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Frankreich gegen den Rest der Welt

„Jeder bringt bitte einen Franzosen und einen dazu passenden Wein von außerhalb Frankreich mit“, so das Motto dieser spannenden Best Bottle.

Diese Herausforderung wurde von den anwesenden Probenteilnehmern meisterhaft bewältigt. Und von diesen großen Weinen bekamen wir auch genug ins Glas, denn drei Aspiranten inklusive des Organisators(!) meldeten sich noch am Tag der Probe mit Fieber ab. Oder hatten sie nur nichts Passendes im Keller gefunden?

Als Apero starteten wir mit einer 2014 Felseneck Spätlese von Schäfer-Fröhlich. Die zeigte sich sehr frisch, mineralisch und rassig, aber ohne den erwarteten Babyspeck. Perfekte Säure balancierte die nicht übermäßige Süße so, dass der Wein eher harmonisch halbtrocken wirkte. Eine faszinierende Spätlese mit gewaltigem Potential – WT93+.

In der ersten Paarung standen sich dann ein 1975 Stag´s Leap Cabernet Sauvignon aus Kalifornien und ein 1975 Leoville las Cases gegenüber. 1975 war ein großes Jahr in Kalifornien und ein eher etwas schwieriges in Bordeaux, vor allem in Medoc. Mit dem 73er hatte Stag´s Leap seinerzeit beim legendären Paris Tasting in Paris bei den Rotweinen gewonnen. Der Stag´s Leap hatte eine dichte, immer noch recht junge Farbe, in der Nase Schwarze Johannisbeere, Minze, Leder und ein Hauch Eukalyptus. Am Gaumen wirkte er erst deutlich reifer als in der Nase, baute aber aus und wurde weicher und generöser – WT93. Der Leoville las Cases wirkte schlanker, feiner, mineralischer mit pikanter, rotbeeriger Frucht. Trotz immer noch deutlicher Tannine und Säure wirkte er harmonisch und stimmig. Wie viele der besseren Bordeaux aus 75 hat er noch eine lange Zukunft und ist in 10 Jahren sicher noch für eine Überraschung gut – WT91+.

Im nachfolgenden Gigantenduell war der 1994 Lafleur durch einen leichten Fehlton gehandicapt. Er wirkte sehr streng, kräuterig und lakritzig, und über der Frucht lag ein Schleier. Der lüftete sich mit viel Luft etwas, kam dann aber wieder. Aber er wäre gegen diesen unglaublich guten 1994 Dunn Howell Mountain ohnehin chancenlos gewesen. Bei den Weinen von Randy Dunn mit ihrer kernigen, klassischen, unverbiegbaren Art fragt man sich aber immer, ob die überhaupt irgendwann reif werden. Dieser hier zeigte bereits unglaublich viel. Einfach puristisch schön mit superber Frucht, perfekter Struktur, Kraft und Länge – WT97. Und ich bin mir sicher, dass das noch nicht alles war. Dieser große Dunn wird über die nächsten 10+ Jahre ausbauen und weiter zulegen.

In bestechender Form zeigte sich der 2000 Foley Claret, der sich fast auf dem Niveau des legendären 99ers zeigte. Üppig, druckvoll, mit süßer, dunkelbeeriger Frucht, sehr mineralisch und erstaunlich frisch und präzise. Für den Jahrgang einfach irre – WT97. Blind vermutete ich hier einen großen Hillside Select. Erstaunlich offen zeigte sich der 1996 Leoville las Cases, den ich noch nie so erlebt hatte. Weich, elegant, fast schmusig. Klar sind da unter der feinen, offenen Frucht immer noch deutliche Tannine, aber auch die wirkten erstaunlich reif – WT97.

