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Juni 2007

A L T E   K L A M O T T E N   I 

Mein gelegentliches Strohwitwerdasein finde ich gar nicht lustig. Doch sind da immer gute Freunde, die sich meiner annehmen. So kürzlich mit zwei spontanen Wein-Events. Das erste davon fand bei Franz Josef Schorn statt. Wir waren eine feine, nette Runde, und jeder hatte Wein mitgebracht. Franz Josef kochte dazu wie ein Weltmeister. Und was hat das mit alten Klamotten zu tun? Ganz einfach. Statt zwei Flaschen der üblichen Verdächtigen hatte ich sieben Hochrisikoflaschen mitgebracht, alte Klamotten eben aus nicht unbedingt den besten Jahrgängen. Alles nach dem Motto: wenn zwei der Flaschen gut trinkbar sind, dann ist ok, drei wären Klasse, vier eine Sensation. Und natürlich gab es auch die Möglichkeit des Supergaus, nämlich alle Flaschen hin. Klar grenze ich das Risiko vorher ein. Keine Flasche kommt mit ohne vorherige Sichtprüfung. Der Füllstand ist dabei unwichtig. Ich achte auf eine gesunde, rote Farbe ohne irgendwelche Schlieren.
Der erste Versuch ein 1924 Branaire Ducru in einer Flasche mit schlechtem Füllstand(low shoulder). Leicht kräuterige, etwas medizinale, aber sehr spannende Nase, die mit eingelegten Erdbeeren und feiner Konfiture durchaus auch noch Ansätze von Frucht zeigte. Da kam der Gaumen leider nicht mit. Hier muss der Wein doch Alter und Füllstand Tribut zollen. Zwar immer noch stabil und erstaunlich gut trinkbar, aber doch mit deutlichen Alterstönen, prägnanter Säure und ganz leichter Schärfe – 83/100. Traumstoff dann Versuch #2, ein 1923 Durfort-Vivens. Wunderbar fruchtige Nase, ein ganzer Korb voller Beeren, auch reichlich Tabak, rauchig, sehr fein und elegant. Am Gaumen erst etwas kompakt mit metallischen Noten, entwickelt sich aber unwahrscheinlich im Glas mit toller Länge. Ein sehr spannender Wein, klassisch Margaux mit feinduftiger Eleganz, aber auch mit viel Biß. Steht mit guter Struktur und noch intaktem Tanningerüst wie eine „1“ im Glas und ist noch lange nicht am Ende – 96/100. Durfort-Vivens, ein Deuxième Cru Classé, war früher mal ein ausgezeichneter, begehrter Wein, kraftvoll und langlebig. Diese Flasche zeigte, warum. Schier unglaublich Versuch #3, ein 1946 Cap Coronel Seleccion Especial aus Chile. Superfarbe mit dichtem Kern, Lakritz ohne Ende, dunkle Früchte, konzentrierte, kleine Beeren, am Gaumen sehr kraftvoll, kompakt und etwas harsch, Stil nördliche Rhone und deutlich jünger wirkend. Geht als guter Hermitage durch und entwickelt sich sehr gut im Glas. Ein Powerstoff ohne Schwächen mit Kraft und Länge, dabei unglaublich saftig und mit schöner Fülle – 95/100.



