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Dezember 2007
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D R E I M A L T R I L O G I A
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Mächtig Gas gibt Jean Claude Bourgeuil mit seinem Düsseldorfer Schiffchen, seit der Michelin ihn auf zwei Sterne degradierte. Seine Klientel honoriert diesen Schaffensdrang, denn sein Lokal läuft besser denn je. Auch wir ließen uns dort an einem Dezember-Abend auf höchstem Niveau kulinarisch verwöhnen und tranken dazu natürlich auch entsprechende Weine aus der recht umfangreichen Schiffchen-Karte. Statt mit einem sehr merkwürdig oxidiert wirkenden 2001 Larrivet Haut Brion, der anstandslos zurückgenommen wurde, starteten wir weinmäßig mit einer famosen 2003 Norheimer Dellchen Spätlese trocken von Altmeister Dönnhoff. Die präsentierte sich absolut taufrisch, so fein, mineralisch, elegant mit floralen Tönen, auf den Jahrgang 2003 wäre ich da blind nie gekommen – 92/100. Deutlich kräftiger danach die Empfehlung der engagierten Sommeliere, ein 2004 Terre Alte von Felluga. Solo wäre dieser von deutlichem Holzeinsatz geprägte Wein nicht mein Ding gewesen, doch zu einigen der frech gewürzten Vorspeisen passte er sehr gut – 89/100. Schwierig wird es inzwischen in der Top-Gastronomie, wenn man bei Rotweinen auf renommierte Klassiker setzen möchte, so es die dort überhaupt noch gibt. Da werden inzwischen oft Preise aufgerufen, die jenseits von Gut und Böse sind. Über € 1700 für einen 86er Mouton mögen ein extremes, aber leider für diese Karte typisches Beispiel sein. Doch hoher Rotwein Genuss war auch für erheblich weniger Geld möglich. Gleich drei ältere Jahrgänge Trilogia standen auf der Karte zu sehr gastfreundlichen Preisen. Natürlich nutzten wir die Gelegenheit, diese drei Weine gegeneinander zu verkosten. Alle drei Weine zeigten keinerlei Alter und wirkten noch taufrisch. Es ist schon unglaublich, was der sympathische Christos Kokkalis da auf seinem kleinen Weingut auf dem griechischen Peleponnes produziert. Konsequent in amerikanischer Eiche ausgebaut wird der sich im Top-Wein des Gutes, dem Trilogia, befindende Cabernet Sauvignon, Das Ergebnis sind moderne, sehr ausdrucksstarke Weine mit exotischer Würze und hohem Hedonismus-Faktor. Mit dem, was man landläufig mit griechischem Wein verbindet, haben diese Meisterwerke nichts gemein. Sie passen ideal als Piraten in Proben jüngerer Bordeaux. Da Parker diese Weine noch nicht entdeckt hat, ist das Preis-/Leistungsverhältnis nach wie vor schlichtweg sensationell. Etwas schlanker und verhaltener, aber mit sehr guter Struktur in dieser vergleichenden Momentaufnahme auf insgesamt sehr hohem Niveau der 1998 Trilogia – 92/100. Deutlich offener, sexier wirkend der verschwenderisch fruchtige, üppige, schokoladige 1999 Trilogia – 94/100. Begeisternd und an diesem Abend der beste der drei der schon lange nicht mehr so gut getrunkene 1997 Trilogia – 95/100. Alle drei Weine dürften noch etliche Jahre vor sich haben. Vorerst perfekter Abschluss dieses wunderschönen Abends dann eine weitere Trouvaille der umfangreichen Karte, die letzte Flasche 1971 Wiltinger Braune Kupp Auslese Goldkapsel von Egon Müllers Zweitgut Le Gallais. Traumhaft balanciert und immer noch erstaunlich frisch mit sehr viel Spiel, eine zeitlose, große Auslese – 95/100. Mit Jean Claude Bourgeuil tranken wir anschließend von der Weinkarte des Hauses noch einen maßvoll kalkulierten 1947 Moulin Touchais. Der hatte nicht ganz die Klasse der „Reserve du Fondateur“ aus der großen 47er Probe im September, war aber ein sehr schön zu trinkender kräuterig-würziger Wein, der durch die schon zum Teil aufgezehrte Süße in Richtung halbtrocken marschierte – 91/100.
