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1921
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1921 erlebte Mitteleuropa einen sehr heißen Sommer und eine frühe Ernte, Bedingungen also, wie wir sie in Zukunft wohl häufiger erleben werden. Die 21er Vorläufer von 2003?
In Bordeaux wurden eine Legende erzeugt - Cheval Blanc - etliche schöne Weine, aber auch viel Mist. Die Winzer hatten damals noch nicht die heutigen technischen Möglichkeiten, insbesondere der Temperaturkontrolle bei der Gärung. Viele wurden mit den zuckerreichen Mosten einfach nicht richtig fertig.
Montrose zeigte sich 2001 endlich mal als ein richtig großer, reifer Wein mit Finesse und schöner Süße. Auch 2007 zwar mit einer leicht stahligen, blechernen Nase, dafür aber am Gaumen trotz aller Struktur ganz und gar Montrose-untypisch zugänglich mit feiner Süße und Finesse – 93/100.
Nur einmal getrunken Latour, 1993 auf Rodenstocks Arlbergprobe aus der Jeroboam, noch mit viel Kraft, entwickelte sich im Glas und müsste auch in der 1tel noch gut sein.
Ducru Beaucaillou floss 2009 aus der Magnum mit sehr reifer, bräunlicher Farbe ins Glas und wirkte dabei verdammt morbide. Doch das gab sich mit etwas Luft. Der Ducru gab noch mal richtig Gas, wurde immer seidiger, eleganter, generöser und süßer, entwickelte noch eine schöne, an ältere Chateauneufs und Burgunder erinnernde, erdbeerige Frucht, ein faszinierendes Altweinerlebnis mit viel Charme – 92/100. Gruaud Larose war lange stark von massiven Tanninen dominiert, zuletzt 2001 eine eckige, ungeneröse Flasche, davor aber auch schon in deutlich schöneren Magnums getrunken. Zuletzt 2009 zwar viel Säure, aber auch eine schöne, malzige Süße. Das Depot, das ich mir natürlich nicht entgehen ließ, zeigte noch mal eindrücklich die einstige Klasse diesen Weines - 84/100. Léoville las Cases hatte 2005 noch eine kräftige Farbe mit deutlichem Braunrand, pilzige Nase mit reifen Wiesen-Champignons, aber auch die typischen Kaffee- und Mokkaaromen großer, älterer Weine, baut im Glas nicht ab und ist trotz gewisser Säure schön am Gaumen - 92/100.
Ein Geheimtipp Cantemerle, sicher der beste, jemals auf diesem Gut erzeugte Wein. Zwischen 1996 und 2001 mehrmals getrunken, sehr helle, reife Farbe, malzig, süß, perfekt gereifter, großer Bordeaux mit toller Länge. Lanessan war 2001 ein sehr schöner Wein, der durch die kräftige Säure und die gute Struktur viel jünger wirkte – 93/100.
Ferrière hatte 2006 eine noch sehr dichte, intakte Farbe, in der Nase erst etwas medizinal, Hustensaft, dann kam immer mehr Frucht, malzige Süße wie bei einem großen Rioja, am Gaumen samtig und weich – 94/100. Margaux zeigte 1995 auf einer Drawert-Probe zwar eine gesunde, dichte Farbe, eine wunderschöne Süße in Nase und Gaumen, jedoch deutete die mit der Zeit überhandnehmende Säure ein rasches Ende an. Wie unterschiedlich alte Flaschen sein können, zeigte Palmer. Zweimal - 1992 und 1995 auf Drawert-Proben als eher schon zu alt empfunden - zeigte sich 2001 eine Flasche von Jürgen Drawert, wohlmöglich aus demselben Lot, als Riesenteil mit irrer Länge, feiner Süße und ohne jede Müdigkeit – 95/100. Zuletzt 2009 auf René Gabriels wieder ein überzeugendes Altweinerlebnis mit himbeeriger, burgundischer Frucht – 93/100.
Altwein auf recht hohem Niveau und durchaus noch mit Genuss zu trinken war Haut Brion 2006 auf der großen Haut Brion Probe, sehr reife Farbe, reif auch in der eher Richtung Herbstlaub gehenden Nase. Am Gaumen aber ein sehr spannender, aromatischer Wein mit feiner Süße, der sich positiv im Glas entwickelte. Überhaupt nicht müde und mit beachtlicher Länge – 86/100.
Rustikal, kräftig und trotz deutlichen Brauntönen immer noch gut in Form mit viel Tabak 1995 der Ausone – 93/100. Dreimal durfte ich den Cheval Blanc aus wunderbaren Magnums trinken, zuletzt im Mai 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe. Ein ungemein dichter, kräftiger Wein mit toller Aromatik und schöner Süße – 100/100.
