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April 2007

R E I F E   S C H Ä T Z E 

„Gib Gas und komm rüber“ – das war eine klare Ansage von Franz Josef Schorn. Der hatte gerade an diesem fast frühsommerlichen April-Sonntag eine spannende Verkostung mit Harald Hexamer von der Nahe hinter sich gebracht. Ich hatte mich stattdessen 110 km bei bissig-böigem Ostwind mit dem Fahrrad gequält. Da kam diese Aufforderung und die Aussicht nicht nur auf ein paar schöne Schlucke Wein, sondern auch noch auf ein paar abendliche Schorn-Gänge ganz gelegen. Also schnell ab in den Keller, wahl- aber nicht ziellos ein paar alte Flaschen gegriffen und dann mit dem Taxi(don´t drink and drive, auch nicht mit dem Rad!) zu Schorn.
Da wartete nicht nur eine kleine, feine Runde mit Winzer Harald Hexamer, Sternekoch Holger Berens. Sommelier & Branchenprofi Oliver Speh und natürlich seiner Leiblichkeit Franz Josef Schorn auf mich. Es wartete vor allem auch ein sündhaft leckeres Spargelragout und danach ein traumhafter Rahmwirsing mit geschmolzenem Reblochon. Gerichte, die sich ganz einfach anhören, die der gute Franz Josef aber so geschmacklich perfekt hinbekommt, dass man stets versucht ist, der Teller mitzuessen. Wer so kochen kann, hat es nicht nötig, mangelndes Aromenverständnis und die zurecht kürzlich von Altkochrocker Siebeck bemängelte Unfähigkeit vieler Köche zu Würzen hinter diesem Molekular-Geschiss zu verbergen.
Der erste Wein kam gleich in die Tonne. Ein Labottière von Cordier ohne Jahrgangsangabe tauchte allenfalls noch für eine Salatsoße. Da lieber erst mal eine große Flasche stilles Wasser für die durstige Fahrradseele. Und dann ging es heftig zur Sache. Ein 1990 Spätburgunder Tafelwein von Friedrich Becker aus Schweigen am Weintor. Der stand wieder wie eine Eins im Glas. Ein sensationeller Rotwein mit leicht ins exotische gehender Üppigkeit, irrer Komplexität und Länge, ohne jedes Alter. Hält mit großen Burgundern spielend Schritt. Da sind in einem Ausnahmejahrgang Glück und Können zusammengekommen und haben einen Wein ergeben, denn man blind nie nach Deutschland stecken würde – 96/100.



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Hochrisiko war danach angesagt. Vor einer Weile konnte ich aus einem Privatkeller eine Flasche 1926 Clos St. Martin kaufen. Der Preis war ok, der Zustand war absolut lausig, below low shoulder. Konnte so etwas überhaupt noch trinkbar sein? Dunkelbraun, leicht trüb, kam da eine etwas medizinal wirkende Flüssigkeit ins Glas, die aber am Gaumen spontan mit einer nussig wirkenden Süße überraschte. Natürlich hatten wir auch diesen Wein dekantiert. Klar weiß ich, dass das heiß diskutiert wird. Ältere Weine dekantieren, oder bei wahrscheinlicher Fragilität lieber gleich ins Glas und schnell trinken. Fast ausnahmslos habe ich bisher aber die Erfahrung gemacht, dass die kurze Sauerstoffdusche des Dekantierens so manch altem Weinopa noch mal längst vergessene Regungen verschafft. Wohlgemerkt, nicht 2 Stunden vorher dekantieren und dann über die trübe Brühe im Glas wundern. Dekantieren und sofort ab ins Glas ist bei Methusalems angesagt. Erstaunlich, wie sich der Clos St. Martin im Glas entwickelte. Die Nase wurde immer schöner und zeigte auch eine feine Süße. Am Gaumen waren da sogar noch deutliche Tanninreste. Das, was da vor 80 Jahren ein Händler namens F. Paillassou aus Bordeaux-Bastide abgefüllt hatte, entwickelte sich zu einem wunderbaren, reifen alten Bordeaux – 92/100. Was letztendlich nicht nur für das Potential des vor einigen Jahren von der charmanten Sophie Fourcade wieder wachgeküssten Clos. St. Martin spricht, sondern auch für den überragenden Jahrgang 1926 mit seinen extrem langlebigen Weinen.
Deutlich jünger wurde es danach, zumindest im Glas. Einen wirklichen Prachtburgunder hatten wir vor uns, einen 1929 Nuits St. Georges von L. Moreau & Fils. Der hatte noch so eine perfekte Struktur und eine wunderbar brilliante Farbe. Kleidete den Gaumen voll aus und entwickelte mit der Zeit eine feine, karamellige Süße, nicht nur am Gaumen, sondern auch in der Nase. Ein Monument nicht nur aus einem ganz großen Burgunderjahr, sondern auch aus einer Zeit, als Weine noch nicht für die Schreiberlinge der Welt und einen cocacolaisierten Massengeschmack auf früheste Trinkbarkeit getrimmt wurden. Damals wurde noch nicht entrappt und die zu Anfang etwas bitteren Tannine der Stengel verliehen den Weinen das Standvermögen, über das wir heute so staunen. Konnte man diesen 97/100 Wein, der in perfektem Zustand war und vor dem Erwerb durch mich vor 15 Jahren nur einen einzigen Keller gesehen hatte, noch toppen? Kaum zu glaube, aber genau das tat der nächste Wein.



