Startseite

South Africa Calling

24mal habe ich auf Facebook unter „South Africa calling“ über eine einzigartige (Wein)Reise in ein einzigartiges, faszinierendes Land geposted. Hier jetzt, noch ohne Fotos, alle Posts, die ich in der nächsten Zeit überarbeiten und ergänzen werde. Zuletzt ergänzt am 8.12.16, aber da kommt noch mehr.

Vor zwei Jahren war ich zum ersten Mal in Südafrika. Unser spontanes Fazit: Das war der schönste Urlaub, den wir je gemacht haben. Da müssen wir wieder hin.

Jetzt war es soweit, die zweite Version dieser Reise, konzentriert wieder auf Garden Route und die Capelands.

Trotz des sehr langen Fluges, 11 ½ Stunden nonstop ab München, mit Umsteigen teilweise noch deutlich länger, hat Südafrika als Reiseziel einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Fernreisezielen. Es gibt Jetlag, da Südafrika praktisch in der gleichen Zeitzone liegt. Dazu kommt das Wetter der Südhalbkugel. Einfach auf unseren Monat 6 Monate drauf rechnen. Wenn bei uns schmuddelig-trüber November ist, dann haben die Südafrikaner Mai mit herrlichstem Frühjahrswetter und erster, sommerlicher Wärme.

South Africa calling #1
Noch nicht einmal abgeflogen haben wir bei Lufthansa schon die ersten drei südafrikanischen Weine im Glas. Sehr spannend der füllige 2013 3rd Time Lucky Viognier von Buitenverwachting mit feiner Kräutermischung und Apothekerlakritze (Bärendreck). Lust auf mehr machte auch der animierende 2015 Chenin Blanc von Allé Bleu aus Walker Bay.
Rot wurde es gleich noch besser. Der 2008 Klein Constantia Anwilka Cuvée aus 48% Syrah, 42% Cabernet Sauvigon und 10 % Merlot überzeugte mit genialer, würziger, fruchtiger Fülle, mit Veilchen und reifen Tanninen. Wenn dass die nächsten Tage so weiter geht..... Der im Vergleich getrunkene 2008 Dufort-Vivens aus Margaux wirkte dagegen wie der arme Vetter aus Dingsda. Viel Holz, wenig Frucht und noch weniger Freude – WT85.
Jetzt mach ich Schluss, sonst finde ich gleich das Gate nicht.

South Africa calling #2
Mit Winzer, Top-Sommelier und Wein-Universalgenie Jean Vincent Ridon, der unterhalb des Tafelbergs mit seinem Signal Hill Clos d'Oranje auf Basis von wurzelechten Reben einen Weltklasse Syrah produziert (nur 600 Flaschen, mehrfach verkostet), haben wir einen der rarsten Weine dieser Erde getrunken. Im Hof des Bizerca Bistros wächst eine der ältesten, wohl aus 1771 stammenden Reben. Und aus deren immer noch erstaunlichem Ertrag entstanden 2013 ganze 29 Flaschen dieses Weines, von dem wir die #23 tranken. Tiefes Goldgelb, Quitte, Gelbe Pflaumen, salzige Mineralität und gute Säure, wird immer nussiger. 
Was für ein Erlebnis!

Bistro und die Vinothek von Signal Hill liegen unweit der wuseligen Market Street im Heritage Square, 100 Short Market Street

Südafrika Calling #3
In Kapstadt spielt sich derzeit in der Weinszene eine Menge ab. 
Und trotzdem hat es uns nach Camps Bay gezogen, die Côte d'Azur Kapstadts. Traumstrände und traumhaftes Meer sind einfach Balsam für die deutsche Novemberseele. 

Von Kapstadt selbst ist Camps Bay nicht weit entfernt. Wir haben uns für zwei Tage ein Ticket der roten Hop On Hop Off Touri Busse gekauft. Die hielten nicht nur regelmäßig direkt vor unserem Hotel, dem The Bay, sondern auch praktisch überall sonst, wo wir hin wollten, sogar praktisch fast vor der Tür der Aubergine.
Und nicht, dass es in Camps Bay nichts zu trinken gäbe. Auf der Terrasse unseres Hotels gönnten wir uns zum kleinen Lunch eine Flasche Chardonnay, den 2014 Baroness Nadine von Rupert & Rothschild, der im Barrique ausgebaut war und trotz Präzision und guter Säure eher einen etwas internationalen Stil zeigte – WT91.

Nach ausgiebigen Strandspaziergängen saßen wir bei herrlichstem Abendhimmel mit atemberaubenden Blick auf Strand und Meer alleine draußen, weil es den gesammelten Weicheiern einfach zu kalt war
Für die innere Wärme sorgte bei sehr guter Küche auf der Terrasse des vorzüglichen Restaurants Blues zunächst ein 2014 Tokara Directors Reserve Blanc, eine sehr gelungene, nachhaltige Cuvée aus 69% Sauvignon Blanc und 31% Semillion, von der die Produzenten Bordelaiser Weißweine eine Menge lernen könnten.
Kleinod stand auf dem Etikett des 2013 Tamboerskloof Shiraz von Blauwwklippen, der mit seiner schwarzpfeffrigen, würzigen Art voll überzeugte.
Da träumen wir dann jetzt vom nächsten Tag.

