82mal der Jahrgang 82 mit René Gabriel

Es war die wohl umfangreichste Probe des vergangenen Jahres. 82mal 1982 von und mit René Gabriel an zwei Tagen gab einen umfassenden Überblick und einen aktuellen Status dieses legendären Jahrgangs.

In 1982 ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Das zeigte sehr deutlich gleich der erste Wein, ein 1982 Vina Arcadia von Luis Olarra aus Navarra in Spanien. Reife Farbe, gemüsig die Nase, am Gaumen schon recht gezehrt, deutlich über den Punkt – 82/100. Anstrengend die Nase des 1982 Barca Velha aus Portugal, ein kantiger, kerniger Wein mit heller Farbe, kräuteriger Nase und hoher Säure, der nach begleitendem Essen schreit. Das war mal Portugals renommiertester, teuerster Wein, ein Klassiker aus der Zeit, als Wein nur zum Essen getrunken wurde und der hier nur zu besonderen Anlässen und einem Festmahl. Eine gewisse Faszination versprüht er immer noch und insbesondere Fans älterer Barolos werden hier ran ihre Freude haben – 92/100. Rhone pur in der Nase des 1982 Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé, animalisch, Blut, Leder, Eisengeländer, aber auch burgundische Süße, der Gaumen kam da nicht mit und passte eher zur reifen Farbe – 93/100. Schwierig der 1982 Canon aus St. Emilion, bei dem nur die dichte, junge Farbe überzeugen konnte. Staubige Mottenkugel-Nase, alter, lange nicht gelüfteter Schrank, schmeckt leider wie er riecht, wenn der Kellermeister ein Fußballtrainer wäre, hätte man ihn nach der Leistung gefeuert – 86/100. Einfach göttlich der 1982 Beaulieu Private Reserve George de Latour, rief, nicht nur in der Farbe, aber voll auf dem Punkt, in der Nase Minze, Sattelleder, Schwarztee, am hedonistischen Gaumen pflaumige Frucht und feine, minzige, schokoladige Süße – 94/100. An Silver Oak erinnerte der sehr feine, animierende 1982 Kalin Cabernet Sauvignon mit seiner fruchtigen Nase, die sich am Gaumen mit viel roter Johannisbeere fortsetzte – 91/100. Eher furchterregend der 1982 Storybook Zinfandel mit seiner medizinalen Penicillin-Nase, am Gaumen nur noch sauer, nicht trinkbar – 78/100.

Einfach nur mausetot der 1982 Gevrey-Chambertin von Calvet mit sehr reifer, bräunlicher Farbe und säuerlichem Gaumen. Erinnerte in der gesamten Anmutung eher an ein billiges Haarwaschmittel als an Rotwein. Erstaunlich gefällig die Nase des 1982 Mouton Cadet, ein einfacher, immer noch gut trinkbarer Wein ohne Höhepunkte – 84/100. Kräftige und dicht die Farbe des 1982 Gaffelière, in der Nase Kaffee, Mokka und Schokolade, am Gaumen elegant und schmeichlerisch – 93/100. Muffig und schwierig die Nase des 1982 Le Caillou aus Pomerol, wirkte auch am Gaumen eher wie frisch vom Entrümpler – 80/100. Da wateten wir hier als Einstieg durch die Untiefen des Jahrgangs, unterbrochen nur durch wenige Lichtblicke, da tauchte plötzlich einer der besten Weine der Probe auf, dieser unsterbliche 1982 Penfolds Grange. Ein großer, reifer Grange, voll da mit viel Sex Appeal, allerdings mit Potential für noch lange Jahre. Süße Cassis-Frucht, Minze, Eukalyptus, dabei nicht überladen, sondern sehr fein und elegant, ein anderer Stil als die heutigen Aussie-Boliden - 99/100. Lust auf mehr machte die fruchtige Nase des 1982 Brane-Cantenac aus der Magnum, doch am Gaumen baute dieser Wein rasch ab, von der Schokolade blieb nur noch das Staniolpapier – 87/100. Überraschend fruchtig und jung der 1982 Darmagi von Gaja, die Nase baut rasch ab, der Gaumen bleibt, die gute Farbe deutet noch längeres Leben an, ein Wein, der besser zu begleitendem Essen passt – 90/100.

