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Le Montrachet von Ramonet
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Nachdenklich machte der Anlass. Ein edler Spender und engagierter Wohltäter hatte zur Unterstützung des Kinderhospiz Regenbogenland zu diesem außergewöhnlichen Ereignis gebeten und die Weine gestiftet. Der Reinerlös der Veranstaltung ging komplett an dieses Projekt, das jede Unterstützung benötigt und auch verdient hat. Natürlich kann man den grausamen Gedanken an Kinder, die Sterben müssen, einfach verdrängen. Nur ist damit niemandem gedient, schon gar nicht den Kindern, die das betrifft und ihren Eltern. Wer mehr über dieses wirklich förderungswürdige Projekt wissen möchte, klickt einfach hier.
Nachdenklich machten aber auch die Weine. Klar, wer hier jammert, der jammert auf verdammt hohem Niveau. Doch sind Weiße Burgunder inzwischen ein heikles, viel diskutiertes Thema geworden. Immer noch rar, vor allem bei den Top-Lagen, irrsinnig teuer und leider häufiger auch von zweifelhafter Qualität. Ramonet gehört immer noch zu den zuverlässigsten Erzeugern. Um so ärgerlicher, wenn auch hier zahlreiche Ausfälle zu verzeichnen waren.
Der Start in diesen harmonischen Abend, bei dem uns das engagierte Team des Landhauses Mönchenwerth bestens umsorgte, erfolgte zum „Mundspülen“ nach dem obligatorischen Champagner-Empfang mit einem 2001 Chassagne-Montrachet Les Ruchottes von Ramonet aus der Magnum. Ein frischer, mineralisch wirkender Wein mit Zitrusaromen und knackiger Säure, sehr jung, baute schön im Glas aus, besaß aber nicht viel Kraft und Struktur und blieb relativ flach – 89/100. 2000 Le Montrachet, wie alle Montrachets des Abends von Ramonet, zeigte in der feinen Nase florale Töne. Am Gaumen war er weich, schon zugänglich mit für den Jahrgang durchaus guter Säure. Entwickelte sich gut im Glas und hat sicher noch für etliche Jahre Potential – 93/100. Groß war 1999 Le Montrachet. Ein perfekt strukturierter, sehr kräftiger Wein mit viel Potential, sehr nachhaltig mit toller Länge am Gaumen – 96/100. Ich hätte diesen Wein gerne über ein paar Stunden in einem großen Burgunderglas weiterverfolgt, was an diesem Abend leider nicht gegeben war. Ramonets Weine haben, wenn sie so gut sind wie der 99er, genügend Struktur um mit viel Luft und auch steigenden Temperaturen immer neue Höhen zu erklimmen und sich dabei auch immer wieder zu verändern. Da hat man dann z.B. im Verlauf von 2 Stunden durchaus das Gefühl, vier verschiedene Weine im Glas gehabt zu haben. Wenn man diesen Wein mit dem vielen, dünnen, kurzlebigen Zeugs vergleicht, das in Burgund 1999 auch unter hochtrabenden Namen verkauft wurde, dann zeigt sich hier doch das außergewöhnliche Potential der Domaine Ramonet. Leider war die zweite Flasche des 99ers nicht in Ordnung. Voll da war der reife 1998 Le Montrachet mit seiner explosiven Nase, üppig, ausladend, mit toller Frucht und Fülle, für Burgund geradezu dekadent lecker. Nur am Gaumen merkte man, dass für einen ganz großen Montrachet etwas die Konzentration fehlte – 94/100. Ziemlich daneben war 1997 Le Montrachet. Eine Flasche war oxidiert, was wir im Laufe des Abends noch bei anderen Weinen feststellen mussten. Die Andere war zwar frisch, ohne diese oxidativen Noten, aber doch eher ein harmloser Säuerling, der seinen bescheidenen Zenit bereits deutlich überschritten hatte, wobei die Nase deutlich besser war, als der Gaumen – 88/100. Dieser Wein hätte eindeutig deklassiert gehört. Ihn als Le Montrachet zu entsprechenden Preisen zu verkaufen, grenz schon an Unverschämtheit. Bei 1996 Le Montrachet wiesen beide Flaschen deutliche, oxidative Töne auf. Trinkbar waren sie zwar, aber Vergnügen buchstabiert man anders, leider sehr, sehr grenzwertig – 86/100. Deutlich besser dann 1995 Le Montrachet. Ein sehr feiner, distinguierter, eleganter Wein mit ausgeprägter Mineralität und prägnanter Säure. Wirkt zunächst etwas schlank, entwickelt sich aber im Glas. Ein Wein mit enormem Potential, der zu den langlebigsten der 90er gehören dürfte – 95/100. Überzeugte der 95er eher durch leise Töne, so entpuppte sich 1994 Le Montrachet als etwas ruppiger Kraftbolzen mit kräftiger Säure, guter Statur und Länge. Für das schwierige Jahr aber durchaus ein gelungener Wein – 92/100. Auch bei 1993 Le Montrachet war wieder eine der beiden Flaschen oxidiert und praktisch untrinkbar. Die andere war ein rassiger, fruchtiger Wein, knackig frisch mit fast etwas zuviel Säure. Letztere könnte ihm aber durchaus ein längeres Leben bescheren – 93/100. Kein großes Jahr war 1992, doch 1992 Le Montrachet war für mich der Wein des Abends, bei dem endlich mal die Größe der Lage und die Qualität der Domaine Ramonet voll aufblitzten. Trotz für einen Weißwein ja beachtlichen 14 Jahren wirkte dieser Montrachet noch so frisch mit rassiger Struktur, kräftiger Säure, sehr ausdrucksstark mit klarer Frucht und unerhörter Mineralität, baute im Glas sehr schön aus und entwickelte eine schmelzige Fülle – 97/100. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre. Etwas eckig und ungenerös dann 1991 Le Montrachet. Kein schlechter Wein, aber es fehlte im schlicht und einfach an Fett. Er schien seinen Trinkhöhepunkt auch bereits überschritten zu haben. Am Leben hielt ihn nur noch die kräftige Säure – 90/100.