South Africa Calling #4
Yes, we are happy like hell.
Wenn es einen Ort in Südafrika gibt, der die ganze Reise wert ist, dann diese Aubergine in Kapstadt. Absolut superb die Küche von Harald Bresselschmitt, die dankenswerterweise nicht jedem modischen Tupfertrend hinterher hechelt. Wie vom anderen Stern Afrikas mit Abstand beste Weinkarte mit enormer Jahrgangstiefe und reichlich spannenden Trouvaillen. Da fiel die Wahl schwer, denn jetzt hätten eigentlich mindestens 50 Weine sofort in mein Glas gehört.
Wir hatten das Glück, unseren wunderbaren Lunch mit frischem, weißem (!), südafrikanischem Spargel draußen auf der schönen Terrasse der Aubergine einnehmen zu dürfen. 
Dazu starteten wir mit einem genialen, sehr elegantem, südafrikanischen Bubbly aus Chardonnay und Pinot, der sich hinter vielen Champagnern nicht verstecken muss. 
Fantastisch bei unseren drei großen Weißen der 2013 Clos du Ciel, der sich locker mit großen Weißen aus Burgund messen kann.
Reif, klassisch, sehr nachhaltig der 1995 Pinotage von Grangehurst
Super-sympathisch das Service-Team mit dem sehr kenntnisreichen Sommelier.
Klares Fazit: da müssen wir bald wieder hin.

South Africa calling #5
Viecher gucken heißt es ab morgen. Früh aufstehen, nach Port Elisabeth fliegen und weiter nach Shamwari. Da wartet dann ein Ranger auf uns, der uns die Big 5 in freier Wildbahn zeigt. Klar hat der Ranger eine Knarre bei sich. Aber ob sich eine Löwenfamilie davon beeindrucken lässt, oder eine Horde wildgewordener Flusspferde?
Da haben wir uns heute abend im Blues in Camps Bay noch mal Mut angetrunken. Noch so jung aber so verdammt gut der 2016 Chardonnay von Creation. Rassige Säure, geniale Frucht, viel Feuerstein, nix Neue Welt, dass ist Burgund pur, Chapeau.
Der 2012 Tokara Directors Reserve Red war ein Crowd Pleaser erster Güte mit verschwenderischer, süßer Frucht und Fülle, long live the toasted American oak.
Und wenn es morgen doch ein Löwe auf mich abgesehen hat? Dann sprinte ich zu unsere Unterkunft. Da lade ich ihn dann zu einem großen Wein ein. Schließlich bin ich auch Löwe. Wir werden uns schon verstehen.

South Africa calling #6
Und was macht man, wenn gleich auf dem ersten Safari-Trip in Shamwari plötzlich ein ausgewachsener Löwe 2(!)m vor einem steht?
Anhalten, das Sundowner Buffet auspacken und den Löwen einladen. So einen feinen 2015 Simonsig Chenin Blanc mögen Löwen auch.

South Africa calling #7
Mal keine Flaschen heute, die reiche ich nach. Aber was wir heute auf der nächsten Safaritour aus nächster Nähe beibachten konnten, war spektakulär. Eine komplette Löwen Familie mit dem Big Chief, zwei Löwendamen und zwei putzigen, lebhaften Kleinen. Die hatten gerade eine frisch gejagte Antilope vertilgt und waren jetzt satt und friedlich.
Wohl nicht rangerraut hätten die sich an einen der mächtigen, verdammt aggressiven, afrikanischen Büffel, die uns danach über den Weg liefen. Vor denen nehmen auch Löwen reiß aus.

South Africa Calling #8
Abschied nehmen von Shamwari heißt es nun. Auf unserer Morgentour haben wir noch Leoparden gesehen, Büffel mit Jungen, eine Gruppe von vier halbstarken Rhinozeros, ein riesiges Flusspferd und vieles mehr. 
Und verdurstet sind wir hier auch nicht. Vier der interessantesten Weine auf den Bildern. Herausragend der 2010 FMC Chenin Blanc von Forrester, der alles in den Schatten stellte, was ich bisher als Chenin Blanc im Glas hatte. Wirkte in seiner ersten Reife sehr komplex und burgundisch. Sehr gut gefiel auch der 2014 Guardian Peak Lapa Cabernet Sauvignon mit Frische und großartiger Struktur. Erstaunlich elegant und fein der 2012 La Motte Syrah, während der 2013 Basson Pinotage etwas aufdringlich wirkte.
Nicht im Bild der ungewöhnliche 2011 Blaauklippen White Zinfandel, der eher etwas von einem Erdbeerwein hatte.
Euch allen einen schönen Sonntag aus Südafrika.

South Africa calling #9
Auf gehts zur Küste und dann die Garden Route rückwärts Richtung Kapstadt. Erster Stop im Surfers Paradise Jeffreys Bay in einem sehr charmanten Lokal namens Windows Kitchen mit frischem Seafood zum kaum zu glauben Preis. Dazu tranken wir aus der mit viel Verstand und gastfreundschaft aufgebauten Weinkarte einen großartigen, schlanken, puritischen 2014 Original Chenin Blanc Unwooded von Raats(WT91). Alle drei, das Lokal, das Essen und der Wein sind eine dringende Empfehlung, große Klasse für kleine Kohle.
Weiter ging es nach Plettenberg und dort natürlich auf das spektakulär auf einem Felsvorsprung gelegene The Plettenberg Hotel mit einem feinen Restaurant. Da ist natürlich etwas mehr "Kohle" gefragt, aber was für ein Haus!
Natürlich waren wir bei voll besetztem Restaurant wieder die einzigen zu perfekter Abendstimmung auf der Terrasse mit dem fantastischen Blick über die Plettenberg Bay. Großes Kino hier der 2014 Chenin Blanc Hope Margerite von Beaumont mit kraftvolle Fülle und langem Abgang (WT93). Burgund und Côte de Nuits pur danach der grandiose 2013 Hamilton Russel Pinot Noir (WT95).
Zwei herrliche Süßweine beendeten einen traumhaften Abend, der sehr feine, finessige 2011 Klein Constantia und der kräftigere, fülligere 2012 Mullineux Straw Wine, beide mit intensiver Süße auf WT93 Niveau und dankenswerter Weise per Glas ausgeschenkt.
Da freu ich mich doch richtig auf die nächsten Tage. Euch allen aus Südafrika eine schöne Woche.