Nach altem Pappkarton roch der 1982 Clos René, am Gaumen viel Säure, etwas Schokolade – 84/100. Ein kerniger, süßer Charakter-Pomerol war hingegen der 1982 Certan de May, ein edel-rustikaler Wein, bei dem auch die leicht grünen Noten nicht störten – 94/100. Korkig war leider der 1982 Conseillante, bei dem es ansonsten eine hohe Flaschenvariation gibt. Und von draußen erkennt man leider nicht, ob das jetzt ein großer Pomerol ist, oder eher Sauerkraut. Absolut charmefrei war der 1982 Pavie, ein sehr kräftiger, dichter Wein mit viel grüner Paprika – 86/100. Absolut grenzwertig präsentierte sich 1982 Magdelaine, den ich deutlch besser kenne. Hier war wohl auch ein Kork mit im Spiel. Den 1982 Ausone hätte ich gerne noch mal von der heutigen Equipe vinifiziert im Glas. Damals hat man zuviel geerntet und zuwenig draus gemacht. Hat viel Substanz, wirkt dabei rustikal und entwickelt sich enorm im Glas – 92+/100. Nicht die beste Flasche war leider 1982 Cheval Blanc, der auf hohem Niveau etwas hohl wirkte – 94/100. Aus guten Flaschen, von denen ich in der letzten Zeit einige trinken durfte, ist dieser Cheval wieder auf bestem Wege zu der Perfektion, die er in seiner jugendlichen Fruchtphase gezeigt hatte.

Der erste Mittag war geschafft. Einige legten sich jetzt schlafen. Andere spielten Karten. Ein paar ganz verrückte fuhren nach Mannheim in die Weinhandlung Extraprima und probierten die erlesenen Burgunder von Olivier Bernstein. Und ich? Spiele keine Karten und schlafe nachmittags nicht. Da kam der Besuch bei Thomas Boxberger von Schaabner im Extraprima gerade recht.

Und dann kam auch schon der erste Abend, bis auf den ersten Tischwein nur Bordeaux mit reichlich wohlklingenden Namen. Aber da es ja in der Summe 82 Weine sein sollten, musste leider auch der erste Flight sein. 1982 La Cardonne aus Medoc hatte eine muffig-modrige Nase und war einfach nur bitter und spaßfrei am Gaumen – 82/100. Auf ähnlichem, sicher nicht höherem Niveau wäre wohl auch der 1982 Citran gewesen, der sich aber durch einen fürchterlichen Kork einer Blamage entzog. Ganz ok war der der 1982 Poujeaux, ohne Fehler, aber sicher inzwischen deutlich über den Zenit – zumindest aus dieser Flasche – und einfach nur langweilig im Glas – 83/100. Deutlich besser kenne ich 1982 Sociando Mallet, der hier zwar eine gute Frucht hatte, aber auch einen deutlichen Fehlton – 82/100. Auch der 1982 Peyrabon aus Pauillac schien zumindest in der Nase einen Fehler zu haben, am Gaumen war er ganz ok – 81/100. Der 1982 Fonréaud aus Listrac war ein unspannendes, dünnes Wässerchen – 80/100

Nach diesem ersten Flight habe ich endlich begriffen, was man unter dem Begriff Arbeitsprobe versteht, denn mit Freude hatte das nichts zu tun. Da habe ich die Weine dann lieber nicht komplett ausgetrunken, obwohl bei 20 Gläsern pro Flasche ohnehin nicht viel im Glas ist. Stattdessen habe ich mir ein großes Glas des Tischweines gegönnt. Der kam, wie der großartige Beaulieu vom Mittag, aus Kalifornien, wo 1982 nicht als Riesenjahr galt. Aber das hier, dieser 1982 William Hill Cabernet Sauvignon, war nicht nur eine Riesenflasche(Jeroboam), sondern auch ein großartiger Wein. Wunderbare, reife, pflaumige Frucht, pfeffrige Würze, Minze, die jodig-ätherischen Noten eines La Mission, gute Säure, auch am Gaumen reif, aber jetzt einfach ein spannender Hochgenuss – 92/100. Ja, ich bekenne, den habe ich nicht nur genippt.

