Hermitage Probe in Bochum

Zu einer Hermitage-Probe hatte Uwe Bende nach Bochum eingeladen. Kern der Probe waren die Hermitage-la-Chapelles von Jaboulet Ainé, allen voran die 100 Punkte Stars aus 1978 und 1990, um herum die Uwe Bende ein interessantes Rahmenprogramm gebaut hatte.

Dreimal weiß hieß es zu Anfang. Rustikal, kräuterig, sehr mineralisch, mit cremiger Textur und feiner Extraktsüße der 2001 St. Joseph Blanc Les Granits von Chapoutier – 88/100. Größer hätte der 1978 Chateauneuf-du-Pape Blanc von La Nerthe sein müssen. Aber aus einer nicht optimalen Flasche war der zunächst leicht pilzig in der Nase und am Gaumen etwas oxidiert und gezehrt. Erstaunlich war aber, wie dieser Wein mit Luft ausbaute, sich entwickelte und quasi zurückkämpfte – 88/100. Aus guten Flaschen ist das sicher ein Erlebnis. Absolutes Hightlight nicht nur dieses ersten Flights und sicher die Überraschung der Probe war ein 1923 Croze Hermitage Blanc von Jaboulet-Ainé. Die Flasche stammte aus meinem Keller. Ich hatte den Wein vor längerem auf einer Auktion gekauft, wo er nicht als Weißwein gekennzeichnet worden war. Ich hätte ihn sonst nie gekauft. Auch Uwe Bende wollte die Flasche erst nicht für die Probe haben. Gut, dass wir uns dann doch dafür entschieden haben. Nicht sicher waren wir zu Anfang ob der goldenen Kapsel, ob es sich eventuell um einen Süßwein handelte. Aber der Croze Hermitage war absolut trocken mit brillianter, güldener Farbe, 90 Jahre alt und doch noch so erstaunlich frisch mit guter Säure und Struktur, in der Nase Blütenaromen, Malz und Tee, am Gaumen da mit steiniger Mineralität und erstaunlicher Länge – 95/100.

Die Überraschung: 1923 Croze-Hermitage Blanc

Einen massiven Stinker in der Nase hatte der 1967 Côte Rotie Tête de Cuvée von Ogier, der auch am Gaumen unharmonisch wirkte und deutlich über den Punkt war – 78/100. Immer noch sehr jung, nicht nur in der dichten Farbe, der 1975 Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal. Wirkte erst kompakt mit deutlichem Tanningerüst, baute im Glas enorm aus, entwickelte malzig-lakritzige Süße und wurde immer generöser und zugänglicher. Ein Wein mit Zukunft, den es immer noch zu suchen lohnt – 92/100. Animalisch mit Fleisch, Blut und Leder die perfekte, leicht gereifte Nase des 1979 Côte Rotie von Clusel, am Gaumen stimmig und harmonisch mit erster Süße, aber längst nicht auf dem Niveau der Nase – 90/100.

Sehr gefällig der 1971 Croze-Hermitage-Rochefine von Jaboulet-Vercherre mit feinem, dunklem Toffee, Kafffe, süßem Schmelz und ohne Alterstöne – 91/100. Nicht unspannend, aber kernig, rustikal, eckig und absolut charmefrei der 1984 abgefüllte Côte Rotie Grande Cuvée #184 von Chapoutier, in dem die Jahrgänge 1978, 1979 und 1980 waren – 88/100. Immer noch jung wirkend mit guter, dunkler Frucht der 1979 Hermitage-la-Chapelle von Jaboulet-Ainé aus der Magnum, sehr schlank und am Gaumen auf hohem Niveau etwas hohl, aber auch nachhaltig – 90/100.

Und dann kam leider ein Flight, den niemand brauchte. Trinkbar war der 1980 Hermitage Le Gréal von Sorrel zwar, aber kein wirklicher Genuss. Am besten noch die leicht metallische Nase, am ziemlich eindimensionalen Gaumen wurde das Metallische dann noch deutlich stärker – 80/100. Beim 1983 Hermitage Le Gréal von Sorrel dann wieder eine recht schöne Nase, am Gaumen aber sehr unsauber, als ob er nachgären würde, eindeutig fehlerhaft. Und der dritte in diesem Trio der Unsäglichkeiten, der 1988 Hermitage Le Gréal von Sorrel, hatte schlichtweg Kork. Aber wahrscheinlich hatte der gute Uwe diesen Flight ohnehin nur eingebaut, damit die La Chapelles hinterher umso mehr brillieren konnten.

1969 war ein gutes Rhone-Jahr mit kräftigen, aromatischen Weinen. Und genau in dieses Bild passte der fleischige, gut gereifte 1969 Hermitage-la-Chapelle mit generöser Süße und viel Schmelz gut hinein – 93/100. Sicher noch eine Suche wert. Der ebenfalls gut gelungene 1976 Hermitage-la-Chapelle war eher etwas schlanker, aber auch das ein sehr feiner, eleganter Wein, der sich gut trank – 90/100. Animalisch, kräftig, rassig, kernig der 1985 Hermitage-la-Chapelle mit viel Mokka, Espresso und dunklem Toffee – 94/100.

Und dann endlich der Flight, für den alle nach Bochum gekommen waren. Ein großes, zupackendes Tier von Wein, das nach weiterer Lagerung oder zumindest längerer Dekantierzeit (hatte er leider nicht bekommen) schrie, war der 1978 Hermitage-la-Chapelle. Ein Mörderteil mit grandioser Zukunft – 98+/100. Weltklasse war der 1990 Hermitage-la-Chapelle, der sich in absoluter Bestform zeigte. Sehr jung, sehr dicht, sehr konzentriert mit einer fantastischen Frucht und geradezu explosiver Armatik, hörte am Gaumen nicht mehr auf – 100/100. Zwischen diesen beiden Boliden stand 1989 Hermitage-la-Chapelle, der natürlich in Dichte und Konzentration mit den beiden nicht mitkam. Dafür war er voll trinkbar, ein inensiver, süßer, lakritziger Traum, so eine Art 90er für Schlaue – 95/100.

Die Stars der Probe

Und dann kam noch ein Hermitage-Flight wie vom Trödelmarkt. Sehr oxidativ war der 1950 Hermitage von Robert Chassaing mit zwar dichter, aber alter, trüber Farbe. Einfach nur ein (zu) alter, so gerade noch ohne Schmerzen trinkbarer Wein – 76/100. Der 1955 Hermitage von Fargeot wirkte noch deutlich älter mit heftiger Todessäure und war untrinkbar. o.J. Einzig dem Hermitage Reserve von Jaboulet-Ainé, eine Cuvée aus mehreren Jahrgängen der 50er, ließ sich noch etwas abgewinnen. Ein feiner, kleiner, eleganter Schmeichler, allerdings mit deutlich metallischen Noten – 87/100.