Grosse Vandermeulen Bordeaux Vertikale

Grosse Weine wurden zwischen 1918 und 1955 in Belgien von den Brüdern Vandermeulen abgefüllt. Qualitativ lagen die Vandermeulen-Abfüllungen häufig noch über den Chateauabfüllungen. Davon konnten wir uns auf einer einmaligen, großen Vandermeulen Bordeaux Vertikale überzeugen.

Den ersten Kontakt mit einem Vandermeulen Wein hatte ich im Juni 1987. In einem Weinmenü des damaligen Restaurants La Crème im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel gab es unter anderem den mir damals noch unbekannten 1947 Chambertin Vandermeulen. Eine Flasche mit schlichtem Etikett, der Jahrgang mit Gummistempel aufgedrückt, aber ein schlichtweg atemberaubender Inhalt. Unglaublich gut war das, was ich da im Glas hatte. Ich wollte spontan Nachschlag, und den gab es auch für damals nicht gerade wohlfeile 50 Mark pro Glas. Doch das war mir egal. Das war eine völlig neue Weindimension für mich. Zum Entsetzten meiner Gattin habe ich gleich mehrfach zugeschlagen. Den Namen Vandermeulen hatte ich vorher noch nie gehört. Doch das sollte sich schnell ändern. Ich ging auf die Suche und wurde rasch fündig. So konnte ich bis Anfang der Neunziger große Bestände an absolut authentischen, sehr gut gelagerten Vandermeulen-Weinen aller Schattierungen aus sehr zuverlässigen Privatkellern kaufen.

Bei den Vandermeulens, über die nicht viel bekannt ist, soll es sich im Wesentlichen um zwei Brüder aus dem belgischen Ostende gehandelt haben. Der eine Bruder war für den Weineinkauf zuständig. Damals wurden die Weine nicht nur Fassweise ausgebaut mit zum Teil erheblichen Qualitätsunterschieden zwischen den einzelnen Fässern, sie wurden von Chateaus auch Fassweise verkauft. Und mit der richtigen Nase und dem nötigen Geld kauften die wohl recht liquiden Vandermeulens nur die allerbesten Fässer. Für den weiteren Ausbau der erworbenen Jungweine war der andere Vandermeulen Bruder zuständig. Auch hier wurde nicht gespart. So war die spätere, überragende Qualität der Vandermeulen-Abfüllungen kein Zufall, sondern das Ergebnis harter, sorgfältiger Arbeit. Nur auf Optik legten die Vandermeulens keinen Wert. Das Etikett sah für alle Weine stets gleich aus, der Jahrgang wurde per Gummistempel aufgedruckt. Wein war, gerade in Belgien, seinerzeit ausschließlich Genussmittel, noch dazu mit niedrigen Preisen, von denen wir heute nur noch träumen können. Mit Wein wurde damals nicht spekuliert und auch nicht angegeben. Parkerpunkte gab es nicht. Wein war ein hochwertiges Genussmittel, nicht mehr und nicht weniger. Glückliche Zeiten.

In 25 Jahren Beschäftigung mit Vandermeulen-Weinen und nach sicher über 1000 Flaschen, aus denen ich schon den Korken gezogen habe, reifte der Gedanke einer großen, umfassenden Vandermeulen-Verkostung. Und so entstand diese Vandermeulen Bordeaux Vertikale, die es wohl weltweit in dieser Form noch nicht gegeben hat. Ort des Geschehens war das Restaurant Schon in Düsseldorf, wo Marcel Schiefer groß aufkocht und derzeit auf dem besten Wege zum ersten Michelin Stern sein dürfte. Und mit Oliver Speh als Herrscher der Flaschen umsorgte uns in bewährter Manier jemand, dem wohl nur wenige weltweit auf diesem Gebiet das Wasser reichen können.

