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Februar 2008
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A U F D E R F L U C H T
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Auf der Flucht waren nicht nur traditionell wieder zahlreiche Karnevalsflüchtlinge, die das durch den Rosenmontag verlängerte Wochenende zu einem Kurzurlaub auf Sylt nutzten. Auf der Flucht waren anscheinend auch etliche Sylter Gastronomen. So kurz nach Silvester schon wieder jede Menge Kunden, das ging wohl einigen zu weit. Ob sie wegen Reichtums geschlossen hatten, war nicht herauszufinden, jedenfalls waren so beliebte Lokale wie die Vogelkoje, Manne Pahl oder Hardy´s Weinstuben schlichtweg dicht. Ich konnte damit leben, sehr gut sogar, denn von drei verfügbaren Abenden verbrachte ich so der Einfachheit halber gleich drei bei meinem Freund Jörg Müller. Einfach göttlich wurde ich hier an allen Abenden bekocht und verwöhnt. Und da an einem Abend in den Geburtstag der charmanten Barbara Müller hinein- und am nächsten Abend hinausgefeiert wurde, gab es in netter, größerer Runde reichlich schöne Weine zu probieren. Fangen wir mit der weißen Abteilung an. Gut gefiel mir der 2005 Fritz Haag QbA trocken mit präziser, klarer Frucht und guter Säure – 87/100. Kann sicherlich in den nächsten Jahren noch etwas zulegen, wobei ich diesen Wein persönlich in der halbtrockenen Variante vorziehe. Für den Jahrgang erstaunlich schlank, sehr mineralisch und mit strammer Säure 2005 Deidesheimer Hohenmorgen Spätlese trocken von Bassermann Jordan aus der Doppelmagnum – 89/100. Sehr gut gefiel mir auch 2005 Monzinger Frühlingsplätzchen Spätlese trocken von Schäfer Fröhlich. Auch das ein sehr mineralischer Wein mit reifer, zitroniger Frucht, kräuteriger Würze, kräftiger Säure und sehr präziser Struktur. Entwickelte sich wunderbar im Glas und entwickelte mehr und mehr Fülle – 92/100. Auf ähnlichem Niveau 2002 Rüdesheimer Berg Schloßberg Spätlese trocken von August Kesseler. Begann etwas verhalten und furztrocken mit knackiger Säure, baute aber sehr gut im Glas aus mit reifer, gelber Frucht und sehr geradliniger Struktur, ein großer Wein, der sicher noch 5+ Jahre vor sich hat – 91/100. Schlichtweg begeistert war ich von 2005 Oestricher Doosberg Riesling Drei Trauben von Peter Jacob Kühn. Klar zeigte auch der eine gute Mineralität, aber es war vor allem die verschwenderische Aromatik, die fast etwas barocke, grandiose Fülle dieses fantastischen Weines – 95/100. Angeblich fehlt diesem Wein ja die Gebietstypizität, weshalb er sich nicht Großes Gewächs nennen darf. Die Typizität für meinen Gaumen hat dieser hammerharte Stoff jedenfalls. Dass dieser engagierte Winzer inzwischen mit viel Respekt vor der Natur biodynamisch arbeitet, macht Wein und Winzer noch sympathischer.
Vielleicht noch etwas zur Bewertung. Trockene Rieslinge werden vielfach irgendwo in den 80ern abgestraft, selten, dass da mal einer über 90/100 kommt. Das mag vor allem an der Art der Verkostung liegen. Wer in einer Weinhandlung oder bei einem anderen, ähnlichen Event aus viel zu kleinem Glas einen viel zu jungen Wein probieren muss, der kann dem natürlich nicht viel abgewinnen. Klar, das hier die edelsüßen Weine deutlich vorne liegen. So wie bei den Roten der Alkohol ist hier die Restsüße der Haupt-Geschmacksträger. Ich trinke große, trockene Deutsche Riesling gerne dekantiert aus Bordeaux-Gläsern. So haben sie eine deutlich bessere Chance, sich zu entfalten. Natürlich werden kleinere Wein auf diese Art eher hingerichtet. Die müssen dann eben in dieses winzige Glas, das Riedel mit „Riesling“ bezeichnet. Nur haben eben dort die großen Weine, nicht nur die Großen Gewächse, die in Deutschland in den letzten Jahren erzeugt wurden, nichts zu suchen. Das sind inzwischen Weine, die für mich in der Kategorie „Weiß“ vielfach zur Weltspitze gehören. Diese Weine sind groß, komplex, vielschichtig. Sie brauchen Zeit, Luft, Freiraum und entwickeln sich analog großen Rotweinen oft über Stunden im Glas. Ich kann nur dringend empfehlen, das einmal auszuprobieren. Und dann hätte ich natürlich noch einen Geheimtipp. Wer aus einem jüngeren Riesling alles herauskitzeln möchte, der sollte einmal zum Vinum Extrem Bordeaux von Riedel greifen. Ich habe das erst kürzlich mit dem 2005 Dhron Hofberger Riesling Reserve von Adam gemacht. Wahnsinn, was da abging! Erinnerte mich mit dem aromatischen Druck, der sich da entfaltete an die besten Weine von Knoll und lag an diesem Abend aus diesem Glas bei 95/100. Zur Nachahmung dringend empfohlen.
