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September 2016

Spontaneitäten

Mit feinen Weinen trafen wir uns bei herrlichem Sonnenschein auf der Terrasse des Berens am Kai.

Den Start machte das 2014 Saumagen GG von Philipp Kuhn, das mir schon auf der VDP-Tour im Januar ausnehmend gut gefallen hatte. Etwas fülliger und süffiger als das Philippi-Vorbild, aber auch mit rassiger Säure, sehr guter Mineralität und guter Struktur – WT94. Kuhns Saumagen ist der erste Wein aus einer Parzelle, die er vor 6 Jahren übernommen und auf boidynamische Bewirtschaftung übernommen hat. Da ist in den nächsten Jahren sicher noch Einiges zu erwarten.

Der 2014 Studach Chardonnay war schlanker als das Gantenbein „Vorbild“ mit weniger Holz, aber gewaltigem, aromatischem Druck. Erst ganz am Anfang, heute WT93+, in 5 Jahren durchaus 2-3 mehr. Genialer, schon erstaunlich zugänglicher Stoff war der 2014 Studach Pinot Noir, schlanker und puristischer als Gantenbein – WT94+.

Von der rostbraunen Farbe darf man sich bei 1982 Chateau Musar nicht täuschen lassen. Der wirkt reifer, weicher, cremiger als noch vor drei Jahren, aber mit wunderbarer Aromatik und feiner Würze. Und es wäre nicht der erste Musar, der reif wirkt und dann in ein paar Jahren noch mal richtig aufdreht – WT93.

Begeistert waren wir von diesem 1991 Groot Constantia Cabernet Sauvignon aus Südafrika, der sicher Anfang der 90er mal für kleines Geld in deutschen Supermärkten gelegen hat. Jetzt war das der Silver Oak aus Südafrika mit Schwarzer Johannisbeere, Minzfrische, guter Säure und sogar dem Schuss Dill, dabei noch so präsent dieser Wein mit junger Farbe – WT93. Ein Knaller hätte auch der zweite Südafrikaner sein können, die 1990 Cindy´s Collection, die ich schon als Cindy´s Reserve aus 78 und 80 sehr überzeugend im Glas hatte. Diese Flasche hier hatte leider Kork.

So konnte der Nachmittag natürlich nicht enden. Also kam noch ein 2002 Caymus Special Selection mit süßer Cassisfrucht und verschwenderischem Schmelz in unsere Gläser, ein herrlicher Spaßwein, aber ohne die Struktur früherer Caymus – WT94.

Auf Elkes Terrasse

Eine perfekte Einstimmung auf die große, abendliche Pomerol-Probe war das, was wir da in kleinem Kreise nachmittags auf Elkes schöner Terrasse zelebrierten.

Elke begrüßte uns mit einem grandiosen 1982 Dom Perignon, der mit zum Besten gehört, was ich an Dom Perignon je getrunken habe. Tiefe Farbe, immer noch gutes Mousseux, karamellisiertes Brioche, so unglaublich cremig am Gaumen. Das war wirklich reifer Dom Perignon vom Allerfeinsten mit perfektem Trinkfluss – WT96. 

Aus meinem Keller hatte ich eine kleine Selektion edelsüßer Riesling Raritäten mitgebracht. Irgendwie sind ja alle Weine in Verruf gekommen, die nicht absolut trocken sind. Dabei zeigen sich gerade Auslesen und Spätlesen gleich zweimal von ihrer allerbesten Seite. Einmal in ihrer Jugend mit saftiger Primärfrucht und rassiger Säure und dann wieder nach 15-20 Jahren, wenn die Süße nicht mehr so dominant ist, die Säure reifer, und die Weine in ihrer Harmonie eine gewaltige Komplexität zeigen. Vom niedrigen Alkohol – meist nur 7-8% - ganz zu schweigen. Wer das nie erlebt hat, dem ist etwas entgangen.

So elegant, spielerisch, finessig und dabei noch so jung mit feinem Süße-/Säurespiel, einfach die Leichtigkeit des Seins diese 2001 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese #7 von Fritz Haag – WT94. Mit kräftigem Goldgelb floss die 1983 Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese ins Glas. Feine Honigsüße, etwas Bienwachs, so elegant und finessig – WT95. Schlichtweg sensationell danach die 1967 Deidesheimer Kalkofen Auslese von Bürklin-Wolf. Tiefe, aber brilliante, ins Güldene gehende Farbe, sensationelle Sauternes-Nase mit der Kruste der Crème Brulée und englischer Bitterorangenmarmelade, am Gaumen sehr balanciert mit guter Säure, soviel Spiel, so tolle Länge, der perfekte Pirat für eine große Sauternes-Probe – WT97.

