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Clos des Papes
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Zu einer spannenden Verkostung hatte die Düsseldorfer Mövenpick-Filiale eingeladen. Clos des Papes hieß das Thema. Winzer Vincent Avril war persönlich angereist um seine Weine vor einem engagierten Publikum zu präsentieren und natürlich auch zu diskutieren. Bei Vincent Avril merkte man gleich: hier spricht ein Gesinnungstäter, nicht nur ein engagierter Winzer, sondern auch ein großer Weinliebhaber. So kommt bei den Avrils, bei denen Wein zur Mahlzeit dazugehört, nur ganz selten Clos des Papes auf den Tisch. Mit sehr vielen seiner Kollegen aus der ganzen Welt tauscht Avril regelmäßig Weine und hat sich so einen ansehnlichen Keller aufgebaut. Der hilft ihm, nicht betriebsblind zu werden und stets zu verfolgen, was sich im Weinmarkt tut. Bestechend seine simple Keller-Philosophie. In seinem Keller gibt es eine linke Seite für die Weine, die getrunken werden sollen und eine rechte für die Weine, die altern sollen. Grundsätzlich kommen von einer 12er Kiste 6 Flaschen auf die linke und 6 Flaschen auf die rechte Seite. Nur, wenn sich ein Wein als noch viel zu jung und praktisch untrinkbar erweist, werden alle Flaschen auf die „Alterungsseite“ gepackt. Der umgekehrte Fall gilt natürlich für die Weine, die getrunken gehören. Eigentlich bei entsprechendem Platz ein simples Prinzip und vor allem natürlich auch für weiße wie rote Chateauneufs empfehlenswert.
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Wir starteten mit 2004 Clos des Papes Blanc, der sich zur Zeit extrem schwierig verkostet. Sehr alkoholbetont, fast etwas stichig, dumpf und recht ungelenk wirkend, oxidierter Apfel, nicht mehr so ganz frisches Apfelkompott, da fehlte einfach die Frische – 85/100. Sehr viel feiner, eleganter und länger, aber auch wieder mit spürbar viel Alkohol der minzig-mineralische 2005 Clos des Papes Blanc, der in der Nase florale Noten und viel reife, gelbe Früchte zeigte – 89/100. Wer den besitzt, sollte ihn bald verkosten, oder sonst für die nächsten 10 Jahre vergessen. Erstaunlich schön und als mit Abstand bester Wein der weißen Serie präsentierte sich im nächsten Flight 2001 Clos des Papes Blanc. Ein sehr komplexer, feiner Wein, immer noch frisch und deutlich frischer als das Duo 2004/5 wirkend, sehr mineralisch mit viel Würze, burgundisch im besten Sinne, ein gelungener Meursault aus Chateauneuf – 91/100. Dieser Wein scheint schlichtweg „vergessen“ zu haben, sich zu verschließen. Breit, dick und banal mit bitterem Abgang dagegen 2000 Clos des Papes Blanc. Dazu auch etwas medizinal wirkend und eher Chateauneuf als Burgund – 86/100. Vielleicht aber von Beiden der Wein mit der größeren Zukunft. In 5-10 Jahren wissen wir mehr. Voll auf Avrils rechter Kellerseite landeten wir mit dem letzten, weißen Flight, Weine, die sich ungemein schwierig verkosteten, und denen nur zusätzliche Lagerung helfen könnte. Von 1996 Clos des Papes Blanc war die erste Flasche daneben mit massivem Schwefelböckser und fauligen Noten. Die zweite Flasche deutlich besser, aber auch nicht groß, mineralish, schlank, elegant mit einem kalten Cordier-Stinker – 85/100. Von 1998 Clos des Papes Blanc war eine Flasche korkig. Die zweite hatte in der Nase frisches Schwarzbrot, entwickelte immer mehr flüchtige Säure und machte wenig Freude – 84/100. Heiß diskutierten wir an unserem Tisch, ob es überhaupt Weiße Chateauneufs geben muß. Der Vielfalt haber sicher ja. Ansonsten sind diese Weine ebenso überflüssig wie Pinot Noir von der Mosel. Aber das Verhältnis von 8000 weißen Flaschen zu 85.000 roten bei Clos des Papes zeigt ohnehin, dass es sich bei den weißen Chateauneufs eher um Exoten handelt.
