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Januar 2008
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K L E I N E A N K U N F T S P R O B E
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Über 10 Stunden Autofahrt mit allen Staus der Welt und sintflutartigen Regenfällen lagen hinter uns. Das Engadin ist ja wunderschön, aber leider auch grässlich weit weg. Bei der Hinfahrt tröstet einen ja noch die Aussicht auf schöne Urlaubstage über die öde Fahrerei hinweg. Bei der Rückfahrt blieb da nur die Sehnsucht nach dem eigenen, wohlbestückten Keller. Und dahin führte natürlich gleich mein erster Weg. In feiner Runde war eine kleine, spontane Ankunftsprobe angesagt. Große Lust hatte ich auf diese 1999 Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken von Künstler, für mich ein perfekt gereifter, trockener Weltklasseriesling – 97/100. Völlig anders, vielschichtiger, mineralischer und vielleicht auch intellektueller als danach der erwartete, pralle Weißweinhammer, ein 2004 Beringer Chardonnay Private Reserve. Das ist schierer Weißwein-Hedonismus, üppig und füllig, aber weder dick noch plump, satte, reife, exotische Früchte, geröstete Haselnüsse, ein Chardonnay, der spontan anmacht – 95/100. Eigentlich sollte es mit einem 1997 Pride Mountain Merlot so weitergehen. Doch der schien zumindest in dieser Flasche schon leicht zu schwächeln. Der von Parker mal als „liquid Viagra“ beschriebene Stoff brauchte inzwischen wohl selber welches – 87/100. Traumhaft schön dafür ein 2003 Avan Concentracion. Für mich deutlich über den Cepas Centenarias aus 2004 und 2005. Zeigt mal wieder, wie unwichtig Jahrgangstabellen sein können – 93/100. Zumindest keine gute Flasche danach der sonst so zuverlässige 1983 Léoville Poyferré, etwas säuerlich – 87/100. Dieses, äußerlich einwandfreie, im Herbst sehr preiswert erstandene Ebay-Schnäppchen war wohl deutlich anders gelagert worden als meine OHK. Ein portig-eleganter Traum zum Abschluss 1983 Cheval Blanc – 97/100. Ein ganz großer, moderner Cheval Blanc Klassiker, der zumindest derzeit dem 82er haushoch überlegen ist. Kleiner Tipp für alle, die zuviel Geld haben: bevor Sie einer möglicherweise zweifelhaften Flasche 47 Cheval Blanc hinterher jagen, lieber für das gleiche Geld hiervon eine OHK ersteigern.
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D I E W E I N W A N D E R H E U S C H R E C K E
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Ziemlich gerupft wirkte die Weinkarte des malerischen Karnerhof in Frasdorf, doch eine ganze Reihe Weine erweckten doch unsere Aufmerksamkeit. Wir starteten mit einem 2005 Iphöfer Kronsberg Riesling Großes Gewächs von Wirsching. Das war ein klassischer 2005er, voll da, spontan anmachend und animierend mit saftiger Frucht und guter Fruchtsüße, sehr mineralisch, fränkisch-erdig, ein Wein mit viel Biss, der unglaublich viel Spaß machte – 92/100. Da werde auch ich zum Franken-Fan. Natürlich wussten wir auch schon, was wir an Rotweinen trinken wollten. Ein paar Pretiosen zu wohlfeilen Preisen waren uns da schon aufgefallen, so z.B. ein 1990 Hermitage La Chapelle. Doch egal wonach wir fragten, es war schon weg, leider reserviert, oder stand bereits auf dem Zimmer des Übeltäters. Der wohnte schon ein paar Wochen als Gast in diesem Hause und hatte sich gezielt hergemacht über alles, was gut und seinen Preis wert war. Wahrscheinlich