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Ein 1923 La Romanée in einer nicht näher zu definierenden, belgischen Händlerabfüllung erwies sich als Wein wie von einem anderen Stern. Immer noch eine tolle, dichte Farbe, in der Nase Kaffee und Mokka ohne Ende, typisch für alte, große Burgunder. Am Gaumen so konzentriert, so kräftig und lang mit viel tragender Säure und einem guten Schuss Espresso, dazu mit Luft immer mehr Bitterschokolade und Kakao. Noch deutlich spürbare Gerbstoffe in diesem fast zeitlosen Monument, das mit seiner unglaublichen Dichte und Komplexität faszinierte – 100/100.



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Ja, wir hatten eine vinologische Glückssträhne an diesem Abend. Als nächstes war ein 1959 Chateauneuf-du-Pape Cuvée du Vieux Vigneron von David & Foillard an der Reihe. Dass auch das ein großer Wein war, verwunderte kaum. 1959 war an der Rhone und speziell in Chateauneuf ein Riesenjahr. So hatte dieser Wein eine supergeile Nase, wie eine hypothetische Mischung aus Mouton und La Tâche, am Gaumen reichlich rote Früchte, Lakritz und eine kräftige, aber gut eingebundene Säure. Wirkte noch so jugendlich und wurde im Glas immer burgundischer, ein Riese – 97/100.



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Leichtsinnig geworden rissen wir jetzt noch ein Denkmal aus der neueren Zeit auf und stellten es daneben. Schön häufiger hatte ich die Ehre, den legendären 1990 Chateau Rayas zu trinken. Leider gibt es nicht nur Flaschenvariationen, sondern auch zahllose Fälschungen, so dass ich meist vergeblich das Genie dieses Weines im Glas suchte. Parker´s 100/100 hatte ich bisher noch nie im Glas und lag mit den besseren Flaschen bei 97-98/100, hatte aber auch schon Rayas-Erlebnisse, wo nur mit gutem Willen noch 95/100 zu vergeben waren. An diesem Abend war uns das Weinglück weiter hold. Das war ein Bilderbuch-Rayas, wie ich ihn in dieser Qualität selten hatte. Konzentrierte Erdbeernase, am Gaumen unglaublich dicht, jugendlich-explosiv und mit lakritziger Länge, ein multidimensionaler Hammerwein, der immer neue Facetten zeigte. Richtiggehend kauen konnte man auf diesem Superstoff, der seinen hohen Alkohol durch die faszinierende Aromatik geschickt zu verbergen wußte. Aber 100/100? Dazu hatten die vorher getrunkenen Weinmonumente einfach die Latte zu hoch gelegt. Aber mit 98/100 war das immer noch ein großes Erlebnis. So bleibt die angesichts geringer Bestände hypothetische Frage, wie sich der Rayas längerfristig entwickeln wird. Er wirkt sehr säurearm, weich und voll entwickelt, hat aber immer noch ein gutes Tanningerüst. Da sollten sicher noch 10+15 Jahre oder mehr drin sein. Sollten Sie den 90er Rayas besitzen(oder den nicht minder legendären 78er) dann empfehle ich trotzdem, kein Risiko einzugehen. Machen Sie ihn einfach auf, natürlich nicht, ohne mich vorher anzurufen!



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Die Zeit raste, und ich dachte voll schrecken an die arbeitsreiche Woche, die vor mir lag. Also schnell ein Taxi gerufen. Doch die Truppe ließ mich nicht gehen, bevor ich nicht noch einen Schluck aus einer der letzten Flaschen von Harald Hexamers Diplomarbeit auf der Weinbauschule probiert hatte. Ein 1993 Meddersheimer Altenberg Riesling Sekt, absolut hochklassisch und immer noch mit taufrischer Aromatik. Wäre eigentlich schön, wenn der talentierte Hexamer auch noch in Weinbau promovieren könnte. Von der Doktorarbeit würde ich blind 5 Kisten bestellen.



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A P F E L - E I S W E I N ? 

