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Prowein 2006
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L A S P I N E T T A B E I S A I T T A V I N I
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Völlig ungeplant traf ich bei Saittavini auf Giorgio Rivetti von La Spinetta. Ein sehr sympathischer Winzer, mit dem es einfach Spass machte, zu verkosten und zu reden. Aus den Saittavini-Beständen tranken wir seine drei La Spinetta Barbaresco-Lagen aus jeweils unterschiedlichen Jahren. Ein großer Barbaresco für Einsteiger ist 1999 La Spinetta Gallina. Ein wunderbarer, fruchtiger Schmeichler, sehr weich und zugänglich mit kräftigen, aber reifen Tanninen und weniger Säure als bei den anderen Lagen, sehr elegant und für einen Barbaresco fast filigran – 92/100. Kein Wunder, das in den USA diese Lage am besten ankommt. Der Ausone unter den Spinettas ist 2000 La Spinetta Valeirano. Sehr streng im Geschmack, dominiert von Säure und bissigen Tanninen, hat die Frucht und Fülle des 2000er Jahrgangs, braucht aber sicher noch gut 5-6 Jahre, bis man hier von echtem Trinkvergnügen sprechen kann. Heute sind da sicher nicht mehr als 86/100 im Glas. Darüber kann man natürlich lamentieren, aber muss den jeder Wein sofort schmecken? Mir wird langsam fad von dem ganzen polierten, überfruchteten Übersee-Mist, den man aufs Brötchen schmieren kann. Giorgio Rivettis Weine sind unverbiegbare, eigenständige Charaktere mit gewaltigem Alterungspotential. Sie erinnern mich ein bisschen an die großen Cabernets von Randy Dunn aus dem Napa Valley. Auch der schert sich herzlich wenig um die ex und hopp Mentalität seiner Landsleute und baut seine Weine so aus, dass man gut ein Jahrzehnt(oder mehr) darauf warten muss, dann aber sicher mehrere Jahrzehnte daran Spaß hat. Einen faszinierenden Rosenduft hat der 2001 La Spinetta Starderi aus diesem überragenden Italien-Jahr. Doch keine Rose ohne Dornen und die kommen auch hier in Form eines massiven Tannin- und Säuregerüstes. Sicher aber ein Wein mit gewaltigem Potential, der sich in 5 Jahren und später zum 93+/100 Wein entwickeln sollte. Ich werde mir in jedem Fall ein paar Spinettas zulegen, insbesondere vom Straderi, und die dann tief im Keller vergraben. Fast wie ein Kulturschock war nach diesen fordernden Barbarescos der 2003 Monepeloso Gabbro. Der befindet sich immer noch in seiner jugendlichen Fruchtphase und zeigt mit seiner überbordenden Frucht und Fülle gut die Charakteristik dieses nicht unproblematischen Jahrgangs. Nur ist hier auch ein perfektes Tanningerüst, so dass der Gabbro gut altern dürfte. Sicher ein Wein mit Potential für 95/100. Begeistert hat mich zum Schluß auch 1997 Darmagi von Angelo Gaja. Immer noch sehr jung mit rabenschwarzer Farbe, irrer Struktur, faszinierender Mineralität und toller Frucht. Während so mancher 97er Super-Toskaner schon müde wird, legt dieser, bisher vielleicht beste Darmagi gerade erst los. Schade, dass dieser böse Stoff so verdammt teuer ist. Hier sind über 20 Jahre Weinvergnügen auf 95+/100 Niveau angesagt.
