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August 2016

Was für ein Abend

Wir schrieben den ersten August und der liebe Sascha hatte Geburtstag und ist 1972 geboren. Was, "aus 1972 jibbet nix?", so ein Quatsch, man muss nur richtig suchen. Das hab ich vor zwei Jahren schon mal spontan gemacht, mit überraschendem Erfolg.

1972 ist und bleibt ein schwieriges Weinjahr. Aber es gibt immer ein paar Tipps, wo man doch suchen kann. Burgund ist so ein Kandidat, wo sich in fast jedem Jahrgang etwas Trinkbares finden lässt. Die Rhone ebenfalls, überraschend immer wieder Chateau Musar aus dem Libanon. Meine gesammelten 72er Verkostungsnotizen stehen hier.

Sehr schön der reife 1972 Hermitage von der Union Viticole aus Tain l´Hermitage, also einer Winzergenossenschaft. Tiefes Rotbraun, leicht süßlich, aber nicht unangenehm die an Sherry Amontillado erinnernde Nase, am Gaumen absolut trocken, rauchig, schöne Fülle, etwas Aptheker-Lakritze, viel Druck, trank sich einfach gut – WT92. Ein burgundischer Traum, sehr elegant und finessig mit pikanter, himbeeriger Frucht der 1972 Clos de Tart aus der Monopollage von Mommessin, perfekt balanciert mit guter Säure – WT95. Am Tisch lagen die Bewertungen teilweise noch höher. Sehr angetan waren wir auch von 1972 Latour. Das war ein großer, klassischer Latour ohne jedes Alter. In der Nase immer noch etwas Frucht, aber auch Waldboden und Trüffel, am Gaumen mineralisch, erdig, mit enormer Kraft und Länge. Baute nicht ab, sondern zeigte in Glas und Karaffe eine erstaunliche Entwicklung und wurde immer kräftiger und druckvoller – WT94. Da spielt in guten Flaschen wie dieser die Musik sicher noch länger.

Nicht verkehrt hier in der Casa Mattoni auch das Rahmenprogramm, startend mit dem super-eleganten Finessenmeister 1999 Taittinger Comtes de Champagne. Der war noch sehr jung mit sehr gutem Mousseux, präziser Zitrusfrucht, kalkiger Mineralität und frischem Brioche. Würde mich nicht wundern, wenn der mit den Jahren noch etwas zulegt – WT94. Ein sehr dichtes, kräftiges, konzentrierten Potentialmonster war als Abschluss der 1997 Barolo Sperss von Gaja, der vor allem mit dem unglaubliche Druck am Gaumen überzeugte und sicher lich noch deutlich zulegen dürfte - WT96+.