Zurück zu Jörg Müller und zu den Rotweinen. Leider half bei der 1994 Pichon Comtesse de Lalande auch die Doppelmagnum nicht. In der Fruchtphase in den 90ern war das mal ein schöner Wein, bei dem wie beim gesamten Jahrgang größeres Potential vermutet wurde. Sogar 19 Gabriel-Punkte hat diese Comtesse mal abgestaubt. Inzwischen ist beim Jahrgang 1994 im Allgemeinen und bei dieser Comtesse im Besonderen deutliche Ernüchterung eingekehrt. Statt samtiger, Comtesse-typischer Fülle empfängt uns hier eine Art Zweitwein von Montrose, sperrige Rustikalität, Staub statt Frucht und trockene Tannine. Zu mehr als 87/100 konnte ich mich da nicht überwinden und dachte dabei mit Grausen an die OHK, die noch in meinem Keller liegt. Besser aufgehoben war ich mit Chapoutiers Antwort auf die großen Lagen Côte Roties. Beim 1990 Côte Rotie La Mordorée hatte ich das Gefühl, mitten in der Provence an einem großen Holzkohlengrill zu sitzen. Kräuterige, leicht minzige Frische paarte sich mit einem dicken, blutigen Steak, das da vor sich hinbruzelte. Auf der einen Seite wirkte dieser Wein mit seiner kräftigen Säurestruktur noch recht ungestüm, doch auf der anderen Seite baute er mit der Zeit etwas im Glas ab und wurde zunehmend floraler – 93/100. Ich würde ihn in den nächsten Jahren austrinken. Das gilt wohl auch für 1975 Lafite Rothschild, den ersten guten Lafite nach einer längeren, dunklen Phase. Die reife Nase deutete eher auf einen älteren Wein hin. In der Farbe und auch am Gaumen aber war das ein altersfreier Klassiker mit viel Graphit und Zedernholz, aber auch erdig und mit etwas Unterholz. Wird sich sicher noch eine Weile auf 91/100 Niveau halten und dann im Zeitlupentempo abbauen. Sehr angetan war ich von 1960 Marques de Murrietta Reserva aus Barbara Müllers Geburtsjahr. Der stand wie eine „1“ im Glas, ein sehr guter Rioja mit stabilem Säuregerüst, der in guten Flaschen sicher noch ein oder mehrere Jahrzehnte altern kann – 92/100. Einer der ersten Weine, die ich Ende der 80ziger bei Jörg Müller, damals noch draußen in Nösse, getrunken habe, war 1959 und 1961 Corton Clos des Cortons von Faiveley in halben Flaschen. Die Zeiten sind längst vorbei, aber vielleicht gerade deshalb konnte ich an der Magnum 1990 Corton Clos des Cortons nicht vorbei. Ein immer noch viel zu junges Monument, fruchtig, sehr dicht, kraftvoll und lang am Gaumen. Ein durch und durch großer Burgunder, der an alte Zeiten in Burgund erinnert mit den damaligen, großen Weinen und der eine sehr hohe Lebenserwartung haben dürfte – 95/100. Ich würde mich nicht wundern, wenn sich dieser Wein in 20-30 Jahren ähnlich schön präsentiert wie der am letzten Abend getrunkene 1959 Charmes Chambertin von Drouhin. War das ein herrlicher Tropfen mit klassischer, reifer Pinot-Nase, am Gaumen sehr generös mit feiner Süße, baute im Glas wunderbar aus und zeigte keinerlei Schwäche – 95/100. Fast untergegangen wäre der an einem Abend mit großem Vergnügen genossene 1997 Oberhäuser Brücke Goldkapsel Eiswein von Dönnhoff. Immer noch so unglaublich jung mit fantastischer, fruchtiger Fülle und einer irren Säure. Eigentlich gehört so ein Gigant, bei dem wir wieder mindestens 96/100 im Glas hatten, nicht an das Ende eines opulenten Abends, sondern an den Anfang. Und dann wäre da noch der grandiose Geburtstagschampagner, ein 1990 Pol Roger aus der Magnum. Ein herrlich weicher, sehr reichhaltiger, reifer Champagnertraum, frischer Biskuitteig, nussig, sehr cremige Textur, sicher nicht für die Ewigkeit gemacht, aber warum auch – 94/100. Zu den Sylter Lokalen, die ganzjährig geöffnet haben gehört der Kampener Dorfkrug und das dahinter gelegene Wiinkööv. Da mussten wir natürlich kurz vorbeischauen. Was ein wohltuender Unterschied zur sommerlichen Hektik und Fülle. Aus der feinen Karte tranken wir eine halbe Flasche 1999 Mouton Rothschild. Der Preis war sehr fair, der Wein trotzdem zu teuer. Ein eher schlanker, feiner, eleganter Mouton, immer noch mit jugendlicher Röstaromatik, gehört sicher nicht zur Jahrgangsspitze – 91/100. Ganzjährig geöffnet sind auf Sylt übrigens auch die drei großen Strandbistros Sansibar(der schlichte Wahnsinn, bis auf Heiligabend jeden Tag offen und voll), das Grande Plage in Kampen und die Weststrandhalle in List. Zu letzterer führte uns ein längerer Strandspaziergang. Da wir noch über 2 Stunden Rückweg vor uns hatten, fiel das leckere Mittagsmahl der österreichisch angehauchten und für Sylt sehr wohltuend preiswerten Küche etwas umfangreicher aus, und wir gönnten uns auch einen 2005 Riesling Steinmassl von Loimer. Ein saftiger, eleganter, sehr mineralischer Riesling mit reifem Pfirsich, noch sehr jung, aber wir gaben ihm nicht viel Zeit, länger zu altern. Schmeckte einfach verdammt gut – 91/100. Ein