South Africa Calling #10
Wir sind immer noch in Plettenberg, wo der Indische Ozean mit kristallklarem Wasser auf traumhafte Strände trifft. Auf einer herrlichen, verdammt anstrengenden, kraxeliegen Wanderung (Alkohol möchte schließlich verdunstet werden) durch das Robberg Natural Reserve haben wir Haie, Seeelefanten, Pinguine und reichlich lärmende Robben gesehen.
Anschließend waren wir im Lookout an einem der Plettenberger Strände. Was wie eine einfache Standbude aussah, hatte eine verdammt gute Küche mit Crayfishtails und Tuna. Und auf der Karte fanden wir sehr bezahlbar einen hervorragenden, sehr mineralischen, burgundischen 2014 Waterford Chardonnay Single Vineyard (WT93).
Plettenberg ist absolut ein Traum. Nur bitte nicht im Dezember und Januar, wenn erst die südafrikanischen Studenten ihre exterm heftige, alkohollastige Version von Spring Break feiern, und anschließend die vermögenden Familien des Landes zu den Sommerferien einfallen. Das ist dann wie Sylt im Juli/August, Bogen drum machen. Gilt leider für fast alle angesagten Orte am Meer.
Wir haben heute noch mal die Ruhe auf der Terrasse unseres Hotels genossen und weiter die Karte geplündert. Spektakulär der 2015 Hammilton Russel Pinot Noir aus diesem großartigen Südafrika-Jahrgang, ein Riese im Werden (WT94). Großes Kino der vom Shiraz dominierte 2005 Radford Dale Gravity, der aromatisch gut an die Côte Rotie passte und sich dort sicher nicht hinten anstellen müsste (WT96).
Drei feine, südafrikanische Ports haben wir danach noch probiert, wobei der 2010 Allesverloren einem guten Vintage Port an nächsten kam.
Und was mache ich morgen als allererstes? Die deutsche Wettervorhersage gucken. Da geht es einem hier gleich nochmal so gut.

South Africa Calling #11
Of the beaten track waren wir heute in den Bergen oberhalb von George. In gut 700m Höhe werden dort in den Outeniqua Mountains auf dem Weingut Herold Wines spannende Weine erzeugt, die so einzigartig sind, wie der Winzer selbst. Als Autodidakt hat Nico Fourie 2011 das vernachlässigte, verlassene Gut übernomnen und macht jetzt in der Höhe großartige Weine mit Zukunft. Ein Traum mit perfekter Struktur sein 2015er Pinot Noir, aber auch die anderen Weine sind die Reise in die Höhe wert. Wer die großen Namen von heute sucht (wo alle hin wollen) ist dort falsch. Aber für die großen Namen von Morgen ist man dort goldrichtig.

Gegönnt haben wir uns später auf der Terrasse des Plett noch zwei schöne Rote. Der 2012 HermanusPiertersfontein Swartzkap Cabernet Franc war schlichtweg der Hammer, so elegant, so druckvoll und vielschichtig, da kam der von viel Brett geprägte 2003 Vergelegen Estate nicht mit.

Morgen schleichen wir uns dann an die Weingegend an, mit erstem Stopp in Hermanus. Das dürfte spannend werden. Ich werde berichten.

South Africa Calling #12
Down to earth sind wir heute nach 3 genialen Plettenberg Nächten. Nach sehr langer, anstrengender Fahrt sind wir mit sehr empfehlenswertem Zwischenstopp im malerischen Zwellendamm in Hermanus gelandet. Das erste Haus am Platze, das Marines, stammt aus derselben Hotelfamilie wie das The Plett. Es liegt zwar wunderschön direkt am Meer, ist aber ein ziemlich alter, abgewohnte Kasten, der dringend abgerissen und neu gebaut gehört. Das nützt uns heute nichts. Wir haben im Hotel gegessen. Die Küche war erstaunlich gut. Der Weinservice eher etwas fürs Gruselkabinett, wofür die überforderten Mitarbeiter am wenigsten etwas können. Beim Weißwein lief noch alles glatt. Der 2015 Rocking Horse von Thorne&Daughters machte seinem Namen alle Ehre. Eine etwas wilde Cuvée aus Roussanne, Semillon, Chenin Blanc, Chardonnay und Clairette Blanche, die nach Luft und begleitendem Essen schrie - WT92.
Beim Rotwein kam dann beim dritten Versuch die richtige Flasche, ein eiskalter Pinot, den der ehrlich bemühte Kellner nach dem Probeschluck sofort in den Eiskühler tun wollte. Ich habe mir stattdessen eine Karaffe geben lassen, in der dieser junge Pinot die Luft bekam, sich zu öffnen und halbwegs eine vernünftige Trinktemperatur zu erreichen. Der 2015 Hamilton Russel Pinot Noir hatte Kraft, Fülle und erstaunliche Frühreife mit üppigen 14%. Ließ sich jetzt schon mit viel Vergnügen wegschlabbern - WT94. Aber ob der altern kann? Da hab ich meine Zweifel. Auch in Südafrika könnten irgendwann die kühleren Jahrgänge die besseren sein.
Ja, ich weiß. Ihr habt mir Tipps gegeben für Hermanus. Lemon Butta hab ich mir angesehen. Die Weinkarte, die gleich hinter den Desserts beginnt, hat mich ebenso wenig angemacht, wie die vom Harbour Rock. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Und der startet mit der sehr spannenden Verkostung zweier Klasse-Weingüter.
Gute Nacht and stay tuned.