Mit dem zweiten Flight waren wir komplett in St. Estephe. Bei 1982 Calon Ségur irritiert etwas die leicht bräunliche, aber sehr dunkle, dichte Farbe. Sie täuscht Reife vor, die dieser Wein noch nicht hat. Etwas streng wirkte zu Anfang die Nase, die mit der Zeit im Schneckentempo und soweit die geringe Menge im Glas das zuließ, offener wurde und einen Hauch von Minze und auch Eukalyptus zeigte, aber seltsamerweise auch getrocknete Tomaten. Am Gaumen zeigte der Calon Ségur eine enorme Kraft und immer noch ein stabiles Tanningerüst – 92/100. Damit lag diese Flasche meilenweit von den 99/100 entfernt, auf die Parker diesen Wein kürzlich upgegraded hat. Begeistert hat mich 1982 Cos d´Estournel, der so lange Zeit total verschlossen war. Hier zeigte er eine fantastische, offene Nase, ledrig, mineralisch, aber auch mit Nougat und einem Touch Exotik, viel Druck am Gaumen und dezente Süße, der Cos ist wieder auf dem richtigen Weg, da kommt noch mehr – 96+/100. Etwas anstrengend war die Nase des 1982 Haut Marbuzet mit einem immer stärker werdenden Korkton, der Gaumen mit feiner Süße ganz ok. Ist in besseren Flaschen sicher noch ein guter Wein. 1982 Meyney hatte aus der Magnum eine Mörderfarbe. Ein kantiger, kerniger Wein, St. Estephe pur, ledrig, im positiven Sinne rustikal und streng – 92/100. Eher enttäuscht war ich von 1982 Montrose, den ich mehrfach schon deutlich besser im Glas hatte, schlank, kompakt, gute Säure, aber sang nicht – 87/100. Da machte der reife 1982 Phélan Ségur deutlich mehr Spaß. Klar war das kein großer Wein, dafür fehlten einfach Komplexität und Spannung. Aber mit der wunderbar generösen, süßen Nase und dem ebenfalls süßen, gefälligen Gaumen machte dieser Schmeichler einfach viel Trinkspaß – 91/100. Und dann war da noch 1982 Le Bosque, schöne Nase, aber einfach strukturiert, herb und langweilig am Gaumen – 82/100.

Und damit landeten wir in Margaux. Das war die einzige Appelation in Bordeaux, in der 1983 deutlich besser war als 1982. Das zeigte sich leider ziemlich deutlich. Ziemlich dünn in der Nase und am Gaumen war 1982 Ferrière, muss man sich nicht merken – 84/100. Palmer wirkte ziemlich reif, ein eleganter, weicher, trüffeliger Wein, sehr harmonisch mit burgundischen Anklängen – 91/100. 1982 Margaux war komplett daneben und schmeckte nach völlig überteuerte Schuhcreme. Das war sehr schade und nur ein Flaschenproblem, denn ich hatte diesen Giganten schon häufig mit 96-99/100 im Glas. Erstaunlich gefällig zeigte sich 1982 Giscours aus der Schwächephase des Chateaus. Den kenne ich eigentlich nur schrottig, aber aus dieser Magnum präsentierte er sich mit sehr schöner, warm-würziger Nase und mit gefälligem, malzig-süßem Gaumen – 91/100. Ähnlich im Nachbarglas 1982 Cantenac Brown, ebenfalls aus der Magnum. Freiwillig würde ich den nirgendwo bestellen. Und jetzt präsentierte der sich hier ausgesprochen charmant, gefällig, weich und aromatisch – 90/100. Wenn die tatsächlich ein gutes Faß dieses Weines hatten, ist das in den Magnums gelandet. Sehr dicht die Farbe des 1982 Lascombes, ebenfalls aus der Magnum, die leicht süße Nase mit pflaumiger Frucht ganz vielversprechend, aber am Gaumen grün, grasig und monolithisch – 87/100. Da half dann, wie schon im letzten Jahr bei Elke Drescher aus der Imperiale, auch die Großflasche nicht. Ganz anders 1982 Rauzan-Ségla, der sich aus der Imperiale enorm entwickelte und als reifer, weicher, gefälliger Margaux zeigte, leicht trüffelig mit Waldboden und schöner Süße – 92/100.