lohnendes Ziel ist ganzjährig auch in Westerland das Weinhaus Schachner. Hier fanden wir mit dem 2005 Poss Riesling von der Nahe einen sehr bezahlbaren, herrlich fruchtig-schmelzigen Sommerwein mit feinem Süße-/Säurespiel – 88/100. Wird sicher in diesem Jahr den weg auf meine Terasse finden. Im direkten Vergleich dazu tranken wir eine um ein Vielfaches teurere 2003 Wiltinger braune Kupp Spätlese von Le Gallais(Egon Müller). Dieser Wein aus dem viel zu warmen Sommer 2003 gab einen erschreckenden Ausblick auf das, was uns mit zunehmenden Klimawandel droht. Ziemlich dick und süß, etwas diffus mit zu wenig Säure, statt der sprichwörtlichen, geschiffenen Eleganz der Saar gab es etwas mehr Alkohol – 87/100. Schade. Martin Schachner präsentierte uns auch noch ein Glas von seiner Neuerwerbung Cupano, die er für Deutschland vertritt. Der 2002 Brunello di Montalcino hatte eine erstaunlich helle Farbe, feine, würzige Frucht, reife Kirsche, deutliche Fruchsüße, unterstützt von der Süße der getoasteten Barriques, in denen der Wein 35 Monate verbrachte und auch seine Malolaktische Gärung absolvierte, sehr gute Säurestruktur – 91/100. Geringe Menge – astronomischer Preis.
Und dann gab es noch ein Weinerlebnis der besonders unterirdischen Art. Ein guter Sylter Freund „überraschte“ uns bei einem spontanen, nachmittäglichen Kaffee mit einer 1999 Binger St. Rochuskapelle Spätlese einer Großkellerei von der Mosel. Fürchterlich, diese strukturlose, süßliche Plörre, die vornehme Menschen zurückhaltend als mild und lieblich bezeichnen würden. So muss das Zeug geschmeckt haben, mit dem der Deutsche Wein einst in Verruf kam. Gibt es anscheinend immer noch für knapp über € 1 in diversen Supermärkten. Da muss mich schon vorher eine Ahnung beschlichen haben, denn ich hatte für Notfälle aus eigenen Beständen einen 1992 Penfolds Cabernet Sauvignon Bin 707 dabei. Mit dem konnten wir jetzt ganz schnell diesen grausamen Geschmack, der sich da auf den Gaumen gelegt hatte, runterfräsen. Immer noch sehr junge, dichte Farbe, Cassis ohne Ende, kräftig und doch elegant mit guter Säure und erstaunlicher Frische – 94/100.
Bliebe noch der einzige Nicht-Müller-Abend nachzutragen. Den verbrachten wir im Munkmarscher Fährhaus, wo Alessandro Pape wieder formidabel aufkochte. Als weiße Begleitung entschieden wir uns für einen 2000 Chardonnay Belle Côte von Peter Michael. Erstaunlich, wie schön sich dieser Wein aus dem eher mittelmäßigen Kalifornien-Jahrgang 2000 präsentierte. Voll da mit reifen, exotischen Früchten, frisch gebrannten Mandeln und dezenter, kräuteriger Würze. Einfach ein üppig-hedonistisches, aber trotzdem nicht überladenes Fest für die Sinne mit animierender Fruchtsüße. Wo sich so mancher Weiße Burgunder mühsam aus dem Glas quält, zeigt dieser Wein mit faszinierender Leichtigkeit, wie schön Burgunder eigentlich sein könnten – 94/100. Ich weiß, bei Parker steht 88/100 und „old“, aber ich kann diesen nervigen Blödsinn, dass kalifornische Chardonnays in der Regel in den ersten drei Jahren getrunken gehören, einfach nicht mehr lesen. Diesen Wein hier haben wir in absoluter Bestform erwischt, auf diesem magischen Punkt, bei dem ein Wein über sich hinaus wächst. Bei guter, kühler Lagerung wird er sich sicher noch ein paar Jahre halten, wenn auch nicht auf diesem Niveau. Mit Kalifornien hatten wir angefangen, mit Kalifornien machten wir weiter. Stand doch da ein freundschaftlich kalkulierter 2002 Shafer Hillside Select auf der Karte. Superdichtes Schwarzpurpur, reichlich Cassis aber auch etwas reife Brombeere mit irrer Fruchtsüße, am Gaumen konzentriert und mit massiven, reifen Tanninen, sehr fruchtsüß, aber wiederum ohne Schwere, so elegant und bei aller Nachhaltigkeit mit unnachahmlicher, cremiger Textur, Kalifornien, wie es schöner nicht sein kann – 99/100. Als Süßwein hatte ich einen 1989 Riesling Geisberg Grand Cru SGN von Kientzler gewählt, als SGN(Selection Grains Nobles) das Gegenstück zur deutschen TBA. Beileibe kein schlechter Wein, dieser Aprikosenlikör mit deutlicher Bitternote, guter Säure und fast ins Güldene gehender Farbe – 92/100. Störend die 13,5% Alkohol, bei einem solchen Süßwein sowohl unnötig als auch unpassend. So war es auch kein Wunder, dass dieser Wein von der anschließenden halben Flasche 2001 Niederhäuser Hermannshöhle Auslese Goldkapsel von Dönnhoff die Hosen ausgezogen bekam. Was für ein Traumstoff, extraktreich, sehr mineralisch mit satter Frucht und knackiger Säure, so perfekt balanciert und harmonisch, aber mit gewaltigem, aromatischem Druck am Gaumen – 95/100. Machte hellwach wie ein doppelter Espresso, animierte den Gaumen wie ein vorzüglicher Aperitif und erinnerte deutlich daran, dass die Nacht nicht allein zum Schlafen da ist.
