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Boxenstopp 2016

Und das Beste kommt zum Schluss. Es ist stets die letzte, größere Probe im Jahr, dieser Boxenstop in Bad Ragaz. Dort treffen wir uns auf dem Weg ins Engadin im Rössli bei Doris und Ueli Kellenberger mit den Gantenbeins und Freunden. Immer mit dabei reife Burgunder aus Wineterminators Keller.

Als Apero starteten wir diesmal mit zwei großen Chablis, dem 2010 Chablis 1er Cru Vaillons von Raveneau und dem 2010 Chablis 1er Cru les Butteaux von Raveneau. Der Vaillons war spontan offen und zeigte bei aller, großartiger Struktur eine erstaunliche Fülle und wirkte frisch und knackig – WT94. Der Butteaux startete sehr verhalten und brauchte viel Luft, legte dann aber enorm zu. Intensive, kalkige Mineralität, gute Säure, präzise Struktur und gewaltige Zukunft – WT94.

Da musste sich der 2010 Gantenbein Chardonnay aus der Magnum nicht hinter verstecken. Rassigen, klassischer, burgundischer Stil, schlank im positiven Sinne, mineralisch, würzig und mit präzisen Konturen, ein großer Meursault aus der Bündner Herrschaft – 96/100.

Als kleines Gastgeschenk hatte ich aus Südafrika noch den 2011 Die Martha von Hermanuspietrsfontein mitgebracht, einen sehr zugänglichen, weichen, würzigen Rhone Blend mit üppiger, süßer Frucht – WT91.

Mit der leicht barocken, kernigen Struktur des Winzers überzeugte der 2010 Gianbasttista Blauburgunder des Gutes von Tscharner, der kräftig auftrat mit guter Struktur, Fülle, feinem Schmelz und sicher noch guter Zukunft – WT93.

Damit landeten wir dann bei den reifen Burgundern. Deutlich jünger wirkte der 1929 Pommard Superieur von Lebrecht, Scheuer & Cie aus Mayence, eine Händlerabfüllung, in der sicher was richtig Gutes steckte. Legte enorm im Glas zu. Immer noch gute Frucht in der sich immer mehr öffnenden Nase, am Gaumen gute Struktur, kein Alter und eine generöse Süße. Sehr erstaunlich für einen fast 90jährigen Wein – WT96.

Das Staunen ging weiter mit einem 1937 Bourgogne Reserve Privée von Colcombet Frères aus Nuits St. Georges, in dem sicher etwas Großes steckte. Auch diese Flasche stammte wie der 29er Pommard wohl aus sehr guter Lagerung, denn über einen Füllstand von 2-2,5cm für solch einen Senior kann man nur nun wirklich nicht meckern. So jung noch die Farbe dieses kräftigen, stoffigen Weines, sehr dicht, aber perfekt balanciert mit toller Struktur und feiner Süße. Macht in dieser Form sicher noch seinen eigenen 100sten voll – WT97. Als ich diesen Wein kurz danach auf der Weihnachts-Onlineauktion der Munich Wine Company entdeckte, war mir sofort klar, dass diese Flaschen unbedingt in meinen Keller gehören. Da liegen sie jetzt und warten auf ihren gezielten Einsatz in den nächsten 10 Jahren.

Und natürlich durfte weiter gestaunt werden. Auch der 1943 Morgon von Ets. Henry de Boursault zeigte nebst feiner, rotbeeriger Frucht immer noch Frische, dazu am Gaumen immer mehr feine Kaffee- und Schokonoten – WT95. Dazu sollte man wissen, dass die in Beaujolais (Morgon ist eines der 10 Crus des Beaujolais) vorherrschende Gamay-Traube nicht schlechter altert als Pinot, wenn man entsprechend damit umgeht.

Ein Riese und absolute Perfektion danach der 1949 Richebourg von Louis Gros, der wohl der Urvater der drei heutigen Gros-Stämme sein dürfte. So würzig, immer noch frisch, sehr dicht und komplex, aber auch elegant mit feiner Süße und sehr lang am Gaumen. Solch einen perfekt gereiften, großen Burgunder im Glas haben zu dürfen, das sind einfach unendliche Glücksmomente – WT100.

Nach soviel unglaublichem Flaschenglück musste wir auch mal wieder auf den Boden zurückgeholt werden. Sehr viel hatte ich mir von diesem 1945 Chambolle Musigny 1er Cru Vieilles Vignes von Grivelet versprochen, der optisch in gutem Zustand war. Zudem wurden 1945 in Burgund konzentrierte, langlebige Weine erzeugt. Aber diese Flasche hier hatte sicher schon mehr als einen Keller gesehen. So zeigte dieser Wein hier trotz enormer Substanz, trotz malziger Süße und schöner Fülle eben auch einen kräftigen Schuss Maggi, schade – WT92.

Leuchtende Augen bekommt Martha Gantenbein immer, wenn 59er ins Glas kommen. Nicht nur, weil das ihr Geburtsjahrgang ist, sondern auch weil in 1959 großartige Burgunder erzeugt wurden. So dieser sehr saftige 1959 Volnay Les Caillerets von S.A. Leroy, gut gereift, aber voll da mit etwas Rumtopffrucht, schöner Süße, aber auch guter, stützender Säure – WT96.

Eher ein Un-Jahr ist 1960 in Burgund. Aber Burgund wäre nicht Burgund, wenn es da nicht trotzdem trinkbare Weine gäbe. Der 1960 Grands Echezeaux von Louis Serrignon war zwar reif, zeigte aber noch erstaunliche Kraft, Struktur und tolle Länge. Kein Schmuseburgunder, eher etwas straffer gewirkt – WT92.

Und noch einmal hatten wir Perfektion im Glas. Dieser 1959 Clos Vougeot von Boisseaux-Estivant war ein unsterblicher Riese, ein ungeheuer dichtes, komplexes, sehr druckvolles Mörderteil mit Pracht und Fülle, dazu verschwenderischer Süße. Blieb ewig am Gaumen – WT100.

Sehr angetan waren wir auch vom 1969 Chambolle Musigny Charmes von Louis Latour. Der hatte noch so eine betörende Frucht, dazu feine Süße und wirkte noch so frisch und balanciert – WT96. Louis Latour ist heute eher ein Massenerzeuger, aber bis in die 80er hinein lassen sich von diesem Haus für meist gute Kurse noch sehr interessante weine finden.

Zu den bekanntesten Winzerinnen des Burgund gehört heute Sylvie Esmonin. Wir hatten hier jetzt mit dem 1971 Gevrey-Chambertin Clos Saint-Jacques von Henri Esmonin einen Wein ihres Großvaters im Glas. Der hatte 1954, als der Comte de Moucheron seine Besitzungen verkaufte, 1,6ha Clos-Saint-Jacques erworben. Das war ein Klassewein mit wunderbarem Spiel roter und blauer Beeren, mit wunderschöner Süße und gewaltiger Länge – WT96.

Den Abschluss des Abends bildete ein spannendes Kalifornien-Trio.

Erstaunlich üppig und noch so jung wirkend der 1993 Stag´s Leap Cask 23 mit guter Frucht und viel Leder – WT94. Deutlich offener, als ich ihn kenne der 1991 Dunn Howell Mountain, zwar immer noch ein sehr druckvoller Wein mit gewaltiger Struktur und Länge, aber hier jetzt auch mit traumhaft balancierter Frucht. Nicht auszudenken, wie der mal schmeckt, wenn er richtig reif ist – WT94+. Ziemlich offen auch der 1991 Dominus, der süße, kalifornische Frucht ideal mit der Struktur eines großen Pauillac verband – WT97.