Abschreiben wollte ich zuerst den 1982 La Fleur-de-Gay mit etwas diffuser, überreifer Süße, aber er entwickelte sich enorm im Glas, dürfte aber seinen Höhepunkt inzwischen überschritten haben, immerhin ein sehr leckerer Abschiedsschluck – 90/100. Deutlich langlebiger dürfte da 1982 Petit Village sein, der lange Zeit zur Reife brauchte, da aber jetzt endlich angekommen ist. Immer noch dicht und kräftig, Leder, Unterholz, Trüffel, kräuterige Würze, enorme Länge am Gaumen und noch Potential für lange Jahre – 93/100. Lange habe ich bei 1982 Lafleur, dieser ultrararen und ultrateuren Ikone gerätselt. Hatte der TCA? Oder war der noch zu jung? Ein enorm vielschichtiger, komplexer, strammer Brocken der enorm viel Zeit und Luft brauchte, mehr als mein kleiner Deguschluck zuließ – 96/100. Zuletzt hatte ich diese Ikone im Frühjahr auf der großen Lafleurprobe am Attersee im Glas und notierte : Dicht, kräftig, lakritzig, teerig und maskulin der wie ein großer Pauillac wirkend, mit unglaublicher Länge, gegen den eine Comtesse im Vergleich als Pomerol durchginge – 98/100. Aber selbst in dieser Form hätte der Lafleur keine Chance gegen den einmaligen 1982 Trotanoy gehabt, einer der Stars der Probe und einer meiner Lieblingsweine. Das ist eine sehr langlebige, perfekte Mischung aus Petrus und Lafleur. Von Petrus hat er das vollmundige, die dekadent süße, samtige Opulenz, die an den genialen 71er erinnert. Von Lafleur hat er die maskuline Art, die kräuterige Strenge und die Struktur. Gut, das er von beiden nicht den Preis hat – 99/100. Kann ich zum Kauf nicht empfehlen. Alles, was der Markt hergibt brauche ich selbst. Enorm überrascht hat mich 1982 Vieux Certan, den ich bisher immer nur enttäuschend im Glas hatte. Ist das auch einer dieser langlebigen Spätstarter? Was für ein noch junges, kerniges, dichtes Geschoß mit enorm druckvoller Aromatik – 95/100.
Und dann waren da noch die beiden renommiertesten Pessac. Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich das Gut mit 1982 Haut Brion. Das ist ein solider Pessac mit Tabak, Cigarbox und feiner Süße, weich, zugänglich und reif, ja sogar etwas dünn wirkend, der aber deutlich unter den Möglichkeiten des Jahrgangs bleibt – 93/100. Ganz im Gegensatz zu 1982 La Mission Haut Brion. Das war großer Pessac vom Feinsten, ein immer noch sehr junger, konzentrierter Wein mit spürbarem Tanningerüst, der typischen Cigarbox-Aromatik und ungeheuerer Dichte. Macht einfach nur sprachlos und glücklich – 98+/100. Wird sich je nach Lagerung noch etliche Jahre weiterentwickeln und hat Potential für etliche Jahrzehnte.

Reichlich Hunger Durst brachten der Harald, der Klaus und ich am zweiten Abend zum großen Finale mit. Schließlich hatten wir drei den mittäglichen 60 km Ausflug in die Pfalz auf BASF Dienstfahrrädern hinter uns gebracht. Die sahen aus wie frisch aus dem Deutschen Museum geklaut und hätten in ihrer minimalistischen Ausstattung ohne Gangschaltung etc. auch aus Wehrmachtsbeständen stammen können. Spaß hatten wir trotzdem reichlich, zumal sich unsere 60km eher wie das Doppelte oder Dreifache angefühlt hatten.

Zwei Weiße Pessacs standen im ersten Flight des Abends. Sehr hell und jung in der Farbe wirkte 1982 Domaine de Chevalier Blanc. Da war noch feine, gelbe Frucht, erstaunliche Frische, hohe Säure, aber auch ein leicht metallischer Nachgeschmack im eher kurzen Abgang, wie frisch aus der Dose. Für € 7 wäre das ein toller, Pfälzer Newcomer, aber als großen, gereiften, weißen Bordeaux fand ich ihn eher enttäuschend – 86/100. Allerdings wird ihn die hohe Säure noch länger am Leben erhalten. Im anderen Glas war aus der Magnum ein nicht nur in der Farbe deutlich reiferer 1982 Laville Haut Brion. Die Nase zeigte noch ganz dezente Wachsnoten, sogar einen Hauch Honig, war aber insgesamt ätherisch und ging stramm Richtung Möbelpolitur und Feuerzeugbenzin. Am Gaumen waren immer noch Kraft und eine gewisse Fülle, aber auch hier merkte man, dass es Zeit wurde – 87/100.
Deutlich mehr hätte man damals sicher aus 1982 Beychevelle machen können. Ein durchaus kräftiger Wein, der noch lange nicht am Ende ist. Wenn da bloß nicht diese dicke Staubschicht auf der rotbeerigen Frucht läge, auch am Gaumen die Anmutung eher rustikal – 90/100. Wird sich auf diesem Nivweau noch länger halten, aber nicht mehr besser werden. Da gefiel mir der sehr feine, elegante, runzelfreie 1982 Ducru Beaucaillou mit seiner pflaumigen Frucht, mit immer noch junger Farbe, Zedernholz, Leder und erster Süße am schmelzigen Gaumen deutlich besser. Der ist jetzt auf dem Punkt, dürfte sich aber noch länger halten – 94/100. Eher etwas brachial wirkte 1982 Talbot aus der Dppelmagnum, rustikal, Stall, viel Leder, pfeffrig, enorme Kraft, Cabernet pur, noch so blutjung. Ein im besten Sinne kerniger Wein, der schon enormen Trinkspaß bereitet und das noch sehr lange tun wird – 95/100. Gehört zu den 82ern, die ich immer noch gerne nachkaufe. Deutlich vorsichtiger wäre ich da, zumindest aus Normalflaschen, bei 1982 Haut-Bailly, den es als Tischwein aus der lebenserhaltenden Jeroboam gab. Mit Großflaschenbonus war das ein feiner, reifer Pessac, erdig, mineralisch, Tabak, schmelzig am Gaumen – 92/100.