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Versuch #4 ein 1932 La Gaffelière aus diesem ja nicht gerade prickelnden Bordeauxjahr. Der kam nicht nur in einer Burgunderflasche – was damals Ende der 20er/Anfang der 30er in Bordeaux keine Seltenheit war – er hatte auch die faszinierende Kaffee- und Mokkanase eines großen, alten Burgunders und dabei einer erstaunlich dichte Farbe. Am Gaumen sehr lebendig mit spannender Aromatik, dabei frisch wirkend und elegant, trotzdem aber kraftvoll und lang – 92/100. Versuch #5 noch so eine Mordsüberraschung, ein namenloser 1938 Côtes du Rhone eines deutschen Weinhauses, Herm. A. Becker Inh. Ludwig Steudel. Absoluter Wahnsinn, diese dichte, deutlich jünger wirkende Farbe. Dazu eine Wahnsinnsnase, karamellig mit feiner Süße, aber auch Kaffee ohne Ende und ein leichter Gummiton. Dabei am Gaumen noch so frisch, aber auch kompakt wirkend mit einem Hauch flüchtiger Säure. Kraft ohne Ende, kein Wunder, dass viele Weine früher mit so etwas „aufgehübscht“ wurden – 94/100. Das konnte so nicht weitergehen, jetzt musste auch mal eine Niete her. Da schrappte aber #6, ein 1944 Rausan Ségla aus diesem sehr schwierigen, letzten Kriegsjahrgang noch so gerade dran vorbei. Ein fast zeitlos wirkender, in Ehren gereifter Wein, den die massive Säure am Leben erhielt. Sehr schöne Erdbeernase, immer noch gut trinkbar – 84/100. Und endlich, zum Schluß kam dann mit #7 der Wein, der zeigte, dass hier doch alles mit rechten Dingen zuging. Optisch in gutem Zustand war die Flasche 1933 Pichon Baron de Longueville in einer französischen Händlerabfüllung.. Der Inhalt entsprach aber eher der offiziellen Jahrgangsbewertung in Bordeaux. Schon ziemlich müde Farbe mit deutlichen Altersspuren, sehr viel flüchtige Säure am Gaumen, eigentlich nur noch mit Schmerzen zu genießen. Getrunken haben wir die Weine in dieser Reihenfolge, aber immer unterbrochen durch andere, schöne Geächse, die die Teilnehmer unserer kleinen Verkostung mitgebracht hatten.
Für den Jahrgang erstaunlich schön war ein 1958 Barolo des Marchese di Barolo. Ich hielt ihn spontan erst für einen älteren Montrose, mit dem er durchaus die etwas ruppige, eckige rustikale Art teilte. Dabei war es ein durchaus saftiger, griffiger Stoff mit deutlich animalischer Note, aber auch noch etwas Frucht, kräftiger Säure am Gaumen und guter Länge, dabei etwas streng wirkend. Für den Jahrgang ein Hit und für Barolo-Fans sowieso. Wer diesen Stil mag, gibt sicher mehr als meine knauserigen 87/100. Total überrascht war ich von einer 1976 Riesling Beerenauslese Abtei Rupertsberg des Weingutes Schlösschen am Mäuseturm von der Nahe. Die haben in diesem Jahrgang mit Gottes Hilfe wohl den Wein ihres Lebens gemacht. Faszinierende Nase, in der sich der gesamte Katalog eines großen Honigversandes in Form von Probepackungen fand, am Gaumen knackige Säure, die die Süße gut abpufferte. Dadurch wirkte dieser Wein sehr frisch und auswogen. Das war wirklich großes Süßweinkino, im Stile eher 75 als 76 – 95/100.



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Und nicht nur Altertümer tranken wir, sondern auch ein paar sehr schöne, jüngere Weine. Sehr überzeugend der reife 1986 La Turque von Guigal. Der wäre was für die nächste Haribo-Werbung, so wunderbares Lakritz schoß da aus dem Glas. Ein betörender, saftig-kräftiger Wein mit burgundischer Fülle, der zum Vieltrinken animiert, würzig, sehr gefällig und auf dem Punkt – 93/100.. Auch aus diesem Jahrgang stammte 1986 Ducru Beaucaillou. Das war beim zweiten Versuch endlich mal wieder eine gute Flasche ohne diesen ekelhaften, wohl durch Holzschutzmittel verursachten Ton, der sehr viele der Ducrus zwischen 1985 und 1990 so verunstaltet und der leider auch die erste Flasche zierte. Sonst wäre, bzw. war das in der 2. Flasche ein klassischer, gelungener Ducru, der die jahrgangstypische Kraft mit sehr viel Eleganz und Finesse verband – 93/100 für die bessere, zweite Flasche. 1993 Palmer war kein schlechter Wein, zeigte aber deutlich die Problematik dieses Jahrgangs. Wenn die feine Frucht verschwindet, bleibt ein massives Gerippe aus Tannin. So zeigte sich dieser Palmer durchaus ansprechend mit sehr viel Kraft und Länge, aber ohne die Eleganz und Finesse, die einen großen Margaux und Palmer auszeichnet. Mich erinnerte er ein bisschen an ältere Sammarcos – 87/100. Auf diesem Niveau wird er sich sicher noch länger halten. Kein Ruhmesblatt für den teuren und inzwischen auch preislich stets vergoldeten Namen war 1989 Cheval Blanc in diesem ansonsten starken Bordeaux-Jahrgang. Sehr kräuterige Nase, auch mit floralen und etwas grünen Tönen. Zeichen eines nicht perfekt ausgereiften Cabernet Franc, der ja Cheval Blanc sein sonst süchtig machendes, unnachahmliches Parfüm beschert. Am Gaumen recht kräftig mit viel Tannin und wenig Eleganz. Das klingt sehr hart für einen Wein, der sich insgesamt auf 90/100 Niveau recht schön trinken ließ. Aber die Top-Weine des Bordeaux müssen sich halt an ihrem eigenen Anspruch und an den maßlosen Preisen messen lassen. Vielleicht geschieht bei diesem Wein ja in den nächsten 10 Jahren noch ein Wunder. Ich würde es mir für meine eigenen Flaschen sehr wünschen.