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I M F A L S C H E N K I N O ?
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Eigentlich haben wir jedes Jahr kurz vor Weihnachten eine kleine „Herzblut“ Best Bottle gemacht. Jeder so gut er konnte, Hauptsache gut und gereift. Doch in diesem Jahr war alles anders. Ein anderer Teilnehmerkreis und wohl auch eine andere Weinphilosophie. Ich kam mir vor wie im falschen Kino, zumindest aber im falschen Film. Unser Gastgeber begrüßte uns mit einem Wein, den ich auch beim besten Willen nur schwer identifizieren konnte. Reife Farbe, breit, diffus, süßlich. Das sollte ein Riesling sein, noch dazu von der Mosel? Eigentlich bewirkte dieser 2003 Röttgen von Heymann Löwenstein nur Stirnrunzeln. Ich enthalte mich da einer Bewertung und hoffe inständig, dass es sich hier um ein Flaschenproblem handelte. Schließlich besitze ich auch noch einige Flaschen dieses Weines. Drei Herzblut- Weine hatte ich aus eigenen Beständen mitgebracht, wovon eine eigentlich nur als Reserveflasche dienen sollte. Viel Zeit und Luft brauchte der 1950 Clos René in einer deutschen R&U Abfüllung. Aber dann ging die Post ab. Ein mustergültiges Beispiel für den grandiosen Jahrgang 1950 in Pomerol. Sehr dichte Farbe, portig, pflaumige Frucht, speckig, karamellige Süße, wurde am Gaumen immer komplexer und länger. Ein Parade-Pomerol, der in dieser Form noch etliche Jahre vor sich hat – 96/100. Da kam der als Risikoflasche mitgebrachte, einfache 1949 Pomerol von Jules Dubois nicht mit. Hellere Farbe mit deutlichen Reifetönen, etwas verhaltene, rauchige Nase, am Gaumen ein feiner, kleiner Schmeichler mit deutlicher Säure, aber doch recht schön zu trinken – 86/100. Allerdings hatte er in dieser Runde, deren Geschmack eindeutig in diesem Jahrtausend lag, nichts zu suchen. Da wirkte es fast Wunder, dass der 1955 Le Bon Pasteur vor den gestrengen Gaumen Gnade fand. Dieser Wein aus dem Rolland´schen Familiengut, aber natürlich nicht vom großn Meister, sondern von seinen Eltern gemacht, war fast so etwas wie ein Hilfeschrei angesichts heutiger, dicker, uniformer und über-alkoholischer Weinbrühe. So fein mit wunderbarer Frucht, trotz über 50 Jahren immer noch so frisch und elegant, mit soviel Finesse und fast luftig, dabei trotzdem sehr lang am Gaumen. Ein fast Runzel-freier St. Emilion aus einem meiner Lieblings-Jahrgänge – 94/100. Fast dankbar war ich danach, dass der sehr hoch bewertete 2004 Into the Dark von Sine Qua Non fehlerhaft war. Ein Kulturschock war dieser korkige Wein, der uns mit seiner parfümierten Frucht sicher erschlagen hätte. Wenig anfangen konnte ich auch mit dem sicherlich nicht billigen 2001 Richebourg von Anne Gros. Bonbonhaft süße Nase, ziemlich simpel gestrickt, die Art von überteuertem Himbeerwasser, die eigentlich nicht zu so großen Namen passt – 86/100. Wer diesen Stil sucht, der mit klassischen, großen Burgundern nichts zu tun hat, ist in anderen Gebieten für erheblich weniger Geld deutlich besser bedient. Mit zwei älteren Kaliforniern pirschte sich der Hausherr wieder an das eigentliche Thema der Probe heran, beide aus dem seinerzeit etwas verkannten, sehr langlebigen Jahrgang 1984. Einfach wunderschön der 1984 Clos du Bois Marlstone Vineyard. Ätherisch-frisch in der Nase mit viel Minze und auch etwas Eukalyptus, am Gaumen deutlich reifer und fülliger mit leichten Amarone-Anklängen und deutlicher Säure, trotzdem sehr elegant und komplex mit Reserven für noch lange Jahre – 94/100. Noch deutlich jünger wirkte der 1984 Dunn Howell Mountain. Mit seiner etwas stahligen und trotzdem frischen, kompakten Frucht erinnerte er