Getrost vergessen kann man den 1982 Lagrange, der bereits erste Todessüße zeigte – 80/100. Korkig war leider der 1982 Leoville Barton, der aber unter dem Kork deutliche Substanz zeigte. In „Große Weine aus kleinen Flaschen“ im September hatten wir davon eine Halbe, die einen großen, immer noch sehr jungen Wein auf 95/100 Niveau gezeigt hatte. Und dann kam einer meiner persönlichen Lieblingsweine, 1982 Gruaud Larose. Das ist großes, klassisches Cabernet Kino, so eine Art Talbot mit Turbolader, der erst ganz am Anfang steht 97/100. Weit über 50mal in den unterschiedlichsten Flaschengrößen mit Begeisterung getrunken. Und weil er so gut und immer noch einigermaßen bezahlbar ist, mache ich bei diesem Wein sicher die 100 Flaschen noch voll. Blutjung aus der Magnum immer noch 1982 Leoville las Cases, ein konzenrierter, großartiger Wein mit immer noch mächtigem Tanninen und gewaltiger Statur, der je nach Lagerung in einigen Jahren wieder die Perfektion zeigen wird, die er in der jugendlichen Fruchtphase hatte – 96+/100. Ganz anders leider 1982 Branaire Ducru. René Gabriel fasste es perfekt zusammen: “der Stall ist noch da, das Pferd ist schon tot“. Völlig daneben und kein Genuss mehr, da half auch die Magnum nicht – 78/100.

René Gabriel persönlich am Decanter

Erstaunlich schön der reife 1982 Batailley, samtige, weiche Eleganz, minzig, süß und sehr nachhaltig am Gaumen – 92/100. 1982 Clerc Milon hatte eine immer noch dichte, junge und vielversprechende Farbe, aber irgendwo sprang hier der Funke nicht rubber, wirkte etwas nichtssagend – 87/100. Über sich hinaus wuchs 1982 Grand Puy Ducasse, bei dem die Doppelmagnum aus einem Grenzanbieter einen immer noch wunderschön zu trinkenden Wein machte – 92/100. Würde ich mich in der 1tel nicht mehr dran trauen. Wohl aber immer noch an den anscheinend unsterblichen 1982 Les Forts de Latour, der sich hier schlicht und einfach als großer, perfekt gereifter Latour präsentierte, in der Aromatik ein perfekter Zwilling des Grand Vin – 95/100. Da denke ich nur mit Wehmut an die unter € 30, die der mich 1990 gekostet hat. Einfach ein perfekt gereifter, aber immer noch junger und kraftvoller Traum auch der schmelzige, leicht laktische 1982 Lynch Bages, der Mouton des klugen Mannes mit enormer Länge am Gaumen, hat sicher noch längere Zukunft – 96/100. Da kam der etwas anstrengend wirkende 1982 Mouton Baronne Philippe, der wohl über den Zenit hinaus war, nicht mit – 88/100.

