Die Elke und der Gruaud

Wie Bolle freute ich mich schon auf Elke Dreschers große Gruaud Larose-Probe. Am 25. Mai baute Elke für Ihre zahlreichen Fans wieder ihr Wohnzimmer um und verwöhnte uns dann zu einem großen Menü mit reifen Gruauds à go go. In den Hier ist mein kompletter Bericht dieser großartigen Probe.

Spannend zu Anfang der Vergleich von 1998 und 1999 Billecart Salmon Cuvée Nicolas-Francois Billecart. Mit dem 98er hatte uns Elke ja schon zur Ducru-Probe verwöhnt. Der zeigte jetzt hier wieder seine gewohnte Klasse. Da kam der sehr frische, schlanke, noch etwas unfertig wirkende 99er mit seiner leicht stahlig anmutenden Frucht nicht mit – 90/100. Beide Champagner können und werden noch zulegen. Ich hoffe, dass Elke ein paar Flaschen in ihrem Keller vergräbt, damit wir diesen spannenden Vergleich in 5 Jahren im Stadium erster Reife mit sicher deutlich höherem Genuss noch mal machen können.

Fast hundert Jahre hatte der erste Rotwein des Abends, der 1916 Gruaud Larose, auf dem Buckel. Und dann diese sensationelle Farbe, diese enorme Kraft, diese Struktur und diese Dichte. Ein im besten Sinne kerniger und deutlich jünger wirkender Wein mit der Traumnase gut gereiften Cabernets – 95/100. Dieser Wein aus dem besten der Kriegsjahrgänge des 1. Weltkrieges ist noch lange nicht am Ende. Wir profitieren heute davon, dass die besten 16er mit ihrem strammen Tanningerüst über Jahrzehnte nicht trinkbar waren. Sehr zwiespältig der 1934 Gruaud Larose, eigentlich aus dem besten Bordeauxjahrgang der 30er. Aber die Flasche muss irgendwann misshandelt worden sein. Helle, bräunliche Farbe, deutliche Farbausfällung. Wirkte einfach kaputt mit reichlich Maggi. Doch trinken konnte man ihn trotzdem, denn am Gaumen entschädigte eine erstaunlich generöse Süße, als ob sich der Gruaud dagegen wehrte, weggeschüttet zu werden – 86/100. Ja, ich habe ihn ausgetrunken. Ein Charmeur der 1947 Gruaud Larose mit voll intakter Farbe, wunderbarer, karamelliger Süße, keinerlei Alterstöne, langer Abgang – 94/100. Etwas kantig wirkte der 1949 Gruaud Larose, was vor allem an der hohen Säure, die ihm zwar Frische verlieh, aber auch einen Teil des Charmes eines reifen Cabernets raubte. Am besten gefiel mir bei diesem, insgesamt noch gut trinkbaren Wein die verschwenderische Kaffeenase, in der sich auch noch deutliche Fruchtreste zeigten – 88/100. Gut, 49 Gruaud geht deutlich besser. Das hatte uns Elke 2011 im Schloss Loersfeld vor 2 Jahren mit der Zwillingsflasche gezeigt, die deutlich jünger auf 95/100 Niveau brillierte. Zwei große Weine unter den vier Senioren der Probe waren keine schlechte Ausbeute. Man hörte förmlich, wie Elke ein Stein vom Herzen fiel.

Aber jetzt ging es erst richtig los. Ein Hammerflight mit drei perfekten Magnums stand uns bevor. Etwas verloren stand zwischen den Boliden in der 1tel 1952 Gruaud Larose. Da bei war das ein durchaus sehr guter Guaud mit herrlicher Kaffeenase, aber auch mit strammer Säure – 90/100. Und dann dieser schier unglaubliche 1950 Gruaud Larose aus der Magnum mit einer Wahnsinnsfarbe, der dichtesten des Flights. Immer noch so jung, sehr kraftvoll im Auftritt, aber auch mit feiner Süße am Gaumen, hatte ich noch nie so gut im Glas – 94/100. Einfach sprachlos und glücklich zugleich machte 1953 Gruaud Larose aus der Magnum. Einfach ein Über-Gruaud nahe der Perfektion mit herrlicher Frucht, mit wunderbarem Schmelz, mit toller Struktur und irrer Länge am Gaumen. Das war Premier Cru Niveau und ein einmaliges Erlebnis – 97/100. Eigentlich war es ein zweimaliges Erlebnis, denn das vorher gesagte galt ohne Abstriche auch für den 1955 Gruaud Larose aus der Magnum, der vielleicht einen Tick weiter und reifer war, aber ebefalls ein Traumwein mit unglaublich druckvoller Aromatik – 97/100. Solch perfekt gereifte Gruauds sind wie ein Audi mit Ferrari-Technik, aber zum Audi-Preis.