South Africa Calling #13
Great outside sunshine breakfast right at the ocean in Hermanus. What a day!
Getting ready for Hemel-en-Aarde and a tasting with Peter-Allan Finlayson and Chris Alheit.
Stay tuned.

South Africa Calling #14
Großartige Verkostung auf Hemelrand mit Peter-Allan Finlayson und Chris Alheit. Faszinierend das Engagement dieser jungen Top-Winzer, die mit ihren Weinen in der südafrikanischen Weinszenr Maßstäbe setzen. Da gibt es sehr viel zu schreiben und zu berichten. Hier zunächst ein paar erste Eindrücke.
Peter machte den Anfang mit den Weinen seines Gutes Crystallum. Sehr präzise, rund mit schöner, klarer Frucht der 2015 Peter Max Pinot Noir. Noch etwas facettenreicher wirkte mit guter Tanninstruktur und viel Grip als Fassprobe der 2016 Peter Max, der mindestens die gleiche Qualität erreichen dürfte. Traumhaft schön und schon recht zugänglich aus einer 700m hohen Lage der neue 2015 Mabalel Pinot Noir, tiefgründig, komplex mit großartiger Struktur und Länge. Mindestens auf diesem hohen Niveau der frischere 2015 Pinot Noir Cuvée Cinema. Das ist seriöser, großer Wein, der aber sicher 5+ Jahre zur Entfaltung braucht. Der 2015 Agnes Chardonnay mit seiner sehr intensiven, fruchtigen Nase und der feinen Kräuternote macht jetzt schon viel Spaß. Der deutlich größerere 2015 Clay Shales Chardonnay zeigte enorme Kraft, Fülle, Länge und Tiefgang, braucht aber sicher noch 3-4 Jahre.
Chris Alheit stellte uns seine herausragende Palette kompromissloser Chenin Blancs vor. Sicher mindestens auf dem Niveau des herausragenden 2014ers ist der 2015 Cartology, sehr komplex, kräuterig, mit toller Struktur und Substanz ohne irgendwie schwer zu sein. Von den ultrararen, am Vortag abgefüllten(!) Einzellagen Chenin Blancs faszinierte mich am meisten der 2016 Magnetic Norte Mountain Magstok, ein schlichtweg irres Geschoss. Sehr attraktiv der 2016 Lazarus, vielleicht nicht ganz so dramatisch wie in den Vorjahren, mit Extraktsüße und salziger Mineralität. Einen dicken, reifen Weinbergpfirsich hatten wir mit dem 2016 La Colline im Glas, der zusätzlich 15% Semillon Gris enthielt.
Peter stellt danach noch die ersten drei Weine der neuen Landscape Serie von Gabrielskloof vor, die für den Jahrgang 2015 sechs Weine umfassen wird, darunter einen hoch spannenden Cabernet Franc mit riesigem Potential.
Hat mich schwer beeindruckt, was uns hier gezeigt wurde. Großen Dank an die beiden und natürlich an den deutschen Importeur Hendrik Thoma (Wein am Limit), der mir diese Verkostung ermöglicht hat.
Noch mehr dazu und weiteren Weinen nach meiner Rückkehr auf wineterminator.com

South Africa Calling #15.
Diese Geschichte ist einfach zu schön: ein Wein vom Liebhaben zum Liebhaben. 
Als Assistant Winemaker ist Franco Laurence zu Chris Alheit gekommen, mit der Chance, dort gleichzeitig auch seinen eigenen Wein zu machen. Und diese Chance nutzt er. 2015 Lindi Carien ist sein Erstlingswerk, ein Verdelho aus einem 32 Jahre alten Rebberg in Stellenbosch. Spontan vergoren, ungeschönt und ungefiltert lag dieser Wein 6 Monate auf der Maische und wurde in 7-8 Jahre alten Fässern ausgebaut. Fülliger als die portugiesischen Vorbilder, mit floraler Nase und sehr nachhaltig. 720 Flaschen gibt es davon. Mit dem Erlös möchte er den Verlobungsring für seine Freundin Lindi Carien kaufen. 
Laurence Family Wines wird sein Weingut heißen. Mit dem, was er hier als Meisterschüler in Chris Alheits Hexenküche lernt, sicher ein Name, den man sich merken sollte.
Längst kein Geheimtipp mehr ist Creation, ein mustergültiges Weingut, das in Hemel-en-Aarde ein Pflichtbesuch ist. Großartige Chardonnays und Pinots erzeugt der gebürtige Schweizer Jean Claude Martin hier. Statt eines Tasting Rooms gibt es hier ein hochklassiges Restaurant, in dem die Weine aus mundgeblasenen Riedel Gläsern probiert werden, einfach irre. Der Perfektionist Jean Claude hat das Wein machen unter anderem bei Gantenbein gelernt, bevor er vor über 10 Jahren hier dieses einmalige Gut aufbaute, das auch optisch ein absoluter Hochgenuss ist. Unbedingte Empfehlung!
Mich hat bei unserem diesjährigen Besuch vor allem ein hervorragender 2014 Merlot Reserve beeindruckt, der einen perfekten Piraten für eine Pomerol-Probe abgeben könnte.