Mächtig stolz sind sie auf ihre Eisweine, die Kanadier. Mich hat davon noch keiner so richtig vom Hocker gehauen. Schon gar nicht ein recht abartiges Produkt, das ich neulich im Glas hatte, ein Cidre Vin de Glace oder Ice Cider der Domaine Pinnacle aus Quebec. Gut 80 Äpfel aus 6 verschiedenen Sorten gehen bei der Produktion einer 0,375 l Flasche drauf. Das Ergebnis war zumindest für den 2004 Domaine Pinnacle ein fürchterlich pappig süßes, likörartiges Getränk, das mit dem, was man gemeinhin unter Eiswein versteht, überhaupt nichts zu tun hatte. Eher so eine Art Grand Marnier aus Äpfeln. Solo kaum trinkbar. Besser wahrscheinlich zur Verzierung von Vanilleeis oder statt Ahornsirup auf den morgentlichen Pancakes. Und geschenkt sind gut € 30 für so ein halbes Fläschchen süßes, klebriges Apfelkonzentrat mit immerhin 11% Alkohol natürlich auch nicht. Da mag ich an die aus über 100 Äpfeln gefertigte Signature Edition des Hauses gar nicht denken.



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Q U E R E I N S T E I G E R 

Von einem wohlmeinenden Weinfreund erhielt ich vor ein paar Monaten eine Flasche 2000 Calzalunga, die ich doch bitte probieren möge. Der Winzer sei ein Bekannter meines Freundes Fabio Chiarelotto von Montepeloso. In der Tat haben Calzalunga und Montepeloso einiges gemeinsam. Beide Weingüter liegen in der südlichen Maremma, aus der viele der derzeit interessantesten, neuen italienischen Weine kommen. Beide werden von Quereinsteigern betrieben, die aus der Schweiz stammen. Bei Calzalunga heißt der Winzer Andreas Steffen, ein Schweizer Weinhändler. Beide Weingüter haben denselben beratenden Önologen, Fabrizio Moltard. So verwundert auch nicht, dass die Handschrift der Weine nicht so ganz unähnlich ist, wenn auch der Erstlingswein von Calzalunga noch nicht die Dramatik und Dichte z.B. eines Gabbro erreicht. Aber es ist ein hochspannender Wein mit junger, dichter Farbe, dunklen Beeren, reifer Schwarzkirsche in Bitterschokolade, aber auch Lakritz und etwas Teer, gut eingebundenes Holz mit Röstaromatik, reife, seidige Tannine, bei aller Kraft und hohem Alkohol(14.5%) recht harmonisch wirkend - 91/100. Ein Weingut, dass ich sicher im Auge behalten werde.



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G R Ü N D O N N E R S T A G 

Eigentlich hat er bei uns schon Tradition, dieser Gründonnerstag. Meist sind wir eine kleine Runde von Strohwitwern, die am letzten Abend, bevor sie den urlaubenden Familien hinterherfahren, noch ein paar gute Flaschen Wein zusammen trinken. Schön, dass es solche Traditionen gibt. Da braucht man dann nicht krampfhaft nach einer Ausrede für ein nettes Besäufnis zu suchen.
So saßen wir also wieder bei Schorn und schauten tief in wunderbar gefüllte Gläser. Franz Josef hieß uns mit einem 2006 Riesling Paradies von Korrell willkommen, einer trockenen Riesling Spätlese von der Nahe. In der Nase mit reichlich exotischen Früchten belegte Biskuit-Obsttorte, kräftige Säure, zupackend am Gaumen, sehr kraftvoll, kompakt, schhreit nach Luft und 2-3 Jahren weiterer Lagerung, wird sich über Jahre gut entwickeln – 89+/100.
Ganz schön gestaunt hatte ich vorher in meinem Weinkeller, als ich den gesuchten 1955 Corton Clos de Corton von Faiveley fand. Hatte der schon seine Farbe verloren? Da fiel mir die gelbe Kapsel auf. Das, was ich vor langen Jahren als Rotwein erstanden hatte, war also ein weißer Clos de Corton. Ich wusste bisher gar nicht, dass es so etwas jemals gegeben hat. Der Wein hatte eine recht dunkle, leicht trübe Farbe und wirkte etwas gezehrt. In der Nase Sherrytöne, aber auch feine Süße, am Gaumen erstaunlich frisch mit guter Säure, die den Wein am Leben erhielt, immer noch kraftvoll und sehr mineralisch mit Feuerstein – 90/100.
Ein Klassiker war 1961 Tertre Daugay aus St. Emilion. Feine, rotbeerige Frucht, gute Säure, kompakt, schlank und dabei noch so jung. Ein Wein mit reichlich Zukunft, der sich sehr schön im Glas entwickelte – 90/100. Gefolgt wurde er von einem weiteren klassischen Bordeaux, dem 1970 La Lagune. Der ist in der Nase so feinduftig und elegant und dabei am Gaumen so kräftig mit präsenten, aber reifen Tanninen und sehr guter Länge. Ein großer, gut gelungener 70er mit sicher noch 20 Jahren Lebenserwartung – 93/100.