war der so eine Art Weinwanderheuschrecke. Bleibt solange hier, bis nichts Gescheites mehr auf der Karte ist und zieht dann weiter in das nächste Etablissement, um das auch leer zu saufen. Übrig gelassen hatte er uns einen 1975 Leoville las Cases. Bei dem war uns auch schnell klar, warum. Viel versprechend die feine, Zedernholz-dominierte Nase, doch am Gaumen kam dann die große Ernüchterung. Einfach nur dürr und zu Anfang mit deutlicher Schärfe, wäre die bloß geblieben, denn als die verschwand, war gar keine Form von Reiz mehr da. Ein Wein, den man trinken konnte, ohne es zu merken, nicht unbedingt schlecht, aber völlig nichtssagend. Übersehen hatte unsere Weinwanderheuschrecke einen 2001 Valbuena 5 Anos von Vega Sicilia. Das war aus diesem großen Spanien-Jahrgang ein noch recht junger, dicht gewobener Wein mit zupackenden Tanninen. In der Nase würzige Waldbeeren, am Gaumen trotz bissiger Tannine auch Frucht und Schmelz und sehr viel Charakter. Wahrscheinlich hat dieser sehr gelungen Valbuena deutlich davon profitiert, dass Vega Sicilia im Jahrgang 2001 keinen Unico produziert. Eigentlich unverständlich, denn schon dieser Valbuena hat enormes Potential und durchaus Unico-Qualität – 94/100. Gut auch, dass die Weinwanderheuschrecke wohl nichts von Süßweinen hielt. So konnten wir uns zu einem köstlichen Kaiserschmarrn noch eine göttliche 2001 Scheurebe TBA Zwischen den Seen von Alois Kracher einverleiben. Ging einfach supergut zusammen. Der Wein hatte einfach von allem reichlich, satte, reife Aprikose und ein paar exotische Früchte, üppige Fülle, knackige Säure, sehr gute Länge am Gaumen und wirkte trotzdem nicht überladen, sondern sogar elegant und finessig – 94/100. Beglückt und leicht berauscht zogen wir anschließend von dannen. Leider ohne uns zu erkundigen, wohin es die Weinwanderheuschrecke als nächstes zieht. Wäre wohl von Vorteil, dort vorher noch einzukehren.
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W E I N K A R T E M I T H E R Z B L U T
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Im Monkeys West, der Promi-Abteilung des Düsseldorfer In-Lokals Monkeys, war ich immer noch nicht. Hier trifft sich, was sich für die bessere Düsseldorfer Gesellschaft hält mit ähnlichen Abgesandten aus anderen Städten. Aber wahrscheinlich tauge ich auch nicht zum Society-Gockel. Angetan hat es mir aber die Weinkarte des Monkey West. Mit viel Herzblut, Sachverstand und Engagement hat hier der talentierte Billy Wagner ein hochklassiges Weinsortiment zusammen gestellt, das sich wohltuend außerhalb ausgetretener Pfade bewegt. So setzten wir an diesem Samstag Mittag natürlich wieder allen geballten Charme ein, um auch im sehr gemütlichen Monkeys South Wine&Dine an Weine aus der geschlossenen Edelabteilung zu kommen.Wir starteten zunächst mit zwei Weißweinen. Vorgeschwärmt hatte ich meinen Schweizer Freunden vom grandiosen 2005 Ruppertsberger Hoheburg Riesling Fass 57 von Bürklin-Wolf. Der war auch noch vorrätig. So konnten wir uns gemeinsam an diesem großen, eigenständigen Riesling begeistern, bei dem endlich mal nicht der übliche Reinzuchthefen-Pfirsich aus dem Glas sprang. Natürlich trotz Dekantierens und großer Gläser viel zu jung, aber sein gewaltiges Potential doch deutlich zeigend, 92/100 heute, 95/100 in 5-10 Jahren. Blüht erst auf, wenn seine frühreifen, polierten Jahrgangskollegen längst das