Nach dem Apero mit einem immer noch taufrischen, den Gaumen belebenden 1995 Wehlener Sonnenuhr Spätlese von JJ Prüm stürzte sich die sehr harmonische Runde erfahrener Weinnasen in die Arbeit, die sich als größtes Vergnügen entpuppen sollte. Jörg Müller hatte aus Sylt wieder seine legendäre Gänseleber mitgebracht. Zu der gab es als ersten Flight drei Süßweine von Vandermeulen. 1918, der Beginn der Vandermeulen-Ära zählt nicht zu den großen Süßweinjahren. Erstaunlich hell in der Farbe mit gelben und grünen Reflexen war der immer noch so frisch wirkende 1918 d´Yquem. Sehr harmonisch, cremig, mit viel Honignoten, Bienenwachs, sehr guter balancierender Säure und enormer Länge am Gaumen – 92/100. Ich kenne diesen Wein anders, dichter, reifer und süßer(zuletzt 97/100), und wenn er nicht aus exakt der gleichen Charge stammen würde, hätte ich Zweifel an seiner Herkunft gehabt. Das sollte Grund genug sein, demnächst noch mal eine Flasche davon zu öffnen. Ein klassischer, gut gereifter Sauternes der 1918 Climens, sehr prägnant, gute Säure, malzige Süße und viel englische Orangen-Bittermarmelade, stand wunderbar im Glas und blieb lang am Gaumen – 94/100. Die reifste Farbe der drei hatte mit tiefem Braun der 1928 Climens, der auch insgesamt in der Anmutung älter wirkte als die anderen beiden, in der Nase Kamille- und Kräutertinktur, am Gaumen kräftig mit guter Säure und karamelliger Süße – 92/100.

Mit einem Viererflight Clos du Commandeur starteten wir dann die Roten Bordeaux. Ein Chateau Clos du Commandeur hat es meines Wissens nie gegeben. Clos du Commandeur war eher eine Art hochwertige Handelsmarke von Vandermeulen, in der Weine diverser Pomerol-Güter landeten, unter anderem von Croix de Gay. Da der Clos du Commandeur in der Regel auch jetzt noch der preiswerteste Wein von Vandermeulen ist, erfreuen sich insbesondere die jüngeren Jahrgänge 52 und 55 großer Beliebtheit bei Weinfälschern. Ob eine Flasche wirklich von Vandermeulen stammt, lässt sich anhand der Kapsel ziemlich eindeutig feststellen. Was aber in der Flasche drin ist, zeigt nur das Etikett. Auf dem Korken finden sich weder das Jahr noch der Name des jeweiligen Chateaus. Das verleitet natürlich immer mehr große und kleine Ganoven dazu, durch einfachen Etikettentausch aus einem 55 Clos du Commandeur einen 47er Petrus zu machen. Ich kaufe deshalb selbst Vandermeulens wenn überhaupt nur noch aus absolut integren Originalkellern. Der 1928 Clos du Commandeur konnte den sehr langlebigen, großartigen Rotweinjahrgang nicht verleugnen. Jung noch die Farbe ohne Brauntöne, ein großer Wein aus einem Guß, sehr harmonisch mit toller Struktur und feiner Süße, kein Alter, bleibt lang am Gaumen – 94/100. Der 1947 Clos du Commandeur setzte in der sehr dichten Farbe noch deutlich eins drauf, ein für Pomerol erstaunlich kräftiger, sehr maskulin wirkender Wein mit schöner Süße, baute enorm im Glas aus und kam immer besser – 93/100. Heller und reifer in der Farbe der 1952 Clos du Commandeur, wirkte sehr trocken, fast etwas staubig und erinnerte in seiner rustikalen Art an einen alten Barolo klassischer Machart, gute Säure und generöse Süße, wurde mit Luft im Glas immer gefälliger und baute deutlich aus. Sicher noch ein Wein mit Potential – 92/100. Enttäuschend mal wieder der 1955 Clos du Commandeur, bei dem man das Gefühl hat, dass die schlimmen 56er Fröste dort schon ein Jahr früher stattfanden, helle, reife Farbe, in der Nase großer Misthaufen, sehr kompakt am Gaumen mit astringierender Säure, wirkt insgesamt gezehrt – 85/100.