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W E I N B E I M C H I N E S E N
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Ein schwieriges Thema, Wein im China-Restaurant. Schärfe und Würze chinesischen Essens vertragen die wenigsten Weine. Wir haben uns trotzdem in vergnüglicher Runde im Düsseldorfer Restaurant Shanghai dieser Herausforderung gestellt. Zuerst ein paar Worte zum Restaurant selbst, das mit den herkömmlichen, deutschen China Restaurants nichts gemeinsam hat. Hier wird in einfacher, rustikaler Atmosphäre authentisch und großartig gekocht. Perfekte Dim Sums in allen Geschmacksvarianten bis zum Abwinken. Und für den von Herrn Lau für uns im Ganzen zubereiteten Steinbutt würde ich auf die ansonsten voll gerechtfertigten 13 Gaultmillau-Punkte noch mal 3 drauflegen. Sehr charmanter Service durch die Tochter des Hauses, die sich derzeit engagiert dem Thema Wein nähert. Gerne kann man hier übrigens gegen ein sehr maßvoll kalkuliertes Korkgeld eigene Weine mitbringen. Wir starteten mit einem 2004 Mosbacher Sauvignon Blanc. Ein blitzsauberer, frischer Wein mit klarer, präziser Frucht, feiner Mineralität und sortentypischer Aromatik – 87/100. Zechwein hört sich vielleicht blöde an, aber von so einem Tropfen dürfen es ruhig ein paar Gläser mehr sein.. Banane ohne Ende hatten wir bei einem 1996 St. Joseph Blanc Le Paradis St. Pierre von Pierre Cursodon im Glas. Sehr reif wirkend, wenig Säure, weich, mineralisch, oxidative Note, wirkte schon etwas über Höhepunkt hinweg – 86/100. Ein sehr eigenständiger, spannender Wein war 2002 Cuvée Roucaillat der Domaine Haut Terres de Camberousse. In der Nase Butter, wie in der Pfanne selbstgemachte Karamellen, am Gaumen weich und gefällig, entwickelte dezente Süße, Honigtöne, aber auch viel Lakritz, wirkte deutlich älter – 88/100. Traumhaft schön die Nase beim 2003 Scharzhofberger von Van Volxem. Sehr mineralisch, kräuterig, am Gaumen konzentriert, kräftig, üppig, ausladend. Gehört eigentlich dekantiert und in größere Gläser – 89/100. Sehr säurearm ein 2003 Graacher Himmelreich Auslese* feinherb von Molitor, die Süße dominiert diesen an sich recht schönen Wein, der eine feine Mineralik, Spiel und Finesse zeigt – 88/100. Hier zeigt sich nicht nur die Problematik des zu heißen Jahrgangs 2003 mit seiner Säurearmut. Ich bin auch kein großer Fan halbtrockener oder feinherber Weine. Dezente, gut eingebundene Restsüße bei trockenen Weinen gerne, restsüße Weine im Stile einer Spätlese oder Auslese von Haag oder Prüm mit knackiger Säure auch gerne. Aber dieses halbtrockene Weingeschwuchtel ist nichts für mich. Was war ich 1997 stolz, als ich auf einer Auktion ein paar Flaschen des mit 97 Parker Punkten hochgelobten 1989 Riesling Brand Vendange Tardive von Zind Humbrecht erwerben konnte. Und wie blöd schaute ich dann bei meinen ersten beiden Trinkversuchen 1997 und 2001 mit diesem sehr alkoholisch, ungelenk und zu süß wirkenden Monstrum aus der Wäsche. Da war eben Geduld angesagt und die wurde an diesem Abend belohnt. Das war jetzt ein gewaltiger Stoff mit unglaublicher Strahlkraft. Die ehemals störende, deutliche Restsüße war perfekt integriert und als Einzelkomponente nicht mehr spürbar. Der Wein zeigte eine wunderbare, reife Frucht, immer noch gute Säure, nur ganz dezente Petrolnoten, dafür irre Komplexität und Länge. Einfach die Perfektion und totale Harmonie eines großen Weines – 96/100. Das wird auch das Hauptproblem dieser elsässischen Giganten sein. Sie werden nicht verstanden und zu jung ausgetrunken. Früh getrunken gehört dagegen der 2003 Pouilly Fuissé Les Vignes Blanches der Domaine Cordier. Dieser Wein aus der Paradelage des Gutes ist für einen Pouilly Fuissé erstaunlich üppig