März 2013

Thank God istīs Friday

Müssen die alle nicht mehr arbeiten? Rappelvoll dieses D´Vine am Freitagmittag. Aber das ist es eigentlich an allen Tagen der Woche. Und ganz im Gegensatz zum sonst leider so oft puritanisch genussfeindlichen Deutschland wird hier mediterrane Lebensart praktiziert. Kaum ein Platz, vor dem nicht ein Weinglas steht. Und an überraschend vielen Tischen wird dabei zu gutem Wein von geschniegelten Anzugträgern in entspannter Atmosphäre über Geschäfte geredet. Es werden nicht unbedingt die schlechtesten Geschäfte sein, die dabei herauskommen.
Ja, auch ich musste danach noch ins Büro. Und da hier plötzlich jede Menge liebe Freunde auftauchten, gab es nur eine Alternative. Nein, nicht spucken, da trinke ich lieber nichts. Genippt habe ich stattdessen, von jedem dieser feinen Weine nur einen kleinen Schluck. Blind war ich beim 2003 Sigalas Santorini aus Griechenland bei einem reifen Burgunder aus den 80ern. Sehr reif und auch etwas oxidativ wirkte dieser griechische Weißwein aus der autochtonen Asyrtiko-Traube zu Anfang, baute jedoch enorm aus, wurde immer gefälliger und vor allem immer mineralischer, man spürte die vulkanische Erde – 86/100. Ein süchtig machender Traum dann der noch so junge 2009 Marienburg Rothenpfad von Clemens Busch, der sicher noch zulegen kann und wird – 93+/100. Und dann schenkte Toni blind einen Roten ein. Der war reif, aber mit immer noch sehr pikanter Frucht, feinem, süßen Schmelz und einer rustikalen, erdigen Mineralität. Schnell war ich in Pauillac und tippte auf eine 79er Comtesse. Jahrgang und Appellation stimmten, aber es war ein 1979 Batailley, der sich für dieses damals nicht gerade prickelnde Weingut enorm entwickelt hatte – 90/100. Warten lohnt halt, und hier ist aus dem einstmals so hässlichen Entlein mit seinen harten Tanninen tatsächlich noch so etwas Schwan-ähnliches geworden.
Und dann gesellte sich noch Burgund-Urgestein Walter Nack zu uns, also noch zweimal nippen. Einfach, simpel und fruchtig, aber sauber gemacht der 2008 Chorey-les-Beaunes von der Domaine Chapuis – 85/100. Eine Klasse drüber der nachhaltige 2009 Meursault Les Tillets von Jobard-Morey – 90/100.

