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Mai 2016

Bluefin Tuna

Zu einem wunderbaren, feinen Menü waren wir eingeladen. Höhepunkt ein sensationelles Tartar vom Bluefin Tuna mit Guacamole.

Dazu musste natürlich auch was Großes ins Glas. Durch Zufall trafen drei große Chardonnays aus 2009 in unseren Gläsern aufeinander. So kam es zu einem kleinen, spannenden Chardonnay Gipfel. Sehr finessig, elegant, mineralisch mit präziser Struktur der 2009 Bienvenue Batard Montrachet von Louis Carillon, ein großer, noch so frischer, junger Burgunder mit viel Zukunft - WT95. Viel Luft brauchte der 2009 Monteverro Chardonnay, der sich dann im Glas perfekt entfaltete. Enorm druckvoll, mineralisch mit gewaltiger Länge am Gaumen, wurde dabei immer eleganter und feiner mit cremiger Textur. Als Chardonnay eine Art perfekter Spagat zwischen Alter und Neuer Welt mit hohem Suchtfaktor - WT96. Etwas verloren stand zwischen diesen beiden Boliden der 2009 Tiglat Chardonnay von Velich, gelbfruchtig mit deutlicher Säure, aber wenig Charme und Druck. Dieser seinerzeit vom Falstaff mit 97 Punkten bewertete Wein schien nicht in bester Form - WT92.

Ein breitschultriger Chambertin Clos de Bèze von Raphet überzeugte danach mit mit beeriger Frucht, mit Fülle, Kraft, Schmelz, Süße und Länge – WT94. Höhepunkt des Abends aber wieder einmal der schier unglaubliche 1982 Talbot, der sich wieder in absoluter Bestform zeigte. Das war einfach wieder Cabernet pur, so stimmig von der Nase bis zum sehr langen Abgang, wie schon ein paar Wochen vorher auf Rainer Kalteneckers großer Bordeauxprobe. Einfach ein großer, klassischer Medoc – WT97.

Trilogia Festival

Pfingsten ist nun mal das Wochenende der Feste. Zumindest für all die, die nicht irgendwo auf der Autbahn im stau stehen. Wir hatten prominenten Besuch aus Griechenland zu Gast. Christos Kokkalis, der als Winzer die Weinlegende Trilogia geschaffen hat, besuchte mal wieder seine alte Heimat. Da lag es nahe, ganz spontan in kleiner Runde im Marli ein feines Trilogia-Festival zu feiern. Natürlich war unser Ehrengrieche Toni Askitis mit dabei. Und Urgestein Franz Josef Schorn, der den Trilogia seines Freundes Christos seinerzeit in Deutschland salonfähig gemacht hatte, verwöhnte uns mit einem feinen Menü.#

Tief hatten wir alle in den Kellern gegraben. Christos Kokkalis selbst brachte eine Flasche des 1995 Trilogia mit. Ganze 1500 Flaschen gab es seinerzeit von diesem Erstlingsjahrgang. Christos selbst hielt den wein nicht mehr für trinkbar. Hatte der doch die letzten 20 Jahre nicht in Wineterminators Eiskeller, sondern bei viel zu hohen Temperaturen auf dem weingut in Griechenland gelegen. Aber diese Skepsis war unbegründet. Klar war dieser Trilogia reif, aber die Farbe war trotz deutlicher Reifetöne noch sehr dicht. Die Nase erinnerte mit Mokka- und Kaffenoten an einen gereiften Burgunder. Mit feiner Süße am Gaumen war da noch jede Menge Trinkspaß – WT90. Schon enorm, das Standvermögen dieses Weines. Jetzt weiß ich, dass ich mir in den nächsten Jahren um die Zwillingsflasche, die seit ewigen Zeiten unberührt in meinem Keller liegt, keine Sorgen machen muss. Die hebe ich auf für eine komplette Trilogia-Vertikale, die wir sicher demnächst einmal längerfristig geplant als Best Bottle machen werden.

Und dann dieser irre 1997 Trilogia mit der geilen Nase eines gereiften Heitz Martha´s Vineyard, diese einmalige Mischung aus Minze, Coca Cola und Eukalyptus, am Gaumen mit reichlich Kraft, Schmelz und Fülle – WT94. Parallel dazu tranken wir diesen 1997 Trilogia neben dieser reiferen 1tel noch aus der Magnum. Da war er bei ähnlicher Aromatik noch deutlich frischer, feiner und druckvoller – WT95. Ein großer Heitz für Schlaue mit Potential ohne Ende.