mich an alte Montelenas, bei denen ich mich auch oft frage, ob sie überhaupt jemals richtig reif werden. Klar sind da reichlich Minze und Eukalyptus, aber auch immer noch bissige Tannine und eine kräftige Säure. Möglich, dass dieser etwas monolithische Wein in ferner Zukunft mal für eine große Überraschung gut ist. Das Potential für noch ein paar Jahrzehnte Lagerung hat er jedenfalls – 92+/100. Gerne hätte ich so weitergemacht, doch der Quilceda Creek, der jetzt vor uns stand, war leider aus 2003. Klar war das ein Weingigant mit irrsinnigem Potential, bei Parker zu recht mit sehr hohen Punkten versehen. Nur beziehen sich diese so gerne zitierten Parker-Punkte eben auf das Potential des Weines in seiner Trinkreife. Von der waren wir aber gut 10 Jahre entfernt. Wer eben bei Parker nur nach den Punkten geht und das Kleingedruckte nicht liest, sitzt wie wir nur vorm Glas und wundert sich. In seiner heutigen Form könnte dieser Quilceda Creek mit seiner dichten, purpurnen Farbe, seiner pfeffrigen, sehr süßen, cremigen Frucht, dem ebenfalls sehr süßen, alkoholischem Gaumen auch als ein Petit Syrah von Helen Turley durchgehen. Solch einen Wein heute aufzumachen ist pure Sünde und reine Verschwendung – 90++/100. Und als wollte er uns beweisen, dass alte Weine nichts taugen, hatte der edle Spender dieses Weines noch einen 1982 Leoville Barton mitgebracht. Was für ein armseliger, dürftiger, reifer und gezehrter Stoff. Erinnerte mich irgendwie an das klassische „Hustenreiz ist besser als gar kein Reiz“. So war eine harsche Säure das Einzige, wovon dieser Wein wirklich reichlich hatte – 80/100. Recht jung, aber wenigstens von recht hoher Qualität auch das nächste Flaschenpärchen. Noch sehr jung und nur ansatzweise sein großes Potential zeigend der 1998 L´Eglise Clinet. Mit seinem gewaltigen Tanningerüst dürfte er sich als sehr langlebig erweisen. Vor sechs Jahren in seiner Fruchtphase war das ein gewaltiges Geschoß, das mich mit seiner cremigen, fruchtigen Fülle und der guten Textur auf 94/100 Niveau an den kalifornischen Araujo Eisele erinnerte. An diesem Abend jetzt war stattdessen reichlich Phantasie gefragt, denn dieser l´Eglise Clinet hat sich wieder deutlich verschlossen – 90++/100. Deutlich zugänglicher ein 1998 Fleur de Gay. Der ist jetzt und sofort voll trinkbar, sehr weich, reif, mit schmelziger Brombeerfrucht und etwas Lakritze. Kann dem l´Eglise Clinet eigentlich das Wasser nicht reichen, liegt aber momentan vom Trinkspaß her vorne - 91/100. Mit zwei 2005ern ging diese kleine, vorweihnachtliche Probe zu Ende. 2005 Domaine de la Janasse Chateauneuf du Pape Cuvee Vieilles Vignes ist zweifelsohne ein gewaltiger Wein, der irgendwann in ein paar Jahren zeigen wird, warum er bei Parker 98/100 bekommen hat. Gut antrinkbar auf vielleicht 94/100 Niveau war dieses mächtige, alkoholische Geschoß auch schon, aber eigentlich gehörte dieser Wein nicht auf unseren Tisch, sondern noch für etliche Jahre neben den Quilceda Creek in den Keller. Da könnte man dann auch gleich den 2005 Branaire Ducru neben legen, der sich im anderen Glas befand. Auf Branaire werden seit einigen Jahren sensationell gute Weine erzeugt und dieser 2005er hier gehört sicher in St. Julien mit zur Jahrgangsspitze. Doch bevor da mögliche 95/100 ins Glas kommen, sind da noch etliche Jahre Geduld angesagt. Also noch so ein potentieller Gigant, der an diesem etwas merkwürdigen Abend nur erahnen ließ, was da mal draus werden könnte. Nur eben nicht mehr in den von uns getrunkenen Flaschen. In leeren Flaschen reift nun mal nichts mehr. Einfach schade um diese Weine und eigentlich auch um den Abend.