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A L T E   K L A M O T T E N   I I 

Zwei Tage später bin ich wieder mit 7 alten Weinen losmarschiert. Diesmal in die Vinothek La Vinesse in der Lindenstraße in Düsseldorf. Ich würde ja gerne einen Link auf diesen tollen Weinladen setzten, aber der sympathische Hartwig Fricke, ein echter Gesinnungstäter in Sachen Wein, kommt leider mit seiner Homepage nicht in die Pötte.
Etwas größer die Runde diesmal und außer mir erstaunlich viele Strohwitwer. Zur Begrüßung und als Einstieg in einen Klasseabend war Weißwein angesagt. Hartwig Fricke kredenzte uns zwei Begrüßungsschlucke. 2006 Monzinger Frühlingsplätzchen Kabinett trocken von Emrich-Schönleber war ein herrlich frischer, rassiger Riesling mit knackiger, fast bissiger Säure, reintöniger Frucht und schöner Mineralität. Nichts für zarte Mägen, aber ein echter 2006er für Freunde kerniger Rieslinge – 87/100. Gewöhnungsbedürftig für mich wie schon ein paar Wochen vorher 2005 Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Alte Reben von Leitz aus dem Rheingau. Mit Rheingau hat dieser Wein eigentlich nichts zu tun. Das ist ein völlig anderer, fetter Stil, der eher Richtung Österreich geht. Alkohlreich(13.5%), wuchtig, erstaunlich reif mit nicht übermäßiger Säure. Auch diesmal ging mir das im Stehen viel zu schnell. Ich werde mir jetzt mal ein paar Flaschen zulegen und mich intensiver damit befassen.
Ernsthaft wurde es dann mit einem goldgelben Powerstoff, eingeschenkt aus verdeckter Flasche. Die Nase eines großen Burgunders, am Gaumen gut integriertes, massives Holz, gute Frucht und Säure, immer noch taufrisch wirkend, mehr Kraft als Finesse, perfekt strukturiert mit irrer Länge. Es war ein 1992 Kistler Vineyard Chardonnay, der sich einfach perfekt präsentierte und eindrucksvoll zeigte, wie gut ausgewählte, kalifornische Chardonnays z.B. von Kistler oder auch von Au Bon Climat altern können – 95/100. Gerade für Kistler gilt, dass diese Weine auch ein gewisses Alter brauchen. In der Jugend wirken sie oft zu dick und sättigend. Ein ganz armer Wurm war danach ein 1985 Chevalier Montrachet von Chartron Trebuchet. Petrol und Weihrauch in der Nase, am Gaumen eindimensional, langweilig und schon ziemlich oxidiert – 81/100. Einfach „schlechter Äppelwoi“, so eine sehr treffende Stimme am Tisch, war ein 1996 Pouilly Fuissé der Domaine Valette. Stark oxidierte, abweisende Nase, am Gaumen viel Kraft und Länge, aber auch oxidative Noten und viel überreifer Apfel, wenig Genuss – 81/100.
Damit war der Weißweinteil beendet und ich begann mit meiner 7er Wundertüte. #1 ein 1956 Brolio Rosso Riserva aus Italien. Allgemeines Gelächter, als dieser Chianti mit sehr hellem Altrosa und deutlichem Braunrand in die Gläser kam. Das sollte noch trinkbar sein? Faszinierende Nase mit Rosenduft, gute Frucht und Säure, immer noch quicklebendig, durchaus gut trinkbar und für das schwierige Jahr sicher ein Hit – 85/100. Als #2 öffnete ich einen einfachen 1943 Medoc des französischen Handelshauses Ochsner&Fils. In der Nase Massig Leder, Tabak und Zedernholz, am Gaumen kräftige, aber tragende Säure, ein in Ehren gut gereifter, alter Wein – 84/100. Sehr überzeugend als #3 ein 1955 Malartic Lagravière. Superfarbe, in der Nase viel Lakritz, so lebendig und frisch, steht perfekt im Glas, schöne Länge. Einfach ein kompletter Wein und ein gutes Beispiel dafür, wie auch kleinere Weine aus 1955 bei guter Lagerung heute noch sein können – 92/100. Eine schöne Farbe hatte auch noch #4, ein 1937 Desmirail aus Margaux. Dazu eine komplexe Nase mit Tabak, Leder, Rosmarin. Etwas Liebstöckel, Kirschfrucht, würzig, am Gaumen schlank, aber immer noch mit Tanninen, viel Struktur und Kraft, ein verdammt stramm wirkender Wein, aber alles andere als eindimensional, machte einfach Spass – 93/100. Leider war der Erzeuger von #5, einem 1949 Chateauneuf-du-Pape auf dem verschmutzten Etikett nicht zu identifizieren. Was für ein Hammerteil! So würzig, so dicht, das berühmte Pfauenrad an Aromen, unglaublich explosive Aromatik, Kaffee, Kräuter, balsamische Noten, sehr lang, einfach kompletter, großer Wein – 97/100. Identifizierbar war #6, aber gehört habe ich davon noch nie. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen. Es war ein 1917 Chateau Mandelot mit der Lagenbezeichnung Arrières Beaune von Bouchard. Der hatte schon eine ziemlich helle Farbe, aber eine Traumnase mit Erdbeere, Kaffee und kräuteriger Würze, unendlich fein und elegant am Gaumen, mineralisch, vielschichtig, ewige Länge, gute Säure, kein Wein der lauten Töne, sondern eher subtil und dabei trotz 90 Jahren kein bisschen müde – 94/100. Hellwach auch die #7 und hellwach alle, die in auf die Zunge bekamen. Dieser 1919 Chambolle Musigny von Abel Porte, eigentlich eine Dorflage, aus diesem Jahrhundertjahrgang im Burgund war ein Monument ohnegleichen. Kaffee ohne Ende, geröstetes Brot, leicht karamellige Süße, gebrannte Crême, so eine aromatische Dichte und immer neue Facetten, auch noch Frucht, unglaubliche Länge, Dichte und Komplexität, einfach ein Traum – 100/100. Ob heutige Burgunder die Klasse dessen, was 1911, 1915 und 1919 erzeugt wurde, noch erreichen können? Zumindest von der Langlebigkeit her sicher nicht.
Gut, ich war mit meinen „Klamotten“ durch, aber der Abend war noch längst nicht zu Ende. Schon wieder hatten wir einen großen Burgunder im Glas. Mit sehr reifer Farbe zwar, aber mit unglaublich vielschichtiger Nase, so fein, soviel Druck am Gaumen, so unglaublich lang, ein Traumstoff, auf dessen Etikett 60 Clos de Tart Mommessin stand. Das war nicht anzuzweifeln, die Flasche war echt. Wissen muss man nur, dass es die Winzer früher in schwachen Jahrgängen nicht immer so ganz genau mit dem Inhalt nahmen, wenn dr Vorgängerjahrgang außergewöhnlich war. So, wie die Vorväter schwächeren Gewächsen mit dunklerem Zeugs von der Rhone auf die Sprünge halfen, wurde schon mal der Nachfolgejahrgang mit dem Vorläufer aufgebessert. So war in dieser Flasche sicherlich ein Gutteil 59er mit drin. Nur so sind die verdienten 96/100 zu erklären.
Nicht nötig war das bei 1982 Penfolds Grange. Großer Wein aus großem Jahr. Ein feiner Riesen-Australier mit Stil statt Alkohol. Dezente Exotik mit etwas Eukalyptus, große Fülle, viel Kraft, aber dabei so perfekt strukturiert, distinguiert statt marmeladig, ewig lang am Gaumen, Wahnsinnsstoff. Australien, wie es war, bevor alle der Firma Dickmann nacheiferten – 97/100. Klar, mit so einem Klassiker konnte der 2001 Rasteau der Domaine Gourt de Mautens von Jerôme Bressy nicht mit. Obwohl auch das einverdammt distinguierter Kraftbolzen war, animalisch in der Nase zwar, lakritzig und dicht, aber trotz aller Power sehr fein und elegant – 93/100.
Es wurde spät und später, eigentlich wollte ich ins Bett. Und dann plötzlich doch nicht, denn vor mir stand ein Wein, bei dem man auch ohne Schlaf träumen konnte, 1939 Gurzuf Rosé Muscat aus der Massandra Collection. Die wunderbare Nase führte mich durch ein großes Rosenbeet, so fein, so elegant, das setzte sich am Gaumen fort, würzige Süße, unglaubliche Länge, könnte als Ideengeber für die großen Patissiers dieser Welt dienen, Wahnsinn – 97/100.
Musste ich jetzt plötzlich mit dem Schlauchboot nach Hause. Vor mir stand ein 1999 Condrieu Quintessence von Francois Villard. Der hatte so eine intensive Gumminase. Das hätte auch mein Fahrrad sein können. Ein eigenständiger, eigenwilliger Wein, schlank am Gaumen zwar, aber sehr lang mit deutlicher Bitternote im Abgang – 93/100. Deutlich zu jung ein 1995 Beaucastel Chateauneuf-du-Pape. Ich kam mir jetzt vor wie bei einem großen Feuerwerk, wo zum Schluß noch schnell alle übrig gebliebenen Raketen gezündet wurden. Jung animalisch, schlank und sehr verschlossen, gehört noch etliche Jahre auf die Weide – 89++/100.
Mein Taxi wartete bereits, doch das tat auch eine 2006 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von Schloss Lieser. Einen wunderbaren Wein hat der talentierte Thomas Haag da gemacht, feines Süße-/Säurespiel, aber auch viel Kraft. Da fing ich tief in der Nacht noch an zu nörgeln und sprach von der unnachahmlichen Leichtigkeit des Seins, die nur der Vater auf die Flasche bringt. Die Goldkapsel des Vaters hatte ich ein paar Tage später im Glas, ein nicht minder kräftiger, Boytritis-geprägter Rosinen-Turbo. Thomas Haag hat im Wettstreit die reintönigere Frucht und liegt für mich vorne – 93/100.