South Africa Calling #16 
Ins malerische Franschhoek hat es uns jetzt verschlagen, mitten ins Herz der südafrikanischen Winelands. Wir waren gespannt, wie ein Flitzebogen. Das Reisebüro hatte darauf bestanden, dass wir eine Nacht im brandneuen Leeu Estates verbringen, das der indische Milliardär Singh ursprünglich für sich selbst errichten ließ. Einfach ein Traum, dieses mit erlesener Kunst vollgestopfte Hotel, in dem praktischerweise auch der für Hotelgäste jederzeit zugängliche, exklusive Tasting Room des südafrikanischen Top-Weingutes Mullineux ist. Kein Wunder, hat sich doch dieser Herr Singh mit 30% an Mullineux beteiligt. In Deutschland gibt es diese ziemlich raren Weine übrigens bei Hendrik Thoma, wo auch sonst.
Den Abend verbrachten wir im jetzt ebenfalls zu Leeu Estates gehörenden Tasting Room in Franschhoek, das zu den besten Restaurants Südafrikas gehört. Fröhlich und alles andere als steif wurde hier ein einfach saugutes 8-Gang Menü serviert, das eigentlich ein 16Gänger war, denn wir bekamen stets unterschiedliche Gerichte. Dazu entschieden wir uns statt Weinbegleitung für zwei spannende Mullineux Weine, die eigentlich aus den Swartlands von alten Bush Vines kommen. Der 2014 Granite Chenin Blanc war kräftig mit genialer Struktur, sehr guter Mineralität und guter Säure. Baute enorm im Glas aus und wurde immer länger - WT94. Ganz großes Kino auch der sehr rare 2013 Iron Shiraz, bei dem der Name Programm ist. Einfach irre, diese vom eisenhaltigen Boden geprägte Mineralität dieses pfeffrig-würzigen, unglaublich druckvollen Und komplexen Shiraz - WT95+. Die kommen beide in meinen Keller, sofern der liebe Hendrik noch hat und mich lässt.
Jetzt sitzen wir staunend mit dem ersten Kaffee auf unserer Terrasse, lassen den Blick durch dieses herrliche Tal schweifen und überlegen, was wir heute so anstellen werden.
Es bleibt spannend. Stay tuned.

South Africa Calling #17
Einer meiner Lieblingsplätze in Südafrika ist und bleibt das Weingut Stark-Condé im traumhaft schönen Jonkershoek Valley. Hier mitten im See auf der asiatischen Insel die Weine verkosten oder im Postpark Café bei dieser irren Aussicht den Mund nicht mehr zu zu kriegen, das hat einfach was.
Mein Favorit unter den sehr gelungenen Weinen ist der Top Wein Three Pines Cabernet Sauvignon, den wir hier aus 2014 als Flasche #3894 von 6501 im Glas haben. Großes, balanciertes Cabernet-Kino für mal gerade etwa € 20, bei dem man sich schon fragt, warum zuhause soviel Bordeaux im Keller liegen.

South Africa Calling #18
Pichon Comtesse auf Südafrikanisch stand auf unserem Programm. 2007 hatte die inzwischen 91jährige und immer noch so vitale Madame May Eliane de Lencquesaing Chateau Pichon Comtesse verkauft, das sie ab Ende der Siebziger mit Legenden wie 1982 zu neuer Blüte geführt hatte. Aber sie hatte wohl die brutale, französische Erbschaftssteuer im Blick, die eine Weiterführung des Gutes im Familienbesitz unmöglich gemacht hätte.
Bereits 2003 hatte sie in weiser Voraussicht in Stellenbosch das 120ha große Glenelly Estate gekauft. Dort wurden 2004 die ersten Rebberge bepflanzt. Heute stehen 66ha unter Reben. Später entstand dann ein weithin sichtbares, modernes Weingutsgebäude mit modernster Kellertechnik. Mit dem Jahrgang 2008 wurden die ersten Weine abgefüllt. 
Markenzeichen von Glenelley ist ein Rhinozeros, auf dem eine junge Lady mit einem Glas Wein reitet. Es soll für die drei Elemente Power, Balance und Eleganz stehen. Und diese drei Elemente fanden sich auch in den Weinen wieder, die wir zusammen mit dem Winemaker im schnieken, sehr stylischen VIP Tasting Room verkosten durften.
Im Gegensatz zu Bordeaux werden hier viele Rebsorten auch einzeln ausgebaut. So hatten wir aus dem Jahrgang 2014 Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon und einen sehr spannenden Cabernet Franc im Glas.
Top Wein des Gutes ist Lady May, als Cuvée aus 85% Cabernet Sauvignon, 10% Petit Verdot und 5 % Merlot, den wir als gerade erst freigegebenen 2011er im Glas hatten. Und bei diesem 2011 Lady May kam sie wieder durch, die Comtesse, mit Eleganz, cremiger Textur und feinem Schmelz, aber auch enormer Substanz - WT94.
Dieses Gut sollte man im Auge behalten.
Euch allen aus Südafrika einen schönen Sonntag.

South Africa Calling #19
Was würde ich darum geben, wenn ich den deutschen November mit diesem geilen, frühmorgendlichen Blick von unserer Terrasse verschönern könnte.
Wir sind in Tulbagh gelandet, einem gottverlassenen, malerischen Ort in einem fruchtbaren Tal voller Weinberge und prächtiger Bergkulisse. Unbedingt zum Seelebaumelnlassen zu empfehlen.
Gleich geht es weiter in die Swartlands zu Weinlegende Eben Sadie.
Ich werde natürlich ausführlich berichten, also "stay tuned".
Euch allen eine schöne Woche.