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T R Ü F F E L & C O
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Hochkarätigen Besuch aus Sylt hatten wir, mit im Gepäck feinste Alba-Trüffel. Wunderbare Dinge kamen so auf unseren Tisch. Natürlich mussten dazu auch ein paar entsprechende Weine her. Sehr viel schöner als noch vor drei Jahren präsentierte sich zum Start der weiße 2001 Moraga. Sehr elegant, feinduftig mit schöner Frucht und guter Säure, noch lange nicht am Ende – 90/100. Mehr zu diesem außergewöhnlichen Weingut in einer der teuersten Lagen der Welt steht hier. Ein echter Showstopper danach 2004 Beringer Chardonnay Private Reserve, pralle Lebensfreude, üppig mit schmelziger Frucht, reife, exotische Früchte, geröstete Haselnüsse, sehr füllig und trotzdem elegant und finessig, schlichtweg ein Traum-Chardonnay, der sich locker mit den besten der Welt messen kann – 95/100. Schlichtweg sensationell auch wieder 2001 Aalto PS, für mich einer der besten spanischen Weine überhaupt. Inzwischen weit über 20mal getrunken. Auch diesmal brachte dieser unglaublich präzise strukturierte, sehr mineralische Wein mit seiner fantastischen, konzentrierten, süßen und würzigen Frucht wieder locker 98/100 ins Glas. Viel Luft brauchte danach ein 1987 Eisele Vineyard von Phelps, der sich nur sehr zögerlich entwickelte und es natürlich nach dem außerirdischen Aalto PS verdammt schwer hatte. Noch sehr kompakt und immer noch dominiert von etwas trockenen Tanninen, altes Leder, mit der Zeit immer mehr Minze und Eukalyptus. Ein sehr guter Wein mit enormem Langstreckenpotential, der aber nie richtig groß werden wird – 92/100. Schiere Wollust im Glas brachte zum Schluss ein 1947 La Violette aus Pomerol, portig, süß und dekadent lecker, wieder so ein grandioser 47er auf dem absoluten Höhepunkt – 95/100.
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E N T D E C K U N G E N
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Noch nie war ich bisher in Düsseldorfs neues In-Lokalität Monkey´s gewesen. Das holte ich an diesem Samstagmittag mit Freunden und auch mit Freude spontan nach. Der Edelschuppen Monkey´s West war zwar geschlossen. So nahmen wir mit Monkey´s South Wine &Dine vorlieb. Der quirlige, sehr kenntnisreiche Monkey´s Sommelier Billy Wagner half uns aber auch dort auf die Sprünge und präsentierte zur mittäglichen Pasta zwei deutsche Rieslinge vom Allerfeinsten. Aus der „traktorfreien Zone“ des Gutes stammt der 2005 Ruppertsberger Hoheburg Riesling PC Faß 57 von Bürklin Wolf. Auf einer kleinen Parzelle des Gutes wird dort nicht nur von Hand und mit dem Pferd gearbeitet. Auch im Keller ist alles anders. Spontanvergärung, kein Filtern und Schönen, also „Unfiltered“, zwei Jahre Reife bis zur erst im August diesen Jahres erfolgten Abfüllung. Ein Prachtstück von Riesling, das in seiner Individualität in keine der gängigen Schablonen passt. Ein sehr mineralisches Weinbaby auf dem langen Weg zum Riesen, sehr mineralisch, dicht, mit unglaublichem Tiefgang. Die polierte 2005er Frühreife fast aller seiner Kollegen kennt dieser fordernde Wein nicht. Das ist Slow Wine in bester Zind Humbrecht Tradition. 