Noch so jung in der Anmutung die 1970 Graacher Himmelreich feinste Auslese von Freiherr von Schorlemer, schlank, gute Säure, verhaltene Süße, die feine Schiefer-Mineralität des Himmelreichs, dazu etwas Bienenwachs, absolut stimmig – WT94. Da tat sich die 1999 Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller richtig schwer, die zwar eine erstaunliche Fülle und auch noch Jugend zeigte, aber wohl irgendwo im Übergangsstadium feststeckte – WT91.

Mit bringen wollte ich eigentlich auch die geniale 1992 Braunberger Juffer Sonnenuhr Spätlese #5 von Fritz Haag, hatte sie aber auf die Schnelle nicht gefunden. Wie schön, dass die liebe Elke davon ein Exemplar hatte. Die hatte schon eine erstaunliche Reife und Fülle, stammte halt nicht aus meinem Eiskeller – WT91.

Heimischer Sonntag

Ein schlichtweg genialer Wein war dieser 2012 Grüner Veltliner Weitenberg von Veyder-Malberg aus der Wachau. Was hier von 60jahre alten Reben völlig boytritisfrei geerntet wird, entspricht nicht dem, was hier sonst so als Smaragd geerntet wird. Der Weitenberg scheint wie aus einer anderen Welt, aus höheren Sphären. So fein, so elegant und finessig, absolut trocken mit präziser, gelber Frucht, feiner, pfeffriger Würze, salziger Mineralität, alles so stimmig, so balanciert, nie laut wirkend. Sicher mit großer, langer Zukunft – WT95+.

Sehr elegant mit feinem Schmelz, getastetem Holz, weißen Früchten und frischen Backwaren überzeugte der 2012 Hildegard von Au Bon Climat, eine eher ungewöhnliche Cuvée aus Pinot Gris und Pinot Blanc, abgerundet durch Aligoté, die dem damaligen Corton Charlemagne aus der Zeit Karls des Großen nachempfunden sein soll – WT93.

Eine ganze Ecke drüber der kraftvolle, mineralische, sehr komplexe 2012 Monteverro Chardonnay – WT96

Immer mehr dreht dieser 2002 Mouton Rothschild auf, das ist einfach die Kraft und die Herrlichkeit, ein großer Mouton mit der klassischen Aromatik – WT97.

Noch sehr jung wirkte der mächtige 2012 Jonata La Sangre de Jonata, ein Syrah mit 3% Viognier aus dem kalifornischen Santa Ynez Valley. Nördlich Rhone mit kalifornischer Frucht, aber nicht überladen – WT95.

Kaum zu glauben dieser 1976 Roodeberg von KWV aus Südafrika, der sehr weich, elegant und schmelzig wirkte, aber ohne Alterstöne – WT92.

Der 1998 Charmes Chambertin von Marché aux Vins aus einer limitierten Auflage von 240 Flaschen für die letzte Jahrtausendwende war jetzt auf dem Punkt, ein sehr stimmiger, aromatischer Burgunder, weich, elegant mit feiner Süße und schöner Länge – WT93.

Viva la Vita

Eigentlich wollten wir nur auf die Schnelle ein paar Nudeln essen, der Bernd und ich. Aber der liebe Bernd hatte auch Durst auf Wein. Also ließ ich mich breitschlagen, und die erste Flasche kam auf den Tisch. Die trank sich einfach verdammt gut, diese 2007 Zeltinger Sonnenuhr Auslese* von Molitor mit ihrer wunderbaren Mineralität, auch wenn sie sicher noch etliche Jahre zulegen dürfte – WT92+. Und schon nahm das Verhängnis seinen Lauf. Unsere Runde wurde unvorhergesehen immer größer, und damit wuchs auch die Anzahl der Weine. Nicht anfreunden konnten wir uns mit dem 2010 Pittermännchen GG von Diel. Das war eher ein freudloses Bittermännchen. Da dann doch lieber den schon zugänglichen, verdammt gut trinkbaren 2007 Barolo Falletto von Bruno Giacosa, der jetzt langsam zur Hochform aufläuft. Wunderbares Bouquet aus Rosen, Kräutern, Menthol und Lakritz, teerige Mineralität, schöne Süße, präsente, aber reife Tannine – WT95.

