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Juni 2016

Chapoutier-Lunch im D´Vine

Spannender Chapoutier-Lunch bei und mit Toni Askitis im D'Vine. Der deutsche Importeur R&U zeigte zu wunderbarer D'Vine Küche eine kleine Auswahl der Weine dieses, heute von Michele Chapoutier geführten Gutes, das 250 Hektar Rebfläche in unterschiedlichen Appellationen sein eigen nennt und seit 1990 für Biodynamie zertifiziert ist.
Als Apero starteten wir mit dem sehr preiswerten, aber nicht sonderlich komplexen, frischen 2014 La Ciboise Blanc aus Côte du Luberon (WT86).
Spannender wurde es mit dem 2014 Condrieu Invitare, der aus 100% Viognier besteht und auf Schieferböden wächst. Erinnerte in seiner blumig, floralen Art an eine große, blühende Blumenwiese mit feiner Mineralität, guter Säure und erwas Fruchtsüß -WT90. Deutlich kräftiger der 2014 Hermitage Blanc Chante Alouette aus 100% Marsanne, der zu Anfang etwas verhalten und leicht oxidativ mit Trockenfrüchten mir markanter Bitternote im Abgang wirkte. Dessen Stunde schlug mit mehr Luft zum Essen. Baute dann enorm aus und ist sicher der langlebigere Wein - WT91.
Sehr elegant und eher auf der fruchtigen Seite der 2013 Côte Rotie Les Bécasses mit viel Veilchen und Lakritz - WT91. Erstaunlich schlank auch der ohne Holz in Beton ausgebaute 2014 Chateauneuf-du-Pape La Bernardine mit feiner Würze, Kräutern und Lakritz, der sich schon voll trinkreif zeigte und mit den üblichen Wuchtbrummen der Region wenig gemein hat - WT92.
Aus Wineterminators Keller gab es dann noch zwei ältere Semester. Leicht morbid wirkte zumindest zu Anfang der 1961 Chateauneuf-du-Pape. Sehr hell und reif die Farbe, in der Nase mehr Soya als Frucht, am Gaumen der Spagat zwischen Oxidation und fruchtiger Süße. Nur starb dieser Wein nicht, sondern entwickelte sich im Glas, auch die Nase wurde süßer - WT87. Sehr kraftvoll und altersfrei der Auftritt des 1973 abgefüllten Chateauneuf-du-Pape Barbe Rac, der sich sehr gut im Glas entwickelte und noch eine längere Zukunft haben dürfte. Ein spannender, vielschichtiger Wein, der mit Eukalyptus in der Nase etwas an Kalifornier aus den 70ern erinnerte - WT94.

Noch ein Wort zur Küche des D'Vine. Wer länger nicht da war, sollte unbedingt mal wieder hin. Das, was Murat, der neue Küchenchef, auf den Teller bringt, isst sich verdammt gut.

Gregor in Town

Wenn der liebe Gregor es mal nach Düsseldorf schafft - den Abend vorher hatte er mit dem geilen Konzert von Cold Play verbracht, für mich blieb nur der Lunch - dann gehört auch was Anständiges ins Glas. Perfekt der Molitor Start, die 2008 Zeltinger Sonnenuhr Auslese trocken**. Das war ein begnadeter Langstreckenläufer, sehr mineralisch, präzise, fein und im positiven Sinne schlank, wird sich gut zwei Jahrzehnte entwickeln und in ein paar Jahren deutlich mehr zeigen – WT92+. Die rassige, animierende 2012 Saarburger Rausch Auslese trocken ** zeigte deutlich mehr und war mit mehr Fülle an diesem Tag der größere Wein – WT94+. Bei 1986 Far Niente Cabernet Sauvignon aus der Magnum lag der liebe Gregor mit seiner Vermutung, das sei 82 Gruaud, aromatisch nicht daneben. Ein großartiger, klassischer Bordeaux aus Kalifornien, der im Glas zu immer neuen Höhen strebte. Perfekter vorläufiger Abschluss ein rassig-mineralischer 2014 Scharzhofberger Kabinett von Egon Müller. Warum der soviel kostet wie damals die Spätlesen? Weil er soviel Trinkfluss ins Glas bringt wie früher die Auslesen. Ein großartiger Wein mit perfektem Süße-/Säurespiel – WT93.
Eigentlich wäre der Lunch jetzt zu Ende gewesen, aber das Abendgewitter war noch zwei Stunden weg und die Stimmung vom Feinsten. Also kam noch ein prächtiger 2012 Nova Domus von Terlan mit Kraft und Fülle ins Glas. Und danach als finaler Höhepunkt (es donnerte schon) meine Van Volxem Lieblingslage, dieser traumhaft schöne 2014 Volz, der die Filigranität der Saar geschickt mit aromatischer Fülle verband – WT93.
Come back, dear Gregor.