Eine dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen hatte der 1921 Leoville las Cases aus einer nicht optimalen ‚ms’ Flasche. Seltsamerweise roch der zu Anfang stark nach französischer Zwiebelsuppe, am Gaumen war er etwas gezehrt, aber auch noch mit etwas malziger Süße, dazu leicht jodig und medizinal. War sicher mal ein sehr guter Wein, hatte die Glanzzeiten aber lange hinter sich. Mit der Zeit blühte er im Glas noch mal auf und erwies sich insbesondere als guter Essensbegleiter – 88/100. Sehr fein und auch feinduftig der deutlich jünger wirkende, hoch elegante 1921 Margaux, ein klassischer, typischer, wunderbarer Margaux, Finesse pur, tänzelte förmlich auf der Zunge und war nur etwas kurz im Abgang – 95/100. Eine dichte Farbe hatte der 1920 Cheval Blanc, dazu eine etwas überreife, süße, geradezu wollüstige Nase, die an 47 Cheval erinnerte. Da kam zu Anfang der Gaumen nicht mit, auch hier Fülle und Kraft, aber auch etwas eckige Noten. Baute enorm mit Luft aus und entwickelte immer mehr die Cheval-typische Eleganz, auch in der immer betörender werdenden Nase, dazu eine herrliche Länge, nicht schlecht für einen 92jährigen Weinsenior – 96/100.

Völlig von den Socken war nicht nur ich beim überragenden 1918 Mouton Rothschild, der sich vor dem legendären 45er des Gutes nicht zu verstecken braucht. Absolut perfekte Traumnase, an der ich stundenlang riechen könnte, einfach verschwenderisch schön mit Minze, Leder, Mineralität, Bleisift und feiner Süße, der Gaumen deutlich eleganter, filigraner, seidig mit unendlicher Länge, einfach Perfektion im Glas und ein ganz großes Weinerlebnis – 100/100. Da kam auf sehr hohem Niveau der 1926 Lafite Rothschild nicht mit, den ich aus der gleichen Charge vor vier Jahren ebenfalls schon mal absolut perfekt auf 100/100 Niveau im Glas hatte. Hier zeigte er sich jetzt als typischer 26er, ein Wein mit sehr dichter Farbe und gewaltiger Struktur und Kraft. Die deutlichen Tannine zeigen, das bei diesem durchaus sehr eleganten Wein noch etliches passieren kann. Bei einem 86 Jahre alten Wein von Potential und Zukunft zu sprechen mag sich seltsam anhören, aber hier ist es angebracht – 95+(!)/100. Voll auf dem Punkt der 1934 Lagrange, ein kompletter, großer Wein mit Fülle, Kraft, Dichte, Süße und Länge, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang einfach alles stimmt – 96/100.

Der schiere Wahnsinn dann aus seiner perfekten Flasche der 1928 Cheval Blanc, noch so dicht in Farbe und Anmutung, perfekter Spagat aus der sprichwörtlichen, seidigen Eleganz eines großen Cheval und der urwüchsigen Kraft des Jahrganges, enorm druckvolle Aromatik, etwas portige Süße, Kaffeenoten, sehr minzig, ewige Länge am Gaumen, Potential für noch lange Jahre – 100/100. Absolut hochklassig auch der 1928 Petrus, ein sehr schöner, kräftiger Wein mit feinem Schmelz, aber auch toller Struktur und deutlichen Tanninen, die noch ein längeres Leben versprechen – 97/100. Auf diese Flasche war ich besonders stolz, denn ältere, nicht gefälschte Petrus aus der Zeit vor 1945 sind sehr selten anzutreffen. Als Vandermeulen war das meine bisher erste und einzige Flasche. Petrus war auch schon vor 45 ein sehr guter Wein, hatte aber längst nicht die Bedeutung und das Renomée, das er danach bekam. Ein klassischer, reifer, großer Pomerol war 1928 Conseillante, doch auch der ohne erkennbares Alter. In der Nase zu Anfang der verschwitze Lederschuh, den man häufig bei Merlots findet, immer mehr kam dann Schokolade und auch Minze, After Eight pur, auch am Gaumen sehr schokoladig mit süßem Schmelz, selbst der letzte Tropfen dieses unsterblichen Elixiers explodierte noch auf der Zunge – 99/100.