Was für ein Traumwein, dieser 2013 Ornellaia, den uns Michelangelo Saitta danach in einer der seltenen Designerflaschen serviert hat. Für mich der beste Ornellaia seit 2004, nicht mehr so dicht, fett und konzentriert. Eher trotz deutlicher Tannine wieder auf der eleganten Seite mit feiner, schmelziger Frucht. Endlich wieder ein Ornellaia, der richtig Trinkspaß vermittelt. Die dicken Dinger der letzten Jahre braucht niemand – WT96+.

Nicht sonderlich anfreunden konnten wir uns mit dem dichten, kräftigen 2011 Biserno, der auf hohem Niveau etwas dick und ungelenk wirkte – WT91. Galt irgendwo auch für den konzentrierten, dichten 2009 Petrolo Galatrona, der sicher mehr Luft braucht, als wir im gaben – WT92+. Zum Abschluss teilten wir uns noch eine Magnum des ebenfalls sehr kräftig und noch unfertig wirkenden 2011 Monevetrano. Der war ok, aber mir haben die Weine von Silvia Imperato früher mit ihrer seidigen Eleganz besser gefallen, als da noch mehr Merlot und weniger Aglianico drin war – WT90+.

Spontan bei Toni mit den Kiowski-Brothers

„Haste Lust?“ Klar konnte ich da nicht nein sagen, als Toni spontan mit den Kiowski-Brothers und mir ein paar schöne Weine auf der sommerlichen D´Vine Terrasse trinken wollte. Also ab in den Keller. Eine Tasche mit altem Plunder gefüllt und ab ins D´Vine.

Toni wartete schon als Apero mit einer erstaunlich guten, schlanken, mineralischen 2002 Louise auf mich. Das waren locker WT94. Des Rätsels Lösung? Die war noch vom Vortag auf. Warten kann auch bei Champagner lohnen. Großartiges, spontanes Tasting gestern im D´Vine mit Toni und den Kiowski-Brothers.
Und dann ging es gleich ins Eingemachte mit einem höchst erstaunlichen 1947 Rauenthaler Wülfen von den Staatsweingütern Eltville, der mit seiner güldenen, aber brillianten Farbe deutlich jünger wirkte. Eigentlich war das, was uns da mit faszinierender Aromatik verwöhnte, ja nur ein einfacher QbA. Braune Butter, Karamell, nussig, etwas Kaffee, Mokka, Tabak, feine Bitternote am trockenen Gaumen, baute enorm aus. Und das aus einer Flasche mit gut 6cm Schwund – WT94.
Und so ging das weiter mit einem sehr spannenden 1982 Kremser Wachtberg Traminer vom Weingut Undhof. Der war noch voll da mit Orangenschale, Cointreau, Tarte Tatin, sehr würzig und am Gaumen absolut trocken – WT93. So saftig, so spannend, so animierend danach die großartige 1989 Scharzhofberger Auslese von Van Volxem, die deutlich zeigte, welches Potential dieses Gut mit seinen Lagen schon früher besaß. Mineralisch, Bienenwachs, reife Aprikose, gute Säure – WT94.
Überragend natürlich die 1994 Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese Goldkapsel #9 von Altmeister Wilhelm Haag, die mit ihrer Schwerelosigkeit und dem feinen Schmelz deutlich zeigte, was große Winzer mit entsprechendem Terroir auch in schwierigeren Jahren leisten können. Hier war die 94er Säure mit bestem Lesegut einfach zu einem enorm druckvollen, harmonischen Ganzen mit perfekter Struktur verpackt – WT96. Und wo wir gerade bei den Altmeistern waren, da durfte auch J.B. Becker nicht fehlen. Dessen 1992 Wallufer Oberberg Auslese hatte eine rauchige Nase, Kraft und Fülle, hätte aber mit ihrer scheinbaren Schiefer-Mineralität auch an die Mosel gepasst – WT94.

Eigentlich nicht in diese Runde passte zwischendrin der 2008 Kallstadter Saumagen Kabinett trocken von Koehler-Ruprecht. Der war einfach nur trocken, staubig und langweilig – WT85.
Dafür kamen dann zum Schluss noch drei moderne Klassiker in unsere Gläser. Mit dem so traumhaft balancierten 2004 Halenberg GG von Emrich-Schönleber der vielleicht bisher beste Halenberg dieses Gutes – WT95. In der gleichen Liga wie der 2004er des Hauses eine rassige, brilliante, straffe, mineralische, schlichtweg perfekte 2008 Hermannshöhle GG von Dönnhoff – WT96. Und dann war da noch eine sehr feine, sehr elegante, fast etwas verspielt wirkende 2007 Niedermenninger Herrenberg Auslese trocken** von Molitor – WT94.