2014 Gantenbein Pinot Noir

Spektakulär an einem Sonntagabend nicht nur der atemberaubend schöne Sonnenuntergang auf der Terrasse des Landhauses Mönchenwerth. Nicht minder spektakulär dazu der 2014 Gantenbein Pinot Noir, der an diesem Abend seine Premiere in meinem Glas feierte. Traumhaft die verführerische, feinduftige Nase mit verschwenderischer Beerenfrucht, der Gaumen so stimmig, so elegant mit enormem Tiefgang und auch gewaltigem, gut verpacktem Druck. Das ist großer Pinot Noir mit enormer Zukunft. Erinnert mich etwas an den gelungenen 2006, der sich jetzt nach 10 Jahren immer noch so kräftig und jugendlich zeigt, aber der hier hat noch mehr Potential. Eindrucksvoll zeigt dieser 2014er, wie die Gantenbeins beharrlich und erfolgreich ihr Ziel verfolgen, irgendwann zum Vorbild ihrer burgundischen Vorbilder zu werden. Es fällt schwer, da jetzt in dieser jugendlichen Fruchtphase davon zu bleiben. Schließlich hatten wir gut und gerne WT96 im Glas. So landete bei uns auch spontan eine zweite Flasche auf dem Tisch. Seine volle Blüte wird dieser große Pinot, der sich zwischendrin möglicherweise aber noch mal etwas verschließen wird, aber erst in gut 10 Jahren erreichen. Wohl dem, der davon hat.

Quer durch die Müller-Karte

Wer sündigen möchte, ist bei Jörg Müller gut aufgehoben. Sündigen fällt hier nicht schwer, bei der riesengroßen Weinkarte. Und sündigen fällt leicht, da die Preise trinkfreundlich sind. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass ganz schön heftig gesündigt wird. So an diesem traumhaften Abend auf der JM Terrasse.

Mit einem sehr schönen 2002 Blanc de Blancs von Bruno Paillard starteten wir. Der war schlank, mineralisch, präzise und animierend – WT93. Großes Riesling-Kino danach der 2008 CO von Battenfeld-Spanier, ein atemberaubender Riesling mit kühler, präziser Frucht und immensem Druck am Gaumen, der gerade erst anfängt, sich zu entfalten – WT96+. Dürfte sich über lange Jahre weiter entwickeln und noch zulegen.

Absolut betörerend unser erster Roter, die 1989 Pichon Comtesse, mit süßer Frucht, feinem Schmelz, seidiger Eleganz und großartiger Struktur, einfach Comtesse pur mit genügend Substanz und Rückgrat für noch lange Jahre– WT96. Auf gleichem Niveau 1999 Ridge Monte Bello, der zwar reife,kalifornische Kirschfrucht zeigte, jede Menge Kraft und gute Fülle, von der Struktur her ohne kalifornische Üppigkeit eher als Pauillac durchging – WT96. Mit diesen beiden Riesen kam der 1996 Pesquera Gran Reserva nicht mit. Der wirkte etwas rustikal und kernig, sehr reif und gut 10-20 Jahre älter wirkend mit leicht staubiger Eleganz – WT90.

