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Juli 2008
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R Ö S S L I
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Es war 3 Uhr mittags und der Magen hing uns schon auf den Schuhen. Doch der Wirt des Rössli in Stanstad hatte ein Einsehen mit uns. Er fabrizierte uns noch einen absolut göttlichen Thunfisch. Und da Fisch ja nun mal schwimmen muss, standen auch schnell zwei schöne Flaschen auf dem Tisch. Noch nie gehört hatte ich von 2006 Manna IGT. Diese Cuvée aus Riesling, Chardonnay, Sauvignon und Traminer Aromatico stammt von Franz Haas aus den Dolomiten. Ein durchaus spannender, recht voluminöser, fruchtiger Wein mit einer etwas parfümiert wirkenden Nase – 87/100. Gut trinkbar auch der erstaunlich zugängliche 2002 Lynch Bages, weiche Tannine, ein solider, aber nicht aufregender Wein – 89/100.
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P A R K H O T E L V I T Z N A U
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Mit dem Boot fuhren wir zum malerischen Parkhotel Vitznau. Hinter uns legte ein historischer Raddampfer an mit einer vielköpfigen Hochzeitsgesellschaft. Vor diesem einem Märchenschloss nicht so ganz unähnlichen Hotel bei herrlichstem Wetter am in der Sonne glitzernden See sitzen zu dürfen, das hat schon was. Vor allem natürlich, wenn dann im Glas so etwas schönes funkelt wie die 2004 Schloßböckelheimer Felsenberg Auslese von Altmeister Dönnhoff. Ein sehr extraktreicher, mineralischer, animierender Riesling mit knackiger Säure und gut balancierter Süße – 92/100. Und da es hier an der Schweizer Riviera so schön war, legten wir aus der fulminanten Weinkarte des Parkhotels noch mit einer 2005 Monsheimer Silberberg Rieslaner Auslese von Klaus Keller nach. Die hatte mit ihrer wunderschönen, traubigen Süße und der cremigen Frucht schon hohen Suchtfaktor und ging eher als BA durch, denn als Auslese – 93/100.
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R O S E N F E S T I N W E G G I S
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Tradition hat bereits unsere alljährliche Weinverkostung zum Rosenfest mit großem Menü im Parkhotel Weggis. Genau hier hatte sich Ronaldo vor zwei Jahren während der WM sein gut sichtbares Bäuchlein angefressen. Bei dem kulinarischen Angebot kein Wunder! Im vorletzten Jahr fand in der Küche ein Wechsel statt. Inzwischen ist der neue Küchenchef nicht nur sattelfest. Er verwöhnte uns mit dem mit Abstand besten Menü, das wir hier je bekamen. Sensationelle Küche und eine der ganz großen Weinkarten der Schweiz sind eine unwiderstehliche Kombination, die ich vorbehaltlos empfehlen kann. Aufs allerbeste wurden wir auch von der „aufgefrischten“ Servicemannschaft verwöhnt, in der jetzt ein neuer, sehr kompetenter Sommelier wirkt. Perfekter Start eine 1993 Zeltinger Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm. Um Klassen besser, als das, was da als wahrscheinlich misshandelte Flasche vor Wochen bei Krautkrämer serviert wurde. Einfach ein traumhaft balanciertes, schwerelos-elegantes Elixier, sehr unaufdringlich mit feinem Süße-/Säurespiel – 93/100. Es zahlt sich, gerade bei Prüm-Weinen, aus, wenn man den Auslesen ein Jahrzehnt oder mehr gönnt. Großes Rätselraten beim ersten Rotweinflight. Alles wurde angeboten, nur Österreich nicht. Dabei ist das, was Familie Pöckl da im roten Bereich zustande bringt, höchst erstaunlich und kann sich auch international sehen lassen. Flagschiff des Gutes ist der bekannte Admiral. Doch Vater und Sohn Pöckl produzieren jeder noch eine spezielle Cuvée. 