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1973
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In Bordeaux eine sehr große Ernte früh trinkreifer Weine, von denen sich die meisten schon verabschiedet haben. Das waren noch die Zeiten, in denen man hemmungslos Dünger auf die Weinberge schmiß und von Grüner Ernte, dem Herausschneiden von Trauben bei zuviel Behang nichts hielt. So entstand halt Masse statt Klasse und traf auf wenig Abnehmer. Und trotzdem gibt es auch hier noch ein paar trinkbare Weine. Ich erinnere mich noch gerne an einen gefälligen, aromatischen Ducru Beaucaillou aus der Jeroboam auf Rodenstocks Arlbergprobe 1993, bei dem lediglich der Abgang etwas kurz war – 90/100. 2006 auf der großen Ducru-Probe kaputt und nicht mehr mit Genuß trinkbar. Nicht groß, aber schmeichlerisch schön und schon fast burgundisch war 1994 ein Lafite Rothschild aus der Magnum – 83/100. Auch Latour machte 1994 schon einen sehr reifen Eindruck, deutliche Brauntöne, noch sehr lang am Gaumen – 89/100. Haut Brion hatte 2006 auf der großen Haut Brion-Probe immer noch eine intakte Farbe, die klassische Haut Brion-Nase, dazu eine pflaumige Frucht und feine Süße, spannende Aromatik am Gaumen, baute zwar mit der Zeit im Glas ab, doch für Schnelltrinker sind da noch locker 88/100 drin. Unterschiedliche Flaschen scheint es bei Petrus zu geben. 1993 und 1994 habe ich den Petrus aus zwei sehr enttäuschenden Magnums erlebt, klein, mit grünen Noten und schnell abbauend. 1998 dann auf einer Best Bottle eine sensationell Magnum mit sehr dichter Farbe, eher Pauillac als Pomerol, verhaltener Schmelz, wunderschön am Gaumen, sehr lecker, Alter nicht spürbar, baut am Gaumen aus - 94/100. 2000 noch mal aus Schorns Beständen eine 1tel auf ähnlichem Niveau. Zuletzt 2003, begann mit der leicht grünen Note unreifer Trauben, rauchige Töne, entwickelte sich mit der Zeit zunehmend besser im Glas, elegant aber nicht groß, für das Jahr toll – 90/100.
Y, der trockene Wein von Yquem, konnte 1996 überhaupt nicht überzeugen, alkoholisch, etwas brandig, keine Frucht mehr – 76/100.
Auch in Burgund wurde erheblich zuviel zu schlechter Wein geerntet, den dann auch kaum jemand haben wollte. Ich erinnere mich an einen Romanée St. Vivant von DRC, 1991 in einer Probe, ein harmloses, aber immerhin noch gut trinkbares Leichtgewicht – 81/100.
Deutlich besser gerieten in Burgund die Weißweine. Ein Corton Charlemagne des Chateau de Beaune aus der Magnum war 2003 irre mineralisch, Feuerstein, leichte Stinkernase, Bittermandeln, furztrocken, klassischer, immer noch sehr gut trinkbarer Corton Charlemagne, für das Jahr eine Sensation – 92/100.
Fruchtige, leichte Weine an der Rhone. Der Chateauneuf-du-Pape du Barbe Rac von Chapoutier war 2003 ein klassischer, rustikaler Chateauneuf alter Machart mit wenig Schmelz, der sich auf diesem Niveau sicher noch eine Weile hält – 85/100.
Auch in Deutschland gab es eine riesige Ernte, Masse statt Klasse. Ein paar positive Ausnahmen gab es im edelsüßen Bereich, speziell bei den Eisweinen. Da dürften noch einige, gut trinkbare Weine zu finden sein. Interessant 1996 bei Drawert eine Lorcher Kapellenberg Eiswein BA von Dr. Breuer, dunkle, kräftige Farbe, noch viel Säure, wie Mischung aus altem Sherry und Sauternes – 89/100. Beeindruckend 1994 eine Steinberger Riesling Eiswein BA von den Staatsweingütern, kräftige, sehr dunkle Farbe, intensive Säure -94/100.
Mehrfach habe ich mit viel Genuß eine Ried Klaus Riesling Spätlese von Jamek getrunken. Zum ersten Mal 1994 auf dem Weingut mit Jamek selbst. Ich weiß nicht mehr, ob ich mehr von Jamek selbst oder von diesem noch taufrisch wirkenden Wein beeindruckt war. Jedenfalls bin ich auf die Suche gegangen und fündig geworden. 1998 kräftiges Goldgelb, erster Eindruck am Korken intensive Fruchtsüße, Nase erst verschlossen, entwickelt sich nach einer Stunde, kräftiger Riesling mit dezentem Holzton, am Gaumen lang und komplex, toller Stoff, der es sicher noch eine Weile macht – 90/100. 1999 tolle Nase mit reifen, weißen Früchten und einer schönen Fruchtsüße, am Gaumen trocken – 91/100. Auch die letzte Flasche Ende 2003 auf einer Best Bottle war immer noch iein toller Genuß auf 91/100 Niveau.