Mit den Jahrgängen 1997, 1998 und 1999 hatte das junge Gut einfach einen traumhaften Lauf. Der wohl unkaputtbare 1998 Trilogia zeigte sich aus einer perfekt gelagerten Magnum in bestechender Form, noch fast blutjung wirkend, eine Cassis-Oper vom Allerfeinsten mit der hedonistischen Süße der amerikanischen Eiche, aber nicht plump, sondern mit der Struktur eines großen Bordeaux – WT96. Nicht weit davon entfernt, ebenfalls aus perfekter Magnum, der 1999 Trilogia, der als modernere, jüngere Variante des 97ers durchging, ebenfalls noch frisch mit wohldosierter Üppigkeit, feiner Süße und einem betörenden Hauch Exotik – WT95.

Nie wirklich gut war der 2001 Trilogia, der damals hätte deklassiert werden müssen. Aus dieser Flasche hier zeigte sich der bisher immer eher als weicher, leckerer Zweitwein geltende 2001er schon verdammt reif mit deutlich oxidativen Noten – WT88. Auf hohem Niveau etwas harmlos zeigte sich der minzige 2002 Trilogia – WT93. Kenne ich deutlich besser, Zwei Magnums dieses Weines waren im letzten Jahr noch so frisch und einfach sexy auf WT95 Niveau.

Nicht dabei leider der gut gelungene, hedonistische 2003er. Dafür hatten wir jetzt den Langstreckenläufer 2004 Trilogia im Glas, der inzwischen erste Reife zeigte, dazu eine enorme Kraft, süße Fülle (die amerikanische Eiche ließ wieder grüßen) und viel Eukalyptus und Minze – WT94. Aus etwas besser gelagerten Flaschen hat dieser Wein noch eine enorme Zukunft. Und eben diese Zukunft hat auch 2005 Trilogia, der lange brauchte, um sich aus seinem Tanningerüst zu schälen, aber längst noch nicht alles zeigt. Ein Feiner, minziger, eleganter Wein, sehr druckvoll am Gaumen und mit der Sexyness eines Mouton – WT94+.

Und dann hatten wir mit 2008 Trilogia so eine Art moderne Wiedergeburt des 1998ers im Glas. Was für ein genialer Wein, so jung, so vielschichtig mit wunderbarer Frucht, dazu viel Minze, etwas Eukalyptus, weißer Pfeffer und reife, grüne Paprika, immer noch strammes Tanningerüst und Zukunft ohne Ende – WT95+. Als perfekter Zwilling dieses Weines wirkte der 2009 Trilogia wie der neue 1999er, etwas offener als 2008, minziger mit traumhafter Frucht, aber auch noch längst nicht alles zeigend – WT94+. 2014 im D´Vine war das der Knaller. Der Andi aus der Schweiz war spontan bei „nünenünzg“, ich ließ es für dieses Meisterstück erstmal bei WT96 bewenden. Dieses Niveau wird sicher auch der momentan noch etwas zu junge, mit seinen strammen Tanninen etwas bissige 2011 Trilogia erreichen. Heute waren das „nur“ WT92+.

Christos Kokkalis hat sein Weingut mangels Nachfolger leider an das 2001 gegründete Weingut Biblia Chora verkauft. Als eine Art „Domänendirektor“ kümmert er sich immer noch um die Weinberge. Die Trauben werden jetzt nach der Ernte nach Nordgriechenland transportiert und auf dem Gut der neuen Besitzer vinifiziert. Es bleibt abzuwarten, ob Christos legendärer Qualitätsstandard erhalten bleibt.

Für mich gilt: ich werde gnadenlos zuschlagen, wo immer ich gut gelagerte Trilogias aus der Zeit von Christods Kokkalis entdecke.

Swiss Fine Wine Lunches

Die Schweiz ist teuer? Na klar, der Franken steht ja auch verdammt hoch. Und trotzdem kann Wine&Dine in der Schweiz spannend und auch finanziell erträglich sein. Weil es hier Restaurants mit klug aufgebauten und gastfreundlich kalkulierten Weinkarten gibt. Und weil man in diesen Restaurants natürlich auch Schweizer Weine zu erträglichen Preisen findet. Das deutsche Restaurant, in dem man einen 2010 Gantenbein Pinot für SFr 110 = € 100 findet, möchte ich erst mal sehen. In zwei vorzügliche dieser Schweizer Restaurant-Trouvaillen führte mich der Monat Mai wieder.