Wird Zeit, dass Toni mal wieder fragt. Lust hätte ich.

Kleine Ridge Monte Bello Vertikale

Lust auf eine kleine Monte Bello Vertikale hatte ich. Der Ridge Monte Bello, dieser großartige Bordeaux aus Kalifornien, gehört mit seiner gleichbleibend hohen Qualität zu meinen persönlichen Lieblingsweinen. Klein diese Vertikale deshalb, weil wir nur eine kleine Runde waren. Also habe ich spontan ein paar Flaschen gegriffen, auf die ich Lust hatte und die sich nicht vor mir im Keller versteckt hatten.

Gestartet sind wir mit 2000 Ridge Monte Bello aus einem kleineren Kalifornien Jahrgang mit schneller reifenden Weinen. Das war ein Traum Ridge zum hemmungslos schwelgen und in großen Schlucken zu genießen. Offen mit fruchtiger Fülle, aber immer noch mit guter Struktur und ohne Alter – WT93. Der 1990 Ridge Monte Bello wirkte im Vergleich gut 10 Jahre jünger als der 2000er. So eine präzise Frucht, Kirsche und Cassis pur, viel Minze, so eine tolle Struktur, immer noch Zukunft ohne Ende – WT97. Der 1991 Ridge Monte Bello wirkte im direkten Vergleich etwas reifer und weicher, aber dekadent lecker mit süchtig machendem Schmelz – WT96. Ein Traum aus Minze und Eukalyptus der zugängliche 1992 Ridge Monte Bello, der aber genügend Substanz für lange Jahre hat – WT94. Darf ein moderner Kalifornier mit nur 12,5% Alkohol so eine extraktreiche Fülle und Frucht haben wie der geniale 1994 Ridge Monte Bello? Was für ein großartiger Wein mit Struktur, Biss und Länge, immer noch mit reichlich Zukunft – WT96. Im direkten Vergleich wirkte der 1995 Ridge Monte Bello etwas zugänglicher, aber auf was für einem Niveau! Auch hier garantieren die gute Tannin- und Säurestruktur noch eine lange Zukunft – WT95. Traumstoff pur der 2001 Ridge Monte Bello mit der genialen Struktur des 90ers und darauf gesetzt noch dekadente, süße Fülle, ein Mörderteil, allerdings auch mit eher untypischen 14,2% Alkohol – WT97+. Und der noch so jugendliche 2012 Ridge Monte Bello zeigte, dass man aus diesem Gut noch nichts verlernt hat. Zeigte sich in grandioser Frühform mit reifer, aber präziser, kalifornischer Frucht und der Struktur eines großen Pauillac, hat sicher 30 Jahre Zukunft – WT95+.

Bella California im Garten

Wofür ist eigentlich die eigene Terrasse da, wenn man sie nicht nutzt? Der Abend war traumhaft, also zogen die Mädels in den Käseladen, die Mannsbilder in den Keller und mit dem Ergebnis der zwei Streifzüge wurde schnell der Tisch gedeckt.

Kein „Kaum zu glauben Wein“ war (mal wieder) der 1987 Beringer Cabernet Sauvignon Private Reserve. Ob der ewig lebt? Auch an diesem Abend überzeugte meine jetzt vorletzte Flasche wie schon so oft seit 2000 mit dichter, dunkler, süßer Frucht, mit enormer Kraft, Struktur und Länge – WT97. Was konnten die damals, was sie heute nicht mehr in dieser Form können? Ein weiterer Superstar aus den kalifornischen Golden Eighties ist der immer noch so junge 1989 Heitz Martha´s Vineyard. Auch der sehr kräftig und druckvoll mit der faszinierenden Mischung aus Minze, Eukalyptus und Cola und 8endlich!) sehr guter, klarer Frucht. Auf Heitz gab es endlich neue Fässer. Der Stinker der Jahre davor hatte ausgestunken. Ein faszinierender Martha, der sich noch weiter entwickeln wird und durchaus noch mehr zeigen könnte – WT95+. Kraft und Freude zugleich bei 1991 Dominus, diesem großen Pauillac aus Kalifornien. Der hat immer noch diese gewaltige Struktur und das intakte Tanningerüst, zeigt aber inzwischen mit seiner süßen Frucht und seiner Minzfrische auch seine kalifornische Herkunft. Macht verdammt viel Spaß, aber da könnte durchaus noch mehr kommen – WT96. Für das in Kalifornien meist sehr üppige, teilweise sogar pralle Jahr mit überreifer Frucht zeigte sich der 1997 Chateau Montelena minzig, ledrig, klassisch mit toller Struktur, aber auch erstaunlich zurückhaltend, zeigt längst noch nicht alles und hat sehr gute Zukunft – WT95+. Schlichtweg atemberaubend der 2001 Colgin Carriad, ein riesengroßer, moderner Kalifornier aus einem Superjahr, bei dem einfach alles stimmte von der Frucht über die Struktur bis zur ewigen Länge, wirkte trotzdem weder dick noch überladen, einfach brutaler Druck in totaler Harmonie. Geht nicht Geht doch, klare WT100.

