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Mit Hendrik Thoma in Köln

Mit Wein am Limit ist Hendrik Thoma, einer der ganz wenigen, deutschen Master Sommeliers, erfolgreich ins Weingeschäft eingestiegen. Aus seiner regelmäßigen, innovativen Internet Weinshow ist inzwischen ein erfolgreicher Vetriebsweg für spannende Weine „off the beaten track“ geworden. Und da Hendrik jetzt konsequent auch die Gastronomie adressiert, hat er einen Teil seines Sortimentes in einer feinen Verkostungsrunde in Köln vorgestellt. Ort des Geschehens war das neue Tanica in Köln, ein interessantes Wein Bistro in Köln, das unter der Leitung von Matthieu Müller (ex-Vendome) steht.

Und da in der Einladung stand, dass natürlich auch Teilnehmer aus der „Verbotenen Stadt“ (was ist das eigentlich?) gern gesehen wären, wurde das fast eine Düsseldorfer Veranstaltung mit reichlich bekannten Gastro-Weinnasen aus der Landeshauptstadt. Ich war auch mit dabei und habe kräftig dazu gelernt.

In einem ersten Flight erfolgte die Freak Show. Ich will hier nicht in die Diskussion um Natur- und Orangeweine einsteigen. Ich trinke Wein nicht aus religiösen Gründen, sondern ausschließlich als hochwertiges, spannendes Genussmittel. Von daher ist mir auch ziemlich egal, welche Sau gerade mal wieder durchs Dorf getrieben wird. Ich mag Wein nur, wenn er mir schmeckt.

Los ging es mit dem 2015 Theodora vom Gut Oggau aus dem Burgenland. Eine trübe Farbe wie Äppelwoi hatte diese ungeschönte, ungefilterte Cuvée aus Welschriesling und Grünem Veltliner, die ungewöhnliche Nase erinnerte an einen Böckser, war aber durchaus spannend, am Gaumen noch ganz dezente Kohlensäure, wirkte etwas wie trockener Cidre. Zum ersten Mal in meinem Glas. Mich interessiert natürlich, wie so etwas altert. Ich werde die Weine des Gut Oggau im Auge behalten. Eine Bewertung gibt es jetzt und hier noch nicht. Aber ich werde mich intensiver mit diesem Gut auseinandersetzen.

Der zweite Wein war der 2014 Riesling „18“ vom Weingut Balthasar Ress, hinter dem Mastermind Dirk Würtz steht. Eindeutig noch zu jung war dieser durchaus sehr spannende, 18 Monate auf der Vollhefe im Stahltank ausgebaute Wein. Milchsäure in der Nase, auch am Gaumen etwas säuerlich wirkend, reduktiv, knochentrocken, aber auch cremig und floral. Hätte ich gerne in 2-3 Jahren wieder im Glas. Das könnte gut altern. Hier und jetzt war dieser Wein schlicht und einfach noch zu unfertig und jung. 18+18 fände ich angebrachter, nach den 18 Monaten im Stahltank noch 18 Monate Flaschenlager. Neugierig bin ich jetzt natürlich auf die Rieslinge 2013 „32“ und 2012 „48“.

Voll trinkbar der Dritte im Bunde, der 2013 Riesling Falkenberg von Kettern/Niepoort von der Mosel. Ein trockener, beschwingter Moselriesling mit glockenklarer Frucht, der sich heute bereits mit größtem Vergnügen in großen Schlucken trinken lässt, aber sicher noch zulegen wird – WT91+.

Erstaunlich extraktsüß, obwohl absolut trocken, wirkte im zwetien Flight der 2015 Les Greilles von der Domaine Causse Marine aus Gaillac. Frisch, schmelzig, gefällig, blumig mit viel Williamsbirne, viel Trinkspaß im Glas – WT90.

Zuhause war ich dann mit dem großartigen 2014 Cartology von Alheit aus Südafrika, einem frischen, geschmeidigen Cenin Blanc (mit 10% Semillion) mit Kraft und Fülle, aber auch beachtlichem Tiefgang – WT93. Den hatte ich schon oft, aber längst noch nicht oft genug im Glas.

Hoch spannend fand ich auch den 2012 Verve Chardonnay von Ocean Eight aus Australien. Schlank, sehr burgundisch, sehr gelungener Spagat aus Reife, Fülle und Frische, nussig, mineralisch und mit schöner Zitrusfrucht – WT93. Ein perfekter Probensprenger, würde ich blind nie nach Australien stecken.

Rot wurde es im dritten Flight. Und es blieb sehr spannend.

Der 2014 Labros von der Bodega Maranones aus der Gegend um Madrid war das wohltuende, absolute Gegenteil einer modernen, spanischen Wuchtbrumme. Auf kargen Granit- und Schieferböden wachsender Garnacha bringt hier einen sehr burgundischen, hoch eleganten Wein mit viel Erdbeere, Rosmarin, feinem Schmelz und heller Farbe hervor – WT92.

Kräftig, kernig, zu Anfang etwas ruppig der 2012 Domkapitel von Christian Tschida aus dem Burgenland, eine Cuvée aus Cabernet Franc und Zweigelt – Wt91+. Der hätte sicher mehr Zeit in der Karaffe und ein großes Burgunderglas verdient gehabt, um alles zu zeigen, was er drauf hat. Zwischen den beiden anderen Schmuseroten wirkte er wie ein Querkopf, was durchaus positiv zu verstehen ist.

Wunderbaren Trinkfluss brachte der J. Alberto von der Bodega Noemia aus Patagonien im rauen Süden Argentiniens. Alte, wurzelechte Malbec-Reben und 10% Merlot. Mit 14,5% Alkohol kein Leichtgewicht, dieser Wein, der aber sehr frisch mit geradezu kühler Frucht wirkt mit sehr schönen, reifen, weichen Tanninen, einfach spannend und alles andere als überladen – WT93.

Als (vorläufigen) Abschluss dieser Verkostung verwöhnte uns Hendrik Thoma noch mit einem 2010 Syrah Granite von Mullineux aus der Magnum. Klassische Nordrhone-Nase, rauchig, speckig, floral, Wildkräuter Veilchen, sehr feinduftig, am Gaumen schlank mit sehr guter Struktur. Dürfte gut altern und könnt mit den Jahren noch zulegen – WT93.

Wie es dann weiterging wenn durstige Düsseldorfer in Köln sind (Hendrik musste leider zeitig zurück nach Hamburg) mit Rayas & Co steht in diversen Wineterminator Facebook Posts.

Dringend ans Herz legen kann ich die regelmäßigen Wine am Limit Streams im Internet, die regelmäßig – und da unterscheiden sie sich vom amerikanischen Vorbild Wine Library TV des legendären Gary Vaynerchuck – zum mitmachen einladen. Das hier ist die dazugehörige Website.