Den Anfang machte die Traube in Trimbach, eines meiner Schweizer Lieblingslokale. Absolut großartig die Küche von Arno Sgier, den der Gault Millau seit Jahren für mich völlig unbegreiflich bei 17 Punkten „verhungern“ lässt. Wir haben wieder das große Amuse Bouche Menü gegessen, das schlichtweg begeisternd war. Die Weinkarte gehört zu den besten, die ich kenne mit sehr akzeptablen Preisen. Sie findet sich stets topaktuell auf der Internetpräsenz des Hauses. Da empfehle ich weinfreaks dringend ein vorheriges intensives Studium. Denn wenn Sie erst im Restaurant anfangen, die sicher über 1200 Positionen zu studieren, werden Sie nach längerer Zeit feststellen, dass Sie immer noch nichts im Glas haben und Ihre Begleiterin längst gegangen ist.

Ja, wir haben noch mal zugeschlagen und uns die wohl letzte Flasche des atemberaubenden 2002 Meursault Perrières von Coche-Dury gegönnt. Das war ein finessiger, nachhaltiger, sehr mineralischer Traum mit nur dezent spürbarem Holz, messerscharfer Präzision und ewigem Abgang – WT98. Und natürlich konnten wir auch nicht am sehr spannenden 1992 Nuits-St.-Georges von der Domaine Leroy vorbei, einem facettenreichen, tiefgründigen Wein, der sich unglaublich im Glas entwickelte und dabei mit stärker hervortretender Frucht immer jünger wurde, einfach groß – WT96. Durchaus auf Augenhöhe damit war anschließend aus der halben Flasche der immer noch so taufrisch wirkende 2004 Gantenbein Pinot Noir, den ich in seiner Jugend wohl deutlich unterschätzt habe. Zeigt sich jetzt in bester burgundischer Art mit seidiger Eleganz, feinem, generösem Schmelz und unendlicher Länge – WT96. Da dürfte wohl auch der aus 2006 Gantenbein Pinot Noir irgendwann hinkommen, den wir zum Schluss noch (für uns) blind und leider undekantiert mit Arno Sgier verkosten durften. Der zeigte sich zu Anfang rustikal, kräftig, mehr Rhone und Burgund, und brauchte lange, um sich halbwegs zu entfalten. Ein Gantenbein mit prächtigen Anlagen und noch großem Potential – WT94+.

Wunderbar gesessen haben wir ein paar Tage später auch auf der Terrasse auf der Terrasse des Hotels Bad Bubendorf. Das Sternelokal des Hauses war zwar zur Mittagszeit nicht geöffnet, aber die Küche des Pergola auch nicht gerade von schlechten Eltern. Sehr spannend und gastfreundlich kalkuliert die in beiden Restaurants identische Weinkarte. Wir hatten das Glück, dass der sehr kenntnisreiche und Wein-affine Hotelier und Gastgeber Roland Tischhauser sich um uns kümmerte.

Frisch, etwas verhalten und sehr geradlinig der 2014 Chardonnay Passion von Donatsch – WT91. Wir wussten nicht, dass auch der 2014 Chardonnay Unique von Donatsch im Keller des Hauses lag, denn auf der Karte stand er nicht. Wir haben ihn mitgenommen und später noch im Hotel getrunken. Das war natürlich etwas unfair, denn die Gläser waren dort zu klein und Karaffe gab es keine. Natürlich war das war ein noch viel zu junges, sehr konzentriertes Weinbaby, qualitativ auf ähnlichem Level wie 2013, aber derzeit ist noch Warten angesagt. Was beeindruckte, war auch hier die straffe Mineralität und die Geradlinigkeit. Corton Charlemagne lässt grüßen. Da kommen sicherlich mal WT96 oder sogar etwas mehr ins Glas. Also Warten und rechtzeitig dekantieren. Füllig, kräftig und sehr würzig der pfeffrige 2009 Grüner Veltliner Vinothek von Knoll mit cremiger Textur, sehr druckvoll und mit leicht barocker Struktur, die perfekt zum Etikett passt. Der Bischof ist vorne drauf, sein Dom in der Flasche. Ein großer Wein, der noch zulegen dürfte – WT95+. Burgund pur der sehr elegante, feine und harmonische 2010 Gantenbein Pinot Noir. Sehr feingliedrig mit betörender, rotbeeriger Frucht und feinem, süßem Schmelz, wunderbare Länge – WT95. Zum Vergleich tranken wir dagegen den ebenfalls großartigen 2012 Pinot Noir Unique von Donatsch, der stoffiger, fülliger und kräftiger wirkte und in seiner Konzentration an große Neue Welt Pinots erinnerte – WT95. Extrem spannend der dritte „Burgunder“, ein 2007 Brunello di Montalcino von Poggio di Sotto. Der war noch so jugendlich, zeigte längst nicht alles, war aber so hoch aromatisch und dabei burgundisch im besten Sinne mit einer feinen Kräuternote und seidiger Eleganz, die Säure des Sangiovese nicht störend – WT94+ Auch der dürfte gut alten und noch zulegen.