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B O S T O N   W I N E   P A R T Y 

Zu meinen erklärten Lieblingslokalen auf der anderen Seite des großen Teiches gehört es, das Troquet in Boston. Lange Jahre bin ich hier anlässlich 48-stündiger Crash Trips regelmäßig eingefallen. Jetzt führte mich nach vierjähriger Abstinenz endlich wider eine Reise dorthin, wo ich schon so viele schöne Abende mit noch schöneren Weinen verbracht habe. Natürlich kann man im Troquet auch gut essen, aber das geht in Boston an sehr vielen Stellen und sicher auch noch deutlich besser. Wo sich mit diesem Troquet aber nur wenige Lokale messen können, ist in der Auswahl und schon gar nicht im sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis der Weine. Er scheint nicht nur die Weine zu lieben, sondern auch seine Gäste, dieser Cris Campell, der joviale Wirt des Troquet. Immer ist er auch für ältere Weinüberraschungen gut, und das zu sehr bezahlbaren Preisen. Wir hatten als leichten, erfischenden Einstieg einen Dreier-Tastingflight 2005 Ürziger Würzgarten von Dr. Loosen gewählt. Über 15 solcher Tastingflights werden regelmäßig angeboten und bieten selbst einem Alleinreisenden die Möglichkeit eines Abends mit vinologischer Vielfalt. Am besten von den drei Rieslingen gefiel mir der Kabinett. Glasklare, apfelige Frucht, kackige Säure, frisch, sehr mineralisch, hoher Extrakt, einfach lecker und schon sehr gut zu trinken, ein Bilderbuch-Kabinett – 91/100. Da tat sich die deutlich fülligere Spätlese sehr schwer gegen. Sie wirkte etwas diffus und war wie die Auslese sicher nicht im besten Trinkstadium. An diesem Abend waren da nicht mehr als 87/100 im Glas, aber das kann sich in den nächsten Jahren geben. Gleiches gilt für die Auslese, sehr süß wirkend, etwas zuwenig Säure, reife Birne, fast schon so etwas wie Birnendicksaft – 90/100.
Aber wir waren nicht für junge, deutsche Riesling gekommen. Was hast Du denn spannendes Älteres, so unsere neugierige Frage an Chris. Er kam zunächst mit einer Flasche 1974 Heitz Pinot Chardonnay Lot Z-41. Das, was da mit güldener Farbe ins Glas floss, war natürlich kein Jüngling mehr. In der Nase eine Mischung aus Karamell, nussigen Tönen und Sherry. Auch am Gaumen eher ein guter, trockener Sherry. Nur starb dieser, für das Alter höchst erstaunliche Weißwein nicht im Glas, sondern baute sogar noch aus und gab zumindest noch einen sehr interessanten Drink ab – 83/100. Wagemutig griffen wir danach zu einem 1969 Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal. Auch der wirkte am Anfang nicht unerwartet sehr gereift und etwas fragil, entwickelte sich dann aber prächtig im Glas. Ein klassischer, wunderbarer Côte Rotie mit der typischen Aromatik, in der Nase etwas medizinal, aber auch mit viel Lakritz, die erste Müdigkeit des Weins verschwand auch am Gaumen rasch – 88/100. Als nächstes kam ein 1975 Spring Mountain Cabernet Sauvignon aus dem Napa Valley auf den Tisch. Superfarbe, satte Kirschfrucht, Kraft und Dichte am Gaumen, ein Hauch Minze und Eukalyptus, tolle Länge. Eine Riesen-Überraschung eines längst vergessenen Weingutes aus einem seinerzeit sehr guten Kalifornien-Jahrgangs – 93/100.