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Eine der großen Überraschungen des Abends war ein 1953 Larrivet Haut Brion in einer französischen Händlerabfüllung. Der hatte eine süchtig machende, leicht animalische Nase mit massig Maulbeeren und Schokolade, dazu viel Tabak, Teer und Zigarrenkiste, Superfarbe ohne Orangentöne, am Gaumen zunächst deutlich kompakter als die geile Nase, kräuterige Würze, baut im Glas zunehmend aus und wird am Gaumen immer länger, entwickelt dabei eine unglaubliche Kraft, noch so verdammt jung, ein Wahnsinnswein, der in diesem Jahrgang mit Haut Brion und La Mission mithalten kann – 96/100.
Auf sehr, sehr hohem Niveau ging es weiter. Vor einer Woche erst hatte ich bei meinem Freund Bernd Wirtz den verdammt reifen und mit vielen Fragezeichen versehenen 90er Conseillante getrunken. Jetzt hatte Bernd 1989 La Conseillante mit, und das war eine völlig andere Welt. Dichte Farbe, kein Vergleich zum hellen 90er, erst leicht animalisch in der Nase, dann immer mehr reife, schwarze Johannisbeere, Schokolade, aber auch Lakritze, wird zimtig, Kardamon, entwickelt schöne Süße, dabei so kräftig und lang, riesengroß mit toller Struktur, bleibt ewig am Gaumen, ein „junger 47er“ – 97/100. Da konnte einem der im Vergleich dagegen stehende 1989 Clos du Vieux Plateau Certan richtig leid tun. Paprikanase mit massig Lakritz, nicht sehr generös, aber gute Länge am Gaumen, eher Pauillac als Pomerol – 89/100. Dieser seltene Wein aus einer kleinen Parzelle bei Vieux Certan war vor ein paar Jahren noch deutlich besser.
Harte Kost war ein 1959 Cornas von Paul Etienne. Der hatte sich immerhin ohne Blessuren gut über die Zeit gerettet und war sicher in seiner Jugend auch kaum besser, Cornas muss man eben mögen. Klare Farbe ohne Alter, sehr deutliche Säure, aber auch noch frische Frucht, Himbeere, Brombeere, kompakt am Gaumen, aber gut zu trinken – 86/100.



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Sehr überraschend ein 1920 Pontet Canet aus einer midshoulder Flasche. Superdichte Farbe, in der Nase reife Bananen, am Gaumen kompakt, bissig durch die Jahrgangstypische Säure, leicht portig, etwas Karamelle, aber auch noch Frucht und Tanninreste, stand wie eine „1“ im Glas und entwickelte sich. Eigentlich hätte er neben den reinen 90/100 Genusspunkten noch reichlich Ehrenpunkte verdient.



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Dann der Star des Abends, ein 1949 Vosne Romanée von Champy. Dass ich auf meine alten Weintrinkertage noch zum Burgunderfan werde! Aber das war einfach wieder megageiles Zeugs. Die üppige, hedonistische Nase eines riesengroßen, reifen Burgunders, Mokka und Kaffee mit 5 Stücken Zucker, sehr dichte Farbe, auch am Gaumen verschwenderisch üppig und süß, würzig und sehr lang, einfach riesengroß, Burgund in Perfektion – konservative(!) 99/100 habe ich für diesen unglaublichen Stoff gegeben, denn nach mehreren 100 Punkte Burgunder Erlebnissen in den letzten Wochen hatte ich einfach Angst vor der eigenen Courage und vor einer 100 Punkte Inflation. Doch einen solchen Wein auf der Zunge und im Glas haben zu dürfen, das ist ein derart einmaliges Erlebnis. Nicht zu vergleichen mit hoch bepunkteten Jungweinen. Hier öffnet sich einfach am Himmel plötzlich die vierte Dimension. Das muss man einfach einmal erlebt haben. Nicht, dass Sie jetzt wahllos alte Burgunder kaufen. Da ist auch viel Mist darunter. Der Jahrgang muss stimmen, der Erzeuger, die Lage und dann muss auch das große Glück dazu kommen, den Wein genau im richtigen Moment zu erwischen. Einen riesigen Vorteil haben alte Burgunder, sofern sie nicht von DRC stammen. Meist hatten sie nur einen Vorbesitzer, das macht eine Menge aus.
Den Abschluss unserer kleinen, vorösterlichen Verkostung bildete ein fantastischer 1955 Feytit Clinet. Heute ist das ein weitgehend unbekanntes Gut im Stall von Moeiux. Doch damals müssen die gute alte Reben gehabt haben, die dann wahrscheinlich bei den 56er Frösten erfroren sind. Denn das hier war nicht mein erster, überraschender, älterer Feytit Clinet. Unglaublich tiefes, noch fast jung wirkendes Schwarzrot, das mich spontan an 1985 Sassicaia erinnerte. Pfeffrige Aromatik mit einem Schuss Chili und viel Bitterschokolade, das bekommt Zott mit seiner Schokolade auch nicht besser hin. Am Gaumen immer noch kraftvoll mit viel Schmelz, ein Top-Pomerol – 95/100.