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V A N I L L E
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Ziemlich holzlastig war die ansonsten nicht unattraktive, noch recht junge Cuvée aus 85 % Chardonnay und 15 % Parellada, die sich hinter dem 2006 Gran Vina Sol von Torres verbarg. Vanillig, kräftig, mit Pfirsicharomen und etwas Fenchel – 87/100. Ich habe in Airport-Lounges schon schlechtere Weine getrunken. Vanillig, jung und üppig ging es dann auch über den Wolken weiter mit einem 2006 Cabernet Sauvignon von Errazuriz aus Chile. Dem Charme dieser Cassis-Bombe konnte man sich schwerlich entziehen, brachten doch die 14,5% Alkohol als Geschmacksträger das satte, pralle Fruchterlebnis mit voller Wucht an den Gaumen. Trotzdem, ich habe auch über den Wolken schon erheblich schlechter getrunken als die 88/100, die da rüber kamen. Für die kaum mehr als € 1, die Lufthansa wahrscheinlich für die kleine 0,187l Flasche bezahlt hat, gäbe es wohl derzeit aus Bordeaux auch nichts annähernd Vergleichbares mehr ins Glas.
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T A I L L E V E N T
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Gut 15 Jahre ist es her, dass ich das letzte mal meinen Fuß in dieses noble Etablissement setzen durfte. Das Taillevent ist in Paris nicht nur eine Institution. Es verfügt auch über einen gut 200.000 Flaschen starken Weinkeller. Klar, die Jahrgänge und Weine, die mir damals zu teuer waren und für die ich heute (zum damaligen Preis) jeden Kredit dieser Erde aufnehmen würde, gibt es auch hier nicht mehr. Doch die Auswahl ist immer noch beträchtlich, sicher gut 1000 Positionen stark und zu 99% französisch. Und mit einem französischen Wein wären wir auch gerne gestartet. Doch den 1950 Haut Brion Blanc aus meinem Geburtsjahr hatte der Sommelier gerade am Vorabend an einen anderen Weinliebhaber als letzte Flasche verkauft. Und um das alles noch ein bisschen schlimmer zu machen, erzählte er mir dann auch noch, dass dieser Wein schlichtweg sensationell war. Ach ja, die Sommeliers. Derer drei(!) waren an diesem Abend hier tätig. Chef Sommelier Marco Pelletier, sein Stellvertreter, der gerade einen großen Wettbewerb gewonnen hatte, und dessen Stellvertreter. Alle drei très charmant, sehr kenntnisreich und angenehm unaufgesetzt freundlich. So entschieden wir uns dann gleichzeitig als Aperitif-Ersatz für einen der ganz wenigen, nicht-französischen Weine der Karte, eine 2004 Wehlener Sonnenuhr Kabinett von Joh. Jos. Prüm, unter Weinfreunden kurz JoJo genannt. Klar, den weißen Haut Brion konnte er nicht ersetzen, aber das war trotzdem ein faszinierender Start in einen wunderbaren Abend. Schon einmalig, das Süße-/Säurespiel und die unglaubliche Leichtigkeit dieses Weines. 90/100 für ein restsüßes Kabinettchen von der Mosel? Aber Hallo! Das war einfach ein faszinierender Stoff, der auch unsere ersten Vorspeisen perfekt begleitete. Wer da einen Bogen drum macht, weil klassisch – sprich restsüß – ausgebaut, der bestellt wahrscheinlich auch im Restaurant den Rohmilchkäse ab und fragt nach einer pasteurisierten Kraft Scheiblette vom Frühstücksbuffet. Kurz eingefügt sei das Essen. Klassisch, sehr aromatisch und auf absolut höchstem Niveau. Gut, dieser Laden hat nach Jahrzehnten seinen dritten Michelin-Stern verloren. Angeblich, weil er zu groß und zu voll ist. Das war er übrigens auch an diesem Montag-Abend, besetzt bis auf den Platz. Nachvollziehen kann ich den Stern-Verlust nicht. Was wir auf den Teller bekamen, war auf allerhöchstem Niveau. Aber die Wege der alten Dame Michelin sind ohnehin unergründlich. Zurück zum Wein. Als Deutscher bin ich