Zeitliche gesegnet haben. Spannend auch der zweite Weißwein, den wir allerdings besser solo und nicht im Vergleich getrunken hätten. So kam der 2005 Sylvaner Myophorium von Johannes Ruck aus Franken doch etwas unter die Räder. Der Name dieses Weines leitet sich von den Myophorien ab, diesen Kleinkrebsen des Urmeeres, die sich in den Iphöfer Weinbergen zu Hauf als Versteinerungen finden. Auch der Myophorium wird mit natürlichen Hefen spontan vergoren und kommt ungeschönt und ungefiltert auf die Flasche. Ausgebaut wird er im kleinen Holzfass aus Iphöfer Eiche. Spontan erinnerte uns dieser Wein an einen Spaziergang am Meer, Algen, Jod, Nordseeluft, Muschelkalk. Dazu kamen eine deutliche Holznote und reichlich Vanille, sowie mit der Zeit eine immer stärkere, kräuterige Aromatik. Ein spannender, eigenständiger Wein. Leichter und eleganter als der mächtige Ruppertsberger. Wird sich nicht nur über etliche Jahre sehr gut entwickeln, sondern braucht diese Zeit eigentlich auch. Aus den heutigen 89/100 könnten da durchaus noch 92/100 werden. Bass erstaunt waren meine Schweizer Freunde, als sie auf der Karte einen 2005 Blauburgunder Monolith von Christian Obrecht aus Jenins in Graubünden fanden. In der Schweiz selbst ist dieser rare Wein kaum zu bekommen. Natürlich musste der in unser Glas. Erstaunlich helle Farbe, viel getoastetes Holz, gute, himbeerige Frucht, baute sehr schön im Glas aus und wurde weicher und generöser, eine wunderbare Fruchtpraline, Himbeere im Schoggimantel – 93/100. Eigentlich, wenn man ihm genügend Luft gibt, jetzt schon gut trinkbar. Aber auch diesen Wein würde ich gerne in ein paar Jahren mal trinken. Dann aber wohl nicht hier. Das ist eben die Crux auch einer solch exzeptionellen, mit viel Liebe und Sachverstand gestalteten Karte. Der gute Billy Wagner muss angesichts begrenzter Lagerkapazität und sicherlich ebenfalls begrenztem Budget die jeweils angebotenen, jungen Jahrgänge kaufen und die dann im nächsten Jahr durch den jeweiligen Folgejahrgang ersetzen. Wer solche Weine reif erleben möchte, der holt sich hier jeweils beizeiten die entsprechenden Anregungen und kauft dann gezielt nach.
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S P Ü L M I T T E L
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Gut hatte es der Wirt mit uns gemeint. Als sich unser 2004 Riesling Alte Reben von Molitor dem Ende zuneigte, stellte er uns noch jeweils ein Glas 2004 Gewürztraminer Kolbenhof von Hofstätter auf den Tisch. Erst dachte ich, es läge an meinem Glas. Da war dieser fürchterliche, seifige Ton, dieses billige Spülmittel-Parfüm. Aber es war leider in allen drei Gläsern der Wein. Seit wann muss man Reinigungsmittel trinken? Dazu bitter am Gaumen, unreif wirkend und sehr alkoholisch. Für diesen Auftritt waren 82/100 ausgesprochen wohlwollend. Nein, diesem Wein konnten wir alle nichts abgewinnen. Der war entweder nicht in Form oder in dieser Flasche fehlerhaft. Merkwürdig daran war nur, dass uns aus einer schon weniger als halbvollen Flasche eingeschenkt wurde. Hatte das denn vorher niemand bemerkt? Da hatten wir mit dem Molitor schon mehr Freude gehabt. Ein prächtiger, sehr mineralischer Riesling mit gewaltiger Struktur, der nur einen Fehler hatte. Er war mindestens 5 Jahre zu jung. Da könnten dann mal gut 90/100 und mehr ins Glas kommen. Aber mit den heutigen 88/10 waren wir auch schon zufrieden.