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O S T E R F R E U D E N 

Natürlich hatte ich auch Ostern ein paar anständige Tropfen im Glas. Hoffnungslos überfüllt war Sylt wieder über die Osterfeiertage. Ohne rechtzeitige Buchung ging in den Restaurants der Insel gar nichts. In der Kampener Vogelkoje startete unser Abend mit einem 2002 Malterer von Huber aus Baden. Der wirkte noch sehr frisch und kompakt, sicher erst am Anfang einer längeren Entwicklung. Aber wir haben ihm auch nicht genug Zeit gegeben - 90/100 aus denen in den nächsten Jahren auch noch 2-3 mehr werden können. Weniger anfangen konnte ich an diesem Abend mit Hubers 2003 Spätburgunder R. Klar, der hatte die Kraft und die satte Frucht des heißen Jahrgangs, aber mir fehlte einfach die Finesse – 89/100. Ein sehr feiner, eleganter, finessiger, reifer Schmeichler mit guter Struktur und langem Abgang war danach 1999 Troplong Mondot. Jetzt voll da, brachte er locker 92/100 ins Glas. Das tut er sicher noch 5 weitere Jahre, für länger würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen. Überhaupt nicht mein Ding war zum Schluss ein 10jähriger Niepoort Tawny Port, der sehr spritig wirkte.
Bei und mit Pius Regli im Manne Pahl in Kampen machten wir uns mit größtem Vergnügen über eine Magnum 1993 Mouton Rothschild her. Aus dem großen Format wirkte mein Lieblings-Mouton noch jünger und einen Tick besser als aus der 1tel. Nicht nur mit der faszinierenden Röstaromatik, sondern auch mit toller Struktur und Länge, ein großer Mouton – 95/100. Besser als beim ersten Mal gefiel mir danach ein 2003 Aalto PS, der recht offen und druckvoll wirkte – 94/100.
Eine Insel auf der Insel wieder das Restaurant Jörg Müller. Nichts zu spüren von österlichem Rummel und Hektik. Hinter den Kulissen und in der Küche wurde hier sicher auch mächtig gewirbelt, doch das Team der charmanten, omnipräsenten Barbara Müller ließ uns von alldem nichts spüren. Als Einstieg wagte ich mich an eine 2002 Hochheimer Hölle Auslese trocken Goldkapsel von Künstler. Ein mächtiger Stoff mit Kraft ohne Ende, erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung und wie viele, große 2002er mit Potential für lang Jahre. Am Gaumen konzentrierte Frucht, Zitrusaromen, Aprikose, sehr mineralisch, zupackend mit massiver Säure. Ein Wein der derzeit vor Kraft kaum laufen kann und fast zuviel des Guten bietet. Gehört unbedingt dekantiert(hatten wir versäumt) und besser noch 3-5 Jahre weggelegt. Dann werden aus den 93/100 sicher noch 3-4 mehr. Sehr überrascht war ich von 1989 Cantemerle. Als „feinduftig, elegant, lecker, aber auch leichtgewichtig“ hatte ich diesen früher häufig getrunkenen Wein in Erinnerung. Doch inzwischen hat er mächtig zugelegt. Immer noch sehr dichte Farbe, Kraft und Finesse zugleich, ein sehr nachhaltiger, überzeugender Bordeaux – 93/100. Gleichzeitig war dieser Wein, den es immer noch für relativ wenig Geld zu kaufen gibt, auch einer der preiswertesten Bordeaux der Karte. Ein echtes Schnäppchen, nach dem ich Ausschau halten werde. Nicht unbedingt ein Schnäppchen war der 1945 Chambertin von Noiret-Carrière, doch seinen Preis war er mehr als wert. Ein fülliger, immer noch fast jung wirkender Prachtburgunder mit unglaublicher Struktur. Keinerlei Zeichen von Alter oder Schwäche, eher noch Potential für Jahrzehnte und ene unglaubliche Länge und Komplexität am Gaumen – 96/100. Sehr, sehr schwer hatte es danach ein 1949 Corton von Leon Violland. Der hatte zwar auch eine sehr junge Farbe, wirkte aber in der Nase etwas gemüsig und medizinal, am Gaumen sehr verhalten mit stahliger, metallischer Frucht. Was tun? 87/100 geben und abhaken? Wir gaben dem Wein stattdessen Zeit und Luft und wurden für unsere Geduld belohnt. Der Corton entwickelte sich mit der Zeit prächtig im Glas, die störenden Nebentöne verschwanden, da kam mehr Frucht, mehr Komplexität, mehr Länge. Klar, das wurde kein üppig-fülliger Schmuse-Burgunder, dafür aber ein begnadeter Darsteller aus dem Charakterfach, der zum Schluss sicher 94/100 wert war.
Unseren letzten Sylt-Abend verbrachten wir in der Westerländer Weinstube Hardy, dem Lokal mit dem vielleicht besten Preis-/Leistungsverhältnis der Insel. Das hohe Lied auf die sympathischen Gastronomen Suzanne und André Speisser habe ich hier schon oft genug gesungen. Die Küche bringt bodenständige, wunderbar leckere Elsässer Küche auf den Teller. Á la minute und trotzdem so zügig, dass hier niemand verhungert. Aus der Raritätenkarte tranken wir einen 1990 Chablis Grand Cru Les Grenouilles vom Chateau Grenouilles. Das war ein solider, guter, aber nicht aufregender Chablis mit noch erstaunlicher Frische – 88/100. Ein 2003 l´Excellence du Chateau Belle-Garde aus Bordeaux hatte eine sehr dichte Farbe und eine pfaumige Frucht. Im Glas entwickelte er sich recht schön, doch mit dem massiven Holzeinsatz kam die Frucht nicht ganz mit. Hier sollte wohl mit Gewalt etwas Großes erzeugt werden – 87/100. Gut zu trinken auch ein 1990 Chateau de Marbuzet, der damalige Zweitwein von Cos d´Estournel, etwas rustikal, Bitternote, aber mit schöner Länge – 87/100.