Nahe der Perfektion auch Petrus mit sensationellem Bouquet und intensiver Süße 1993 auf Walter Eigensatz Petrus-Probe – 97/100. Danach 93 und 95 noch zwei weitere Magnums, von denen mir mindestens eine „zu jung“ war.
Auch in Sauternes wurde eine Legende erzeugt - Yquem - und viele schöne Weine. Den Yquem habe ich nur einmal, 1995, wirklich groß erlebt mit dunkler, dabei sehr klarer Farbe, schöner Mokka/Kaffeenase, frisch(!), kräftiger und angenehmer Säure, auf hoffnungsvollem Weg ins nächste Jahrtausend. Mehrere weitere Flaschen auf großen Proben waren es einfach nicht. Mal hatte eine 1993 recorkte Flasche noch kräftige Säure, aber wenig Boytritis und Süße, dazu einen unangenehm säuerlicher Nachgeschmack. Dann waren andere Flaschen einfach zu alt oder schmeckten nach allem, nur nicht nach 21 Yquem. Da gibt es wie bei vielen Weinlegenden zwei Hauptprobleme. Zum einen werden diese Weine ob ihres hohen Preises häufig gefälscht. Wo 21 Yquem draufsteht, ist deshalb noch längst nicht 21 Yquem drin. Zum anderen gehören Yquem und Mouton zu den meistgereisten Weinen dieser Welt. Wenn Sie eine solche vielgereiste Flasche erwischen mit 12 Vorbesitzern, hundert mal stolz herumgezeigt und auf Kaminsimsen präsentiert, dann lassen Sie diese besser zu und erhalten sich die Illusion. Der Inhalt ist es nicht mehr. Da ist das Geld dann, wenn es denn 21 sein muss, besser in kleineren Gewächsen angelegt. Coutet war 1993 auf einer Drawert-Probe gezehrt und streng – 81/100. Deutlich besser 2001 als Vandermeulen-Abfüllung, dunkle Farbe, kräftig am Gaumen, nicht unangenehme Bitterstoffe im Abgang – 92/100. Ein Doisy Daene in Vandermeulen Abfüllung, 1999 bei Sothebys für ein 20stel des Yquem-Preises ersteigert, zeigte 2001 eine unendliche Eleganz und Länge – 95/100. Zuletzt 2010 gülden die Farbe, karamellige, schokoladige, malzige Süße, aber auch mit kräuteriger Note, durch die gute Säure immer noch frisch wirkend, dabei sehr elegant, fast filigran - 95/100. Eher etwas enttäuscht war ich 1993 von einem Lafaurie-Peraguey, sehr dunkle, fast schwarze Farbe, leichte Medizinalnase, eckig, plump – 87/100. Großartig 1996 ein de Ricaud aus der halben Flasche, zwar eher halbsüß, aber mit schöner Säure, viel Extrakt, kein Alter – 94/100. La Tour Blanche hatte 2009 aus der Magnum eine wunderbar schmelzige, generöse Nase. Süß, karamellig mit gebrannten Mandeln, Orangenschalen und etwas Crême Brulée. Nur am leicht gezehrten Gaumen spürte man das Alter – 92/100.