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Ja und dann leisteten wir uns ein Super-Duell, wie man es sonst kaum noch aus einer Weinkarte dieses Planeten zusammenstellen kann, schon gar nicht zu diesen Preisen. 1970 Latour gegen 1970 Vega Sicilia Unico, da waren zweimal 100 Punkte im Glas. Der Latour ein großer Klassiker, Latour und Pauillac in Bestform, ein Kraftbolzen mit druckvoller Aromatik, geprägt von der für Latour typischen, leicht bitteren Walnussnote mit irrem Abgang – 100/100. Geradezu spektakulär der Unico, den ich noch nie so gut getrunken habe. Für mich war das nach dem legendären 68er immer der zweitbeste Unico aller Zeiten. Doch wenn das hier kein positiver Ausreißer war, könnte sich die Reihenfolge umkehren. Geradezu explosive Aromatik mit fantastischer Frucht, Brombeere und Schwarzkirsche, komplex, vielschichtig und wie Latour mit traumhafter Länge - 100/100. Diese zwei Wein, die sich beide von ihrer allerbesten Seite zeigten, nebeneinander im Glas habe zu dürfen, das war ein unglaubliches Erlebnis. Minutenlang war es still an unserem Tisch, so überwältigend war das, was sich da in beiden Gläsern bot und alle Sinne forderte.
Mit dieser Top-Performance der beiden 70er Superstars konnte der dritte, potentielle 100-Pünkter auf allerdings extrem hohem Niveau nicht mithalten. 1990 Hermitage la Chapelle von Jaboulet-Ainé war das gewohnte, superdichte, lakritzige Kraftbündel, noch sehr jung und gut 10 Jahre von der besten Zeit entfernt – 96+/100.
Aus dem Offenausschank(!!!) genehmigten wir uns zum Abschluss noch ein Glas 1999 d´Yquem. Goldene Farbe, exotische Früchte, intensive, rosinige Süße, ein ziemlich fetter Yquem, gut gelungen, aber Yquem geht besser – 93/100.



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M O N T R E A L 

Montreal ist sicher eine Reise wert, insbesondere die pittoreske Altstadt. Vor allem natürlich im kurzen Sommer, in dem diese pulsierende Stadt förmlich aufblüht wie eine Bergwiese. Das gastronomische Leben findet dann vorwiegend draußen statt auf den unzähligen Terassen der Bars, Kneipen und Restaurants. Das Flair ist französisch-mediterran, ganz im Gegensatz übrigens zum langweiligen Umland von Montreal, wo man sich eher im Mittleren Westen der USA wähnt.
Wer an einem dieser prickelnden, warmen Sommerabende in Montreal nicht fündig wird, dem ist nicht mehr zu helfen, so z.B. uns. Wir hatten uns schon lange voraus im Vorfeld für das angesagte Restaurant Nuances entschieden, das vielfach als bestes Restaurant von Montreal bezeichnet wird und zumindest mit 1400 Positionen die umfangreichste Weinkarte besitzt. Das Nuances befindet sich, leider ohne Terrasse, im obersten Stock des modernen Casinos von Montreal, im ehemaligen, futuristischen französischen Pavillon der Weltausstellung. Das Essen im Restaurant ist durchaus sehr gut, aber nicht aufregend, der förmliche Service sicher verbesserungswürdig, insbesondere, was die teilweise doch recht grimmigen, verbissenen Gesichter anging. Ein Ärgernis die dicke Weinkarte. Gut, ausgerechnet das französiche Quebec hat ein quasi-staatliches Weinmonopol und recht hohe Steuern auf Wein. Wenn dazu dann noch unmäßige Gier kommt, geht gar nichts mehr. Die Preise waren zum größten Teil dermaßen abstrus, dass uns dazu nichts mehr einfiel. Einen trinkbaren, guten Bordeaux zu finden, der sein Geld einigermaßen wert war, erwies sich als völlig unmöglich. Wenn ein 1982 Petrus (den wir ohnehin nicht getrunken hätten) mit einer astronomischen Schutzgebühr von $ 14.000 versehen ist, lässt das noch einigermaßen kalt, aber wenn an einem 1990 Clinet $ 3643 entsprechend etwa € 2500 dranstehen, dann ist das einfach aberwitzig.
Wir landeten schließlich als Weißwein bei einer 2001 Wehlener Sonnenuhr Spätlese von S.A. Prüm. Das war ein durchaus feiner, fülliger, schon erstaunlich reif wirkender Wein mit guter Säure, geprägt von Zitrus- und Limettenaromen – 89/100. Kann auch nicht ansatzweise mit dem mithalten, was z.B. JJ Prüm in dieser Lage erzeugt..
Als akzeptabelsten Rotwein hatten wir nach langer Suche einen 1997 Dominus identifiziert für $ 275, also etwas unter 200 Euro. Das war schon ein toller Stoff, der in wunderbarer Art die satte, kalifornische Frucht mit einer eindeutigen bordelaiser Handschrift verbindet. Immer noch verdammt jung wirkend mit strammem Tanningerüst – 94+/100. In gut gelagerten Flaschen wie dieser geht da erst in 5-10 Jahren richtig die Post ab. Der Dominus dürfte sich als einer der langlebigsten Weine aus diesem kalifornischen Superjahrgang erweisen und ist angesichts noch recht maßvoller Preise sicher eine Suche wert.
Zum Stil dieses etwas merkwürdigen Hauses passte es leider auch, dass man erst versuchte, uns zum gleichen Preis einen 98er Dominus unterzuschieben. Dass wir aufpassten, war den Herrschaften dann doch verdammt peinlich.