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Der eigentliche Trinkspaß begann dann mit den Roten. Dabei sei gleich noch auf eine Besonderheit von Clos des Papes hingewiesen. Zu einer Unsitte haben sich in Chateauneuf die unbezahlbaren und kaum erhältlichen Luxus-Cuvées entwickelt. Zu Lasten der normalen Cuvée werden hierfür die besten Weine ausgesondert, was diese deutlich abwertet. Man stelle sich nur vor, Chateau Latour würde noch mal selektieren und zu Lasten des Grand Vin einen Très Grand Vin als Super-Selektion produzieren. Avril macht das nicht mit. Von Clos des Papes gibt es nur einen großen Wein und das ist die normale Cuvée. Alle Welt spricht heute vom 2005er, doch ich würde 2004 Clos des Papes nicht unterschätzen. Der ist derzeit in einer etwas schwierigen Phase, in der Nase Erdbeer-Fruchtjoghurt(kürzlich wurde in einem Zeitschriften-Artikel beklagt, dass die modernen Erdbeersorten kaum noch die intensive Aromatik früherer Erdbeeren besäßen. Wer diesen Ton erleben möchte, der 2004 Clos des Papes hat ihn!) mit süßlicher Note, massives Tanningerüst. Entwickelte sich deutlich mit Luftzufuhr und präsentierte sich besser mit Essen – 92+/100. Ein Wein mit gewaltigem Potential, der mich etwas an 1988 Bordeaux erinnert. Wer derzeit immer noch dem inzwischen verdammt teuren 2005er hinterherläuft, sollte das lassen. Lieber 2004 kaufen, den Wein im Keller auf die rechte, die Alterungsseite, legen und in 10-15 Jahren staunen. Klar trumpfte im Nachbarglas 2005 Clos des Papes groß auf. Der ist derzeit einfach in einer bestechenden Jungweinphase. Üppiger Kirschlikör mit reif und weich wirkenden Tanninen, im derzeitigen, aber sicherlich nicht ewig dauernden Stadium einfach ein unwiderstehlicher Charmeur – 95/100. Die beiden nächsten Weine wiederum etwas verschlossen und längst nicht alles zeigend, was sie drauf haben. 2001 Clos des Papes sehr fein, elegant mit wunderbarer Kirschfrucht, in der würzigen Aromatik und seinem burgundischen Schmelz ein perfekter, roter Zwilling des 2001 Clos des Papes Blanc – 93+/100. Fülliger, üppiger, aber auch sehr viel verhaltener 2000 Clos des Papes. Man spürt die Substanz und das große Potential, ahnt, dass dieser Wein wohl die größere Zukunft hat, nur verkostet er sich derzeit einfach schwierig – 91+/100. Vom Potential her würde ich 2001 in der Trinkreife bei 94/100 einordnen, 2000 bei 95/100. Ein Prachtwein, der jetzt schon voll überzeugt 1998 Clos des Papes. Klar hat auch der ein gutes, stabiles Tanningerüst und eine entsprechend lange Zukunft. Aber er präsentiert sich derzeit einfach in Hochform als großer, sehr harmonischer Chateauneuf, wo zur reifen Frucht immer mehr Trüffelnoten kamen – 95/100. Mövenpick war sehr großzügig und wir bekamen stets mehr ins Glas als eine simple Degupfütze, doch von diesem Wein hätte ich gerne mehr gehabt. Ein Riese auch 1995 Clos des Papes, aber im Vergleich zu 98 eher eine Art ungeschliffener Rohdiamant. Massive Tannine, zu Anfang etwas austrocknend am Gaumen, baute im Glas aus – 89++/100. Sicher hat dieser Wein Potential für 95/100, aber wer ihn wirklich heute probieren möchte, sollte ihn etliche Stunden vorher dekantieren und danach aus großen Burgundergläsern trinken. An unserem Tisch gab es dann noch den eigentlichen Höhepunkt der Verkostung, den ein edler Spender mitgebracht hatte, 1990 Clos des Papes. Den hatte noch Vater Avril gemacht und 100% mit Stengeln vergoren. Das war großes Chateauneuf-Kino, ein sehr reichhaltiger, komplexer Wein, bei dem die Trüffel von Haribo sind mit viel Lakritz, mit verschwenderischer Kirschfrucht und betörender Süße. Mit perfektem Tanningerüst ist das ein unsterblicher Chateauneuf, gemacht für die Ewigkeit – 96/100. Mich würde nicht wundern, wenn dieser Wein in 10+ Jahren noch mal einen Punkt oder sogar zwei zulegt. Welch gewaltiges Alterungspotential zumindest diese Chateauneufs klassischer Machart hatten, zeigte vor Jahren ein außerweltlicher 1929 Clos des Papes. Der steht zurecht in meiner Hitliste der 100 größten Weinerlebnisse und wird wohl auch nach der dringen nötigen, überfälligen Überarbeitung noch darin zu finden sein.
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Am 21.5. gibt es übrigens in der Düsseldorfer Mövenpck-Filiale ein weiteres, sehr empfehlenswertes Schmankerl. Anthony Barton kommt aus Bordeaux und präsentiert persönlich seine Weine. Mein Platz für diese Veranstaltung ist bereits gebucht.
Und ich wäre sehr dankbar, wenn Sie dem Wineterminator jetzt hier wieder Ihre Stimme geben würden.
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Bordeaux 2007 nachbetrachtet | Bordeaux 2005 Ankunftsprobe
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