Und geht einer unserer Freunde, der Obersünder, hin und öffnet aus Jörg Müllers unergründlichem Keller den legendären, außerweltlichen 1990 Lafleur, noch dazu aus der Magnum. Atemberaubend mit dieser klassisch lakritzig-kräuterigen, irre druckvollen Lafleur Aromatik. Kein Schmuse-Pomerol, ein kerniger, eigenständiger, riesengroßer Wein. Bei diesem 90er, der noch nicht annähernd voll reif ist, zeigen die Kräuter schon etwas leicht kandiertes, am Gaumen und im Abgang hört dieses Monument nicht mehr auf.
Einfach der helle Wahnsinn, WT100 ohne wenn und aber. 

Nach diesem Monument ging eigentlich nur noch ein großer Champagner. Der 1990 Taittinger Comtes de Champagne war trotz tiefem Goldgelb noch so frisch mit tollem Mousseux, mit Kraft, Fülle, Tiefgang, Länge und jede Menge Charm – WT97.

Spannende Weine in der Alten Friesenstube

In diesem schönen, reetgedeckten Haus, gleich bei Jörg Müller um die Ecke, hat Sebastian Arend, langjähriger Sommelier der Vogelkoje, seine Zukunft gefunden. Und da Wein seine Leidenschaft ist, setzt er hier auch mit der Weinkarte Akzente.

Sofort fielen mir natürlich die beiden 2005er von St. Antony auf. Die mussten natürlich in unsere Gläser. Das war schon genial, was wir hier gut gereift, aber immer noch so jung ins Glas bekamen. Sehr mineralisch, aber auch offen mit süßer, schmelziger Frucht und guter Struktur der 2005 Pettenthal - WT94. Eher maskulin, sehr kräuterig und leicht lakritzig, sehr druckvoll, lang und groß der 2005 Hipping - WT95.

Ein Wiedersehen danach mit dem zwischen 93 und 97 häufig und gerne getrunkenen Domaine de Chevalier Blanc. Jetzt war der zwar in der Nase gezehrt, zeigte aber am Gaumen noch erstaunliche, buttrige Fülle und gute Frucht – WT87.

Und dann bekam ich noch Probeschlücke von einem spannenden 2007er Quartett, mit dem drinnen (wir saßen draußen im wunderschönen Garten) ein paar Weinfreunde zauberten. Der schon häufiger getrunkene Riesling Alte Reben 150 Tage von Wittmann aus der VDP-Versteigerung war sehr fein, mineralisch, feine Kräuternoten, noch so jung wirkend mit viel Druck und Potential – WT96. Ziemlich daneben 2016 auf Uwe Bendes großer Saumagen Vertikale die – für Fehltöne berüchtigte - Kallstadter Saumagen Auslese trocken RR mit fauligen Noten. Damals habe ich mir eine Bewertung erspart. Der Bessere, aber auch nicht ganz fehlerfrei war dieser Wein hier. Üppig, fruchtig, füllig, mineralisch, kräuterig, lang – WT94. Nicht auszudenken, wie so etwas aus einer der wenigen, richtig guten Flaschen schmecken müsste. Der 2007 GMax von Keller war elegant mit feiner, süßer Frucht und enormer Substanz, baute im Glas zwar enorm aus, aber hätte wohl noch die halbe Nacht gebraucht, um alles zu zeigen – WT95+. Klarer Sieger dieses Quartetts war der grandiose 2007 CO von Battenfeld-Spanier, der sie mit seiner Komplexität, seinem Tiefgang, seiner kräftigen, sehr druckvollen Aromatik und seiner gewaltigen Länge alle platt machte – WT97.

Interessant dabei vielleicht, dass dieser Wein mal gerade 87 Parkerpunkte hat. Warum? Weil der CO als Langstreckenläufer angelegt ist und Zeit zur Entwicklung braucht. Parkers damaligem Riesling-Schreiberling, David Schildknecht, fehlten 2009 sowohl Geduld als auch Phantasie. Soviel zur Allmacht und Unfehlbarkeit der Weingötter.