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Dezember 2016

Warmtrinken bei Toni

Wie heißt Düsseldorfs bestes Wein Bistro? D'Vine. Und wie heißt Düsseldorfs Wein-affinste Gastro-Nase? Toni Askitis. Und was macht man da? Natürlich Wein genießen, begleitet von einer fantastischen, sehr aromatischen Küche.

In kleinem Kreise hatten wir uns dort spontan am Vorabend unserer gigantischen Magnum Best Bottle zum „Warmtrinken" getroffen.

Und was hatten wir im Glas? Los ging es mit einer wunderschönen 1983 Wiltinger Kupp Auslese von Hubert Schmitz (das ehemalige Gut Graf Hoensbroch). Noch so frisch und balanciert mit feiner Frucht und Mineralität, Bienenwachs, gute Säure, ein animierender Start in den Abend – WT94. Furztrocken die 1989 Monzinger Halenberg Spätlese trocken von Anheuser mit frischer Frucht, guter Säure, leicht salziger Mineralität und für schlappe 10,5% Alkohol erstaunlichem Extrakt – WT90. Einfach Weltklasse der rassige, stoffige 1999 Schlossberg von Breuer mit unglaublicher Strahlkraft, absolut trocken mit reifer, gelber Frucht und hoher Mineralität, wie aus einem Stück gemeißelt – WT97. Und dann dieser großartige 1961 Certan de May, der nicht nur in der Farbe immer noch so jung wirkte. Klar war dieses Gut nie ein weichgespülter Schmusepomerol. Eher etwas auf der kernigen, leicht rustikalen Seite mit glockenklarer Frucht, schöner Süße und verhaltener Schokolade. Leicht trockene Tannine verhindern einen Jahrhundertwein – WT96. Noch so taufrisch wirkte der 1978 Volnay Santenots 1er Cru aus der Collection Bellenum des Maison Roche de Bellene. Filigrane, präsente Frucht, feine rote Beeren, soviel Spiel und Eleganz, entwickelte sich eorm im Glas und hat noch eine große Zukunft – WT93. Grosse Überraschung der unglaublich druckvolle 2004 Pinot Noir Unique von Donatsch. Martin Donatsch hatte mir noch gesagt, dass das nicht sein bester Jahrgang gewesen sei, er ihn aber lange nicht mehr im Glas hatte. Für mich stzte der auf eine vor zwei Wochen getrunkene 2005er Magnum noch eins drauf. Ein wunderbarer Pinot, der mit Süße, Fülle, Kraft und Struktur überzeugte – WT95. Da sollte der liebe Martin vielleicht mal wieder in seinen Keller steigen. Aus Tonis Geburtsjahr hatte ich noch einen 1979 Chateau Margauxt mitgebracht, der sich wieder von seiner allerbesten Seite zeigte. Aus einer perfekt gelagerten OHK war das Margaux pur, die klassische Eisenfaust im Samthandschuh mit betörender Frucht, so feinduftig und elegant, ein Margaux zum Knutschen – WT96. Und was schmeckt wie eine großartige Pichon Comtesse, die nur einen Bruchteil des Originals kostet und von einem anderen Erdteil kommt? Das ist 2010 Lady May, der Top Wein von Glenelly aus Südfarika. Die ehemalige Pichon Comtesse Besitzerin May-Eliane de Lencquesaing hatte 2003 in weiser Voraussicht bei Stellenbosch dieses Glenelly Estate gekauft, 2004 komplett bepflanzt und 2008, ein Jahr nach dem Comtesse-Verkauf, hier den ersten Wein erzeugt. Der zu Anfang etwas kompakte, maskuline 2010er hat sich inzwischen prächtig entwickelt. Eine echte Comtesse aus Südafrika mit dem Charme und dem Schmelz des Originals – WT94. Und dann öffnete Toni zum Schluss noch die viel zu junge D-Vine Designer-Edition der 2015 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken** von Markus Molitor. Klar war das noch ein Weinbaby, aber mit fantastischen Anlagen. Auch jetzt in der jugendlichen Fruchtphase schon ein Hochgenuss – WT93+.

Ein genialer Abend mit einem genialen Wirt in einem genialen Lokal.