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S C H W A R Z E S G O L D
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Ja, ich bin ein bekennendes Trüffelschwein. Hat mich der Duft dieser hocharomatischen Knollen einmal gefangen, gibt es kein Halten mehr. Trüffel in der Nase eines Weines sind ja schön und gut. Trüffel auf dem Teller sind mir aber noch deutlich lieber. Wenn nur das Zeug nicht inzwischen so sauteuer wäre. Ganz schlimm sieht es bei den Weißen Alba Trüffeln aus. Da sind die Preise so astronomisch hoch und die Qualität gleichzeitig so variabel. Einmal habe ich mir im letzten Herbst beim Italiener Trüffel über die Nudeln hobeln lassen. Eh ich mich versah, war ich für ein eher durchschnittliches Erlebnis gut € 100 los. Da wird dann aus der Trüffel-Liebe leicht eine Trüffel-Allergie. Lieber als die Knollen aus dem Piemont sind mir allerdings die etwas bissfesteren, schwarzen Perigord Trüffel. Mit denen lässt sich auch in der Küche mehr anfangen, vor allem, wenn man ein Genie ist und Bernd Wirtz heißt. Wie im letzten Jahr hatten wir wieder zusammengelegt und gemeinsam eine größere Menge dieses Schwarzen Goldes erworben. Für nicht viel mehr pro Nase, als so ein durchschnittliches Trüffel-Erlebnis beim Italiener kostet, kam da eine anständige Menge zusammen. Superfrische Ware hatte der liebe Bernd bei einem Spezialimporteur aufgetrieben. Und mit der zauberte er uns ein siebengängiges Trüffelmenü vom Allerfeinsten. Bis hin zum ganzen Trüffel im Blätterteig war alles mit dabei, schlichtweg ein Traum. Wohl dem, der ein solches (Hobby)Kochgenie auf absolutem Sterne-Niveau zum Freund hat. Da mussten natürlich anständige Weine zu. Mit einer 2004 Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese von Dönnhoff begrüßte uns der Herrscher der Pfannen und Töpfe. Ein dichter, fruchtiger, stoffiger, mineralischer Wein, immer noch sehr jugendlich wirkend, aber dieses Aha-Erlebnis, das ich beim Großen Gewächs meist habe, wollte sich hier nicht einstellen – 92/100. Als Rotweingläser hatte der Gastgeber die Riedel Bordeaux Sommelier Pokale vorgesehen. Sicher nicht das beste Glas für eine fordernde Degustation, aber ein Traumglas für schwelgenden Genuss großer Weine aus gut gefüllten Gläsern. So wie es eben nur in kleinem Kreise möglich ist. Die Sommelier-Pokale machen große Bordeaux weicher und nehmen den Tanninen das Bissige. So präsentierte sich denn auch im ersten Flight nicht nur 1983 La Mission Haut Brion sehr weit und reif. Ein feiner Schmeichler mit der klassischen La Mission-Aromatik, mit Teer, Tabak und Cigarbox, nur das in diesem großen Glas alles viel weicher, edler, harmonischer und subtiler rüberkam –95/100. Auch der sonst in guten Flaschen noch so zugenagelte 1982 La Mission Haut Brion wirkte erstaunlich zahm. Im direkten Vergleich war er aber der griffigere, bissigere Wein und zeigte eine ganz dezente Süße – 96/100. Wie gemacht schien das Glas für 1982 l´Evangile. Den habe ich noch nie so hedonistisch schön und offen getrunken. Süchtig machende, irre Nase mit so viel feinem Schmelz, am Gaumen süß und irre lang – 98/100. Da kam im Nachbarglas der 1982 Trotanoy nicht ganz mit. Der wirkte etwas jünger, herber, männlicher. Hier paarte sich die ebenfalls vorhandene, schöne Süße mit der kräuterigen Dichte eines Lafleur. Ein großer Pomerol mit noch viel Potential und langer Zukunft – 97+/100. Nichts, aber auch rein gar nichts zu suchen, weder in diesem großen Glas noch auf unserem Tisch hatte der doch recht enttäuschende 1994 Mouton Rothschild. Dieser dichte, kräftige, animalische, aber auch etwas vierschrötige Wein wurde im Sommelierpokal gnadenlos demaskiert. als spaßloser Geselle. Ein typischer 94er Bordeaux eben, viel Tannin und wenig Freude, beileibe kein kleiner Wein, aber doch verdammt anstrengend – 89/100. Die erheblich besseren Weine kommen in 1994 nun mal aus Kalifornien. Das zeigte eindrucksvoll der 1994 Caymus Special Select im Nachbarglas. Der war jetzt in voller Blüte mit herrlicher Nase, reifer Frucht, so süß und üppig und dabei doch so fein mit perfekter Struktur. Nähert sich in der Form den großen Caymus aus 91 und 92 und hat noch gewaltiges Potential – 96/100. Und einen Absacker gab es für uns Gierige auch noch, eine 1989 Pichon Comtesse de Lalande. Diese Flasche im jetzigen Stadium mehr Pauillac als Comtesse, sehr geradlinig und dicht mit immer noch massiven Tanninen – 94/100. Glück kann man essen und Glück kann man trinken. Wir haben an diesem denkwürdigen Abend beides auf sehr hohem Niveau und sehr ausgiebig getan. Muss ich da noch erwähnen, dass wir anschließend rundum glücklich waren?