South Africa Calling #20

Zu den spannensten Momenten meiner Südafrikareise gehörte der Besuch bei Callie Louw auf dem Porseleinberg. Der heißt so, weil hier früher Kaolin für die Porzellanproduktion abgebaut wurde. War nicht so leicht zu finden. Callie Louw, zusammen mit seinen Kumpels Eben Sadie und Adie Badenhorst Teil der Swartland Revolution, erzeugt hier einen einzigartigen Wein. Der Porseleinberg Syrah entsteht aus biologisch bewirtschafteten Rebanlagen, wird nicht entrappt in Betoneiern und großen, alten Holzfudern spontan vergoren. Mit minimalem Schwefeleinsatz entsteht ein spannender Wein, der kein neues Holz sieht. Klar hat der die pfeffrige Würze eines großen Syrah, bleibt dabei aber bei aller Nachhaltigkeit so elegant und stimmig, fast filigran, aber mit toller Länge. Die großartigen, noch nicht abgefüllten 2014 und 2015 durfte ich mit Callie Louw probieren. 6000 Flaschen wird es vom 2014er geben, 10.000 Flaschen vom 2015er. Der Import für Deutschland erfolgt über CWD. Über die hab ich mir nach meiner Rückkehr den 2013er besorgt, der mindestens 2 Stunden in der Karaffe brauchte, um dann locker auf WT94+ Niveau zu brillieren. Ein großer Wein gemacht für lange Jahre.

Die Porseleinberg Syrahs sind so individuell wie Callie Louw selbst. Der hat mir auch sein Schmuckstück gezeigt, eine Heidelberger Druckmaschine aus den 40ern, mit der er seine unverwechselbaren Etiketten selber druckt.

Hin und weg waren wir am Nachmittag dieses Tages auch von den über 3 Stunden bei und mit der südafrikanischen Winzerlegende Eben Sadie. Detailliert erklärte er uns in Weinberg und Keller seine zum Teil recht radikale, aber konsquente Philosophie, die allerdings Orange Wines nach mehrjährigen Versuchen bewußt nicht mehr einschließt. Das alles schreit nach einem umfassenden Artikel.
In Ebens Privathaus verkosteten wir anschließend in großen Schlucken den großartigen Jahrgang 2015. Nur die noch nicht abgefüllten 2015 Signatur Wines Columella und Palladius waren deshalb aus 2014. Letztere waren ein Traum, aber mein absoluter Favorit war der 2015 Skurfberg Chenin Blanc aus einem in 800m hoch gelegenen Mountain Vineyard mit über 90 Jahre alten Reben. A true wine to kill for. Liegt inzwischen in meinem Keller.
Lucky Germany can buy those wines direct from Sadie importer Hendrik Thoma or from places like Lobenberg and Kölner Weinkeller. In South Africa they are very hard to find.
Also muss ich schleunigst zurück und zuhause bestellen. Hab mich schon mal nach Ruderbooten umgesehen, denn Lufthansa wird ja wohl wieder bestreikt, und in Geiselhaft nehmen lass ich mich von keiner Gewerkschaft, egal wie berechtigt deren Anliegen auch sein mag.
Kleiner Tipp (hab ich leider nicht befolgt): die besten Verbindungen, extrem zuverlässig und schnell zu von Deutschland aus günstigen Konditionen gibt es bei British Airways. Wird wohl endlich Zeit, ich meine eigenen Tipps befolge.

South Africa Calling #21 
Fast Südsee Feeling am Strand von Paternoster. Die wilde Westküste Südafrikas zeigt sich heute hochsommerlich handzahm mit türkisem Meer.
Da müsste man jetzt einen frischen Riesling zu trinken. Und den gibt es auf der Karte des Voorstrand Restaurants. Ausgesprochen lecker der 2016 Groote Post Riesling von den ebenfalls an der Westküste gelegenen Darling Hills. Traubige Frische, feiner Pfirsich, angenehm süffige 12,5%. Geht doch!
Ist übrigens nicht der einzige Riesling auf unserer Route. Südafrika ist Chenin Blanc Land, und das soll ruhig so bleiben. Aber so wie wir nach Südafrika reisen, kommen deren Winzer zu uns. Und kriegen natürlich immer mehr Lust auf die Königsdisziplin der Weißweine.
Chris Alheit z.B. hat in einer 1200m hohen, kargen und steinigen Lage Riesling angepflanzt. Und das sicher nicht, weil er die Blätter der Reben so schön findet. Ich freu mich drauf!

Ab Mitte November beginnt in Paternoster die Langusten-Saison. Riesenviecher zu kleinen Preisen und natürlich topfrisch. Was da mittags auf den Teller kommt, hat morgens noch selber geangelt.

