Cos dŽEstournel 1928-2003

Nicht nur eine perfekte, charmante Gastgeberin ist Elke Drescher, sondern auch ein Glückskind. Ein Höhepunkt jagte den nächsten bei ihrer großen Cos d´Estournel-Probe. Kein einziger Ausfall, nur Top-Flaschen, und der 28er, den ich schon so oft grottig im Glas hatte, diesmal einfach nur traumhaft, zusammen mit 82 auf WT97 der Star der Probe. Dahinter ein dichtes, hochklassiges Verfolgerfeld mit 45, 47, 49, 59, 61, 85, 88, 89, 90, 96, 2000 und 2003. Unglaublich, dieses hohe Niveau. Selbst Jahrgänge wie 48, 50, 52, 53, 55, 64 oder 83 wussten zu überzeugen. So machen Raritätenproben richtig Spaß.

Sehr gelungen gleich der Start, denn 1945 Cos d´Estournel war ein 45er wie aus dem Bilderbuch, immer noch jugendliche Anmutung, deutliches Tanningerüst, feinduftig mit rotbeeriger Frucht, schöne Süße, druckvoll und lang am Gaumen, wirkte irgendwie unsterblich – WT95. Erstaunlich frisch auch der 1947 Cos d´Estournel mit generöser Süße, aber auch deutlicher Säure – WT93. Kraft und Fülle auch bei 1948 Cos d´Estournel, der aber eher wie ein alter Rioja wirkte – WT91. Eleganz pur der sehr feine, stimmige 1949 Cos d´Estournel – WT94.

Er war ein der der Stars dieser Probe, dieser 1928 Cos d´Estournel aus seiner perfekten Flasche. Wirkte immer noch jung mit enormer Kraft, rauchig, Tabak, feine, generöse Süße und deutliche, tragende Säure, enorme Länge am Gaumen, baute im Glas nicht ab, sondern enorm aus – WT97. Für einen ja inzwischen 85jährigen Weingreis war das eine beeindruckende Vorstellung. Und dann machte mir Elke wieder eine Freude mit einem 50er aus meinem Geburtsjahr. Und da die liebe Elke nun mal ein goldenes Händchen hat, erwischte sie wieder eine herrliche Flasche dieses 1950 Cos d´Estournel. Kein Hammerwein, eher auf der leichteren, eleganteren Seite, leicht laktisch in der Nase mit reifer Himbeere, am Gaumen noch erstaunlich frisch wirkend. Ja, da kam richtig Freude auf – WT93. Etwas lustlos kam dagegen der eigentlich deutlich kräftigere, dichtere 1952 Cos d´Estournel ins Glas, baute dann aber enorm aus mit schöner Länge am Gaumen – WT92. Die sehr dichte Farbe täuschte bei 1953 Cos d´Estournel. Der war schon über den Punkt, mit reifer Frucht zwar, aber auch oxidativ und bitter am Gaumen – WT86.

Gefährlich lebt inzwischen 1955 Cos d´Estournel. Zumindest in dieser Flasche mischten sich bei diesem ansonsten noch recht kräftig und dicht erscheinenden Wein mit seinen Lakritztönen und dunklen Aromen auch etwas Schuhcreme und Geranioltöne – WT90. Frisch dagegen mit süßer Frucht, aber auch der typischen 59er Säure der 1959 Cos d´Estournel – WT93. 1961 Cos d´Estournel setzte mit Kraft, Süße und Länge auf den 59er noch eins drauf – WT95. Erstaunlich gut auch 1964 Cos d´Estournel, den ich eigentlich nur als säuerlichen Mickerling kenne. Zwar war das nicht der konzentrierteste aller Weine und man merkte den 64er Regen, der damals einen potentiell großen Jahrgang buchstäblich verwässerte. Doch war der 64er aus dieser Flasche hier ein voll intakter, sehr gut zu trinkender Wein – WT90. Wieder einmal unverschämtes Flaschenglück à la Elke.