92/100 waren da schon heute im Glas, 95/100 können es in 10 Jahren locker werden. 15-20 Jahre Alterungspotential gebe ich diesem Wein gut und gerne. Martin Kössler aus Nürnberg, dieser große Individualist und Gesinnungstäter unter den Weinhändlern, hat sich diesen Wein exklusiv abfüllen lassen. Natürlich war er schon ausverkauft, als ich im Dezember anrief, zumindest bis auf ein paar Magnums und Doppelmagnums. Die sind jetzt auch weg. Unbekannt war mir auch der 2005 Dhron Hofberg Riesling Reserve vom Weingut A.J. Adam, das mit diesem Wein einen ähnlichen Weg geht. Auch dieser Wein, von dem es nur 700 Flaschen gibt, wurde erst 2007 abgefüllt. Auch das ein sehr präziser, klarer Wein, sehr mineralisch mit ungeheurer Strahlkraft, bei aller Eleganz dicht, saftig, mit gut eingebundener Restsüße. Auch hier 92/100 mit Potential für mehr und ein langes Leben. Ein Wein, der ebenfalls spontanvergoren und ohne weitere Eingriffe ausgebaut ist. Den Gesinnungstäter Andreas Adam, der erst mit dem Jahrgang 2000 das stillgelegte Weingut des Großvaters in dieser einstmals berühmten Lage reaktivierte, sollte man sich sicher merken.
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( V O R ) W E I H N A C H T S E S S E N
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Und dann noch ein kleines, intimes (Vor)Weihnachtsessen mit Weinen aus dem eigenen Keller. Deutlich mehr versprochen hatte ich mir von 1989 Domaine de Chevalier Blanc. Der war sehr gewöhnungsbedürftig, wirkte mal alt und dann oxidativ, im nächsten Augenblick wieder jung und vanillig, so ging das hin und her, nur richtige Freude kam keine auf – 87/100. Bitter enttäuscht war ich in diesem Jahr mehrfach vom bisher so grandiosen 1993 Mouton Rothschild. War es das wirklich gewesen? Wir machten einen neuen Versuch aus einer perfekten Magnum. Sehr dichte, junge Farbe ohne den ersten Ansatz von Reife, ein wunderbarer, klassischer Mouton und Pauillac, dem zwar die offnen, hedonistische Art abging, die diesen Wein früher auszeichnete, der aber immer noch aus dieser Magnum sehr gut zu trinken war, deutlich besser als aus allen 1teln der letzten Monate und mit der Hoffnung auf ein zweites Leben dieses Weines – 92/100. Ich würde den 93er Mouton jetzt einfach ein paar Jahre in Ruhe lassen. So gut wie in seiner langen Fruchtphase wird er nie mehr, aber für einen sehr guten Pauillac und Mouton auf 90+/100 Niveau wie an diesem Abend sollte es wohl reichen. Als süßen Abschluss wählten wir einen 1983 Hugel Gewürztraminer Selection Grains Nobles. Der ersetzte locker jedes Dessert. Zwar nicht zu süß, aber mit Honig ohne Ende, sehr würzig und vielschichtig, unendlich lang am Gaumen – 95/100.