Ein perfekt gereifter, hoch eleganter, unsterblicher Traum der 1947 Margaux, einfach Margaux in seiner schönsten Form – 100/100. Diese Flasche stammte aus einem perfekte, belgischen Keller, aus dem ich damals eine große Anzahl Vandermeulen Weine in excellentem Zustand kaufen konnte und lag jetzt gut 20 Jahre in meinem Keller. An den großen 2000er des Gutes fühlte ich mich bei 1947 Pavie erinnert, auch das hier ein Mörderteil mit Mörderfarbe, gewaltige, druckvolle Aromatik, Kraft ohne Ende, After Eight, großartige Länge – 99/100. Die Klasse der Pavies ab 1998 ist kein Zufall und keine Hexerei. Gerard Perse, der neue Besitze, führt das Gut nur dahin, wo es früher einmal war. Und dann die Legende 1947 Cheval Blanc, ein Wein, der als einer der größten des letzten Jahrhunderts zählt. Wenn er denn in gutem Zustand ist, denn aus vielen Flaschen, die nicht optimal gelagert wurden und/oder schon zu viele Besitzer hatten, ist dieser Wein schon müde. Nicht aus dieser Flasche! Das war 47 Cheval Blanc in Bestform, ein Wein zum Niederknien. Bei aller, einfach geiler Üppigkeit mit leicht portiger Süße und viel dunklem Toffee und Bitterschokolade war da auch eine tolle Struktur, die Cheval-typische Eleganz, und das alles altersfrei. Die Punkteskala endet ja bei 100/100. Da hätte ich sonst noch ein paar Begeisterungspunkte drauf gepackt. Wir bewegten uns jetzt auf einem derart hohen Niveau, dass nicht nur mir langsam die Superlative ausgingen. Aber es sollte so weitergehen.

1947 La Conseillante war wieder ein überragender, unglaublich druckvoller, perfekter Wein mit superber Frucht, sehr dichter Farbe und nicht enden wollender Länge, dazu mit irrer Struktur und Potential ohne Ende, lebt noch ewig - 100/100. Und da ich diesen Wein gut kenne, bat ich Olli, ihn mehrere Stunden vorher zu dekantieren. Ähnlich dem legendären 47 Chambertin Vandermeulen, der erst nach 5 Stunden in der Karaffe richtig aufblüht, braucht auch der Conseillante etliche Stunden, bis er wirklich zeigt, was er drauf hat.
Von 47 Cheval träumt jeder Weinfan, von 1947 Lafleur traut man sich nicht mal zu träumen. Zu klein die Ernte des Gutes, fast nur gefälschte Flaschen im Umlauf. Wieviel Fässer hat Vandermeulen damals davon überhaupt bekommen? Eins, vielleicht sogar 2? Ich hatte das große Glück, davon Anfang der Neunziger ein paar wenige Flaschen kaufen zu können, noch dazu zu einem für heutige Verhältnisse aberwitzigen Preis. Die vorletzte dieser Flaschen war 1997 in einer großen Raritätenprobe der Wein des Abends. Und die letzte, jetzt hier in der großen Vertikale, spielte die gleiche Rolle. Ein Wein, den man mit Worten eigentlich gar nicht beschreiben kann, ein Wein, bei dem jeder einzelne Tropfen überglücklich und sprachlos zugleich macht. So ein gewaltiges, faszinierendes Aromenbündel, Wein gleich welcher Couleur geht anders, aber sicher nicht größer – 100/100.
Müsste ein 1947 Croix de Gay in einem solchen Flight im Vergleich nicht total absaufen? Müsste vielleicht, tat er aber nicht. Der war der Inbegriff eines großen 47er Pomerols, überreif, süß, dicht, üppig, aber auch zupackend und sehr lang am Gaumen, einfach dekadent lecker – 97/100. Bewarb sich erfolgreich um den Titel des Preis-/Leistungssiegers des heutigen Abends.

Und mit 1947 Petrus war dann schon wieder der Himmel voller Geigen. Das war einfach Petrus in Vollendung mit Süß, Opulenz, unendlichem Schmelz, Länge und Dichte, keinerlei Alter, einfach die Kraft und die Herrlichkeit als Wein – 100/100. 1949 Petrus wirkte im direkten Vergleich auf sehr hohem Niveau etwas härter, maskuliner, war nicht ganz so üppig, und es fehlte ihm einfach die geile Süße des 47ers. Dafür zeigte er etwas mehr Eleganz und Finesse, war burgundischer mit kräuteriger Würze. Dazu war es ein gewaltiger Wein mit großartiger Struktur und Potential für noch lange Jahre – 97/100.

