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Falscher Fuffziger
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Sie sollte der Höhepunkt einer kleinen Verkostung im Restaurant Schorn werden, die rare und sündhaft teure Magnum 1947 Petrus. Doch leider kam es anders, woran weder der edle Spender Schuld trug, noch der draußen wütende Orkan. Ein sehr schöner Aperitif war die 1979 Erbacher Marcobrunn Spätlese von den Staatsweingütern. Was sicherlich mal vor 20 Jahren ein (zu) süßer Wein war, präsentierte sich jetzt fast völlig trocken. Weitgehend aufgezehrt war die Restsüße dieses in Ehren gereiften Weines, der mit kräftigem Goldgelb ins Glas floss. Durch die markante Säure wirkte er immer noch frisch und kräftig mit leichtem Bitterton im Abgang – 86/100. Ein perfekter Begleiter von Franz Josef Schorns sehr gelungener Gänseleber-Variation war danach ein 1961 Belair aus Sauternes in einer französischen Barrière-Abfüllung. Kein großer Wein und auch kein großer Sauternes-Jahrgang, aber gerade das machte diesen Wein mit seiner ins güldene gehenden Farbe so spannend. Sehr schöne Nase mit Mandelaromen, am Gaumen feine Süße, immer noch frisch wirkend mit guter Säure, bittere Orangenmarmelade. Baute im Glas sehr schön aus und wurde kräftiger und voller – 91/100. Hat sicher noch Potential für 20 Jahre. Solche Weine lassen sich auf Auktionen immer noch für kleines Geld finden und sind unbedingt eine Suche wert. Gerade als Essensbegleiter sind Sauternes aus kleineren Jahren oft die bessere Wahl, da sie durch die kräftigere Säure balancierter sind. Die dicken Brummer aus den großen Jahren trinkt man dann besser solo. Grosse Weinlehrstunde dann im nächsten Flight. Zwei völlig unterschiedliche, trockene, nicht erkennbare Weine standen vor uns. Das erste Glas erkennbar sehr jung mit heller Farbe. Sehr apfelige Nase, Zitrusaromen, knackige Säure, Kraft ohne Ende, gut verpackter, hoher Alkohol, am Gaumen zupackend, fordernd, unglaublichen Tiefgang andeutend. Ein hochtalentiertes Weinbaby, dass nach noch mindestens 5jähriger Lagerung schrie. Könnte mal ein 95+/100 Wein werden, der 2004 G Max von Klaus Keller, heute waren da max. 88/100 im Glas. Auch der zweite Wein noch absolut frisch, furztrocken und ziemlich jung wirkend mit guter Frucht und massiver Säure. Wenn da nicht die goldgelbe Farbe und dezente Reifetöne in der Nase gewesen wären. . Des Rätsels Lösung war ein 1971 Vouvray Moelleux Clos du Petit Mont, dessen Süße komplett aufgezehrt war – 89/100. War der dann folgende 1998 Messorio von Le Macchiole schon langsam auf dem Weg ins Jenseits? Sehr dichte, immer noch junge Farbe, massives Cassis-Konzentrat und reife, satte Brombeere. Ein fettes Teil im Neue Welt Stil, das aber auch etwas überextrahiert und korpulent wirkte mit (zu)viel Holz. Störend und irritierend zugleich vor allem die deutlichen oxidativen Noten, die der Wein mit zunehmender Luft entwickelte. Vor fünf Jahren habe ich diesen Wein mal in seiner jugendlichen Fruchtphase mit 95/100 bewertet, jetzt hatte ich nur noch 90/100 im Glas und habe für die weitere Entwicklung große Bedenken. Im anderen Glas 1997 Masseto, der mir ebenfalls Rätsel aufgab. Völlig anders habe ich diesen Wein in Erinnerung, zumindest bis auf eine Flasche. Viermal war das ein unglaubliches Geschoß, hedonistisch, üppig, mit der Frucht eines jungen Pingus und der Präzision eines Harlan. Nur einmal hatte ich, 2003 in der Sansibar, eine Flasche vor mir, die mir wie diese hier Rätsel aufgab. Das sollte 97 Masseto sein? Kräuterig, Bordeaux-Stilistik, feine Frucht, aber auch etwas unreifes Tannin, grüne Töne, Paprika. Ein sehr feiner, eleganter, würziger Wein, der überhaupt nichts von einem großen Merlot hatte. Zweimal 98/100, zweimal 97/100 und einmal 96/100 habe ich dem 97er Masseto bisher gegeben. Und einmal, in der Sansibar, ratlos vor der Flasche gesessen. So ging es mir leider auch diesmal. Da konnte irgendetwas nicht stimmen. Ganz großes Wein-Kino dann beim nächsten Wein, der erst ganz am Anfang einer längeren Entwicklung stand. Mörderfarbe, Veilchen ohne Ende, weißer Pfeffer, Trüffel, schwarze Früchte, begann ganz verhalten und drehte mit der Zeit mächtig auf. Unglaublich, wie dieses gigantische Teil die heftigen 16% Alkohol versteckte. Sensationelle Länge am Gaumen. 