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D I E   K I S T E   I S T   S C H O N   H A L B L E E R . . . . 

....und jetzt kommt er endlich. Die Rede ist von 1988 Troplong Mondot. Sehr rustikal, anstrengend, tanninbetont waren meine ersten 6 Flaschen, mehr oder weniger genossen zwischen Ende 2002 und Ende 2006. Über 87 bis max. 89/100 bin ich da eigentlich nie gekommen, was mit anderen Worten heißt, dass bei einem Cru dieser Qualitäts- und Preislage keine allzu große Freude aufkam. Ganz anders an diesem Juniabend 2007. Konnte das derselbe Wein sein? Immer noch präsente, aber deutlich weichere, reifere Tannine, die schöne Frucht kam besser zur Geltung, zum allerersten Mal machte der 88er Troplong Mondot Spass, mit feinem, fruchtigen Schmelz. Ich bin mir ziemlich sicher, da kommt noch mehr – 91+/100. Schon wieder einer dieser unterbewerteten, unterschätzten 88er. Austrinken steht bei René Gabriel. Nachkaufen steht jetzt bei mir. Würde ich gerne auch tauschen gegen meine 89er und 90er Troplong Mondots. Die werden zwar bei Parker sehr hoch bepunktet, bauen aber rapide ab. Überreife, flüchtige Säure, beide Weine sind nur noch ein Schatten ihrer selbst.



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M I T T E N   I N   S T .   J U L I E N 

Mitten in St. Julien liegt es, dieses sehr empfehlenswerte Restaurant und es trägt auch diesen Namen. Wir saßen hier zu einem späten Mittagessen auf der schönen Terrasse und genossen die schnörkellose, wohlschmeckende Küche, die ihre 13/20 GaultMillau Punkte locker verdient hat. Klug zusammengestellt auch die Weinkarte des Le Saint-Julien, auf der sich bis hin zu einem 1949 Haut Brion auch zahlreiche, ältere Gewächse finden. Wir entschieden uns zunächst für einen 2004 Smith Haut Lafitte Blanc. Der hatte eine wunderbare, Sauvignon Blanc betonte Nase, wirkte aber am Gaumen sehr holzlastig und etwas eckig, habe ich besser in Erinnerung – 90/100. Es mag aber auch an uns gelegen haben und an den hohen Temperaturen, dass dieser kräftige Wein nicht so richtig sang. Zu Temperaturen von 30 Grad und mehr passt nun mal ein frischer Riesling deutlich besser. Dazu hätte der Smith Haut Lafitte dringend dekantiert gehört. Grandios hingegen ein 1996 Haut Bailly. Als erstaunlich trinkreif erwies sich dieser Haut Brion für Schlaue. Reife, pflaumige Frucht, rauchig, viel Tabak, am Gaumen saftige Fülle und ein schöner Abgang. Sicher kein Wein für die Ewigkeit, aber bezahlbarer Trinkspaß auf 92/100 Niveau für die nächsten 10-15 Jahre.



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I M   R E C H   D E R   S I N N E 