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P R I D E M O U N T A I N
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Was konnte das vor uns in den beiden Gläsern bloß sein? Klar, ich wusste es. Ich hatte meinen Mittrinkern eine größere Überraschung angedroht. Eine undurchdringliche, dichte Farbe mit jugendlichem Schwarzpurpur hatten beide Weine, keinerlei Zeichen von Alter. Eindeutig, das musste irgend etwas ganz Junges sein aus 2004, vielleicht auch 2005. Als die Raterei zu Nichts führte, deckte ich die beiden Weine auf. Im rechten Glas 1996 Pride Mountain Cabernet Sauvignon Reserve, im rechten 1996 Pride Mountain Claret Reserve. Der Cabernet hatte eine wunderbare, würzige Nase mit frisch gemahlenem, schwarzem Pfeffer, schwarzer Johannisbeere und Graphit, am Gaumen bei aller Wucht und unbändiger Kraft eine fast cremige Textur. Wirkte weder dick noch mastig, einfach ein großer, geradliniger Wein wie aus einem Stück gemeißelt und sehr lang am Gaumen. Immer noch erst ganz am Anfang einer sicher noch gut 20 Jahre dauerten Entwicklung – 97+/100. Winemaker Bob Foley, der seine Karriere beim legendären Joe Heitz (Martha´s Vineyard) begann, versteht sein Handwerk. Das zeigt sich auch beim Claret, einer Cuvée aus 63% Cabernet, 32% Merlot und 5% Petit Verdot. Der war zu Anfang noch etwas verschlossener, entwickelte dann mit der Zeit eine betörende, sehr elegante Nase mit reichlich Schokolade und einer kräuterigen Frische. Vom Stil her noch etwas mehr Bordeaux als der Cabernet, ebenfalls sehr lang und mit noch viel Zukunft – 95/100. Die Suche nach beiden Weinen dürfte sich bei einer Produktion von nur 330 bzw. 230 Kisten als extrem schwierig gestalten. Nur zwei Jahre lagen zwischen diesen beiden Weinen und dem nächsten, doch von der Wahrnehmung her war es eher ein Jahrzehnt. 1994 La Mouline von Guigal stand jetzt vor uns. So weich, so reif, so wunderbar würzig, so distinguiert und elegant, ein feiner, etwas zurückhaltender, femininer Wein, der mit seinen leisen Tönen erst auf den zweiten Schluck überzeugt. Seide pur im langen Abgang – 94/100. Ich mag die Guigals aus den kleineren Jahren, wobei derzeit meine Favoriten 1992 und 1993 sind. Dafür gibt es zwei simple Gründe. Zum einen sind diese Weine voll da und jetzt trinkbar. Zum andern sind sie mangels hoher Parker-Punkte deutlich preiswerter zu haben, als neuere, jüngere Guigal-Jahrgänge.
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Februar 2008 | Dezember 2007
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