natürlich dressierter, erzogener Schnäppchen-Jäger, und so landete ich dann fast automatisch bei einem der preiswerteren Weine der Karte, einem 1955 Chateauneuf-du-Pape von Mont Redon, vor ein paar Monaten erst als außergewöhnlichen 47er genossen. Nun, das war kein 47er und auch nicht mal ein großer 55er Chateauneuf. Da war zwar noch eine voll intakte, dichte Farbe, aber leider in der Nase und auch am Gaumen eine rustikale, staubige Note, die der portigen Frucht und der dezenten Süße wenig Chance ließen. Nein, dieser möglicherweise einstmals deutlich schönere Wein war schon des Längerem auf dem Abschwung – 86/100. Was er denn noch im Keller an Einzelflaschen hätte, was nicht auf der Karte stände, forderten wir den Sommelier. Unser Wunsch war im Befehl. Aus der Liste unbezahlbarer Trouvaillen entschieden wir uns – es war ja nur Montag – für einen nicht näher identifizierbaren, dafür aber bezahlbaren 78er Heitz. Nur noch „Vineyard“ war am linken, unteren Ende des Etiketts zu lesen. Martha´s konnte es nicht sein. Dafür war dieser Wein einfach zu elegant und auch etwas zu schlank. Aber was für ein schönes Gewächs mit altersfreier Farbe, immer noch guter Frucht, dezenter Minze und Eukalyptus und beachtlicher Länge am Gaumen – 92/100. Eine kurze Internet Recherche am nächsten Tag anhand der auf dem Etikett vermerkten Anzahl in diesem Jahrgang erzeugter Flaschen ergab, dass es sich um 1978 Heitz Fay Vineyard gehandelt hatte. Mit zwei Absackern verwöhnte uns die Brigade noch. Etwas Probleme hatte ich mit dem 1962 Très Vieux Pineau de Charente von Guy l´Herault. Roséfarben, massiver Alkohol, spritig wirkend, karamellige Süße, geht geschmacklich stark in Richtung Madeira. Deutlich interessanter ein faszinierender 1873 Très Vieille Grande Champagne, eine uralte, perfekt gereifte Cognac-Rarität aus der Schatzkammer des Taillevent. Bernsteinfarben, faszinierende Nase mit dunklem Karamell, etwas Schokolade und Tabak, wunderbar weich und cremig am Gaumen. Ich bin eigentlich überhaupt kein Fan „harter Sachen“, aber dieser Cognac machte unglaublich viel Spaß – 96/100.
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B A I L L Y , A B E R L E I D E R N I C H T " H A U T "
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Wie so viele Chateaus hatte auch Haut Bailly seine schwächeren, dunkleren Seiten. Hier waren es vor allem die 70er Jahre. Der unermüdliche Daniel Sanders, der das Chateau 1955 erworben hatte, war in die Jahre gekommen, ließ aber trotzdem seinen Sohn Jean nicht ran. So ließen dann nach einem gut gelungenen 70er die Folgejahre zu wünschen übrig. Schade war das insbesondere für zwei eigentlich große Pessac-Jahrgänge, 1975 und 1978. Vor dem ziemlich schlappen 1978 Haut Bailly hatten mich gute Freunde schon vor längerem gewarnt, also bin ich dieser Versuchung bisher nicht erlegen. Als dann aber kürzlich bei Ebay für kleines Geld ein 1975 Haut Bailly in sehr gutem Zustand zu haben war, konnte ich nicht Nein sagen. Doch der Wein hielt nicht mal ansatzweise das, was ich mir von diesem großartigen Jahrgang, in dem insbesondere La Mission und La Tour Haut Brion brillierten, versprochen hatte. Seine mittelmäßigen Tage hatte dieser Wein, der gute Tage nie gesehen hat, schon länger hinter sich. Trinken konnte man diesen kleinen Wein mit wenig Substanz immer noch, doch Freude kam eigentlich keine auf – 81/100 mit weiter fallender Tendenz. Jean Sanders übernahm 1980 nach dem Tode des Vaters die Verantwortung. Unter seiner Leitung nahm Haut Bailly wieder einen neuen Aufschwung. Sehr empfehlen kann ich aus den 80zigern insbesondere 1989 und den immer noch sehr bezahlbaren Geheimtipp 1988.