Es hat schon seinen Grund, dass die Residenz Heinz Winkler im malerischen Aschau stets ausgebucht ist. Hier herrscht Wohlfühlatmosphäre pur auf höchstem Niveau.
Zum Niederknien die schlichtweg sensationelle, sinnliche Küche des Hauses. Hier wird nicht mit Effekthascherei oder Chichi gearbeitet. Was auf den Teller kommt, basiert auf schonendem Umgang mit besten Grundprodukten, auf perfekten Garpunkten und auf schlichtweg außerweltlichen Soßen. Und noch etwas gibt es bei Heinz Winkler, das leider in der Gastronomie nicht selbstverständlich ist: Platz! Hier stehen auch Zweiertische nicht zur Hühnerleiter aufgereiht oder verloren mitten im Raum. Große Tische, komfortable Stühle und genügend Entfernung zum Nachbarn, ungetrübtem Genuss steht da nichts im Wege. Nicht ganz einverstanden war ich mit der Weinkarte. Die war zwar dick und sehr schwer, aber muss man beim Lesen auch immer gleich erfahren, was es alles nicht mehr gibt? Die Zeiten, wo ausgetrunkene Weine durchgestrichen, entsprechend markiert, oder wie hier in reichlicher Form überklebt(nur der Preis) werden, sollten doch angesichts moderner Technik lange vorbei sein.
Eine 2005 Morstein Riesling Auslese von Wittmann erwies sich als gelungener Einstieg und Champagner-Alternative. Sehr extraktreich mit schmelziger Frucht, Pfirsich, reife Ananas, mineralisch, erfrischend mit guter Säure und mit nur 8% Alkohol – 92/100. Ganz großes Riesling-Kino war danach ein 2005 Kirchspiel Riesling Großes Gewächs von Klaus Keller. Maitre Kieffer hatte uns den Wein unaufgefordert dekantiert und in großen Gläsern serviert. Bravo! Denn ohne Dekantieren in den Minibehältnissen, die in vielen Restaurants für Rieslinge genutzt werden, wäre dieses Riesenteil völlig untergegangen. So kam er zwar zu Anfang ganz schön stramm ins Glas, entwickelte sich aber rasch und wurde zugänglicher. Perfekte Frucht, reifer Pfirsich, Mirabelle, an Kalkstein erinnernde, intensive Mineralität, für 2005 erstaunlich knackige Säure, perfekte Balance und Struktur, vielschichtig, fantastischer Spagat zwischen aromatischer Dichte und subtiler Eleganz, großes Entwicklungspotential – 95+/100. Wie gerne würde ich die Entwicklung dieses Weines über die nächsten 10 Jahre verfolgen. Dazu müsste ich aber ein mindestens ein Dutzend davon im eigenen Keller haben, was leider nicht der Fall ist. Die wenigen, in homöopathischen Dosen an die Gastronomie verteilten Flaschen werden wohl spätestens nächstes Jahr ausgetrunken sein. Vielleicht noch ein Indiz für die Klasse dieses Weines. Normalerweise trinke ich nur ein, maximal zwei Gläser Weißwein, überlasse den Rest meiner, Weißwein-bevorzugenden Gattin und steige dann schnell auf meine Liebe Rotwein um. Beim Kirchspiel hingegen war ich bis zum letzten Tropfen mit dabei. Nicht entgehen ließen wir uns anschließend den allerdings nicht gerade billigen 1983 Latour. Kostete der doch bei Winkler etwa genauso viel, wie der 2006er Latour in der hirnrissigen 2006er Subskription. Was letztendlich bedeutet, dass der 2006er Latour in 10-15 Jahren, wenn er eine ähnliche Reife zeigt, auf Restaurantkarten bei gut 2000 Euro und mehr liegen muss. Wer soll das dann noch trinken und bezahlen? So begaben wir uns also mit einem Schuss Wehmut auf die Trüffelsuche in diesem großartigen, perfekt gereiften Latour, der jetzt auf dem Punkt war und neben Trüffeln die klassische, leicht bittere Walnussaromatik zeigte. Erinnerte wieder stark an den ebenfalls perfekt gelungenen 71er Latour. Mit feiner Cabernet-Würze wirkte er fast etwas mollig und üppig am Gaumen. A point und einfach schön, ein Wein zum träumen, sicher nicht von der Bordeaux-Zukunft, sondern von alten Zeiten, als reife Bordeaux noch ein Getränk waren und kein hemmungsloses Spekulations-Objekt – 95/100. Ich kann nur dringend zum Kauf von 2006 Latour und anderen Premiers in der Subskription raten. Da kommt mir dann wenigstens niemand auf der Suche nach den verbliebenen, reiferen Jahrgängen in die Quere. Zu zügig leerte sich der Latour. In der Karte fand ich außer einem deutlich teureren 83er Palmer nichts, was danach gepasst hätte. Also lieber vernünftiger geblieben und auf einen fast alkoholfreien Absacker gesetzt. Klar wie Bergkristall war die 1990 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese Goldkapsel # 10 von Fritz Haag Ein traumhaft balancierter Wein, immer noch frisch wirkend mit gutem Süße-Säurespiel, extraktreich und doch filigran, wie es nur Wilhelm Haag, der Altmeister der Leichtigkeit des Weines hinbekommt - 94/100.



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Juli 2007 | Mai 2007