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Möglich, dass ich dem ein oder anderen Wein nicht voll gerecht wurde. Gerade die besseren Montrachets verdienen große Burgundergläser und viel, viel Zeit und Luft. Als nach einander getrunkene Essensbegleiter kommen sie kaum zur Geltung. 1993 haben wir bei einer Probe mit den Ramonet Montrachets der 80er alle Weine gleichzeitig geöffnet und dann den ganzen Abend über verfolgt. Das erfordert natürlich eine Logistik, die bei dieser Veranstaltung mit 18 Teilnehmern kaum machbar gewesen wäre. Aber die Frage, ob parallel oder nacheinander trinken dürfte sich sowieso kaum stellen. Zu rar sind diese Weine, als dass sich derartige Proben öfter wiederholen ließen. Glücklich darf sich schätzen, wer überhaupt eine Flasche dieser Burgund-Ikone ergattern kann. So hinterließ denn diese Probe bei mir auch zwiespältige Gefühle. Der Seltenheit der Weine und der Einmaligkeit der Veranstaltung war ich mir wohl bewusst. Dafür gebührt dem edlen Spender großer Dank. Aber wenn man vom großen Namen, der Rarität und den hohen Preisen einmal absieht, dann bleibt keine überirdische Qualität übrig. Es gibt nicht nur reichlich Chardonnays aus anderen Gebieten, die für einen Bruchteil des hier Aufgerufenen mindestens soviel Spaß machen. Auch absolut gesehen gibt es inzwischen genügend Weine, die mit den größten Weißen Burgundern gut mithalten können. Ich nenne da nur Marcassin oder Peter Michael aus Kalifornien oder große Grüne Veltliner, z.B. von F.X. Pichler, aus Österreich. Natürlich besitzt Burgund berühmte Lagen und berühmte Namen, die sich die Winzer teuer bezahlen lassen. Kaum eine dieser Lagen ist in Monopolbesitz. Und das ist gleichzeitig auch eines der Hauptprobleme des Burgund. Wer nur eine kleine Anzahl Stöcke z.B. in der Lage Le Montrachet hat, der produziert halt, was die Rebe hergibt. Meist ist der Wein ja ohnehin schon vorverkauft. Von einer radikalen Begrenzung der Erntemengen, wie sie bei vielen qualitätsbewussten Winzern weltweit Usus ist, wird in Burgund wenig gehalten. Und wenn dann noch im Keller versucht wird, das nachzuholen, was im Weinberg versäumt wurde, kommt es eben zu Problemen, wie wir sie leider auch bei einigen Flaschen in dieser Probe erleben mussten. Drei Totalausfälle und 2 sehr grenzwertige Flaschen aus insgesamt 20 sind bei einem renommierten Winzer wie Ramonet und in dieser Preislage völlig unakzeptabel. Viele leidvolle Erfahrungen habe ich in den letzten Jahren mit Weißen Burgundern machen müssen. Gerade das Thema oxidative Noten oder völlig oxidierte, jüngere Weine ist mehr als ärgerlich und wird nicht umsonst in Internet-Foren heftig diskutiert. Da werden völlig ungerührt vom Winzer zu vertretene Probleme für viel Geld in die Keller der Kunden verschoben. Unfassbar. Für mich habe ich daraus bereits die Konsequenzen gezogen. Weiße Burgunder kaufe ich für meinen eigenen Keller praktisch nicht mehr. Die trinke ich nur noch in guten Restaurants, wo mir ein professioneller Sommelier die Möglichkeit der sofortigen Reklamation gibt, oder besser noch eine missratene Brühe erst gar nicht an meinen Tisch bringt. Zurück zu den angenehmen Dingen der Weinwelt. Überrascht wurden wir zum Ende der Veranstaltung noch mit einem 1989 Échézeaux von DRC aus der Magnum. Aus Angst, der reif wirkende Wein könnte das nicht überleben, war die Magnum leider nicht dekantiert worden. Dabei wirkte nur die elegante Nase mit ihren Himbeer- und Erdbeertönen etwas zerbrechlich. Am Gaumen war da noch viel Kraft und eine gute Statur. Der Wein baute im Glas sehr schön aus und wurde mit jedem Schluck besser und generöser. Mit der Zeit entwickelte sich eine feine Süße. Da ist noch keine Eile geboten – 91/100. Sehr überzeugend ganz zum Schluß dann auch noch in kleinerem Kreis ein 1988 La Mission Haut Brion, den einer der Teilnehmer von der Weinkarte des Landhaus Mönchenwerth geordert hatte. So langsam schält sich dieser vergessene Langstreckenläufer aus dem dichten Tanninmantel heraus. Ein zupackender, maskuliner Wein mit enormem Potential und der brutale Gegensatz zum Échézeaux. Dort spielerische Eleganz, hier brutale Kraft, aber nicht ohne Charme. Erinnert mich in der Stilistik an den 78er des Gutes, und ich bin mir ziemlich sicher: da kommt noch mehr! – 91+/100.
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Kalifornier aus den Goldenen 80ern | Bordeaux 2005 nachverkostet
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