100/100 gibt Onkel Robert diesem Hammerteil. Davon hatten wir heute zumindest schon mal 96 im Glas, aber der 1998 Chateauneuf-du-Pape Da Capo der Domaine de Pegau fängt gerade erst an, richtig aufzudrehen. Und dürfte eine lange, großartige Zukunft haben. Seinen Meister fand der da Capo zumindest an diesem Abend noch in einem 1982 Penfolds Grange, der blind am Tisch als ähnlich jung eingeschätzt wurde. Der wirkte im direkten Vergleich etwas kühler, geschmeidiger, mit wunderbarer, reifer Frucht, viel Lakritz. Bei aller Kraft und Größe sehr, sehr fein mit fantastischer Länge am Gaumen. Ein unsterblicher Grange, der weder in der superdichten Farbe noch am Gaumen irgendwelche Zeichen von Alter zeigte – 97/100. Unsterblich auch der nächste Wein, ein 1922 Barolo eines Erzeugers namens Luigi Rizzo, vor ein paar Jahren aus einem Nachlass erworben. Fast schwerelos war dieser Wein am Gaumen mit unglaublicher Eleganz und Finesse. Ein Wein zum Meditieren, riesengroß mit feiner Süße und Grazie ohne Ende. Ganz dezent zeigte er mit der Zeit etwas Liebstöckel, hielt sich aber im Glas auf unglaublichem Niveau – 97/100. Mit richtig alten Barolos aus guter Quelle und Lagerung habe ich selten schlechte Erfahrungen gemacht. Die haben nicht diese, von mir ungeliebte Aromatik rostiger Sargnägel vieler Barolos aus den 70ern und 80ern. Einen wunderbaren, großen Strauß leicht welker Rosen hatten wir dann im nächsten Glas, dazu noch etwas rote Johannisbeere. Sehr kraftvoll war der 1969 Barbaresco von Gaja, trotz deutlicher Säure sehr schön zu trinken mit guter Länge am Gaumen – 93/100. Beeindruckt war ich auch von einem 1990 Barolo von Giacomo Conterno. Ein sehr komplexer, kräftiger Wein mit dichter Farbe und immer noch massivem Tanningerüst. Dazu Lakritz ohne Ende, Veilchen und kräuterige Noten. Sicher ein Langstreckenläufer – 94/100. Eindeutiger Höhepunkt des Abends war (mal wieder) 1947 Chambertin Vandermeulen, der sich in absolut bestechender Form befand, und nach Aussage einiger Teilnehmer das mit Abstand Beste war, was sie je im Glas hatten. Ein unsterblicher Wein mit süchtig machender Nase und einer von Kaffee- und Mokkatönen geprägten, unglaublich druckvollen Aromatik – 100/100. Ich hatte diesen Wein mitgebracht, um ihn gegen den Petrus zu stellen, dem er in diversen direkten Vergleichen schon die Hosen ausgezogen hat. Doch diesmal kam leider alles anders. Die Magnum 1947 Petrus, die einer aus unserem Kreise großzügigerweise angestellt hatte, erwies sich leider als Fälschung. Erworben hatte er sie vor einiger Zeit für viel Geld bei einem großen deutschen Auktionshaus. Rein äußerlich sah die Flasche zunächst ziemlich unverdächtig aus. Das Glas, die Flasche selbst, war alt und stammte aus der damaligen Zeit. Das Etikett war in sehr gutem, vielleicht zu gutem Zustand. Auch die Kapsel wirkte nicht unbedingt jung und war zumindest gut auf alt getrimmt worden. Mühe hatte man sich auch beim Korken gegeben, der nicht nur den nachgemachten Schlossbrand trug. Er war auch oben wie unten rabenschwarz, womit wohl der Eindruck eines alten Korkens erweckt werden sollte. Einfaches Durchbrechen des Korkens, der übrigens mühelos und unbeschädigt wie bei einem jungen Wein aus der Flasche ging, zeigte aber, das der Korken noch nicht sehr alt war. Der Inhalt der Flasche war jung, sehr jung mit dichter Farbe und reichlich Fruchtsüße. Ich tippte auf einen jüngeren Shiraz, gut und gerne auf 90-91/100 Niveau. Keinesfalls war es aber ein Bordeaux und schon gar kein Petrus.