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R O B E R T I S T W I E D E R D A
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Seine Fans dürften locker in die Tausende gehen. Sein stets gefülltes Roberts Bistro gibt es auch noch. Nur Robert Hülsmann, der die gastronomische Szene Düsseldorfs wie kaum ein anderer geprägt hat, war schon lange nicht mehr da. Als einst hochdekorierter Sternekoch war er Mitte der 80ziger aus der Edelgastronomie ausgestiegen. Mit seiner Frau gründete er in Meerbusch den Lindenhof, ein Bistro-ähnliches Lokal in dem es hohe Qualität zu kleinen Preisen gab, und damit sich das alles rechnete, mit zwei festen Belegungen pro Abend. Konsequente Weiterentwicklung dieser Idee war dann ein paar Jahre später Roberts Bistro im Düsseldorfer Medienhafen. Sechs Tage durchgehende Küche auf qualitativ sehr hohem Niveau in einem kommunikativ eng bestuhlten Bistro, keine Reservierungen, keine Kreditkarten. Der Laden brummt heute noch. Robert Hülsmann selbst verkaufte das Lokal vor etlichen Jahren an seine Mitarbeiter und verzog sich nach Belgien in den Unruhestand. Und plötzlich ist er wieder da. Schuld daran ist seine Tochter Jennifer. Die überzeugte ihn von der Idee, aus dem von seiner Frau immer noch weitergeführten Lindenhof doch das Restaurant zu machen, von dem Robert Hülsmann immer geträumt hatte. So entstand und eröffnete in den bisherigen Räumen des Lindenhof in Meerbusch-Büderich zum 15. Februar diesen Jahres die Brasserie Hülsmann. Mutter und Tochter führen Service und Geschäfte, Robert Hülsmann sorgt für höchste Küchenqualität. Irgendwo erinnert das Restaurant etwas an Air Berlin. Enge Bestuhlung mit 2er Bistrotischen in der klassischen Economy-Anordnung 3+3, aber sehr freundlicher, zuvorkommender Service und noch freundlichere Preise. Was der Qualitätsfanatiker Hülsmann da zu Preisen, die man kaum für möglich hält, auf den Teller zaubert, ist schier unglaublich. Freundliche € 8 das Glas Champagner, € 13,50 die sechs Austern, € 8,50 Roberts Landpastete, je € 14,50 der lauwarme Lachs und das Hirschfilet. Ganze 16 Weine gibt es, alle auch offen, wobei die preiswerteste Flasche, ein Sangiovese aus den Abruzzen, nur € 14,50 kostet, die teuerste € 30,50. Zauberei? Nein. Höchste Qualität und ein Metzger eigenen Vertrauens. Aber Verzicht auf allen Chi Chi, der Gastronomie teuer macht. Von Mittwoch bis Samstag durchgehende Küche. Das geht nur, wenn der Laden voll ist wie Air Berlin auf den Paradestrecken. Gut 100 Leute passen in diese Brasserie, wenn sie voll ist, und voll ist sie seit der Eröffnung jeden Abend. Auch ich war schon da und komme mit Sicherheit häufiger wieder.
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F L O R D E P I N G U S 2 0 0 5
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Eigentlich stand mein Programm für die geplante, kleine Verkostung im Düsseldorfer Dado schon fest. Doch dann kam just an diesem Tag ein großes Paket von den Ungers aus Aschau an. Drinnen der lange erwartete 2005 Flor de Pingus. Würde das auch wieder so ein Hammer sein wie der schier unglaubliche 2004er? Klar, davon musste eine Flasche mit. Erfrischender Start war eine 1983 Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese. Ich trinke klassisch ausgebaute, deutsche Auslesen entweder sehr jung, wenn die meist kräftige Säure die Süße gut abpuffert, oder deutlich älter, wenn Süße und Säure sich deutlich abgebaut haben, was meist nach 15-30 Jahren der Fall ist. Nur zwischendurch habe ich mit dieser Kategorie Wein häufig Probleme. So auch mit diesem Wein, den ich in der zweiten Hälfte der Neunziger meist etwas zu süß und zu dick fand. Jetzt dagegen präsentierte er sich mit dieser faszinierenden, totalen Harmonie älterer, gereifter Auslesen. Sehr fein und harmonisch mit inzwischen deutlich reduzierter Süße, in der Nase Boytritis, etwas Karamell, Bienenwachs, am Gaumen herrlich ausgeglichen – 90/100. Wird sich auf diesem Niveau noch länger halten. Ziemlich ungestüm kam danach der viel zu junge 2005 Riesling Brand von Zind Humbrecht ins Glas. Sehr kräuterig, leichte Petrolnote, fast etwas ölig wirkend, dabei furztrocken, ein Kraftpaket, das förmlich nach weiterer Lagerung schrie. Unglaublich, wie sich dieser Wein im Glas entwickelte, er wurde komplexer, immer kräuteriger, dazu kamen in der Nase plötzlich feine Honigtöne. Plötzlich waren gut und gerne 92/100 im Glas. Wer genügend Geduld hat, wird in 10 Jahren mit 95/100 belohnt. Und dann kam er, der 2 Stunden vorher dekantierte 2005 Flor de Pingus. Mit der gewohnt tiefen, tintigen Farbe floss er in unsere Gläser. Einer der Dado-Mitarbeiter brachte den ersten Eindruck voll auf den Punkt: das ist ja ein Geschmacksmonster. Schon eher in Richtung Rumtopf und Früchtebrot gehende, üppig-überreife Frucht, warm-würziges Bouquet, Schokolade ohne Ende, fast erschlagende Kraft und deutlich spürbarer Alkohol. Stolze 14,8% stehen auf dem Etikett. Gefühlt waren es eher über 15%. Mir war dieser Wein offen gesagt zu heftig, zu dick, zu breit. Kein Vergleich zum aromatisch deutlich frischeren, spannenderen 2004er. Für mich hat Peter Sissek mit diesem Wein zu sehr an der Schraube gedreht. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen. Zu mehr als sehr wohlwollenden 93/100 konnte ich mich nicht hinreißen lassen, womit der Flor angesichts weltweit steigender Weinpreise immer noch ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis aufweist. Aber so richtig Freude machte dieser Wein bei seinem ersten Auftritt nicht. Sehr bedenklich: wir hatten noch einen großen Schluck in der Karaffe. Auf die Frage, wer denn noch einen Schluck haben möchte, eisernes Schweigen in der Runde. Das ist bei 2004 nie passiert. Sicher werde ich den 2005er demnächst noch mal in Ruhe nachprobieren, ihn auch gegen 2003 und 2004 setzen. Spontan würde ich ihn derzeit nicht nur unter 2004, sondern auch unter 2003 setzen. Gefreut hatte ich mich auf den nächsten Wein, doch 1982 La Fleur Petrus hatte einen deutlichen Essigstich. Wohl nur ein Flaschenfehler, den die anderen Flaschen aus dieser OHK waren bisher alle perfekt gewesen. Dafür war 1979 Haut Brion um so überzeugender. Hier erübrigte sich auch die Frage nach einem weiteren Schluck. Wer konnte, griff schnell nach der Karaffe und goß sich nach, bevor der Nachbar auf die Idee kam. Das war wieder ein klassischer, reifer Haut Brion auf hohem Niveau. Reif ohne Alterstöne mit sehr intakter Farbe, die klassische Cigarbox-Nase, dazu rauchige Töne, Leder und Trüffel, auch getrocknete Tomatenam Gaumen weich, sehr elegant, komplex und lang - 93/100. Auf ähnlichem Niveau, aber noch etwas kräftiger und in der Anmutung sogar frischer 1966 Giscours. Sensationelle, voll intakte Farbe, feine Kirschfrucht, reichlich reife Paprika, feiner, fruchtiger Schmelz, auch am Gaumen, sehr gute, kräftige Struktur und Länge. Ein gelungener Pauillac aus Margaux – 93/100. Dafür ging dann die nachfolgende 1978 Pichon Comtesse de Lalande mit ihrer traumhaft seidigen Eleganz und Finesse eher etwas Richtung Margaux. Je nach Lagerung ist die 78er Comtesse inzwischen mit Vorsicht zu genießen, doch aus dieser perfekten Flasche war das ein perfekt gereifter, großer Bordeaux zum Träumen – 95/100. Schwierig die Bewertung unseres letzten Weines, eines 1961 Lagrange-à-Pomerol. Der hatte zwar noch eine sehr dichte, deutlich jünger wirkende Farbe und war auch am Gaumen komplex und dicht. Nur die Nase war völlig daneben mit grasigen, unreifen Tönen. Echter Genuss also nur mit zugehaltener Nase, dafür sind 88/100 trotz aller Qualitäten am Gaumen dann eher großzügig.
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2 0 0 5 F L O R D E P I N G U S I M V E R G L E I C H
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Sehr nachdenklich hatte mich die nicht überzeugende Vorstellung des 2005 Flor de Pingus gemacht. Da musste jetzt, wie im Sport bei Doping-Fällen üblich, eigentlich sofort die „B-Probe“ aufgemacht werden. Der Besuch netter Freunde ein paar Tage später bot die Gelegenheit, mehrere Flor de Pingus gegen- bzw. nacheinander zu trinken. Wir starteten in den Abend mit einer 2003 Niederhäuser Hermannshöhle Großes Gewächs von Dönnhoff. Für den Jahrgang ein sehr gut gelungener, offener Wein mit üppiger Frucht, erstaunlich guter Säure, nicht so viel Länge und Struktur wie z.B. 2002, aber jetzt und in den nächsten Jahren einfach schön zu trinken – 93/100. Unglaublich gut danach ein 2001 Singerriedel Riesling Smaragd von Hirtzberger. Kommt jetzt so langsam in Topform, ein Wein mit irrer, aromatischer Dichte, sehr kraftvoll, vielschichtig und lang am Gaumen, ein echter Parade-Wachauer, der es sicher noch gut 10 Jahre macht – 96/100. Als erster Flor kam 2003 Flor de Pingus ins Glas. Hedonistisch-üppig, aber auch mit wunderbarer Frucht, macht derzeit sehr viel Spaß – 94/100. Weiter ging es mit 2005 Flor de Pingus. Der präsentierte sich ähnlich schwierig, wie schon eine Woche vorher. Sehr dichte, tintige Farbe, die Frucht wider eher gekocht wirkend und in Richtung Rumtopf gehend, ein etwas breiter, alkoholischer Brocken, sehr schokoladig, der gegen den animierenden Vorgänger doch arg verblasste – 92/100. Von 2005 sprach am Tisch erst recht niemand mehr, als der unglaubliche 2004 Flor de Pingus ins Glas kam. Mit dem ist Peter Sissek wirklich ein Meisterstück geglückt. Immer noch in dieser Traumform, in der ich ihn im letzten Frühsommer mehrfach erlebte. Einfach ein hedonistischer Overkill mit reifer, cremiger