2004 Rêve de Jeunesse stammt vom Juniorchef des Gutes, René Pöckl, und ist eine Cuvée aus Syrah(30%), Merlot(30%), Zweigelt(20%) und Cabernet Sauvignon(20%). Hatte eine absolut geile, beerige Nase mit schwarzer Johannisbeere und etwas Vanille. Unglaublicher Trinkspaß bei gutem Tanningerüst und einem sicher nicht zu unterschätzenden Alterungspotential – 93/100. Phelps Insignia hatten einige am Tisch vermutet, eigentlich ein Kompliment für beide Weine. Vom reinen Trinkspaß her schlug der Rêve den von Vater Josef Pöckl erzeugten 2004 Mystique zumindest zu Anfang deutlich. Das ist ein schlichtweg gewaltiger Wein mit enormer Struktur und tollem Tanningerüst, irrer Länge und Dichte, den man durchaus mit großen Pauillacs vergleichen kann. Braucht viel Zeit und Luft und ist sicher langfristig der größere Wein. Aus den 92+/100 könnte mal ein 94-95/100 Gigant werden. Klar, ich weiß, der Mystique ist nicht nur ultrarar, sondern auch hoffnungslos überbezahlt, aber spannend ist er allemal. Große Verwunderung dann, als der zweite Flight aufgedeckt wurde. Drei Chateauneufs aus 2000 hatten wir im Glas. Allgemeines Stirnrunzeln beim 2000 Chateauneuf-du-Pape Cuvée Marie Beurrier von Henri Bonneau. Von der Farbe her, aber leider auch in Gaumen und Nase war das ein 50 Jahre alter Wein. Deutliches Rostbraun, in der Nase reifer Pinot und alter Rioja, am Gaumen lakritzig und rustikal, kaum Frucht, vielleicht ein paar verschrumpelte Datteln und Feigen. War die Flasche fehlerhaft, oder versteht man im Chateauneuf unter „traditionell“ junge, uralte Weine? – 88/100??. Deutlich jünger in der Anmutung vom selben Winzer der 2000 Chateauneuf-du-Pape Réserve des Celestins. Ein dichter, komplexer, fleischiger Wein mit guter Länge am Gaumen, sehr kräuterig – 92/100. Und dann war da noch im dritten Glas eine 100-Punkte-Legende, der 2000 Da Capo von der Domaine de Pegau. Wir wussten es nicht, denn der Flight wurde komplett blind serviert. Und jetzt gibt es nur zwei Möglichkeiten. Wir waren alle an diesem herrlichen Sommerabend daneben, oder der Wein ging durch eine schwierige Phase. Vom Hocker riss er nämlich keinen von uns. Sehr dichte, junge Farbe. Sehr gewöhnungsbedürftige Mischung aus Küchenkräutern von Majoran bis Koriander, aber auch verbrannter Raclette-Käse. Dazu etwas Leder und Tabak, dunkle Früchte, erstaunlich zurückhaltend und zahm im Abgang – 91/100. Kein Vergleich zum letztes Jahr getrunkenen 98er. Ich vermute einfach mal, dass er einfach noch ein Jahrzehnt braucht. Dann sind sicher auch die heftigen 15.3% Alkohol besser integriert. Weiter ging es mit einem sehr dichten, jungen, zugenagelten 1996 Grand Puy Lacoste. Ließ nicht viel mehr raus, als die Magnum im letzten Jahr in der Braui. Da sind wohl noch ein paar Jahre Warten angesagt – 89+/100. Absolut reif und traumhaft schön der am Vortag aus einer anderen Flasche so verschlossene 1982 Gruaud Larose mit betörender Nase und fruchtigem Schmelz, tiefgründig und reichhaltig – 96/100. Dann war das große Harlan-Festival angesagt, diesmal aus dem eher schwierigen Kalifornien-Jahrgang 2003. Sehr ausladend, üppig und fleischig der dekadent schöne 2003 Bond St. Eden mit reifen dunklen Früchten und geiler Süße, am Gaumen mit seidigen, reifen Tanninen und wenig Säure, recht weich, aber auch etwas breit und eindimensional – 93/100. Eher enttäuscht war ich von 2003 Bond Melbury. Der war fruchtig, nett und sicherlich auch sehr gut. 92/100 kamen da natürlich schon ins Glas, aber eben nicht die 100/100, die ich für den 2001er und 2002er mehrfach locker gemacht habe. 2003 holt verwöhnte Kalifornien-Freaks wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Pünktlich zum großen Feuerwerk des Rosenfestes hatten wir dann traditionell wieder einen Harlan im Glas, diesmal 2003 Harlan. Dieser große Pauillac mit der kalifornischen Frucht und der perfekten Struktur ist selbst in diesem schwächeren Jahr außerordentlich gut gelungen – 96/100. Und nach dem Feuerwerk kam dann erstmal ein heftiger, einsamer Böller, 2002 Switchback Ridge Cabernet Sauvignon. Eine sehr alkoholische, opulente, überfruchtete, dicke Weinsau, die einfach von allem zu viel hatte. Wer in seinen