Franz-Josef Schorn in Topform

Happy Birthday Franz-Josef

Düsseldorfs Wein- und Gastro-Urgestein Franz Josef Schorn feierte in kleinem Kreise in seinen Geburtstag hinein. Und da er derzeit kein Lokal sein eigen nennt, kochte er für uns bei sich zuhause. Während sich die Mädels auf einen wunderbaren Taittinger als Apero stürtzen, genossen wir eine perfekt gereifte 1976 Scharzhofberger Auslese GK von der Hohen Domkirche. Güldene Farbe, immer noch gute Säure, eher halbtrocken, Bienenwachs, cremige Textur – 90/100. Danach kam mit dem 2010 Chardonnay der erste große „Meursault“ von Gantenbein ins Glas. Ein klarer Stilwandel war das mit diesem Jahrgang bei den weißen Gantenbeins, weg von demn dicken, fetten Geschossen, hin zu rassigen, klassischen, burgundischen Stil, schlank im positiven Sinne, mineralisch, würzig und mit präzisen Konturen – 95/100. Noch eine Ecke drüber der monumentale 2000 Grüne Veltliner M von F.X. Pichler, ein wuchtiges, komplexes Geschoss mit enormem Druck anm Gaumen, dass jetzt so langsam zur Hochform aufläuft - 96/100. Bei den großen Wachauern gibt es zwei interessante Genussstadien, die ersten 3-4 Jahre mit der überbordenden, jugendlichen Frucht, und das Reifestadium etwa 10 Jahre nach der Ernte, in dem die Weine deutlich an Komplexität gewinnen. Nur zwischendrin sollte man davonbleiben. Dann lassen die Weine ähnlich wenig raus wie ein verschlossener Bordeaux. Der erste Rote dieses Abends war nicht der dickste, aber vielleicht der interessanteste Wein. Noch so jung wirkte der rechtzeitig dekantierte 1952 Berberana Gran Reserva, filigran, tänzelnd mit wunderschöner Frucht, würzig, sehr lang am Gaumen – 95/100. Das war reifer Rioja vom Feinsten. Was wir an diesem Wein wirklich gehabt hatten, wurde uns erst klar, als anschließend die richtig dicken Dinger über unseren Gaumen rollten. Dichter und jünger war natürlich der 1994 Unico von Vega Sicilia. Tiefdunkel in der Farbe, konzentrierte, süße Frucht, Kraft ohne Ende, sehr mineralisch, rauchig, Teer, Tabak, immer noch mächtiges Tannin- und Säuregerüst. Wirkt noch leicht unfertig, könnte sich aber mal zu den Höhen von 68 und 70 aufschwingen – 95+/100. Meine beiden letzten Flaschen lasse ich jetzt mal länger in Ruhe. Dann das Gigantentreffen aus Ribera Del Duero von 2003 Pingus und 2009 Garcia Figuero Tinus. Beide sehr rar und beide extrem teuer, aber ihr Geld auch wert? Hedonistisch der Pingus, aber auch mit erstaunlich guter Struktur und Säure – 95/100. Erschlagend und mächtig der rabenschwarze, superkonzentrierte Tinus mit Holz und süßen Tanninen ohne Ende. Weniger wäre hier sicher mehr gewesen. Das ist die Art Wein, die noch vor einem Jahr bei Parker von Jay Miller mit 100/100 bedacht worden wäre. Bei Neal Martin sind es mal gerade 88/100. Ich würde es persönlich bei 92/100 gut sein lassen. Aber das ist letztendlich eine reine Frage des persönlichen Geschmacks und der bevorzugten Stilrichtung. Aber es zeigt auch, wie nebensächlich und auch irreführend Punktebewertungen sind, wenn man den Gaumen des Testers nicht kennt und die dazugehörige Beschreibung nicht ließt. Noch ein Beispiel gefällig? Der 2004 Aalto PS bekam 2007 von Jay Miller bei Parker 98/100. 2013 gab dann Neal Martin 88/100. Selbst, wenn der Aalto derzeit durch eine etwas schwierige Phase gehen sollte, ist dieser Unterschied grotesk und nicht vermittelbar. Für die Erfolgs- und punkteverwöhnten Spanier ist dieser Neal Martin so etwas wie ein Sargnagel.
Bei uns kam jetzt in den letzten Minuten von Franz Josefs altem Lebensjahr ein 1993 Mouton Rothschild ins Glas. Das war in seiner Jugend mal ein geiles Geschoss, aber der Lack ist schon eine Weile ab. Ganz schön dürr und fruchtlos, Blumenerde, wird im Glas immer bittrer und übler – 86/100. Nur die dichte, immer noch jung erscheinende Farbe irritiert. Ob es hier doch noch ein zweites Leben gibt? Ich spiele auf Risiko und lege die letzten Flaschen in die hinterste Ecke des Kellers. Wie gut, dass im anderen Glas mit 1999 Montepeloso Gabbro ein besserer Mouton war, mit jugendlicher Farbe, geiler Cassis-Frucht und der berühmten Bleistift-Mineralität von Mouton, sehr lang am Gaumen – 95/100. Immer noch enorm kräftig mit stabilem Tanningerüst. Hat ewig gebraucht, um sich zu entfalten, aber jetzt ist er voll da.
Unser inzwischen frischgebackenes Geburtstagskind hatte inzwischen herrliche Crêpe Suzette vorbereitet. Dazu passte die letzte meiner mitgebrachten Flaschen wie Pott auf Deckel. Dieser 1951 Chateau du Breuil aus Beaulieu in Coteaux du Layon war einfach ein Traum, noch so frisch und vibrierend, in der Nase Apfeltarte frisch aus dem Ofen, auch am Gaumen reifer Apfel mit guter Säure, schöner Süße und fantastischem Süße-/Säurespuiel – 95/100. Und das aus diesem Unjahr! Aber Franz-Josef ist eben ein Glückskind. Franz-Josef, bleib wie Du bist, so lieben wir Dich. Happy Birthday.