Kellers erster Morstein

Klar war ich neugierig. Auf einer Auktion hatte ich ältere Jahrgänge der Weine von Klaus Peter Keller ersteigern können. Und da ich kein Weinsammler bin, sondern Weingenießer, gab es nur eins, Korken raus. Das erfolgte zusammen mit guten Freunden und noch zahlreichen, anderen Weinen zu einem feinen Menü auf der sommerlichen Terrasse des Berens am Kai.

Die damalige Euphorie über den Jahrgang 2003 schlug schnell in Ernüchterung um. Einfach zu warm war der Jahrgang. Und doch gibt es in Deutschland Winzer, die mit dem Jahrgang gut zurecht kamen.
Die beiden Weine in unseren Gläsern von Klaus Peter Keller aus Rheinhessen zeigen das deutlich. 
Das 2003 Kirchspiel GG wirkte trotz erster Reife noch so frisch, elegant und verspielt mit pikanter Frucht, feinem Schmelz und schöner Extraktsüße. Aber da war auch noch eine erstaunlich gute Säure, die diesem Wein eine sehr gute Balance verlieh - WT94 und sicher bei guter Lagerung noch eine längere Zukunft. Der 2003 Hubacker GG hatte eine etwas dichtere Farbe, war etwas fülliger und kräftiger und wirkte auch etwas reifer. Und während alles nach einem Punktsieg fürs Kirchspiel aussah, drehte der Hubacker mit Zeit und Luft unglaublich auf, wurde nicht nur frischer und druckvoller, der packte plötzlich auch noch eine gute Säure aus und war schließlich auf hohem Niveau der überzeugendere Wein - WT95.
Da kann ich nur sagen: KPKK, Klaus Peter Keller kanns.

Andächtig kniete der Wineterminator dann vor dieser Flasche. Dieser 2002 Morstein GG von Wein Magier Klaus Peter Keller war nicht nur der erste aus dieser Lage mit klitzekleiner Ernte, er war aber auch aus dem Stand ein Monument. Eine hypothetische Mischung aus einem großen Riesling und dem Besten von Raveneau in Chablis. So präzise in der Struktur, so mineralisch, so druckvoll und unendlich lang am Gaumen. Eine Riesling Legende, die sprachlos machte. Da sind WT98 das mindeste. Unendliche Glücksgefühle.

Spannendes Zwischenspiel danach ein sehr rarer, ausgefallener Wein aus St. Helena im Napa Valley. Von einem vor über hundert Jahren angelegten Rebberg, der urspünglich für die Produktion eines „Napa Sauternes“ gedacht war, stammt dieser der 2014 De Sante The Old Vines. Eine Cuvée aus Semillion, Sauvignon Blanc und weiteren Rebsorten von über 50, meist sogar 90 Jahre alten Reben, mit niedrigen Erträgen (14hl/ha) früh geerntet. Rauchig die Nase, Zitrusfrüchte, feine Kräuternote, sehr mineralisch und frisch, aber trotz bescheidener 12% Alkohol durchaus auch mit Kraft. Geht als eine hypothetische Mischung aus einem weißen Bordeaux und einem Chablis durch – WT93.