In Spanien war 1973 ein passables Jahr, in dem sich sicher noch trinkbare Weine finden lassen. Eine Reihe davon konnte ich 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe verkosten. Ein einfacher, etwas zu alter und inzwischen säuerlicher Rioja der Campillo Cosecha Especial – 80/100. Grandios hingegen Gran Reserva 890 Rioja Alta. Ein klassischer, großer Rioja mit wunderbarer Süße und burgundischer Fülle – 92/100. Deutlich älter und etwas medizinal wirkend vom gleichen Erzeuger die Reserva 904. Entwickelte sich kurzzeitig im Glas und fiel dann wieder in sich zusammen – 85/100. Die Gran Coronas Reserva fiel in einem Torres-Flight deutlich ab. Ein anstrengender, schwächerer Wein mit einer gemüsigen Art – 86/100. Der Vega Sicilia Unico hatte 2001 auf der großen Unico-Probe eine wunderschöne Nase, aber am Gaumen viel Säure, Farbe zeigt schon deutliche Reife, mit der Zeit kam am Gaumen feine Süße dazu - 92/100
Chateau Musar aus dem Libanon, 1995 auf einer Drawert-Probe, war nicht nur in Burgunder-Flaschen abgefüllt, sondern zeigte auch eine gewisse Pinot-Affinität, allerdings nicht auf hohem Niveau – 82/100.
1973 war ein völlig unterschätzter, guter Kalifornien-Jahrgang, der immer im Schatten von 1974 stand. Ich habe bisher leider nur 1998 einen einfachen Phelps Cabernet Sauvignon getrunken, noch burgundischer von der Nase her als 74, auch größer, süßer, expressiver, Milchkaffee mit 5 Löffel Zucker, toller Stoff, Minze, Eukalyptus, einfach ein kompletter Wein mit Dampf ohne Ende – 96/100.
Kein großes Weinjahr in Australien, aber sehr gute und sicher noch trinkbare Weine von Penfolds. Der Cabernet Shiraz Bin 389, oft als „Grange des Kleinen Mannes bezeichnet“, war 2003 reif, üppig und unglaublich lecker – 92/100. Auch der Grange konnte 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach überzeugen, süße, füllige Frucht, Teer, Leder, kleidete den Gaumen voll aus – 94/100.
Aus Süafrika 2008 ein Uitkyk Carlonet Cabernet Sauvignon mit Teer, Jod und viel Lakritz. Intakte Farbe mit leichtem Orangenrand, am Gaumen eher schlank mit etwas Schoko und Kaffee, kurzer Abgang mit immer noch trockenen Tanninen. In der Stilistik näher an Bordeaux als an den heutigen Südafrikanern – 89/100.
Ein eher mittelmäßiges Champagnerjahr mit der zweitgrößten Ernte des letzten Jahrhunderts. Sehr gut gelungen war Dom Perignon. Den habe ich zuerst 1993 im Düsseldorfer Hummerstübchen als frische RD erlebt, reifer als 70, wie ein großer, reifer, weißer Burgunder, sehr Chardonnay geprägt, Brioche, Butter, Kartoffeln, Tarte Tartin, voll, kräftig, aber wenig Abgang – 92/100. Besser gefiel mir dann noch 1997 in Österreich die normale Abfüllung, die deutlich mehr Kraft und Länge zeigte – 93/100. Ähnlich 1999 auf einer Best Bottle, kräftige Farbe, schönes, noch sehr intensives Mousseux, Brotton, angenehme Edelfirne, knackige Apfelsäure – 93/100. Noch eine Ecke größer war 1998, ebenfalls auf einer Drawert-Probe, Krug, erstaunlich jung und sehr fruchtig, intensives Mousseux, erst ganz am Anfang – 95+/100. Der taucht übrigens immer mal wieder in der Collection Krug auf und ist sicher noch guter Kauf für alle, die etwas aus 1973 zu feiern haben. In den Neunzigern habe ich bei Jörg Müller häufiger Taittinger Comtes de Champagne getrunken. Das war feiner, eleganter, noch unglaublich frisch wirkender Champagner auf sehr hohem Niveau – 95/100.
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1972 | 1974
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