitz Trailside Vineyard war 2008 potentiell wohl ein großer Wein, aber er sang aus dieser Flasche nicht wirklich. Eukalyptus, kräuterige Würze, Hustensaft, hoffentlich löst da bald mal jemand die Handbremse – 91/100. Ausnehmend gut gefiel mir 2003 aus der Magnum Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve. Ein perfekt gereifter Bordeaux aus Kalifornien mit Reserven für noch viele Jahre – 94/100. Nur einmal, 1998 in Zürich mit René Gabriel, habe ich Chateau Montelena getrunken. Der war damals trotz guter Frucht erstaunlich reif, auch in der Farbe, und schien auf dem Abstieg – 85/10. Sehr gut gefiel mir 2002 ein Monticello Vineyards Corley Reserve aus der Magnum, ein delikater, finessiger Wein mit feiner Süße – 92/100. Weniger begeistern konnte ich mich 1999 für den etwas eindimensionalen, rustikalen Niebaum Copolla Rubicon – 86/100. Weich, gefällig und aromatisch 1999 der Opus One – 90/100. Sehr fein und reif 1997 Phelps Insignia – 90/100. Ridge Monte Bello war für mich immer ein eher kleinerer, schlankerer, tanninbetonter Wein, den ich meist bei 89-90/100 eingeordnet habe. Erst in der letzten Flasche 2008 ging dieser Wein aus sich heraus, wirkte reif zwar, auch mit gewisser Überreife, aber in dieser Flasche noch lange nicht am Ende mit erstaunlicher Kraft und Fülle, immer noch mit viel Schwarzkirsche, Pflaume und auch Schokolade, blieb auch spannend vom ersten bis zum letzten Tropfen - 92/100. Großartig entwickelt hat sich Shafer Hillside Select. 2006 auf Sylt minzig-eukalytische Aromatik, die reife Brombeere, aber am Gaumen auch etwas austrocknende, staubige Tannine. Doch baute der Wein einfach fantastisch in Glas und Karaffe aus, wurde runder, vielschichtiger, länger. Das ist ganz großer Stoff, gemacht für 20 weitere Jahre - 96/100. Silver Oak Napa Valley Cabernet hatte 2008 ein dichtes, warmes Rot mit dezenten Reifetönen, Minze, der alte Ledersattel, mit dem John Wayne durch den Wilden Westen geritten ist, kein fetter Kali, sondern elegant mit fast spielerischer Eleganz, eigentlich Bordeaux im besten Sinne mit feiner, roter Johannisbeere und viel aromatischem Druck. Einen solch perfekt gereiften, großen Wein genau im Punkt optimaler Trinkreife genießen zu dürfen, das ist schon ein einmaliges Erlebnis – 95/100. Ein Storybook Zinfandel Reserve
hatte 1997 eine junge, nicht besonders dichte Farbe, Nase exotisch, medizinisch, auch am Gaumen leicht exotisch, Anis Lakritze, Kräutergarten, würzig - 89/100.

Selbst mit einem israelischen Wein kann ich aus 89 dienen, dem Gamal Golan Heights. Das war 1999 ein leckerer, unkomplizierter Stoff auf 85/100 Niveau, der aber heute sicher seinen Höhepunkt längst hinter sich hat.

Gut 12mal hatte ich zwischen 1995 und 2001 den Penfolds Grange im Glas, einen üppigen, hedonistischen, begeisternden Wein, den ich stets mit 96-98/100 bewertet und mit größter Freude getrunken habe. War auch eines der Highlights der großen Grange-Probe 1999 in Lehrbach. Dürfte sicher noch eine lange Zukunft haben.


Ein sehr gutes Champagnerjahr mit einer großen Ernte und relativ schnell reifenden Weinen.
Spontan mit 97/100 bewertete ich am Silvesternachmittag 2006 den komplexen, noch recht jungen Krug Vintage. Deutlich reifer präsentierte er sich dekantiert in Weißweingläsern 2007 auf Chateau Latour – 94/100. Und auch eine weitere Flasche Ende 2007 auf Muottas Muragl war erheblich reifer und weiter als im Vorjahr – 95/100. Sehr reif und weit wirkte 1998 im Landhaus Bacher eine Veuve Clicquot La Grande Dame – 90/100.


Nur wenige Jahrgangs-Portweine gab es in einem nur eher durchschnittlichen Jahrgang. Bisher nicht getrunken.



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1988