Die Überraschung aus 1951

Die unglaublich gute Hermannshöhle

Wird der Wineterminator jetzt zum Jungweintrinker? Eigentlich lasse ich große Rieslinge mindestens 5 Jahre liegen. Aber diese 2011 Hermannshöhle Riesling GG von Dönnhoff ist ein derart geiles Geschoss, viel zu jung, aber doch schon so riesengroß mit irrer Brillianz, faszinierender Mineralität, messerscharfer Präzision und unglaublicher Strahlkraft. "Dönis" Meisterwerk bringt jetzt schon locker 96/100 ins Glas. Und ich habe schnell bei Michelangelo (der von diesem Wein auch hin und weg war) die zweite Flasche bestellt, meine bisher 20.(!) 2011er Hermannshöhle. Der folgte die dritte und dann schließlich die vierte Flasche. Zwischendrin habe ich das bei Facebook gepostet und bekam sofort von einem Weinfreund die Message, dass eben diese Hermannshöhle an diesem Tag bei der Sylter Sansibar zum Sonderpreis erhältlich sei. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und habe sofort per Iphone die drei letzten, erhältlichen Magnums geordert. Auch in der Gastronomie wird dieser Ausnahmewein wohl bald von den Karten verschwunden sein. Macht nichts, dann warte ich halt 5 Jahre und gehe an meine eigenen Bestände.

Zwei große Barolos

Düsseldorf versank an diesem Samstag im Wasser, bevor dann am nächsten Tag der Schnee kam. Aber die Sonne schien im Saittavini. Mit Michelangelo Saitta und seinem Sohn Davide tranken wir nicht nur 2011 Hermannshöhle GG von Dönnhoff, unsere inzwischen #25 und 26 aus diesem perfekten Jahrgang, beide auf 96/100 Niveau, sondern auch zwei große Barolos. Zupackend, kernig aber auch offen zugleich, würzig, kräuterig und mit Kirschfrucht der 2005 Barolo Vürsu Campé von La Spinetta – 92/100. Ein Traum im anderen Glas der 2005 Gran Bussia von Aldo Conterno, der betörende Duft einer Baccara Freilandrose, Teer, Lakritz, altes Sattelleder, süßer Schmelz, gewaltiges Rückrat, heute 96/100, morgen vielleicht noch mehr. Würdiger Abschluss danach ein dekadent leckerer 2009 Tinata von Monteverro mit süßer Würze – 94/100. Es konnte gerne weiterregnen, denn der Saittavinikeller ist unendlich.

Petrolo Galatrona

In der Casa Mattoni waren wir spontan gelandet. Ein sympathischer Italiener auf der Hansaallee im Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel mit sehr hochwertiger Küche und erstaunlich günstiger, umfassender Weinkarte. Zu junge Weine gibt es überall. Hier aber finden sich auch reifere, gut gelagerte Gewächse.
Wir begannen den Abend mit einer schönen Champagner-Alternative, einem 2001 Franciacorta Brut Anna Maria Clemente von Ca del Bosco. Ein wunderbarer, animierender Gaumenschmeichler, sehr weich mit wenig Säure aber sehr gutem Mousseux, floral und mineralisch, Brioche und feiner Schmelz, sehr lang am Gaumen – 93/100. Von den Anna Maria Clementes habe ich schon viele aus den Neunzigern getrunken, immer noch taufrisch und faszinierend, kann ich nur wärmstens empfehlen.
Und dann war da dieser großartige 1999 Petrolo Galatrona. Merlot vom Feinsten, nicht mehr mit der brutalen Kraft, die dieser Wein in der Jugend oft zeigt, weich, fruchtig, mit süßem (Bitter-)schokoladigem Schmelz, Espresso, aber auch mit guter tragender Säure, dürfte sich auf diesem Niveau noch etliche Jahre halten – 94/100. Eher enttäuscht war ich vom deutlich reiferen, schon etwas ältlich wirkenden 1998 Petrolo Galatrona, die Schokolade wirkte alt mit Grauschimmer, vom Espresso bekam ich nur den Satz und Frucht war Fehlanzeige, da fehlte einfach die Spannung. Der war vor 10 Jahren mal groß, aber eher so eine Art Weinstrohfeuer – 87/100.