Und dann kam ein großer Flight aus 1998, diesem Riesenjahrgang auf dem rechten Ufer. 1998 Trotanoy war nicht der übliche Brocken, sondern zeigte sich so feinfruchtig mit eleganter, rotbeeriger Frucht und schöner Kräuternote, am Gaumen erster Schmelz, aber auch noch Kraft und Rückgrat für eine längere Entwicklung – WT96. Noch nie so gut hatte ich 1998 Vieux Certan im Glas, kräuterig, kräftig, eher maskulin, aber hoch aromatisch und so unglaublich druckvoll, sehr lang am Gaumen – WT98. Da hätte jetzt 1998 Cheval Blanc noch mal eins drauf setzten müssen, der das Potential hat, sich mal unter die größten Cheval Blancs des letzten Jahrhunderts einzureihen. Aber von den irgendwann mal möglichen WT100 zeigte er heute nur 94+. Kraftvoll und sehr lang zwar, aber so tanninbetont und verschlossen. Da ist bei guter Lagerung noch längeres Warten angesagt.

Trotz reifer Farbe war der 1959 Figeac in einer R&U Abfüllung für die Schaffermahlzeit noch so kräftig und lang, mit süßer Frucht, Kaffee und Trüffeln – WT96.

Und dann kam „Schloss Obergeilstein“ in die Gläser, dieser hedonistische 1990 Cheval Blanc, der mit seiner süchtig machenden, explosiven, schmelzigen Aromatik wie ein modernes Remake des legendären 47ers wirkte und sich wie ein großer Seidenteppich auf den Gaumen legte, einfach Weltklasse – WT100.

Zinfandel? Oh ja. Diese amerikanische Spezialität kann in den Händen der richtigen Winzer extrem spannend sein. So dieser 1984 Chateau Montelena Zinfandel John Rolleri Reserve. Von der sehr reifen, hellen eher rostbraunen Farbe, die eher an einen alten Barolo erinnert, darf man sich nicht täuschen lassen. Traumhaft die sehr ätherische, würzige, pfeffrige Nase, auch am Gaumen sehr facettenreich mit irrer Würze, da ist jede Menge Spaß im Glas – WT96.

Weiter ging es mit einem famosen 1978 Meerlust Cabernet Sauvignon aus Südafrika, der locker als feiner, eleganter, perfekt gereifter Medoc mit erster Süße und toller Länge durchging – WT93.

Minzig, ledrig, reif, weich und füllig der 1997 Chateau St. Jean Cinq Cepages aus Kalifornien – 92. Und als Knaller zum Schluss noch der 1997 Ojai Syrah Cuvée Henry Daniel mit schlappen 16% Alkohol. Sehr dicht mit süßer Frucht, enormer Kraft und Länge, einfach reifer Syrah vom Feinsten und erstaunlich stimmig – WT96.

Fern-Geburtstag

Geburtstag haben wir an diesem Abend gefeiert. Leider ohne das bezaubernde Geburtagskind, das sich in südliche Gefilde verdrückt hatte. Dafür hatten wir aus hiesigem Keller große Weine aus dem Geburtsjahr unseres Engelchens im Glas.

Auf der immer noch sommerlichen Terrasse des Passion du Vin haben wir uns zu Anfang bei diesem 1983 Leoville Poyferré gewundert, wie vital und kraftvoll die Weine dieses Jahrgangs noch sind, sehr würzig und kräftig mit frischer Frucht, Tabak, Zedernholz und sehr guter Länge am Gaumen, durchaus noch mit Zukunft - WT93. Auf unglaublichem Niveau ging es weiter mit 1983 Les Forts de Latour, der aus dieser Flasche absolutes Grand Cru Niveau hatte. So mineralisch, so jung, so viel Tiefgang und die klassische Walnuss-Aromatik von Latour - WT95. Dazu muss man wissen, dass Les Forts kein Zweitwein von Latour ist. Der Wein stammt einfach aus Parzellen mit jünger angepflanzten Weinen. Und die haben einfach in 1983 mal richtig gezeigt, was sie drauf haben. Aber bitte nicht weiter erzählen. Ich würde da gerne auf der nächsten Auktion noch ein paar Kisten von kaufen.

Minze pur mit superber, saftiger Frucht der 1983 Chateau Montelena, der sich noch so jung mit gewaltigem Potential zeigte - WT95. Weiter ging es mit 1983 Trotanoy, diesem großartigen Pomerol, so elegant, schokoladig und schmelzig, aber auch enorm druckvoll und würrzig mit feiner Kräuternote - WT96.

Perfekter Abschluss unseres fernen Geburtstagsfestes ein schlichtweg genialer 1983 Palmer, der sich mit Samt und Seide auf unsere Gaumen und auch unsere Seele legte - WT97.

Und bevor ich es vergesse. Wo gibt es die weltbesten Reibekuchen? Nebenan bei Meuser. Leider nur einmal im Monat, aber eben an diesem Abend und sooooo gut.