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Vollgas mit R und RR

Er gilt als einer der Pioniere des trockenen Rieslings in Deutschland, dieser Bernd Philippi. Mit seinen legendären R und RR Weinen aus der Lage Kallstadter Saumagen hat er Weingeschichte geschrieben.

Uwe Bende präsentierte uns in einer wohl einmaligen Probe alle verfügbaren R und RR und zeigte dabei eindrucksvoll die Klasse und die Langlebigkeit dieser Weine. Und mit Franzi Schmitt und Dominik Sona waren auch die Philippi Nachfolger bei dieser Probe mit dabei.

Viel diskutiert wurden Uwe Bendes eigene Bewertungen, die er auf Facebook eingestellt hat.

Dazu hier drei wichtige Dinge, die eigentlich für jede meiner Probenbeschreibungen gelten:

1. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Den puristischen Stil der Koehler-Ruprecht Weine kann man mögen und nicht mögen. Unbestritten bleibt aber die hoe Qualität

2. Jede Probe ist eine, auf einen bestimmten Zeitpunkt fixierte Momentaufnahme. Weine präsentieren sich nicht immer gleich.

3. Wichtig ist die vorherige Lagerung der Weine. Da bei einer solchen Vertikale selten alle Weine aus ein und demselben Keller stammen, können sich auch hierdurch Unterschiede ergeben

Nehmen Sie deshalb meine Notizen nur als durchaus diskussionswürdige Anhaltspunkte, die auch nicht im Entferntesten den Anspruch auf Unfehlbarkeit stellen.

Sehr füllig mit reifem Goldgelb, Trockenfrüchte satt, rund, reif und gute Säure die 1998 Kallstadter Saumagen Auslese trocken – WT93.

Noch sehr jung, rassig, mineralisch, mit Zitrusfrüchten, Grapefruit und sicher noch grandioser Zukunft die 2001 Kallstadter Saumagen Spätlese trocken R, die noch zulegen kann – WT95+.

Ein klassischer 2006er die 2006 Kallstadter Saumagen Auslese trocken, bei der selbst dem guten Bernd Philippi wohl ein paar Boytritis-Trauben durchgerutscht sind. Wirkt füllig mit Honignoten und etwas unausgewogen – WT90.

Jede Suche wert dieser geniale 2009 Kallstadter Saumagen Kabinett trocken, der für einen Kabinett nicht nur eine erstaunliche, fruchtige Fülle zeigt, sondern auch enorme Kraft, viel aromatischen Druck und das alles mit erstaunlicher Finesse – WT93.

Zu jung wohl noch die 2009 Kallstadter Saumagen Auslese trocken, die zwar eine beeindruckende Länge zeigt, aber derzeit mit cremiger Fülle etwas süßlicher und derzeit leicht unausgewogener wirkt als der Kabi, aber das wird sich in ein paar Jahren geben – WT91+.

Und dann hieß es im nächsten Dreierflight: Anschnallen! Hier kamen mit 2001 R und 2004 R zwei unsterbliche Riesen, die heute schon mit der Perfektion flirten und sich über lange Jahre weiterentwickeln werden. Beide bewerben sich zurecht als legitime Nachfolger des legendären 1990 R.

Noch so blutjung die 2001 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R, glockenklare, puristische Frucht, messerscharfe Präzision, intensive, kalkige Mineralität, einfach stimmig von der Nase bis zum sehr langen Abgang – WT98+. Natürlich sind da die WT100 in Sicht.

Auch die 2004 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R zeigte sich in ähnlicher, bestechender Form, sehr komplex, burgundisch mit staffer, kalkiger Mineralität und noch einen Hauch jünger und verschlossener als 2001 – WT97+.

Uwe Bende hat beiden Weinen 100 Punkte gegeben. Das ist nachvollziehbar, wenn man – wie Z.B. bei Parker üblich – das Potential in die Bewertung mit einbezieht. Ich begnüge mich mit der Bewertung des Jetzt-Zustandes. Das ‚+’ heißt dann, dass hier mit den Jahren noch mehr kommt. Beide Weine haben sicher noch eine 20jährige Entwicklung vor sich. So schön und interessant eine solche Probe ist, wer solche Giganten richtig erleben möchte, trinkt davon zu zweit über mehrere Stunden eine Flasche und stellt dann voller Staunen fest, wie mit der Zeit aus dem Traum-Riesling ein Traum-Burgunder wird.

Nicht mit kam da die 2005 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R. Die wirkte auf hohem Niveau etwas korpulent mit deutlich weniger Struktur – WT92.