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Leider nehmen die Fälschungen insbesondere berühmter Weine und Jahrgänge inzwischen Überhand. Mich schaudert es immer, wenn ich auf Ebay nicht nur die zahllosen Angebote von älteren Petrus, Lafleur & Co sehe, sondern auch die hemmungslosen Gebote auf dieses gefälschte Zeugs. Dabei sagt einem schon der gesunde Menschenverstand, dass es diese Flaschen eigentlich gar nicht geben kann. Sehr bedenklich wird es dann, wenn man sich auch auf die Dienste von Auktionshäusern nicht mehr uneingeschränkt verlassen kann. Doch leider fallen auch die immer wieder auf solche, inzwischen verdammt gut gemachten Fälschungen rein. Zumal es ja in der Regel nicht der Fälscher selbst ist, der die Flasche einliefert. Meist ist es irgendein Weinsammler, der selbst diesem Kuckucksei aufgesessen ist. Den beschleicht dann irgendwann ein ungutes Gefühl und er versucht, die Flasche loszuwerden. Tut er das dann im Rahmen einer größeren, für das Auktionshaus interessanten Kellerauflösung, so bestehen gute Chancen, das solche Flaschen mit durchschlüpfen. Was also tun, wie kann man sich vor Fälschungen einigermaßen schützen? Absoluten Schutz gibt es leider keinen. Dazu sind viele Fälschungen inzwischen einfach zu gut. Aber ein paar einfache Ratschläge sollte man schon beherzigen:
1. keinesfalls aus irgendwelchen dubiosen Quellen kaufen, egal wie lukrativ das Angebot ist 2. Unbedingt von Wanderpokalen fernbleiben, bei denen der oder die Vorbesitzer nicht mehr eindeutig zu klären sind 3. Nichts glauben, alles nachweisen lassen 4. Von den großen Ikonen der Weinwelt, wie Petrus, Lafleur und Mouton fernbleiben, sofern nicht ein eindeutiger Kaufbeleg aus damaliger Zeit beigebracht werden kann 5. Moutons nur mit Numerierung kaufen und einen großen Bogen um sogenannte „R.C.“-Flaschen machen 6. Allergrößte Vorsicht bei Vandermeulen-Flaschen, auch beim 47er Chambertin. Korkbrand war bei Vandermeulen nicht üblich, so können Vandermeulen-Weine schon durch einfachen Etikettentausch gefälscht werden. Aus einem preiswerten 55er Clos du Commandeur wird dann plötzlich ein 47er Petrus 7. Bei Auktionshäusern im Falle wertvoller, älterer Flaschen stets nachfragen. Da wird man ihnen zwar nicht die Quelle offenbaren, aber sicher einen Hinweis darauf geben, ob es sich um den gepflegten Nachlass eines leider verblichen, älteren Weinsammlers handelte(Kauftipp!!!) oder um eine Einlieferung mit nicht näher spezifizierter Herkunft der Flaschen(Finger weg!!!) 8. Bei Weinhändlern auf erfahrene, seriöse Altweinhändler setzen, an denen man sich dann im Zweifelsfall auch wieder schadlos halten kann
Und einfach häufiger den gesunden Menschenverstand einsetzen. Viele Weine, die man gerne hätte, sind nicht nur unerschwinglich, sondern auch einfach nicht mehr erhältlich, weil längst ausgetrunken. Leider tauchen inzwischen auch vermehrt Fälschungen jüngerer Weine auf, nicht nur die seit Jahren bei Fälschern beliebten Sassicaias. Wir werden uns wohl auch darauf einstellen müssen, dass die überteuerten 2005er rasch ins Fadenkreuz der Spitzbuben gelangen. Da hilft dann nur noch ein Rat, der nur den jüngeren unter uns nützt. Möglichst früh anfangen mit dem Aufbau eines Weinkellers und nur in Subskription bzw. in Erstauslieferung bei seriösen Fachhändlern kaufen. Erst dauert zwar etwas, aber alt werden die dann authentischen Weine (und man selbst auch) von alleine.
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