1982 Cos d´Estournel war eine der Offenbarungen in meiner ersten Weintrinkerzeit in der zweiten Hälfte der 80er. Klar habe ich davon in der damaligen nicht nur etliche Flaschen getrunken, sondern auch gekauft. Und was machte dieses verdammte Zeugs? Legte sich für fast 20 Jahre Jahre schlafen, als ob mein Keller ein Schlafsaal wäre. Lange habe ich daran gezweifelt, ob dieser mit seiner reifen, bräunlichen Farbe überhaupt noch mal was würde. Doch jetzt ist er wieder da, ein dekadenter Riese, kräftig, lang mit explosiver, von Kaffee und Mokka geprägter Aromatik – WT97. Erstaunlich frisch und aromatisch präsentierte sich 1983 Cos d´Estournel, den ich noch nie so gut im Glas hatte – WT92. Einfach zeitlos schön mit betörender, jugendlicher Frucht, aber auch sehr gutem Rückrat 1985 Cos d´Estournel, der einfach nicht altern will und zu den besten 85ern aus Bordeaux gehört – WT95. Im Schneckentempo entwickelt sich der gewaltige 1988 Cos d´Estournel, einkonzentriertes Kraftpaket mit massiven Tanninen und unerhörter Substanz, schon jetzt sehr druckvoll am Gaumen, aber das Beste kommt erst noch – WT94+. Immer noch ein sehr schlauer Kauf.

Trotz deutlichem Tanningerüst zeigte sich 1989 Cos d´Estournel offen mit süßer, würziger Frucht, aber auch mit sehr guter Struktur, dürfte langlebig sein – WT94. 1990 Cos d´Estournel war in seiner Jugend mit üppiger Frucht und generöser Röstaromatik einfach ein dekadent leckerer Wein. Ende der Neunziger verschloss er sich, steuert jetzt aber wieder auf die alte Klasse zu und wird wieder offener – WT94+. Immer noch so jung der 1996 Cos d´Estournel mit tiefer Farbe, mächtigem Tanningerüst, puristischer Frucht und hoher Mineralität, ein Wein für 2-3 weitere Jahrzehnte – WT95. Unterschätzt habe ich bisher den 2000 Cos d´Estournel, der sich jetzt hier auf dieser Probe in Bestform zeigte, ein großer, absolute stimmiger Cos mit langer Zukunft – WT96. 2000 ist ein Riesenjahr und das hier ein Riesen-Cos, der in jeden Keller gehört. Auch für den galt wieder meine Empfehlung „Kaufen und mit mir saufen“.

Als Überraschungsflasche hatte Elke dann noch den 2003 Cos d´Estournel präsentiert. Dieser grandiose, opulente Wein hat mich schwer verunsichert. Die sehr früh geernteten 2003 aus diesem Hitzejahrgang gehörten nie zu meinen Favoriten, zuviel offensichtliche Frucht, zuwenig Struktur. Aber alle 2003er, die ich in diesem Jahr in meinem Glas hatte – auch dieser 2003 Cos d´Estournel – waren einfach ganz großes Kino und tranken sich verdammt gut. Auf Augenhöhe mit 2000 hatte ich den 2003er (WT96), zumindest hier und jetzt, wobei 2003 der opulentere, hedonistischere war, und 2000 der stimmigere, klassischere. Nach wie vor habe ich so meine Zweifel, was die Langlebigkeit der 2003er angeht. Aber so gut, wie sie sich jetzt trinken, werden sie in meinem Keller ohnehin nicht alt.

Und das Fazit dieser Probe? Cos hat große Qualitäten und ist langlebig, leider nur bei den neuen Jahrgängen zu teuer. Deshalb such „Smart Money“ gezielt nach den genialen 80ern, die ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis und noch ein langes Leben haben.

Auf Elkes Seite www.rare-bordeaux-weine.de sind alle Probentermine für das nächste Jahr aufgeschaltet und einige Probentermine wohl bereits ausverkauft. Ich habe mich frühzeitig für alle 2014er Proben angemeldet und freue mich auf diese hochklassigen und trotzdem familiären Events meiner Lieblingsgastgeberin.