Ein großer Jahrgang war 2005 nicht nur in Bordeaux und Burgund, sondern auch in Kalifornien. Eindrucksvoll zeigte das der 2005 Ridge Monte Bello. Erstaunlich kräftig und konzentriert für Monte Bello mit traumhafter Cassisfrucht und herrlicher Fruchtsüße, aber auch elegant und wohldefinert, ein Klassiker mit grandioser Zukunft – WT97. Im anderen Glas ein „Best ever“ 1990 Leoville Barton. Ewig hat dieser Wein aus dem sonst so offenen Jahrgang gebraucht, um sich auch nur halbwegs zu entfalten. Dabei hat er sicher einige seiner Besitzer (inklusive mir) zur Verzweiflung getrieben. Doch jetzt scheint das Ende allen Wartens erreicht. Der Leoville Barton zeigte sich so fein, so stimmig und balanciert. Ein großer St. Julien, der noch viel vor hat – WT96. Da freu ich mich doch auf die letzten Flaschen in meiner OHK.

Burgundisch wurde es im nächsten Flight. Noch sehr jung mit Mörderpotential der 2005 Chapelle Chambertin von Trapet. Ein derzeit sehr maskulin wirkender Burgunder mit Kraft ohne Ende, aber auch burgundischer Pracht und Fülle und wunderbarer Frucht – WT95. Doch der 2007 Rhys Pinot Noir Santa Cruz Mountains Horseshoe Vineyard konnte da gut mit. Auch der hatte eine enorme Kraft und immer noch präsente Tannine, aber auch wunderbare Frucht, Fülle und Finesse, sehr lang am Gaumen – WT95.

Hoch spannend danach der Vergleich aus dem großen Jahrgang 1990 zwischen einem der größten Pauillacs und dem wohl besten Pauillac aus Kalifornien. Der 1990 Pichon Baron war Baron in Perfektion, Pauillac pur mit superber Frucht, intensiver Mineralität, Kraft und Länge ohne Ende und immer noch perfektem Tanningerüst für weitere Jahrzehnte – WT97. Konnte man da noch leicht eins draufsetzen? Ja, dieser unglaubliche 1990 Dominus, dieser perfekte Pauillc aus Kalifornien, konnte das. Der hatte im direkten Vergleich einfach von allem noch etwas mehr, ein Wahnsinnswein mit großer Zukunft – WT97+. Bis Mitte der 90er hat Moueix bei Dominus kompromisslos große Weine erzeugt, auch auf die Gefahr hin, in Amerika nicht verstanden zu werden. Inzwischen ist Dominus etwas mehr dem amerikanischen Geschmacksempfinden angepasst. Für mich ein Grund, weiter nach den ersten Jahrgängen zu suchen.

Er hätte der Wein der Probe sein können, dieser 1982 La Mission Haut Brion mit seiner undurchdringlichen, altersfreien Farbe. Stattdessen präsentierte er den Kork des Abends. Das tut wirklich weh. Dafür brillierte der 1989 Mouton Rothschild. In seiner Jugend wurde dieser damals unverstandene Wein als kurzlebiger Blender abgetan. Inzwischen legt er Jahr um Jahr zu und entwickelt sich zu einem klassischen Pauillac und großen Mouton mit der für Mouton so typischen Mischung aus Cassis, Minze, Bleistift und Sattelleder. Und das intakte Tanningerüst zeigt, dass die Musik hier noch lange spielt – WT95.

Die beiden letzten Flights hatten wir bewusst auseinandergerissen, denn so konnten als perfekter Schlusspunkt zwei der größten Shiraz der Erde gegeneinander antreten. In perfektem Zustand der 1982 Penfolds Grange süßer Cassisfrucht, Minze, viel Eukalyptus, bei aller Opulenz erstaunlich elegant und fein, zu Recht eine Legende – WT99. Der deutlich jüngere 1998 Torbreck RunRig ist deutlich kraftvoller, mit mehr aromatischem Druck und dekadenter Fülle – hier und heute fast auf Augenhöhe – WT97. Gegenüber meiner letzten Flasche 2006 hat der Torbreck deutlich an Struktur und Finesse gewonnen.