Im Seegarten in Kreuzlingen

Schon oft hatte mir der Thomas von diesem Lokal in seinem Heimatort Kreuzlingen und dessen fantastischer Weinkarte erzählt. Jetzt hatte ich endlich mal die Chance, das auszuprobieren.
Ja, der Thomas hatte nicht gelogen, diese Weinkarte konnte sich mehr als sehen lassen. Da stand einem großartigen Weinabend nicht im Wege, zumal die Küche supergut und Chef, Chefin und Servicemädels supernett waren. Den Anfang machten wir mit einem 2000 Pape Clement Blanc. Wuchtig, viel Holz, brauchte Zeit, Luft und Karaffe, entwickelt schöne Kräuternote mit viel Anis, bleibt aber etwas schwierig. Solo kamen wir da über 92/100 nicht heraus. Doch mit Luft, Wärme und forderndem Essen explodierte der Pape Clement förmlich, wurde komplexer, länger und stand selbst gegen ein Himbeerespuma wie eine „1“. Da waren wir dann bei 94/100. Beim Jahrgang 2000 blieben wir erstmal, denn dfer ist nicht nur riesengroß, die Weine erreichen jetzt auch ihre erste Trinkreife. So z.B. der 2000 Giscours. Reife, dunkle Früchte, Sattelleder, frischer Espresso, sehr mineralisch, Holzkohle, kräftig und animalisch, und das durchaus mit Grazie – 93/100. Ein Riese und der vielleicht bisher beste Wein des Gutes 2000 Pichon Baron, so dicht, so kräftig, sehr maskulin wirkend, aber auch fleischig und sehr lang am Gaumen – 98/100. Eine große Zukunft hat sicher auch der noch etwas verschlossenere 2000 Leoville Poyferré, auch der sehr dicht, kräftig und mit noch massivem Tannin- und Säuregerüst – 96+/100. Und dann stellte der Chef einen großen, sehr eigenständigen Wein blind auf den Tisch, den wir beim besten Willen nicht erraten konnten. Dieser großartige 1988 Figeac hatte Kraft und Länge, viel Zedernholz und Minze, war sehr kräuterig und von der Stilistik her eher linkes als rechtes Ufer – 95/100. Danach musste dann als letzter Wein des Abends noch ein 1985 Solaia ins Glas. Traumfrucht, Hollunder pur, noch so topfit und frisch mit guter Säure, schokoladig, schmelzig mit schöner Süße am Gaumen, fantastische Länge. Dürfte noch mindestens ein Jahrzehnt auf diesem 96/100 Niveau begeistern.
Und was ich derzeit dringend suche? Eine Ausrede, mal wieder den Thomas zu besuchen, denn dieser Seegarten hat es mir angetan.

Der erste frische Spargel aus Deutschland

Wir konnten es kaum glauben, aber auf der Homepage der Alten Bürgermeisterei in Walbeck lasen wir am Sonntagmorgen: Der erste frische Spargel ist da. Ein kurzer Anruf bestätigte das und sicherte uns für mittags einen Tisch. Gut, das war noch kein richtiger Freilandspargel, der kam aus dem Treibhaus. Aber dem Spargel ist das auch geschmacklich völlig egal, denn die Sonne sieht er ja ohnehin nicht. Und am Niederrhein gibt es etliche Treibhäuser, in denen die Abwärme der großen Kraftwerke genutzt wird. Und bevor die nutzlos in den Himmel verpufft, kann sie ruhig noch etwas Sinnvolles tun, z.B. Spargel wachsen lassen.
Mit Bus und Bahn setzten wir uns Richtung Walbeck in Bewegung, was erstaunlich gut und schnell ging. Schließlich wollten wir ja auch etwas Schönes zum ersten Spargel des Jahres trinken, und DON´T DRINK AND DRIVE ist für uns ein eiserner Grundsatz. Schon dieser Duft der wunderbaren, frischen Spargelcrèmesuppe. Und dann erst das königliche Gemüse selbst! Im Glas dazu aus der sicherlich ausbaufähigen Weinkarte der Alten Bürgermeisterei zunächst ein eleganter, feiner, schmeichlerisch-cremiger 2008 Weißer Burgunder Malterdinger Bienenberg R von Huber. Der hätte dekantiert und aus großen Gläsern sicher noch mehr gezeigt als die 89/100, die wir da im viel zu kleinen Glas hatten. Eine Ecke drüber der gewaltige, dichte, druckvolle 2009 Grauer Burgunder GG Malterdinger Bienenberg von Huber, für den wir wenigstens etwas größere Gläser ergattern konnten – 91/100. Erstaunlich gut gefiel uns als Abschluss der sehr feine, seidig-elegante 1999 Pommard von Jadot mit seiner süßen, rotbeerigen Frucht – 90/100. Draußen fing es inzwischen heftig an zu schneien. Wird wohl noch etwas dauern bis zur richtigen Spargelsaison.