und voluminös, woran wiederum der Jahrgang nicht ganz unschuldig ist. Jung, schmelzig, füllig, reichlich Vanille, getoastetes Brot, Mineralik, satte, reife Frucht. Da ist einfach jede Menge Lebensfreude im Glas, die aber sicher nicht allzu lange andauern wird – 92/100. Weiter ging es mit einer Reihe älterer Rhone-Weine. Den Anfang machte ein 1978 Côte Rotie von Dervieux-Thaize. Das war so eine Art Montrose unter den Rhone-Weinen, sehr eigenständig, animalisch, fleischig, dicht, aber auch etwas rustikal und im positiven Sinne streng. Klassische Rhone mit gutem Alterungspotential – 93/100. Traumhaft schön war ein 1976 Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal. Nicht zu vergleichen mit der Qualität der heutigen Brune et Blondes und eher auf einer Stufe mit den LaLas, pure Eleganz und Finesse verströmend, Lakritz, Veilchen, mineralisch, sehr frisch wirkend und noch lange nicht am Ende. Ein traumhaft schöner Wein mit viel Tiefgang – 95/100. Der 1964 Chateauneuf-du-Pape Chateau La Nerthe bestätigte die legendäre Klasse dieses Gutes in den 60ern. Trotz schon hellerer, reiferer Farbe stand dieses unglaubliche Zeugs wie eine „1“ im Glas. Da war eine schöne Süße, Würze und eine unglaubliche Länge am Gaumen – 96/100. Ähnliches galt für den 1952 Chateauneuf-du-Pape Chateau de la Gardine, der noch einen Tick feiner und eleganter war, trüffelig und mit der unnachahmlichen Würze älterer Chateauneufs. Auch hier wunderbare Länge am Gaumen – 96/100. Eindrucksvoll zeigten beide Weine, wie gut Chateauneufs altern können. Sie stehen darin Burgundern kaum nach. Aus der schieren Kraft und dem wohl damals in Top-Jahren schon hohen Alkohol wird eine, großen, alten Burgundern nicht unähnliche Eleganz. Es sollte allerdings schon einer der damaligen Top-Erzeuger wie z.B. Clos des Papes, La Gardine, La Nerthe oder Fortia sein, denn in Chateauneuf wurde und wird immer noch viel folkloristischer Mist erzeugt. Den Abschluss des Abends bildete ein junger Burgunder, ein 2003 Gevrey Chambertin Cherbaudes der Domaine Fourrier. Das war wieder ein typischer 2003er, süß, weich, offen, aber auch etwas breit, diffus und langweilig wirkend – 89/100.
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M I T P A U L A B O S C H B E I S C H O R N
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Natürlich fühlte ich mich da gebauchpinselt. Paula Bosch, die ungemein sympathische und kompetente Top-Sommeliere aus dem Münchner Tantris stattete mir einen Besuch in meinem Stammlokal, dem Restaurant Schorn in Düsseldorf ab. Das war, wie immer zur Prowein, zum Bersten gefüllt. Restaurant, Keller, Garten – überall dicht gedrängt Winzer aus aller Herren Länder. Ich hatte aus meinen bescheidenen Weinbeständen ein paar interessante Einzelflaschen mitgebracht. So mussten wir uns nicht lange mit dem 1990 Petit Village aufhalten, der bei meiner Ankunft auf dem Tisch stand.. Das war ein recht braver, schon verdammt reifer und nicht aufregender Merlot, der seinen Höhepunkt schon hinter sich zu haben schien. Kein Vergleich zu den großen Petit Village früherer Jahre – 88/100. Das Gut gehört dringend in neue Hände und mal wieder von einem engagierten Winzer wachgeküsst. Rioja vom Feinsten und sicher noch deutlich langlebiger als der Petit Village war 1952 CVNE Vina Real Reserva Especial. Ein seidig-eleganter Gaumenschmeichler mit tollem Rückrat und Standvermögen – 94/100. Als deutlich jünger ging auch ein 1929 Chambolle-Musigny von Faiveley durch. Das war großer Pinot Noir, wie er früher erzeugt wurde. Immer noch dichte, deutlich jünger wirkende Farbe, in der Nase und am Gaumen leicht portig wirkend, recht süß, dabei so dicht und kräftig. Und das alles aus einer sicher nicht