South Africa Calling #22
Klar war ich da drin. Ob ich das ernst meine, so die Chefin unseres Guest Houses Abalone in Paternoster, als ich nach einem Badetuch für den Strand fragte. Das Wasser des Atlantik habe hier mal gerade 10 Grad. Aber das konnte mich als bekennenden Sylter nicht erschüttern. Einfach rein und genießen. Genial wars.
Weniger genial war zum Abendessen bei spektakulärem Abendhimmel der 2015 Chenin Blanc Secateur von Badenhorst, von dem wir uns deutlich mehr versprochen hatten. Der war cremig, offen, aber auch ziemlich flach. Wo der seine 4 Platter Sterne her hat, bleibt wie bei so vielen Platter Bewertungen unergründlich. Bei denen scheinen inzwischen 4 von 5 Sternen das Minimum für halbwegs trinkbare Weine zu sein. Trotzdem habe ich mir die 2017er Version dieses von den Weinbewertungen her ziemlich unbrauchbaren Führers gekauft. Warum? Der ist einfach für die Reiseplanung unerlässlich mit exakten Daten, sogar Mobilnummern und Geo-Koordinaten zu jedem Weingut.
Und dann war da gestern noch dieser 2013 Galpin Peak Pinot Noir von Bouchard Finlayson. Die rauchige Nase zeigte, dass der Winzer da wohl etwas auf dem "Holzweg" war. Glättete sich mit der Zeit etwas im Glas, blieb aber für einen eleganten Pinot zu alkoholreich (14%) und heftig. Das macht der Sohn von Bouchard Winzer Peter Finlayson bei Crystallum besser.

South Africa Calling #23
Und das Beste kommt zum Schluss. Für unseren Rückflug sind wir in Kapstadt gelandet. Und wie vor zwei Jahren haben wir den gleichen Fehler gemacht, in die Touristenfalle Belthasar in der Waterfront. Einfach nur übel. Das Belthasar an der Waterfront rühmt sich der weltgrößten Karte offener Weine. Aber Masse ersetzt keine fehlende Klasse. Ich hätte gerne als Abschluss noch mal was richtig Spannendes getrunken, doch war von den fünf hier angeblich arbeitenden Sommeliers keiner da. So nahmen wir den besten Wein der normalen Karte, einen 2013 Carthology. Der zeigte sich absolut fruchtlos und hatte aus dieser Flasche wohl einen deutlichen Fehler, passte aber damit gut zu unserem weitgehend geschmacklosen Essen. Was man im Belthasar gut kann, ist sitzen und auf den Hafen gucken. Aber dafür reicht auch ein Kaffee.
Um so mehr habe ich dann in unserem Hotel gestaunt, dem Cape Grace. An der Bar konnte ich außer dem spannenden 2013 Andreas einen immer noch so vitalen 1998 Shiraz von Graham Beck probieren. Traumhaft schön, aber es sollte noch besser kommen .
Schlichtweg ein Traum, diese Weinkarte. Palladius von Eben Sadie war immer groß, aber so ganz hat er sich mir nie erschlossen. Hier konnten wir jetzt den 2007 Palladius trinken. Was für ein unglaublicher Wein, bei dem jeder Schluck Lust auf den nächsten machte. Der helle Wahnsinn. Ich habe bei WT94 Angefangen und bei WT97 aufgehört. Wer von Euch hat den noch? Tausche gerne.
Und dann war da noch dieser fruchtsüsse, schmelzige, elegante Vilafonte 2009 Series C, so eine Art Araujo Eisele aus Südafrika. Die sehr umfassende Weinkarte des Cape Grace enthält auch eine größere Auswahl reiferer Südafrikaner aus den 90ern zu sehr wohlfeilen Preisen.
Ich hätte hier weiter machen und 4 Wochen Vollpension buchen können, aber morgen früh geht leider der Flieger.
Mal sehen, was Lufthansa da so als Abschiedsdrink anbietet.

South Africa Calling - #24 Final Call

Hier hätte ich noch viel länger bleiben können, in diesem wunderbaren Land mit seinen so liebenswerten Menschen. Aber jetzt geht es mit Lufthansa zurück.
Als letztes Stück Südafrika habe ich jetzt die beiden Weine im Glas, die der liebe Markus del Monego für Lufthansa ausgesucht hat und die ich jetzt in 11.000 m Höhe im Glas habe.
Da wäre zunächst der sehr gelungene 2015 Life from Stone Sauvignon Blanc von den Springfield Estates, der von kargen, sehr steinigen Böden stammt. Ich bin kein Fan dieser Rebsorte, aber in dieser puristischen Form mit Grapefruit und leicht unreifer Stachelbeere, mit intensiver Mineralität, Feuerstein und rassiger Säure ist das ein genialer Tropfen. Völlig Südafrika-untypisch dagegen der von deutlich getoastetem Barrique geprägte, beerig-süße, auch etwas schokoladige 2011 The Bernard Small Barrel SMV von Bellingham. Ein modern gemachter, durchaus verdammt leckerer Crowd Pleaser, der von überall her kommen könnte. Südafrikas Top-Winzer gehen komplett vom Barrique weg und bauen in Zement und in großen, alten Stückfässern aus. Deren Stil ist das nicht mehr.
Zurück in Düsseldorf werde ich meine South Africa Calls zusammenfassen und noch deutlich ergänzen. Von meinem Freund Sebastian Beaumont und dem gleichnamigen Weingut muss ich noch berichten. Ausgiebig haben wird dort zusammen mit David Trafford aus diversen Fässern und Flaschen nicht nur den angesagten Chenin Blanc Hope Margerite probiert, sondern auch Sebastians heimliche Liebe Mouvèdre. Beaumont liegt neben dem Hemel-en Aarde Valley in Botrivier, wo auch ein weiteres meiner Lieblingsweingüter beheimatet ist, Luddite. Sensationelle Weine mit großartigem Preis-/Leistungsverhältnis. Der 2009 Luddite Shiraz war überragend. 2009 war in Südafrika ein großartiges Jahr. 2015 gilt als der legitime Nachfolger. Wer den richtig guten 2007 Luddite Shiraz trinken möchte, muss übrigens nicht nach Südafrika fliegen. Den gibt es zu freundlichem Kurs in Geisel´s Vinothek in München.
Unbedingt einen Besuch wert ist auch das etwas versteckt gelegene De Trafford bei Stellenbosch, wo es aus dem Riesenjahr 2009 noch den göttlichen 393 Elevation Blend und den nicht viel schlechteren 393 Elevation Shiraz anbietet.
Ein Erlebnis war der Besuch auf dem Porseleinberg, wo ich mit dem begnadeten Winemaker Callie Louw den ultrararen Porseleinberg Shiraz aus 2014 und 2015 probieren durfte. Shiraz vom Allerfeinsten, minimalistisch ohne Barrique ausgebaut und einfach nur saugut.
Und natürlich war ich auch auf "dem Franz seinem Weingut". Lammershoek, direkt neben Sadie gelegen, war unter dem sehr kreativen Winemaker und Natural Wine Freak Craig Hawkins auf einer sehr innovativen Schiene, bevor der Franz (Beckenbauer) das Gut mit zwei weiteren, deutschen Investoren übernahm. Jetzt sind die Weine nicht mehr so innovativ, aber doch sehr gut. 
Zu all diesen und anderen Highlights demnächst auf www.wineterminator.com mehr.

