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Konfuzius und Bordeaux 2003

"Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde die Zukunft erkennen" lautet ein sehr wahres Konfuzius-Wort, das auch in der Weinwelt seine Berechtigung hat. Große Weine werden natürlich von großen Winzern gemacht, aber nur dann, wenn sie auch großes Terroir zur Verfügung haben. Und hier liegt das Spannende beim Trinken alter Weine. Sie erlauben einen guten Blick auf das Potential eines Weingutes.

Einer der neuen/alten Highflyer in Bordeaux ist Chateau Ferrière. Das heruntergekommene Gut, dessen Weine bei Lascombes wie eine Art Zweitwein produziert wurden, war 1988 von den Eigentümern von Chasse Spleen übernommen worden. Unter der Leitung der sympathischen Claire Villars wurde auf Ferrière kräftig investiert und die Weinbereitung wieder in Eigenregie übernommen.

Ferrières, 1855 als Trosième Grand Cru klassifiziert, galt früher einmal als Top Weingut und der dort erzeugte 1847er als Legende. Klares Ziel von Villars und ihrem Team ist es, dieses nur 8 ha große, malerisch in der Ortschaft Margaux gelegene Gut wieder dorthin zu bringen, wohin es aufgrund der Qualität seines Terroirs eigentlich gehört. Das große Terroir hat also jetzt wieder die dazu passende, große Winzerin.

Eine halbe Flasche Chateau Ferrières in lausigem Zustand (upper shoulder) gab uns am 22.4.2004 die Möglichkeit, frei nach Konfuzius in die Vergangenheit und auch in die mögliche Zukunft von Ferrières zu blicken.

Was da diesem Fläschchen entstieg(ich wusste, was es war, die anderen tranken es blind), war schlichtweg sensationell. Eine betörende Nase, die mich spontan an gute 47er Vandermeulens erinnerte, am Gaumen aromatisch, druckvoll und kein bisschen müde. René Gabriel ging noch weiter. Er steckte kurz die Nase ins Glas, nahm einen kleinen Schluck und brachte dann ein glockenklares Statement: das ist 1947 Chateau Margaux. Was nicht nur für René Gabriels unbestrittenes degustatorisches Können spricht, sondern vor allem auch für Chateau Ferrière.

Nicht nur nach alten Ferrières werde ich jetzt gezielt weitersuchen. Frei nach Konfuzius steht damit für mich auch fest: für die Subskription 2003 steht Ferrière auf meinem Einkaufszettel.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eine Lanze für ein anderes Weingut brechen: Chateau Pavie. Gerard Perse, der dieses Gut vor einigen Jahren übernommen hat, ist kein Zauberlehrling. Als besessener Qualitätsfanatiker führt er nur Pavie wieder dorthin, wo es aufgrund der Qualität seines Terroirs hingehört, nämlich an die Spitze von St. Emilion. Ich habe viele alte Jahrgänge von Pavie verkostet. Die Jahre 28, 29, 45, 47 und 49 sind Weinlegenden. Da ist die moderne Weinlegende Pavie 2000 kein Zufall, sondern einfach das Ergebnis harter, konsequenter Arbeit. Das große Terroir Pavie hat wieder einen großen Winzer. Und nur diese Kombination bringts. (WT/April 2004)



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