Als unsterblicher Riese zeigte sich die 1990 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R. Trotz aller Reife war die noch so frisch, so harmonisch ohne jedes Petrol und baute mit Temperatur einfach irre im Glas aus – WT99.

Mit Rasse, Klasse, Druck und Länge punktete die 1996 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R, bei der zur intensiven Mineralität noch die knackige 96er Säure kam – WT97.

Kork hatte leider die 1997 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R. Ich hab mein Glas trotzdem geleert, ganz nach dem Motto „Kork rausblasen und dann runter damit“. Ohne Kork ist das sicher ein Wein auf WT96+ Niveau, der etwas weniger Säure als 96 zeigt, dafür mehr Schmelz und Fülle.

Eine traumhafte Frucht hatte die 1998 Kallstadter Saumagen Spätlese trocken R, dabei eine leichte Exotik in der Nase. Sehr balanciert und elegant mit guter Säure, lang am Gaumen – WT96.

Die 1998 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R zeigte gegenüber der Spätlese etwas mehr Reife und Fülle, und wirkte insgesamt sehr elegant und harmonisch – WT97.

Die 2007 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R hatte mir zuviel fruchtige Fülle und wirkte zu Anfang verdammt üppig, entwickelte sich aber im Glas und wurde balancierter – WT95.

Ziemlich daneben die – dafür berüchtigte - 2007 Kallstadter Saumagen Auslese trocken RR mit fauligen Noten. Da habe ich mir eine Bewertung erspart.

Ein noch viel zu junger Traumwein, Bernd Philippis letztes Meisterstück, die 2008 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R, wiederum aus einem kühleren Jahr, was diesen Weinen sehr zu Gute kommt. Extrem spannend mit irrer Mineralität und Präzision, erst ganz am Anfang, könnte sich in 5-10 Jahren gut neben 2001 und 2004 einordnen – WT96+.

Die 2009 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R zeigte sich als eine Art 2007er mit mehr Rasse, Spannung und Säure. Auch das ein Mörderwein, der noch 5-10 Jahre oder sogar mehr weggelegt gehört – WT94+.

Die 2009 Kallstadter Saumagen Auslese trocken RR setzte auf den R noch mal deutlich eins drauf, aber auch hier gehört Phantasie dazu, die wahre Größe dieses Weines heute schon zu erfassen – WT95+. Beide Weine, 2009 R und RR, landen irgendwann mal zwischen WT97 und WT99. Bleibt zu hoffen, dass die verfügbaren Flaschen nicht alle in die Hände der Kameraden fallen, die als bekennende Etikettentrinker auch reihenweise viel zu junge G-Maxe vernichten.

Nicht sonderlich beeindruckt hat mich aus dem anschließenden Offenausschank der 2011 Kallstadter Saumagen Kabinett trocken. Der war natürlich noch zu jung, aber auch schlank, verhalten und mit wenig Druck – WT87. Der 2012 Kallstadter Saumagen Kabinett trocken hatte von allem etwas mehr, war aber auch nicht in der Liga der anderen, großen Kabinette, die wir an diesem Abend hatten. – WT89.

Das änderte sich schlagartig mit dem 2014 Kallstadter Saumagen Kabinett trocken. Da war ich (es ging auf Mitternacht zu) plötzlich wieder hellwach. Der war so spannend, so packend, so mineralisch mit präziser Frucht. Das war eine Liga mit 2009, nur halt jünger und noch nach Lagerung schreiend – WT90+. Das setzte sich mit der hochklassigen 2014 Kallstadter Saumagen Spätlese trocken fort. Auch das ein hoch spannender Wein mit kräuterig-lakritziger Nase, der straffen, kalkigen Mineralität der Lage und der knackigen 14er Säure – WT93+. Noch mal deutlich drüber die erst im September auf den Markt kommende 2014 Kallstadter Saumagen Auslese trocken, ein Riese im Werden – WT94+.

Zwei Dinge zeigte der 14er Jahrgang, der mich schon auf der Prowein sehr beeindruckt hat, sehr deutlich. Der Kallstater Saumagen braucht die etwas kühleren, klassischeren Jahrgänge mit ihrer rassigen Säure. Und das neue Dream Team aus Franzi Schmitt und Dominik Sona hat seinen Weg gefunden. Damit dürfte die von Bernd Philippi begründete Erfogsstory großer, trockener Rieslinge aus dem Kallstadter Saumagen weitergehen.