Das 2009 Bordeaux Schnäppchen

Die Subskriptions-Schlacht geschlagen, das Fell des Bären verteilt und die interessanten Weine alle verkauft? Weit gefehlt, hier kommt jetzt als Nachzügler mein Favorit für den Preis-/Leistungssieg.

Mit Engelszungen habe ich fast ein halbes Jahr auf den guten Jochen Fricke eingeredet. Es ging um den 2009 Nectar des Bertrands. Jetzt hat es endlich geklappt.

Das alles hat eine Vorgeschichte. Jochen Fricke, der heute mit Otmane Khairat, ebenfalls einem Mövenpick-Urgestein, in Düsseldorf das WINELIVE betreibt, war früher Chefeinkäufer bei Mövenpick Deutschland. In dieser Funktion holte er mit dem Jahrgang 2000 einen bis dato völlig unbekannten Wein namens Nectar des Bertrands nach Deutschland. Dieser Wein machte mich seinerzeit spontan an und schnell waren 24 Flaschen gekauft. Die sind inzwischen längst ausgetrunken, mit konstant 92-93/100. Noch eine Ecke drüber war für mich der für den Jahrgang höchst erstaunliche 2003er. Bei der 2003er Arrivage-Probe notierte ich: Unkomplizierter, sehr attraktiver Genuss auf hohem Niveau. Üppige, reife rote Früchte, Röstaromen ohne Ende, sehr reife, weiche Tannine, langer Abgang. Ein eleganter, seidiger, fruchtiger Wein mit Schmelz ohne Ende und sehr hohem Spaßfaktor - 93/100. In diversen Proben danach habe ich diesen Wein, der weiter zulegte und für 2003 eine erstaunlich gute Struktur aufwies, auch mehrmals mit 94/100 bewertet. Von meinen 24 Flaschen ist leider fast nichts mehr da. Mit 2005 habe ich den Nectar dann erstmals subskribiert. Wie viele 2005er hat er ein massives Tanningerüst und wird noch 1-2 Jahre bis zur Trinkreife brauchen, sollte sich dann aber auch bei 92+/100 einpendeln.

Das Chateau Les Bertrands liegt östlich von Medoc auf der anderen Seite des Flusses in der Appellation Côte de Blaye. Von der Spitzencuvée des Gutes, dem Nectar des Bertrands, der in neuen Holzfässern ausgebaut wird, gibt es nur etwa 6000 Flaschen. Sollten die mal in die Hände von Parker & Co geraten, verdunstet diese kleine Menge sofort. Bei Mövenpick gibt es noch Restbestände vom 2005er, aber keine neuen Jahrgänge mehr.

Ende August war es dann endlich soweit. Jochen Fricke hatte Fassproben und Konditionen besorgt. Nur war ich leider auf Sylt. Da musste ich mir dann anhören, dass sich 2006 derzeit sehr gut trinkt, 2007er so schwach wie der Rest dieses Jahrgangs ist und 2008 derzeit verschlossen ist. 2009 sei sehr gut, aber den sollte ich doch besser selber probieren.

Mitte September war es soweit. Wir trafen uns in kleiner Runde im Wine Live. Uwe Bende hatte einen hoch spannenden 1872 Assmannshäuser mitgebracht, von mir kamen 1950 Chateau Latour und Ferrière, ein 1990 Insignia, ein 1994 Grüner Veltliner Kellerberg Smaragd von F.X. Pichler und eine 1990 Wehlener Sonnenuhr von JJ Prüm komplettierten die Runde. Der Bericht dazu folgt in den nächsten Tagen in den WeinMomenten September.

Und dann war da diese knapp drei Wochen alte Fassprobe des 2009 Nectar des Bertrands in einer kleinen Plastikflasche. Würde die überhaupt noch genießbar sein? Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Traumstoff war das, der an den großen 2003er erinnerte. Einfach eine geile, süße Frucht und eine Supernase, dabei aber nicht aufgesetzt oder dick, sondern perfekt balanciert und harmonisch, sehr feine, reife Tannine, wunderbare Länge am Gaumen, ein großartiger Wein aus einem Guss. Hat den einer von uns gespuckt? Keiner. Dieses „Zeugs“ trank sich auf gut Deutsch einfach saugut und machte selbst jetzt als Fassprobe schon ungeheuren Spaß. Ein Jahr liegt der 2009er noch im Barrique, wobei er sicher noch etwas an Struktur zulegen wird. Könnte der bisher beste Nectar des Bertrands werden. Dürfte wieder recht früh trinkreif sein. Wahrscheinlich wird er ein Trinkfenster von 2012-2025 haben. Bewerten würde ich ihn vorsichtig mit WT 92-94/100. Bei einem Subskriptionspreis von € 12,90 ergibt das für 2009 ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis. Ich habe persönlich sehr kräftig zugeschlagen und diesmal auch Halbe, Magnums und ein paar Doppelmagnums subskribiert. (wt 09/2010)