Küchenparty im DīVine

Geile Küchenparty freitags im D'Vine als inoffizieller Prowein-Auftakt. Highlights neben Christophs Küchenferkeleien das 2011 Kastanienbusch GG von Wehrheim mit knackiger Säure und toller Struktur(WT92) und die 1999 Oberemmeler Hütte Auslese von Hövel, perfekt gereift mut hohem Suchtfaktor(WT92). Und dann war da noch in Winterminators Handgepäck ein schmelziger 1976 La Pointe aus der Magnum(WT91) und ebenfalls aus der Magnum ein noch so junger, dichter 1975 Gazin (WT93). Die Prowein hatte noch nicht angefangen, aber sie durfte gerne so weitergehen. Und so gab es dann zu später Stunde für mich aus dem Hause von Hövel noch eine sensationelle Premiere, 2011 Scharzhofberger Riesling als Selection Schloss Monaise. Da hatte Hubi Scheidt (Patron von Schloss Monaise) seine Finger mit im Spiel. Ein gewaltiger Saar-Riesling wie sie wohl vor hundert Jahren mal waren, mit nicht spürbarer, durch die deutliche Säure gut integrierte Restsüße, dadurch harmonisch trocken wirkend, ein gewaltiges, brilliantes, mineralisches Geschoß mii hohem aromatischem druck am Gaumen. Für sich alleine schon mal wieder ein Grund, nach Trier zu fahren, denn diesen Wein gibt es zumindest derzeit nur dort.

Die Prowein nimmt Fahrt auf

Die Prowein nimmt Fahrt auf. Das Saittavini ist an diesem Samstag schon mittags rappelvoll, wir noch nicht ganz. Ein Prachtstück der 2011 Goldberg von Van Volxem – 92/100, mit würzig-kräuteriger-lakritziger Süße punktete der immer noch so junge 2004 Barbaresco Valeirano von La Spinetta - 93/100, einfach nur geil der schmelzige 2008 Pinot von Gantenbein – 94/100.

Kleine Prowein-Pause

Kleine Proweinpause auf der anderen Rheinseite im Landhaus Mönchenwerth. Geplant war ein kleiner Lunch, es wurden mehrere Gänge. Geplant war ein schöner Wein, es wurde derer aber ein ganzes Feuerwerk, schließlich waren wir ja auch zu Fünft. 2011 Forster Ungeheuer 500 und 2011 Kalkofen, zwei hochklassige, rassige Rieslinge aus dem Hause von Winning, der grandiose 2009 Monteverro und fast auf Augenhöhe damit 2000 Aiguilhe. Danach wollte keiner mehr zurück auf die Messe. Stattdessen musste es noch eine Trouvaille aus Elke Dreschers Kofferrraum sein. Das wurde dann unsere Proweinentdeckung(aber eben auf der anderen Rheinseite), 1965 Vega Sicilia Unico, eigentlich aus einem Unjahr. Erstaunlich würzig, weich mit viel Kaffee, Kräutern und stützender Säure – 93/100. Damit können endlich auch die armen, 1965er Geborenen runde Feste feiern.

Bye Bye Prowein

Und jetzt als Prowein-Abschluss abends in der Casa Mattoni mit Sylter Freunden noch eins der Highlights, die geniale 2011 Zeltinger Sonnenuhr Auslese** von Markus Molitor. Die extreme Zugänglichkeit dieses sehr druckvollen, saftigen, harmonisch trocken wirkenden Weines täuscht. Ähnlich eines großen Bordeaux wird er sich bald für gut 5 Jahre verschließen und dann mit deutlich mehr Tiefgang und Komplexität wieder auferstehen. Wer kann, gönnt sich jetzt ganz schnell eine Flasche und lässt die anderen 10 Jahre liegen. Dann werden aus den heutigen 90+/100 deutlich mehr.
Das war klar, dass dieser erste Molitor nicht für sieben durstige Leute reichen würde. Also bedienten wir uns noch aus der gut bestückten Karte der Casa Mattoni mit drei großen roten Italienern in bester, erster Reife. Weich trotz gutem Rückrat mit viel dunklen Früchten und in moderner, internationaler Machart der der 2001 Solengo(92/100), elegant und Richtung Bordeaux gehend der beerige 2001 Maurizio Zanella (91/100). Sehr kraftvoll im Auftritt und immer noch recht jung wirkend der 2001 Petrolo Galatrona (93/100). Und dann kam vom Nachbartisch noch ein atemberaubender 2001 Barolo Riserva Le Rocche del Falletto von Bruno Guacosa, blutjung und in seiner enorm druckvollen, minzig-mentholigen Aromatik so eine Art Heitz Marthas Vineyard aus Piemont (97+/100). Und der Bogen schloss sich mit einem gerade erst(!) freigegebenen, sehr mineralischen, spannenden 2003 Alte Reben von Molitor. Dieser Markus Molitor ist im positiven Sinne verrückt, und wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.