Ein unsterblicher Riese ist 1959 Gruaud Larose. Ein sehr dichter, griffiger Wein mit der jahrgangstypischen, kräftigen Säure, immer noch sehr dichter, junger Farbe, enormer Power am Gaumen, langem Abgang und sicher noch 2 Jahrzehnten und mehr Zukunft – 96+/100. Kommt sicher mal in die Klasse von 53 und 55, vielleicht höher. Im Glas daneben schlichtweg die Essenz von Cabernet, der atemberaubende 1961 Gruaud Larose, den wir aus einer perfekten Flasche genießen durften. Ein absolut stimmiger Riese mit traumhafter Aromatik, unendlicher Eleganz und herrlicher Süße – 98/100. Allein für den Vergleich dieser beiden Giganten hatte die Fahrt nach Wachtberg gelohnt. Da ließ sich auch der 1962 Gruaud Larose verschmerzen, bei dem nur die dichte Farbe was taugte. Ansonsten stellte sich bei diesem Wein die Frage, seit wann Sauerkraut in Weinflaschen angeboten wird. Ein guter, sehr solider, aber auf hohem Niveau trotz wunderschöner Süße auch etwas langweiliger Wein war 1966 Gruaud Larose – 90/100.

Wie ein zu lang getragener Lederschuh roch 1970 Gruaud Larose, dazu am Gaumen viel Säure, aber wenig Charme – 85/100. Aber damit eignete sich dieser Wein, den niemand braucht, perfekt als Kontrastmittel zu den vier großen Gruauds des letzten Flights. Gruaud hatte einen echten Lauf in den 80ern, wobei das eigentlich schon mit einem recht guten 78er begann, sich mit dem überragenden 79er fortsetzte und dann zu dem wunderbaren 1981 Gruaud Larose führte, den wir jetzt vor uns hatten. Der scheint einfach nicht altern zu wollen. Er ist reif, aber ohne jeden Alterston, absolut stimmig mit guter Struktur und süßem Schmelz, auf Auktionen sicher ein Schnäppchen – 93/100. Aus der Magnum bekamen wir dann den Wein, der irgendwann mal den 61er beerben wird, 1982 Gruaud Larose. Diese Magnum war einfach perfekt. Und damit zeigte dieser Gruaud nur ansatzweise, was er drauf hat. Ahnung und viel Fantasie war gefragt. Ein unglaublich junger, dichter, konzentrierter Wein mit Mörderpotential, braucht aus solch optimal gelagerten Flaschen noch ewig und hat Potential für doppelewig – 95+/100. Noch mehr gilt das für 1986 Gruaud Larose, der das 82er Syndrom in Potenz hat, noch jünger, noch dichter, derzeit noch tanningeprägter und bissiger. Wird in 10 Jahren und später als Pirat dem 86er Mouton das Leben schwermachen. Und wo wir bei Mouton sind, kein Mouton für Arme, sondern ein Mouton für Schlaue ist der herrliche, hedonistische 1985 Gruaud Larose, der mit seiner immer noch vorhandenen Röstaromatik an Mouton erinnert – 92/100.

Den absoluten Gruaud Larose Overkill plant übrigens am 25./26. April 2014 René Gabriel, stilecht in Bordeaux mit 50 Jahrgängen und Gala Diner auf dem Chateau. Unverbesserliche Optimisten tragen sich auf www.weingabriel.ch unter Events 2014 auf der Warteliste ein.
Letzteres sei übrigens auch dringend für Elkes nächste Proben geraten, die oft schon ein Jahr im Voraus ausgebucht sind. Hier der dazugehörige Link: www.rare-bordeaux-weine.de .