optimalen Flasche mit gut 7cm Schwund – 94/100. Warum kommt heute aus Chile nur noch überfruchteter, polierter Einheitsbrei? Dabei wurden dort früher, als man sich noch nicht berufen fühlte, einen internationalen Einheitsgeschmack zu befriedigen, durchaus interessante Weine produziert. Blind präsentierte ich einen 1959 Vina San Pedro Gran Vino Cabernet Sauvignon. Immer noch frisch mit kräftigen, etwas austrocknenden Tanninen, ledrig, im Stil eines gut gereiften, aber immer noch lebendigen Bordeaux vom linken Ufer – 91/100. Für Winzer Fritz Keller war das ein 3me oder 4trieme Cru aus den 60ern. Magdelaine Jakits, die charmante Feinschmecker-Chefredakteurin, tippte auf einen Spanier aus den 70ern. Alte chilenische Weine sind leider nur noch sehr schwer zu finden. Im Land selbst wurden erst in den letzten Jahren vermehrt Keller gebaut, in denen solche Tropfen überleben können. In Europa waren das seinerzeit billige Supermarktweine zum schnellen Verzehr. Sollten Sie trotzdem einen solchen Wein finden, empfehle ich schnellen Zugriff. Schlichtweg ein Traum dann 1947 La Fleur Petrus, der sich hinter dem berühmten Namensvetter keinesfalls verstecken muss. Ganz großer, reifer Merlot aus großem Jahr, immer noch fordernd und mit perfekter Tanninstruktur. Bitterschokolade, feinster Schmelz, unendliche Länge am Gaumen und das alles in totaler Harmonie und Perfektion. Die Größe einer solchen Wein-Ikone zeigt sich durch die unglaubliche Ruhe, die ein solcher Wein ausstrahlt. Da ist nichts Hektisches, Aufdringliches, da brüllt niemand etwas von „irrem Potential“ über den Tisch. Einfach perfekter Genuss, den man in Stille und auch mit ein wenig Demut auf sich wirken lässt – 98/100. Perfekter Abschluß war ein 1955 Domaine de l´Eglise aus dem Pomerol. Vielleicht sollte ich über solche Weine weniger schreiben. Dann blieben sie länger bezahlbare Geheimtipps. Domaine de l´Eglise hat nach ziemlich dünner Brühe in den 60er, 70ern und 80ern in den letzten Jahren wieder deutlich zugelegt, ist aber noch meilenweit von der früheren Klasse entfernt. Massiv war das Weingut von den 56er Frösten betroffen gewesen. Die Weinberge mussten komplett neu bepflanzt werden und leider geschah dies, wie bei vielen anderen Gütern auch, eher in Richtung Masse als Klasse. Vor uns stand der letzte dieser faszinierenden, älteren Domaine de l´Eglise. Dichte, immer noch deutlich jünger wirkende Farbe, am Gaumen noch unglaublich jung, dicht und mit irrer Power, ein Weinriese mit sicher noch 10+ Jahren Potential, pflaumig, massig Bitterschokolade, feine Süße. Auch dies Merlot vom Allerfeinsten – 97/100. Komm öfter, liebe Paula, es gibt noch viel zu entdecken.
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P E R F E K T E R A B S C H L U S S
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Die große Messeschlacht war geschlagen und auch im Restaurant Schorn kehrte wieder so etwas wie Normalität ein. In kleiner, feiner Runde kamen wir zusammen, um noch ein paar Raritäten und Einzelflaschen ihrer entgültigen Bestimmung zuzuführen. Als Einstieg tranken wir eine 1983 Brauneberger Juffer Riesling Auslese # 14 von Fritz Haag. Aus der halben Flasche sicher schon über Trinkhöhepunkt weg, wirkte sehr reif, weich, füllig mit dezentem Petrolton, sehr säurearm, aber immer noch schön zu trinken – 87/100. Der erste Paukenschlag kam dann gleich mit einem 1975 Domaine de Chevalier Blanc. Der stand noch so jugendlich und kräftig vor uns im Glas mit guter Frucht und immer noch kräftiger Säure. Wäre blind sicher als 5 Jahre alter Weißwein durchgegangen, aber nicht als 30jähriger. Jungen Weinen dieses Gutes kann ich in der Regel nicht viel abgewinnen. Erst mit dem Alter zeigen sie ihr richtiges