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K L E I N O D   F E H R E N B A C H 

Hartnäckigkeit zahlt sich doch aus. Mehrere Male hatte ich vergeblich versucht, im Düsseldorfer Restaurant Fehrenbach einen Platz zu bekommen. Natürlich immer kurzfristig, weil ich nun mal langfristig selten weiß, ob und worauf ich Hunger habe und Restaurantbesuche, wenn sie denn nicht mit einer Reise verbunden sind, ungern lange im Voraus plane. Im April hatte es jetzt endlich geklappt. Klein, aber sehr fein ist das Restaurant im Düsseldorfer Ortsteil Derendorf, in dem Genussmensch Jürgen Fehrenbach und seine charmante Gattin Julia ihre Gäste verwöhnen. Hellauf begeistert waren meine beiden Damen und ich von dem, was da auf den Teller kam. Bedingungslos zu empfehlen, auch wenn ich dann in Zukunft noch schwerer einen Tisch bekomme.
Mit viel Sachverstand und Liebe zusammengestellt auch die Weinkarte. Ergänzt wird sie durch eine Raritätenkarte mit gästefreundlich kalkulierten Weinen älterer Jahrgänge.
Meine Mädels nahmen als Aperitif ein Glas Champagner. Ich begnügte mich erst mal zum Löschen des ersten Durstes mit reichlich stillem Wasser. Nicht, dass ich etwas gegen Champagner hätte. Nur habe ich festgestellt, dass Champagner als Aperitif ziemlich schnell blau macht. Deshalb bei großen Proben statt eines Bubbly vorher immer das berühmte Glas frischer Milch, bei Restaurantbesuchen sehr gerne auch eine restsüße Spät- oder Auslese von der Mosel. Unser erster Wein ein 2005 Ruppertsberger Reiterpfad 1. Gewächs des Reichsrat von Buhl. Erstaunlich, wie zugänglich und offen dieser ungemein fruchtige, sehr saftige, mineralische Stoff war. Freude ohne Ende war da im Glas. Klar hatte dieser Klasse-Riesling auch genügend Struktur und gute Säure für etliche Jahre Lagerung und Weiterentwicklung, aber wenn alle deutschen 2005er so frühreif schön sind, wird der Jahrgang in meinem Keller nicht alt – 93/100. Von der Raritätenkarte folgte dann ein 1989 Phélan Ségur. Ich bin auf dieses Weingut erst durch den phänomenalen 90er aufmerksam geworden. Der 89er war mit diesem Hammerwein zwar nicht zu vergleichen. Aber er zeigte sich ebenfalls von seiner besten Seite, so feinduftig, elegant und voll reif mit schöner, rotbeeriger Frucht, mit Zedernholz und so einer fantastischen, schwerelosen Eleganz und Länge. Sicher kein großer Wein, aber jetzt in einer unwiderstehlichen Phase – 92/100. Um die Granaten der Raritätenkarte machte ich einen Bogen, die habe ich selbst noch alle im Keller. Also als nächstes einen 1990 Pensées de Lafleur ausgewählt. Der zeigte schon die Typizität von Lafleur, war kräuterig, würzig mit viel Lakritz im Abgang. Aber für den Zweitwein eines so großen Namens und aus solch einem Riesenjahr hätte ich da doch etwas mehr Kraft und Spannung erwartet. Im Vergleich zum grandiosen Lafleur wirkte der Pensées doch etwas arg dünn und kurz im Abgang. Da ich ihn aus früheren Jahren deutlich druckvoller kenne, steht zu vermuten, dass er sich schon so langsam verabschiedet – 89/100. Eher enttäuscht war ich auch von meiner freiwillig getroffenen, nächsten Wahl. 1982 Nenin hat weder etwas mit den wieder recht gut gelungenen Nenins der neueren Zeit zu tun, noch mit den grandiosen, alten Nenins. Ein weicher, reichlich dünner, schlabberiger Saft und die darin zweifelsohne vorhandene Schokolade stammte vom Discounter – 86/100. Als Abschluss genehmigten wir uns noch einen Schluck 1985 Grahams Vintage Port aus der ½ Flasche. Der ließ leider auch etwas die schmelzige, marzipanige Opulenz der Jugend vermissen. Möglich dass dieser früher auch von mir deutlich höher bewertete Port in ein paar Jahren wieder aufdreht. An diesem Abend hatten wir gerade noch 92/100 im Glas.