Und dann natürlich auch noch ein paar völlig unmaßgebliche Reisetipps von mir. Hier der Vorschuss:

- erst lesen, dann fahren. Es gibt eine Vielzahl mehr oder weniger brauchbarer Südafrika-Reiseführer. Mir hat mit Abstand am besten das Reise Know How Südafrika von Christine Philipp gefallen. Ist im September 2016 in der 10.(!) Auflage im Verlag Grundmann erschienen erschienen und enthält auf 768 Seiten reichlich top-aktuelle Tipps


- selber fahren nur, wenn Sie in England studiert haben, und Linksverkehr aus dem ff beherrschen. Ich habe mir, was nicht viel teurer ist, wieder ein Auto mit Fahrer geleistet. Da gilt dann statt "don't drink and drive" eben "enjoy your wine and be driven". Entsetzt war ich auch von der inzwischen unglaublichen Anzahl an stationären und mobilen Radarkontrollen. Wer da nicht höllisch aufpasst und z.B. Genüsslich die Garden Route durchbrettert, zahlt hinterher soviel wie für ein Upgrade von Holzklasse auf First Class


- Dezember und Januar meiden. Nicht gewußt, dass die Südafrikaner dann Sommerferien haben? Da ist alles voll und teuer. Gilt natürlich nicht für die Leute, die zwischen Mitte Juli und Mitte August nach Sylt fahren, und Masse kombiniert mit hohen Preisen lieben


- Vorher überlegen, ob statt der überall angepriesenen Garden Route nicht lieber noch ein paar mehr Tage Winegarden Route gut tun. Die Garden Route ist für mich zwischen Plettenberg und Hermanus wg endloser, unspannender Fahrerei eher eine Gähn-Route


- Die Westküste nicht vergessen. Paternoster z.B am Atlantik ist ein Traum. Erinnert von Strand und Stimmung her an Sylt


Das wärs fürs erste. Danke fürs mitlesen. Freue mich auf Eure Tipps nicht nur für meine nächste SA Reise. Ich muss jetzt erstmal dringend nach Piemont, ins Dourotal, an die Mosel.....
Herzliche Grüße von über den Wolken

South Africa Calling -ich kann's nicht lassen.
So richtig angefixt haben mich Südafrika und seine Weine. Deshalb gleich noch mal schnell nach der Zwischenlandung in München bei Lufthansa in die Gläser geguckt. Einen 2013 Chateau du Breuil aus Bordeaux gab es da. Eigentlich hätte der grün sein müssen, denn grün, herb und bitter schmeckte er. Vielleicht war er nur rot, weil er sich für diese miserable Performance schämte. Erinnerte gut an die Horror Show der 2013er Verkostung der Union des Grands Crus de Bordeaux zur Prowein. Es gibt auch ein paar gute 2013er aus Bordeaux, aber der hier gehört nicht dazu. Ganz anders der 2013 La Motte Pierneef Cuvée Shiraz und Viognier aus Südafrika. Der hatte die pfeffrige Würze eines guten Shiraz, aber auch florale Elemente undd feine, rote Frucht, war insgesamt so stimmig und balanciert, der machte einfach soviel Lust auf mehr, dass ich fast den Anschlussflug verpasst hätte. 
Der nächste Tag, in Düsseldorf in der Casa Mattoni, einem vorzüglichen "Italiener". Da gibt außer einer großen Auswahl italienischer Weine inzwischen auch reichlich deutsche Rieslinge, vor allem Molitor und Van Volxem. Da haben wir uns als ersten Wein den grandiosen 2015 Volz GG von Van Volxem genehmigt, meine Lieblingslage von Van Volxem, schon immer ein großes Gewächs und jetzt steht es endlich drauf. Aber eigentlich hatte ich Christian Tesan auf die Frage, was ich trinken möchte, geantwortet, ich möchte was aus Südafrika. Nein hieß es, da habe er nur eine einzige Flasche, einen 2009 (!) Vergelegen Cabernet Sauvignon Reserve. Na bitte, geht doch. Der war richtig gut, ging als gut (an)gereifter Bordeaux durch mit Schwarzer Johannisbeere, Pflaume, Zedernholz, einem Hauch Minze und viel Tabak. Schade, dass wir uns den zu viert geteilt haben. Ich musste um jeden Schluck kämpfen.