Frucht, intensiver Fruchtsüße, jugendlicher Röstaromatik und erstaunlicher Komplexität – 97/100. Wie lange sich der 2004er in dieser Traumform präsentiert, ist schwer zu sagen. Entsprechend den Erfahrungen mit Pingus bis 2001 meine ich aber, dass er in dieser bestechenden Frühform in den nächsten Jahren genossen gehört. Verschliessen wird er sich nicht, aber besser wird er nicht, eher mit der Zeit etwas ernster. Extrem positiv überrascht waren wir auch von 2001 Flor de Pingus, der sich jetzt endlich in Bestzustand präsentierte. Wie lange habe ich auf diesen Wein, den ich in zahllosen Verkostungen nie höher als 91/100 bewerten konnte, warten müssen. Aber der 2001er ist der letzte Flor der alten Machart. Bei denen war, im Gegensatz zu allen Flors danach, einfach 5 Jahre Warten angesagt. Das hat sich gelohnt. Der 2001er hat sich voll geöffnet und erinnert in seiner komplexen, jungen Röstaromatik an die besten, leider längst vergangenen Tage des 1993 Mouton – 95/100. Sicher ein Wein mit noch längerer Zukunft. Den Abschluss unserer kleinen Verkostung bildete ein phänomenaler 2001 Bond Melbury von Harlan, der selbst auf 2004 Flor noch mal eins drauf setzte – 98/100. Und die Folgerungen aus dieser kleinen Probe? Wer 2005 Flor in der Subskription gekauft hat, muss sich nicht grämen. Für die damaligen € 40 ist dieses alokoholische Schokomonster immer noch ein guter Kauf gewesen. Gehandelt wird er derzeit in Spanien bereits mit € 100. Die Tage preiswerterer Flor de Pingus dürften also gezählt sein. Um so mehr lohnt die Suche nach älteren Flors. Wer heute noch auf Auktionen oder Weinkarten den jetzt wunderschönen 96er findet oder die beiden großen 99 er und 2001er, der sollte unbedingt zuschlagen. Noch ein Wort zum Jahrgang 2005 in Spanien. Ich habe noch nicht viele dieser Weine getrunken. Was mich aber irritiert ist, dass die Weine derzeit mit dem Hinweis auf die 2004er Bewertung angeboten werden und darauf, dass der Jahrgang mindestens gleich gut sei. Ich würde mich darauf – siehe Flor de Pingus – nicht verlassen. Lieber erst probieren und dann kaufen, auch wenn einem so mal ein vermeintliches Schnäppchen durch die Lappen geht.
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B O R D E A U X 2 0 0 5 : D A I S T E I L E A N G E S A G T !
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Gefreut habe ich mich schon auf die Arrivage-Proben des 2005er Jahrgangs aus Bordeaux. Doch daraus wird in diesem Jahr wohl nicht viel werden. Er Grund ist ein ganz simpler. Der überwiegende Teil der Händler hat fast die gesamte Allokation dieser Weine in der Subskription verkauft. Da bleibt jetzt nicht mehr viel für den freien Verkauf und für Proben schon gar nicht. Massiv gestiegen sind international vor allem die Preise der angesagten Güter, insbesondere der 1er Grand Crus. Insbesondere angesichts des mickrigen, hoffnungslos überteuerten Jahrgangs 2006 ist das gut verständlich. Da haben es dann auch einige Händler vorgezogen,ihre restlichen Bestände an internationale Broker zu verscherbeln, statt mit ihren angestammten Kunden über unverständlich hoch wirkende Preise zu diskutieren. In die Röhre gucken jetzt nur all die, die sich nicht in der Subskription eingedeckt haben. Was jetzt noch an guten 2005ern auf den Markt kommt, wird ganz schnell weg sein. Da ist nun wirklich Eile geboten.
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B O R D E A U X 1 9 9 0 H A R T E K O S T ?
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Derzeit arbeite ich mit Hochdruck an meinen Verkostungsnotizen zum Jahrgang 1990, die ich bis spätestens Ostern veröffentliche möchte. Dabei verkoste ich natürlich aus eigenen Beständen möglichst viele Weine nach. Nicht immer macht das leider so viel Spaß wie beim schokoladig-schmelzigen 1990 Gazin, oder beim feinfruchtig-leckeren 1990 l´Arrosée. Ein langes Gesicht machte ich, als ich eine Flasche 1990 Léoville Barton aus einer seinerzeit in der Subskription gekauften und seitdem perfekt gelagerten OHK aufmachte. Dieses dürre, bittere Zeugs sollte einer der hochgelobten 90er sein? Da musste ein paar Tage später noch mal eine zweite Flasche dran glauben. Auch das war wieder eine mittlere Katastrophe was Anspruch, Jahrgang und Wirklichkeit betrifft, keinerlei Anzeichen von Reife oder Alter zwar in der durchaus dichten Farbe, aber leider weitgehend fruchtlos, etwas Zedernholz, hauptsächlich sperrige, trockene Tannine. Der Barton ist schlichtweg auf dem Wege, auszutrocknen, zu wenig Fleisch, zu viel Knochen, da wird wohl nichts mehr draus - 88/100 mit deutlich weiter fallender Tendenz.
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März 2008 | Januar 2008
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