Ähnliche Probleme wie in Bordeaux herrschten in Burgund, doch wurden auch hier einige sehr schöne, langlebige Weine erzeugt. Ein Chambolle Musigny von Bourdillat aus dem Keller des Vieux Restaurant Weber in Paris hatte 2005 eine reife, bräunliche Farbe, in der Nase zunächst die (über-)reife Frucht eines älteren Rioja, später kommen leichte Jod-Töne dazu, am Gaumen perfekt balanciert und kein Alter, zeitlos schöner, eleganter Burgunder, erst nach längerer Zeit im Glas kam am Gaumen vermehrt Säure dazu, so ein Wein darf halt nicht ewig offen bleiben. Als "Analysegerät" würde ich einem solchen Wein 94/100 geben, als Weinliebhaber kann ich ihn nur als ein unwiederbringbares, großes Erlebnis bezeichnen, das man mit Punkten nur beleidigen kann. Ein Gevrey Chambertin von Leon Christophe hatte 2009 immer noch eine sehr überzeugende Farbe und war so süß, so rund so lang, so hocharomatisch mit viel Kaffee und Mokka, ein Weinriese wie von einem anderen Stern – 98/100. Eher grenzwertig war 2009 ein Santenay von Guichard-Potheret & Fils. Helle, sehr reife Farbe, in der Nase sehr käsig, am Gaumen mit deutlicher schon Richtung Essig gehender Säure. Ein Hospice de Beaune Savigny Vergelesses von Morin hatte 2009 eine irre Farbe und dazu eine absolut geile Nase mit reifen Himbeeren und Kirschen, dazu reichlich Tabak und eine feine Süße, drehte auch am Gaumen auf und wurde immer fülliger, spannender, süßer und länger – 95/100. Filigran, lang, mit toller Beerenfrucht 2001 ein Richebourg Vandermeulen. Der erlebt sicher auch noch seinen 100sten. Zuletzt 2008 tiefdunkle Farbe, intensive Kaffee- und Mokkatöne, dezent oxidativ, malzige Süße, alter Balsamico, brachte immer noch reichlich Kraft und Fülle ins Glas – 96/100. Ein hedonistisches, überreif-üppiges, portiges Superteil in 2001 der Chambertin Vandermeulen – 98/100. Faszination verströmte 2009 ein Nuits St. Georges von Leon Christophe. Der hatte zwar eine sehr reife, alte und helle Farbe, aber noch eine sehr feine, delikate Nase und war am Gaumen, gestützt durch eine gute, tragende Säure hoch elegant mit generöser Süße – 92/100. Immer wieder für Überraschungen gut sein können auch alte Beaujolais. Ein Beaujolais Fleurie in einer deutschen Abfüllung von Reidemeister & Ulrichs hatte 2010 eine sehr dichte, fast ins Schwarze gehende Farbe, ein sehr kraftvoller Wein, intensiv am Gaumen mit malziger Süße – 94/100.
Als großartig und sehr langlebig gilt der Jahrgang auch an der Rhone.
Jahrhundertjahrgang im Elsass. Ein Gewürztraminer Selection Grains Nobles von Klipfel hatte 2006 eine betörende, parfümiert wirkende Nase, ein großes Rosenbeet, in der Nase mehr Süße als am Gaumen, wunderbare Würze, deutliche, sehr angenehme Bitternoten, geht etwas in Richtung Muskat, nicht mehr sehr süß und unglaublich lang am Gaumen. Ein großer Wein, der einfach von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang gleichmäßig stark war – 97/100.
Absolut grandios war 1921 für deutsche Süßweine. Es gilt als größtes Jahr des letzten Jahrhunderts, und die hoch gelobten 2003er müssen da erst mal drankommen. Nur ein einziges Mal, 1993, durfte ich die legendäre Bernkasteler Doctor TBA probieren, ein Wahnsinnswein, der am Gaumen garnicht mehr aufhörte. 1995 hatten wir dann zu zehnt noch mal zusammengelegt für eine Probe mit dem "Doctor" als Höhepunkt. Der Verkäufer saß mit am Tisch, er war echt, die Flasche nicht! Teilweise entschädigt wurden wir von einer grandiosen Nackenheimer Rothenberg TBA der Hessischen Staatsdomaine, kräftige, dunkle Farbe, besaß noch schöne Säure und feine Süße, minutenlanger Abgang!, toll. 2001 dann eine sehr schöne Niersteiner Hipping Riesling TBA vom Weingut Schmidt aus Rheinhessen. 2006 eine Hochheimer TBA, mehr Angaben gab es nicht zu diesem Giganten, genaue Lage und Winzer blieben im Dunkeln. Güldene, aber immer noch brilliante Farbe, wunderbare Süße, balanciert durch gute Säure, bittere Orangenmarmelade, irre Länge am Gaumen – 98/100. 2008 hatte ein einfacher Johannisberger Erntebringer Naturwein von den Vereinigten Weingutsbesitzern eine Cognacfarbe und die faszinierende, nussige, leicht süße Nase eines Sherry Amontillado. Am Gaumen war er furztrocken und schon deutlich oxidativ mit einer an Walnüsse erinnernden Bitternote im Abgang - 86/100 Gut gelagerte 21er Süßweine würde ich bedenkenlos nachkaufen.
Aus Spanien habe ich nur den Vega Sicilia Unico getrunken, im Frühjahr 2001 und dann noch mal im Herbst auf der großen Vega-Probe. Beide Male hat er mich sehr enttäuscht. Einer sensationell dichten Farbe und - in der besseren der beiden Flaschen - leichten Karamellnase - folgten animalische Töne, eine am Gaumen fast untrinkbare Säure, dazu immer mehr Kartoffel und Sauerkraut, schade.
Großes Champagnerjahr. Bei Moet&Chandon wurde der erste Dom Perignon erzeugt.
Kein Vintage-Port in 1921.
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