Kaffee 10 Stücke Zucker tut und noch einen Schnaps rein gießt, der ist hier richtig. Natürlich kann es Situationen geben, wo man zu solch einem Wein greift. Sie haben sich fürchterlich im Job geärgert, bei der Heimfahrt mit 50 km/h zu viel eine Radarkontrolle übersehen, vor Wut die halbe Garage umgenietet und finden dann auf dem Küchentisch einen Zettel, dass Ihre Lebensgefährtin Alice Sie verlassen hat. Jetzt eine Flasche Switchback aufgemacht und spätestens nach dem dritten Glas ist Ihnen alles egal. Sie singen bzw. lallen nur noch den Refrain des bekannten Liedes(...who the fuck is Alice...) und fallen mit dem letzten Glas ins Delirium. Nur ist das alles keine Lösung. Denn am nächsten Morgen wachen Sie auf, Ihr Schädel brummt fürchterlich, Alice ist immer noch weg und Sie legen komplett angezogen verkehrt rum auf dem Bett mit den dreckigen Schuhen auf dem vormals blütenweißen Kopfkissen. Ich pflege Probleme anders anzugehen, und da es mir an diesem zauberhaften Abend ohnehin sehr gut ging, reichte mir vom Switchback die Hälfte eines Probeschluckes. Dafür gebe ich dann auch gerne 91/100, aber nur, wenn ich den Rest nicht trinken muss. Dass Kalifornien trotz reifer Frucht viel besser geht, zeigt nicht nur Harlan. Wir hatten im anderen Glas einen schlichtweg außerweltlichen 2002 Shafer Hillside Select. Superdichtes Schwarzpurpur, Cassis und reife Brombeere mit herrlicher Fruchtsüße, am Gaumen konzentriert und mit massiven, aber reifen und weichen Tanninen, sehr fruchtsüß und opulent, aber wiederum ohne Schwere, so elegant und bei aller Nachhaltigkeit mit unnachahmlicher, cremiger Textur, ein hedonistischer Wein, der auch beim letzten Schluck nicht langweilig wird Kalifornien, wie es schöner nicht sein kann - 99/100. Vergleicht man die beiden Weine, so ist der Switchback die ordinäre, parfümierte Bauernnutte, der Shafer hingegen ein Topmodel mit Hochschulabschluss. Ich weiß, dass es für beides Fans gibt, also lasst mir bitte den Shafer. Als Abschluss kam dann eine 1989 Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese #96. Ein sehr eleganter, immer noch erstaunlich frisch wirkender Wein mit schönen Honignoten, nur einem Hauch von Petroleum, mit guter Säure, Zitrusfrüchten, Limone, sehr fein und mineralisch – 93/100. Und diese Auslese von Schubert war tatsächlich Wineterminators letzter Wein – für ein paar Wochen. Was andere in der christlichen Fastenzeit tun, findet bei mir regelmäßig im Juli statt. Eine mehrwöchige, alkoholfreie Phase verbunden mit bewusster Ernährung und Entschlackung reinigt Geist und Körper und macht fit und bereit für die Urlaubsfreuden im August auf Sylt.
Bis dahin – über 3 ½(!!!) der angestrebten vier Wochen habe ich schon rum – befasse ich mich zumindest theoretisch weiter mit dem Thema Wein. Die Jahrgangsübersichten - insgesamt 42 Jahrgänge -wurden bereits erweitert und ergänzt, die Jahrgänge 1991 und 1992 angefangen und vieles mehr.
Hinweisen möchte ich noch auf zwei aktuelle, spannende Veranstaltungen. Eine Best Bottle der ganz besonderen Art veranstaltet René Gabiel vom 23. bis 26. August. Weinsegeln auf dem holländischen Ijsselmeer heist das Thema. 20 Weinfreunde mit Wein, soviel sie tragen können bzw. trinken möchten zusammen auf einem Boot in entspannter Atmosphäre. Finde ich eine absolut geile Idee. Hier ist der dazugehörige Link. Die Ungers in Aschau machen am 11. Oktober eine große Canon-Probe mit 28 Jahrgängen. Weinmacher John Kolasa, selbst eine Art Bordeaux-Legende, ist persönlich anwesend. AMG sorgt mit seinen hochwertigen Automobilen für ein interessantes Rahmenprogramm.
Es bleibt spannend hier auf dem Wineterminator, und wenn Sie mich motivieren wollen, bitte ich hier wieder um Ihre Stimme, danke.
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Sylter (W)Eindrücke 2008 | Juni 2008
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