Reife Ducru Beaucaillous

Den Anfang von Elke Dreschers diesjährigem Probenreigen machte im Februar in Wachtberg eine feine Verkostung reifer Ducrus.

Einen großen Fanclub hat Elke Drescher (www.rare-bordeaux-weine.de) . Kein Wunder, ist sie doch eine sehr charmante, perfekte Gastgeberin, die im kuscheligen Ambiente ihres Hauses und Firmensitzes regelmäßig kenntnisreich zusammengestellte Raritätenproben veranstaltet. Begrüßt wurden wir diesmal mit einem immer noch sehr jungen, frischen, mineralischen 1998 Billecart Salmon Cuvée Nicolas-Francois Billecart, der mit cremiger Textur und feinen Briochetönen runter ging wie Öl – 92/100. Eigentlich erspare ich mir ja das obligatorische Glas Champagner vor großen Weinproben, denn es macht nur unnötig blau. Aber bei einem guten Jahrgangschampagner wie diesem nehme ich dann doch gerne einen Probierschluck.

Eine Schwächeperiode durchlebte Ducru zwischen den beiden Weltkriegen. Das merkte man dem 1934 Ducru Beaucaillou aus diesem sonst so großartigen Bordeaux-Jahrgang an. Der wirkte durch die deutliche Säure zwar fast altersfrei und immer noch stabil, aber auch etwas eindimensional. Erst mit der Übernahme durch die heutige Inhaberfamilie Borie nahm Ducru wieder einen raschen Aufstieg. So war der 1947 Ducru Beaucaillou aus einer Händlerabfüllung ein immer noch recht jung wirkender, kräftiger Wein, der ebenfalls von guter Säure frisch gehalten wurde. Stallig, animalisch und mit viel Trüffeln und Unterholz die Nase, der Gaumen wurde mit Zeit und Luft immer süßer und generöser – 93/100. Eher enttäuschend der 1949 Ducru Beaucaillou, der zwar kein Alter zeigte, aber auch keine Freude, sehr schlank mit stahliger Frucht – 87/100. Elke wäre nicht Elke, wenn sie da nicht sofort noch eine Händlerabfüllung gegen gestellt hätte. Ihr umfassender Keller liegt ja praktischerweise im gleichen Haus. Diese belgische Händlerabfüllung hatte die dichtere Farbe, mehr Klasse, mehr Rasse, mehr Länge und trank sich einfach wunderbar – 92/100. Überrascht hat mich aus Wineterminators Geburtsjahr die Qualität des 1950 Ducru Beaucaillou. Klar war der reif mit stalliger Nase und zu Anfang recht rustikal in der Anmutung. Aber er baute im Glas enorm aus, wurde süßer, eleganter und gefälliger – 90/100.

In zwei Varianten bekamen wir 1953 Ducru Beaucaillou ins Glas. Aus einer Händlerabfüllung wirkte der einerseits etwas überreif, zeigte andererseits eine etwas staubige Eleganz und war recht flach am Gaumen – 88/100. Da legte die zwar ebenfalls reife, aber noch etwas druckvollere Chateauabfüllung deutlich eins drauf – 90/100. Zeitlos, groß und mit schon fast burgundischer Pracht und Fülle, mit süßer Frucht, feiner Minze und generösem Schmelz am Gaumen 1955 Ducru Beaucaillou – 95/100. Ein großer Ducru, der in guten Flaschen noch etliche Jahre vor sich hat und jede Suche wert ist. Überraschend trinkbar war 1958 Ducru Beaucaillou. Gut, der war wohl schon etwas über den Punkt und hatte eine recht helle Farbe. Aber er war noch erstaunlich intakt mit feiner Süße und zeigte keine Alterstöne – 86/100.

Jahrgangstypisch zeigte sich 1959 Ducru Beaucaillou, ein großer, aber auch schlanker und von deutlicher Säure geprägter Wein, der gleichzeitig schöne Süße zeigte, dürfte noch recht langlebig sein – 93/100. Eine ganze Ecke drüber aus einer perfekten Flasche 1961 Ducru Beaucaillou, immer noch fast taufrisch mit erstaunlicher Cassisnase, enormer Tiefgank, druckvolle, würzige Aromatik und gewaltige Länge, meine vielleicht bisher beste Flasche dieses sehr variablen Weines – 96/100. Sehr gefällig, weich, schmelzig und elegant 1964 Ducru Beaucaillou in einer Barrière-Abfüllung – 91/100. Sehr jung noch die Farbe des enorm kräftigen 1966 Ducru Beaucaillou, der leicht medizinal in der Nase war – 92/100.

Bombenstimmung wie immer bei Elke

Erstaunlich kräftig zeigte sich der sehr elegante, nachhaltige 1970 Ducru Beaucaillou, der in guten Flaschen wie dieser noch eine längere Zukunft haben dürfte – 92/100. Überraschend gut trinkbar und für den Jahrgang noch erstaunlich jung wirkend der lakritzige 1976 Ducru Beaucaillou – 89/100. Sehr kräftig und dicht auch 1978 Ducru Beaucaillou mit viel Zedernholz, Tabak und Leder – 91/100. Der sicher beste Wein dieses Flights wäre 1982 Ducru Beaucaillou gewesen, hätte uns nicht ein ekelhafter Kork den Spaß verdorben. Zuletzt hatte dieser sehr elegante Ducru noch im letzten Herbst auf René Gabriels großer 82*82 Probe auf 94/100 Niveau überzeugt.

Easy drinking aus volleren Gläsern ermöglichte der gefällige, kräftige, nicht sonderlich aufregende, aber am Gaumen sehr lange 1983 Ducru Beaucaillou aus der Magnum – 90/100. Dankenswerterweise ausgespart hatte die liebe Elke die Jahre 1984(grottig), 1985 bis 1990(TCA lässt grüßen) und 1991 bis 1994(braucht niemand wirklich). Stattdessen präsentierte sie uns noch zwei moderne Ducrus, denn auf diesem Chateau wird seit 1995 (leider auch preislich) richtig Gas gegeben. Erste Trinkreife zeigt der großartige 1995 Ducru Beaucaillou mit konzentrierter, süßer Frucht, Minze, Zedernholz, aber bei allem Hedonismus auch einem sehr stabilen Säure- und Tanningerüst. Dürfte eine gute Zukunft haben und durchaus noch zulegen – 94+/100. Eigentlich hätte der 1999 Ducru Beaucaillou wie die meisten 99er Bordeaux voll trinkreif sein müssen. Aus unserer Flasche hatte er dazu aber keine Lust und zeigte sich erstaunlich unnahbar mit hoher Säure – 90+/100.

Und dann gab es noch ein echtes Highlight zum Schluss, ein 1950 La Tour Blanche aus der Magnum. Den hatte ich schon ein paar Mal aus erstaunlich guten 1tel Flaschen, aber diese Magnum hier ging da noch deutlich drüber. Tiefe, ins Güldene gehende Farbe, eine Traumnase, am Gaumen sehr balanciert, nicht übermäßig süß und immer noch erstaunlich frisch – 95/100. Mit diesem flüssigen Dessert am Gaumen ließ es sich anschließend vortrefflich von Elkes nächster Probe träumen.

Und das Beste kommt zum Schluss