Damit kamen wir im nächsten Flight zu La Mission und zunächst zu einem weiteren 47er, der sich nahtlos unter die vorherigen Giganten einreihte. Der 1947 La Mission Haut Brion hatte immer noch eine sehr dichte Farbe ohne Alter, dazu die klassische, teerige, sehr druckvolle Cigarbox Aromatik großer La Missions, aber auch eine unglaubliche, dekadente Süße und eine geradezu entwaffnende Offenheit 100/100. Ich hätte diesen Wein wie viele andere auch einfach knutschen können. Eigentlich ist der 1952 La Mission Haut Brion auch ein süßer, erotischer Wein mit burgundischer Pracht und Fülle, doch wurde er vom 47er fast erdrückt und wirkte eine Spurernster, mineralischer und dichter, aber auch das ein Gigant – 98/100. Und dann waren wir beim 1955 La Mission Haut Brion, der als perfekte Melange aus der Struktur des 52ers und der Opulenz des 47ers einfach nur sprachlos machte – 100/100.

Das Gespür der Vandermeulen-Brüder für große Weine zeigte sich auch daran, dass sie praktisch in allen großen Jahren Cheval Blanc einkauften. So konnte ich jetzt in dieser Probe nach den großartigen 20, 28 und 47 noch zwei Weitere bringen. 1953 Cheval Blanc war sehr fein, elegant und finessig mit wunderbarer, Cheval-typischer Nase und feinem seidigen Schmelz am Gaumen – 97/100. Und mit dem konzentrierten, dichten, im Abgang unendlich langen 1955 Cheval Blanc kam 100/100 Legende #10 ins Glas. Das war einfach der helle Wahnsinn, diese Qualität gekoppelt mit unglaublichem Flaschenglück.

Quasi als Lumpensammler und Ausklang hatte ich dann noch drei Weine, die nicht in die vorherigen Flights passten und uns wenigstens stückweit wieder auf die Erde zurück holen konnten. 1952 Ausone tat sich nach all den offenen, süßen, hedonistischen Weinen schwer. Das war halt Ausone, wie er früher einmal war, Kraft ohne Ende, gewaltige Statur, ein etwas rustikaler Brocken mit viel Kräutern und Lakritz. Dem tue ich sicherlich mit 93/100 Unrecht, aber wir hatten uns vorher auf einem derart hohen Niveau bewegt, da fehlte dem Ausone einfach bei aller Klasse die nötige Strahlkraft. Das galt auch für den sehr medizinalen, reifen 1947 Roylland Matras mit deutlichen, balsamischen Noten und hoher Säure – 90/100. Überraschend schön aus Canon Fronsac zu Anfang der 1949 Vraie Canon Boyer mit feiner Süße und Fülle. Aber das war der einzige(!) Wein unserer Probe, der einen Korkton entwickelte. Hätte sonst sicher bei 93/100 gelegen.

Da staunte selbst der weinverwöhnte Gregor

Der Apero der Probe war kein Vandermeulen und auch kein Bordeaux, der Absacker aber wenigstens ein Vandermeulen, und was für einer! Der schiere Wahnsinn war dieser 1937 Oporto Douro Superior Imperial Reserve. Da war nichts brandiges, nichts spritiges, einfach nur Kakao, Kaffee, verschwenderische Süße, Marzipan, Schmelz und unendliche Länge, Dekadenz in flüssiger Form, herrlich – 98/100.

Tief in meine Weinseele gebrannt hat sich diese Probe. Zehnmal die Höchstnote von 100/100 und viele andere Weine ganz oben in der Punkteskala, das hat auch mein schon ziemlich verwöhnter Gaumen in dieser Form noch nicht erlebt. Die beste Investition ist die Erinnerung an schöne Tage, hat ein mal ein schlauer Mensch gesagt. Dann war diese Probe eine verdammt gute Investition.

Nach solch einer Probe kann man nur strahlen