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M A G N U M   T R E F F E N 

Lieber Besuch hatte sich aus unserer zweiten Heimat Sylt angesagt. Drei Magnums begleiteten uns an diesem Abend. Sehr gespannt war ich auf einen 1992 Howell Mountain Bancroft Ranch Merlot von Beringer. Meine letzte 1tel dieser kalifornischen Schokoladen-Oper hatte ich vor gut 10 Jahren getrunken. Wie würde sich dieser Wein jetzt 10 Jahre später aus der Magnum präsentieren? Kann ein solcher, damals bereits sehr offener, reifer Merlot aus Kalifornien überhaupt so lange altern? Er kann, und wie! Für die Mädels war er der absolute Star. So ein wunderbarer, schokoladig-fülliger Wein, Schmelz ohne Ende, wie eine gelungene Kooperation von Beringer und Lindt. Dabei trotz aller hedonistischen Offenheit weder breit, noch aufdringlich oder klebrig. Ein klassischer Beringer eben, der geballten Sex Appeal auf fast intellektuellem Niveau bietet. Wie fast alle Beringer, ob weiß oder rot, ein Wein zum reinsetzen. Ohne jedes Zeichen von Alter oder Schwäche. Würde in der Magnum sicher noch mal locker bis zu 10 Jahre hinlegen – 95/100. Nach dieser beeindruckenden Performance hatte ich fast etwas Angst um die nächste Magnum, einen meiner persönlichen Lieblingsweine. Doch das war völlig unbegründet. 1985 Gruaud Larose zeigte sich wieder in Topform. Statt Schokolade gab es die Essenz reifen Cabernets, feine Zedernholzwürze, reife Beeren, einen Hauch Trüffel, etwas Tabak. Die typische Aromatik eines großen Medoc eben, reif, aber ohne Alter, zugänglich und doch noch mit viel Kraft, einer dichten Farbe und guter Länge am Gaumen, ein echter Klassiker – 95/100. Klar, inzwischen hat sich wohl bis ins letzte Dorf rumgesprochen, dass Gruaud in 61, 82 und 86 große Weine hervorgebracht hat. Aber Jahrgänge wie 79, 81 und 85 sind kaum schlechter, nur deutlich preisgünstiger. Wein #3 tat sich nach diesen Giganten etwas schwer, dabei hatte der 1983 Cantemerle aus der Magnum die mit Abstand dichteste Farbe der drei. Aber der Charme der früheren Jahre war nicht mehr da. Der Cantemerle wirkte auch hohem Niveau rustikal und auch etwas verschlossen – 89/100. War es das schon, oder kommt da noch mal was? Ich habe schon viele, ältere, grandiose Cantemerles getrunken, die perfekt zeigten, wie gut dieser Wein altern kann. Also rühre ich meine verbliebenen Flaschen die nächsten 10 Jahre nicht mehr an und setzte auf das zweite Leben meiner Cantemerles.



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K L E I N E   L E O N E T T I - V E R T I K A L E 

Ein großer Fan der Leonetti-Weine aus dem Columbia Valley im amerikanischen Bundesstaat Washington war ich früher, insbesondere der Cabernet Sauvignon Reserve. 1991, 1994, 1997 – alles Weine, die mit ihrer üppigen, prallen Frucht und ihrem hedonistischen Schmelz in ihrer Jugend vinologische Freudenstürme auslösten auf immer 95+/100 Niveau. Jugend heißt 1996 beim 91er, 1999 beim 94er und 2003 beim 97er. Alles Flaschen, die ich irgendwann als Trophäe von diversen USA-Reisen mitgebracht, oder drüben getrunken habe. Einen vernünftigen, deutschen Vetrieb für diese Weine gab es nicht. So gerieten dann die letzten Einzelflaschen in meinem Keller in Vergessenheit. Ziemlich entsetzt war ich kürzlich, als ich eine im Keller entdeckte 1995 Leonetti Cabernet Sauvignon Reserve aufmachte. Gut, der hatte immer noch eine junge Farbe und eine klare, wohldefinierte Frucht, aber der Sex-Appeal der jungen Leonettis war nicht (mehr) da - 90/100. Auf gut Deutsch: der Lack war ab! Voll Schreck erfolgte der Griff zu einem 1998 Leonetti Cabernet Sauvignon Reserve. Das war keinen Deut besser. 2002 und 2003 hatte ich diesen Wein noch über den grünen Klee gelobt und in einer Probe sogar als Pingus Amerikas bezeichnet. Und jetzt? Kein Alter, aber die aromatische Dichte war nicht mehr da, wirkte eher etwas leichtgewichtig mit deutlicher Säure - 90/100. Also musste auch noch die letzte Flasche es 1997 Leonetti Cabernet Sauvignon Reserve dran glauben. Auch das war nicht mehr der Superstoff, den ich noch vor vier Jahren im Glas gehabt hatte. Immerhin noch ein sehr beeindruckender Wein, zwar sehr viel feiner und zivilisierter als damals, aber mit wunderbarer Textur, reifer Frucht und geradliniger Präzision 94/100.
Schlicht und einfach zu lange gewartet hatte ich bei diesen Flaschen. Gerade viele Kalifornier sind frühreif, schmecken direkt nach der Auslieferung traumhaft gut. Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Weine auch gut altern. Deshalb gilt: vorsichtig kaufen, nicht hemmungslos den Keller vollknallen und regelmäßig, mindestens jedes Jahr nachverkosten.