Potential. So vielschichtig und komplex, so lang am Gaumen, wirkte in seiner Größe und Intensität mit der leichten Bitternote wie ein hypothetischer, weißer Latour – 93/100. Zu einem der Stars des Jahrgangs scheint sich 1966 Montrose zu entwickeln. Ältere Montrose können, wenn sie noch nicht alt genug sind, ganz schön ätzend sein. Wenn sie dann aber mal reif werden, geht im Glas die Weinsonne auf. So jetzt hier bei einem Wein, den ich bisher nie gemocht habe. Klar, das ist nach wie vor kein schlabberiger Schmusewein. Der 66er Montrose ist sehr eigenständig, terroirbetont und im besten Sinne des Wortes kernig. Aber gerade darin, in seiner animalischen Nase, seiner Rustikalität und seiner Kraft liegt der besondere Charme dieses Weines. Die immer noch sehr dichte, deutlich jünger wirkende Farbe unserer perfekten, französischen Barrière-Abfüllung zeigte, dass man damit nicht nur in diesem Jahr den 40., sondern sicher auch noch den 50. und 60., vielleicht sogar den 70. Geburtstag feiern kann – 94/100. Als erstaunlich langlebig erweisen sich viele 34er Bordeaux, dem mit 37 wohl besten Jahrgang der für Bordeaux sonst eher enttäuschenden 30er Jahre. So auch ein 1934 Cantenac Brown, faszinierende, traumhafte Nase mit malziger Süße, am Gaumen trotz dichter Farbe kompakt und schon leichtgezehrt, aber auch trotz kräftiger Säure sehr fein und elegant – 90/100. Damals musste der 1943 Chateau Tour du Guetteur aus dem besten der Kriegsjahrgänge so etwas wie ein Vorläufer der heutigen Garagenweine gewesen sein. Aus einer kleinen, in Terassen angeordneten und nur von Hand bewirtschafteten Parzelle direkt unterhalb des gleichnamigen Turms aus den mittelalterlichen Befestigungsanlagen des Städtchens St. Emilion wurde in kleinen Mengen diese Cuvée erzeugt. Superdichte Farbe, immer noch gute Frucht, Brombeere in Bitterschokolade, da war Kraft und Komplexität und eine tolle Länge am Gaumen – 94/100. Schier unglaublich danach ein 1929 Chateau La Tour du Haut-Vignobles aus St. Estephe. Irre Farbe, Wahnsinnsaromatik, Mineralik ohne Ende, immer noch Frucht, massig Kaffee, sowohl in der Nase als auch am Gaumen, tolle Struktur und Länge, kräftige, tragende Säure, ein absoluter, best erhaltener Ausnahmewein – 97/100. Beide Weine habe ich recht preiswert vor nicht allzu langer Zeit auf Auktionen erwerben können. Für die meisten Bieter auf solchen Auktionen heißt es: steht nicht bei Parker, steht nicht bei Gabriel, steht nicht bei Broadbent = steht nicht auf meinem Auktionswunschzettel. Bei beiden Weinen dürfte ich zudem, wie der gute Zustand der absolut authentischen Flaschen zeigte, erst der zweite Besitzer gewesen sein. Absolut betörend auch ein 1955 Chasse Spleen in einer perfekten R&U Abfüllung. Wirkte noch sehr dicht und jung mit feiner Aromatik – 91/100. Gut erhaltene Weine aus 1955 sind auch bei kleineren Gütern fast immer eine Bank. Ich war im siebten Rotweinhimmel und reif für süße, heimische Weinträume. Da passierte das während der Prowein Unvermeidliche. Die Türe öffnete sich und herein kamen zu späten Stunde Piemont Express Chef und Caberlot Importeur Jochen Slaby und die Winzerin Bettina Rogosky. Ehe wir uns versahen, stand vor uns ein großes Glas 1999 Il Caberlot. Ich kann mich noch an eine tiefe, rubinrote Farbe erinnern, an eine sich sehr zögerlich öffnende Nase und an einen grässlichen Ton, der einige Stunden später den Beginn eines neuen Arbeitstages ankündigte.
Ach ja, die nächste Prowein findet vom 18. bis 20 März 2007 statt. Sicher ein guter Grund für ein verlängertes Düsseldorf-Wochenende.
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Bordeaux 2005 nachverkostet | Bordeaux 2003
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