Gut gefiel mir 1982 Pontet Canet, ein kantiger, kerniger, rustikaler, kräuteriger Pauillac alter Schule, den ich noch nie so gut im Glas hatte – 91/100. Wehmut kam dann für mich bei 1982 Pichon Comtesse de Lalande auf. Natürlich ist das immer noch ein großer, auch ein faszinierender Wein auf 96/100 Niveau. Nur durfte man halt nicht diese hoch erotische, dekadent leckere Version dieses Weines früherer Jahre kennen. Die heutige 82er Comtesse trinkt sich wie seinerzeit die Version mit der dünnen Schrift. Der lange Zeit so sperrige 1982 Lafite Rothschild zeigte sich mit geradezu betörender, warm-würziger Nase mit süßer Frucht, selbst am immer noch von mächtigen Tanninen dominierten Gaumen wurden die Umrisse eines eleganten, absolut stimmigen, großen Lafites spürbar – 96+/100. Noch ganz am Anfang auch der großartige 1982 Mouton Rothschild, der sich in 10 Jahren mit dem 86er packende Duelle um den Titel „bester Mouton seit 45“ liefern wird. Ein gewaltiges Konzentrat, Cassis pur, Minze, Bitterschokolade und ein erster Hauch Eukalyptus – 97+/100. Eindeutig bester Wein des Flights und der gesamten Probe war aber 1982 Latour, den René dankenswerterweise in der Magnum angestellt hatte. Tiefe, undurchdringliche Farbe, Traumnase mit perfekter Frucht, mit Leder, Tabak, Teer, Trüffeln, Zedernholz, Lakritz und der für Latour so typischen, leicht bitteren Walnuss, sehr komplex, vielschichtig und immer neue Facetten zeigend, am Gaumen geradezu explosive, druckvolle Aromatik und ewige Länge, fraglos ein Jahrhundertwein – 100/100. So schön ja diese Proben sind, aber wenn ich mich da trotz Magnum molekülweise durch so eine Latour-Degupfütze nippe, dann entsteht dieser innerliche Wunsch nach einem prall gefüllten Glas, nach hemmungslosem Genuss. Das volle Glas gab es dann beim nächsten Tischwein, dem 1982 Figeac aus der Imperiale. Nur hatte der diese übelste aller üblen Figeac-Nasen. Der ging – wenn überhaupt – nur mit Wäscheklammer auf der Nase. Besser wäre er wahrscheinlich noch als Einlauf gewesen, aber irgendwo hört es einfach auf.

Der Stoff aus dem die Träume sind

Komplett aus Magnums serviert wurden die Weine des letzten Rotweinflights. Positiv überrascht hat mich der reife, süße, portige, dichte und schmelzige 1982 Gazin – 93/100. Noch einen Tick drüber der ebenfalls reife, hedonistisch schöne 1982 La Fleur Petrus mit pflaumiger Frucht und schokoladiger Süße – 94/100. Erstaunlich gut gehalten hat sich, zumindest in der Magnum, der immer noch sehr schön zu trinkende 1982 Chasse Spleen – 90/100. Erstaunlich weich und generös der 1982 Haut Bages Averous – 90/100. Simpel und uninspirierend dagegen der 1982 Haut Bages Libéral – 86/100. Und last not least war da noch dieser großartige, zeitlos schöne, immer noch so junge 1982 Grand Puy Lacoste. Herrlicher, süße, rotbeerige Frucht, hohe Mineralität, Trüffel, Leder, Zedermholz, hoch elegant und doch so kraftvoll, so lang. Ein absolut stimmiger, harmonischer, großer Pauillac und einer der Preis-/Leistungssieger des Jahrgangs – 96/100.

Kein großes Sauternesjahr war 1982. Heftige Regenfälle zur Unzeit hatten die Ausbildung der wichtigen Edelfäule weitgehend verhindert. 1982 Filhot war von der Nase her ganz ok mit pikanter Frucht, Ananas, Zitrone und Bisquitrolle, am Gaumen war er simpel und enttäuschend – 86/100. Der 1982 Suduiraut Crème de Tête wirkte sehr ausgewogen mit schöner Süße, ein Sauternes-Klassiker mit viel Orangen-Bittermarmelade – 91/100. Der 1982 d´Yquem war weich, süß und wirkte etwas diffus, allerdings mit langem Abgang – 90/100. Aber das heißt nichts. Yquems entwickeln sich über Jahrzehnte im Schneckentempo. Lassen Sie ihn liegen. Ihre Enkel kriegen vielleicht einen sehr guten Yquem mit 95/100 ins Glas. Zum jetzt und hier trinken gefiel mir der tiefgüldene, sehr reife, fette, süße 1982 Rieussec aus der Magnum am besten. Der hatte zwar mangels Säure wenig Zukunft, dafür aber um so mehr Gegenwart – 93/100.