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30 Jahrgänge Cos d´Estournel

Zu meinen festen Lieblingsterminen gehört das Raritätenwochenende von Jan-Erik Paulson im Kronenschlösschen in Hattenheim. In diesem Jahr starteten wir mit einer großen Cos d´Estournel Vertikalen. 30 Jahrgänge von 1928 bis 1996 standen auf dem Programm.

Ungewöhnlich der Apero. Steven Spurrier, bekannt durch das berühmte, von ihm ausgerichtete Paris Tastin 1976, servierte uns seinen „englischen Champagner“, einen 2013 Bride Valley Blanc de Blancs Fine English Wine aus 100% Chardonnay mit 9,5%0 Säure und 8g Dosage. Frisch, schlank, säurebetont, für den Erstlingsjahrgang nicht schlecht – WT87.

1971 Cos d´Estournel zeigte eine feine, elegante, rotbeerige Nase, am Gaumen schlank, reif mit feiner Süße, noch erstaunlich gut trinkbar – WT88. Muffig die Nase des 1973 Cos d´Estournel, ein großer Karton Himbeeren ohne Himbeeren drin, auch am Gaumen ungenerös mit grünen Noten – WT83. Aus dem 1975 Cos d´Estournel könnte durchaus noch mal etwas werden. Intakt die Farbe und die Nase, stoffig und kraftvoll der Gaumen mit immer noch intaktem Tanningerüst – WT87+. Anscheinend nicht totzukriegen ist aus guter Lagerung dieser 1979 Cos d´Estournel, dessen Nase immer noch sang, und der auch am Gaumen von glorreichen Zeiten erzählte – WT90. In gut gelagerten Flaschen sicher noch jede Suche wert. Etwas stumpfer die Nase des 1981 Cos d´Estournel, der jünger in der Anmutung war, aber trotz dichterer Farbe und viel Kraft weniger Freude machte – WT88

Der fantastische 1982 Cos d´Estournel zeigte deutlich, dass er nach langer, verschlossener Phase wieder auf dem besten Weg zur einstigen Größe ist. Die Nase noch etwas verhalten, aber am Gaumen ist soviel Druck, soviel Power und eine großartige Länge – WT97. Wer den hat, kann jetzt wieder dran gehen. Eile besteht aber keine. Deutlich besser kenne ich den 1983 Cos d´Estournel, der hier mit leicht kräuteriger Herbe zwar gut zu trinken war, aber etwas flach wirkte – WT85. Auch Paprika kann schmecken. Das zeigte deutlich der erstaunlich gut trinkbare 1984 Cos d´Estournel, der im Glas enorm ausbaute und immer generöser wurde – WT86. Der 1985 Cos d´Estournel war ein genialer Sauf-Cos mit traumhafter, süßer Frucht, feiner Minze und viel Schmelz, so eine Art Comtesse aus St. Estephe – WT95. Klar hat der 1986 Cos d´Estournel gewaltige, spürbare Substanz. Das war in seiner Jugend mal ein großer Wein und wird auch wieder einer. Derzeit ist das leider etwas harte Kost, bei der die immer noch massiven Tannine sich in den Vordergrund drängen – WT93+. Derzeit ist ja wieder bei vielen sogenannten Experten 86-Bashing angesagt. Das sehe ich völlig anders. Da ist einfach nur Geduld angesagt.

Immer noch ein Riese ist 1928 Cos d´Estournel. Für viele war das der wein des Abends. Für mich war er auf einem Level mit 1982. Schön war, dass er nach 1986 kam, und viele Leute, die meinten, beim 86er käm nichts mehr, jetzt einen Wein über den grünen Klee lobten, der viele Jahrzehnte völlig untrinkbar war. Jetzt, im „zarten“ Alter von fast 90 Jahren zeigte er in der Nase eingelegte Rumtopf-Pflaumen, am Gaumen wunderbare Süße, am Gaumen wunderbare Süße, aber auch noch Struktur und intakte Tannine. Ein großer Wein für noch lange Jahre – WT97. Rabenschwarz war der 1934 Cos d´Estournel – und leider oxidiert. Groß war der 34er ohnehin nie. Hell war die leicht trübe Farbe des 1950 Cos d´Estournel, der schon ein Stück over the hill war – WT82. Schlichtweg ein Traum war die süchtig machende Kaffeenase des 1952 Cos d´Estournel, für sich alleine locker WT99, aber der etwas herbe Gaumen kam da nicht mit – WT92. Ein wunderbarer, eleganter, altersfreier Schmeichler war der feminin wirkende 1953 Cos d´Estournel, mit fruchtiger Nase, noch so frisch am Gaumen, voll intakt mit erster Süße, aber sicher auch noch längerer Zukunft – WT96.

Einfach rund und stimmig war 1955 Cos d´Estournel mit wunderbarer Frucht, legte enorm im Glas zu – WT94. Noch so präsent, so frisch und so jung wirkte 1959 Cos d´Estournel, so animierend mit traumhafter Frucht und guter Säurestruktur – WT96. Im direkten Vergleich war 1961 Cos d´Estournel feiner, weicher und reifer mit tollem Schmelz – WT95. Voll da war 1962 Cos d´Estournel, ohne Fehler, aber auch ohne Höhepunkte, einfach etwas nichtssagend. Der 1970 Cos d´Estournel mit seiner minzigen, kräuterigen Nase war ein typischer, großer, leicht störrischer 70er, der mit modernerer Vinifikation noch deutlich besser geworden wäre – WT92.

Noch erstaunlich vital wirkte der 1987 Cos d´Estournel mit guter Frucht und Farbe, aber auch hoher Säure, am Gaumen etwas bissig – WT86. Ein großartiger, klassischer Charakterstoff war der kernige 1988 Cos d´Estournel mit Struktur und Tanningerüst für eine lange Zukunft – WT95. Sicher immer noch ein kluger Kauf. Im direkten Vergleich war der 1989 Cos d´Estournel etwas dichter, fetter und runder, aber auch fröhlicher, ebenfalls mit guter Struktur und Säure für eine längere Zukunft – WT95. Der fetteste, hedonistischste war 1990 Cos d´Estournel – WT94. Eine große Überraschung war 1991 Cos d´Estournel. Reif zwar, aber so fein und gefällig, sehr elegant, auf dem Punkt mit feinem Schmelz – WT92.

1992 Cos d´Estournel war schwierig und einfach nur „unlecker“ – WT76. 1993 Cos d´Estournel war ein eher kleiner, aber sehr feiner, eleganter Cos – WT89. 1994 Cos d´Estournel wirkte eckig und rustikal mit viel Kraft, aber wenig Charme – WT88. Erstaunlich offen, zugänglich und reif wirkte der 1995 Cos d´Estournel mit guter Frucht und feinem Schmelz, erinnerte sehr an 85 – WT95. 1996 Cos d´Estournel war die kräftigere Variante des 95ers mit dichter, dunkler Frucht und noch deutlichen Tanninen – WT94+.