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K Ä S E F O N D U E 

Ein wohlgelungener Monatsabschluss war unser traditionelles Käsefondue. Im Mittelpunkt wie immer eine von meinem Weinfreund Horst Wittgen perfekt zubereitete Käsemischung aus dem Engadin und eine von mir dazugestellte, rote Doppelmagnum.
In die Hose ging leider der Begrüßungsschluck. Tiefes Goldgelb, in der Nase und am Gaumen total oxidiert. Hoffentlich nur ein Flaschenfehler, dieser 1996 Beringer Chardonnay Sbragia Select. Statt kräftig und nachhaltig wurden wir dann etwas filigraner und süßer begrüßt. Eine 2003 Oberhäuser Brücke Riesling Spätlese von Dönnhoff war angesagt. Sicher kein schlechter Wein, sehr lecker und mit Genuss zu trinken, aber neben der hohen Mineralität auch sehr süß und mit viel zuwenig Säure, um den süßen Extrakt richtig zu balancieren. Dadurch wirkte der Wein auf hohem Niveau etwas diffus und schlabberig – 89/100.
Als Doppelmagnum hatte ich einen 2000 Sole die Padri von Spadafora ausgewählt, einen sizilianischen Wein aus noch jungen, erst 1996 gepflanzten Syrah-Reben. Der ging vor der würzigen Aromatik des Käses nicht in die Knie und behauptete seine große Klasse. Rabenschwarz mit Purpurreflexen, schwarzbeerig, würzig mit schwarzem Pfeffer, viel Tabak, trotz aller Dichte und Kraft sehr fein und elegant wirkend mit wunderbarer Länge am Gaumen - 95/100. Zum Thema Rotwein und Käsefondue habe ich mich schon deutlich geäußert. In Kürze nur noch mal soviel: Es geht, sogar sehr gut. Nur sollte der Wein genügend Statur haben, jung sein und mit viel Frucht.
Nach der prallen, jugendlichen Frucht kam plötzlich vom Gastgeber ein Kulturschock. Da mussten doch gut 50 Jahre dazwischenliegen. Es waren sogar genau 50. Ein 1950 Marques de Murrieta Reserva hatte zwar in der Nase die gemüsigen Noten, die man häufiger bei älteren Riojas findet und war sehr reif. Durch die recht kräftige, tragende Säure dürfte ihm aber noch ein längeres Leben beschieden sein, und die feine, karamellige Süße machte ihn zum durchaus attraktiven Gaumenschmeichler – 90/100.
Eine 2000 Beaucastel Hommage Perrin Magnum holte uns hammerhart in die Gegenwart zurück. Sehr dichte, undurchdringliche Farbe, unter der reifen Frucht - Erdbeere, Blaubeeren - lauern massive, aber erstaunlich reife Tannine, am Gaumen sind da auch Teer und Lakritz, dazu eine unglaubliche Dichte und Länge, erstaunlich, wie offen dieses konzentrierte Superteil bereits ist und mit wieviel Noblesse die schiere Kraft hier rüberkommt, der Vorschlaghammer, mit dem der Gaumen hier traktiert wird, hat einen Stil aus feinen Edelhölzern und einen vergoldeten Kopf - 96+/100. Auch nicht gerade von schlechten Eltern, aber doch verdammt üppig war ein 2003 Clos Erasmus. Der kam nach 2000 Perrin fast etwas plump daher, unglaublich süß, dicht, üppig, alkoholisch wirkend, mineralisch, aber auch Nougat ohne Ende - 95/100. Den würdigen Abschluss bildete ein 1993 Mouton Rothschild in Bestform, der sich hinter den versammelten Granaten nicht zu verstecken brauchte – 95/100.



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Mai 2007 | März 2007