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D E R W E G I S T D A S Z I E L
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Eigentlich ist das malerisch oberhalb von Lindau gelegene Villino ja für mich „nur“ ein Zwischenstopp auf dem Weg in den Wintersport. Doch inzwischen ist dieser Villino-Besuch für uns fast schon so etwas wie Tradition und ein echter, erster Urlaubs-Höhepunkt. Sehr persönlich geführt wird dieses Relais&Chateau von der Familie Fischer. Der Weinkeller wird betreut von Sonja Fischers Bruder, Rainer Hörmann. Dieser begnadeten Weinnase können Sie sich bedingungslos anvertrauen. Er findet nicht nur die passenden Begleiter für Reiner Fischers kulinarische Glanzlichter. Aus dem sehr umfassenden Villino-Keller, der bis zu 1985 Sassicaia reicht, fördert er auch abseits ausgetretener Pfade reichlich bezahlbare Überraschungen zu Tage. Wir starteten mit einer 2005 Hochheimer Hölle Auslese Goldkapsel trocken von Franz Künstler. Normalerweise würde ich mich an einen solchen Wein noch lange nicht herantrauen, doch bei den frühreifen 2005ern ist eben alles anders. So wirkte auch dieser Wein mit seiner satten Frucht schon irre zugänglich und voll da, zumindest nach dem Dekantieren. Natürlich habe ich dem Angebot, diesen Wein zu dekantieren und aus großen Gläsern zu trinken sofort gerne zugestimmt. Sollte Ihnen ein Sommelier diesen Wein oder einen ähnlichen, jungen Riesen kommentarlos undekantiert in ein kleines Rieslingglas kippen, dann entgeht Ihnen einfach ein Großteil des Genusses. So aber saßen wir staunend und fast vor Freude glucksend vor einem sehr extraktreichen Prachtriesling mit unerhörter Mineralität, der bei aller stoffiger Fülle so unglaublich elegant, finessig und fast filigran war. Ein riesengroßer Wein, der sich trotz aller Frühreife über lange Jahre entwickeln und durchaus noch etwas zulegen dürfte. Nur auf den Restaurantkarten dieser Welt wird er wohl bald ausgetrunken sein – 95/100. Da kam der anschließend getrunkene 2002 Tiglat Chardonnay von Velich nicht mit. In der Nase war das ein großer Parfümladen mit gewisser, burgundischer Eleganz, am Gaumen war er sehr kräftig mit einer massiven Dosis Holz. Fans holziger Chardonnays werden sicher beglückt sein, wenn da ein ganzer Wald den Gaumen herunter gejagt wird, mir war es bei aller Klasse etwas zuviel des Guten – 90/100. Weiter ging es mit einem durchaus spannenden Pinot aus der Neuen Welt, einem 1994 El Molino Pinot Noir aus Kalifornien. Gerade mal 700 Kisten wurden hiervon produziert. Mir war dieses Weingut, das in Rutherford im Napa Valley aus eigenen und zugekauften Trauben ausschließlich Chardonnay und Pinot Noir produziert, bisher nicht untergekommen. Dabei handelt es sich um eines der ältesten Weingüter des Napa Valley, 1871 gegründet, allerdings mit der Prohibition stillgelegt und erst 1981 wiederbelebt. Vielleicht wurden die alten El Molinos ja auf der Bonanza Ranch zu Weihnachten getrunken. In seiner breitschultrigen, rustikalen, kräftigen, sehr natürlichen und sympathischen Art könnte ich mir ein Glas dieses Weines, der mit immer noch viel Frucht einfach Spaß machte, gut in der Hand von Hoss Cartwright vorstellen – 92/100. Sehr gut gefiel mir danach auch 1988 Solaia, der ohne weiteres als klassischer, großer Bordeaux durchging. Keine Fruchtbombe und kein Blockbuster wie die im etwas internationaleren Stil gemachten, jüngeren Jahrgänge. Eher etwas zurückhaltend, distinguiert, mit einer ledrigen Nase und ganz zarter Minze, etwas Sauerkirsche, sehr fein, elegant mit immer noch deutlichem, intaktem Tanningerüst, viel Tiefgang und sicher noch mit langer Zukunft – 94/100. Weniger anfreunden konnte ich mich zum Schluss mit einer 2004 Chardonnay TBA von Sepp Moser. Die war zwar ganz ok mit feiner Süße und getrockneten, exotischen Früchten, aber irgendwo auch etwas breit und langweilig – 88/100. Warum man unbedingt aus Chardonnay Süßweine machen muss, ist mir ohnehin unerklärlich. Erinnert mich irgendwo an die ersten, im Barrique ausgebauten Rieslinge und an frische Seezunge mit Schweinohr. Alles drei mag ja originell sein. Ich würde aber lieber zu meiner frischen Seezunge einen im Barrique ausgebauten Chardonnay trinken, danach dann eine schöne Riesling TBA. Das Schweineohr kriegt gerne mein Hund. Glücklich sanken wir danach in die kommoden Kissen in den mit viel Liebe eingerichteten Villino-Zimmern, genossen am nächsten Morgen ein außergewöhnlich schönes Frühstück und beschlossen, möglichst bald wiederzukommen.
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Januar 2008 | November 2007
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