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Traumhafter Weinlunch mit Wilhelm Weil

Es war einer der Höhepunkte dieses wunderbaren Weinwochenendes mit Jan-Erik Paulson im Kronenschlösschen in Hattenheim. Wilhelm Wein, in der vierten Generation Chef des Weingutes Robert Wein gab sich die Ehre und verwöhnte uns zu einem feinen Lunch mit großartigen Weinen.

Quasi als Einstieg gab es aus Magnums eine Momentaufnahme des noch längst nicht komplett entwickelten Jahrgangs 1913. Klosterberg und Turmberg werden bei Weil als Erste Lage geführt, obwohl sie von der Lagenqualifikation her durchaus als Großes Gewächs verkauft werden dürften. Aber man bleibt der jahrzentelangen Tradition des Hauses treu und bietet nur den Gräfenberg als GG an.

Der 2013 Kiedericher Klosterberg von eisenhaltigen Böden war sehr finessig und mineralisch – WT92+. Der 2013 Kiedricher Turmberg von Grauem Schiefer zeigte sich fülliger, kräftiger, dichter, obwohl er sonst der schlankere, asketischere Wein ist – WT92+. Aber hier zeigt sich halt die Bedeutung des Begriffes Momentaufnahme. Wilhelm wein war selbst erstaunt, denn eigentlich präsentieren sich beide Weine genau anders herum. Eleganz pur das so perfekt balancierte, sehr stimmige 2013 Kiedricher Gräfenberg GG mit grandioser Zukunft. Unglaublich, wie hier am Gaumen mit gewaltiger Länge die Post abging – WT95+.

Weiter ging es mit drei Weinen aus kühleren Jahren, alle drei ebenfalls aus der Magnum. Wilhelm Wein ist inzwischen großer Fan der Coll Climate Idea und sieht dies als neuen Trend. Die Weine reifen besser als in den üppigeren, warmen Jahren, werden nicht breit und behalten ihre schlanke Struktur. Paradebeispiel hierfür und perfektes Ebenbild eines großen, gereiften GG´s war das 2004 Gräfenberg GG mit sehr heller Farbe, absolut stimmig mit genialer Strutur, wunderbarer Mineralik und großartiger Länge – WT97. Das 2008 Gräfenberg GG zeigte deutlich mehr Fülle und auch eine etwas tiefere Farbe als 2004, aber auch da waren Frische, Komplexität und Länge, dazu eine im positiven Sinne schlanke Strutur – WT95. Geradezu jugendliches Musterbeispiel eines im Moment schon richtig geil zu trinkenden Cool Climate Weines war das noch taufrische, perfekt strukturierte 2010 Gräfenberg GG mit toller Säure und einer Mega-Zukunft – WT95+.

Wie perfekt solche Weine altern können, zeigte eindrucksvoll ein 1953 GräfenbergCabinet. Dieser spontan vergohrene Wein war zwar damals mit 13g Restzucker stehen geblieben und damit „off dry“, wirkte aber jetzt absolut trocken. Tiefes, brilliantes Goldgelb, traumhafte Balance aus Frucht, immer noch guter Säure und Mineralität, so lang und immer noch frisch am Gaumen, geizige WT96.

Und damit kamen wir zum absoluten Höhepunkt, nicht nur dieser Verkostung, sondern wohl auch des gesamten Wochenendes. Die 1921 Kiedricher Berg Auslese Wachstum Dr. Weil hatte 1999 auf der Christies Raritätenversteigerung mit DM 20.000 den höchsten Preis für eine Flasche Weißwein des 20. Jahrhunderts erzielt. Der damalige, amerikanische Erwerber hatte den Wein auf dem Gut gelassen und ihn dort ein halbes Jahr später mit Freuden, Freunden und Gutsmitarbeitern innerhalb eines Rahmenprogramms anderer Raritäten getrunken. Dirk Würtz, damals Winemaker bei Weil, hatte mir noch am Vormittag mit leuchtenden Augen von diesem großartigen Erlebnis erzählt.

Jetzt hatten wir dieses einmalige Erlebnis und die dazugehörigen, leuchtenden Augen. Acht Flaschen gab es vor unserem Lunch noch auf dem Gute. Jetzt sind es nur noch sieben.

Nur die güldene Farbe zeigte das Alter dieses faszinierenden Weines, ein balancierter Traum mit erstaunlicher Frische und Leichtigkeit, ein perfekter Marillenlikör mit faszinierender Leichtigkeit – WT100.

Deutlich zeigte dieser Wein auch, dass eine Auslese sicher so gut altern kann wie eine BA oder TBA, ohne deren oft sättigende Dicke und Süße zu haben.

Mit drei jüngeren Auslesen schloss unsere Verkostung. Eine feine Honognase hatte die 2004 Kiedricher Gräfenberg Auslese, so elegant, so jung, so finessig mit perfektem Süße-/Säurespiel – WT95+. Jahrgangstypisch deutlich mehr Fülle, Reife und Opulenz zeigte die auch etwas korpulent wirkende, sehr süße 2007 Kiedericher Gräfenberg Auslese – WT94. Fans edelsüßer Wuchtbrummen geben sicher deutlich mehr. Sehr süß wirkte auch die 2001 Kiedricher Gräfenberg Auslese Goldkapsel, doch hatte sich in diesem infantilen Stadium die Süße über die durchaus vorhandene, gute Säure gelegt und diese überdeckt. Hier sind bei aller süßer Fülle auch Eleganz und Rasse. Mich erinnerte dieser Wein an den jungen 2001 d´Yquem. Da sind jetzt 20+ Jahre Warten angesagt, dann wächst da eine WT97+ Legende heran.

Eine großartige Probe war das, die vom sehr sympathischen Wilhem Weil mit großer Kenntnis und viel Engagement geleitet wurde. Und natürlich kommt kein Winzer davon, ohne eine Aussage zum aktuellen Jahr 2016 zu treffen, dass ja mit soviel Wasser von oben und der heftigen Plage falscher Mehltau so übel angefangen hatte. Aber der perfekte Spätsommer und Herbst hat hier bei Weil nicht nur die Ernte gerettet. Natürlich lässt sich über die Qualität des Jahrgangs noch keine definitive Aussage treffen. Schließlich wollen die gerade geernteten goldgelben Beeren (einige hängen auch noch) ja erst noch Wein werden. Aber zwei Aussagen lassen doch einen weiteren, großen Jahrgang erwarten. Die Erntemenge lag über 2015 und die Qualität des Lesegutes lag sicher nicht unter 2015.